Kurzkritik: Sully

Sully FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Tom Hanks, Aaron Eckhart

Die berühmte „Bruchlandung“ auf dem Hudson River in NYC im Jahre 2009 – in den USA ‚Miracle on the Hudson‘ genannt – hat Clint Eastwood hier zum Kinostoff gemacht. Die Eckdaten sind ja weitgehend bekannt: kurz nach dem Start fallen beide Triebwerke eines Passagierfliegers aus, weil Gänse hineingeflogen sind. Kurz danach landet Pilot Chesley „Sully“ Sullenberger die Kiste im Hudson, Passagiere und Crew können weitgehend unverletzt gerettet werden.

Das zentrale Drama des Films ist die Frage, ob der Pilot richtig gehandelt hat und als Held gefeiert werden sollte, oder ob er waghalsig handelte und eine normale Notlandung an einem nahe gelegenen Flughafen die bessere Option gewesen wäre. „Sully“ erinnert zuweilen an „United 93“, stellt detailliert und dokumentarisch die Szenerie nach (vom Start bis zur Rettung vergehen nur wenige Minuten). Die Rahmenhandlung zeigt wie Sullenberger und sein Co-Pilot versuchen mit dem Medienrummel zurecht zu kommen und der kritischen Kommission der Verkehrsbehörde Rede und Antwort stehen müssen.

Die Rolle des routinierten, bescheidenen Piloten ist Tom Hanks quasi auf den Leib geschrieben, was dem Film ein solides emotionales Fundament gibt. Doch trotz der soliden und unaufgeregten Inszenierung ist „Sully“ letztlich nicht mehr als eine Nacherzählung, die ihren Stoff zwar wunderbar aufzubereiten versteht, aber ohne echten Stimmungsbogen auskommen muss. Man kann sich das gut ansehen, es führt aber letztlich zu nichts. Womöglich wollte Eastwood einfach einen unterhaltsamen Anti-Katastrophenfilm drehen – das ist ihm sehr gut gelungen.

3/5

Kurzkritik: Money Monster

Money Monster FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Jodie Foster; Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West

Geiselnahme im Live-TV – Lee, Moderator einer krawalligen Finanz-Show, gerät in die Gewalt des frustrierten Zuschauers Kyle, der wegen eines Anlagetipps seine Ersparnisse verloren hat.

Während Lee mit seiner Produzentin (Roberts) einen Ausweg sucht, stellt Kyle in Frage, dass der Kurssturz der Investmentfirma wirklich an einem „fehlerhaften Algorithmus“ lag. Auch außerhalb des Studios ist man um Aufklärung bemüht…

Gut gespielt und flott inszeniert bemüht sich „Money Monster“ um einen treffenden Kommentar zur Schieflage und Undurchschaubarkeit des internationalen Finanzwesens. Doch trotz ein paar guter Ideen nimmt das Geschehen einen so unglaubwürdigen Verlauf, dass man zwar noch folgen mag, sich dabei aber zusehends verwundert am Kopf kratzt.

3/5

 

Coming up – Kurze Kino-Vorschau

Es wird wieder ein Jahr mit wenigen Gängen ins Kino, soviel ist klar. Das liegt sicher auch an meiner zunehmenden Faulheit, entscheidender sind aber andere Faktoren, die mich mehr denn je stören. Erstens dauert der Gang ins Kino wegen der Werbung sehr lange, das nervt, schliesslich bezahlt man ja Eintritt. Zweitens passen die Vorführungszeiten oft nicht in meinen Alltag. 18:00 Uhr ist zu früh, 20:30 Uhr fast zu spät (weil: siehe erstens).

Das wäre aber alles irgendwie machbar, wenn es denn nur Filme gäbe, die mich ins Kino locken würden. Neben den Filmen der wenigen Regisseuren, deren Werke ich fast immer im Kino sehe (Coens, Tarantino, Wes Anderson, Scorsese, usw…), kommt da wenig bis nichts Aufregendes. Remakes, Reboots und ohne Ende Sequels von bekannten Franchises. Laaaaaaaangweilig!

