Filmriss goes Bücherriss

Warum ich hier jetzt auch noch über Bücher schreibe weiss ich selbst nicht genau. Die Idee trage ich schon länger mit und in mir herum. Man könnte die Sache auch umdrehen, und fragen, warum ich erst jetzt damit anfange – schliesslich ist Lesen ja kein neues Hobby. Egal. Der Corona-Lockdown hat dazu geführt, dass ich tatsächlich mal was geschrieben habe.

Los geht es hier mit einigen kurzen Beiträgen zu den Büchern, die mir im laufenden Kalenderjahr vor die Linse gelaufen sind. Danach folgen vielleicht noch ein paar Listen bzw. Beitragsserien meiner Lieblingsbücher der vergangenen drei Jahrzehnte.

Noch weniger als bei Filmen und Serien geht es mir dabei um klassische Kritiken. Die würden mich in jeder Hinsicht überfordern. Es sind eher meine Impressionen, die ich hier in sehr kurzer Form teilen möchte. Wenn für den ein oder anderen Leser hier eine Anregung heraus springt ist das natürlich auch Teil der Idee.

Bei der ganzen Sache bitte nicht über die vielen englischen Titel wundern. Die Werke englischsprachiger Autoren lese ich gern im Original, das ist wie bei den Filmen und Serien eine Angewohnheit aus meinem Studium. Es stehen deutlich mehr Romane als Sachbücher auf meinem Speiseplan, von Gedichten oder Comics (Entschuldigung, ich meine natürlich “Graphic Novels”) lasse ich traditionell komplett die Finger.

Ob ich irgendwann mal eine Liste meine “All-time”-Favoriten wage, weiss ich noch nicht. Wahrscheinlicher sind wie oben erwähnt Listen nach Jahrzehnten… Auch eine Liste mit meinen Lieblingskrimis “der letzen 100 Jahre” kann ich mir gut vorstellen, die existiert aber bisher nur äußerst vage in meinem Kopf.

Nun denn. Über Feedback freue ich mich, über Kommentare sowieso, dasselbe gilt für Buch-Empfehlungen – sofern die irgendwie einen Bezug zu den erwähnten Werken haben.

The Chestnut Man (Soren Sveistrup, 2019)
Hin und wieder muss es mal ein zeitgenössischer Krimi sein. In der NY Times wurde dieser hier empfohlen (streng genommen zusammen mit 10 anderen skandinavischen Krimis). Weil der Autor auch das Drehbuch zu “The Killing” verfasst hat, und ich das US-Remake der dänischen Serie sehr mochte, habe ich mal zugegriffen. “The Chestnut Man” ist ein ziemlich klassischer Serienkiller-Stoff, bei dem eine Mordserie in der Gegenwart bald in die Vergangenheit führt. Die Charaktere sind sehr rund geworden, und die Story sorgt schnell für Spannung. Die Auflösung der recht komplex angelegten Story ist dagegen weniger überzeugend. Wenn ich als Krimi-Laie nach 80 von 500 Seiten glaube, den Killer ausfindig gemacht zu haben (und dann auch noch richtig liege), dann haben all die falschen Fährten wohl nicht viel gebracht. Dem Lesevergnügen hat das aber logischerweise erst am Ende etwas geschadet.

Ausser Sich (Sasha Marianna Salzmann, 2017)
Ich weiss gar nicht mehr, wo ich gelesen habe, dass sich dieses Buch lohnen soll. Ist auch egal, Hauptsache die Information war korrekt. Und so ist es auch, Salzmanns komplexer Roman ist fast schon eine Meditation über Herkunft, Identität und Selbstfindung. Das liest sich aber keineswegs so verkopft wie es klingt, das Buch ist voller spannender Schilderungen außergewöhnlicher Geschichten, die locker ein Jahrhundert umspannen. Einen roten Faden und ein emotionales Zentrum (oder sind es zwei?) gibt es ebenfalls – nicht aber eine einfache “Moral von der G’schicht”.

The Quick Red Fox (John D. McDonald, 1964)
Der vierte Roman der Travis McGee-Reihe ist in Sachen Krimi-Plot nur bedingt überzeugend. Das Setting ist jedoch wunderbar (McGee ist mächtig viel auf Achse, quer durch die USA), und der Roman reich an lakonisch-philosophischen Passagen, die MacDonald so lesenswert machen. Daher sind die beiden nächsten Bücher bereits geordert und stehen sehr bald auf dem Speiseplan.

All the Pretty Horses (Cormac McCarthy, 1993)
Das dritte Buch von McCarthy, dass ich bisher gelesen habe, ist gleichzeitig der erste Teil der “Border Trilogy”. Die Geschichte um zwei junge US-Amerikaner, die in Mexiko ihr Glück suchen, hat mich sprachlich sehr an Hemingway erinnert (Fachleute sind sich dagegen einig, dass McCarthy eher nach Faulkner klingt, aber von dem habe ich nur mal im Studium was gelesen). Inhaltlich ist es ein weiterer rauher Western, der aber weit weniger blutig daherkommt als “Blood Meridian”. Das Tempo ist gemächlich, und ich habe eine Zeit gebraucht, mich einzulesen (komischer Begriff), aber am Ende hat mich die Story tatsächlich gepackt.

