Kurzkritik: Vox Lux

Musikdrama, 2018

Regie: Brady Corbet; Darsteller: Natalie Portman, Jude Law, Raffey Cassidy

Worum geht’s?
In der Folge eines Highschool-Massakers wird die Teenagerin Celeste zum Popstar der Stunde. 15 Jahre später ist Celeste (nun gespielt von N. Portman) immer noch berühmt, doch das Leben im Showgeschäft hat für sie und ihre Familie so seine Schattenseiten gehabt..

Was soll das?
„Vox Lux“ ist kein Hochglanz-Kino, zeichnet den Weg von Celeste und ihrer Schwester Ellie in grimmigen, realistischen Bildern nach, lässt sich Zeit, verwendet hektische Montagen und schwindelig machende Kamerafahrten. Musikalisch verfolgt „Vox Lux“ einen anderen Plan als etwa „A Star Is Born“; hier geht es nicht um parallel vermarktbare Hits, sondern um den ambivalenten Charakter von Popmusik in unserer Gesellschaft.

Taucht das was?
Ja, wenn man sich an der etwas sperrigen Machart und dem großen Sprung in der Handlung nicht stört. Schauspielerisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Natalie Portmans Gesang in „Vox Lux“ ist sicher keine Offenbarung – aber eine einzigartige Stimme ist eben auch nicht das, was Celeste als Popstar ausmacht..

4/5

Kurzkritik: A Star Is Born

Musik-Drama, 2018

Regie: Bradley Cooper; Darsteller: Bradley Cooper, Lady Gaga, Sam Elliott

Worum geht’s?
Der depressive, dem Alkohol verfallende Country/Rockstar Jackson entdeckt das Gesangs- und Songwriter-Talent der jungen Ally. Bald landen die Beiden gemeinsam auf einer Bühne – und nicht nur da… Während Abbys Karriere einen steilen Verlauf nimmt verliert sich Jackson in seinen zahlreichen Dämonen, die ihre Beziehung vor eine Zerreißprobe stellen.

Was soll das?
Die Geschichte eines Mentors, der sich in seinen Schützling verliebt, wurde erstmals 1937 verfilmt (damals unter Schauspielern). Schauspieler Bradley Cooper hat den Stoff für sein Regiedebüt modernisiert – mit sich selbst in der Hauptrolle.

Taugt das was?
Jein. „A Star is Born“ hat seine berührenden Momente (den wohl besten und bereits berühmtesten erstaunlich früh), und liefert eine insgesamt authentisch wirkende Schilderung seines Milieus. Doch die ganz große Tiefenschärfe entwickeln die Figuren – trotz unbestreitbarer Chemie zwischen den Cooper und Lady Gaga –  leider nicht. Es bleibt größtenteils bei einer handwerklich gelungenen Nummernrevue, die wohl vor allem Fans der beiden Hauptdarsteller begeistern wird.

3/5

Kurzkritik: Glass

Fantasy, 2019

Regie: M. Night Shyamalan; Darsteller: James McAvoy, Bruce Willis, Sarah Paulson, Samuel L. Jackson

Worum gehts?
Der unkaputtbare David (B. Willis) ist dem schizophrenen „Beast“ Kevin (J. McAvoy) auf der Spur, der vier Teenies entführt hat. Bevor es zum Showdown kommt tritt allerdings in Person der Psychiaterin Dr. Staple (S. Paulson) eine neue Kraft auf den Plan. Und auch Davids Gegenspieler Elijah (S. Jackson) will noch ein Wörtchen mitreden..

Was soll das?
Regisseur M. Night Shyamalan hat nach im Überraschungserfolg „Split“ (2016) eine Verbindung zum ‚Universum‘ seines Erfolgsfilms „Unbreakable“ (2000) hergestellt. In „Glass“ treffen die vermeintlichen Superhelden nun aufeinander…

Taugt das was?
Nicht so richtig. Der Film ist – wie fast immer bei Shyamalan – handwerklich absolut top, atmospärisch dicht und baut in oft sehenswerten Bildern Spannung auf. Plot und Figurenentwicklung können da aber nicht im Ansatz mithalten, und so geht dem Film vor allem nach hinten raus arg die Luft aus. Schade.

2/5

Kurzkritik: Dragged Across Concrete

Thriller/Drama, 2018

Regie: S. Craig Zahler; Darsteller: Mel Gibson, Vince Vaughn, Tory Kittles

Worum gehts?
Zwei wegen übertriebener Brutalität gegen einen Drogendealer suspendierte Cops fühlen sich schlecht behandelt. Sie schmieden den Plan, einem Gangster sein Geld abzunehmen, statt ihn einzubuchten.

