Kurzkritik: The Sinner (Staffel 3)

Creator: Derek Simonds; Darsteller: Bill Pullman, Matt Bomer, Jessica Hecht, Chris Messina

Das Prinzip der ersten beiden Staffeln von „The Sinner“ war einfach und clever. Die Serie zeigt, wie ein Mord begangen wird – und von wem. In der Folge geht es also nicht darum, wer der Schuldige ist, sondern warum die Tat begangen wurde. Und mit der Glaubwürdigkeit dieser Erklärung steht und fällt das Gelingen der ganzen Staffel.

Während das in den vorigen Staffeln wunderbar funktioniert hat, geht es in der neuesten leider gehörig daneben. Im Mittelpunkt steht der Highschool-Lehrer Jamie Burns (Matt Bomer), der eines Tages Besuch von einem alten Studienfreund Nick (Chris Messina) bekommt. Kurz darauf haben die beiden einen Autounfall, bei dem Nick ums Leben kommt.

Das Publikum hat bis hierhin schon verstanden, dass Nick und Jamie eine mysteriöse College-Vergangenheit teilen. Detective Ambrose (Bill Pullman) nimmt die Ermittlungen auf, es beginnt ein pseudo-philosophisches Psychoduell. Und genau hier schwächelt die Show. Die Erklärungen für Jamies Verhalten und seine gestörte geistige Verfassung sind wirr und unglaubwürdig. Und auch Ambrose‘ Verhalten ergibt nur bedingt Sinn. Dem Katz-und-Maus-Spiel der Hauptfiguren fehlt eine überzeugende innere Logik.

„The Sinner“ hat nach der Hälfte der Folgen sein wenig explosives Pulver bereits verschossen, und schleppt sich dann ohne größere Höhepunkte einem uninspirierten Finale entgegen. Insgesamt war es gerade noch spannend genug, um bis zum Schluss dabei zu bleiben. Rückblickend kann ich aber niemandem raten, überhaupt erst damit anzufangen. Schade.

2/5

Kurzkritik: Succession (Staffel 1)

Drama, 2018

Creator: Jesse Armstrong; Darsteller: Jeremy Strong, Hiam Abbass, Sarah Snook, Brian Cox, Kieran Culkin

Logan Roy, Patriarch eines internationalen Medienkonglomerats, will abtreten. Seine Nachfolge ist geklärt – glaubt zumindest sein Sohn Kendall. Doch ganz so einfach gestaltet sich die „Succession“ dann doch nicht. Neben den vier Kindern mischen im Kampf um die Thronfolge noch andere Player mit. Als Logan plötzlich schwer erkrankt, werden die Karten scheinbar noch einmal ganz neu gemischt..

Die Serie zeichnet ein düsteres, faszinierendes Bild der unheilvollen Dynamik einer dysfunktionalen Familie. Während die Show einerseits die Faszination unserer Gesellschaft mit dem Lifestyle der Superreichen bedient, stellt sie andererseits recht pointiert die Frage, wie er die Menschen prägt – und wie es mit dem Einfluss auf die Politik aussieht.

„Succession“ ist eine niveauvolle Hochglanz-Seifenoper mit psychologischem Tiefgang, einem feinen Gespür für Zeitgeist, unterlegt von einem hervorragenden Score. Weil die „Versuchsanordnung“ des Szenarios überzeugen kann, und auch die Figurenzeichnung zu den Stärken der Show gehört, ergibt sich ein ziemlich hoher Suchtfaktor.

Ich freue mich auf die zweite Staffel, die ich sehr zeitnah angehen werde…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: For All Mankind

Drama/Sci-Fi, 2019

Creators: Ronald D. Moore, Ben Nedivi, Matt Wolpert ; Darsteller: Shantel VanSanten, Joel Kinnaman, Michael Dorman, Sarah Jones, Jodi Balfour

Worum gehts?
„For All Mankind“ spielt in einer alternativen Realität, in der das „Space Race“ zwischen den USA und der Sowjetunion über die erste Mondlandung hinaus in den 1970er Jahren weitergeht.

Was soll das?
Die Serie folgt dem Leben einiger US-Astronauten sowie ihrer Familien. Neben der geopolitischen Rivalität der Großmächte behandelt „For All Mankind“ zunehmend auch gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung und Rassismus – und bietet dazu jede Menge Weltraum-Szenen…

Taugt das was?
Ja. Ich war bezüglich der Prämisse erst skeptisch, aber „For All Mankind“ bietet anspruchsvolle und zum Finale hin immer spannender werdende Unterhaltung. Nach etwas uninspiriertem Start sind es vor allem die Darsteller und Figuren, die die Serie voranbringen.

