Kurzkritik: Leid und Herrlichkeit

Drama, 2019

Regie: Pedro Almodovar; Darsteller: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Penelope Cruz

Worum gehts?
Der berühmte Filmregisseur Salvador (Banderas) lebt extrem zurückgezogen. Körperliche Schmerzen und eine Vielzahl von Gebrechen machen ihm zu schaffen. Für eine Filmvorführung setzt er sich mit seiner Vergangenheit (in Person eines unbequemen Hauptdarstellers) auseinander, und grübelt zusätzlich ausgiebig über seine Kindheit nach.

Was soll das?
Regisseur Almodovar beschäftigt sich in „Leid und Herrlichkeit“ mit seiner eigenen Geschichte, von der Kindheit bis zur Gegenwart. Wie nah die Story um sein von Antonio Banderas gespieltes Alter Ego an der ‚Wahrheit‘ ist, kann man hier genauer nachlesen

Taugt das was?
Sogar sehr. „Leid und Herrlichkeit“ gehört zu Almodovars besten Filmen. Die sehr persönliche Natur des Dramas wird von den herausragenden Darstellern wundervoll getragen, und steigert das für den Regisseur typische hohe Maß an Intimität und Intensität zusätzlich. Das „Innen“ und das „Außen“ des Films treffen sich am Ende in einer großartigen Pointe.

5/5

Meine Top-10 Filme des Jahres 2019 [Update 19.1.20]

Zur Jahreshälfte wäre diese Liste gefühlt noch beinahe leer gewesen. Doch nach hinten raus ist 2019 noch ein richtig gutes Filmjahr geworden…

Wie üblich habe ich so einige Filme verpasst, oder besser schlicht keine Zeit für sie gefunden. Aber im Vergleich zur Auswahl der „wichtigsten“ Serien ist mir die Filmauswahl relativ leicht gefallen.

  1. Parasite“ gehört definitiv zu den Filmen, die immer besser werden, wenn man an sie zurück denkt.
  2. [Update] Ein absolutes Vergnügen für Herz, Auge und Verstand war Pedro Almodovars „Leid und Herrlichkeit„, den ich erst im Januar diesen Jahres gesehen habe.
  3. Knapp dahinter landet „Once Upon A Time In Hollywood„, der mir auch beim zweiten mal schauen noch viel Spaß gemacht hat.
  4. Blaze“ ist die stark inszenierte Geschichte eines faszinierenden Künstlers und feinstes Independent-Kino.
  5. Eine Tour-de-Force durch das Ende einer Ehe kann spannend, unterhaltsam und witzig zugleich sein – siehe Noah Baumbachs „Marriage Story„.
  6. The Irishman“ steht im Lexikon unter „gelungenes Spätwerk“, was in diesem Fall sowohl für den Regisseur (Martin Scorsese) als auch für seine drei Hauptdarsteller (Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci) gilt.
  7. Joker“ war der Aufreger des Jahres und lotete neue Wege aus, Comic-Verfilmungen auf ein erwachsenes Publikum zuzuschneiden. Und ja – Joaquin Phoenix war mega…
  8. Roma“ ist anspruchvolles Kino mit viel Herz und großartigen Bildern.
  9. Booksmart“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die unglaublich clever ist, und dabei auch noch sehr witzig.
  10. Die Story von „The Peanut Butter Falcon“ ist im besten Sinne abenteuerlich, kommt dabei aber trotz vieler „schwerer“ Zutaten erstaunlich leichtfüßig daher.

Auch gut waren:
Ad Astra, Arctic, Hustlers, The Lighthouse, Green Book, Long Shot, Motherless Brooklyn, The Favourite



Kurzkritik: The Irishman

Gangsterdrama, 2019

Regie: Martin Scorsese; Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci

Worum gehts?
Um die Geschichte des Gewerkschaftsfunktionärs und Mafiosis Frank Sheeran (De Niro), von den 50er Jahren bis ins neue Jahrtausend. Erzählt aus der Sicht von Sheeran selbst, basiert er auf dessen in „I Heard You Paint Houses“ niedergeschriebenen Erinnerungen – die keinesfalls unbestritten sind. Sheeran gesteht darin unter anderem den Mord am berühmt-berüchtigten Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa, der in „The Irishman“ von Al Pacino verkörpert wird.

