Kurzkritik: Another Round (Der Rausch)

Drama/Komödie, 2021

Regie: Thomas Vinterberg; Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Maria Bonnevie

Worum gehts?
Um vier Lehrer, die alle in ihrer eigenen ‚Midlife Crisis‘ stecken. Im Zentrum steht Martin (Mikkelsen), der über die Jahre zum Langweiler geworden ist, was ihm sowohl seine Schüler (ganz offen) als auch seine Frau (durch Abwesenheit) mitteilen. Die Kollegen beschließen, eine Theorie zu testen, wonach der Mensch immer 0,5 Promille Blutalkohol haben sollte. Tagsüber, wohlgemerkt, also einen Dauerschwips vom Frühstück bis zum Abendessen. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten, doch nach anfänglichen „Erfolgen“ treten bald auch unschöne „Nebenwirkungen“ auf…

Was soll das?
Das ist in diesem Fall eine spannende Fragen die nicht so leicht zu beantworten ist. Denn weder ist „Der Rausch“ eine Warnung vor dem Alkoholismus, noch feiert oder verharmlost eher das Trinken. Das Szenario ist überspitzt und der Film sich dessen bewusst; seine Figuren und ihre Probleme aber nimmt er ernst. Die Grenze zwischen Drama und Humor verläuft fließend, zwischen den Charakteren, aber auch durch ihre individuellen Schicksale.

Taugt das was?
Unbedingt. Vinterbergs Film überzeugt durch seinen einfühlsamen Blick auf die Figuren. Unter den starken Darstellern ragt Mads Mikkelsen heraus, dessen Figur die emotionale Schnittstelle zum Publikum ist. Unbeschwerte Lebenslust, das Feiern von wiedergewonnener Freiheit und Freundschaftsrituale zwischen Seelenverwandtschaft und Gruppenzwang verbinden sich mit ernsten bis traurigen Tönen. Denn „Der Rausch“ schaut auch dahin, wo es richtig weh tut. Der Alkohol ist weder Teufel noch Heilsbringer, eher ein Brennglass, unter dem eine Reihe alltäglicher (aber nicht banaler) Probleme und Fragestellungen sichtbar gemacht werden.

Wo kann ich das gucken?
Irgendwann nach dem Lockdown im Kino.

4/5

Kurzkritik: Small Axe Pt. 4 – Alex Wheatle

Drama, 2020

Regie: Steve McQueen; Darsteller: Sheyi Cole, Jonathan Jules, Johann Myers

Worum gehts?
Im vierten Teil von McQueens „Small Axe“-Reihe geht es um den auf wahren Begebenheiten beruhenden Werdegang des späteren Schriftstellers Alex Wheatle. Nach einer trostlosen Kindheit bei Pflegeeltern und Waisenhäusern in der englischen Provinz entdeckt er im Londoner Stadtteil Brixton seine Liebe zur (Reggae-)Musik und wird Teil einer Community. Es dauert jedoch nicht lange, bis er sich nach dem „Brixton Uprising“ von 1981 im Gefängnis wiederfindet…

Was soll das?
„Alex Wheatle“ ist am ehesten mit dem unmittelbaren Vorgänger „Red, White and Blue“ vergleichbar. Der Film beleuchtet Identität, Erfahrungen und Schmerz seiner Hauptfigur, und zeichnet das Selbstverständnis einer Gesellschaft nach, in der diese zum Außenseitertum geradezu verdammt ist.

Taugt das was?
Ja, wie schon „Mangrove“ und „Red, White and Blue“ funtioniert auch „Alex Wheatle“ vor allem wegen der scharfen Milieu- und Figurenzeichnung und den Verzicht auf Sentimentalität. Allerdings bleibt die Hauptfigur selbst immer ein bisschen unnahbar, der Film wagt bis zum Schluss keinen „Blick hinter die Maske“.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Filmriss wieder bei Twitter aktiv

Quasi in eigener Sache, wie es so schön heisst: der Twitter-Account vom Filmriss sendet wieder.