Wo kann ich das gucken?
Bei Apple TV+

4/5

Kurzkritik: 1917

Kriegsdrama, 2019

Regie: Sam Mendes; Darsteller: Dean-Charles Chapman, George MacKay, Benedict Cumberbatch, Colin Firth

Worum gehts?
Zwei Soldaten werden an der Westfront des Ersten Weltkriegs auf eine dringende Mission geschickt. Sie sollen ein Bataillon davor warnen, einen Angriff zu starten, der laut Armeeführung in eine Falle des Feindes und damit in den sicheren Tod führt.

Was soll das?
„1917“ entwirft ein realistisches (und entsprechend grausames) Bild vom Stellungskrieg an der Westfront, und erzählt vor diesem Hintergrund eine Geschichte um den verzweifelten Heldenmut zweier junger Soldaten.

Taugt das was?
Ja. „1917“ ist eine visuell beeindruckende Tour-de-Force, die das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann schlägt. Inszenierung und Darsteller sind absolut überzeugend. Wirklich zu empfehlen ist der Film nur für Freunde des Genres – etwas Neues hat er (und das ist nur bedingt als Kritik zu verstehen) letztlich nicht zu erzählen.

4/5

Kurzkritik: Watchmen

Drama/Fantasy, 2019

Creator: Damon Lindelof; Darsteller: Regina King, Tim Blake Nelson, Jeremy Irons, Jean Smart

Worum gehts?
Der Mord an einem Polizeichef in Oklahoma setzt eine Reihe von Ereignissen in Bewegung. Rechtsextreme Gruppen treffen auf maskierte Polizisten, Superhelden verfolgen eine weit in die Vergangenheit reichende Spur – und das ist noch längst nicht alles…

Was soll das?
„Watchmen“ basiert auf der bereits vor Jahren verfilmten Graphic Novel, bedient sich allerdings nur aus dem darin geschliderten ‚Universum‘ und geht storytechnisch eigene Wege.

Taugt das was?
Sehr viel sogar. Die ersten Folgen von „Watchmen“ stellen in gemächlichem Tempo ein recht bizarres Szenario vor. Dann folgen zwei Episoden, die sich mit der Vergangenheit der (hervorragend entwickelten) Hauptfiguren beschäftigen – sie gehören zu den besten, die das Genre bisher hervorgebracht hat. Und bereiten ein sehenswertes Finale vor, das bei aller Skurrilität sowohl dem Szenario als auch den Figuren gerecht wird. Ich habe eigentlich keine Lust mehr auf Superhelden-Stoffe, aber für „Watchmen“ eine Ausnahme zu machen war definitiv die richtige Entscheidung.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: The Outsider

Drama/Horror, 2020

Creator: Richard Price; Darsteller: Ben Mendelsohn, Cynthia Erivo, Paddy Considine, Julianne Nicholson

Worum gehts?
Ein mysteriöser Mordfall erschüttert die Kleinstadt Cherokee City. Die widersprüchliche Beweislage verwirrt die Ermittler – dann wird der Tatverdächtige selbst ermordet. Und nach einem erneuten Todesfall stellt sich die Frage, ob da eine Kraft am Werk ist, die sich nicht mit konventionellen (wissenschaftlichen) Methoden erklären lässt.

Was soll das?
„The Outsider“ ist die Verfilmung eines Romans von Stephen King. Zentrale Motiv der Show sind Trauer, finstere Doppelgänger und der Kampf gegen eine unbegreifliche Kraft des Bösen. Der Cop Ralph will an letztere nicht glauben, die private Ermittlerin Holly macht ihm das allerdings zunehmend schwerer.

Taugt das was?
Ja. „The Outsider“ ist eine stark gespielte, stimmungsvolle und spannende Krimi-/Horror-/Mysteryserie. An sich ist das nicht ganz mein Genre, und daher bin ich auch kein großer Fan der Auflösung. Doch das hohe handwerkliche Niveau sowie das überzeugende Ensemble machen die Show zu einem lohnenswerten Erlebnis.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Knives Out – Mord ist Familiensache

Krimi/Komödie, 2019

Regie: Rian Johnson; Darsteller: Daniel Craig, Ana de Armas, Chris Evans, Don Johnson, Christopher Plummer

Worum gehts?
Ein steinreicher Schriftsteller wird in der Nacht seines 85. Geburtstags tot aufgefunden. Seine durchgehend recht schrulligen Angehörigen werden von der Polizei verhört, und auch der berühmte Privatdetektiv Benoit Blanc (Craig) nimmt die Ermittlungen auf…

Was soll das?
„Knives Out“ bedient sich stilistisch und inhaltlich bei vielen Klassikern des Krimi-Genres, insbesondere Agatha-Christie-Verfilmungen. Von der ersten Szene an lässt der Film keinen Zweifel daran, was er vor hat: das Publikum ist zum fröhlichen Miträtseln eingeladen, während in Rückblenden Stück für Stück die entscheidenden Szenen der Todesnacht präsentiert werden. Und auch an falschen Fährten mangelt es selbstverständlich nicht.

