Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Kurzkritik: I May Destroy You

Drama, 2020

Creator: Michaela Coel; Darsteller: Michaela Coel, Weruche Opia, Paapa Essiedu

Worum gehts?
Die aufstebende junge Autorin Arabella (M. Coel) lebt mit ihren zwei besten Freunden in London und schreibt an einem Roman. Als sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wird entzieht das ihrer weitgehend sorglosen Existenz den Boden.

Was soll das?
„I May Destroy You“ zeigt die Welt großstädtischer Millenials, die drei Hauptfiguren stammen aus der Karibik bzw. aus Afrika. Im Zentrum steht ihr Umgang mit Sex und Beziehungen, aber es geht auch um die Rolle der Geschlechter, die sozialen Medien sowie den latenten Rassismus der Gesellschaft. Es geht also so ziemlich um alles, was die Welt aktuell bewegt (mit Ausnahme der Corona-Pandemie).

Taugt das was?
Ja, tut es. Schöpferin Michaela Coel gelingt es, die Figuren und ihre Geschichten nicht als offensichtliche Versuchsanordnung zu inszenieren. Sondern einen Alltag (wenn auch einen sehr ereignisreichen) zu porträtieren, in dem sich die Dinge aus sich selbst heraus entwickeln. Die schonungslose Offenheit der Darstellung/Inszenierung ist nicht immer leicht zu ertragen, für das Gelingen von „I May Destroy You“ aber von großer Bedeutung.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Rückblick: TV-Serien 2020 [Update – 3.1.21]

Beste fortgesetzte Serien

Man sieht es dieser Liste schon an – es wird langsam dünne. Wirklich viele Shows, die mir richtig gut gefallen und fortgesetzt werden, gibt es nicht mehr. Mal sehen, ob einige der neuen Serien (siehe weiter unten) nächstes Jahr hier zu finden sein werden…

Auch nicht verkehrt: Westworld (Staffel 3), Homecoming (Staffel 2)
Enttäuschung des Jahres: The Sinner (Staffel 3)

Beste neue Serien & Miniserien

Bei den meisten hier genannten Serien ist eine Fortsetzung eher unwahrscheinlich. Was natürlich schade ist. Andererseits wären viele sicher nicht in der Liste gelandet, wenn sie ihre Geschichte nicht so überzeugend „zu Ende“ erzählt hätten.

Auch nicht verkehrt: Briarpatch, High Fidelity, I Know This Much is True, The Haunting of Bly Manor, The Madalorian (Staffel 1), The Undoing

Enttäuschungen des Jahres: Raised by Wolves, Ratched, Away

Serien-Ausblick 2021

Fortgesetzte Serien

  • American Crime Story (Staffel 3 – FX, Start in DE unklar)
    Diesmal geht es um den Clinton-Lewinsky-Skandal – und also anders als bei den ersten beiden Staffeln (OJ Simpson und Versace) nicht um einen Mordfall…
  • Barry (Staffel 3 – Sky)
    Ich kann mich dunkle erinnern, dass Staffel 2 sehr gut war. Und die Sache sich gefährlich zugespitzt hat…
  • Better Call Saul (Staffel 6 – Netflix)
    Die finale Staffel wird – wie auch immer – wohl den Anschluss zu „Breaking Bad“ herstellen. Und obwohl dadurch eigentlich das „Ende“ klar ist, wird es sicher noch mal mächtig spannend werden.
  • For All Mankind (Staffel 2 – Apple TV+)
    Wie es bei dem „Space Race“ im Paralleluniversum dieser Show weitergeht, darüber ist mir nichts bekannt. Im Januar wissen wir es genauer…
  • Ozark (Staffel 4 – Netflix)
    Auch für „Ozark“ geht in die letzte Runde – hoffentlich nimmt man den Schwung der hervorragenden dritten Staffel direkt mit.
  • Succession (Staffel 3 – Sky)
    Mit „Succession“ hat HBO mal wieder einen echten Hit gelandet, in Deutschland wird die Show wohl wieder bei Sky laufen. Nach dem grandiosen Finale von Staffel 2 sind die Erwartungen sehr hoch.
  • Teheran (Staffel 2 – Apple TV+)
    Ob es wirklich eine zweite Staffel geben wird ist noch nicht offiziell bestätigt. Aber die Produzenten sind optimistisch und für Apple würde es ebenfalls Sinn machen, diese von Kritik und Publikum geschätzte Show im Programm zu behalten…

