Kurzkritik: Ray Donovan (Staffel 7)

Drama/Krimi, 2019

Creator: Ann Biderman; Darsteller: Liev Schreiber, Eddie Marsan, Kerris Dorsey, Pooch Hall

Worum gehts?
Der Donovan-Clan wird von der Vergangenheit eingeholt, während eine Polizistin nicht aufgibt, die Cop-Killer des letzten Staffel-Finales zu jagen.

Was soll das?
„Ray Donovan“ besinnt sich auf seine Stärken und konzentriert sich auf die Hauptfiguren. Natürlich nicht ohne zahlreiche neue Handlungsstränge aufzumachen, von denen die meisten jedoch eher nach innen gerichtet sind – mitten rein in die vielen schwelenden Konflikte, die Ray, Terry, Butchie, Daryll, Bridget und Micky untereinander und mit sich selbst austragen.

Taugt das was?
Ja, wer der Serie bis hierhin die Treue gehalten hat, der wird nicht enttäuscht werden. Liev Schreiber und der Rest des starken Ensembles sind mit ihren Rollen inzwischen so sehr verwachsen, dass sich „Ray Donovan“ – trotz der nicht enden wollenden Gewalt, aus deren Mitte sich der Clan nicht lösen kann – zu einem ernsthaften und nuancierten Drama entwickelt hat.

Sonst noch was?
Ich habe die komplette Staffel über geglaubt, dass dies die finale Staffel von „Ray Donovan“ ist. Und wähnte die Serie auf dem Weg zu einem guten Finale… Nun wird es wohl noch eine achte Staffel geben, nach der es dann aber auch vorbei sein sollte. Die Show hat es bereits einmal geschafft, sich neu zu erfinden – doch inzwischen haben die Figuren ein echtes Finale verdient.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Leid und Herrlichkeit

Drama, 2019

Regie: Pedro Almodovar; Darsteller: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Penelope Cruz

Worum gehts?
Der berühmte Filmregisseur Salvador (Banderas) lebt extrem zurückgezogen. Körperliche Schmerzen und eine Vielzahl von Gebrechen machen ihm zu schaffen. Für eine Filmvorführung setzt er sich mit seiner Vergangenheit (in Person eines unbequemen Hauptdarstellers) auseinander, und grübelt zusätzlich ausgiebig über seine Kindheit nach.

Was soll das?
Regisseur Almodovar beschäftigt sich in „Leid und Herrlichkeit“ mit seiner eigenen Geschichte, von der Kindheit bis zur Gegenwart. Wie nah die Story um sein von Antonio Banderas gespieltes Alter Ego an der ‚Wahrheit‘ ist, kann man hier genauer nachlesen

Taugt das was?
Sogar sehr. „Leid und Herrlichkeit“ gehört zu Almodovars besten Filmen. Die sehr persönliche Natur des Dramas wird von den herausragenden Darstellern wundervoll getragen, und steigert das für den Regisseur typische hohe Maß an Intimität und Intensität zusätzlich. Das „Innen“ und das „Außen“ des Films treffen sich am Ende in einer großartigen Pointe.

5/5

Kurzkritik: Motherless Brooklyn

Krimi/Drama, 2019

Regie: Edward Norton; Darsteller: Edward Norton, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin, Bobby Cannavale, Willem Dafoe

Worum gehts?
New York in den 50er Jahren. Als der Chef eines Privatdetektiv-Büros ermordet wird, nimmt dessen Zögling Lionel die Ermittlungen auf. Lionel leidet am Tourette-Syndrom, sein unkontrolliertes Verhalten macht ihm zum Außenseiter. Die Spur führt ihn schnell in die Politik – genauer gesagt zu massiven Umsiedlungsprogrammen im Rahmen der Stadtentwicklung..

Was soll das?
„Motherless Brooklyn“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Lethem aus dem Jahr 1999. Angekündigt und immer wieder verschoben wurde der Film bereits seit ca. 15 Jahren. Ein wichtiger Unterschied zur Vorlage ist, dass Norton die Ende der Neunziger spielende Handlung in die 50er Jahre „versetzt“ hat. Der damit einhergehende Look, in Verbindung mit dem jazzigen Soundtrack, gehen deutlich in die „Film Noir“-Richtung, eben so wie einige Änderungen bei der Story.

Taugt das was?
Ja, „Motherless Brooklyn“ ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt, atmosphärisch inszeniert, spannend und schön anzusehen. Die eigentliche Story/Krimihandlung ist dabei nicht sonderlich aufregend, dient aber im Wesentlich ohnehin dazu, den Hauptfiguren eine Bühne zu bieten. Es fehlt vielen Figuren aber etwas an Tiefenschärfe, unter anderem weil der Film einen dafür bedeutenden Teil der Vorlage arg eingedampft hat. Die emotionale Schlagkraft des Films ist daher leider eher überschaubar.