Warum? Weil Trump da endlich weg ist! Not really… Tatsächlich habe ich hin und wieder den Impuls, Kommentare, Empfehlungen oder ähnliches zu teilen, halte eigene Blog-Beiträge aber nicht für das probate Mittel.

Wer also bei Twitter ist – und auch wer da nicht ist, die Tweets sind öffentlich im Browser erreichbar – der schaue künftig gern hier vorbei: https://twitter.com/EdzardE

Ich mache mich jetzt mal im WordPress-Dashboard auf die Suche nach einer Twitter-Box, die man doch sicher irgendwo hier einbauen kann…

Kurzkritik: Red, White and Blue (Small Axe Pt. 3)

Drama, 2020

Regie: Steve McQueen; Darsteller: John Boyega, Assad Zaman, Steve Toussaint

Worum gehts?
Leroy Logan ist der Sohn karibischer Einwanderer in England. Gegen den Willen seines Vaters beschliesst er nach dem Studium, Polizist zu werden – um den Rassismus der Truppe von innen zu bekämpfen.

Was soll das?
Dritter Teil von Steve McQueens „Small Axe“-Reihe. Erneut legt der Regisseur viel Wert auf die akribisch genau Inszenierung des Milieus, und setzt auf eine fast lakonische, unaufgeregte Erzählweise.

Taugt das was?
Ja, man darf hier allerdings weder einen Krimi noch ein zugespitztes Plädoyer gegen Rassismus erwarten. „Red, White and Blue“ erzählt eine sehr persönliche Geschichte, und konzentriert sich auf die (innere und äußerliche) Entwicklung seiner Hauptfigur. Das ist im positiven Sinne interessant und vielschichtig, aber bewusst unspektakulär.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: I May Destroy You

Drama, 2020

Creator: Michaela Coel; Darsteller: Michaela Coel, Weruche Opia, Paapa Essiedu

Worum gehts?
Die aufstebende junge Autorin Arabella (M. Coel) lebt mit ihren zwei besten Freunden in London und schreibt an einem Roman. Als sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wird entzieht das ihrer weitgehend sorglosen Existenz den Boden.

Was soll das?
„I May Destroy You“ zeigt die Welt großstädtischer Millenials, die drei Hauptfiguren stammen aus der Karibik bzw. aus Afrika. Im Zentrum steht ihr Umgang mit Sex und Beziehungen, aber es geht auch um die Rolle der Geschlechter, die sozialen Medien sowie den latenten Rassismus der Gesellschaft. Es geht also so ziemlich um alles, was die Welt aktuell bewegt (mit Ausnahme der Corona-Pandemie).

Taugt das was?
Ja, tut es. Schöpferin Michaela Coel gelingt es, die Figuren und ihre Geschichten nicht als offensichtliche Versuchsanordnung zu inszenieren. Sondern einen Alltag (wenn auch einen sehr ereignisreichen) zu porträtieren, in dem sich die Dinge aus sich selbst heraus entwickeln. Die schonungslose Offenheit der Darstellung/Inszenierung ist nicht immer leicht zu ertragen, für das Gelingen von „I May Destroy You“ aber von großer Bedeutung.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Rückblick: TV-Serien 2020 [Update – 3.1.21]

Beste fortgesetzte Serien

Man sieht es dieser Liste schon an – es wird langsam dünne. Wirklich viele Shows, die mir richtig gut gefallen und fortgesetzt werden, gibt es nicht mehr. Mal sehen, ob einige der neuen Serien (siehe weiter unten) nächstes Jahr hier zu finden sein werden…

Auch nicht verkehrt: Westworld (Staffel 3), Homecoming (Staffel 2)
Enttäuschung des Jahres: The Sinner (Staffel 3)

Beste neue Serien & Miniserien

Bei den meisten hier genannten Serien ist eine Fortsetzung eher unwahrscheinlich. Was natürlich schade ist. Andererseits wären viele sicher nicht in der Liste gelandet, wenn sie ihre Geschichte nicht so überzeugend „zu Ende“ erzählt hätten.

