Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Die besten Mini-Serien der 2010er Jahre

Mit „Mini-Serien“ meine ich hier all jene TV-Shows, die nicht über mehrere Staffeln hinweg eine Geschichte erzählen. Das schließt also Serien ein, die nur aus einer einzigen Staffel bestehen (z. B. „Chernobyl“), also auch solche, die über mehrere Staffeln unterschiedliche Geschichten aus der selben Reihe erzählen (z. B. „Fargo“).

„Twin Peaks – The Return“ ist ein Sonderfall, die habe ich hier eher aus dem Gefühl heraus einsortiert – wem das lieber ist, der sortiere die Show geistig bitte einfach hier ein…

Und natürlich ist auch die Liste rein subjektiv und naturgemäß unvollständig – schon weil ich nicht im Ansatz alle Mini-Serien der letzten 10 Jahre gesehen habe…


Chernobyl“ (2019) – Wie man aus einer größten Katastrophen der jüngeren Geschichte eine mitreißende, berührende und unglaublich unterhaltsame Serie macht, hat „Chernobyl“ eindrucksvoll bewiesen. Vom ersten Moment bis zum Abspann – über fünfeinhalb Stunden Laufzeit – hat das Publikum selten Zeit zum Luft holen. Ich bin selten von Serien oder Filmen „wie gebannt“, doch bei dieser Serie war das definitiv der Fall.


Twin Peaks – The Return“ (2017) – Ich habe es schon oft kund getan, und tue das auch gern noch einmal. David Lynch, dessen „Twin Peaks“ Anfang der 90er das ‚Qualitätsfernsehen‘ begründete, hat mit dieser Fortsetzung ein bemerkenswertes Biest geschaffen. „The Return“ ist bizarr und kryptisch, gleichzeitig altmodisch und äußerst humorvoll. Vor allem aber ist die Serie unberechenbar, und legt das immense kreative Potential seines Schöpfers offen. Nebenbei ist „Twin Peaks“ wohl die einzige Serie, die es (als Gesamtheit) mit der Komplexität und Rätselhaftigkeit von „Game of Thrones“ aufnehmen kann, wenngleich der Wind hier natürlich aus einer ganz anderen Richtung weht…


Sherlock“ (2010 – 2017 – vielleicht geht es noch weiter…) – Die moderne Neu-Erfindung des bekanntesten aller Detektive ist eine der größten Erfolge der BBC gewesen, die sich im neuen Serien-Universum mit der Serie etablieren konnte. Benedict Cumberbatch glänzt als inselbegabter, arroganter Sonderling, ein neuer Holmes für eine neue Zeit. Dass der spannendere Sherlock nicht im Kino (wer erinnert sich noch an die durchaus erfolgreichen Verfilmungen mit Robert Downey Jr.?), sondern im Fernsehen zu finden war, ist dabei sinnbildlich für die 2010er Jahre.


American Crime Story“ (2016 – ?) – In bisher zwei Staffeln (die dritte folgt in 2020) hat sich die Serie mit berühmten Morden (Nicole Simpson und Gianni Versace) beschäftigt. „American Crime Story“ setzt darauf, jeweils mehrere spannende Perspektiven zu seiner Story einzunehmen. Ziel der Übung ist eher eine zeitgeschichtliche als die kriminalistische Aufklärung (an der Show ist kein „True Crime“-Podcast verloren gegangen). Damit zeigt „Amercian Crime Story“ aud famose Weise, was Fernsehen zu diesen Themen jenseits von sensationslüsternen Pseudo-News und voyeuristischen Reality-Shows bieten kann.

Fargo“ (2014 – ?) – Aus dem Film der Coen-Brüder eine Serie zu machen, die mit diesem nur eine Art ‚geistiges Universum‘ teilt, schien anfangs eine fragwürdige Idee zu sein. Doch „Fargo“ hat in allen drei Staffeln bewiesen, dass das Motiv der Bürger, die in einen schrecklichen Kriminalfall verwickelt werden (oder diesen überhaupt erst auslösen), definitiv ausreicht, um 10-stündige Geschichten darum zu bauen. Die große Kunst besteht hier vor allem in der Zeichnung verschrobener Figuren und der Lust, immer wieder Erwartungen zu unterlaufen.

