Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Kurzkritik: Defending Jacob (dt. Titel „Verschwiegen“)

Drama, 2020

Creator: Marc Bomback; Darsteller: Chris Evans, Michelle Dockery, Jaeden Martell, Pablo Schreiber, JK Simmons

Worum gehts?
Der Sohn von Staatsanwalt Andy Barber wird des Mordes an einem Mitschüler angeklagt. Der Prozess beruht allein auf Indizien, der Junge beteuert seine Unschuld…

Was soll das?
Die Verfilmung von William Landays gleichnamigem Roman beschäftigt sich mit der von Geheimnissen, Ängsten und Zweifeln geprägten Dynamik der Familie Barber. Der Einsturz der vermeintlichen Komfortzone in ihren Beziehungen und im Alltag bringt Mutter, Vater und Sohn an den Rande des Abgrunds.

Taugt das was?
Ja. „Defending Jacob“ ist stark geschauspielert, erzeugt viel Spannung durch die Ambivalenz des Geschehens, bietet solides Gerichtsdrama, und ein äußerst spannendes Finale. Selbst wenn man dessen Kniffe durchaus voraussehen kann, funktionieren sie vorzüglich. Denn weder werden sie übermäßig aus dem Hut gezaubert, noch spielt die Serie rückwirkend die Karte „unverlässliche Erzählung“.

Sonst noch was? [Kleiner Spoiler!]
Ganz nach meinem Geschmack: ein Ende, dass den Zuschauer auffordert, selbst zu bewerten, was er glauben soll – und wie es weitergehen könnte. Und auch ein weiteres gutes Beispiel, warum ich aktuell sehr gerne ‚Mini-Serien‘ schaue…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: ZeroZeroZero

Drama/Krimi, 2020

Creators: Leonardo Fasoli, Mauricio Katz, Stefano Sollima ; Darsteller: Andrea Riseborough, Guiseppe De Domenico, Harold Torres, Dane DeHaan

Worum gehts?
„ZeroZeroZero“ begleitet die Reise einer stattlichen Drogenlieferung von Mexiko nach Italien.

Was soll das?
Die Serie schaut dem internationalen Drogenhandel auf die Finger, basierend auf einer Vorlage von Roberto Saviano („Gomorrah“). Dabei verfolgt „ZeroZeroZero“ im Wesentlichen drei Stränge:

  • den Einfluss der Drogenbarone – sowie der auf ihre Bekämpfung spezialisierten Spezialeinheiten – in der mexikanischen Großstadt Monterrey;
  • Zwischenhändler/Spediteure aus New Orleans, die unfreiwillig mit der illegalen Fracht auf Reisen gehen (hier kommen auch westafrikanische Häfen ins Spiel)
  • die Käufer von der kalabrischen Mafia ‚Ndrangheta, deren greiser Boss sich vor den Behörden (und den eigenen Verbündeten) in einer Höhle in den Bergen versteckt.

Taugt das was?
Ja, WENN die in der Serie gezeigten Zusammenhänge einigermaßen der Wirklichkeit entsprechen. Wovon ich hier jetzt mal ausgehe, weil Roberto Savianos Werk offenbar glaubwürdig ist.

Unabhängig davon kann „ZeroZeroZero“ handwerklich absolut überzeugen, bietet Spannung, beeindruckende Bilder, einen starken Score sowie eine überschaubare Anzahl glaubwürdiger Hauptfiguren. Die Serie schafft es, ohne erhobenen Zeigefinger auf eine extrem komplexe Gesamtsituation zu blicken – und gleichzeitig auch auf emotionaler Ebene glaubwürdig zu sein. Insgesamt sicher keine leichte Kost, deren Stoff im Format einer Miniserie genau richtig aufgehoben ist…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: Ozark (Staffel 3)

Drama/Krimi, 2020

Creators: Bill Dubuque, Mark Williams; Darsteller: Laura Linney, Jason Bateman, Julia Garner, Janet McTeer, Tom Pelphrey

Worum gehts?
Wendy und Marty Byrde haben es geschafft – sie besitzen ein Casino. Oder besser, sie betreiben eines, um für das Kartell Geld zu waschen. Bald steht erneut das FBI auf der Matte, Wendys Bruder bittet um Asyl und Anwältin Helen verbringt mit ihrer Tochter den Sommer am ‚Lake of the Ozarks‘.