4/5

Meine Top-10 Filme des Jahres 2019 [Update 19.1.20]

Zur Jahreshälfte wäre diese Liste gefühlt noch beinahe leer gewesen. Doch nach hinten raus ist 2019 noch ein richtig gutes Filmjahr geworden…

Wie üblich habe ich so einige Filme verpasst, oder besser schlicht keine Zeit für sie gefunden. Aber im Vergleich zur Auswahl der „wichtigsten“ Serien ist mir die Filmauswahl relativ leicht gefallen.

  1. Parasite“ gehört definitiv zu den Filmen, die immer besser werden, wenn man an sie zurück denkt.
  2. [Update] Ein absolutes Vergnügen für Herz, Auge und Verstand war Pedro Almodovars „Leid und Herrlichkeit„, den ich erst im Januar diesen Jahres gesehen habe.
  3. Knapp dahinter landet „Once Upon A Time In Hollywood„, der mir auch beim zweiten mal schauen noch viel Spaß gemacht hat.
  4. Blaze“ ist die stark inszenierte Geschichte eines faszinierenden Künstlers und feinstes Independent-Kino.
  5. Eine Tour-de-Force durch das Ende einer Ehe kann spannend, unterhaltsam und witzig zugleich sein – siehe Noah Baumbachs „Marriage Story„.
  6. The Irishman“ steht im Lexikon unter „gelungenes Spätwerk“, was in diesem Fall sowohl für den Regisseur (Martin Scorsese) als auch für seine drei Hauptdarsteller (Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci) gilt.
  7. Joker“ war der Aufreger des Jahres und lotete neue Wege aus, Comic-Verfilmungen auf ein erwachsenes Publikum zuzuschneiden. Und ja – Joaquin Phoenix war mega…
  8. Roma“ ist anspruchvolles Kino mit viel Herz und großartigen Bildern.
  9. Booksmart“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die unglaublich clever ist, und dabei auch noch sehr witzig.
  10. Die Story von „The Peanut Butter Falcon“ ist im besten Sinne abenteuerlich, kommt dabei aber trotz vieler „schwerer“ Zutaten erstaunlich leichtfüßig daher.

Auch gut waren:
Ad Astra, Arctic, Hustlers, The Lighthouse, Green Book, Long Shot, Motherless Brooklyn, The Favourite



Kurzkritik: The Irishman

Gangsterdrama, 2019

Regie: Martin Scorsese; Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci

Worum gehts?
Um die Geschichte des Gewerkschaftsfunktionärs und Mafiosis Frank Sheeran (De Niro), von den 50er Jahren bis ins neue Jahrtausend. Erzählt aus der Sicht von Sheeran selbst, basiert er auf dessen in „I Heard You Paint Houses“ niedergeschriebenen Erinnerungen – die keinesfalls unbestritten sind. Sheeran gesteht darin unter anderem den Mord am berühmt-berüchtigten Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa, der in „The Irishman“ von Al Pacino verkörpert wird.

Was soll das?
„The Irishman“ bringt viele bekannte Zutaten von Scorseses berühmten Gangsterdramen mit, erinnert oft insbesondere an „Goodfellas“ und „Casino“. Doch der Regisseur verfolgt hier offensichtlich einen etwas anderen Ansatz. Der Film ist deutlich interessierter an der „bottom line“ am Ende eines Gangsterlebens – sofern es nicht (wie sehr viele in „The Irishman“) vorzeitig und abrupt zu Ende geht. Schon durch die narrative Struktur ist der Rückblick das zentrale Element.

Taugt das was?
Ja. Scorsese ist ein beeindruckendes Spätwerk (der Mann ist 77 Jahre alt) gelungen. Scorsese, der für seine Abneigung gegen am Computer gefertigte Spezialeffekte bekannt ist, lässt hier gleich drei ungefähr gleichaltrige Schauspiel-Legenden digital verjüngen. Was insgesamt hervorragend funktioniert, von wenigen Ausnahmen (meist in den Augen der Akteure zu erkennen) abgesehen. Vor allem aber lenken die digitalen Effekte nicht von der ausladenden (dreineinhalb Stunden langen) Story ab, welche – ähnlich wie Oliver Stones „JFK“ – eine spannende, aber hoch spekulative Neu-Interpretation eines beinahe sagenumwobenen Abschnitts US-amerikanischer Geschichte bietet.

Sonst noch was?
„The Irishman“ war mit einem Budget von 159 Millionen Dollar (Quelle: IMDb) kein günstiges Unterfangen. Finanziert wurde der Film von Netflix, wobei man den Film bereits vor dem Start auf der Streaming-Plattform auch in die Kinos gebracht hat. Ich habe ihn sehr gerne zuhause gesehen, frage mich allerdings, womit – wenn nicht hiermit – Hollywood ein erwachsenes Publikum eigentlich noch in die Kinos locken will. Aber wahrscheinlich haben die Studios diesen Kampf längst verloren gegeben…

4/5

Kurzkritik: Hustlers

Drama/Krimi/Comedy, 2019

Regie: Lorene Scafaria; Darsteller: Constance Wu, Jennifer Lopez, Julia Stiles

Worum gehts?
Um eine Gruppe von befreundeten Stripperinnen, die in einem Club mit Kundschaft von der Wall Street ordentlich Geld verdient. Nach der Finanzkrise bricht das Geschäft ein – und die vier Frauen finden einen neuen, allerdings illegalen Weg, um sich hohe Einkünfte zu sichern…

Was soll das?
„Hustlers“-Regisseurin Scafaria erzählt ihre (auf einer wahren Begebenheit basierende) Story komplett aus der Perspektive der Stripperinnen. Diese für Hollywood untypische Konstellation bringt einen frischen, authentischen Blick in ein Milieu, das sonst nur durch die Augen männlicher Figuren eingefangen wird.