Auch gut waren: „True Detective“, „Sharp Objects“, „Show Me a Hero“, „Top of the Lake“, „The Night Of“

Kurzkritik: Chernobyl (Mini-Serie)

Drama, 2019

Creator: Craig Mazin; Darsteller: Jared Harris, Stellan Skarsgard, Emily Watson

Worum gehts?
Um die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986.

Was soll das?
Die Serie zeichnet die Geschehnisse des Super-GAUs im Jahre 1986 nach. Von den entscheidenden Momenten im Kontrollraum des Reaktors, über die verzweifelten Versuche der „Rettung“ und Eindämmung der Katastrophe, die fürchterlichen Konsequenzen für die Menschen in der Region, bis zur Informationspolitik der allmächtigen Partei. Dabei beruht die Mini-Serie zu großen Teilen auf dem Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch, in dem vor allem Augenzeugeberichte geschildert werden.

Taugt das was?
Jawoll. Die gekonnte Verdichtung der Geschehnisse bietet gleichzeitig eine (zumindest gefühlt) umfassende Schilderung der Katastrophe. Der dokumentarische Stil ist eingebettet in ein mitreißendes Drehbuch. Im Zentrum stehen ein Wissenschaftler und ein ihm zur Seite gestellter Parteifunktionär. Gemeinsam versuchen sie, das Schlimmste zu verhindern. Die Beziehung zwischen diesen beiden dient auch als emotionales Zentrum.

„Chernobyl“ ist voll von erschreckenden, verstörenden, schockierenden und herzzerreissend traurigen Bildern. Und dabei spannend wie ein Thriller. Hauptdarsteller Jared Harris übertrifft sich dabei selbst – was gar nicht so leicht ist, wenn man ihn in „Mad Men“ oder „The Terror“ gesehen hat. Insgesamt ist das Schauspieler-Ensemble überragend.

Sonst noch was?
Ein kleiner Wermutstropfen dabei: Die Serie nimmt sich mehr „künstlerische Freiheiten“ als meines Erachtens nötig gewesen wäre, um die packende Geschichte zu erzählen. Da wird nicht nur verdichtet, sondern auch dazugedichtet, vereinfacht und verändert. Das ist nicht ungewöhnlich bei Verfilmungen dieser Art, erhält aber ein bisschen ein Geschmäckle, wenn die Serie am Ende den unschätzbaren Wert der Wahrheit preist…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Die besten Serien der 2010er Jahre

Bevor jemand danach fragt, starte ich lieber gleich mal mit der Definition von „Serien der 2010er Jahre“. Die letzte Staffel muss bis 2019 gelaufen sein (daher fehlt alles, was im kommenden Jahr noch fortgesetzt wird), und der größte Teil der Serie muss in den 2010er Jahren entstanden sein.

Die Auswahl hier erhebt selbstredend keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist meine rückblickende Meinung auf die Serien der letzten 10 Jahre – nicht mehr, und nicht weniger.

Die besten Serien (mit durchlaufenden Staffeln)

In alphabetischer Reihenfolge.

Breaking Bad“ (2008 – 2013) – Die grundlegende Prämisse dieser Serie (krebskranker Chemielehrer wird zum Drogenbaron) ist haarsträubend und wenig realistisch.

Doch der erzählerische Sog von „Breaking Bad“, die Klasse seines Hauptdarstellers und des gesamten Ensembles, haben daraus ein faszinierendes, verstörendes Universum gemacht, das sich Staffel für Staffel ein Millionenpublikum erarbeitet hat. Und dann ein grandioses Finale abgeliefert.