Was soll das?
Die dritte Staffel knüpft relativ nahtlos an die vorige an. „Ozark“ bleibt sich thematisch und inhaltlich auch nach zweijähriger Sendepause treu. Die große Frage war, ob die Serie aus ihrem relativ ausgereizten Setting noch mal etwas herausholen kann, ohne komplett die Glaubwürdigkeit zu verlieren…

Taugt das was?
Ja. Die dritte Staffel hat nicht nur die Stärken der Show (Atmosphäre, Figurenentwicklung, Darsteller) behalten, sondern diese noch ausgebaut. Sie verbindet mehrere spannende, zum Teil auch überraschende Handlungsstänge, in denen die exzellenten Darsteller groß aufspielen können. Mit jeder Folge steigt die Spannung, und „Ozark“ enttäuscht auch beim Finale nicht. In dieser Qualität kann es gern weitergehen – und gern auch schon nächstes Jahr.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Super-Computer & Freier Wille vs Determinismus in „Devs“ und „Westworld“

Für alle, die sich fragen, wie viel von dem ganzen Mummenschanz einigermaßen realistisch ist: Ein sehr interessanter Artikel über die Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie die Plausibilität der in den beiden Serien entwickelten Ideen findet sich bei der New York Times. Zu Wort kommt darin auch ein Wissenschaftler, der eine – wie ich finde – sehr interessante Perspektive beizusteuern hat…

Kurzkritik: Westworld (Staffel 3)

Sci-Fi/Drama, 2020

Creators: Lisa Joy, Jonathan Nolan; Darsteller: Thandie Newton, Evan Rachel Wood, Tessa Thompson, Ed Harris, Aaron Paul, Vincent Cassel

Worum gehts?
Es hat sich in der letzten Staffel angekündigt – die „Hosts“ aus dem Western-Themenpark brechen aus. Zumindest einige von ihnen, darunter ihre Anführerin Dolores. Die mit den Menschen bekanntlich noch ein Hühnchen zu rupfen hat…

Was soll das?
Nachdem die zweite Staffel für die maximale Verwirrung des Plots ordentlich Kritik einstecken musste, haben die Macher von „Westworld“ kräftig gegengesteuert. Die erste Folge gibt direkt den Ton vor. Es gibt jede Menge Action, Schießereien und Verfolgungsjagden in einer dystopischen Version des Jahres 2058.

Mit dem Veteran Caleb (Aaron Paul) und dem ominösen Serac (Vincent Cassel) werden zwei neue Hauptfiguren eingeführt, die mich beide nur bedingt überzeugen konnten. Dolores, Maeve und die meisten anderen ‚Hosts‘ bleiben der ersten vollständig außerhalb des Parks spielenden Staffel erhalten.

Taugt das was?
Jein. Den abrupte Wechsel von Tonart und Erzähltempo muss man erstmal verdauen. Auch wenn „Westworld“ es in der zweiten Staffel sicher übertrieben hat: die Unberechenbarkeit des Geschehens und der Erzählung waren ein wichtiges Merkmal der Show. Und obwohl auch schon in der letzten Staffel einige Szenen in derselben Zukunft spielten, die jetzt im Zentrum steht, passen die Welten für mich nicht so richtig zusammen.