Taugt das was?
Ja, tut es. Den Darstellerinnen gelingt es, die Wandlung ihrer Figuren in dem langsam eskalierenden Szenario glaubhaft zu gestalten. Für das Genre typische Szenen unglaubwürdiger Handlungen oder Entwicklungen fehlen dankbarerweise vollständig. „Hustlers“ erzählt sicher keine weltbewegende Geschichte, aber er erzählt sie unterhaltsam und ohne langweilige Klischees zu bedienen.

4/5

Die besten Mini-Serien der 2010er Jahre

Mit „Mini-Serien“ meine ich hier all jene TV-Shows, die nicht über mehrere Staffeln hinweg eine Geschichte erzählen. Das schließt also Serien ein, die nur aus einer einzigen Staffel bestehen (z. B. „Chernobyl“), also auch solche, die über mehrere Staffeln unterschiedliche Geschichten aus der selben Reihe erzählen (z. B. „Fargo“).

„Twin Peaks – The Return“ ist ein Sonderfall, die habe ich hier eher aus dem Gefühl heraus einsortiert – wem das lieber ist, der sortiere die Show geistig bitte einfach hier ein…

Und natürlich ist auch die Liste rein subjektiv und naturgemäß unvollständig – schon weil ich nicht im Ansatz alle Mini-Serien der letzten 10 Jahre gesehen habe…


Chernobyl“ (2019) – Wie man aus einer größten Katastrophen der jüngeren Geschichte eine mitreißende, berührende und unglaublich unterhaltsame Serie macht, hat „Chernobyl“ eindrucksvoll bewiesen. Vom ersten Moment bis zum Abspann – über fünfeinhalb Stunden Laufzeit – hat das Publikum selten Zeit zum Luft holen. Ich bin selten von Serien oder Filmen „wie gebannt“, doch bei dieser Serie war das definitiv der Fall.


Twin Peaks – The Return“ (2017) – Ich habe es schon oft kund getan, und tue das auch gern noch einmal. David Lynch, dessen „Twin Peaks“ Anfang der 90er das ‚Qualitätsfernsehen‘ begründete, hat mit dieser Fortsetzung ein bemerkenswertes Biest geschaffen. „The Return“ ist bizarr und kryptisch, gleichzeitig altmodisch und äußerst humorvoll. Vor allem aber ist die Serie unberechenbar, und legt das immense kreative Potential seines Schöpfers offen. Nebenbei ist „Twin Peaks“ wohl die einzige Serie, die es (als Gesamtheit) mit der Komplexität und Rätselhaftigkeit von „Game of Thrones“ aufnehmen kann, wenngleich der Wind hier natürlich aus einer ganz anderen Richtung weht…


Sherlock“ (2010 – 2017 – vielleicht geht es noch weiter…) – Die moderne Neu-Erfindung des bekanntesten aller Detektive ist eine der größten Erfolge der BBC gewesen, die sich im neuen Serien-Universum mit der Serie etablieren konnte. Benedict Cumberbatch glänzt als inselbegabter, arroganter Sonderling, ein neuer Holmes für eine neue Zeit. Dass der spannendere Sherlock nicht im Kino (wer erinnert sich noch an die durchaus erfolgreichen Verfilmungen mit Robert Downey Jr.?), sondern im Fernsehen zu finden war, ist dabei sinnbildlich für die 2010er Jahre.


American Crime Story“ (2016 – ?) – In bisher zwei Staffeln (die dritte folgt in 2020) hat sich die Serie mit berühmten Morden (Nicole Simpson und Gianni Versace) beschäftigt. „American Crime Story“ setzt darauf, jeweils mehrere spannende Perspektiven zu seiner Story einzunehmen. Ziel der Übung ist eher eine zeitgeschichtliche als die kriminalistische Aufklärung (an der Show ist kein „True Crime“-Podcast verloren gegangen). Damit zeigt „Amercian Crime Story“ aud famose Weise, was Fernsehen zu diesen Themen jenseits von sensationslüsternen Pseudo-News und voyeuristischen Reality-Shows bieten kann.

Fargo“ (2014 – ?) – Aus dem Film der Coen-Brüder eine Serie zu machen, die mit diesem nur eine Art ‚geistiges Universum‘ teilt, schien anfangs eine fragwürdige Idee zu sein. Doch „Fargo“ hat in allen drei Staffeln bewiesen, dass das Motiv der Bürger, die in einen schrecklichen Kriminalfall verwickelt werden (oder diesen überhaupt erst auslösen), definitiv ausreicht, um 10-stündige Geschichten darum zu bauen. Die große Kunst besteht hier vor allem in der Zeichnung verschrobener Figuren und der Lust, immer wieder Erwartungen zu unterlaufen.