Ich habe etwa an den Comic-Verfilmungen hin und wieder durchaus Spaß, aber ins Kino gehen, um den immer gleichen Mummenschanz noch mal zu gucken? Nö. Da hilft es auch nicht, dass die 3D-Technik zwar grundsätzlich faszinierend ist, de facto aber einen mittelmäßigen Film nicht wirklich besser macht – die Tickets aber deutlich teurer.

So, genug geschimpft. Hier eine kurze Auswahl von Filmen, die in den nächsten Monaten anlaufen. Es ist genau einer dabei, den ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kino sehen werde…

Star Trek – Beyond
Auf den mittlerweile dritten Teil des Reboots verspüre ich wenig Vorfreude. Man wird sich das schon ansehen können, und Idris Elba ist immer gut – aber ins Kino…nee, lass mal.

Wiener Dog
Der neue Film von Todd Solondz, dessen „Happiness“ (und mit Abstrichen auch „Storytelling“) ich vor 15 Jahren faszinierend und verstörend fand. Realistisch betrachtet sicher eher Kost für zuhause…

Ghostbusters
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das (über ein paar gelungene Jokes hinaus) Spaß machen könnte . „Ghostbusters“ ist eine schöne Erinnerung an die Kindheit, für ein Remake – egal mit welcher Besetzung – habe ich keinen Bedarf.

Julieta
Neuer Film von Pedro Almodovar, den ich eigentlich sehr schätze. Ich werde mal den Trailer checken…

Jason Bourne
Erste Kritiken waren nicht sonderlich positiv, trotzdem denke ich dass „Jason Bourne“ mein offizieller Bond-Ersatz des Jahres wird – und also auch im Kino geguckt wird.

Suicide Squad
Der Trailer zum Start einer weiteren Comic-Reihe (die die Welt ja dringend braucht) sieht fürchterlich aus, ich denke ich werde hier abwarten und gegebenenfalls später zuhause „zuschlagen“…

Now You See Me 2
Hurra, eine Fortsetzung! Im Ernst, Teil eins hat Spaß gemacht, aber noch mal muss das jetzt auch nicht sein. Und der Trailer liefert auch keine schlagenden Argumente.

Ben Hur
Hurra, ein Remake! Jetzt mal ehrlich, wer kam denn auf diese bescheuerte Idee?

Die glorreichen Sieben
Hurra, noch ein Remake! Wait…what!? Neugierig bin ich schon…

Inferno
Neue Dan-Brown-Verfilmung, wie immer mit Tom Hanks als Klugscheisser Robert Langdon. Das Buch ist – ebenfalls wie immer – großer Trash. Ich glaube, dem Film gebe ich trotzdem eine Chance.

Kurzkritik: Green Room

Green Room FilmplakatHorror/Drama, USA 2015

Regie: Jeremy Saulnier; Darsteller: Anton Yelchin, Imogen Poots, Joe Cole

Die Mitglieder einer Punkband werden im Backstage-Bereich eines abgelegenen Clubs Zeugen eines Gewalt-Verbrechens. Schnell wird klar, dass die Betreiber des Etablissements kein Interesse daran haben, die Sache von der Polizei aufklären zu lassen. Die Lage eskaliert in einem brutalen, kammerspiel-artigen Überlebenskampf der Musiker und einer Zeugin im Kampf mit finsteren, massiv bewaffneten Skinheads.

Bei den allermeisten Filmen, die sich vom Schauplatz her so arg beschränken wie „Green Room“, und mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren auskommen, bleibt irgendwann die innere Logik der Story auf der Strecke. In diese Falle tappt der Film hier nicht, wobei ich gestehen muss, dass ich die Logik in den Aktionen der durch den Club-Boss (gespielt von Patrick Stewart) angeleiteten Schergen nie so ganz verstanden habe. Immerhin kam nicht der Moment in dem ganz offensichtlich das Drehbuch die Logik bestimmt…

Die Gewalt im Film ist drastisch, neben diesen Schockmomenten lebt „Green Room“ von der intensiven, beklemmenden Atomsphäre und den starken Darstellern. Mir hat das über die 90 Minuten Laufzeit durchaus gefallen, wobei ich nicht behaupten könnte, dass mich der Film sprichwörtlich an den Sitz gefesselt hätte. Für Genre-Fans sicher eine Empfehlung, alle anderen können auch die Finger davon lassen.

