Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Kurzkritik: Big Little Lies Season 2

Drama, 2019

Creator: David E. Kelley ; Darsteller: Nicole Kidman, Meryl Streep, Reese Witherspoon, Laura Dern, Zoe Kravitz, Shailene Woodley

Worum gehts?
Das Leben von Madeline, Celeste & Co, ist nach dem Tod von Perry nicht leichter geworden. Die Polizei will ihrer Story keinen Glauben schenken, und sie alle haben mit persönlichen Krisen & Katastrophen zu kämpfen…

Was soll das?
„Big Little Lies“ nimmt den Faden der ersten Staffel wieder auf, ist aber nicht wirklich an einer Aufklärung (im Sinne einer Krimihandlung) interessiert. Stattdessen widmet sich die Serie ganz ihrer größten Stärke – den fünf weiblichen Hauptfiguren.

Taugt das was?
Ja, absolut. Mit Meryl Streep wurde die ohnehin schon starke Besetzung noch mal verstärkt, die zentralen Motive der Serie wurden glaubwürdig weiterentwickelt. Das stimmige, aber relativ offene Ende könnte zwar eine dritte Staffel bedeuten, mir scheint aber, als hätten die Macher damit einen echten Schlusspunkt setzen wollen…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

Serie: Fortitude

Da ich hier neulich vermeldet habe, wie gut mir die erste Staffel gefällt, muss ich ergänzend noch etwas hinzufügen…

Die erste Staffel von „Fortitude“ ist in der Tat richtig gut. Darsteller, Setting, Atmosphäre, Story, Timing – da passt alles.

Die zweite Staffel ist dann schon vergleichsweise überladen, findet keinen überzeugenden dramaturgischen Fokus mehr und verliert arg an Spannung. Immerhin gibt es noch einige starke Momente.

Die nur vier Folgen lange letzte Staffel ist schließlich totaler Mist. Hier schmeißt man auf den letzten Drücker neue Figuren ins Rennen, die wie Nebelkerzen wirken. Währenddessen geht der Versuch einer  Auflösung der zentralen (längst unglaubwürdig und gequält daherkommenden) Story komplett daneben. Schade.

Kurzkritik: True Detective – Staffel 3

Krimi/Drama, 2019

Creator: Nick Pizzolatto; Darsteller: Mahershala Ali, Stephen Dorff, Carmen Ejogo

Worum gehts?
Die Cops Hays (Ali) und West (Dorff) ermitteln anno 1980 in einem Mordfall in einer Kleinstadt in Arkansas, der sie über Jahrzehnte nicht loslassen wird. Alles dreht sich um zwei verschwundene Kinder, einige mysteriöse Umstände und ein abruptes, jedoch nicht endgültiges Ende der Ermittlungen.

Was soll das?
Die Bedeutung des Verbrechens für die zentralen Charaktere ist wichtiger als eine spektakuläre Auflösung. Das kennt man von „True Detective“, das zeichnet die Show aus. Die Story wird auf drei Zeitebenen erzählt. 1980, als das Verbrechen passiert; 1990, als die Ermittlungen wieder aufgenommen werden; und die Gegenwart, in der Hays an Demenz leidet und sich erneut mit dem Fall beschäftigt

Taugt das was?
Ja. Die dichte Atmosphäre, die sich wie ein Mosaik zusammensetzende Story, aber vor allem die glaubwürdig entwickelten Charaktere und ihre starken Darsteller sorgen für spannende und anspruchsvolle Unterhaltung. Dabei legt die Serie (mal wieder) eine Menge falsche Fährten, und es wird daher streitbar bleiben wie sinnvoll und notwendig die eigentlich sind (siehe Absatz ganz unten).