Neue Serien

  • Your Honor (läuft seit dem 6.12.20 in den USA bei Showtime)
    Trailer
  • Foundation (Apple TV+)
    Verfilmung von Isaac Asimovs brühmter Sci-Fi-Reihe.
    Trailer
  • The Peripheral (Amazon Prime)
    Verfilmung von William Gibsons gleichnamigem und absolut großartigem Roman.
  • Tokyo Vice (HBO/Sky)
    Michael Mann macht 30 Jahre nach „Miami Vice“ nun auch „Tokyo Vice“. Und ich glaube, die Serie wird etwas weniger albern werden als der „Vorgänger“.
  • Slow Horses (Apple TV+)
    Wie Arsch auf Eimer passt mindestens die Besetzung von Gary Oldman als Jackson Lamb, dem Antihelden in der „Slow Horses“-Reihe von Mick Herron. Lamb ist der Chef einer Reihe von aussortierten Agenten des britischen Geheimdienste.

Kurzkritik: The Good Lord Bird

Drama, 2020

Creator: Ethan Hawke; Darsteller: Ethan Hawke, Joshua Caleb Johnson, Daveed Diggs

Worum gehts?
John Brown ist ein Mann Gottes und Anführer einer Miliz, die in den Jahren vor dem amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Sklaverei in den Südstaaten der USA kämpft. Browns Taktik ist die eines Guerillas, sein Ruf eilt ihm voraus, seine Gegner wissen nie, wo er als nächstes auftauchen wird. Angesichts der überschaubar großen Truppe müssen sich die Eliten der Südstaaten allerdings auch keine allzu großen Sorgen machen. Doch Brown ist ein begnadeter Redner, der gut vernetzt ist – er sammelt im Norden Verbündete und Gelder, um seine Schlagkraft an der ‚Front‘ zu maximieren. Sein größter Coup soll der Überfall auf ein Waffenlager in Virginia werden – als Startschuss für eine Rebellion von Sklaven und Abolitionisten aus dem Norden.

Was soll das?
„The Good Lord Bird“ basiert auf wahren Begebenheiten – erstaunlich viele Ereignisse in der Serie (die auf dem gleichnamigen Roman von Jamens McBride basiert) haben wirklich stattgefunden. Erfunden ist dagegen die Figur von „Little Onion“, dem schwarzen Teenager, aus dessen Sicht die Serie erzählt wird. Schauspieler Ethan Hawke, der auch als „Creator“ der Serie fungiert, stürzt sich mit Leib und Seele in die Darstellung Browns – was das bedeutet, kann man ziemlich gut erahnen, wenn man den Trailer schaut.

Taugt das was?
Ja. „The Good Lord Bird“ erzählt ein außergewöhnliches und mitreißendes Kapitel aus der US-Geschichte. Weil sich die Story dabei auf die Figuren konzentriert und mit viel Humor erzählt wird, ist die Show alles andere als eine trockene Lehrstunde. Woran auch die durchweg starken Darsteller einen großen Anteil haben. Insgesamt eine der besten Serien des Jahres.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Der Pass

Krimi/Drama, 2019

Creators: Cyrill Boss, Philipp Stennert; Darsteller: Julia Jentzsch, Nicolas Ofczarek, Franz Hartwig, Hanno Koffler

Worum gehts?
Im Grenzgebiet zwischen dem Salzburger und Berchtesgadener Land – genauer: genau auf der Grenze – wird ein Toter gefunden. Polizeibeamte beider Länder müssen zusammen ermitteln. Auf deutscher Seite ist die junge Kommissarin Ellie Stocker im Einsatz, die Österreicher schicken den aus Wien zwangsversetzen Gedeon Winter. Das ungleiche Duo (Stocker ist unverbraucht und engagiert, Winter ein versoffener Zyniker, gegen den eine interne Ermittlung läuft) muss bald erkennen, dass man es mit einem Serienkiller zu tun hat. Die Spur führt in eine sektenartige Kommune…