Killers of the Flower Moon (David Grann, 2017)
Sachbücher lese ich selten, aber dieses hier habe ich verschlungen. Es handelt von einer mysteriösen Mordserie an ‘Native Americans’ in Oklahoma vor knapp 100 Jahren. Ein finstere, uramerikanische Geschichte um Öl, Macht, Gier und Rassismus, die sich lebendig vor dem Leser ausbreitet und nicht selten unter die Haut geht. Martin Scorsese plant eine Adaption fürs Kino (bzw. für den Streaming-Anbieter Apple TV+ – ob der Film auch im Kino läuft ist unklar), mit Leonardo DiCaprio und Robert DeNiro in den Hauptrollen.

Consider Phlebas (Iain M. Banks, 1987)
Der erste Band einer Weltraum-Seifenoper, die ich mangels Belesenheit im Genre am ehesten mit Isaac Asimovs “Foundation”-Reihe vergleichen würde. Inhaltlich hat es mir Spaß gemacht, wobei sich Banks für meinen Geschmack bei der Schilderung von Action & Bewegung einfach zu viel Zeit nimmt. Der philosophische Unterbau der Reihe bzw. des darin geschilderten intergalaktischen Krieges könnte noch spannend werden. Aktuell bezweifle ich jedoch, dass ich mir die übrigen neun (!) Bände der Reihe allzu bald vornehmen werde…

The Power and the Glory (Graham Greene, 1940)
Hin und wieder muss ein Klassiker nachgeholt werden, Anfang des Jahres war dieser hier dran. Doch obwohl mir den Roman gefallen hat, musste ich ein bisschen kämpfen. “The Power and the Glory” hat viele kluge Dinge zu sagen, ist aber ein bisschen zäh, und kommt gerade im Vergleich mit vielen von Greenes späteren Werken auch eher humorlos daher.

The Schooldays of Jesus (J. M. Coetzee, 2016)
Der Vorgänger “The Childhood of Jesus” hat mir gut gefallen, nun habe ich den zweiten und mittleren Teil (“The Death of Jesus” kam 2019 heraus) gelesen. Davon waren die ersten 100 Seiten so öde, dass ich es beinahe weggelegt hätte. Zum Glück kommt die Story mit einem ominösen Mord und Motiven, die mich an Camus erinnert haben, noch einigermaßen in die Gänge. Reicht insgesamt knapp, um den letzten Teil auf meiner amazon-Wunschliste stehen zu lassen…

Scharnow (Bela B. Felsenheimer, 2019)
Nach “Unterleuten” der zweite Roman über die Brandenburger Pampa, den ich jüngst gelesen habe. Definitiv witzig bis aberwitzig, aber so richtig bin weder mit den Figuren noch mit dem Humor warm geworden…

The Infinite Game (Simon Sinek, 2019)
Der erste Manager-Ratgeber, den ich in meinem Leben gelesen habe. Nicht weil ich plötzlich eine Firma zu managen hätte, sondern weil mir der titelgebende Gedanke gefiel: Dass unser (Geschäfts)Leben oft nicht aus Spielen mit Anfang, Ende und festen Regeln besteht. Und es entsprechend auch selten im klassischen Sinne zu einem Zeitpunkt X etwas zu ‘gewinnen’ gibt. Natürlich steht noch ein bisschen mehr drin, und das lohnt sich auch für Menschen ganz ohne Management-Ambitionen.

Deacon King Kong (James McBride, 2020)
Eine wohlwollende Rezension in der New York Times zu einem Zeitpunkt, an dem ich nichts mehr zu lesen hatte, führt mich zu diesem Roman. Die Titelfigur ist ein tragikomischer Antiheld, der anno 1969 in einem Armenviertel in Brooklyn eine Mischung aus Dorftrottel, Heiliger Irrer und Mädchen für alles verkörpert. Drogendealer, Lokalkolorit und jede Menge Gesellschaftskritik sind die großen Themen dieses wunderbar humorvollen Buches.

The Way Some People Die (Ross Macdonald, 1951)
Als Jugendlicher habe ich einige Krimis um den Privatdetektiv Lew Archer gelesen, und damit kürzlich wieder angefangen (diesmal im Original). Chronologisch natürlich, Ordnung muss sein. Vorläufiges Urteil: Herrlich lakonische und immer spannende Zeitreisen ins Kalifornien der Nachkriegszeit. Im Duell mit dem anderen MacDonald (John D.) und dessen Travis McGee-Reihe (die gut 10 Jahre später begann und meistens in Florida spielt) bleibt aber – nach jeweils drei gelesenen Romanen – erstmal nur der zweite Platz.

Drop City (T. C. Boyle, 2003)
Von T.C. Boyle habe ich irgendwann Ende der 90er “Budding Prospects” gelesen, welches von einem wenig erfolgreichen Versuch, Pot anzubauen, handelt. Passenderweise habe ich damals selbst viel gekifft und kann mich an nicht viel mehr erinnern. Nun fiel mir “Drop City” in die Hände. Eine Hippie-Kommune wandert darin anno 1970 von Kalifornien nach Alaska aus, wo sie auf Einheimische trifft, die nicht unbedingt auf einen Haufen drogenvernebelter Blumenkinder gewartet haben. Die Figurenzeichnung ist sehr gelungen, es darf ordentlich gelacht werden, aber auch die ernste Auseinandersetzung mit den Idealen von “Flower Power” hat mir gefallen. Das Ende ist zwar keine komplette Bruchlandung, hat mich aber doch ein wenig enttäuscht.