Auch gut waren: „True Detective“, „Sharp Objects“, „Show Me a Hero“, „Top of the Lake“, „The Night Of“

Kurzkritik: Chernobyl (Mini-Serie)

Drama, 2019

Creator: Craig Mazin; Darsteller: Jared Harris, Stellan Skarsgard, Emily Watson

Worum gehts?
Um die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986.

Was soll das?
Die Serie zeichnet die Geschehnisse des Super-GAUs im Jahre 1986 nach. Von den entscheidenden Momenten im Kontrollraum des Reaktors, über die verzweifelten Versuche der „Rettung“ und Eindämmung der Katastrophe, die fürchterlichen Konsequenzen für die Menschen in der Region, bis zur Informationspolitik der allmächtigen Partei. Dabei beruht die Mini-Serie zu großen Teilen auf dem Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch, in dem vor allem Augenzeugeberichte geschildert werden.

Taugt das was?
Jawoll. Die gekonnte Verdichtung der Geschehnisse bietet gleichzeitig eine (zumindest gefühlt) umfassende Schilderung der Katastrophe. Der dokumentarische Stil ist eingebettet in ein mitreißendes Drehbuch. Im Zentrum stehen ein Wissenschaftler und ein ihm zur Seite gestellter Parteifunktionär. Gemeinsam versuchen sie, das Schlimmste zu verhindern. Die Beziehung zwischen diesen beiden dient auch als emotionales Zentrum.

„Chernobyl“ ist voll von erschreckenden, verstörenden, schockierenden und herzzerreissend traurigen Bildern. Und dabei spannend wie ein Thriller. Hauptdarsteller Jared Harris übertrifft sich dabei selbst – was gar nicht so leicht ist, wenn man ihn in „Mad Men“ oder „The Terror“ gesehen hat. Insgesamt ist das Schauspieler-Ensemble überragend.

Sonst noch was?
Ein kleiner Wermutstropfen dabei: Die Serie nimmt sich mehr „künstlerische Freiheiten“ als meines Erachtens nötig gewesen wäre, um die packende Geschichte zu erzählen. Da wird nicht nur verdichtet, sondern auch dazugedichtet, vereinfacht und verändert. Das ist nicht ungewöhnlich bei Verfilmungen dieser Art, erhält aber ein bisschen ein Geschmäckle, wenn die Serie am Ende den unschätzbaren Wert der Wahrheit preist…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Die besten Serien der 2010er Jahre

Bevor jemand danach fragt, starte ich lieber gleich mal mit der Definition von „Serien der 2010er Jahre“. Die letzte Staffel muss bis 2019 gelaufen sein (daher fehlt alles, was im kommenden Jahr noch fortgesetzt wird), und der größte Teil der Serie muss in den 2010er Jahren entstanden sein.

Die Auswahl hier erhebt selbstredend keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist meine rückblickende Meinung auf die Serien der letzten 10 Jahre – nicht mehr, und nicht weniger.

Die besten Serien (mit durchlaufenden Staffeln)

In alphabetischer Reihenfolge.

Breaking Bad“ (2008 – 2013) – Die grundlegende Prämisse dieser Serie (krebskranker Chemielehrer wird zum Drogenbaron) ist haarsträubend und wenig realistisch.

Doch der erzählerische Sog von „Breaking Bad“, die Klasse seines Hauptdarstellers und des gesamten Ensembles, haben daraus ein faszinierendes, verstörendes Universum gemacht, das sich Staffel für Staffel ein Millionenpublikum erarbeitet hat. Und dann ein grandioses Finale abgeliefert.


Game of Thrones“ (2011 – 2019) – Trotz der unsäglichen zwei letzten Staffeln ist „GoT“ insgesamt ein großer Wurf. Keine andere Show hat sein Publikum mit einem derart komplizierten Geflecht aus Figuren und Intrigen konfrontiert.

In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums beständig gesunken ist, wurde ausgerechnet diese anstrengende, ausufernde Fantasy-Serie zum größten Erfolg überhaupt. Mehr Shakespeare als „Herr der Ringe“ konnte „Game of Thrones“ auch Fantasy-Skeptiker wie den Autor dieser Zeilen für sich einnehmen.


Mad Men“ (2007 – 2015) – Die Serie begann als ‚period piece‘ der frühen 60er, das mich zunächst nur bedingt überzeugt hat. Doch „Mad Men“ wächst ab Staffel 3 langsam über sich hinaus, schafft Unmengen starker Charaktere und Geschichten, die zusammen ein wunderbares Porträt der 60er Jahre in den USA entwerfen.

Die Show witzig und tragisch, analytisch und emotional, dabei immer interessant, spannend und verdammt unterhaltsam. Und schafft mit Don Draper eine Figur, die die inneren Widersprüche des Landes auf beeindruckende Art und Weise erlebbar macht.