Game of Thrones“ (2011 – 2019) – Trotz der unsäglichen zwei letzten Staffeln ist „GoT“ insgesamt ein großer Wurf. Keine andere Show hat sein Publikum mit einem derart komplizierten Geflecht aus Figuren und Intrigen konfrontiert.

In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums beständig gesunken ist, wurde ausgerechnet diese anstrengende, ausufernde Fantasy-Serie zum größten Erfolg überhaupt. Mehr Shakespeare als „Herr der Ringe“ konnte „Game of Thrones“ auch Fantasy-Skeptiker wie den Autor dieser Zeilen für sich einnehmen.


Mad Men“ (2007 – 2015) – Die Serie begann als ‚period piece‘ der frühen 60er, das mich zunächst nur bedingt überzeugt hat. Doch „Mad Men“ wächst ab Staffel 3 langsam über sich hinaus, schafft Unmengen starker Charaktere und Geschichten, die zusammen ein wunderbares Porträt der 60er Jahre in den USA entwerfen.

Die Show witzig und tragisch, analytisch und emotional, dabei immer interessant, spannend und verdammt unterhaltsam. Und schafft mit Don Draper eine Figur, die die inneren Widersprüche des Landes auf beeindruckende Art und Weise erlebbar macht.


Mr Robot“ (2015 – 2019) – „Mr Robot“ begann als zeitgeistiger Mindfuck im Hacker-Milieu. Nach dem Ende der ersten Staffel (und dem zähen Beginn der zweiten) hatten viele die Show schon abgeschrieben.

Doch Schöpfer Sam Esmail verfolgte währenddessen einen starken Plan, und liefert bis zum Finale nicht nur eine spannende Story mit vielen Überraschungen, sondern blieb seinen Figuren treu. Was im Falle des schiziphrenen Elliot Alderson wahrlich keine leichte Aufgabe war…


Rectify“ (2013 – 2016) – In Deutschland lief die Serie leider quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, und auch in den USA war die Show kein ganz großer Hit – wohl weil sie auf dem „Sundance Channel“ lief, und nicht bei HBO oder Netflix.

„Rectify“ ist allerfeinstes Drama, welches sich – bei aller Gesellschaftskritik – vor allem auf die Figuren konzentriert, und dabei bis zum Ende nicht an Intensität und Glaubwürdigkeit verliert.


The Newsroom“ (2012 – 2014) – Auch diese Show ist in Deutschland unbekannt, ich weiss gar nicht ob sie überhaupt mal irgendwo lief. „The Newsroom“ erzählt von den Mitarbeitern einer Nachrichtenredaktion, vom Moderator über die Produzenten bis zu Reportern und Redakteuren.

Erstklassig sind neben den Schauspielern vor allem die Dialoge, sowie der aus heutiger Sicht erstaunliche ‚heilige Ernst‘, mit der die Serie ihre Themen anging. Die Welt war eine andere damals, doch die zunehmende politische Spaltung der USA kündigt sich bereits an.

Zugabe I: Knapp nicht dabei:

Justified“ (2010 – 2015) – Vom Stoff her scheint die Serie eher in die 90er zu passen: Ein US Marshall wird in seine Heimat im Herzen der USA versetzt und ist dort einem ‚Bad Guy‘ auf den Fersen, der früher sein Freund war.

Aber „Justified“ erzählt all das (und vieles mehr) in einer herrlich lakonischen Tonart, bringt außerdem glänzende Darsteller und messerscharfe Dialoge mit. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Show auf Büchern von Elmore Leonard basiert, dem König der relaxed-subversiven Krimikomödien.


The Affair“ (2014 – 2019) – Das Alleinstellungsmerkmal dieser Serie ist sicher, dass jede Folge aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Wir lernen die vier Hauptfiguren also in ihren eigenen Erzählungen kennen, aber auch durch die Augen ihrer Partner oder Ex-Partner.