Taugt das was?
Das tut es. Der Film von Rian Johnson („Brick„, „Looper„) erfüllt alle Erwartungen, die man an das Genre stellen kann. Er präsentiert ein starkes Darsteller-Ensemble, eine knifflige Story, ist witzig, kurzweilig und spannend. Die Neuerfindung des Genres ist „Knives Out“ ganz sicher nicht. Sondern ein absolut gelungener Beitrag dazu.

Sonst noch was?
„Mord ist Familiensache“ kriegt definitiv einen Ehrenplatz in der Galerie der dämlichsten, unnötigsten und einfallslosesten deutschen Titel-Zusätze.

4/5

Kurzkritik: Jojo Rabbit

Komödie/Drama, 2019

Regie: Taika Waititi; Darsteller: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Rebel Wilson

Worum gehts?
Eine Kleinstadt im Zweiten Weltkrieg. Der elfjährige Jojo ist ein echter Bilderbuch-Nazi. Eines Tages findet er heraus, dass seine Mutter im Dachstuhl das jüdische Mädchen Elsa versteckt. Kann ihm sein imaginärer Freund Adolf (Regisseur Waititi als alberner Hitler-Verschnitt) helfen, mit der Situation umzugehen?

Was soll das?
Gute Frage. Mir scheint, dass „Jojo Rabbit“ eine „mutige, politisch unkorrekte“ Komödie werden sollte, oder eine „Nazi-Satire mit Herz“. In die albern-überdrehte Darstellung des Dritten Reichs bettet der Film ein klassisches ‚coming of age‘-Drama ein, in dem ein Junge seine Gefühle für ein Mädchen zu verstehen lernt.

Taugt das was?
Nein: Don’t believe the hype (Oscar-Nominerungen, Peoples Choice Award in Toronto). Für mich hat der Ton des Films von Anfang an nicht funktioniert. Als Satire ist er zu albern, die Darstellung der Nazis zwischen dümmlich und verrückt überzeugt nicht – und witzig ist „Jojo Rabbit“ leider auch nur selten. Das eher nach ‚Schema F‘ verlaufende Drama wiederum – obwohl von den jungen Darstellern gut gespielt – verliert durch das verquere Szenario an Überzeugungskraft.

2/5

Kurzkritik: Der Schwarze Diamant (Uncut Gems)

Drama/Thriller, 2019

Regie: Bennie Safdie, Josh Safdie; Darsteller: Adam Sandler, LaKeith Stanfield, Julia Fox, Kevin Garnett

Worum gehts?
Howard Ratners Leben ist ein einziges Spektakel. Der New Yorker Juwelenhändler jongliert mit Waren und Kunden, setzt nebenbei Riesensummen auf Basketballspiele, während seine Ehe in die Brüche geht, die Dinge mit seiner Geliebten ebenfalls nicht zum Besten stehen, und er seinem Schwager einen Haufen Geld schuldet.

Was soll das?
„Der Schwarze Diamant“ ist eine Tour-de-Force von einem Film. Stilistisch erinnert er deutlich an „Good Time„, den vorigen Film der Safdie-Brüder. Doch die Ereignisse hier werden weniger von Außen getrieben als von Innen. Denn es ist Howards unfokussierte Rastlosigkeit und Risikosucht, die das Geschehen bestimmen.

Taugt das was?
Ja, das tut es. Der Film baut kontinuierlich Spannung auf, steigert die Intensität gekonnt bis zum Ende und kann sein Publikum dabei immer wieder überraschen. Adam Sandler, der in fast jeder Szene zu sehen ist, überzeugt in einer ungewohnt ernsten Rolle. Es ist sein Verdienst, dass Howard nicht als Karikatur daherkommt, sondern als zwar ungewöhnliches, aber glaubwürdiges emotionales Zentrum von „Der Schwarze Diamant“.