Was soll das?
Die Deutsch-Österreichische Co-Produktion für Sky hat offensichtlich richtig Geld gekostet. „Der Pass“ braucht den Vergleich mit Kinofilmen nicht zu fürchten. Dem Serienkiller-Genre gewinnt die Show nicht unbedingt viel Neues ab, variiert aber sehr gekonnt Themen und Motive. Dass man sich dabei auf wenige Figuren beschränkt hilft auf jeden Fall. Ein „Whodunnit“ ist die Serie nicht, Täter und Ermittler werden früh in parallelen Erzählsträngen bei Ihrer „Arbeit“ begleitet.

Taugt das was?
Wie oben schon erwähnt: ja. Mir haben die Schauspieler (insbesondere Nicolas Ofczarek) gut gefallen. Da ich so gut wie nie deutsche Filme oder Serien gucke sind das für mich ja fast alles unverbrauchte Gesichter. Wer gute Krimiserien mag, macht hier nichts falsch. Wie man liest, ist eine zweite Staffel geplant, die Anfang kommenden Jahres anlaufen soll.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Fargo (Staffel 4)

Drama/Krimi, 2020

Creator: Noah Hawley ; Darsteller: Chris Rock, Jessie Buckley, Ben Wishaw, Jason Schwartzman, Timothy Olyphant

Worum gehts?
Kansas City, anno 1951. Das organisierte Verbrechen der Stadt besteht aus der italienstämmigen „Familie“ der Faddas, neuerdings haben auch die Afro-Amerikaner mit ihrem Anführer Loy Cannon ein Wörtchen mitzureden. Der Frieden ist bereits brüchig, als der Patriarch der Faddas stirbt – oder besser ermordet wird. Bald eskaliert die Gewalt zwischen den Gruppen, mittendrin finden sich eine Krankenschwester mit Vorliebe für ungewollte Giftspritzen, zwei geflohene Sträflinge aus dem Frauenknast und eine Familie von Bestattungsunternehmern.

Was soll das?
In der mittlerweile vierten Staffel der Show geht es vom Lande in die Großstadt. Der Ton allerdings ist weitgehend der selbe, auch die Vorliebe für pointierte Dialoge, verschrobene Charaktere und urplötzlich ausbrechenden Gewalttätigkeiten ist geblieben. Natürlich sind wieder Verweise auf das Original (den Film von 1996) sowie andere Werke der Coen-Brüder zu finden.

Taugt das was?
Ja. Die Show hat weiterhin Klasse und lässt in Punkto Darsteller, Optik und Produktionsdesign den Großteil der „Konkurrenz“ weit hinter sich. Mir hat jede einzelne Folge viel Spaß gemacht, herauszuheben ist vor allem die neunte – ein ungewöhnlicher Roadtrip mit äußerst überraschendem Ende. Was der Staffel fehlt ist allerdings eine Figur, die zur Identifikation einlädt. Die Tochter der Bestattungsunternehmer (die auch die Rahmenhandlung erzählt) ist nicht zentral genug. Die vielen Cops und Gangster passen nicht zu dem „Fargo“-Prinzip, dass es unbescholtene bis unglücklich agierende Bürger sind, deren Blick man als Zuschauer teilt. Insgesamt gehört die Staffel aber immer noch zu den besten des Jahres.

Wo kann ich das gucken?
Bei JoynPlus.

4/5

Kurzkritik: The Undoing (Miniserie)

Gerichtsdrama/Krimi, 2020

Creator: David E. Kelley, Regie: Susanne Bier; Darsteller: Hugh Grant, Nicole Kidman, Donald Sutherland, Noma Dumezweni

Worum gehts?
Grace und Jonathan Fraser (Kidman & Grant) sind ein wohlhabendes New Yorker Ehepaar. Sie ist Psychologin, er Kinderarzt an einer Krebsstation. Ihre heile Welt zerbricht, als Jonathan des Mordes an der attraktiven Mutter eines seiner Patienten bezichtig wird – und die Beweise tatsächlich kaum einen anderen Schluss zulassen…

Was soll das?
„The Undoing“ ist ein ‚Whodunit‚ im Hochglanzformat. Das Publikum ist eingeladen zu rätseln, ob Jonathan wirklich der Täter ist, wobei die Show einige Zweifel säht und auch alternative Verdächtige anbietet. Ähnlich rätseln muss auch die schockierte Grace, deren Anwesenheit im Gerichtsprozess nicht zuletzt wegen ihrer Wirkung auf die Jury von großer Bedeutung ist.