Was soll das?
„The Irishman“ bringt viele bekannte Zutaten von Scorseses berühmten Gangsterdramen mit, erinnert oft insbesondere an „Goodfellas“ und „Casino“. Doch der Regisseur verfolgt hier offensichtlich einen etwas anderen Ansatz. Der Film ist deutlich interessierter an der „bottom line“ am Ende eines Gangsterlebens – sofern es nicht (wie sehr viele in „The Irishman“) vorzeitig und abrupt zu Ende geht. Schon durch die narrative Struktur ist der Rückblick das zentrale Element.

Taugt das was?
Ja. Scorsese ist ein beeindruckendes Spätwerk (der Mann ist 77 Jahre alt) gelungen. Scorsese, der für seine Abneigung gegen am Computer gefertigte Spezialeffekte bekannt ist, lässt hier gleich drei ungefähr gleichaltrige Schauspiel-Legenden digital verjüngen. Was insgesamt hervorragend funktioniert, von wenigen Ausnahmen (meist in den Augen der Akteure zu erkennen) abgesehen. Vor allem aber lenken die digitalen Effekte nicht von der ausladenden (dreineinhalb Stunden langen) Story ab, welche – ähnlich wie Oliver Stones „JFK“ – eine spannende, aber hoch spekulative Neu-Interpretation eines beinahe sagenumwobenen Abschnitts US-amerikanischer Geschichte bietet.

Sonst noch was?
„The Irishman“ war mit einem Budget von 159 Millionen Dollar (Quelle: IMDb) kein günstiges Unterfangen. Finanziert wurde der Film von Netflix, wobei man den Film bereits vor dem Start auf der Streaming-Plattform auch in die Kinos gebracht hat. Ich habe ihn sehr gerne zuhause gesehen, frage mich allerdings, womit – wenn nicht hiermit – Hollywood ein erwachsenes Publikum eigentlich noch in die Kinos locken will. Aber wahrscheinlich haben die Studios diesen Kampf längst verloren gegeben…

4/5

Kurzkritik: Marriage Story

Drama, 2019

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Scarlett Johansson, Adam Driver, Ahzy Robertson

Worum gehts?
Die Ehe von Theater-Regisseur Charlie und Schauspielerin Nicole geht in die Brüche. Obwohl sich die beiden friedlich trennen wollen, wird die Sache bald kompliziert. Denn neben der Sorgerechtsfrage für den 8-jährigen Henry, müssen sich die beiden auch einigen, wo sie künftig leben wollen. In Los Angeles, wo Nicole ihre Fernsehkarriere in Gang bringen will, oder in New York, wo Charlie kurz vor dem Durchbruch am Broadway steht…

Was soll das?
Regisseur Baumbach verarbeitet in „Marriage Story“ das Scheitern seiner Ehe mit Schauspieler Jennifer Jason Leigh, hat aber auch seinen Hauptdarstellern Freiheiten gegegeben, ihre Figuren auszugestalten. Dabei interessiert sich der Film vor allem für die Details, Widersprüche und Grauzonen, welche der Beziehung ihren Stempel aufgedrückt haben.

Taugt das was?
Eine ganze Menge sogar. Der Film ist das schauspielerisch wie formell überzeugende Portrait einer Beziehung, die der Zeit nicht Stand halten kann. Obgleich mit viel Humor inszeniert, ist „Marriage Story“ ein ernsthafter Film, der sich bemüht, alle Facetten seiner Geschichte zu durchleuchten. Seine größte Stärke sind die glaubwürdigen Dialoge, vorgetragen von den beiden Hauptdarstellern, zwischen denen die Chemie absolut stimmt. Trotz seiner 137 Minuten Laufzeit würde ich ihn fast kurzweilig nennen, wenn er sich nicht kurz vor dem Ende doch noch ein wenig ziehen würde…

4/5

Kurzkritik: Ad Astra (mit kleinen Spoilern)