4/5

Kurzkritik: Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers

Sci-Fi/Fantasy, 2019

Regie: J. J. Abrams; Darsteller: Daisy Ridley, Oscar Isaac, John Boyega, Adam Driver

Worum gehts?
Rey, Finn, Poe Demeron und die übrigen Rebellen finden eine letzte Chance, den Aufstieg der Ersten Ordnung zu verhindern. Kylo Ren verfolgt seine eigenen Pläne, in denen Rey eine Schlüsselrolle spielt…

Was soll das?
Mit dem neunten Teil findet die „Star Wars“-Reihe ihren Abschluss, ebenso wie die dritte Trilogie, die Disney 2015 mit „Das Erwachen der Macht“ gestartet hat. Die Produktion des Films war schwierig, Drehbuch und Regisseur wurden ausgetauscht.

Taugt das was?
Nein. Ich bin nie ein großer Fan der Reihe gewesen, aber „Der Aufstieg Skywalkers“ ist insgesamt eine Enttäuschung. Die Dialoge sind so platt, dass sie oft unfreiwillig komisch sind, mit Ausnahme von Rey und Kylo Ren findet keine Figurenentwicklung statt. Die Story ist austauschbar, die Spezialeffekte zwar überzeugend, aber ohne „Wow!“-Faktor. Das Finale selbst darf man wohlwollend als unglücklich oder wenig beeindruckend bezeichnen.

2/5

Sonst noch was [SPOILERS]?
Der größte Fehler, den man bei Walt Disney mit der finalen Trilogie gemacht hat, war sicher, die Filme einzeln anzugehen. Es fehlt eine kohärente Vision. Zwischen dem Fan-Service (durch das Reaktivieren alter Helden) sowie neuen Gimmicks und Figuren ging es munter hin und her. Dem Finale fehlt nun der Mut, sich für eine Richtung zu entscheiden. Die große Feier am Ende von „Der Aufstieg Skywalkers“ zeigt das ganze Ausmaß des Elends. Sie sollte sich nach etwas Großem, kaum mehr für möglich gehaltenen anfühlen – erinnert in ihrer hohlen Fröhlichkeit aber eher an eine Fanta-Werbung, als an die finalen Momente einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten.

Kurzkritik: Ray Donovan (Staffel 7)

Drama/Krimi, 2019

Creator: Ann Biderman; Darsteller: Liev Schreiber, Eddie Marsan, Kerris Dorsey, Pooch Hall

Worum gehts?
Der Donovan-Clan wird von der Vergangenheit eingeholt, während eine Polizistin nicht aufgibt, die Cop-Killer des letzten Staffel-Finales zu jagen.

Was soll das?
„Ray Donovan“ besinnt sich auf seine Stärken und konzentriert sich auf die Hauptfiguren. Natürlich nicht ohne zahlreiche neue Handlungsstränge aufzumachen, von denen die meisten jedoch eher nach innen gerichtet sind – mitten rein in die vielen schwelenden Konflikte, die Ray, Terry, Butchie, Daryll, Bridget und Micky untereinander und mit sich selbst austragen.

Taugt das was?
Ja, wer der Serie bis hierhin die Treue gehalten hat, der wird nicht enttäuscht werden. Liev Schreiber und der Rest des starken Ensembles sind mit ihren Rollen inzwischen so sehr verwachsen, dass sich „Ray Donovan“ – trotz der nicht enden wollenden Gewalt, aus deren Mitte sich der Clan nicht lösen kann – zu einem ernsthaften und nuancierten Drama entwickelt hat.

Sonst noch was?
Ich habe die komplette Staffel über geglaubt, dass dies die finale Staffel von „Ray Donovan“ ist. Und wähnte die Serie auf dem Weg zu einem guten Finale… Nun wird es wohl noch eine achte Staffel geben, nach der es dann aber auch vorbei sein sollte. Die Show hat es bereits einmal geschafft, sich neu zu erfinden – doch inzwischen haben die Figuren ein echtes Finale verdient.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Leid und Herrlichkeit

Drama, 2019

Regie: Pedro Almodovar; Darsteller: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Penelope Cruz

Worum gehts?
Der berühmte Filmregisseur Salvador (Banderas) lebt extrem zurückgezogen. Körperliche Schmerzen und eine Vielzahl von Gebrechen machen ihm zu schaffen. Für eine Filmvorführung setzt er sich mit seiner Vergangenheit (in Person eines unbequemen Hauptdarstellers) auseinander, und grübelt zusätzlich ausgiebig über seine Kindheit nach.