Die zentrale ‚Affäre‘ ist ein Ehebruch, der Anspruch der Serie aber geht weit über die Schilderung dieses Vorfalls hinaus. Nicht jede Folge, Staffel oder Plot-Wendung sitzt dabei immer zu 100 Prozent, aber im Ganzen kommt eine außergewöhnliche Familiensaga mit vielen feinen Nuancen heraus.


The Leftovers“ (2014 – 2017) – Das Szenario von „The Leftovers“ ist ein ziemlich unglaubliches. Zwei Prozent der Menschheit verschwinden von einem Tag auf den anderen. Wie man nach diesem Ereignis biblischen Ausmaßes weiterleben kann, welche Trauer, Ängste und Hoffnungen der unfassbare Verlust auslöst, und welche haarsträubenden Theorien den Menschen in ihrer Erklärungsnot einfallen, davon erzählt die Serie über drei äußerst unterschiedliche Staffeln.

Gemeinsam haben sie alle, dass sie – trotz allen mystischen und religiösen Umtrieben – immer auf spannende Art und Weise ausloten, was es heisst, als Mensch am leben zu sein. Und auch die Antwort darauf nicht in einem bekloppten Plot-Twist suchen.


Zugabe II: Großartig gestartete Serien, die nach hinten raus implodiert sind

Boardwalk Empire“ (2010 – 2014) – Die Show konnte ihrem hohen Anspruch nach der ersten Staffel nie ganz gerecht werden, und ging dann recht abrupt zu Ende.
Dexter“ (2006 – 2013) – Eine grundsätzlich großartige, wegen der vielen Gewalt und den Sympathien für die mordende Hauptfigur kontroverse Serie, die ihr Ende leider erst zu lange herausgezögert und dann so richtig verkackt hat.
Homeland“ (2011 – ?) – Die ersten drei Staffeln waren absolut hervorragend und spannender als alles seit „24“. Mit dem Ausscheiden einer der beiden Hauptfiguren war dann für mich schnell die Luft raus…
House of Cards“ (2013 – 2018) – Netflix‘ spektakulärer Eintritt in den Markt der Qualitätsserien war zwei Staffeln lang aufregend und brilliant. Dann nahm die deutlich Qualität ab, so dass die Show für mich schon vor dem Skandal um Kevin Spacey gestorben war.

Die besten Serien 2019 (Update 11.1.2020)

2019 ist das erste Jahr, in dem ich sowohl meinen Film- als auch meinen Serienkonsum runtergefahren habe. Mangelnde Zeit ist ein Grund, aber anderere Gründe wiegen schwerer.

In dieser „Golden Era of TV“ ist die Reizüberflutung immens. Dutzende lohnenswerte Serien laufen an einem vorbei, egal wie oft man abends vor dem Fernseher, Laptop, Tablet oder Smartphone sitzt.

Bei den Shows, die man noch schafft, fragt man sich zunehmend, ob sie die viele Zeit wirklich wert sind. Zu viele Shows haben sich zuletzt entweder nur wiederholt („Stranger Things“) oder erzählen ohne erkennbare Richtung einfach weiter („Homeland“), weil die Quote – noch – stimmt.

Damit wird ein grundsätzliches Problem der aktuellen Serien-Welt deutlich. Es braucht nicht nur gute Ideen für ein Szenario, Figuren und die richtige Besetzung. Sondern auch einen Plan, wohin die Reise letztlich gehen soll. Fehlt der, driftet das Geschehen oft in die Belanglosigkeit ob, oder die Dramatik wird auf Kosten der Glaubwürdigkeit gesteigert.

Für die Streaming-Anbieter und Sender ist das jeweils nicht so wild, schließlich brauchen sie vor allem Stoff, um ihre Abonnenten bei der Stange zu halten. Wer aber als Zuschauer vermeiden will, seine Zeit zu vergeuden, für den wird es schwierig. Wer weiss schon, ob etwa die Autoren & Showrunner von „Mindhunter“ oder „Barry“ einen Plan verfolgen – oder einfach nur so viele gut bezahlte Folgen wie möglich produzieren wollen?

