Kurzkritik: Cold Pursuit

Thriller/Drama, 2019

Regie: Hans Petter Moland; Darsteller: Liam Neeson, Laura Dern, Tom Bateman

Worum gehts?
Der Sohn eines Schneepflug-Fahrers wird von einem Freund in einen Drogendeal verwickelt, und kommt dabei ums Leben. Doch sein Vater ist nicht einfach ein Schneepflug-Fahrer … sondern Liam Neeson! Und so beginnen sich die Reihen der Schuldigen (ein Drogenboss aus Denver und seine Schergen, dazu die Konkurrenz vom nächsten Indianer-Reservat) sehr bald zu lichten…

Was soll das?
“Cold Pursuit” ist offensichtlich ein Rache-Film. Allerdings einer, der zumindest im Vergleich zu anderen “Liam Neeson hat einen Hals”-Filmen relativ viel Zeit auf die Einführung (und in den meisten Fällen das Ableben) von Nebenfiguren verwendet.

Taugt das was?
Visuell überzeugt das weitgehend, und auch die vielen guten Nebendarsteller sind eine positive Überraschung. Allerdings läuft es schlussendlich auf die bekannte Formel hinaus. Relativ schnell wird klar, dass “Cold Pursuit” nicht wirklich an den psychologischen Aspekten der Story interessiert ist, sondern – trotz des erzählerisch anständigen Niveaus – einen “Liam Neeson hat einen Hals”-Plot für Fans dieses Genres ausgestaltet. Das ist unterhaltsam und wird Fans nicht enttäuschen.

3/5

PS: Keine Ahnung, ob das norwegische Original (vom selben Regisseur) andere Qualitäten hat. Weiss das jemand?

Kurzkritik: Arctic

Abenteuer/Drama, 2018

Regie: Joe Penna ; Darsteller: Mads Mikkelsen, Maria Thelma Smaradottir

Worum gehts?
Nach einem Flugzeug-Unglück wartet ein Mann vergeblich auf seine Rettung aus der arktischen Wildnis. Nach einem erneuten Schicksalsschlag beginnt er eine schier aussichtslose Odyssee in Richtung einer weit entfernten Forschungsstation.

Was soll das?
„Arctic“ ist ein auf das absolute Minimum reduziertes Drama „Mensch gegen Natur“. Die Story ist auf das Wesentliche beschränkt, die Bilder sind nichts für zart besaitete Zuschauer.

Taugt das was?
Ja. Mads Mikkelsen brilliert in der Hauptrolle, vermeidet trotz Dauer-Leiden unnötigen Pathos. Regisseur Penna gelingt es die Schönheit der arktischen Landschaft ohne jeden Kitsch einzufangen. Gegen Ende dreht „Arctic“ die Schraube vielleicht einen Tick zu fest – den fesselnden Gesamteindruck schmälert das aber kaum.

4/5

Kurzkritik: Blaze

Musikdrama, 2018

Regie: Ethan Hawke ; Darsteller: Ben Dickey, Alia Shawkat, Charlie Sexton

Worum gehts?
Um das Leben des texanischen Singer-Songerwriters Blaze Foley, von seinen Anfängen als umherziehender Musiker, über die Höhen und Tiefen seiner Karriere bis zu seinem frühen gewaltsamen Tod.

Was soll das?
Der eher als Schaupieler bekannte Regisseur Ethan Hawke erzählt die Story seines Antihelden auf drei parallelen Zeitebenen, die sowohl Details seines Lebens als auch posthume Einflüsse und Legenden thematisieren.

Taugt das was?
Absolut, wenn man mit „Texas Outlaw Musik“ (was man sich wie „Alternative Country/Folk/Blues“ vorstellen kann) etwas anzufangen vermag. In der Hauptrolle stark gespielt, wird „Blaze“ insgesamt vom Ensemble und einer Atmosphäre verkaterter Melancholie getragen – für die nicht zuletzt die starke Musik verantwortlich ist.

4/5


Kurzkritik: Vox Lux

Musikdrama, 2018

Regie: Brady Corbet; Darsteller: Natalie Portman, Jude Law, Raffey Cassidy

Worum geht’s?
In der Folge eines Highschool-Massakers wird die Teenagerin Celeste zum Popstar der Stunde. 15 Jahre später ist Celeste (nun gespielt von N. Portman) immer noch berühmt, doch das Leben im Showgeschäft hat für sie und ihre Familie so seine Schattenseiten gehabt..