Der Eindruck eines Bruchs in der Erzählung wird von den neu aus dem Hut gezauberten Figuren noch verstärkt. Die Show entwickelt zwar ihre Motive konsequent weiter, findet aber nie wirklich zu sich. Trotzdem bietet „Westworld“ überdurchschnittlich gute Sci-Fi-Unterhaltung in 8 kurzweiligen Folgen. Man darf gespannt (und auch skeptisch) sein, wie es in der bereits beauftragten vierten Staffel weitergehen wird…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

3/5

Kurzkritik: Succession (Staffel 2)

Drama, 2019

Creator: Jesse Armstrong; Darsteller: Brian Cox, Jeremy Strong, Sarah Snook, Kieran Culkin

Worum gehts?
Der Clan der Roys kämpft weiterhin um die Macht. Nach außen muss die Familie sich gegen feindlich gesinnte Aktionäre verteidigen, nach innen kämpft jeder für sich selbst. Ein in der ersten Staffel angedeuteter Skandal droht den Familienkonzern zur absoluten Unzeit heimzusuchen – mit drastischen Konsequenzen…

Was soll das?
„Succession“ bleibt dem Erfolgsrezept treu. Die Hochglanz-Seifenoper blickt schonungslos hinter die Kulissen der familiären „C-Suite“ von Waystar. Auch die Stärken sind dieselben. Das hohes Erzähltempo, der trotz vieler ungeheuerlicher Entwicklungen plausible Plot. Und – ganz entscheidend – eine ganze Reihe von grundsätzlich verabscheuungswürdigen Figuren, die mit ihren spärlich zu Tage tretenden „redeeming qualities“ um die Gunst des Publikums kämpfen.

Taugt das was?
Ja, „Succession“ ist dabei, sich in einen Platz in der Reihe der großen Fernsehserien des 21. Jahrhunderts zu erkämpfen. Damit das klappt, sollten allerdings noch ein paar ähnlich großartige Staffeln folgen. Die zweite kann nach meinem Dafürhalten das Finale der ersten noch überbieten. Selbiges gilt für den Soundtrack, das Produktionsdesign sowie die herrlich dekadenten Schauplätze.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: Devs

Drama/Sci-Fi, 2020

Regie/Creator: Alex Garland ; Darsteller: Sonoya Mizuno, Nick Offerman, Alison Pill, Zach Gernier

Worum gehts?
Der Freund der jungen Programmierin Lily wird beim ‚Big Tech‘-Unternehmen Amaya in eine mysteriösen Elite-Abteilung namens „Devs“ befördert. Kurz darauf begeht er angeblich Selbstmord, was Lily nicht glauben mag. Und – so viel darf verraten werden, denn das Publikum wird früh Zeuge – auch nicht stimmt. Warum er sterben musste, und woran Amayas melancholisch-charismatischer Chef Forest mit einem engen Kreis Eingeweihter im „Devs“-Projekt arbeitet, darum kreist die Show in den folgenden sieben Episoden…

Was soll das?
Schöpfer und Regisseur Alex Garland (u. a. Autor des Romans „The Beach“, sowie Drehbuchautor/Regisseur von „Ex Machina“ und „Annihilation„) hat mit „Devs“ ein philosophierendes Science-Fiction-Drama geschaffen. Um was es dabei genauer geht spare ich hier lieber aus, da das ohne größere Spoiler unsinnig bis unmöglich erscheint.

Taugt das was?
Absolut. „Devs“ ist eine originelle, spannende und anregende – wenn auch keinswegs perfekte – Serie geworden. An ihr Freude haben wird allerdings nur, wer sich weder an der Kopflastigkeit der zentralen Motive, noch am vergleichsweise beschaulichen Erzähltempo stört. „Devs“ ist ein Highlight des Serienjahres, welches nebenbei erneut beweist, dass das Format der Miniserie im besten Falle eine Fortsetzung oder Weiterentwicklung des Autorenkinos darstellen kann.

Wo kann ich das gucken?
In Deutschland aktuell leider nur über Umwege. Hier kann man prüfen ob sich das geändert hat.