Die wirklich großartigen Serien der letzten Jahre haben gezeigt, dass man über ein halbes Dutzend Staffeln produzieren und trotzdem ein starkes Ende finden kann. Siehe etwa „Mad Men“ oder „Breaking Bad“. Nicht jede Show kann sich damit messen. Dieses Jahr hat es nur „Mr Robot“ geschafft.

Inzwischen bevorzuge ich eigentlich Serien, die entweder nur auf eine Staffel angelegt sind („The Night Manager“), oder sich nach jeder Staffel neu erfinden („Fargo“, „True Detective“ oder „American Crime Story“). Die sind aber immer noch die Ausnahme.

Die besten neuen Serien

Hier sieht es dürftig aus, was wohl mehrere Gründe hat. Erstens habe ich viel Zeit mit fortgesetzten Shows verbracht, zweitens habe ich in dem Überangebot von Serien wohl nicht wirklich die Perlen rausgefischt.

Über allem steht hier definitv „Chernobyl„. Die Serie hat eigentlich alles, was es brauch – Spannung, Anspruch, Humor und ein Element der Unberechnbarkeit (obwohl man ja meint, die „Story“ zu kennen). Nur mit den ‚künstlerischen Freiheiten‘ hat man es meines Erachtens leicht übertrieben.

The Morning Show“ hat mir immerhin Spaß gemacht, „The Boys“ war nicht ohne Reiz, „Russian Doll“ mal was anderes. „What We Do in the Shadows“ ist ähnlich witzig wie der Film. Aber wenn es bei all diesen Serien nicht weiter ginge wäre mir das ziemlich egal.

Too Old To Die Young“ war ein ziemlicher Härtetest, den ich zwar bestanden habe, aber nicht wiederholen würde. Mit „Catch-22“ wurde einer berühmtesten Romane des 20. Jahrhunderts zur Serie, ohne dass man hinterher wüsste, warum der Roman so berühmt ist.

Die zweite Staffel von „The Terror“ ging mir deutlich zu sehr in Richtung klassischer Geisterhorror-Stoffe, der historische Hintergrund war zwar erneut interessant, insgesamt aber fand ich die Staffel enttäuschend.

Von „Watchmen“ habe ich noch zu wenig gesehen, „Truth be told“ läuft noch und hat definitiv auch Schwächen.

Die besten fortgesetzten Serien

Die finale Staffel von „Mr Robot“ war ein absolutes Highlight. Schöpfer Sam Esmail beherrscht nicht nur irre Wendungen, er landet auch die recht haarsträubende ‚äußere‘ Handlung sauber. Die große Kunst aber besteht darin, dass er die Figuren dabei nicht aus den Augen verliert, und diese am Ende sogar noch überzeugend überraschen können.

Auch das Finale von The Affair hat mir gefallen, auch hier ging es am Ende – nur kam das weniger überraschend – vor allem um zwei Hauptfiguren. Mindhunter bleibt spannend und eine der wenigen noch nicht ausgelaufenen Shows, auf die ich mich richtig freue. Veronica Mars kam recht überraschend wieder, bringt aber auch nach all den Jahren wieder alle Qualitäten mit, die ich immer an der ehemaligen Teenie-Noir Serie geschätzt habe.

Die zweite Staffel von „Barry“ hat das Niveau der ersten halten können, auch hier bin ich gespannt, wo die Reise noch hingeht. Bei Big Little Lies war ich nicht sicher, ob es überhaupt eine zweite Staffel braucht. Die, die mir quasi ungefragt serviert wurde, hat mir sehr gut gefallen. Aber es ist auch folgerichtig, dass die Show nun vorbei ist. True Detective hat nach der von den Kritikern und dem Publikum verhassten zweiten Staffel seine Form wiedergefunden. Eine ordentliche Staffel mit starken Darstellern, die die Stärken des Formats zu nutzen weiss.