Was soll das?
„Dragged Across Concrete“ ist ein etwas anderer Cop-Thriller. Der Film verwendet vergleichsweise viel Zeit in die Einführung seiner Figuren, und nimmt erst nach etwa zwei Dritteln seiner 158 Minuten Laufzeit richtig Fahrt auf. Auch die blutige Handschrift des Regisseurs vom Kult-Western „Bone Tomahawk“ ist klar zu erkennen.

Taugt das was?
Durchaus, ja. Der Film entwickelt große Spannung, gerade weil er gnadenlos und lang mit der Kamera „draufhält“. Es gibt recht wenig Action (abgesehen vom Finale), und auch keine dauernden Wendungen. Handwerklich passt das soweit, auch die Darsteller überzeugen. Doch echter dramatischer Tiefgang fehlt, ebenso wie überzeugende Gesellschaftskritik – womit „Dragged Across Concrete“ in vieler Hinsicht dann doch nur ein überlanger Cop-Thriller ist..

3/5

Serie: Fortitude

Da ich hier neulich vermeldet habe, wie gut mir die erste Staffel gefällt, muss ich ergänzend noch etwas hinzufügen…

Die erste Staffel von „Fortitude“ ist in der Tat richtig gut. Darsteller, Setting, Atmosphäre, Story, Timing – da passt alles.

Die zweite Staffel ist dann schon vergleichsweise überladen, findet keinen überzeugenden dramaturgischen Fokus mehr und verliert arg an Spannung. Immerhin gibt es noch einige starke Momente.

Die nur vier Folgen lange letzte Staffel ist schließlich totaler Mist. Hier schmeißt man auf den letzten Drücker neue Figuren ins Rennen, die wie Nebelkerzen wirken. Währenddessen geht der Versuch einer  Auflösung der zentralen (längst unglaubwürdig und gequält daherkommenden) Story komplett daneben. Schade.

Kurzkritik: Triple Frontier (Netflix)

Action/Thriller, 2019

Regie: J. C. Chandor; Darsteller: Oscar Isaac, Ben Affleck, Charlie Hunnam, Garett Hedlund, Pedro Pascal

Worum geht’s?
Der frustrierte Garcia, Agent der US-Anti-Drogen-Behörde DEA, erfährt im Einsatz den geheimen Aufenthaltsort eines kolumbianischen Drogenbarons. Zurück in den USA stellt er ein Team aus Ex-Kollegen der Special Forces zusammen. Die Mission wird schnell zur äußerst heiklen Angelegenheit, denn Garcias Plan überrascht nicht nur die Drogengangster…

Was soll das?
„Triple Frontier“ beginnt als Drogenkrimi und wird dann zunehmend zum Abenteuer-Spektakel. Dramatisch konzentriert sich der Film weitgehend auf die Gruppendynamik zwischen den fünf Hauptfiguren.

Taucht das was?
Als Entertainment funktioniert der Film sehr gut. Darsteller, Szenerie, gelungene Schauwerte und jede Menge Bewegung sorgen für Kurzweil. Leider traut sich „Triple Frontier“ an die zugrunde liegenden Motive und Themen (Drogenbekämpfung, Re-Integration von Kriegsveteranen in die Gesellschaft) nur vordergründig heran, und auch auf der dramatischen Ebene sollte man nicht zuviel Tiefgang erwarten.

3/5

Kurzkritik: Serenity (Im Netz der Versuchung)

Krimi/Thriller, 2019

Regie: Steven Knight; Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jason Clarke, Diane Lane

Worum geht’s?
Baker Dill (McConaughey) ist Kapitän eines kleinen Fischerboots auf einer abgelegenen Insel in der Karibik. Seit Monaten jagt er vergeblich einen ganz dicken Thunfisch, der ihm immer wieder in letzter Sekunde entkommt. Eines Tages taucht seine Ex-Frau Karen (Hathaway) mit einer gefährlichen Bitte auf. Baker soll ihren neuen Ehemann, der sie misshandelt, beim Angeln „verschwinden lassen“. Das wäre auch ganz im Sinne ihres gemeinsamen Sohnes Patrick, den Baker sehr vermisst

Was soll das?
Die Ausgangslage von „Serenity“ ist klassischer Neo-Noir. Ein einsamer Held mit dem Herz am rechten Fleck, eine Femme Fatale in auswegloser Lage und einem sich anbahnenden Verbrechen. Doch dann geht der Film – einige Andeutungen lassen eine Überraschung erahnen– einen ganz anderen Weg. In bester „Mind Fuck“-Manier wird erscheinen Story und Setting in einem völlig anderen Licht.