Auch nicht verkehrt: Briarpatch, High Fidelity, I Know This Much is True, The Haunting of Bly Manor, The Madalorian (Staffel 1), The Undoing

Enttäuschungen des Jahres: Raised by Wolves, Ratched, Away

Kurzkritik: Wonder Woman 1984

Fantasy/Action, 2020

Regie: Patty Jenkins; Darsteller: Gal Gadot, Kristen Wiig, Chris Pine, Pedro Pascal

Worum gehts?
Diana Prince AKA Wonder Woman arbeitet anno 1984 in einem Museum in Washington DC. Dort landet ein mysteriöser Stein, bei dessen Berührung jeder Wunsch in Erfüllung geht. Dianas schüchterne Kollegin Barbara (Wiig) überlässt den Stein dummerweise dem Hochstapler Max Lord (Pascal), der sich direkt daran macht, die Weltherrschaft an sich zu reissen…

Was soll das?
„Wonder Woman 1984“ ist ein ’standalone‘-Film im Comic-Universum von DC. Weder kommen Wonder Womans Kollegen vor (Batman. Aquaman, usw.), noch wird die gemeinsame Story aus „Justice League“ vorangetrieben. Die Hauptfigur und ihre Darstellerin Gal Gadot bekommen also ausgiebig Gelegenheit, ihr Superheldinnen-Profil zu schärfen. Los geht es mit einer Rückblende, in der Diana als junges Mädchen an einem spektakulären Amazonen-Fünfkampf (der teils stark an Takeshis Castle erinnert) teilnimmt.

Taugt das was?
Nicht wirklich. Der Film erzählt eine mächtig bekloppte Geschichte, die zwar für ordentlich Bewegung sorgt, aber ansonsten ziemlich nervt. Wonder Woman muss vor allem mit sich selbst kämpfen, denn auch sie hat sich vom Zauberstein was gewünscht – etwas, oder besser jemanden, den sie eigentlich nicht wieder hergeben will. Das Setting mitten in den 80ern sorgt für den ein oder anderen Lacher, insgesamt zünden aber recht wenige Gags. Die Action ist standesgemäß inszeniert, hat mich aber auch nicht vom Hocker gehauen. Das Finale ist deutlich zu lang, fürchterlich pathetisch und so komplett vorhersehbar, dass es ein bisschen wehtut.

Nachdem man in 2020 quasi komplett auf hirnlose Blockbuster wie diesen verzichten musste, bin ich vielleicht ein bisschen harsch mit meiner Kritik. Bleibt zu hoffen, dass das Superhelden-Genre dieses Jahr in Filmen wie „Black Widow“, „Venom – Let there be Carnage“ oder „The Eternals“ deutlich mehr anbieten kann als „Wonder Woman 1984“.

Wo kann ich das gucken?
In Deutschland ist ein Kinostart geplant, aber aufgrund der Pandemie noch nicht terminiert. In den USA ist er sowohl über Warners Streaming-Angebot HBO Max als auch im Kino zu sehen.

2/5

Kurzkritik: Wir Können Nicht Anders

Komödie/Krimi, 2020

Regie: Detlev Buck; Darsteller: Alli Neumann, Kostja Ullmann, Sascha Alexander Gersak

Worum gehts?
Junior-Professor Sam gabelt in Berlin die junge Edda auf, und begleitet sie spontan auf einen Trip in die heimatliche Provinz von Brandenburg. Kaum angekommen geraten die beiden in einen eskalierenden Konflikt unter Einheimischen, bei dem auch die örtliche Polizei keine Hilfe ist – im Gegenteil…

Was soll das?
„Wir Können Nicht Anders“ ist wohl eine Art Nachfolger von Detlev Bucks „Wir Können Auch Anders“ von 1993, den ich allerdings nicht gesehen habe. Der Film schickt Sam als Vertreter der Großstadt und Edda als geflohene Provinzlerin in einen ziemlich abstrusen Plot, bevölkert von karikaturenhaften Personen, deren Motive und Geschichten ich nicht wirklich begriffen habe. Vielleicht geht es auch einfach nur um verletzten Stolz und Eifersucht (Sophia Thomalla rennt als ‚femme fatale‘ durch die Handlung).