Wo kann ich das gucken?
Bei Sky ist „True Detective“ Teil der Flatrate, bei anderen Diensten kann die Serie gekauft werden. Siehe hier./

[SPOILER!] Was ist denn der Nebenplot mit der TV-Doku wert, wenn er am Ende einfach abgeschenkt wird? Das gleiche gilt für die vielen Andeutungen von Korruption innerhalb von Polizei und Staatsanwaltschaft. Das muss man fragen dürfen. Andererseits sind falsche Fährten ja ganz klassische Krimi-Elemente, nur dass „True Detective“ deutlich mehr Spaß dran hat, sie detailliert auszuarbeiten, als andere Stoffe…

Kurzkritik: The Terror (Serie)

Horror/Drama, 2018

Regie/“Creator“: David Kajganich, Max Borenstein, Alexander Woo; Darsteller: Jared Harris, Ciaran Hinds, Tobias Menzies

Worum gehts?

Die Geschichte einer britischen Expedition zweier Schiffe auf der Suche nach der Nordwest-Passage in den Pazifik beruht auf wahren Begebenheiten.

Taugt das was?

Jep. „The Terror“ überzeugt sowohl als Geschichtsstunde über das Leben an Bord anno 1848, als auch als düsteres, stimmungsvolles Horror-Drama mit großartiger Besetzung – allen voran Jared Harris als Kapitän. Der mystische Aspekt (kann man auch „Fantasy“ nennen) war nicht eben mein Favorit bei der Mischung, passt aber insgesamt sehr gut rein. Nur die CGI lässt etwas zu wünschen übrig…

Wo kann ich das gucken?

Bei Amazon Prime Video.

4/5

Kurzkritik: Homecoming (Serie)

Dass die vierte Staffel von „Mr. Robot“ dieses Jahr nicht lief hat einen einfachen Grund: „Homecoming“. Sam Esmail hat aus dem gleichnamigen Radio-Podcast eine Serie für Amazon Prime gemacht. Julia Roberts spielt darin Heidi Bergman, die Leiterin einer ominösen Einrichtung, in der Soldaten mit PTBS der Wiedereinstieg ins zivile Leben erleichtert werden soll.

Die Serie ist spannend, gut gespielt (Bobby Cannavale!)und mit einer großen Portion Paranoia ausgestattet, womit sie unverkennbar Esmails Handschrift trägt. Auf mehreren Zeitebenen und in zwei Bildformaten, sowie mit einer merkwürdigen Unschärfe in einigen Teilen des Bildes (die mich allerdings nur gestört hat) geht „Homecoming“ langsam der Frage nach, was in der Einrichtung eigentlich passiert ist – und warum sich Heidi nur wenige Jahre später an nichts mehr erinnern kann.

Kurzkritik: 4 Blocks Staffel 2

Das wird jetzt hier wie ein vernichtendes Urteil klingen, aber so ist es nicht gänzlich gemeint. Die Serie hat ihre Qualitäten, und sie muss ‚auf dem Markt bestehen‘. Immerhin ist „4 Blocks“ kein öffentlich-rechtlich gefördertes Prestige-Objekt, sondern ein kommerzielles Produkt, das es im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit Dutzenden teuren US-Produktionen aufnehmen muss.

Beginnen wir mit dem größten Problem. „4 Blocks“ schafft es nicht, seine Figuren wirklich zu entwickeln. Clanchef Ali „Toni“ Hamadi macht, was er immer macht – er regelt alles, aber keiner dankt es ihm. Seine Crew ist sinnlos aggressiv und/oder unfähig, strategisch zu denken. Seine Frau Amara ist stolz, will aus dem Gangsterleben raus, hat aber auch (zurecht) Angst vor dem Ausstieg – handelt jedoch immer nur auf der Basis eines dieser Gefühle, nie als ganzheitliche Person. Alis Bruder Abbas verkommt noch mehr als in Staffel 1 zur Selbstkarikatur, hat zudem mit dem eigentlichen Plot wenig zu tun.

Die Kämpfe um den Drogenmarkt gehen weiter. Toni will raus aus dem Geschäft (klassisches „Der Pate 3“-Territorium), übernimmt es dafür aber erstmal komplett. Die Rivalität mit den Al-Saafis geht weiter, ist aber insgesamt – trotz aller Finten – zu einfach gestrickt. Was wiederum an der schon erwähnten nicht-existenten Figurenentwicklung liegt. Tonis Gehversuche in Richtung Legalität sind zum Scheitern verurteilt, er hat den Staat (will sagen die Polizei) gegen sich, und auch die Welt der Berliner Immobilienhaie (in die er sich einkaufen will) hat nicht gerade auf ihn gewartet. Die Dialoge sind oft einfach nur platt, auch wenn die Macher hier sicher lieber von „authentisch“ reden. Und sie wiederholen sich zum Teil bis hin zum genauen Wortlaut.