Taucht das was?
Leider nein. „Im Netz der Versuchung“ (so der einfallslose und irreführende deutsche Titel) überzeugt zwar mit Schauwerten, und weitgehend auch hinsichtlich der Darsteller. Doch der große Kniff des Films wird wohl auch jene enttäuschen, die der Grundidee positiv gegenüberstehen. Beim Übergang zwischen den beiden Ebenen holpert es gewaltig, vor allem weil der Film seine ‚eigentliche‘ Story nie überzeugend ausführt. So passen die meisten Puzzlestücke zwar irgendwie zusammen, doch sie bilden am Ende kein ausreichendes Fundament für die Erzählung . Das Ergebnis ist nicht unguckbar, aber –  trotz des durchaus interessanten Ansatzes – insgesamt leider eher frustrierend.

2/5

Kurzkritik: Aquaman

Action/Fantasy, 2018

Regie: James Wan; Darsteller: Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Nicole Kidman, Patrick Wilson

Worum gehts?
Der Sohn einer Königin von Atlantis und eines Leuchtturmwächters muss den totalen Krieg zwischen der Menschheit und den Bewohnern von Atlantis verhindern. Nur widerwillig begibt er sich auf die Suche nach dem mächtigen Dreizack, der für seine Mission unerlässlich ist.

Was soll das?
Nach ersten Auftritten in „Justice League“ und „Batman vs Superman“ reicht DC Comics (bzw. Warner als Studio) hier eine Art ‚Origins‘-Story der Figur des Aquaman nach.

Taugt das was?
Nicht wirklich. Zwar bietet der Film einige Schauwerte, und Jason Mamoa ist weiterhin eine gute Besetzung für den schnell etwas albern wirkenden „Aquaman“. Doch mir persönlich war der extrem künstliche Look nichts, der vor allem die Unterwasser-Szenen auszeichnet. Die Story ist ebenfalls eher dämlich (selbst innerhalb des an dämlichen Stories nicht armen Genres), und sorgt auch mal für unfreiwillige Lacher. Das gilt auch für die beiden Haupt-Bösewichte.

2/5

Kurzkritik: True Detective – Staffel 3

Krimi/Drama, 2019

Creator: Nick Pizzolatto; Darsteller: Mahershala Ali, Stephen Dorff, Carmen Ejogo

Worum gehts?
Die Cops Hays (Ali) und West (Dorff) ermitteln anno 1980 in einem Mordfall in einer Kleinstadt in Arkansas, der sie über Jahrzehnte nicht loslassen wird. Alles dreht sich um zwei verschwundene Kinder, einige mysteriöse Umstände und ein abruptes, jedoch nicht endgültiges Ende der Ermittlungen.

Was soll das?
Die Bedeutung des Verbrechens für die zentralen Charaktere ist wichtiger als eine spektakuläre Auflösung. Das kennt man von „True Detective“, das zeichnet die Show aus. Die Story wird auf drei Zeitebenen erzählt. 1980, als das Verbrechen passiert; 1990, als die Ermittlungen wieder aufgenommen werden; und die Gegenwart, in der Hays an Demenz leidet und sich erneut mit dem Fall beschäftigt

Taugt das was?
Ja. Die dichte Atmosphäre, die sich wie ein Mosaik zusammensetzende Story, aber vor allem die glaubwürdig entwickelten Charaktere und ihre starken Darsteller sorgen für spannende und anspruchsvolle Unterhaltung. Dabei legt die Serie (mal wieder) eine Menge falsche Fährten, und es wird daher streitbar bleiben wie sinnvoll und notwendig die eigentlich sind (siehe Absatz ganz unten).

Wo kann ich das gucken?
Bei Sky ist „True Detective“ Teil der Flatrate, bei anderen Diensten kann die Serie gekauft werden. Siehe hier./

[SPOILER!] Was ist denn der Nebenplot mit der TV-Doku wert, wenn er am Ende einfach abgeschenkt wird? Das gleiche gilt für die vielen Andeutungen von Korruption innerhalb von Polizei und Staatsanwaltschaft. Das muss man fragen dürfen. Andererseits sind falsche Fährten ja ganz klassische Krimi-Elemente, nur dass „True Detective“ deutlich mehr Spaß dran hat, sie detailliert auszuarbeiten, als andere Stoffe…

Diverse News – Serie „Ratched“, 007, ein „Deadwood“ und ein „Sopranos-Film

Die berühmte Krankschwester Nurse Ratched aus „Einer Flog übers Kuckucksnest“ (darin Ocar-gekrönt verkörpert von Louise Fletcher) bekommt auf Netflix eine eigene Serie. Die Titelrolle spielt Sarah Paulson, insgesamt ist die Besetzung nicht arm an bekannten Namen.. Mehr dazu bei Variety

Den umgekehrten Weg gehen die „Sopranos“. Hier steht mit „The Many Saints of Newark“ ein Film-Prequel an, ebenfalls mit prominenter Besetzung. Das ganze spielt während der Unruhen von Newark in den 60er Jahren, mehr dazu hier.