Camino Island (John Grisham, 2017)
Als ich zufällig sah, dass Justizthriller-König John Grisham (“Die Firma”, “Die Akte”) einen Krimi ohne jeden (naja, fast ohne jeden) Bezug zu Anwälten geschrieben hat, war ich neugierig genug, um zuzugreifen. “Camino Island” kreist um den Raub der Original-Manuskripte von F. Scott Fitzgeralds sämtlichen Romanen aus der Bibliothek von Princeton. Eine erfolglose Schriftstellerin wird angeheuert, um herauszufinden, ob ein charmanter Buchhändler in Florida mit der Sache etwas zu tun hat. Grisham hat sichtlich Freude an seinem bunten Szenario, entwickelt eine heitere Story, deren latente Märchenhaftigkeit für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Die vielen kleinen Abstecher in den Literaturbetrieb runden die Sache wunderbar ab.

The White Angel (John McLachlan Gray)
Vancouver, anno 1924. Durch den Tod einer Nanny kommen die politischen und gesellschaftlichen Abgründe der Stadt (beinahe) ans Tageslicht. Rassismus, Korruption, die Wunden des Ersten Weltkriegs – “The White Angel” ist weit mehr als ein Krimi. Was nicht heisst, dass es dem Roman mit seinen herrlichen Figuren und Dialogen an Spannung mangelt. Im Gegenteil, hier verbinden sich Anspruch und Unterhaltung auf höchstem Niveau. Gut möglich dass ich mir noch mal ein anderes Werk von John McLachlan Gray vornehme…

Nachgeholt: „Servant“ und „The Politician“

Die Filmflaute hält ja leider an, daher habe ich zuletzt zwei ältere Serien nachgeholt.

Da wäre zum einen „Servant„, seit Herbst zu sehen bei Apple TV +. M. Night Shyamalan („The 6th Sense“, „Split“) zeichnet als Produzent sowie bei zwei Folgen als Regisseur verantwortlich. Die Show wandelt auf einem schmalen Grad zwischen Drama, Horror und Mystery, was angesichts von Shyamalans Beteiligung nicht überrascht.

Die Handlung kreist um das Ehepaar Dorothy und Sean Turner in Philiadelphia, welches einen schrecklichen Schicksalsschlag verkraften muss. Ohne zuviel – mehr als den Inhalt der ersten Folge – zu verraten: der Verlust ihres wenige Monate alten Sohnes wirft Dorothy so sehr aus der Bahn, dass die Familie kurzerhand eine Puppe als Ersatz ins Rennen schickt. Tatsächlich funktioniert der Schwindel – auch dann noch, als die Turners die junge Nanny Leanne einstellen. Doch kaum ist Leanne da, ist aus der Puppe wieder ein echtes Baby geworden. Worüber Sean natürlich nicht schlecht staunt, ohne das Rätsel so schnell auflösen zu können…

„Servant“ steckt voller rätselhafter Andeutungen, mischt unter anderem biblische Motive in sein Psycho-Drama/Horror-Szenario. Seans exquisite – aber nicht immer sehr appetitliche – Kochkünste nehmen eine zentrale Rolle ein, ebenso wie Dorothys Job als Moderatorin eines lokalen News-Kanals und Leannes ominöse Identität/Vergangenheit.

*SPOILER* – Die Serie ist handwerklich ausgezeichnet und sehr gut gespielt. Die Spannung wird stetig gesteigert, in Rückblicken erfährt das Publikum die Hintergründe der initialen Tragödie. Leider werden die vielen Andeutungen und Mysterien in der ersten Staffel nur halbherzig aufgeklärt. Das Finale bietet zwar durchaus einen Paukenschlag, vertröstet bezüglich der meisten offenen Fragen aber auf die (bereits beauftragte) zweite Staffel. Das enttäuscht dann doch beträchtlich. Insbesondere mit Blick auf die Tatsache, dass Shyamalan immer sehr gut darin war, Suspense aufzubauen – nur um dann mit einer Auflösung um die Ecke zu biegen, die diesen Namen kaum verdient…

Ich bin daher eher skeptisch, dass ich mir die zweite Staffel noch zu Gemüte führe. Lediglich die Tatsache, dass Shyamalan nicht der Autor von „Servant“ ist könnte mich noch mal umstimmen…

+++

Mehr Spaß gemacht haben mir dagegen die ersten beiden Staffeln von Netflix‘ „The Politician„. Titelfigur ist Payton Hobart, Adoptivsohn stinkreicher Eltern in Hollywood. Der extrem ehrgeizige und charmante Außenseiter kennt schon in der Highschool nur ein Ziel – sich wählen zu lassen.