Taugt das was?
Nein. Für eine Komödie ist „Wir Können Nicht Anders“ nur selten witzig genug, für eine Satire zu albern. Die Krimi-Handlung verdient diese Bezeichnung nicht wirklich, spannend ist das Geschehen auch deshalb nicht, weil keine der Figuren richtig überzeugen kann. Eine Message über den Zustand der ostdeutschen Provinz anno 2020 konnte ich hinter dem Klamauk ebenfalls nur selten erkennen.

2/5

Die besten Filme 2020

2020 ist das mit Abstand schwächste Filmjahr seit … immer. Die Menge an starken Kinofilmen hat ohnehin die letzten Jahre abgenommen. Zumindest war immer weniger nach meinem Geschmack dabei. Dann kam Corona, und hat dafür gesorgt, dass kaum ein (kommerziell) ambitionierter Film überhaupt ins Kino kam.

Natürlich habe ich wie üblich auch viel einfach verpasst – auf meinem Zettel stehen hier z. B. noch „Wir Können Nicht Anders“ von Detlev Buck, die Neuverfilmung von „Berlin, Alexanderplatz“, sowie die Teile drei bis fünf von „Small Axe“. Weitere Tipps für großes Kino des Seuchenjahrgangs 2020 gern in den Kommentaren hinterlassen!

Ich habe überhaupt nur mit Mühe zehn Filme zusammen bekommen. Viele davon hätten es letztes Jahr sicherlich nicht in die Liste geschafft. Und eine Aufzählung von Filmen „knapp an den Top 10 vorbei“ konnte ich mir entsprechend direkt sparen.

  1. „Da 5 Bloods“ (Netflix)
  2. „Possessor“ (Streaming, DVD/BluRay)
  3. Small Axe Pt. 2 – Lover’s Rock“ (BBC/Amazon)
  4. Small Axe Pt. 1 – Mangrove“ (BBC/Amazon)
  5. „The Trial of the Chicago 7“ (Netflix)
  6. „I’m Thinking of Ending Things“ (Netflix)
  7. „On the Rocks“ (Apple TV+)
  8. „The Invisible Man“ (Kino)
  9. „Monsieur Killerstyle“ (Streaming, DVD/BluRay)
  10. „Mank“ (Netflix“)

Kurzkritik: Small Axe („E01 – Mangrove“ & „E02 – Lover’s Rock“)

D

Drama, 2020

Regie: Steve McQueen; Darsteller: Shaun Parkes, Letitia Wright, Malachi Kirby (Mangrove), Amarah-Jae St. Aubyn, Micheal Ward, Shaniqua Okwok (Lover’s Rock)

Mangrove“ ist in vieler Hinsicht das britische Pendant zu „The Trial of the Chicago Seven“. Im anno 1970 vor allem karibischstämmigen Einwanderen bevölkerten Londoner Stadtteil Notting Hill eröffnet ein neues Restaurant. Das „Mangrove“ wird zum Dreh- und Angelpunkt der Community, der Polizei ist der Laden ein Dorn im Auge. Nach einer Reihe von unbegründeten und brutalen Razzien kommt es zu Protesten, die alsbald eskalieren. Neun Menschen landen als angebliche „Anstifter“ vor Gericht.

Der Film erzählt seine Geschichte unaufgeregt und bedächtig. „Mangrove“ ist kein auftrumpfendes Star-Kino, sondern eine eindringliche Schilderung eines bemerkenswerten Prozesses, in dem der allgegenwärtige Rassismus der Gesellschaft verhandelt wird. Spannend (zumindest für all jene, die nie was von den ‚Mangrove 9‘ gehört haben), mitreißend gespielt und insgesamt absolut sehenswert.

Lover’s Rock„, der zweite Film der für die BBC & Amazon produzierten fünfteiligen „Small Axe“-Reihe, spielt im selben Milieu, allerdings etwa zehn Jahre später. Und anstelle einer Gerichtsverhandlung steht hier eine Party im Mittelpunkt. Tatsächlich spielt der Film in seinen knapp 70 Minuten Laufzeit fast ausschließlich auf dieser Party, bei der junge Menschen zu Reggae- und Diskoklängen tanzen, flirten, streiten, sich kennenlernen, Red Stripe trinken und in rauen Mengen Joints rauchen.