Neuigkeiten bezüglich der Besetzung gibt es auch beim nächsten Bond-Film, der den seltsamen Titel „Shatterhand“ tragen wird (was darauf hindeutet das Christoph Waltz wieder als Blofeld dabei sein wird). Ob der frischgebackene Oscar-Gewinner Rami Malek als Bösewicht auftreten wird ist offenbar unklar – ich mag Malek, bin aber skeptisch ob er der Richtige wäre. Hängt aber natürlich in erster Linie vom Drehbuch ab… Mehr lesen

Und während ich endlich mal die Serie „Deadwood“ nachhole (absolut großartig!) habe ich hier gelesen, dass es demnächst einen „Deadwood“-Film geben wird. Anders als bei den „Sopranos“ wird das kein Prequel sein, die Originalbesetzung scheint weitgehend wieder dabei zu sein…


Kurzkritik: Green Book

Drama, 2018

Regie: Peter Farelly; Darsteller: Mahershala Ali, Viggo Mortensen, Linda Cardellini

Worum geht’s?
Der italienisch-stämmige Familienvater Tony Vallelonga (V. Mortensen) aus der Bronx wird anno 1962 engagiert, den farbigen Jazzpianisten Don Shirley (M. Ali) auf seine Konzertreise durch den Mittleren Westen und den Süden der USA zu begleiten. Zwischen den beiden unterschiedlichen Männern entwickelt sich dabei ein ungewöhnliche Freundschaft.  

Was soll das?
„Green Book“ ist ein feelgood Road Movie mit 60’s Soundtrack, basierend auf einer „wahren“ Geschichte. Thematisch geht es um den tief in der Gesellschaft verwurzelten Rassismus, dem sich der Film aber auf vergleichsweise zahme Art annimmt.  „Green Book“ präsentiert eine versöhnliche Botschaft, für die er durchaus zu Recht einige Kritik einstecken musste. Es gibt aber auch einige starke Szenen, welche die vermeintliche „Logik“ von Rassenhass und Vorurteilen messerscharf auf den Punkt bringen.

Taucht das was?
Durchaus. Die beiden Hauptdarsteller tragen den Film weitgehend allein, Mortensens Darstellung erinnert oft sprachlich an einen gewissen Tony Soprano (irgendwie passend, weil der echte Tony Vallelonga in dieser Serie den Gangsterboss Carmine gespielt hat). Dramaturgisch ist „Green Book“ ebenfalls stark, wenn auch arm an Überraschungen. Das Ende war mir dann deutlich zu kitschig,. Dass dies der „Beste Film“ des Jahres 2018 gewesen sein soll (zumindest gab es den entsprechenden Oscar) wird man in wenigen Jahren – wenn nicht schon jetzt – eher kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.

4/5

Kurzkritik: Roma

Drama, 2018

Regie: Alfonso Cuaron; Darsteller: Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Jorge Antonio Guerrero

Worum geht’s?
„Roma“ zeigt ein Jahr im Leben der jungen Haushälterin Cleo in der Familie eines wohlhabenden Doktors in Mexiko City Anfang der 70er Jahre.

Was soll das?
Regisseur Cuaron beschäftigt sich in „Roma“ mit Erlebnissen seiner Kindheit und erschafft ein sowohl detailliertes wie auch reflektiertes Gesellschaftsportrait. Die persönlichen Dramen der Hauptfiguren werden dabei virtuos mit historischen Zusammenhängen und Ereignissen angereichtert.

Taugt das was?
Ja. In großartigen Bildern zeigt „Roma“ eine außergewöhnlich realistisch anmutende unkonventionelle  Darstellung des Alltags einer (erweiterten) Familie. Dabei gelingen einige ganz besondere Momente (etwa die Martial Arts-Gruppe und ihr denkwürdiger „Meister“), die in Richtung “magischer Realismus” gehen. Außerdem ganz stark gespielt und zwar lang, aber nicht langweilig.

4/5

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