Der Serie gelingt es, zwischen Comedy, Drama, Politikrimi und Satire ihre eigene Nische zu finden. Das Tempo ist hoch, die Figuren sind sehr gut geschrieben und die Dialoge pointiert. „The Politician“ ist gleichzeitig ein Angriff auf und eine Verteidigung des ‚American Way of Life‘. Rassismus, soziale Ungerechtigkeit oder die Verlogenheit des Politikbetriebs werden thematisiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger und mit feinem Gespür für die Widersprüche unserer Zeit.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie „The Politician“ das rasante Erzähltempo halten und dabei den Tanz auf dem Drahtseil des Zeitgeistes weiterführen kann. Meine Begeisterung für Polit-Serien ist nach den umrühmlichen späten Staffeln von „Homeland“ und „House of Cards“ weitgehend verflogen, aber dieser (deutlich komödiantischeren) Show halte ich sicherlich erstmal die Treue…

Kurzkritik: An American Pickle

Comedy, 2020

Regie: Brandon Trost; Darsteller: Seth Rogen, Sarah Snook

Worum gehts?
Ein jüdischer Einwanderer aus Osteuropa wird anno 1919 versehentlich für 100 Jahre in Brooklyn eingemottet – und wacht unvermittelt in der heutigen Zeit wieder auf. Sein einziger Nachfahre ist ein App-Entwickler, der nun versuchen muss, seinem Ur-Ur-Großvater die Welt zu erklären.

Was soll das?
Die Doppelrolle von Herschel und Ben Greenbaum wurde Seth Rogen offenkundig auf den Leib geschrieben. Die Komödie lebt von der Idee, dass ein Mann aus dem frühen 20. Jahrhundert sich in der Zukunft zurecht finden muss. Dabei spart „An American Pickle“ natürlich nicht mit Anspielungen und Kommentaren auf die Entwicklungen in Technologie, Kultur und Politik…

Taugt das was?
Nur sehr bedingt. Zwar ist das Szenario nicht ohne Witz, und Seth Rogen ein äußerst begabter Komiker. Doch so richtig zünden tut der Film leider nie. Während man sich sehr bemüht, die wenig einfallsreiche Moral der Story zu transportieren, bleiben die Charaktere unterentwickelt und – selbst im Rahmen des aberwitzigen Szenarios – unglaubwürdig. Das wäre zu verschmerzen gewesen, wenn der Film seine durchaus spannenden Motive weniger brav und jugendfrei behandeln würde. Mit knapp 90 Minuten Laufzeit nimmt „An American Pickle“ immerhin nicht allzu viel Zeit des Publikums in Anspruch.

Wo kann ich das gucken?
Wahrscheinlich bald bei Sky, aktuell nur bei HBO Max (nicht regulär in DE erhältlich).

3/5

Kurzkritik: Ready Or Not (Auf die Plätze, fertig, tot)

Comedy/Horror, 2019

Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett ; Darsteller: Samara Weaving, Adam Brody, Andie McDowell, Henry Czerny

Worum gehts?
Alex, Spross einer immens reichen Unternehmerfamilie, und Grace heiraten auf dem herrschaftlichen Anwesen von Alex‘ Eltern. Noch in der Hochzeitsnacht erlebt Grace einen herben Schock. Ein altmodisches Initiierungsritual der Familie stellt sich als tödliche Hetzjagd heraus – und ihre Rolle ist die der Gejagten.

Was soll das?
„Ready Or Not“ ist mehr Komödie als Horrorfilm, nicht nur weil die Splatter-Elemente so grotesk überzogen sind, dass man (wenn man denn kann) einfach drüber lachen muss. Die Story ist ganz offensichtlich nur ein Mittel zum Zweck und taugt dazu einwandfrei. Das Tempo ist hoch, die Dialoge spitz, als heimlicher Hauptdarsteller dient das viktorianische Herrenhaus, in dem fast die komplette Handlung spielt.

Taugt das was?
Jep. „Ready Or Not“ erzählt seine Story mit viel Witz und optischer Opulenz, präsentiert ein halbes Dutzend absolut spleeniger Figuren und hat sichtlich Spaß an seiner überzogenen Story. Letzteres gilt auch für die Darsteller. Hauptdarstellerin Samara Weaving wiederum gelingt es, Grace als Kämpferin wider Willen zu verkörpern, ohne die Figur der Lächerlichkeit preiszugeben. Für Freunde von schwarzhumoriger Horror-Kost eine deutliche Empfehlung.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: The Invisible Man („Der Unsichtbare“)

Horror/Thriller, 2020

Regie: Leigh Wannell ; Darsteller: Elizabeth Moss, Aldis Hodge, Harriet Dyer, Michael Dorman

Worum gehts?
Cecilia (E. Moss) verlässt fluchtartig ihren Ehemann Adrian, einen kontrollsüchtigen Tech-Millionär. Der begeht kurz darauf Selbstmord. Kurze Zeit später häufen sich allerlei mysteriöse Vorfälle, die nur einen Schluss zulassen: Adrian ist nicht tot, sondern unsichtbar. Und er will sich an seiner „Witwe“ rächen…

Was soll das?
„The Invisible Man“ erzählt keine sonderlich einfallsreiche oder neue Geschichte. Es ist anno 2020 auch kein technisches Meisterstück mehr, eine unsichtbare Figur auf die Leinwand zu bringen. Der Film konzentriert sich eher auf die Figuren und Spannung, als auf die erwartbaren Schockeffekte – ohne dabei komplett auf diese zu verzichten.