Die sehr vereinfachte (bis schlichtweg schwachsinnge) Sichtweise „Gangster gegen Staat“ bleibt ebenfalls, an Ambilvalenz und Nuancen mangelt es. „4 Blocks“ ist als Krimi/Thriller handwerklich solide, aber das Niveau der Story (und des  Szenarios) riecht eher nach einem Tatort als nach den „Sopranos“. Retten kann die Show nur, dass es einige Momente und Figuren (wie Maruf, Amara und Djamila) gibt, die das Prädikat „Drama“ wirklich verdient haben.

Serien-Trailer: True Detective (Season 3)

Zugegeben, die zweite Staffel war nicht der ganz große Wurf. Verschachtelte Erzählweisen können sich auch selbst ein Bein stellen, das wurde immerhin sehr anschaulich vorgeführt.

Gut möglich, dass sich auch die dritte Staffel irgendwie verrennt (diesmal sind es gleich drei ‚Timelines‘, wenn ich das richtg verstehe). Aber allein Mahershala Ali mal in einer Hauptrolle zu sehen stimmt mich erstmal optimistisch…

Kurzkritik: The Sinner Season 2

Krimi/Drama, 2018

Regie/“Creator“: Derek Simonds; Darsteller: Bill Pullman, Carrie Coon, Natalie Paul

Worum gehts?

Um die Frage, warum ein 13-jähriger Junge zwei Menschen umbringt.

Was soll das?

Wie bereits in der ersten Staffel zeigt „The Sinner“ zu Beginn ein Verbrechen, und lässt keinen Zweifel daran, wer der Täter ist. Wieder ist es Detective Harry Ambrose (Bill Pullman), der die Ermittlungen aufnimmt, dieses mal in seiner heimatlichen Kleinstadt in Upstate New York.

Taugt das was?

Tatsächlich ja. Die Story kreist um eine Hippiekommune, Ambroses eigenes Kindheitstrauma und die dunklen Geheimnisse einer Kleinstadt. Man kennt viele Erzähltechniken und Kniffe aus Staffel eins, und zum Teil sind die Entwicklungen auch nicht soo schwer zu erraten sind. Doch bietet „The Sinner“ erneut solides Entertainment. Subtilität ist erneut nicht die große Stärke dabei, aber die Serie bietet gute Darsteller und ordentlich Suspense – nicht mehr und nicht weniger kann man vom Prinzip „The Sinner“ erwarten.

Wo kann ich das gucken?

Ab dem 9. November bei Netflix.

Kurzkritik: Ozark Season 2

Drama, 2018

Creators: Bill Dubuque, Mark Williams; Darsteller: Jason Bateman, Laura Linney, Julia Garner, Peter Mullan

Worum gehts?

Die Familie Byrde kämpft weiter mit inneren und äußeren Notständen, neben der Weiterentwicklung bestehender Handlungsstränge aus Staffel 1 kommt Ruths Vater aus dem Gefängnis – und sieht dem Treiben natürlich nicht lange tatenlos zu…

Taugt das was?

„Ozark“ ist für mich vor allem ‚guilty pleasure‘, der Trash-Faktor ist bei aller handwerklichen Klasse hoch. Doch das überzeugende Schauspieler-Ensemble und das – wie gewohnt recht räuberpistolenhafte – Drehbuch sorgen für ausreichend Spannung und Unterhaltung. Ich kann trotzdem nicht ausschliessen, dass ich mir die nächste Staffel dann doch lieber klemme…

Wo kann ich das gucken?

Bei Netflix.

Kurzkritik: Sharp Objects (Serie)

Drama/Thriller/Horror, 2018

Creator: Marti Noxon; Romanvorlage: Gillian Flynn; Regie: Jean-Marc Vallée

Darsteller: Amy Adams, Chris Messina, Patricia Clarkson

Worum gehts?