Drama/Science-Fiction, 2019

Regie: James Gray; Darsteller: Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Liv Tyler, Ruth Negga

Worum gehts?
Rätselhafte elektrische Schockwellen aus dem Weltall drohen die Erde ins Chaos zu stürzen. Eine vor über 25 Jahren gestartete, angeblich gescheiterte Expedition an den Rand des Sonnensystems scheint damit in Verbindung zu stehen. Die Weltraum-Behörde schickt Roy McBride (Pitt), Sohn des damaligen Kommandanten und selbst Astronaut, auf eine Mission, um Verbindung mit seinem Vater aufzunehmen…

Was soll das?
„Ad Astra“ ist ein Vater-Sohn-Drama im Gewand eines Science-Fiction-Films. Im Off-Kommentar sowie durch Rück- und Vorblenden erzählt der Film dabei von Roys innerem Ringen, das Verhältnis zu seinem Vater und die eigenen Lebensentscheidungen zu hinterfragen. Parallen zu Motiven aus „Apocalypse Now“ sind dabei nicht zu übersehen, was aber keinesfalls negativ gemeint ist.

Taugt das was?
Ja. Bildgewaltig und opulent setzt „Ad Astra“ seine Effekte nie als blossen Selbstzweck ein. Brad Pitt überzeugt durch eine weitgehend nach innen gerichtete Darstellung, Tommy Lee Jones als eine Art „Colonel Kurtz am Rande des Universums“. Selten hat ein Film die äußere und innere Reise seines Protagonisten so offensichtlich „übereinandergelegt“. Die psychologische Pointe des Films ist wenig überraschend, kann aber trotzdem (oder vielleicht eben deshalb) überzeugen.

4/5

Kurzkritik: Joker

Drama/Thriller, 2019

Regie: Todd Phillips; Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert de Niro, Zazie Beetz

Worum gehts?
Der einsame, an einer merkwürdigen Lach-Krankheit leidende Arthur Fleck fristet sein Dasein als Gelegenheits-Clown in Gotham City. Die Stadt erlebt schwere Zeiten, Armut, Gewalt und Klassenkampf beherrschen den Alltag. Fleck träumt von einer Karriere als Stand-up Komiker, erleidet aber allerlei herbe Rückschläge an vielen Fronten.

Was soll das?
„Joker“ ist eine – angeblich alleinstehende – ‚Origin-Story‘ aus dem Universum von DC. Wo bzw. ob sich die hier erzählte Version der Figur in den Comic-Vorlagen findet entzieht sich meiner Kenntnis… Ungewöhnlich ist dabei, dass das Warner-Studio eine seiner berühmtesten Figuren mit einem überschaubarem Budget und ohne echten Blockbuster-Appeal ins Rennen schickt. Der Mut wurde an der Kinokasse belohnt.

Taugt das was?
Ja. Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und das Drehbuch schaffen es, der Figur ein komplett anderes Profil zu geben, als die vorigen „Joker“ der Filmgeschichte. Es gibt kaum Action und keine Spezialeffekte, dafür einige extrem verstörende Szenen. Auch der Ton ist für eine Comic-Verfilmung ungewöhnlich, liegt irgendwo zwischen Tragikomödie, Satire und Farce. So ganz stimmig finde ich das Ergebnis dieser Mixtur nicht, unter anderem weil einige Schlüsselszenen für mich nicht funktioniert haben. Trotzdem setzt „Joker“ einen sehenswerten Gegenpol zu der end- und sinnlosen Daueraction der allermeisten Comic-Adaptionen.

4/5

Kurzkritik: Parasite

Drama, 2019

Regie: Bong Joon Ho; Darsteller: Kang-ho Song, Sun-kyun Lee, Yeo-jeong Jo

Worum gehts?
Die Wege der in Armut lebenden Familie Kim und der reichen Familie Park kreuzen sich auf bemerkenswerte Art und Weise. Nach und nach erschleichen sich die Kims alle Positionen als Haushaltshelfer, die die Parks zu vergeben haben. Dabei ahnen die vornehmen Parks nicht, dass ihre neuen Angestellten tatsächlich eine Familie sind – und für ihre Positionen zum Teil in keiner Weise ausgebildet sind…

Was soll das?
„Parasite“ beginnt als Gesellschaftsdrama mit komödiantischen Zügen, biegt dann aber scharf in Richtung Satire und Horror ab. Die Kritik an den sozialen Verhältnissen in Südkorea ist dabei auch für Europäer zumindest zum Teil verständlich – auch wenn sicher viele Nuancen und Details verloren gehen.