Man muss die Musik (u. a. Lee Perry, Sister Sledge, Bob Marley) schon mögen, sonst wird man wohl nicht viel Freude an „Lover’s Rock“ haben. Während man zunächst noch glaubt, die Vorbereitungen und die Party selbst wären Teil einer Exposition oder des ersten Akts, lädt der Film immer weiter dazu ein, sich mit den Figuren in die stimmungsvolle Party fallen zu lassen. Dabei ist es nicht so, dass ’nichts passiert‘. Doch das Geschehen ist eben kein Plot, vergleichbar eher mit Richard Linklaters „Dazed and Confused“ oder „Everbody Wants Some!!“, dabei aber wegen der räumlichen Einschränkung noch deutlich radikaler. Ich wusste nicht, worauf ich mich bei diesem Film eingelassen habe, und war ziemlich begeistert.

(beide:) 5/5

Kurzkritik: Mank

Drama, 2020

Regie: David Fincher; Darsteller: Gary Oldman, Amanda Seyfried, Tuppence Middleton, Tom Pelphrey

Worum gehts?
„Mank“ ist der Spitzname von Herman Mankiewicz, seines Zeichens Alkoholiker, Drehbuchautor und Hollywood-Urgestein auf dem Abstellgleis. Angelpunkt des Films ist die Zeit, in der Mank für Orson Welles das Drehbuch des legendären „Citizen Kane“ schreibt. In Rückblenden erfährt man dabei die Vorgeschichte(n), die sich vor allem um Manks Bekanntschaft mit dem Medienmogul Randolph Hearst und Studio-Boss Louis B. Mayer drehen.

Was soll das?
Der Film ist in erster Linie eine stylishe cineastische Fingerübung, eine Nummernrevue mit reichlich Gelegenheiten für Gary Oldman, um ganz groß aufzuspielen. Die Titelfigur „Mank“ ist ein Antiheld, dessen versoffene Selbstgefälligkeit schwer auszuhalten ist. Das Herz aber trägt er unzweifelhaft am rechten Fleck, ist außerdem unfassbar witzig und talentiert. Einen Menschen aus Fleisch und Blut hinter der Darstellung zu erkennen ist allerdings nicht so einfach.

Taugt das was?
Jein. Man muss das alte Hollywood, die damalige Zeit und am besten auch „Citizen Kane“ schon kennen und mögen, um an „Mank“ Freude haben zu können, befürchte ich. Dabei ist der Film handwerklich- wie bei Fincher nicht anders zu erwarten – schon eine große Freude, die Dialoge sprühen vor Witz und die gut zwei Stunden Laufzeit gehen schnell vorbei. Aber es bleibt ein Film für „Eingeweihte“, ein erzählerisches Spiel auf drei Ebenen – den verbrieften historischen Fakten, der lustvollen Nacherzählung in diesem Film, und eben „Citizen Kane“, in dem besagter Medienmogul, seine Kindheit, sein Werdegang in der Politik und seine Liebschaften thematisiert werden. Mir hat „Mank“ – ausgestattet mit unvollständigem Filmnerd-Wissen – durchaus Spaß gemacht.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: The Midnight Sky

Drama/Sci-Fi, 2020

Regie: George Clooney; Darsteller: George Clooney, Felicity Jones, David Oyelowo, Kyle Chandler, Demian Bechir

Worum gehts?
Eine globale Katastrophe hat die Erde anno 2049 komplett verwüstet und unbewohnbar gemacht. Ein an einer Polarstation ausharrender Wissenschaftler versucht verzweifelt, die aus dem Weltall zurückkehrende Mission „Aether“ zu warnen. Die Crew dieser Mission wiederum beginnt sich zu wundern, warum der Funkkontakt zum Kontrollzentrum abgebrochen ist…

Was soll das?
„The Midnight Sky“ erzählt zwei parallele Geschichten, die sich langsam, aber sicher annähern und überschneiden. Clooney spielt Augsitine, den Forscher im ewigen Eis, der unerwartet Gesellschaft bekommt. Die Crew der „Aether“ hat auf der Heimreise zur Erde mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. Und dann gibt es eine dritte Ebene, die sich in Rückblenden aus Augustines Leben zusammen setzt.