Taugt das was?
Jein. Die Show ist größtenteils sehr unterhaltsam und kurzweilig, außerdem gut besetzt und gespielt, insbesondere von Hugh Grant. Ein Problem ist, dass Grant als einziger eine interessante Figur spielen darf, die anderen Schauspieler bekommen nicht sehr viel spannendes zu tun. Zudem macht „The Undoing“ einige vielversprechende Schritte, das Geschehen in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu bringen, lässt diese aber gegen Ende einfach liegen. Und ohne hier Spoilern zu wollen – wer fünf Folgen lang durchaus gekonnt ein solches Szenario aufbaut, der muss sich bei der Auflösung am Ende unbedingt was besseres einfallen lassen…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

3/5

Kurzkritik: Teheran

Thriller/Drama, 2020

Creators: Dana Eden, Maor Kohn; Darsteller: Niv Sultan, Shaun Toub, Shervin Alenabi, Navid Negahban

Worum gehts?
Der israelische Geheimdienst plant eine Mission in Teheran. Im Zentrum steht eine junge Agentin Tamar, die dafür in das Rechenzentrum eines Kraftwerks eindringen soll. Als dabei jemand stirbt überschlagen sich die Ereignisse. Tamar taucht unter, doch ein iranischer Agent ist ihr auf den Fersen.

Was soll das?
Die Serie stürzt sich quasi „auf Arbeitsebene“ in das Treiben der Geheimdienste im Nahen Osten. Dabei ist die Serie tatsächlich recht unpolitisch, wobei das iranische Regime grundsätzlich deutlich schlechter wegkommt als der Staat Israel. Der Show geht es aber vor allem um die Agenten im Feld und ihre Mission. Neben falschen Identitäten, Erpressungsversuchen, Doppelagenten, und Kollateralschäden unter Zivilisten wird auch die komplizierte Familiengeschichte einiger Figuren thematisiert.

Taugt das was?
Unbedingt. Von der der ersten Folge an ist „Teheran“ extrem spannend und legt ein hohes Tempo vor. Parallel werden aber auch die Figuren mit Bedacht eingeführt und entwickelt, so dass sich unterhalb der spannenden Thrillerhandlung auch ein glaubwürdiges Drama entfalten kann. Ich hoffe schwer, dass die erste Staffel hier nur der Auftakt war – eine Bestätigung dazu steht seitens der Produzenten bisher allerdings noch aus.

Wo kann ich das gucken?
Bei Apple TV+.

5/5

Nachgeholt: „The Alienist“

„The Alienist“ ist ein solider Beitrag zum beliebten Serienkiller-Genre. Brutal, spannend und gut gespielt kreist die Serie um Daniel Brühl als feinsinnig-verschrobenen Professor der Psychologie, der mit einem erlauchten Kreis von Helfern einen Mörder in New York City anno 1895 zur Strecke bringen will. Für Fans von „From Hell“ oder „The Knick“ auf jeden Fall einen Blick wert, wobei „The Alienist“ leider nicht ganz deren Klasse und Virtuosität mitbringt.

Zu sehen bei Netflix (zwei Staffeln).