Taugt das was?
Sehr wohl. „Parasite“ ist spannend, witzig und voller Überraschungen. Über weite Strecken übernimmt in dem Kammerspiel-artigen Szenario das ultra-moderne und luxuriöse Haus der Parks die heimliche Hauptrolle. Das Drehbuch schafft es dabei, die Intensität der herrlich subversiven Handlung sowie der Konflikte kontinuierlich zu steigern, so dass trotz 130 Minuten Laufzeit niemals Langeweile aufkommt.

5/5

Kurzkritik: The Peanut Butter Falcon

Drama, 2019

Regie: Tyler Nilson, Michael Schwatz; Darsteller: Shia LaBeouf, Dakota Johnson, Zack Gottsagen

Worum gehts?
Zack, ein junger Mann mit Down-Syndrom, reisst aus seinem Wohnheim aus, um seinen großen Traum zu verwirklichen – er will Wrestler werden. Seine Betreuerin Eleanor macht sich auf die Suche nach ihm. Doch Zack hat sich dem Außenseiter Tyler angeschlossen, der seinerseits auf der Flucht vor dunklen Gestalten ist, und eher unkoventionelle Arten der Fortbewegung bevorzugt…

Was soll das?
„The Peanut Butter Falcon“ ist eine Mischung mit vielen Zutaten. Road Movie, Buddy Movie, Romanze, Behinderten-Drama und Feel-good-Movie wären alles passende Beschreibungen. Doch er wirkt dabei keineswegs wie ein Flickenteppich, sondern weiss genau, was er erzählen will.

Taugt das was?
Ja, unbedingt. Die Story ist simpel, aber überzeugend, die Figuren sind gelungen und hervorragend gespielt. Dass „The Peanut Butter Falcon“ nicht mit recht einfachen Lebensweisheiten geizt, und am Ende (fast) den Schritt ins Märchenhafte wagt, hat mich dabei wenig bis gar nicht gestört. Auch das ist schon eine Leistung…

4/5

Kurzkritik: Booksmart

Drama/Comedy, 2019

Regie: Olivia Wilde; Darsteller: Kaitlyn Deaver, Beanie Feldstein, Jessica Williams

Worum gehts?
Die Teenies Amy und Molly sind in der High School unzertrennlich. Sie haben sich zu schulischen Höchstleistungen getrieben – und sind echte Streberinnen. Vor ihrem Abschluss wird ihnen schmerzlich bewusst (gemacht), dass sie dabei so einiges verpasst haben. Was sie so schnell wie möglich nachholen wollen.

Was soll das?
Das Regie-Debut von Schauspielerin Olivia Wilde („Tron – Legacy“) ist ein Coming-of-Age Drama mit zwei für dieses Genre herrlich unkonventionellen Hauptfiguren. Der Ton ist überwiegend komödiantisch, und doch ist „Booksmart“ ein ernsthafter Film, der viel über sein Milieu (Mittelklasse-Kids am Rande von Los Angeles) zu erzählen hat.

Taugt das was?
Yep. Es ist allein ein großes Vergnügen, den beiden Hauptdarstellerinnen zuzusehen und zuzuhören. Auch die gelungenen Nebenfiguren und der Soundtrack bleiben im Gedächtnis. Auf einige „Over the Top“-Momente hätte ich verzichten können, aber die sind zu verschmerzen und allemal unterhaltsam. Wer „Superbad“ mochte, der wird an „Booksmart“ seine Freude haben.