Taugt das was?
Leider nur in Einzelteilen. „The Midnight Sky“ überzeugt lediglich visuell. Die schönen Bilder sind auf der Suche nach einer Geschichte, die sie zusammenhalten würde. Beide Erzählstränge sind für sich nicht schlecht gemacht, und sie werden am Ende recht elegant (wenn auch nicht sonderlich überraschend) zusammengeführt. Aber nichts am Geschehen bis dahin hat mich richtig gepackt. Das grundsätzliche Szenario ist eher vage, bleibt jedoch als „Gleichnis“ blass. Das zentrale persönliche Drama verschwimmt darin, ohne dass die Figuren ausreichend Konturen gewinnen. Währenddessen können die von ausgezeichneten, ziemlich unterforderten Schauspielern gespielten Nebenfiguren nichts wirklich beitragen. Schade.

3/5

Serien-Ausblick 2021

Fortgesetzte Serien

  • American Crime Story (Staffel 3 – FX, Start in DE unklar)
    Diesmal geht es um den Clinton-Lewinsky-Skandal – und also anders als bei den ersten beiden Staffeln (OJ Simpson und Versace) nicht um einen Mordfall…
  • Barry (Staffel 3 – Sky)
    Ich kann mich dunkle erinnern, dass Staffel 2 sehr gut war. Und die Sache sich gefährlich zugespitzt hat…
  • Better Call Saul (Staffel 6 – Netflix)
    Die finale Staffel wird – wie auch immer – wohl den Anschluss zu „Breaking Bad“ herstellen. Und obwohl dadurch eigentlich das „Ende“ klar ist, wird es sicher noch mal mächtig spannend werden.
  • For All Mankind (Staffel 2 – Apple TV+)
    Wie es bei dem „Space Race“ im Paralleluniversum dieser Show weitergeht, darüber ist mir nichts bekannt. Im Januar wissen wir es genauer…
  • Ozark (Staffel 4 – Netflix)
    Auch für „Ozark“ geht in die letzte Runde – hoffentlich nimmt man den Schwung der hervorragenden dritten Staffel direkt mit.
  • Succession (Staffel 3 – Sky)
    Mit „Succession“ hat HBO mal wieder einen echten Hit gelandet, in Deutschland wird die Show wohl wieder bei Sky laufen. Nach dem grandiosen Finale von Staffel 2 sind die Erwartungen sehr hoch.
  • Teheran (Staffel 2 – Apple TV+)
    Ob es wirklich eine zweite Staffel geben wird ist noch nicht offiziell bestätigt. Aber die Produzenten sind optimistisch und für Apple würde es ebenfalls Sinn machen, diese von Kritik und Publikum geschätzte Show im Programm zu behalten…

Neue Serien

  • Your Honor (läuft seit dem 6.12.20 in den USA bei Showtime)
    Trailer
  • Foundation (Apple TV+)
    Verfilmung von Isaac Asimovs brühmter Sci-Fi-Reihe.
    Trailer
  • The Peripheral (Amazon Prime)
    Verfilmung von William Gibsons gleichnamigem und absolut großartigem Roman.
  • Tokyo Vice (HBO/Sky)
    Michael Mann macht 30 Jahre nach „Miami Vice“ nun auch „Tokyo Vice“. Und ich glaube, die Serie wird etwas weniger albern werden als der „Vorgänger“.
  • Slow Horses (Apple TV+)
    Wie Arsch auf Eimer passt mindestens die Besetzung von Gary Oldman als Jackson Lamb, dem Antihelden in der „Slow Horses“-Reihe von Mick Herron. Lamb ist der Chef einer Reihe von aussortierten Agenten des britischen Geheimdienste.