Taugt das was?
Ja, durchaus. Elizabeth Moss spielt (wie üblich) eine leidgeprüfte, starke Frau, deren nachvollziehbare Handlungen „The Invisible Man“ ein emotionales Fundament geben. Der Thrill speist sich dabei weniger aus der wortwörtlichen Unsichtbarkeit ihres Gegenspielers, als aus seiner Ungreifbarkeit und Cecilias daraus folgender vermeintlicher Machtlosigkeit – sie wird sehr bald selbst von Freunden und Familie für eine Irre gehalten. Handwerklich und visuell überzeugt der Film ebenfalls, insgesamt überdurchschnittliche Spannungsunterhaltung mit Niveau.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: WASP Network

Drama/Thriller, 2019

Regie: Olivier Assayas; Darsteller: Edgar Ramirez, Penelope Cruz, Gael Garcia Bernal, Ana De Armas, Wagner Moura

Worum gehts?
Um sehr viel. Eine Reihe kubanischer Flüchtlinge/Dissidenten heuert Anfang der 90er in Miami bei Aktivitäten an, die einen Sturz des Castro-Regimes zum Ziel haben. Doch auch der Drogenhandel, die Küstenwache und die kubanische Armee sind involviert. Hinzu kommt allerlei persönliches Drama um die Familien der Flüchtlinge und ihr neues Leben im Kapitalismus.

Was soll das?
„WASP Network“ basiert – wenig überraschend – auf ‚wahren Begebenheiten‘. Und erzählt eine Geschichte, die in allen Aspekten interessant ist. Das Publikum erfährt erst nach der Hälfte der Laufzeit von den wahren Motiven einiger Hauptfiguren, und auch das dann ist noch nicht die ganze Wahrheit…

Taugt das was?
Jein. Vieles an „WASP Network“ ist gelungen, in erster Linie die Figuren, das Setting und die starken Darsteller. In Sachen Story und Spannung hapert es leider ordentlich, denn der Film will einfach zu viel. Dadurch wird das Geschehen unübersichtlich, den politischen Themen fehlt es an Zuspitzung, den Handlungen der Charaktere an ausreichender Erklärung. Mir scheint der Film hätte sowohl in einer kürzeren als auch in einer deutlichen längeren Version mehr Chancen gehabt, als Ganzes zu überzeugen. Schade.

Wo kann ich das gucken?
Bei Netflix.

3/5

Kurzkritik: I Know This Much Is True

Drama, 2020

Regie: Derek Cianfrance; Darsteller: Mark Ruffalo, Kathryn Hahn, Melissa Leo, Imogen Poots

Worum gehts?
„I Know This Much Is True“ erzählt die Geschichte der Zwillinge Dominic und Thomas Birdsey (in einer Doppelrolle: Mark Ruffalo) im US-Bundesstaat New York. Von ihrer schwierigen Kindheit über die Herausforderungen des College-Lebens bis in die Gegenwart (Anfang der 90er), in der Thomas‘ immer schwerer werdende Schizophrenie die beiden vor die schwerste Probe ihres Lebens stellt.

Was soll das?
Die Miniserie arbeitet sich an den ganz großen Themen des Lebens ab – Familie, Verlust, Loyalität, Krankheit, Identität, Kindheitstrauma. Nach einem Paukenschlag direkt zu Beginn entwickelt sich „I Know This Much Is True“ zum Psychogramm der Zwillinge, inklusive Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend, sowie ins Leben ihres aus Italien eingewanderten Großvaters. TeGrenze zum Tränenporno; über weite Teile eine einzige, schwer verdauliche Abwärtsspirale; Ruffalos Darstellung ist exzellent und bewahrt „I Know This Much Is True“ davor, komplett in Melancholie und Sentimentalität zu versinken..

Taugt das was?
Mark Ruffalos Darstellung von Dominic und Thomas ist definitiv sehenswert. Damit bewahrt der die Serie (knapp) davor, in dem Meer von herben Schicksalsschlägen und negativen Ereignissen komplett abzusaufen, aus denen die Story im Wesentlichen besteht. Mir persönlich hat „I Know This Much Is True“ zwar gefallen, ich war aber ob der leichten Überdosis Weltschmerz auch froh, als es vorbei war.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

3/5

Kurzkritik: Homecoming (Season 2)

Drama/Thriller, 2020

Creator: Micah Bloomberg, Eli Horowitz, Sam Esmail; Darsteller: Stephan James, Hong Chau, Janelle Monae, Chris Cooper

Worum gehts?
Eine junge Frau wacht mit Gedächtnisverlust allein in einem Ruderboot auf. Als sie ihre eigene Spur zurückverfolgt, stößt sie auf die undurchsichtigen Machenschaften der Geist-Corporation. In Rückblenden erfährt das Publikum, wie sich das Puzzle zusammensetzt, bis sich die Zeitsträhle zum Finale treffen…

Was soll das?
Die zweite Staffel nimmt den Erzählfaden der ersten nahtlos auf, tauscht dabei aber den Großteil der Figuren aus. Ausnahme ist Veteran Walter Cruz, der sich nach dem Ende des Behandlungsprogramms für Veteranen bald in Polizeigewahrsam wiederfindet.

Taugt das was?
Absolut. Trotz meiner anfänglichen Skepsis konnte mich „Homecoming“ erneut überzeugen. Die Mischung aus modernem Geschichtenerzählen und klassischen filmischen Mitteln sorgt für Spannung, Soundtrack und Bilder haben Klasse, und auch die Darsteller überzeugen. In seinen besten Momenten erinnert das Ganze – sicher nicht zufällig – an „A Scanner Darkly„.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Da 5 Bloods

Drama/Thriller, 2020

Regie: Spike Lee; Darsteller: Delroy Lindo, Clarke Peters, Isiah Whitlock Jr., Norm Lewis, Melanie Thierry, Jean Reno

Worum gehts?
Vier schwarze Vietnamkriegsveteranen kehren für eine private Mission nach fast 50 Jahren zurück an die ehemalige Front. Sie wollen die Gebeine ihres Kameraden und Anführers bergen. Und nebenbei einen Haufen Gold finden, den sie ganz in dessen Nähe vermuten. Ganz allein können die „Bloods“ das nicht stemmen, was schnell zu Irritationen führt.