5/5

Kurzkritik: Briarpatch

Krimi/Drama, 2019

Creator: Andy Greenwald; Darsteller: Rosario Dawson, Jay R. Ferguson, Kim Dickens, Edi Gathegi

Worum geht’s?
In der texanischen Kleinstadt San Bonifacio stirbt die junge Polizistin Felicity durch ein Autobombe. Ihre Schwester Allegra (R. Dawson), Ermittlerin aus dem Politikbetrieb in Washington, kehrt zurück in ihre Heimat, um den Schuldigen zu finden. Die Polizei ist keine große Hilfe, und fast jeder Bewohner der Stadt scheint irgendwas zu verheimlichen. Gemeinsam mit dem Anwalt J.D. rekonstruiert Allegra die Vorgeschichte des Mordes, wobei sie immer wieder auch mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird…

Was soll das?
„Briarpatch“ hat offenkundig Ambitionen, mehr als nur ein bloße Krimiserie zu sein. Die Show – produziert von „Mr Robot“-Schöpfer Sam Esmail- nimmt sich Zeit, Szenario und Setting zu entwickeln, und führt eine Reihe ambivalenter Charaktere ein. Zu den vielen Vorbildern und Einflüssen gehören David Lynch, Quentin Tarantino oder auch die Coen-Brüder.

Taugt das was?
Jein. Atmosphärisch, visuell und darstellerisch kann „Briarpatch“ überzeugen. Leider scheitert die Show daran, die durchaus interessanten Figuren, Ansätze und Einflüsse zu einem funktionierenden Gesamtwerk zu verschmelzen. Die Story gefällt sich darin immer wieder neue Haken zu schlagen und Fragen zu stellen, vergisst dabei jedoch, das Publikum emotional mitzunehmen. Aufgrund der bereits erwähnten Qualitäten habe ich es trotzdem bis zum Finale geschafft.

Wo kann ich das gucken?
Aktuell in Deutschland nur über Umwege. Hier prüfen, ob sich das geändert hat.

3/5

Kurzkritik: Succession (Staffel 1)

Drama, 2018

Creator: Jesse Armstrong; Darsteller: Jeremy Strong, Hiam Abbass, Sarah Snook, Brian Cox, Kieran Culkin

Logan Roy, Patriarch eines internationalen Medienkonglomerats, will abtreten. Seine Nachfolge ist geklärt – glaubt zumindest sein Sohn Kendall. Doch ganz so einfach gestaltet sich die „Succession“ dann doch nicht. Neben den vier Kindern mischen im Kampf um die Thronfolge noch andere Player mit. Als Logan plötzlich schwer erkrankt, werden die Karten scheinbar noch einmal ganz neu gemischt..

Die Serie zeichnet ein düsteres, faszinierendes Bild der unheilvollen Dynamik einer dysfunktionalen Familie. Während die Show einerseits die Faszination unserer Gesellschaft mit dem Lifestyle der Superreichen bedient, stellt sie andererseits recht pointiert die Frage, wie er die Menschen prägt – und wie es mit dem Einfluss auf die Politik aussieht.

„Succession“ ist eine niveauvolle Hochglanz-Seifenoper mit psychologischem Tiefgang, einem feinen Gespür für Zeitgeist, unterlegt von einem hervorragenden Score. Weil die „Versuchsanordnung“ des Szenarios überzeugen kann, und auch die Figurenzeichnung zu den Stärken der Show gehört, ergibt sich ein ziemlich hoher Suchtfaktor.

Ich freue mich auf die zweite Staffel, die ich sehr zeitnah angehen werde…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: For All Mankind

Drama/Sci-Fi, 2019

Creators: Ronald D. Moore, Ben Nedivi, Matt Wolpert ; Darsteller: Shantel VanSanten, Joel Kinnaman, Michael Dorman, Sarah Jones, Jodi Balfour

Worum gehts?
„For All Mankind“ spielt in einer alternativen Realität, in der das „Space Race“ zwischen den USA und der Sowjetunion über die erste Mondlandung hinaus in den 1970er Jahren weitergeht.