4/5

Kurzkritik: Once Upon a Time in Hollywood

Drama/Komödie, 2019

Regie: Quentin Tarantino; Darsteller: Leonard DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie

Worum gehts?
Hollywood anno 1969. Der abgehalfterte Fernsehschauspieler Rick (DiCaprio) versucht verzweifelt, seine Karriere wieder in Gang zu bringen. An seiner Seite steht Stuntman Cliff (Pitt), der ebenfalls schon bessere Zeiten erlebt hat. Tarantino erzählt die Geschichte einer sonderbaren Männer-Freundschaft vor dem Hintergrund der sich anbahnenden Morde der Manson-Family und ihres prominentesten Opfers Sharon Tate, Ehefrau von Roman Polanski. Fiktion und wahre Begebenheiten werden dabei nach Herzenslust vermischt.

Was soll das?
„Once Upon a Time in Hollywood“ portraitiert eine Ära der Zeitenwende. Das Ende der Unschuld der Hippie-Bewegung naht, in der Filmbranche stehen die Filme des ‚New Hollywood‘ kurz vor dem Durchbruch, das alte System wankt. Mit großem Vergnügen schickt Tarantino zwei Haudegen der alten Ordnung durch dieses Szenario.

Taugt das was?
Ja. Die für den Regisseur typischen Stil-Elemente allein rechtfertigen den Gang ins Kino. DiCaprio und Pitt haben sichtlich Spaß an & in ihren Rollen (nicht zuletzt in den „Film-im-Film“-Szenen), durch Schauplätze und Ausstattung kommt echtes Sixties-Feeling auf. Die Mixtur von wahren Begebenheiten, Pseudo-Cameos und fiktiver Story mit Anleihen bei der Realität ergibt ein erstaunlich stimmiges Ganzes. Am Ende schafft es „Once Upon a Time in Hollywood“ die Erwartungen der Zuschauer (in gewisser Hinsicht) ungefähr in gleichem Maße zu unterlaufen, wie er sie in anderer Hinsicht mit wahrer Inbrunst erfüllt.

5/5

PS: Über die lange Laufzeit lässt sich hervorragend diskutieren – mich hat sie nicht gestört…

Kurzkritik: Blaze

Musikdrama, 2018

Regie: Ethan Hawke ; Darsteller: Ben Dickey, Alia Shawkat, Charlie Sexton

Worum gehts?
Um das Leben des texanischen Singer-Songerwriters Blaze Foley, von seinen Anfängen als umherziehender Musiker, über die Höhen und Tiefen seiner Karriere bis zu seinem frühen gewaltsamen Tod.

Was soll das?
Der eher als Schaupieler bekannte Regisseur Ethan Hawke erzählt die Story seines Antihelden auf drei parallelen Zeitebenen, die sowohl Details seines Lebens als auch posthume Einflüsse und Legenden thematisieren.

Taugt das was?
Absolut, wenn man mit „Texas Outlaw Musik“ (was man sich wie „Alternative Country/Folk/Blues“ vorstellen kann) etwas anzufangen vermag. In der Hauptrolle stark gespielt, wird „Blaze“ insgesamt vom Ensemble und einer Atmosphäre verkaterter Melancholie getragen – für die nicht zuletzt die starke Musik verantwortlich ist.

4/5


Kurzkritik: Roma

Drama, 2018

Regie: Alfonso Cuaron; Darsteller: Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Jorge Antonio Guerrero

Worum geht’s?
„Roma“ zeigt ein Jahr im Leben der jungen Haushälterin Cleo in der Familie eines wohlhabenden Doktors in Mexiko City Anfang der 70er Jahre.

Was soll das?
Regisseur Cuaron beschäftigt sich in „Roma“ mit Erlebnissen seiner Kindheit und erschafft ein sowohl detailliertes wie auch reflektiertes Gesellschaftsportrait. Die persönlichen Dramen der Hauptfiguren werden dabei virtuos mit historischen Zusammenhängen und Ereignissen angereichtert.

Taugt das was?
Ja. In großartigen Bildern zeigt „Roma“ eine außergewöhnlich realistisch anmutende unkonventionelle  Darstellung des Alltags einer (erweiterten) Familie. Dabei gelingen einige ganz besondere Momente (etwa die Martial Arts-Gruppe und ihr denkwürdiger „Meister“), die in Richtung “magischer Realismus” gehen. Außerdem ganz stark gespielt und zwar lang, aber nicht langweilig.