Die letzte Staffel von „Ray Donovan“ läuft noch, dazu dann im Laufe des Januars oder Februars mehr. „Goliath“ war in seiner dritten Staffel gewohnt unterhaltsam.

The Handmaids Tale“ habe ich abgebrochen, obwohl die dritte Staffel nicht wirklich schlecht war – ich habe mich an der Welt der Serie und auch an Hauptfigur June schlicht satt gesehen…

Und dann war da noch „Game of Thrones„. Hier hatte sich mit der miesen siebten Staffel schon angekündigt, dass die Kreativen es nicht schaffen würden, ein irgendwie glaubwürdiges, spannendes und aufregendes Finale hinzubekommen. Und so kam es dann leider auch. Zwischen gar nicht so schlecht, unfreiwillig komisch und total bescheuert ging das Spektakel zu Ende. Und ich bin froh, dass es vorbei ist. Die ersten sechs Staffeln gehören zum Allerfeinsten, was es im Fernsehen je zu sehen gab – das ist ja auch kein schlechtes Vermächtnis…

Kurzkritik: The Morning Show

Drama/Comedy, 2019

„Creators“: Jay Carson, Kerry Ehrin; Darsteller: Resse Witherspoon, Jennifer Aniston, Billy Crudup, Mark Duplass, Steve Carell

Worum gehts?
Die „Morning Show“ ist eine brave, unterhaltsame und äußerst erfolgreiche Nachrichtensendung. Bis sie durch einen handfesten Skandal um die sexuellen Umtriebe ihres langjährigen Co-Moderator erschüttert wird. Die Belegschaft kämpft um ihren Ruf. Die unerfahrene neue Moderatorin Bradley und ein freigeistiger Chef der News-Sparte des Senders sorgen für zusätzlichen Zündstoff.

Was soll das?
„The Morning Show“ beschäftigt sich vor allem mit den Folgen von „#MeToo“, will also ganz offensichtlich ernst genommen werden. Apple hat für die Flagship-Serie seines neuen Streaming-Angebots keine Kosten gescheut, und dabei vieles richtig gemacht. Für Jennifer Aniston ist es die Rückkehr ins Fernsehen (technisch gesehen ist es natürlich nicht Fernsehen, sondern Streaming), 15 Jahre nach dem Ende von „Friends“.

Taugt das was?
Ja. Die Mischung aus hochkarätig besetzter Seifenoper und Gesellschaftskritik funktioniert weitgehend gut. Allerdings rumpelt es etwas bei der Figurenzeichnung, durch die sich einige Widersprüche ziehen. Und von der erzählerischen Klasse sowie dem großartigen Ensemble von „The Newsroom“ (einer Serie, die in Deutschland leider kaum jemand kennt) ist man auch ein gutes Stück entfernt.

Wo kann ich das gucken?
Bei Apple TV+.

Kurzkritik: The Affair (Staffel 5)

Drama, 2019

Creators: Hagai Levi, Sarah Treem; Darsteller: Dominic West, Maura Tiernay, Julia Goldani Telles

Worum gehts?
Es geht da weiter, wo die letzte Staffel aufgehört hat. Helen, Noah und ihre Kinder kämpfen sich mit Höhen und Tiefen durchs Leben. Einige Nebenfiguren sind bekannt, wenige neue kommen auch hinzu. Parallel beginnt „The Affair“ einen in der Zukunft liegenden Erzählstrang, in dem Alisons inzwischen Erwachsene Tochter Joanie nach einer Ehekrise in Montauk auf Spurensuche ihrer Familienhistorie geht..

Was soll das?
Die finale Staffel der Serie bewegt sich einige Folgen lang in gewohntem Tempo durch das Leben ihrer Figuren. Dann spitzt sich die Handlung deutlich zu und „The Affair“ ist sichtlich bemüht die wichtigsten Konflikte so gut es geht aufzulösen. Sofern das noch möglich ist, schließlich hat die Show sich vorzeitig von zwei ihrer einst vier Hauptdarsteller getrennt.