Was soll das?
Die Serie folgt dem Leben einiger US-Astronauten sowie ihrer Familien. Neben der geopolitischen Rivalität der Großmächte behandelt „For All Mankind“ zunehmend auch gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung und Rassismus – und bietet dazu jede Menge Weltraum-Szenen…

Taugt das was?
Ja. Ich war bezüglich der Prämisse erst skeptisch, aber „For All Mankind“ bietet anspruchsvolle und zum Finale hin immer spannender werdende Unterhaltung. Nach etwas uninspiriertem Start sind es vor allem die Darsteller und Figuren, die die Serie voranbringen.

Wo kann ich das gucken?
Bei Apple TV+

4/5

Kurzkritik: Watchmen

Drama/Fantasy, 2019

Creator: Damon Lindelof; Darsteller: Regina King, Tim Blake Nelson, Jeremy Irons, Jean Smart

Worum gehts?
Der Mord an einem Polizeichef in Oklahoma setzt eine Reihe von Ereignissen in Bewegung. Rechtsextreme Gruppen treffen auf maskierte Polizisten, Superhelden verfolgen eine weit in die Vergangenheit reichende Spur – und das ist noch längst nicht alles…

Was soll das?
„Watchmen“ basiert auf der bereits vor Jahren verfilmten Graphic Novel, bedient sich allerdings nur aus dem darin geschliderten ‚Universum‘ und geht storytechnisch eigene Wege.

Taugt das was?
Sehr viel sogar. Die ersten Folgen von „Watchmen“ stellen in gemächlichem Tempo ein recht bizarres Szenario vor. Dann folgen zwei Episoden, die sich mit der Vergangenheit der (hervorragend entwickelten) Hauptfiguren beschäftigen – sie gehören zu den besten, die das Genre bisher hervorgebracht hat. Und bereiten ein sehenswertes Finale vor, das bei aller Skurrilität sowohl dem Szenario als auch den Figuren gerecht wird. Ich habe eigentlich keine Lust mehr auf Superhelden-Stoffe, aber für „Watchmen“ eine Ausnahme zu machen war definitiv die richtige Entscheidung.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: The Outsider

Drama/Horror, 2020

Creator: Richard Price; Darsteller: Ben Mendelsohn, Cynthia Erivo, Paddy Considine, Julianne Nicholson

Worum gehts?
Ein mysteriöser Mordfall erschüttert die Kleinstadt Cherokee City. Die widersprüchliche Beweislage verwirrt die Ermittler – dann wird der Tatverdächtige selbst ermordet. Und nach einem erneuten Todesfall stellt sich die Frage, ob da eine Kraft am Werk ist, die sich nicht mit konventionellen (wissenschaftlichen) Methoden erklären lässt.

Was soll das?
„The Outsider“ ist die Verfilmung eines Romans von Stephen King. Zentrale Motiv der Show sind Trauer, finstere Doppelgänger und der Kampf gegen eine unbegreifliche Kraft des Bösen. Der Cop Ralph will an letztere nicht glauben, die private Ermittlerin Holly macht ihm das allerdings zunehmend schwerer.

Taugt das was?
Ja. „The Outsider“ ist eine stark gespielte, stimmungsvolle und spannende Krimi-/Horror-/Mysteryserie. An sich ist das nicht ganz mein Genre, und daher bin ich auch kein großer Fan der Auflösung. Doch das hohe handwerkliche Niveau sowie das überzeugende Ensemble machen die Show zu einem lohnenswerten Erlebnis.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Ray Donovan (Staffel 7)

Drama/Krimi, 2019

Creator: Ann Biderman; Darsteller: Liev Schreiber, Eddie Marsan, Kerris Dorsey, Pooch Hall

Worum gehts?
Der Donovan-Clan wird von der Vergangenheit eingeholt, während eine Polizistin nicht aufgibt, die Cop-Killer des letzten Staffel-Finales zu jagen.