Was soll das?
Spike Lee mischt in „Da 5 Bloods“ Elemente und Motive verschiedener Genres. Vertreten sind etwa das Buddy Movie, der Abenteuerfilm, sowie jede Menge Dramen mit politischen, kulturellen, historischen und psychologischen Schwerpunkten. Trotzdem ist der Film keine kopflastige oder überwiegend konstruiert wirkende Angelegenheit. Das Szenario bietet dem Regisseur vielmehr die Möglichkeit für eine facettenreiche Tour de Force.

Taugt das was?
Fuckin‘ A. Getragen von dem unglaublich starken Ensemble (neben Delroy Lindo ragen für mich vor allem die „The Wire“-Stars Clarke Peters und Isiah Whitlock Jr. heraus), pointierten Dialogen und unterlegt von einem großartigen Score, überzeugt „Da 5 Bloods“ von Anfang an. Die großen Ambitionen des Regisseurs treten dabei ebenso deutlich zu Tage, wie die für ihn charakteristische erzählerische Wut. Der Kunstgriff, seine alten Haudegen in den Kriegsszenen von 1969 nicht von jungen Lookalike-Darstellern spielen zu lassen, sondern von sich selbst (OHNE sie digital zu verjüngen), funktioniert bestens. Sie wirken dadurch eher wie reale Erinnerungen als wie klassische Rückblenden.

Nicht jede Szene und jeder Halbsatz trifft hier ins Bull’s Eye, aber die Quote ist angesichts des unkonventionellen Stil-Mix‘ dennoch beeindruckend. Es fällt fast schwer zu glauben, dass der Film vor den jüngsten Ereignissen von Minneapolis erdacht und gedreht wurde. Doch andererseits sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die dadurch wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten sind, lange bekannt. Und Spike Lee beweist erneut, dass er nicht müde wird, den Finger in die Wunden der US-Gesellschaft zu legen.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: The King of Staten Island

Comedy/Drama, 2020

Regie: Judd Apatow; Darsteller: Pete Davidson, Marisa Tomei, Bel Powley, Bill Burr

Worum gehts?
Der „King of Staten Island“ ist Scott, der mit Mitte 20 noch zuhause wohnt, und seine Zeit mit Kiffen, Abhängen und Träumereien verbringt. Seine Mutter gibt sich viel Mühe mit ihm, während seine kleine Schwester kurz davor steht, aufs College zu gehen. Sowohl für seine Familie als auch für seine Freunde steht fest, dass Scott ein tragischer Fall ist, der den Tod seines Vaters vor über 15 Jahren nie verkraftet hat. Doch etwas muss nun langsam passieren in Scotts Leben – die Frage ist nur was…

Was soll das?
Pete Davidson spielt Scott als unkonventionellen, schlagfertigen und melancholischen Antihelden. Er wird dem Publikum quasi „fertig“ serviert, ohne per Rückblenden eingeschobene küchenpsychologische Erklärungen. Was einerseits löblich ist, die Figur aber andererseits unvollendet im Raum stehen lässt.

Taugt das was?
Nicht wirklich. „The King of Staten Island“ ist nur selten wirklich witzig, und den dramatischen Aspekten fehlt es an psychologischer Tiefenschärfe. Das Geschehen plätschert lange ereignis- und erkenntnislos vor sich hin, bis sich am Ende (nach weit über zwei Stunden) doch eine Art erzählerisches Fazit erkennen lässt. Ich mag ja Filme ohne klassischen Plot eigentlich sehr gerne, aber hier fehlt das gewisse Etwas, der Reiz, die Emotionen, um aus dem Ganzen mehr als die Summe einzelner Szenen zu machen.

3/5

Film-Flaute 2020 – Kommt da noch was?

So wenige Filme wie in diesem Jahr habe ich noch nie gesehen. Das lässt sich auch durch Corona nicht vollständig erklären, auch wenn zum Beispiel der (auf Herbst verschobene) neue 007-Film natürlich die Bilanz etwas verbessert hätte.

Weder bei Netflix noch bei Prime noch im Angebot von Disney+ oder Apple TV+ fanden sich Filme, die mich brennend interessiert hätten. Und auch die Heimkino-Releases der Filme des vorigen Winters waren äußerst dürftig. Ob ich mir „Bad Boys For Life“ ohne Corona angeschaut hätte, darf jedenfalls ersnthaft bezweifelt werden.

Höchste Zeit also, mal zu schauen, was denn da noch so kommen soll – und ob die Filme tatsächlich erstmal nur im Kino anlaufen, oder angesichts der besonderen Umstände auch direkt über Streaming veröffentlicht werden….