3/5

Was ist hier eigentlich los?

Da ich festgestellt habe, dass mir für ausführliche Kritiken immer häufiger die Zeit fehlt (oder ich sie mir nicht nehmen will, das Ergebnis ist dasselbe), werde ich nun häufiger formlose Kommentare zum Film- und Fernsehgeschehen abgeben.

Komplett mitlesen kann man auch bei Facebook, wo alle Einträge erscheinen werden, und natürlich über RSS. Ob ich auch bei Twitter aktiv werden will habe ich noch nicht entschieden, werde das aber gegebenenfalls hier kundtun.

Rückmeldungen und Anregungen sind weiterhin über alle Kanäle jederzeit genehm.

Mein erster (und potentiell auch schon wieder letzter) deutscher Film des Jahres

Filmplakat - Der Staat gegen Fritz BauerNachdem „Der Staat gegen Fritz Bauer“ neulich diverse Filmpreise abgeräumt hat, habe ich das mal zum Anlass genommen mir den Film anzusehen. Und ich kann vermelden, das er mir gut gefallen hat. Eine überzeugend gespielte, solide inszenierte Geschichtsstunde (bewusst nicht als Geschichts-Thriller angelegt), die interessant ist und dabei auch Spaß macht. Lediglich der arg moralische Tonfall und die etwas platte Einteilung der handelnden Personen in gute und böse Figuren haben mich etwas gestört. Unter dem Strich aber definitiv empfehlenswert.

PS: Dass die Argentinien-Szenen wohl kaum in Argentinien gedreht wurden und auch nicht wirklich so aussehen, ist mir auch (negativ) aufgefallen. Aber wo sollte auch das Budget für sowas herkommen?

Lebenszeichen – „Deadpool“ und „Zoolander 2“

Ich habe lange nichts geschrieben hier, was mehrere Gründe hat. Um genau zu sein zwei. Erstens habe ich wenig Zeit und Lust, längere Beiträge zu schreiben, zweitens war das Filmangebot zuletzt wieder äußerst mau.

Einfach mehr über Serien zu schreiben war eine Idee, die mir in dieser Zeit kam. Aber das ist zeitlich ein Fass ohne Boden und daher unrealistisch. Ich überlege, ob ich nicht etwa bei Twitter aktiv werden sollte, um ein paar mehr kurze Einschätzungen und Kommentare absondern zu können. Streng genommen ginge das natürlich auch hier auf dem Blog….mal sehen.

Deadpool
„Deadpool“ spielt geschickt mit Genre-Konventionen, unterläuft Erwartungen und inszeniert sowohl die Figur wie den Film an sich als liebenswerten, politisch unkorrekten Underdog. Das macht Spaß, bleibt aber auch wegen der beliebigen Story (kann ich nix außergewöhnliches dran finden) kaum im Gedächtnis hängen. Als Komödie geht das insgesamt in Ordnung, ein großer Wurf oder besonders originell ist es leider nicht. Don’t believe the hype. (3/5)

Zoolander 2
Lange ist es her, aber die Erinnerung ist einigermaßen frisch – was habe ich über Teil eins gelacht. Die Fortsetzung ist – wie man bereits befürchten musste – leider ein totaler Rohrkrepierer. Es gelingt schlicht nicht, das Szenario und die Figuren noch einmal zu neuem Leben zu erwecken. Es reicht nur für eine uninspirierte, lahme Nummernrevue, die selten komisch ist und keine neuen Ideen hat. Schade, aber nicht überraschend. (2/5)

Kurzkritik: Bridge of Spies

Bridge of Spies FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Steven Spielberg; Darsteller: Tom Hanks, Mark Rylance, Sebastian Koch

In aller Kürze: Spielberg erteilt eine weitere Geschichtsstunde – ohne Überraschungen, aber auch ohne Makel.