Kurzkritik: Lovecraft Country

Horror/Drama, 2020

Creator: Misha Green; Darsteller: Jonathan Majors, Jurnee Smollett, Wunmi Mosaku, Abbey Lee, Michael Kenneth Williams

Worum gehts?
Basierend auf Vorlagen und Motiven von H. P. Lovecraft (einem berühmten Autor von Horror-Literatur, von dessen Werk ich keinen blassen Schimmer habe) erzählt „Lovecraft Country“ eine ausladende Geschichte, der zu folgen gar nicht so leicht ist. Neben Zaubereien und Flüchen ist es die Geschichte einer schwarzen Familie in den Wirren des 20. Jahrhunderts, die vor allem mit dem allgegenwärtigen Rassismus im Lande zu kämpfen hat…

Was soll das?
Um das zu beantworten müsste man wohl wenigstens einen Teil der Vorlagen kennen. So, wie es aussieht, ist „Lovecraft Country“ vor allem der Versuch, aus vielen interessanten (aber auch bekannten) Motiven etwas Neues zu kreieren. Die Serie nimmt den Zeitgeist quasi mit in die Vergangenheit, und das in einem Genre, das bisher nicht durch prestigeträchtige Serien aus dem Hause HBO („Sopranos“, „Game of Thrones“) aufgefallen ist.

Taugt das was?
Ja. Meine Sehgewohnheiten als ‚Horror bitte nur im Notfall‘!-Gucker wurden ordentlich durchgeschüttelt, und wie oben vermerkt war ich nicht ernsthaft in der Lage dem Plot zu folgen. „Lovecraft Country“ ist ein Spektakel, mit tollen Darstellern, starken Bildern und einer Story, die bei allem Hokuspokus (sowie viel Blut und nackter Haut) vor allem auf die Figuren setzt. Egal, ob da nun eine zweite Staffel kommt, oder das Ganze einfach so stehen bleibt: es hat mir Spaß gemacht.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Away

Drama/Sci-Fi, 2020

Creator: Andrew Hinderaker; Darsteller: Hilary Swank, Josh Charles, Mark Ivanir, Vivian Wu

Worum gehts?
Eine internationale Crew unter Führung der Kommandantin Emma Green (Swank) startet die erste Mars-Mission der Menschheit. Zwischen den 5 Astronauten aus China, UK, den USA, Indien und Russland kommt es dabei zu einigen Spannungen, zumal die Reise nicht ganz reibungslos verläuft. Und auch auf der Erde ist für reichlich Drama gesorgt, hier konzentriert sich die Serie vor allem auf Emmas Tochter und ihren Ehemann Matt. Der ist selbst bei der NASA tätig und hat kurz vor dem Start einen folgenschweren Unfall…

Was soll das?
„Away“ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie zuletzt „For All Mankind“, und verbindet eine aufregende Expedition ins Weltall mit den persönlichen Schicksalen der Astronauten. Hier allerdings ist es keine „Alternate History“, sondern eine von unserer Gegenwart nicht zu unterscheidende. Nur, dass eben eine bemannte Mars-Mission möglich ist…

Taugt das was?
Leider nein. Die Show hat ein paar gute und interessante Ansätze, verliert sich aber immer wieder in Rührseligkeit und platter Küchenpsychologie. Die Beziehungen unter den Crew-Mitgliedern haben was übertrieben pädagogisches, die Dialoge sind oft von beinahe unbeholfen wirkender Sentimentalität. Die Offenherzigkeit mag Methode haben (und hebt „Away“ stark von den unzähligen zynischen und schwarzhumorigen Serien ab), aber mir war es einfach zu viel. Es hilft auch nicht, dass die Spannungsbögen (innere wie äußere) dem immergleichen Muster folgen.

Wo kann ich das gucken?
Bei Netflix.

2/5

Kurzkritik: Better Call Saul (Season 5)

Drama/Comedy, 2020

Creator: Vince Gilligan; Darsteller: Rhea Seehorn, Bob Odenkirk, Tony Dalton, Jonathan Banks

Worum gehts?
Die Lage im „Breaking Bad“-Sequel spitzt sich zu. Saul aka Jimmy gerät zunehmend in den Dunstkreis des organisierten Verbrechens – woran er natürlich keineswegs unschuldig ist. Auch bei Kim ist ordentlich Bewegung drin, nicht nur im Bezug auf ihre Beziehung zu Jimmy, sondern auch beruflich – wo die beiden eine richtungsweisende Auseinandersetzung austragen.