Ich hoffe inständig, dass 2020 noch viel mehr interessante Filme zu sehen sein werden. Hier sind nur die gelistet, die ich auf die Schnelle gefunden habe…

Autoren-Kino

„The French Dispatch“ (Wes Anderson)
Der Starttermin im Sommer wurde verschoben, aktuell ist wohl ein weltweiter Kinostart im Oktober geplant. Filme von Wes Anderson gehören zu den wenigen verlässlichen Anlässen, mal wieder ins Kino zu gehen – ick freu mir druff!

„Da 5 Bloods“ (Spike Lee)
Schon sehr bald, morgen nämlich, wird dieser Film bei Netflix zu sehen sein. Ein Kinostart war offenbar nie geplant, bei gut zweieinhalb Stunden Laufzeit bin ich fast froh, dass man hier bei Bedarf zu Hause einfach in zwei Etappen gucken kann…

The King of Staten Island“ (Judd Apatow)
Ebenfalls per Streaming wird diese Komödie demnächst verfügbar sein, und es besteht durchaus Hoffnung, dass Apatow („Knocked Up“, „Funny People“) mal wieder einen Hit liefert. Wobei der letzte auch schon eine Weile her ist…

Blockbuster

„Tenet“ (Christopher Nolan)
Optimistisch haben die Produzenten von „Tenet“ am Kinostart Mitte Juli festgehalten. Die Vorliebe des Regisseurs für bildgewaltige Filme, die zwingend auf die große Leinwand gehören, ist bekannt. In der Regel lohnt sich das auch – mal sehen, ob sich so früh wieder viele Menschen ins Kino trauen.

No Time To Die“ (Cary Fukunaga)
Der neue Bondfilm war eine der ersten großen Produktionen, die verschoben wurden. Kein Wunder, die immensen Kosten werden ohne volle Kinokassen eher nicht in ebenso immense Gewinne umgemünzt. Und so werde ich also auch im November mal wieder ins Kino gehen…

Mit „Wonder Woman 1984„, „Black Widow“ und „Top Gun – Maverick“ werden bis Jahresende noch drei weitere Vertreter der Spektakelkinos rauskommen, nach aktuellem Stand auch tatsächlich mit regulärem Kino-Release. Ich freue mich auf alle drei zumindest ein bisschen, für den Gang ins Kino wird die Begeisterung wohl aber nicht ausreichen – unabhängig von der Seuchen-Situation…

Kurz & knapp: „The Boat“, „The Vast of Night“ & „Vivarium“

Das Filmprogramm ist dieser Tage dürftig, soviel steht fest. Diese drei Filme waren meine Lückenfüller der letzten zwei Wochen…

„The Boat“ handelt von einem jungen Fischer, der im nebligen Mittelmeer vor der maltesischen Küste auf eine verlassene Segeljacht stösst.

Sein Plan, über das Funkgerät einen Notruf abzusetzen geht ebenso schief, wie der Versuch mit dem Kahn friedlich den nächsten Hafen anzulaufen. Stattdessen schlägt ‚Murphys Gesetz“ mit aller Macht zu. Oder steckt etwas anderes dahinter?

Zwischen Horror und Abenteuerdrama präsentiert „The Boat“ lupenreines Bewegungs(heim)kino. Mit minimalen Mitteln gelingt es, ordentlich Spannung aufzubauen. Das Szenario ist überzeugend entwickelt, auch wenn auch zum Teil arg strapaziert wird.

Streaming-Optionen: Hier.

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„The Vast of Night“ (oder auch „Die Weite der Nacht“) hat sehr ansprechende Kritiken bekommen, die mich haben aufhorchen lassen. Ebenfalls mit kleinem Budget realisiert erzählt der Film von klassischen Sci-Fi-Motiven (geheimnisvolle Radiosignale und Berichte von unbekannten Flugobjekten).

Doch er tut dies aus der erfrischend anderen Perspektive einer jugendliche Telefonistin und eines Radio-Moderators in einer Kleinstadt in New Mexico anno 1958. Statt durch Action und Spezialeffekte entfaltet sich das Geschehen fast ausschließlich über Telefongespräche und nächtliche Fahrten durch die Provinz.

In normalen Zeiten hätte ich sicher sowas geschrieben wie „eine willkommene Abwechslung zu den Erfolgsformeln Hollywoods“. Angesichts der aktuellen Flaute im Unterhaltungskino habe ich hier zumindest ein bisschen eigenen Widerwillen brechen müssen und ein bisschen gebraucht, um mich an die Erzählweise zu gewöhnen. Am Ende aber durchaus Spaß an „The Vast of Night“ gehabt…

Streaming-Optionen: Hier.

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Vivarium“ hat im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Filmen ein bisschen mehr Budget gehabt (wenn auch immer noch überschaubar), und bietet mit Imogen Poots und Jessen Eisenberg auch bekannte Darsteller auf.

Der Film folgt einem jungen Pärchen, das sich von einem mysterösen Makler ein Haus in einem beängstigend gleichförmigen ‚Suburbia‘ zeigen lässt. Bald müssen sie feststellen, dass sie dem Haus und der ganzen Gegen nicht mehr entkommen können. Das Ganze ist ein teuflisches Labyrinth, in dem bald noch ein Baby bei ihnen vor der Tür abgelegt wird.

Als absurdes Kammerspiel hat „Vivarium“ durchaus sein Qualitäten, und der Film bleibt seiner skurrilen Geschichte auch bis zum Schluss treu. So richtig übergesprungen ist der Funke bei mir aber nicht, weil die potentiell interessanten Motive innerhalb des „Versuchslabors“ der Story nicht ausreichend weiterentwickelt werden.