Reporterin Camille wird von ihrem Boss in die heimatliche Kleinstadt Wind Gap in Missouri geschickt, um über zwei Morde zu berichten. Kaum angekommen wird sie von dem mysteriösen Trauma (oder sind es mehrere?) ihrer Kindheit eingeholt. Die Stimmung in Wind Gap ist angespannt, dem Anschein nach haben viele etwas zu verbergen…

Was soll das?

„Sharp Objects“ ist eine düstere Geschichte um Erinnerung, Verrat und dunkle Geheimnisse, in der die Krimi-Handlung nur eine von mehreren Ebenen ist. Teile des Ganzen erinnern an „Winter’s Bone“, auch an die erste Staffel von „True Detective“ musste ich denken. Doch aus vielen bekannten Versatzstücken macht die Serie etwas eigenes – nicht zuletzt aufgrund der explizit weiblichen Perspektive.

Taugt das was?

Absolut. Stimmungsvoll und mit Sinn für dramatische Effekte, dabei oft ‚over the top‘, aber auf bemerkenswertem erzählerischen Niveau, sehenswert inszeniert und mit starken Darstellern. „Sharp Objects“ ist ‚great trash‘ und weiss das auch – das ist ganz nach meinem Geschmack. Mit acht etwa einstündigen Episoden ist die Show zudem hervorragend getaktet.

Wo kann man das gucken?

Aktuell bei Sky.

Kurzkritik: Babylon Berlin (Staffel 1)

Drama/Krimi, 2017

Von Henk Handloegten, Tom Tykwer, Achim von Borries; Darsteller: Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Lars Eidinger

Worum gehts?

Berlin in den 1920er Jahren. Ein Kölner Polizist kommt mit einem pikanten Auftrag in die Stadt. Seine Ermittlungen führen ihn bald mitten in die Unterwelt und in ein Netz von politischen Verstrickungen und tödlichen Rivalitäten..

Was soll das?

Die aufwändig produzierte Serie bietet „historical fiction“ mit dem Anspruch, sowohl zu unterhalten als auch eine politisch und kulturell äußerst spannende Ära zu portraitieren.

Taugt das was?

Ja, „Babylon Berlin“ kann sowohl visuell, produktionstechnisch als auch darstellerisch überzeugen. Die Story ist spannend, die Figurenzeichnung gelungen – letztere hätte meiner Meinung nach aber durchaus noch mehr Platz in der Serie einnehmen dürfen.

Wo kann ich das gucken?

Siehe hier.

4/5

Kurzkritik: Hap & Leonard (Staffel 3)

Krimi/Drama, 2018

Showrunners: Nick Damici, Jim Mickle ; Darsteller: Michael Kenneth Williams, James Purefoy, Tiffany Mack

Worum gehts?

Die aus der vorigen Staffel bekannte schöne Anwältin Florida verschwindet, ausgerechnet in der Kleinstadt Grovetown, die einen Ruf als KKK-Hochburg hat. Hap & Leonard machen sich auf die Suche, die Spur führt von einer verschollen geglaubten Blues-Aufnahme zum lokalen Radio-DJ…und dann immer tiefer in die Abgründe von Grovetown.

Was soll das?

Die dritte Staffel ähnelt der zweiten deutlich mehr als der ersten. Derr Ton ist ernst, aber nicht gänzlich hoffnungslos – die zwei namensgebenden Haudegen lassen sich ja bekanntlich sowieso von nichts und niemandem unterkriegen, und sind nie um einen guten Spruch verlegen.

Taugt das was?

Ja, die Serie hält ihr Niveau und kann erneut überzeugen. Ich bin allerdings mal gespannt, ob die Show – sofern es weitergeht – noch einmal frische Impulse setzen kann. Sonst läuft sie Gefahr es sich in ihrer (absoluten bemerkenswerten) Nische allzu bequem zu machen.

Wo kann ich das gucken?

Aktuell nur bei Amazon Prime Video.

4/5

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