Was soll das?
„Better Call Sall“ geht auf die Zielgerade. Die sechste Staffel wird die letzte sein, und sehr wahrscheinlich einen direkten Anschluss zur Handlung von „Breaking Bad“ herstellen. Die Weichen dafür sind mittlerweile gestellt. Ohne zu spoilern lässt sich aber festhalten, dass der Weg nur für wenige Figuren (wie Fring oder Mike) vorgezeichnet scheint. Die spannendste Frage ist sicherlich die nach Kims Schicksal…

Taugt das was?
In einer an starken Staffeln nicht armen Serie ist diese die bisher stärkste. Das Tempo hat leicht angezogen, ist aber noch unverkennbar „Better Call Saul“ – ein steter Sog, ein langsames Driften in Richtung des unvermeidlichen (moralischen) Abgrunds. Eines von vielen Highlights ist Tony Dalton als Lalo Salamanca, dem es gelingt in dieser extrem stark besetzten Show noch positiv aufzufallen. Hut ab!

Wo kann ich das gucken?
Bei Netflix.

4/5

Nachgeholt: „Servant“ und „The Politician“

Die Filmflaute hält ja leider an, daher habe ich zuletzt zwei ältere Serien nachgeholt.

Da wäre zum einen „Servant„, seit Herbst zu sehen bei Apple TV +. M. Night Shyamalan („The 6th Sense“, „Split“) zeichnet als Produzent sowie bei zwei Folgen als Regisseur verantwortlich. Die Show wandelt auf einem schmalen Grad zwischen Drama, Horror und Mystery, was angesichts von Shyamalans Beteiligung nicht überrascht.

Die Handlung kreist um das Ehepaar Dorothy und Sean Turner in Philiadelphia, welches einen schrecklichen Schicksalsschlag verkraften muss. Ohne zuviel – mehr als den Inhalt der ersten Folge – zu verraten: der Verlust ihres wenige Monate alten Sohnes wirft Dorothy so sehr aus der Bahn, dass die Familie kurzerhand eine Puppe als Ersatz ins Rennen schickt. Tatsächlich funktioniert der Schwindel – auch dann noch, als die Turners die junge Nanny Leanne einstellen. Doch kaum ist Leanne da, ist aus der Puppe wieder ein echtes Baby geworden. Worüber Sean natürlich nicht schlecht staunt, ohne das Rätsel so schnell auflösen zu können…

„Servant“ steckt voller rätselhafter Andeutungen, mischt unter anderem biblische Motive in sein Psycho-Drama/Horror-Szenario. Seans exquisite – aber nicht immer sehr appetitliche – Kochkünste nehmen eine zentrale Rolle ein, ebenso wie Dorothys Job als Moderatorin eines lokalen News-Kanals und Leannes ominöse Identität/Vergangenheit.

*SPOILER* – Die Serie ist handwerklich ausgezeichnet und sehr gut gespielt. Die Spannung wird stetig gesteigert, in Rückblicken erfährt das Publikum die Hintergründe der initialen Tragödie. Leider werden die vielen Andeutungen und Mysterien in der ersten Staffel nur halbherzig aufgeklärt. Das Finale bietet zwar durchaus einen Paukenschlag, vertröstet bezüglich der meisten offenen Fragen aber auf die (bereits beauftragte) zweite Staffel. Das enttäuscht dann doch beträchtlich. Insbesondere mit Blick auf die Tatsache, dass Shyamalan immer sehr gut darin war, Suspense aufzubauen – nur um dann mit einer Auflösung um die Ecke zu biegen, die diesen Namen kaum verdient…

Ich bin daher eher skeptisch, dass ich mir die zweite Staffel noch zu Gemüte führe. Lediglich die Tatsache, dass Shyamalan nicht der Autor von „Servant“ ist könnte mich noch mal umstimmen…

+++

Mehr Spaß gemacht haben mir dagegen die ersten beiden Staffeln von Netflix‘ „The Politician„. Titelfigur ist Payton Hobart, Adoptivsohn stinkreicher Eltern in Hollywood. Der extrem ehrgeizige und charmante Außenseiter kennt schon in der Highschool nur ein Ziel – sich wählen zu lassen.