Was soll das?
„Vox Lux“ ist kein Hochglanz-Kino, zeichnet den Weg von Celeste und ihrer Schwester Ellie in grimmigen, realistischen Bildern nach, lässt sich Zeit, verwendet hektische Montagen und schwindelig machende Kamerafahrten. Musikalisch verfolgt „Vox Lux“ einen anderen Plan als etwa „A Star Is Born“; hier geht es nicht um parallel vermarktbare Hits, sondern um den ambivalenten Charakter von Popmusik in unserer Gesellschaft.

Taucht das was?
Ja, wenn man sich an der etwas sperrigen Machart und dem großen Sprung in der Handlung nicht stört. Schauspielerisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Natalie Portmans Gesang in „Vox Lux“ ist sicher keine Offenbarung – aber eine einzigartige Stimme ist eben auch nicht das, was Celeste als Popstar ausmacht..

4/5

Kurzkritik: A Star Is Born

Musik-Drama, 2018

Regie: Bradley Cooper; Darsteller: Bradley Cooper, Lady Gaga, Sam Elliott

Worum geht’s?
Der depressive, dem Alkohol verfallende Country/Rockstar Jackson entdeckt das Gesangs- und Songwriter-Talent der jungen Ally. Bald landen die Beiden gemeinsam auf einer Bühne – und nicht nur da… Während Abbys Karriere einen steilen Verlauf nimmt verliert sich Jackson in seinen zahlreichen Dämonen, die ihre Beziehung vor eine Zerreißprobe stellen.

Was soll das?
Die Geschichte eines Mentors, der sich in seinen Schützling verliebt, wurde erstmals 1937 verfilmt (damals unter Schauspielern). Schauspieler Bradley Cooper hat den Stoff für sein Regiedebüt modernisiert – mit sich selbst in der Hauptrolle.

Taugt das was?
Jein. „A Star is Born“ hat seine berührenden Momente (den wohl besten und bereits berühmtesten erstaunlich früh), und liefert eine insgesamt authentisch wirkende Schilderung seines Milieus. Doch die ganz große Tiefenschärfe entwickeln die Figuren – trotz unbestreitbarer Chemie zwischen den Cooper und Lady Gaga –  leider nicht. Es bleibt größtenteils bei einer handwerklich gelungenen Nummernrevue, die wohl vor allem Fans der beiden Hauptdarsteller begeistern wird.

3/5

Kurzkritik: Glass

Fantasy, 2019

Regie: M. Night Shyamalan; Darsteller: James McAvoy, Bruce Willis, Sarah Paulson, Samuel L. Jackson

Worum gehts?
Der unkaputtbare David (B. Willis) ist dem schizophrenen „Beast“ Kevin (J. McAvoy) auf der Spur, der vier Teenies entführt hat. Bevor es zum Showdown kommt tritt allerdings in Person der Psychiaterin Dr. Staple (S. Paulson) eine neue Kraft auf den Plan. Und auch Davids Gegenspieler Elijah (S. Jackson) will noch ein Wörtchen mitreden..

Was soll das?
Regisseur M. Night Shyamalan hat nach im Überraschungserfolg „Split“ (2016) eine Verbindung zum ‚Universum‘ seines Erfolgsfilms „Unbreakable“ (2000) hergestellt. In „Glass“ treffen die vermeintlichen Superhelden nun aufeinander…

Taugt das was?
Nicht so richtig. Der Film ist – wie fast immer bei Shyamalan – handwerklich absolut top, atmospärisch dicht und baut in oft sehenswerten Bildern Spannung auf. Plot und Figurenentwicklung können da aber nicht im Ansatz mithalten, und so geht dem Film vor allem nach hinten raus arg die Luft aus. Schade.

2/5

Kurzkritik: Dragged Across Concrete

Thriller/Drama, 2018

Regie: S. Craig Zahler; Darsteller: Mel Gibson, Vince Vaughn, Tory Kittles

Worum gehts?
Zwei wegen übertriebener Brutalität gegen einen Drogendealer suspendierte Cops fühlen sich schlecht behandelt. Sie schmieden den Plan, einem Gangster sein Geld abzunehmen, statt ihn einzubuchten.

Was soll das?
„Dragged Across Concrete“ ist ein etwas anderer Cop-Thriller. Der Film verwendet vergleichsweise viel Zeit in die Einführung seiner Figuren, und nimmt erst nach etwa zwei Dritteln seiner 158 Minuten Laufzeit richtig Fahrt auf. Auch die blutige Handschrift des Regisseurs vom Kult-Western „Bone Tomahawk“ ist klar zu erkennen.

Taugt das was?
Durchaus, ja. Der Film entwickelt große Spannung, gerade weil er gnadenlos und lang mit der Kamera „draufhält“. Es gibt recht wenig Action (abgesehen vom Finale), und auch keine dauernden Wendungen. Handwerklich passt das soweit, auch die Darsteller überzeugen. Doch echter dramatischer Tiefgang fehlt, ebenso wie überzeugende Gesellschaftskritik – womit „Dragged Across Concrete“ in vieler Hinsicht dann doch nur ein überlanger Cop-Thriller ist..