4/5

Kurzkritik: The Favourite

Drama/Komödie, 2018

Regie: Yorgos Lanthimos; Darsteller: Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone

Worum geht’s?
England, Anfang des 18. Jahrhundert. Die kränkliche Königin Anne (O. Colman) überlässt große Teile der Amtsgeschäfte und Entscheidungen ihrer Freundin Lady Sarah (R. Weisz). Neu an den Hof kommt die ehrgeizige „gefallene Adelige“  Abigail (E. Stone), die sich bald mit Lady Sarah gut versteht – dann aber zur Konkurrenz wird..

Was soll das?
Ungewöhnliches Historiendrama mit viel psychologischer Tiefenschärfe und dem für Regisseur Lanthimos typischen etwas abseitigen Humor. Ungewöhnlich für einen Historienfilm ist auch, dass „The Favourite“  weder die Darstellung eines besonders interessanten Ereignisses (der Krieg bzw. die Schlachten oder Generäle stehen nie Mittelpunkt, sind nur „aktiver Hintergrund“ für die Story) noch eine „umfassende“ Filmbiografie sein will.

Taucht das was?
Absolut. Dem großartigen Ensemble mit Stone, Weisz & Colman zuzusehen ist eine wahre Freude, die Ausstattung ist prunkvoll, die Kostüme herrlich überzogen. Vor allem aber überzeugt die von Intrigen, Verletzlichkeiten und Animositäten getriebene Story samt Figurenentwicklung und den pointierten Dialogen. Wie scheinbar immer  bei diesem Regisseur ist „The Favourite“ aber sicher nicht jedermanns Sache…

4/5

Kurzkritik: Leave No Trace

Drama, 2018

Regie: Debra Granik; Darsteller: Ben Foster, Thomasin McKenzie, Derek Dresher

Worum geht’s?

Ex-Soldat Will lebt mit seiner 13-jährigen Tochter Tom in einem selbstgebauten Camp in einem Nationalpark in Oregon. Ihre Kontakte mit der Zivilisation beschränken sich auf das Nötigste. Eines Tages erhalten die Behörden einen Hinweis auf ihren ‚illegalen‘ Daueraufenthalt im Park. Will und Tom müssen den Park verlassen. Trotz guten Willens der Behörden gestaltet sich ihre Existenz in einem konventionelleren Umfeld schwierig. Vor allem Will, der unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidet, ist weder gewillt noch in der Lage, normale soziale Beziehungen zu pflegen.

Was soll das?

„Leave No Trace“ konzentriert sich ganz auf die Nuancen und Details der unmittelbaren Gegenwart seiner Hauptfiguren – die Hintergründe werden lediglich skizziert. So bleiben Fragen offen, es bleibt Raum für Interpretationen. Es ergibt sich keine reine Charakterstudie, sondern eine eher parabelhafte Annäherung an Themen wie Älterwerden, Kinder ziehen lassen – und die Absurdität der modernen Leistungsgesellschaft.

Taucht das was?

Einiges. Die gemächliche (aber keinesfalls ereignislose) Story und die Entwicklung der Hauptfiguren sowie deren Beziehung zueinander entwickelt sich packend und überzeugend. Getragen wird der Film von den starken Darstellern, die jede Art von ‚Overacting‘ vermeiden und jederzeit glaubwürdig bleiben. Ein feines kleines Drama.

4/5

Die Top 10 Filme von 2018 [Update 07. Januar]

Selten habe ich soviele Filme verpasst wie dieses Jahr. Kein Wunder, wenn man nur dreimal im Kino war und (zu)viele Serien glotzt. Daher hier nun erstmal acht Filme, die ich empfehlen kann, in den kommenden Wochen wird sich hier sicher noch was tun (der Beitrag wird nach jeder Änderung mit dem Hinweis „Update“ wieder oben stehen…).

  1. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
  2. First Reformed
  3. BlacKkKlansmen
  4. Annihilation
  5. Mission: Impossible – Fallout
  6. Leave No Trace
  7. The Death of Stalin
  8. Black Panther
  9. Ataris Reise (Isle of Dogs)
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