Der Serie gelingt es, zwischen Comedy, Drama, Politikrimi und Satire ihre eigene Nische zu finden. Das Tempo ist hoch, die Figuren sind sehr gut geschrieben und die Dialoge pointiert. „The Politician“ ist gleichzeitig ein Angriff auf und eine Verteidigung des ‚American Way of Life‘. Rassismus, soziale Ungerechtigkeit oder die Verlogenheit des Politikbetriebs werden thematisiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger und mit feinem Gespür für die Widersprüche unserer Zeit.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie „The Politician“ das rasante Erzähltempo halten und dabei den Tanz auf dem Drahtseil des Zeitgeistes weiterführen kann. Meine Begeisterung für Polit-Serien ist nach den umrühmlichen späten Staffeln von „Homeland“ und „House of Cards“ weitgehend verflogen, aber dieser (deutlich komödiantischeren) Show halte ich sicherlich erstmal die Treue…

Kurzkritik: I Know This Much Is True

Drama, 2020

Regie: Derek Cianfrance; Darsteller: Mark Ruffalo, Kathryn Hahn, Melissa Leo, Imogen Poots

Worum gehts?
„I Know This Much Is True“ erzählt die Geschichte der Zwillinge Dominic und Thomas Birdsey (in einer Doppelrolle: Mark Ruffalo) im US-Bundesstaat New York. Von ihrer schwierigen Kindheit über die Herausforderungen des College-Lebens bis in die Gegenwart (Anfang der 90er), in der Thomas‘ immer schwerer werdende Schizophrenie die beiden vor die schwerste Probe ihres Lebens stellt.

Was soll das?
Die Miniserie arbeitet sich an den ganz großen Themen des Lebens ab – Familie, Verlust, Loyalität, Krankheit, Identität, Kindheitstrauma. Nach einem Paukenschlag direkt zu Beginn entwickelt sich „I Know This Much Is True“ zum Psychogramm der Zwillinge, inklusive Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend, sowie ins Leben ihres aus Italien eingewanderten Großvaters. TeGrenze zum Tränenporno; über weite Teile eine einzige, schwer verdauliche Abwärtsspirale; Ruffalos Darstellung ist exzellent und bewahrt „I Know This Much Is True“ davor, komplett in Melancholie und Sentimentalität zu versinken..

Taugt das was?
Mark Ruffalos Darstellung von Dominic und Thomas ist definitiv sehenswert. Damit bewahrt der die Serie (knapp) davor, in dem Meer von herben Schicksalsschlägen und negativen Ereignissen komplett abzusaufen, aus denen die Story im Wesentlichen besteht. Mir persönlich hat „I Know This Much Is True“ zwar gefallen, ich war aber ob der leichten Überdosis Weltschmerz auch froh, als es vorbei war.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

3/5

Kurzkritik: Homecoming (Season 2)

Drama/Thriller, 2020

Creator: Micah Bloomberg, Eli Horowitz, Sam Esmail; Darsteller: Stephan James, Hong Chau, Janelle Monae, Chris Cooper

Worum gehts?
Eine junge Frau wacht mit Gedächtnisverlust allein in einem Ruderboot auf. Als sie ihre eigene Spur zurückverfolgt, stößt sie auf die undurchsichtigen Machenschaften der Geist-Corporation. In Rückblenden erfährt das Publikum, wie sich das Puzzle zusammensetzt, bis sich die Zeitsträhle zum Finale treffen…

Was soll das?
Die zweite Staffel nimmt den Erzählfaden der ersten nahtlos auf, tauscht dabei aber den Großteil der Figuren aus. Ausnahme ist Veteran Walter Cruz, der sich nach dem Ende des Behandlungsprogramms für Veteranen bald in Polizeigewahrsam wiederfindet.

Taugt das was?
Absolut. Trotz meiner anfänglichen Skepsis konnte mich „Homecoming“ erneut überzeugen. Die Mischung aus modernem Geschichtenerzählen und klassischen filmischen Mitteln sorgt für Spannung, Soundtrack und Bilder haben Klasse, und auch die Darsteller überzeugen. In seinen besten Momenten erinnert das Ganze – sicher nicht zufällig – an „A Scanner Darkly„.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

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