Was soll das?
„Ray Donovan“ besinnt sich auf seine Stärken und konzentriert sich auf die Hauptfiguren. Natürlich nicht ohne zahlreiche neue Handlungsstränge aufzumachen, von denen die meisten jedoch eher nach innen gerichtet sind – mitten rein in die vielen schwelenden Konflikte, die Ray, Terry, Butchie, Daryll, Bridget und Micky untereinander und mit sich selbst austragen.

Taugt das was?
Ja, wer der Serie bis hierhin die Treue gehalten hat, der wird nicht enttäuscht werden. Liev Schreiber und der Rest des starken Ensembles sind mit ihren Rollen inzwischen so sehr verwachsen, dass sich „Ray Donovan“ – trotz der nicht enden wollenden Gewalt, aus deren Mitte sich der Clan nicht lösen kann – zu einem ernsthaften und nuancierten Drama entwickelt hat.

Sonst noch was?
Ich habe die komplette Staffel über geglaubt, dass dies die finale Staffel von „Ray Donovan“ ist. Und wähnte die Serie auf dem Weg zu einem guten Finale… Nun wird es wohl noch eine achte Staffel geben, nach der es dann aber auch vorbei sein sollte. Die Show hat es bereits einmal geschafft, sich neu zu erfinden – doch inzwischen haben die Figuren ein echtes Finale verdient.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Die besten Mini-Serien der 2010er Jahre

Mit „Mini-Serien“ meine ich hier all jene TV-Shows, die nicht über mehrere Staffeln hinweg eine Geschichte erzählen. Das schließt also Serien ein, die nur aus einer einzigen Staffel bestehen (z. B. „Chernobyl“), also auch solche, die über mehrere Staffeln unterschiedliche Geschichten aus der selben Reihe erzählen (z. B. „Fargo“).

„Twin Peaks – The Return“ ist ein Sonderfall, die habe ich hier eher aus dem Gefühl heraus einsortiert – wem das lieber ist, der sortiere die Show geistig bitte einfach hier ein…

Und natürlich ist auch die Liste rein subjektiv und naturgemäß unvollständig – schon weil ich nicht im Ansatz alle Mini-Serien der letzten 10 Jahre gesehen habe…


Chernobyl“ (2019) – Wie man aus einer größten Katastrophen der jüngeren Geschichte eine mitreißende, berührende und unglaublich unterhaltsame Serie macht, hat „Chernobyl“ eindrucksvoll bewiesen. Vom ersten Moment bis zum Abspann – über fünfeinhalb Stunden Laufzeit – hat das Publikum selten Zeit zum Luft holen. Ich bin selten von Serien oder Filmen „wie gebannt“, doch bei dieser Serie war das definitiv der Fall.


Twin Peaks – The Return“ (2017) – Ich habe es schon oft kund getan, und tue das auch gern noch einmal. David Lynch, dessen „Twin Peaks“ Anfang der 90er das ‚Qualitätsfernsehen‘ begründete, hat mit dieser Fortsetzung ein bemerkenswertes Biest geschaffen. „The Return“ ist bizarr und kryptisch, gleichzeitig altmodisch und äußerst humorvoll. Vor allem aber ist die Serie unberechenbar, und legt das immense kreative Potential seines Schöpfers offen. Nebenbei ist „Twin Peaks“ wohl die einzige Serie, die es (als Gesamtheit) mit der Komplexität und Rätselhaftigkeit von „Game of Thrones“ aufnehmen kann, wenngleich der Wind hier natürlich aus einer ganz anderen Richtung weht…


Sherlock“ (2010 – 2017 – vielleicht geht es noch weiter…) – Die moderne Neu-Erfindung des bekanntesten aller Detektive ist eine der größten Erfolge der BBC gewesen, die sich im neuen Serien-Universum mit der Serie etablieren konnte. Benedict Cumberbatch glänzt als inselbegabter, arroganter Sonderling, ein neuer Holmes für eine neue Zeit. Dass der spannendere Sherlock nicht im Kino (wer erinnert sich noch an die durchaus erfolgreichen Verfilmungen mit Robert Downey Jr.?), sondern im Fernsehen zu finden war, ist dabei sinnbildlich für die 2010er Jahre.