Worum gehts? Ein Versicherungsanwalt (Hanks) verteidigt anno 1961 einen russischen Spion und muss anschließend bei einem heiklen Gefangenenaustausch in Ost-Berlin als Unterhändler agieren.

Die gute Nachricht: Schauspielerisch erstklassig (insbesondere Mark Rylance), visuell gelungen, mit großartigen Sets und einem spektakulären Flugzeugabsturz.

Die schlechte Nachricht: Insgesamt einen Tick zu lang und (auch wenn man die Fakten der Story nicht kennt) nicht wirklich spannend.

4/5

Kurzkritik: Victoria

Victoria FilmplakatDrama, Deutschland 2015

Regie: Sebastian Schipper; Darsteller: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski

In aller Kürze: Intensiv gespieltes, in einem Take gedrehtes Indie-Kino – insgesamt einen Tick zu lang geraten.

Worum gehts? Eine Spanierin trifft vier Berliner und geht mit ihnen auf eine aufregende und extrem gefährliche nächtliche Tour…

Die gute Nachricht: Die Art des Drehs und die weitgehend improvisierten Dialoge lassen „Victoria“ authentisch wirken, auch die Schauspieler überzeugen.

Die schlechte Nachricht: Einige Entwicklungen sind nicht sehr glaubwürdig, was zum Glück nur selten auffällt.

4/5

Filmkritik: Youth (Ewige Jugend)

Youth FilmplakatDrama, I/F/SUI/UK 2015

Regie: Paolo Sorrentino; Darsteller: Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano

Da ich von Sorrentinos vorigem Film „La Grande Bellezza“ absolut begeistert war habe ich an „Youth“ natürlich sehr hohe Erwartungen gehabt. In seinen besten Momenten erfüllt der Film diese sogar – als Ganzes jedoch gelingt ihm das nicht.

„Youth“ spielt in einer Luxusherberge in den Schweizer Alpen. Der Komponist und Dirigent Fred (M. Caine) erholt sich hier, sein langjähriger Freund Mick (H. Keitel) arbeitet am Drehbuch für seinen letzten großen Film. Der junge Schauspieler Jimmy (Paul Dano) bereitet sich auf seine nächste Rolle vor, Freds Tochter Lena (R. Weisz) durchlebt eine Beziehungskrise. Zum Kreis der Anwesenden gehört neben dem Personal noch ein aufgeschwemmter ehemaliger Weltfußballer (wer das wohl sein soll?), und auch die frisch gekürte „Miss Universe“ macht hier Station.

In opulenten Bildern filmt Sorrentino ein entrücktes Panorama, in dessen Zentrum mit Fred und Mick zwei (ehemals) erfolgreiche alte Männer stehen. Zwischen Tagträumen, gesundheitlichen Problemen und ganz realen Konflikten verbringen sie ihre Tage in dem paradiesischen Ressort, das für den Film mehr als nur ein Schauplatz ist. Fred lehnt eine Einladung der Queen ab, seine größten Erfolge auf die Bühne zu bringen, Mick findet kein Ende für seinen Film, der sein künstlerisches Testament sein soll.

Der großartige Score und die wunderbaren Bilder sind eine große Stärke des Films (mit Ausnahme einiger weniger Traumsequenzen, in denen die – absichtlich – billigen Effekte dem Film unnötig seinen Fluss rauben). Auch die Darsteller haben mir gefallen, allen voran Michael Caine, der mit 82 Jahren zwar einerseits nur noch ’sich selbst‘ spielen muss, es dabei aber schafft interessant und glaubwürdig zu erscheinen.

„Youth“ ist zweifellos ein mächtig ambitioniertes Werk, das große Themen sowohl leidenschaftlich gefühlvoll als auch ironisch distanziert verhandelt. Es fällt angesichts der mäandernden Erzählweise schwer, einen roten Faden in der Geschichte zu entdecken, es bleibt bei Ansatzpunkten für einen Schlüssel zum Verständnis der in so vielen sorgfältig komponierten Bildern und Szenen transportierten Botschaften. Leider erlaubt sich der Film auch Fehltritte, einige Szenen überschreiten die Grenze zur Plattitüde.