Streaming-Optionen: Hier.

Kurzkritik: Defending Jacob (dt. Titel „Verschwiegen“)

Drama, 2020

Creator: Marc Bomback; Darsteller: Chris Evans, Michelle Dockery, Jaeden Martell, Pablo Schreiber, JK Simmons

Worum gehts?
Der Sohn von Staatsanwalt Andy Barber wird des Mordes an einem Mitschüler angeklagt. Der Prozess beruht allein auf Indizien, der Junge beteuert seine Unschuld…

Was soll das?
Die Verfilmung von William Landays gleichnamigem Roman beschäftigt sich mit der von Geheimnissen, Ängsten und Zweifeln geprägten Dynamik der Familie Barber. Der Einsturz der vermeintlichen Komfortzone in ihren Beziehungen und im Alltag bringt Mutter, Vater und Sohn an den Rande des Abgrunds.

Taugt das was?
Ja. „Defending Jacob“ ist stark geschauspielert, erzeugt viel Spannung durch die Ambivalenz des Geschehens, bietet solides Gerichtsdrama, und ein äußerst spannendes Finale. Selbst wenn man dessen Kniffe durchaus voraussehen kann, funktionieren sie vorzüglich. Denn weder werden sie übermäßig aus dem Hut gezaubert, noch spielt die Serie rückwirkend die Karte „unverlässliche Erzählung“.

Sonst noch was? [Kleiner Spoiler!]
Ganz nach meinem Geschmack: ein Ende, dass den Zuschauer auffordert, selbst zu bewerten, was er glauben soll – und wie es weitergehen könnte. Und auch ein weiteres gutes Beispiel, warum ich aktuell sehr gerne ‚Mini-Serien‘ schaue…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: ZeroZeroZero

Drama/Krimi, 2020

Creators: Leonardo Fasoli, Mauricio Katz, Stefano Sollima ; Darsteller: Andrea Riseborough, Guiseppe De Domenico, Harold Torres, Dane DeHaan

Worum gehts?
„ZeroZeroZero“ begleitet die Reise einer stattlichen Drogenlieferung von Mexiko nach Italien.

Was soll das?
Die Serie schaut dem internationalen Drogenhandel auf die Finger, basierend auf einer Vorlage von Roberto Saviano („Gomorrah“). Dabei verfolgt „ZeroZeroZero“ im Wesentlichen drei Stränge:

  • den Einfluss der Drogenbarone – sowie der auf ihre Bekämpfung spezialisierten Spezialeinheiten – in der mexikanischen Großstadt Monterrey;
  • Zwischenhändler/Spediteure aus New Orleans, die unfreiwillig mit der illegalen Fracht auf Reisen gehen (hier kommen auch westafrikanische Häfen ins Spiel)
  • die Käufer von der kalabrischen Mafia ‚Ndrangheta, deren greiser Boss sich vor den Behörden (und den eigenen Verbündeten) in einer Höhle in den Bergen versteckt.

Taugt das was?
Ja, WENN die in der Serie gezeigten Zusammenhänge einigermaßen der Wirklichkeit entsprechen. Wovon ich hier jetzt mal ausgehe, weil Roberto Savianos Werk offenbar glaubwürdig ist.

Unabhängig davon kann „ZeroZeroZero“ handwerklich absolut überzeugen, bietet Spannung, beeindruckende Bilder, einen starken Score sowie eine überschaubare Anzahl glaubwürdiger Hauptfiguren. Die Serie schafft es, ohne erhobenen Zeigefinger auf eine extrem komplexe Gesamtsituation zu blicken – und gleichzeitig auch auf emotionaler Ebene glaubwürdig zu sein. Insgesamt sicher keine leichte Kost, deren Stoff im Format einer Miniserie genau richtig aufgehoben ist…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: Ozark (Staffel 3)

Drama/Krimi, 2020

Creators: Bill Dubuque, Mark Williams; Darsteller: Laura Linney, Jason Bateman, Julia Garner, Janet McTeer, Tom Pelphrey

Worum gehts?
Wendy und Marty Byrde haben es geschafft – sie besitzen ein Casino. Oder besser, sie betreiben eines, um für das Kartell Geld zu waschen. Bald steht erneut das FBI auf der Matte, Wendys Bruder bittet um Asyl und Anwältin Helen verbringt mit ihrer Tochter den Sommer am ‚Lake of the Ozarks‘.

Was soll das?
Die dritte Staffel knüpft relativ nahtlos an die vorige an. „Ozark“ bleibt sich thematisch und inhaltlich auch nach zweijähriger Sendepause treu. Die große Frage war, ob die Serie aus ihrem relativ ausgereizten Setting noch mal etwas herausholen kann, ohne komplett die Glaubwürdigkeit zu verlieren…

Taugt das was?
Ja. Die dritte Staffel hat nicht nur die Stärken der Show (Atmosphäre, Figurenentwicklung, Darsteller) behalten, sondern diese noch ausgebaut. Sie verbindet mehrere spannende, zum Teil auch überraschende Handlungsstänge, in denen die exzellenten Darsteller groß aufspielen können. Mit jeder Folge steigt die Spannung, und „Ozark“ enttäuscht auch beim Finale nicht. In dieser Qualität kann es gern weitergehen – und gern auch schon nächstes Jahr.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

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