American Crime Story“ (2016 – ?) – In bisher zwei Staffeln (die dritte folgt in 2020) hat sich die Serie mit berühmten Morden (Nicole Simpson und Gianni Versace) beschäftigt. „American Crime Story“ setzt darauf, jeweils mehrere spannende Perspektiven zu seiner Story einzunehmen. Ziel der Übung ist eher eine zeitgeschichtliche als die kriminalistische Aufklärung (an der Show ist kein „True Crime“-Podcast verloren gegangen). Damit zeigt „Amercian Crime Story“ aud famose Weise, was Fernsehen zu diesen Themen jenseits von sensationslüsternen Pseudo-News und voyeuristischen Reality-Shows bieten kann.

Fargo“ (2014 – ?) – Aus dem Film der Coen-Brüder eine Serie zu machen, die mit diesem nur eine Art ‚geistiges Universum‘ teilt, schien anfangs eine fragwürdige Idee zu sein. Doch „Fargo“ hat in allen drei Staffeln bewiesen, dass das Motiv der Bürger, die in einen schrecklichen Kriminalfall verwickelt werden (oder diesen überhaupt erst auslösen), definitiv ausreicht, um 10-stündige Geschichten darum zu bauen. Die große Kunst besteht hier vor allem in der Zeichnung verschrobener Figuren und der Lust, immer wieder Erwartungen zu unterlaufen.

Auch gut waren: „True Detective“, „Sharp Objects“, „Show Me a Hero“, „Top of the Lake“, „The Night Of“

Kurzkritik: Chernobyl (Mini-Serie)

Drama, 2019

Creator: Craig Mazin; Darsteller: Jared Harris, Stellan Skarsgard, Emily Watson

Worum gehts?
Um die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986.

Was soll das?
Die Serie zeichnet die Geschehnisse des Super-GAUs im Jahre 1986 nach. Von den entscheidenden Momenten im Kontrollraum des Reaktors, über die verzweifelten Versuche der „Rettung“ und Eindämmung der Katastrophe, die fürchterlichen Konsequenzen für die Menschen in der Region, bis zur Informationspolitik der allmächtigen Partei. Dabei beruht die Mini-Serie zu großen Teilen auf dem Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch, in dem vor allem Augenzeugeberichte geschildert werden.

Taugt das was?
Jawoll. Die gekonnte Verdichtung der Geschehnisse bietet gleichzeitig eine (zumindest gefühlt) umfassende Schilderung der Katastrophe. Der dokumentarische Stil ist eingebettet in ein mitreißendes Drehbuch. Im Zentrum stehen ein Wissenschaftler und ein ihm zur Seite gestellter Parteifunktionär. Gemeinsam versuchen sie, das Schlimmste zu verhindern. Die Beziehung zwischen diesen beiden dient auch als emotionales Zentrum.

„Chernobyl“ ist voll von erschreckenden, verstörenden, schockierenden und herzzerreissend traurigen Bildern. Und dabei spannend wie ein Thriller. Hauptdarsteller Jared Harris übertrifft sich dabei selbst – was gar nicht so leicht ist, wenn man ihn in „Mad Men“ oder „The Terror“ gesehen hat. Insgesamt ist das Schauspieler-Ensemble überragend.

Sonst noch was?
Ein kleiner Wermutstropfen dabei: Die Serie nimmt sich mehr „künstlerische Freiheiten“ als meines Erachtens nötig gewesen wäre, um die packende Geschichte zu erzählen. Da wird nicht nur verdichtet, sondern auch dazugedichtet, vereinfacht und verändert. Das ist nicht ungewöhnlich bei Verfilmungen dieser Art, erhält aber ein bisschen ein Geschmäckle, wenn die Serie am Ende den unschätzbaren Wert der Wahrheit preist…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

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