Wie „La Grande Bellezza“ ist auch „Youth“ ein Fest für die Sinne, wenn auch – mindestens im ersten Anlauf – kein so überzeugender und mitreißender Film. Ich bin gespannt, ob sich beim zweiten Durchgang (den es bis Weihnachten unweigerlich geben wird) neue Perspektiven eröffnen, ob die Stärken des Films deutlicher hervortreten oder doch die Schwächen. Bis dahin gibt es:

4/5

 

Kurzkritik: Als Wir Träumten

Als-wir-Träumten-PosterDrama, Deutschland 2015

Regie: Andreas Dresen; Darsteller: Merlin Rose, Julius Mitschkoff, Joel Basman

In aller Kürze: Überzeugende ‚Coming of Age‘-Geschichte um eine Gruppe von Teenagern im Leipzig der frühen Neunziger.

Worum gehts? Zwischen DDR-Erziehung und neuer ‚Freiheit‘ nach der Wiedervereinigung kämpfen sich 5 Jungs den Weg ins Leben frei – für viele ist die Zeit des Aufbruchs schnell wieder vorbei.

Die gute Nachricht: Der Film wirkt durch seine jungen, unbekannten Darsteller, die gut gewählten Schauplätze und einige filmische Mittel authentisch, auch die sich scheinbar frei entfaltende Story überzeugt

Die schlechte Nachricht: Die Story macht sich die Orientierungslosigkeit der Protagonisten so weit zu eigen, dass hin und wieder der erzählerische Schwung verloren geht.

Wer sich für diese Filme interessiert sollte einen Blick riskieren:
Dramen zur Nachwendezeit, Filme von Andreas Dresen

4/5

Kurzkritik: Aloha

Aloha FilmplakatDrama/Comedy, USA 2015

Regie: Cameron Crowe; Darsteller: Bradley Cooper, Emma Stone, Rachel McAdams, Alec Baldwin

In aller Kürze: Liebenswerte Figuren in einer flotten ‚Dramedy‘, die sich an ihrem überfrachteten Drehbuch ziemlich verhebt.

Worum gehts? Bradley Cooper spielt einen Raumfahrt-Berater, der Mist gebaut hat und bei einem umstrittenen Raktenprojekt in seiner Heimat Hawaii eine zweite Chance erhält. Dort trifft er sowohl auf seine Ex (R. McAdams) als auf eine charmante junge Kollegin (E. Stone).

Die gute Nachricht: „Aloha“ kommt ambitioniert und mit Humor daher, bietet zudem einige großartig inszenierte Szenen.

Die schlechte Nachricht:  Das Szenario ist zu offensichtlich konstruiert, die „moralische“ Dimension der Story vollkommen unglaubwürdig und unnötig.

Wer diesen Film mochte kann einen Blick riskieren:
„Elizabethtown“, „We Bought A Zoo“

3/5

 

Filmkritik: While We’re Young (Dt. Titel „Gefühlt Mitte Zwanzig“)

While We're Young FilmplakatComedy/Drama, USA 2014

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried, Adam Driver

Clash der Generationen: Das kinderlose Ehepaar Cornelia & Josh (Stiller & Watts), beide Anfang/Mitte 40, trifft auf seine knapp zwanzig Jahre jüngere Hipster-Version Darby & Jamie (Seyfried & Driver). Man freundet sich an, die Älteren sind von Elan und Lebenslust der Jüngeren begeistert und inspiriert.

Dieses Szenario hätte witzig werden können, wird es aber leider nicht. “Gefühlt Mitte Zwanzig” (einmal mehr ein völlig unpassender deutscher ’Verleihtitel’) bürdet sich zu viele Themen und Konflikte auf, versucht es damit allen Zielgruppen (oder zumindest den meisten) Recht zu machen. Darüber verliert er jeden Biss und jeden Anspruch auf spontane Wahrhaftigkeit – eigentlich das Steckenpferd von Regisseur Noah Baumbach („Frances Ha“, „The Squid and the Whale“).