Was soll das?
Regisseur Almodovar beschäftigt sich in „Leid und Herrlichkeit“ mit seiner eigenen Geschichte, von der Kindheit bis zur Gegenwart. Wie nah die Story um sein von Antonio Banderas gespieltes Alter Ego an der ‚Wahrheit‘ ist, kann man hier genauer nachlesen

Taugt das was?
Sogar sehr. „Leid und Herrlichkeit“ gehört zu Almodovars besten Filmen. Die sehr persönliche Natur des Dramas wird von den herausragenden Darstellern wundervoll getragen, und steigert das für den Regisseur typische hohe Maß an Intimität und Intensität zusätzlich. Das „Innen“ und das „Außen“ des Films treffen sich am Ende in einer großartigen Pointe.

5/5

Kurzkritik: Motherless Brooklyn

Krimi/Drama, 2019

Regie: Edward Norton; Darsteller: Edward Norton, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin, Bobby Cannavale, Willem Dafoe

Worum gehts?
New York in den 50er Jahren. Als der Chef eines Privatdetektiv-Büros ermordet wird, nimmt dessen Zögling Lionel die Ermittlungen auf. Lionel leidet am Tourette-Syndrom, sein unkontrolliertes Verhalten macht ihm zum Außenseiter. Die Spur führt ihn schnell in die Politik – genauer gesagt zu massiven Umsiedlungsprogrammen im Rahmen der Stadtentwicklung..

Was soll das?
„Motherless Brooklyn“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Lethem aus dem Jahr 1999. Angekündigt und immer wieder verschoben wurde der Film bereits seit ca. 15 Jahren. Ein wichtiger Unterschied zur Vorlage ist, dass Norton die Ende der Neunziger spielende Handlung in die 50er Jahre „versetzt“ hat. Der damit einhergehende Look, in Verbindung mit dem jazzigen Soundtrack, gehen deutlich in die „Film Noir“-Richtung, eben so wie einige Änderungen bei der Story.

Taugt das was?
Ja, „Motherless Brooklyn“ ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt, atmosphärisch inszeniert, spannend und schön anzusehen. Die eigentliche Story/Krimihandlung ist dabei nicht sonderlich aufregend, dient aber im Wesentlich ohnehin dazu, den Hauptfiguren eine Bühne zu bieten. Es fehlt vielen Figuren aber etwas an Tiefenschärfe, unter anderem weil der Film einen dafür bedeutenden Teil der Vorlage arg eingedampft hat. Die emotionale Schlagkraft des Films ist daher leider eher überschaubar.

4/5

Meine Top-10 Filme des Jahres 2019 [Update 9.2.20]

Zur Jahreshälfte wäre diese Liste gefühlt noch beinahe leer gewesen. Doch nach hinten raus ist 2019 noch ein richtig gutes Filmjahr geworden…

Wie üblich habe ich so einige Filme verpasst, oder besser schlicht keine Zeit für sie gefunden. Aber im Vergleich zur Auswahl der „wichtigsten“ Serien ist mir die Filmauswahl relativ leicht gefallen.

  1. Parasite“ gehört definitiv zu den Filmen, die immer besser werden, wenn man an sie zurück denkt.
  2. [Update] Ein absolutes Vergnügen für Herz, Auge und Verstand war Pedro Almodovars „Leid und Herrlichkeit„, den ich erst im Januar diesen Jahres gesehen habe.
  3. Knapp dahinter landet „Once Upon A Time In Hollywood„, der mir auch beim zweiten mal schauen noch viel Spaß gemacht hat.
  4. Blaze“ ist die stark inszenierte Geschichte eines faszinierenden Künstlers und feinstes Independent-Kino.
  5. Eine Tour-de-Force durch das Ende einer Ehe kann spannend, unterhaltsam und witzig zugleich sein – siehe Noah Baumbachs „Marriage Story„.
  6. The Irishman“ steht im Lexikon unter „gelungenes Spätwerk“, was in diesem Fall sowohl für den Regisseur (Martin Scorsese) als auch für seine drei Hauptdarsteller (Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci) gilt.
  7. Knives Out“ ist ein wunderbarer Krimi, witzig, charmant und spannend, niveauvolles Genre-Kino wie Hollywood es leider fast verlernt hat..
  8. Joker“ war der Aufreger des Jahres und lotete neue Wege aus, Comic-Verfilmungen auf ein erwachsenes Publikum zuzuschneiden. Und ja – Joaquin Phoenix war mega…
  9. Roma“ ist anspruchvolles Kino mit viel Herz und großartigen Bildern.
  10. Booksmart“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die unglaublich clever ist, und dabei auch noch sehr witzig.

Auch gut waren:
The Peanut Butter Falcon, Ad Astra, Arctic, Hustlers, The Lighthouse, Green Book, Long Shot, Motherless Brooklyn, The Favourite

Updates:
„The Irishman“ rein, „Ad Astra“ raus
„Knives Out“ rein, „The Peanut Butter Falcon“ raus



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