Mr Robot“ (2015 – 2019) – „Mr Robot“ begann als zeitgeistiger Mindfuck im Hacker-Milieu. Nach dem Ende der ersten Staffel (und dem zähen Beginn der zweiten) hatten viele die Show schon abgeschrieben.

Doch Schöpfer Sam Esmail verfolgte währenddessen einen starken Plan, und liefert bis zum Finale nicht nur eine spannende Story mit vielen Überraschungen, sondern blieb seinen Figuren treu. Was im Falle des schiziphrenen Elliot Alderson wahrlich keine leichte Aufgabe war…


Rectify“ (2013 – 2016) – In Deutschland lief die Serie leider quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und auch in den USA war die Show kein ganz großer Hit – wohl weil sie auf dem „Sundance Channel“ lief, und nicht bei HBO oder Netflix.

„Rectify“ ist allerfeinstes Drama, welches sich – bei aller Gesellschaftskritik – vor allem auf die Figuren konzentriert, und dabei bis zum Ende nicht an Intensität und Glaubwürdigkeit verliert.


The Newsroom“ (2012 – 2014) – Auch diese Show ist in Deutschland unbekannt, ich weiss gar nicht ob sie überhaupt mal irgendwo lief. „The Newsroom“ erzählt von den Mitarbeitern einer Nachrichtenredaktion, vom Moderator über die Produzenten bis zu Reportern und Redakteuren.

Erstklassig sind neben den Schauspielern vor allem die Dialoge, sowie der aus heutiger Sicht erstaunliche ‚heilige Ernst‘, mit der die Serie ihre Themen anging. Die Welt war eine andere damals, doch die zunehmende politische Spaltung der USA kündigt sich bereits an.

Zugabe I: Knapp nicht dabei:

Justified“ (2010 – 2015) – Vom Stoff her scheint die Serie eher in die 90er zu passen: Ein US Marshall wird in seine Heimat im Herzen der USA versetzt und ist dort einem ‚Bad Guy‘ auf den Fersen, der früher sein Freund war.

Aber „Justified“ erzählt all das (und vieles mehr) in einer herrlich lakonischen Tonart, bringt außerdem glänzende Darsteller und messerscharfe Dialoge mit. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Show auf Büchern von Elmore Leonard basiert, dem König der relaxed-subversiven Krimikomödien.


The Affair“ (2014 – 2019) – Das Alleinstellungsmerkmal dieser Serie ist sicher, dass jede Folge aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Wir lernen die vier Hauptfiguren also in ihren eigenen Erzählungen kennen, aber auch durch die Augen ihrer Partner oder Ex-Partner.

Die zentrale ‚Affäre‘ ist ein Ehebruch, der Anspruch der Serie aber geht weit über die Schilderung dieses Vorfalls hinaus. Nicht jede Folge, Staffel oder Plot-Wendung sitzt dabei immer zu 100 Prozent, aber im Ganzen kommt eine außergewöhnliche Familiensaga mit vielen feinen Nuancen heraus.


The Leftovers“ (2014 – 2017) – Das Szenario von „The Leftovers“ ist ein ziemlich unglaubliches. Zwei Prozent der Menschheit verschwinden von einem Tag auf den anderen. Wie man nach diesem Ereignis biblischen Ausmaßes weiterleben kann, welche Trauer, Ängste und Hoffnungen der unfassbare Verlust auslöst, und welche haarsträubenden Theorien den Menschen in ihrer Erklärungsnot einfallen, davon erzählt die Serie über drei äußerst unterschiedliche Staffeln.

Gemeinsam haben sie alle, dass sie – trotz allen mystischen und religiösen Umtrieben – immer auf spannende Art und Weise ausloten, was es heisst, als Mensch am leben zu sein. Und auch die Antwort darauf nicht in einem bekloppten Plot-Twist suchen.


Zugabe II: Großartig gestartete Serien, die nach hinten raus implodiert sind

Boardwalk Empire“ (2010 – 2014) – Die Show konnte ihrem hohen Anspruch nach der ersten Staffel nie ganz gerecht werden, und ging dann recht abrupt zu Ende.
Dexter“ (2006 – 2013) – Eine grundsätzlich großartige, wegen der vielen Gewalt und den Sympathien für die mordende Hauptfigur kontroverse Serie, die ihr Ende leider erst zu lange herausgezögert und dann so richtig verkackt hat.
Homeland“ (2011 – ?) – Die ersten drei Staffeln waren absolut hervorragend und spannender als alles seit „24“. Mit dem Ausscheiden einer der beiden Hauptfiguren war dann für mich schnell die Luft raus…
House of Cards“ (2013 – 2018) – Netflix‘ spektakulärer Eintritt in den Markt der Qualitätsserien war zwei Staffeln lang aufregend und brilliant. Dann nahm die deutlich Qualität ab, so dass die Show für mich schon vor dem Skandal um Kevin Spacey gestorben war.