Die Hauptfiguren des natürlich in NYC spielenden Films haben in bester Woody-Allen-Manier zwar alle Jobs, aber trotzdem jede Menge Zeit. Die vorherrschenden Motive sind die die Kinderlosigkeit von Josh & Cornelia und ihre damit verbundene Suche nach einem “Sinn” in ihrem Leben sowie die – vermeintlichen – Unterschiede zwischen Ihnen und der von Jamie und Darby verkörperten jungen Generation. Eine weiteres Thema sind Dokumentarfilme und ihr Anspruch auf Wahrheit/Objektivität – denn sowohl Josh als auch Jamie und Cornelias Vater gehen dieser Profession nach…

Kein sonderlich glaubwürdiger Zufall, aber damit wird das Drehbuch noch auf recht geschickte Weise fertig. Mit vielen anderen Problemen eher weniger. Vor allem das Verhältnis zwischen John/Cornelia und einem befreundeten Paar mit frisch geborenem Kind ist vollkommen unglaubwürdig bis ärgerlich.

„While We’re Young“ ist nicht platt und plakativ genug für den Mainstream-Geschmack; für das Arthouse-Publikum wiederum ist das Setting zu gekünstelt, zudem stören die penetranten Versuche, irgendwelche Erklärungen und „die Moral“ der Geschichte heraus zu arbeiten. Der Versuch, einen Film zu machen, der das gesellschaftliche Befinden und die Eigenheiten der heutigen Zeit treffend veranschaulicht, ist aller Ehren wert. Geklappt hat es aber insgesamt nicht. Daher knapp:

3/5

Filmkritik: Jupiter Ascending (2D)

Jupiter Ascending FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: The Wachoswkis; Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean

Eigentlich muss man froh sein, wenn heute noch jemand den Mut aufbringt für mächtig viel Geld einen Film zu machen, der nicht zu einem der großen Franchises gehört. Bei “Jupiter Ascending” wird nicht mit altbewährten, extrem beliebten Figuren das Geld eingesammelt wie bei “Star Trek”, “Star Wars”, dem “Hobbit” oder den Zig Comicverfilmungen von Marvel und DC.

Aber froh sein fällt einem dann doch schwer, wenn man sich mit einer Mischung aus Langeweile, Ungläubigkeit und Verdruss mitten in der kruden Story wiederfindet, die sich die “Matrix”-Geschwister Wachowski ausgedacht haben. Die schillernden Außeridischen, die das Universum beherrschen, die auf der Erde gestrandete Auserwählte Weltenretterin, ein Held auf Power-Hover-Schuhen (quasi Eislaufen in der Luft) und alle möglichen weiteren Versatzstücke aus dem Baukasten des Fantasy/Science-Fiction Genres – das alles wird visuell opulent serviert.

Leider verlangt “Jupiter Ascending”, dass man sich auf Anhieb mit der Welt, in der das alles spielt, anfreundet, die Prämisse für bare Münze nimmt und sich in das flotte Geschehen fallen lässt. Das geht alles sehr schnell, weder für die äußere Handlung noch für die innere (will sagen für die Figurenentwicklung) bleibt genug Zeit. Blass und vage, angereichert mit ziemlich platten Dialogen und Motiven, nimmt die Story ihren vorhersehbaren Lauf.

Nun ist es sicher nicht leicht, eine frische, innovative Story ins Kino zu bringen, denn es müssen ja auch Finanziers gefunden werden. Und doch wundert es mich, dass “Jupiter Ascending” so komplett ohne Alleinstellungsmerkmal daherkommt. Bei “Matrix” waren Story und Effekte einigermaßen neu, und außerdem kunstvoll verbunden. Hier war die Hoffnung offenbar, dass man mit einem “Star Wars” für Arme irgendwie durchkommt. Gemessen am Einspielergebnis und dem IMDB-Rating von niedrigen 5,8 ergibt sich folgende Antwort: Nein. Fail.