Kurzkritik: The Good Lord Bird

Drama, 2020

Creator: Ethan Hawke; Darsteller: Ethan Hawke, Joshua Caleb Johnson, Daveed Diggs

Worum gehts?
John Brown ist ein Mann Gottes und Anführer einer Miliz, die in den Jahren vor dem amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Sklaverei in den Südstaaten der USA kämpft. Browns Taktik ist die eines Guerillas, sein Ruf eilt ihm voraus, seine Gegner wissen nie, wo er als nächstes auftauchen wird. Angesichts der überschaubar großen Truppe müssen sich die Eliten der Südstaaten allerdings auch keine allzu großen Sorgen machen. Doch Brown ist ein begnadeter Redner, der gut vernetzt ist – er sammelt im Norden Verbündete und Gelder, um seine Schlagkraft an der ‚Front‘ zu maximieren. Sein größter Coup soll der Überfall auf ein Waffenlager in Virginia werden – als Startschuss für eine Rebellion von Sklaven und Abolitionisten aus dem Norden.

Was soll das?
„The Good Lord Bird“ basiert auf wahren Begebenheiten – erstaunlich viele Ereignisse in der Serie (die auf dem gleichnamigen Roman von Jamens McBride basiert) haben wirklich stattgefunden. Erfunden ist dagegen die Figur von „Little Onion“, dem schwarzen Teenager, aus dessen Sicht die Serie erzählt wird. Schauspieler Ethan Hawke, der auch als „Creator“ der Serie fungiert, stürzt sich mit Leib und Seele in die Darstellung Browns – was das bedeutet, kann man ziemlich gut erahnen, wenn man den Trailer schaut.

Taugt das was?
Ja. „The Good Lord Bird“ erzählt ein außergewöhnliches und mitreißendes Kapitel aus der US-Geschichte. Weil sich die Story dabei auf die Figuren konzentriert und mit viel Humor erzählt wird, ist die Show alles andere als eine trockene Lehrstunde. Woran auch die durchweg starken Darsteller einen großen Anteil haben. Insgesamt eine der besten Serien des Jahres.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Der Pass

Krimi/Drama, 2019

Creators: Cyrill Boss, Philipp Stennert; Darsteller: Julia Jentzsch, Nicolas Ofczarek, Franz Hartwig, Hanno Koffler

Worum gehts?
Im Grenzgebiet zwischen dem Salzburger und Berchtesgadener Land – genauer: genau auf der Grenze – wird ein Toter gefunden. Polizeibeamte beider Länder müssen zusammen ermitteln. Auf deutscher Seite ist die junge Kommissarin Ellie Stocker im Einsatz, die Österreicher schicken den aus Wien zwangsversetzen Gedeon Winter. Das ungleiche Duo (Stocker ist unverbraucht und engagiert, Winter ein versoffener Zyniker, gegen den eine interne Ermittlung läuft) muss bald erkennen, dass man es mit einem Serienkiller zu tun hat. Die Spur führt in eine sektenartige Kommune…

Was soll das?
Die Deutsch-Österreichische Co-Produktion für Sky hat offensichtlich richtig Geld gekostet. „Der Pass“ braucht den Vergleich mit Kinofilmen nicht zu fürchten. Dem Serienkiller-Genre gewinnt die Show nicht unbedingt viel Neues ab, variiert aber sehr gekonnt Themen und Motive. Dass man sich dabei auf wenige Figuren beschränkt hilft auf jeden Fall. Ein „Whodunnit“ ist die Serie nicht, Täter und Ermittler werden früh in parallelen Erzählsträngen bei Ihrer „Arbeit“ begleitet.

Taugt das was?
Wie oben schon erwähnt: ja. Mir haben die Schauspieler (insbesondere Nicolas Ofczarek) gut gefallen. Da ich so gut wie nie deutsche Filme oder Serien gucke sind das für mich ja fast alles unverbrauchte Gesichter. Wer gute Krimiserien mag, macht hier nichts falsch. Wie man liest, ist eine zweite Staffel geplant, die Anfang kommenden Jahres anlaufen soll.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

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