Die besten Serien 2019 (Update 11.1.2020)

2019 ist das erste Jahr, in dem ich sowohl meinen Film- als auch meinen Serienkonsum runtergefahren habe. Mangelnde Zeit ist ein Grund, aber anderere Gründe wiegen schwerer.

In dieser „Golden Era of TV“ ist die Reizüberflutung immens. Dutzende lohnenswerte Serien laufen an einem vorbei, egal wie oft man abends vor dem Fernseher, Laptop, Tablet oder Smartphone sitzt.

Bei den Shows, die man noch schafft, fragt man sich zunehmend, ob sie die viele Zeit wirklich wert sind. Zu viele Shows haben sich zuletzt entweder nur wiederholt („Stranger Things“) oder erzählen ohne erkennbare Richtung einfach weiter („Homeland“), weil die Quote – noch – stimmt.

Damit wird ein grundsätzliches Problem der aktuellen Serien-Welt deutlich. Es braucht nicht nur gute Ideen für ein Szenario, Figuren und die richtige Besetzung. Sondern auch einen Plan, wohin die Reise letztlich gehen soll. Fehlt der, driftet das Geschehen oft in die Belanglosigkeit ob, oder die Dramatik wird auf Kosten der Glaubwürdigkeit gesteigert.

Für die Streaming-Anbieter und Sender ist das jeweils nicht so wild, schließlich brauchen sie vor allem Stoff, um ihre Abonnenten bei der Stange zu halten. Wer aber als Zuschauer vermeiden will, seine Zeit zu vergeuden, für den wird es schwierig. Wer weiss schon, ob etwa die Autoren & Showrunner von „Mindhunter“ oder „Barry“ einen Plan verfolgen – oder einfach nur so viele gut bezahlte Folgen wie möglich produzieren wollen?

Die wirklich großartigen Serien der letzten Jahre haben gezeigt, dass man über ein halbes Dutzend Staffeln produzieren und trotzdem ein starkes Ende finden kann. Siehe etwa „Mad Men“ oder „Breaking Bad“. Nicht jede Show kann sich damit messen. Dieses Jahr hat es nur „Mr Robot“ geschafft.

Inzwischen bevorzuge ich eigentlich Serien, die entweder nur auf eine Staffel angelegt sind („The Night Manager“), oder sich nach jeder Staffel neu erfinden („Fargo“, „True Detective“ oder „American Crime Story“). Die sind aber immer noch die Ausnahme.

Die besten neuen Serien

Hier sieht es dürftig aus, was wohl mehrere Gründe hat. Erstens habe ich viel Zeit mit fortgesetzten Shows verbracht, zweitens habe ich in dem Überangebot von Serien wohl nicht wirklich die Perlen rausgefischt.

Über allem steht hier definitv „Chernobyl„. Die Serie hat eigentlich alles, was es brauch – Spannung, Anspruch, Humor und ein Element der Unberechnbarkeit (obwohl man ja meint, die „Story“ zu kennen). Nur mit den ‚künstlerischen Freiheiten‘ hat man es meines Erachtens leicht übertrieben.

The Morning Show“ hat mir immerhin Spaß gemacht, „The Boys“ war nicht ohne Reiz, „Russian Doll“ mal was anderes. „What We Do in the Shadows“ ist ähnlich witzig wie der Film. Aber wenn es bei all diesen Serien nicht weiter ginge wäre mir das ziemlich egal.

Too Old To Die Young“ war ein ziemlicher Härtetest, den ich zwar bestanden habe, aber nicht wiederholen würde. Mit „Catch-22“ wurde einer berühmtesten Romane des 20. Jahrhunderts zur Serie, ohne dass man hinterher wüsste, warum der Roman so berühmt ist.

Die zweite Staffel von „The Terror“ ging mir deutlich zu sehr in Richtung klassischer Geisterhorror-Stoffe, der historische Hintergrund war zwar erneut interessant, insgesamt aber fand ich die Staffel enttäuschend.

Von „Watchmen“ habe ich noch zu wenig gesehen, „Truth be told“ läuft noch und hat definitiv auch Schwächen.

Die besten fortgesetzten Serien

Die finale Staffel von „Mr Robot“ war ein absolutes Highlight. Schöpfer Sam Esmail beherrscht nicht nur irre Wendungen, er landet auch die recht haarsträubende ‚äußere‘ Handlung sauber. Die große Kunst aber besteht darin, dass er die Figuren dabei nicht aus den Augen verliert, und diese am Ende sogar noch überzeugend überraschen können.

Auch das Finale von The Affair hat mir gefallen, auch hier ging es am Ende – nur kam das weniger überraschend – vor allem um zwei Hauptfiguren. Mindhunter bleibt spannend und eine der wenigen noch nicht ausgelaufenen Shows, auf die ich mich richtig freue. Veronica Mars kam recht überraschend wieder, bringt aber auch nach all den Jahren wieder alle Qualitäten mit, die ich immer an der ehemaligen Teenie-Noir Serie geschätzt habe.