2/5

Filmkritik: American Sniper

American Sniper FilmplakatKriegsdrama, USA 2014

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Kyle Gellner

„American Sniper“ erzählt ‚based on true events‘ die Geschichte des Navy Seals-Scharfschützen Chris Kyle, der in seinen vier Touren im Irak über 160 „confirmed kills“ verbucht hat. Für viele US-Amerikaner ist Kyle einer der wenigen Helden, die der Krieg im Irak hervorgebracht. Clint Eastwoods Film war in den USA nicht nur unfassbar erfolgreich (bestes Einspielergebnis eines Kriegsfilms seit Anbeginn der Zeit), sondern auch ein echtes Politikum.

Die Handlung ist schnell erzählt. Kyle steigt im Irak unter den Soldaten schnell zur Legende auf. Seine Treffsicherheit erledigt reihenweise Gegner und rettet gleichzeitig vielen Kameraden der Bodentruppen das Leben. Zuhause bei Frau und Kind(ern) läuft es weniger rund. Zu anders ist das zivile Leben, zu groß der Druck, im Irak auch seinen ärgsten Widersacher „The Butcher“ zu erwischen.

„American Sniper“ ist nicht ganz die ultrapatriotische Heldengeschichte, die ich befürchtet hatte. Weder ist in jeder zweiten Einstellung die US-Flagge zu sehen noch werden die US-Soldaten besonders heroisch dargestellt. Die Gefechtsszenen sind denen aus „The Hurt Locker“ nicht unähnlich und spannend inszeniert. Auch Chris Kyle selbst wird nicht zum übermächtigen Rambo stilisiert, sondern als überaus begabter Scharfschütze mit „exzellenten Arbeitsergebnissen“ dargestellt. Ein Soldat, der glaubt, dass seine Taten die Mitbürger in San Diego oder New York sicherer machen.

Das Problem bei der Sache ist somit weniger, was der Film über die US-Truppen und die Heimatfront erzählt, sondern was er über die Gegenseite und den Krieg an sich nicht erzählt. Die politische „Lage“ wird bequem mit den Bildern vom 11. September abgekürzt, die „Aufständischen“ im Irak sind weitgehend namen- und gesichtslose Bösewichter, die alle irgendwie zu al-Qaida gehören und ihren Kindern Granaten in die Hand drücken.

Die gezeigten Gefechte mögen realistisch dargestellt sein, trotzdem verstellt diese Einseitigkeit den Blick auf den Konflikt als ganzes. Der Film setzt den Hollywood-Trend fort, über die Soldaten nur gutes und über den Krieg als ganzes lieber nichts zu erzählen. Das aggressive Auftreten der US-Truppen als Besatzer (in der Wahrnehmung der Iraker), der fehlende Plan für die Zukunft des Landes, Skandale wie Abu Ghraib, oder die nicht vorhandene, von der Politik ersponnene Verbindung zwischen 9/11 und Saddam Hussein sowie dessen ebenso wenig vorhandenen Massenvernichtungswaffen – das alles findet im Film nicht statt. Kein Wunder, denn das würde Kyle und seine Kameraden zu traurigen Figuren in einem fragwürdigen Konflikt machen, zu Kollegen von Folterknechten und marionettenhaften Handlangern unfähiger bis überforderter Politiker und Generäle.

Regisseur Eastwood sieht eine extrem starke Antikriegsbotschaft seines Films darin, dass er zeigt wie die Familien der Soldaten leiden, und wie schwer es ist aus dem Krieg ins zivile Leben zurückzukehren (siehe hier). Damit liegt er sicher nicht falsch. Die Darstellung seiner Figuren als aufrechte Kämpfer für die ‚Freiheit der westlichen Welt‘ und ihrer Verbündeten wirkt angesichts der bekannten Hintergründe trotzdem mächtig hohl.

Handwerklich und schauspielerisch ist an „American Sniper“ wenig auszusetzen. Der immense Erfolg des Film sagt dennoch mehr über die Befindsamkeiten der amerikanischen Volksseele aus als über die Klasse des Films, der außerhalb der USA zurecht schnell in Vergessenheit geraten wird.

3/5

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