3/5

Serie: Fortitude

Da ich hier neulich vermeldet habe, wie gut mir die erste Staffel gefällt, muss ich ergänzend noch etwas hinzufügen…

Die erste Staffel von „Fortitude“ ist in der Tat richtig gut. Darsteller, Setting, Atmosphäre, Story, Timing – da passt alles.

Die zweite Staffel ist dann schon vergleichsweise überladen, findet keinen überzeugenden dramaturgischen Fokus mehr und verliert arg an Spannung. Immerhin gibt es noch einige starke Momente.

Die nur vier Folgen lange letzte Staffel ist schließlich totaler Mist. Hier schmeißt man auf den letzten Drücker neue Figuren ins Rennen, die wie Nebelkerzen wirken. Währenddessen geht der Versuch einer  Auflösung der zentralen (längst unglaubwürdig und gequält daherkommenden) Story komplett daneben. Schade.

Kurzkritik: Triple Frontier (Netflix)

Action/Thriller, 2019

Regie: J. C. Chandor; Darsteller: Oscar Isaac, Ben Affleck, Charlie Hunnam, Garett Hedlund, Pedro Pascal

Worum geht’s?
Der frustrierte Garcia, Agent der US-Anti-Drogen-Behörde DEA, erfährt im Einsatz den geheimen Aufenthaltsort eines kolumbianischen Drogenbarons. Zurück in den USA stellt er ein Team aus Ex-Kollegen der Special Forces zusammen. Die Mission wird schnell zur äußerst heiklen Angelegenheit, denn Garcias Plan überrascht nicht nur die Drogengangster…

Was soll das?
„Triple Frontier“ beginnt als Drogenkrimi und wird dann zunehmend zum Abenteuer-Spektakel. Dramatisch konzentriert sich der Film weitgehend auf die Gruppendynamik zwischen den fünf Hauptfiguren.

Taucht das was?
Als Entertainment funktioniert der Film sehr gut. Darsteller, Szenerie, gelungene Schauwerte und jede Menge Bewegung sorgen für Kurzweil. Leider traut sich „Triple Frontier“ an die zugrunde liegenden Motive und Themen (Drogenbekämpfung, Re-Integration von Kriegsveteranen in die Gesellschaft) nur vordergründig heran, und auch auf der dramatischen Ebene sollte man nicht zuviel Tiefgang erwarten.

3/5

Kurzkritik: Serenity (Im Netz der Versuchung)

Krimi/Thriller, 2019

Regie: Steven Knight; Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jason Clarke, Diane Lane

Worum geht’s?
Baker Dill (McConaughey) ist Kapitän eines kleinen Fischerboots auf einer abgelegenen Insel in der Karibik. Seit Monaten jagt er vergeblich einen ganz dicken Thunfisch, der ihm immer wieder in letzter Sekunde entkommt. Eines Tages taucht seine Ex-Frau Karen (Hathaway) mit einer gefährlichen Bitte auf. Baker soll ihren neuen Ehemann, der sie misshandelt, beim Angeln „verschwinden lassen“. Das wäre auch ganz im Sinne ihres gemeinsamen Sohnes Patrick, den Baker sehr vermisst

Was soll das?
Die Ausgangslage von „Serenity“ ist klassischer Neo-Noir. Ein einsamer Held mit dem Herz am rechten Fleck, eine Femme Fatale in auswegloser Lage und einem sich anbahnenden Verbrechen. Doch dann geht der Film – einige Andeutungen lassen eine Überraschung erahnen– einen ganz anderen Weg. In bester „Mind Fuck“-Manier wird erscheinen Story und Setting in einem völlig anderen Licht.

Taucht das was?
Leider nein. „Im Netz der Versuchung“ (so der einfallslose und irreführende deutsche Titel) überzeugt zwar mit Schauwerten, und weitgehend auch hinsichtlich der Darsteller. Doch der große Kniff des Films wird wohl auch jene enttäuschen, die der Grundidee positiv gegenüberstehen. Beim Übergang zwischen den beiden Ebenen holpert es gewaltig, vor allem weil der Film seine ‚eigentliche‘ Story nie überzeugend ausführt. So passen die meisten Puzzlestücke zwar irgendwie zusammen, doch sie bilden am Ende kein ausreichendes Fundament für die Erzählung . Das Ergebnis ist nicht unguckbar, aber –  trotz des durchaus interessanten Ansatzes – insgesamt leider eher frustrierend.

2/5

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