Die zweite Staffel von „Barry“ hat das Niveau der ersten halten können, auch hier bin ich gespannt, wo die Reise noch hingeht. Bei Big Little Lies war ich nicht sicher, ob es überhaupt eine zweite Staffel braucht. Die, die mir quasi ungefragt serviert wurde, hat mir sehr gut gefallen. Aber es ist auch folgerichtig, dass die Show nun vorbei ist. True Detective hat nach der von den Kritikern und dem Publikum verhassten zweiten Staffel seine Form wiedergefunden. Eine ordentliche Staffel mit starken Darstellern, die die Stärken des Formats zu nutzen weiss.

Die letzte Staffel von „Ray Donovan“ läuft noch, dazu dann im Laufe des Januars oder Februars mehr. „Goliath“ war in seiner dritten Staffel gewohnt unterhaltsam.

The Handmaids Tale“ habe ich abgebrochen, obwohl die dritte Staffel nicht wirklich schlecht war – ich habe mich an der Welt der Serie und auch an Hauptfigur June schlicht satt gesehen…

Und dann war da noch „Game of Thrones„. Hier hatte sich mit der miesen siebten Staffel schon angekündigt, dass die Kreativen es nicht schaffen würden, ein irgendwie glaubwürdiges, spannendes und aufregendes Finale hinzubekommen. Und so kam es dann leider auch. Zwischen gar nicht so schlecht, unfreiwillig komisch und total bescheuert ging das Spektakel zu Ende. Und ich bin froh, dass es vorbei ist. Die ersten sechs Staffeln gehören zum Allerfeinsten, was es im Fernsehen je zu sehen gab – das ist ja auch kein schlechtes Vermächtnis…

Kurzkritik: The Lighthouse

Drama, 2019

Regie: Robert Eggers; Darsteller: Willem Dafoe, Robert Pattinson

Worum gehts?
Zwei ungleiche Leutturmwärter verrichten anno 1890 vor der Ostküste Neuenglands ihren Dienst. Während in der kargen Ödnis um sie herum ein Sturm den nächsten jagt, müssen sie sich miteinander arrangieren. Dass Thomas den ihm unterstellten Ephraim gnadenlos herum kommandiert . Doch er hat noch eine andere, etwas unheimliche Herausforderung, zu bewältigen…

Was soll das?
„The Lighthouse“ ist ein Kammerspiel, bewusst reduziert auf das Wesentliche. In Schwarzweiss und in einem fast quadratischen Bildformat gedreht setzt der Film auf schleichende Spannung und seine beiden starken Darsteller, die sich ein stetig eskalierendes Psychoduell liefern.

Taugt das was?
Ja, wenn man denn bereit ist, sich auf die spröde, mysteriöse und ruhige Art des Films einzulassen. Für mich war „The Lighthouse“ genau die Abwechslung, die ich gebraucht habe – ein willkommener Bruch mit den Sehgewohnheiten der Neuzeit, getragen von zwei wunderbaren Darstellern.

4/5

Kurzkritik: Marriage Story

Drama, 2019

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Scarlett Johansson, Adam Driver, Ahzy Robertson

Worum gehts?
Die Ehe von Theater-Regisseur Charlie und Schauspielerin Nicole geht in die Brüche. Obwohl sich die beiden friedlich trennen wollen, wird die Sache bald kompliziert. Denn neben der Sorgerechtsfrage für den 8-jährigen Henry, müssen sich die beiden auch einigen, wo sie künftig leben wollen. In Los Angeles, wo Nicole ihre Fernsehkarriere in Gang bringen will, oder in New York, wo Charlie kurz vor dem Durchbruch am Broadway steht…

Was soll das?
Regisseur Baumbach verarbeitet in „Marriage Story“ das Scheitern seiner Ehe mit Schauspieler Jennifer Jason Leigh, hat aber auch seinen Hauptdarstellern Freiheiten gegegeben, ihre Figuren auszugestalten. Dabei interessiert sich der Film vor allem für die Details, Widersprüche und Grauzonen, welche der Beziehung ihren Stempel aufgedrückt haben.

Taugt das was?
Eine ganze Menge sogar. Der Film ist das schauspielerisch wie formell überzeugende Portrait einer Beziehung, die der Zeit nicht Stand halten kann. Obgleich mit viel Humor inszeniert, ist „Marriage Story“ ein ernsthafter Film, der sich bemüht, alle Facetten seiner Geschichte zu durchleuchten. Seine größte Stärke sind die glaubwürdigen Dialoge, vorgetragen von den beiden Hauptdarstellern, zwischen denen die Chemie absolut stimmt. Trotz seiner 137 Minuten Laufzeit würde ich ihn fast kurzweilig nennen, wenn er sich nicht kurz vor dem Ende doch noch ein wenig ziehen würde…

4/5

Kurzkritik: The Morning Show

Drama/Comedy, 2019

„Creators“: Jay Carson, Kerry Ehrin; Darsteller: Resse Witherspoon, Jennifer Aniston, Billy Crudup, Mark Duplass, Steve Carell

Worum gehts?
Die „Morning Show“ ist eine brave, unterhaltsame und äußerst erfolgreiche Nachrichtensendung. Bis sie durch einen handfesten Skandal um die sexuellen Umtriebe ihres langjährigen Co-Moderator erschüttert wird. Die Belegschaft kämpft um ihren Ruf. Die unerfahrene neue Moderatorin Bradley und ein freigeistiger Chef der News-Sparte des Senders sorgen für zusätzlichen Zündstoff.

Was soll das?
„The Morning Show“ beschäftigt sich vor allem mit den Folgen von „#MeToo“, will also ganz offensichtlich ernst genommen werden. Apple hat für die Flagship-Serie seines neuen Streaming-Angebots keine Kosten gescheut, und dabei vieles richtig gemacht. Für Jennifer Aniston ist es die Rückkehr ins Fernsehen (technisch gesehen ist es natürlich nicht Fernsehen, sondern Streaming), 15 Jahre nach dem Ende von „Friends“.

Taugt das was?
Ja. Die Mischung aus hochkarätig besetzter Seifenoper und Gesellschaftskritik funktioniert weitgehend gut. Allerdings rumpelt es etwas bei der Figurenzeichnung, durch die sich einige Widersprüche ziehen. Und von der erzählerischen Klasse sowie dem großartigen Ensemble von „The Newsroom“ (einer Serie, die in Deutschland leider kaum jemand kennt) ist man auch ein gutes Stück entfernt.

Wo kann ich das gucken?
Bei Apple TV+.

Kurzkritik: Ad Astra (mit kleinen Spoilern)

Drama/Science-Fiction, 2019

Regie: James Gray; Darsteller: Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Liv Tyler, Ruth Negga

Worum gehts?
Rätselhafte elektrische Schockwellen aus dem Weltall drohen die Erde ins Chaos zu stürzen. Eine vor über 25 Jahren gestartete, angeblich gescheiterte Expedition an den Rand des Sonnensystems scheint damit in Verbindung zu stehen. Die Weltraum-Behörde schickt Roy McBride (Pitt), Sohn des damaligen Kommandanten und selbst Astronaut, auf eine Mission, um Verbindung mit seinem Vater aufzunehmen…

Was soll das?
„Ad Astra“ ist ein Vater-Sohn-Drama im Gewand eines Science-Fiction-Films. Im Off-Kommentar sowie durch Rück- und Vorblenden erzählt der Film dabei von Roys innerem Ringen, das Verhältnis zu seinem Vater und die eigenen Lebensentscheidungen zu hinterfragen. Parallen zu Motiven aus „Apocalypse Now“ sind dabei nicht zu übersehen, was aber keinesfalls negativ gemeint ist.

Taugt das was?
Ja. Bildgewaltig und opulent setzt „Ad Astra“ seine Effekte nie als blossen Selbstzweck ein. Brad Pitt überzeugt durch eine weitgehend nach innen gerichtete Darstellung, Tommy Lee Jones als eine Art „Colonel Kurtz am Rande des Universums“. Selten hat ein Film die äußere und innere Reise seines Protagonisten so offensichtlich „übereinandergelegt“. Die psychologische Pointe des Films ist wenig überraschend, kann aber trotzdem (oder vielleicht eben deshalb) überzeugen.

4/5

Kurzkritik: Joker

Drama/Thriller, 2019

Regie: Todd Phillips; Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert de Niro, Zazie Beetz

Worum gehts?
Der einsame, an einer merkwürdigen Lach-Krankheit leidende Arthur Fleck fristet sein Dasein als Gelegenheits-Clown in Gotham City. Die Stadt erlebt schwere Zeiten, Armut, Gewalt und Klassenkampf beherrschen den Alltag. Fleck träumt von einer Karriere als Stand-up Komiker, erleidet aber allerlei herbe Rückschläge an vielen Fronten.

Was soll das?
„Joker“ ist eine – angeblich alleinstehende – ‚Origin-Story‘ aus dem Universum von DC. Wo bzw. ob sich die hier erzählte Version der Figur in den Comic-Vorlagen findet entzieht sich meiner Kenntnis… Ungewöhnlich ist dabei, dass das Warner-Studio eine seiner berühmtesten Figuren mit einem überschaubarem Budget und ohne echten Blockbuster-Appeal ins Rennen schickt. Der Mut wurde an der Kinokasse belohnt.

Taugt das was?
Ja. Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und das Drehbuch schaffen es, der Figur ein komplett anderes Profil zu geben, als die vorigen „Joker“ der Filmgeschichte. Es gibt kaum Action und keine Spezialeffekte, dafür einige extrem verstörende Szenen. Auch der Ton ist für eine Comic-Verfilmung ungewöhnlich, liegt irgendwo zwischen Tragikomödie, Satire und Farce. So ganz stimmig finde ich das Ergebnis dieser Mixtur nicht, unter anderem weil einige Schlüsselszenen für mich nicht funktioniert haben. Trotzdem setzt „Joker“ einen sehenswerten Gegenpol zu der end- und sinnlosen Daueraction der allermeisten Comic-Adaptionen.

4/5

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