Taugt das was?
Ja, mir hat die letzte Staffel gefallen. Nicht immer stimmt die Mischung aus Drama und gesellschaftlichem Kommentar, und einige Subplots wirken wie üblich eher wie Nebelkerzen in der großen Erzählung. Die aber wird schlüssig entwickelt und wie immer vor allem von den starken Darstellern und wechselnden Perspektiven getragen und geprägt. Man muss das Ende nicht mögen, um es zumindest einigen Figuren nach all dem Drama von Herzen zu gönnen.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: Goliath (Season 3)

Krimi/Drama, 2019

Creators: David E. Kelley, Jonathan Shapiro; Darsteller: Billy Bob Thornton, Nina Arianda, Dennis Quaid

Worum gehts?
Eine Studienfreundin von Anwalt Billy McBride stirbt bei einem Erdrutsch im kalifornischen Central Valley. Schnell treten dabei Ungereimtheiten zu Tage, die mit der Wasserversorgung des unter einer Dürre leidenden County zusammen hängen. Und mit den reichen Farmern, die unter zwielichtigen Umständen ihren eigenen Wasserbedarf ganz locker decken können…

Was soll das?
„Goliath“ bleibt sich treu und beginnt eine gänzlich neue Geschichte, in der allerdings bestehende Handlungsfäden weitergesponnen werden. Anders als in Staffel 2 geht es hier auch etwas häufiger einen Gerichtssaal zu sehen, heimlicher Hauptdarsteller ist jedoch die Landschaft des Central Valley.

Taugt das was?
Ja. Zwar sind einige (neue) Figuren so bizarr, dass die Serie manchmal am Rande der Parodie wandelt. Doch die Autoren leisten gute Arbeit, sowohl der Story als auch den bekannten Charakteren genügen Raum zu geben. Insgesamt gelungene Unterhaltung mit hohem Unterhaltungswert. Eine finale Staffel würde ich sicher auch noch schauen – mehr muss es aber auch nicht werden.

Wo kann ich das gucken?
Bei Amazon Prime Video.

4/5

Kurzkritik: El Camino

Drama/Thriller, 2019

Regie: Vince Gilligan; Darsteller: Aaron Paul, Jesse Plemons, Matt Jones

Worum gehts?
„El Camino: A Breaking Bad Movie“ setzt an, wo die Serie aufgehört hat. Jesse Pinkman hat das große Massaker überlebt – in Sicherheit ist er damit aber noch längst nicht. Nach Wochen der Gefangenschaft schwer gezeichnet sind nicht nur die Cops auf seiner Spur. Und das nötige Kleingeld, um für immer zu verschwinden fehlt ihm ebenfalls…

Was soll das?
Soweit ich es gelesen habe, war es Serienschöpfer Vince Gilligan selbst, der die Idee hatte, Pinkmans Story weiterzuerzählen. Die Fans-Basis von „Breaking Bad“ ist immer noch riesig, daher wundert es auch nicht, dass er dafür ein Budget bekommen hat. Warum Netflix den Film rausbringt (und nicht Serienproduzent AMC) ist mir allerdings nicht ganz klar. Wirklich entscheidend ist das aber ohnehin in keiner Weise.

Taugt das was?
Ja. „El Camino“ ist wie ein zweistündiger Epilog der Serie. Der Film ist spannend, sieht super aus und lässt das Universum von „Breaking Bad“ wunderbar wiederauferstehen. Die Rückblenden sind ebenfalls gelungen, ergänzen die Story eher als dass sie Dinge in neuem Licht erscheinen ließen. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich „El Camino“ nicht unbedingt gebraucht hätte. Das (etwas) offene Ende der Serie hat mir wunderbar gefallen, und diese gelungene Weitererzählung ändert daran letztlich nichts.

4/5

Kurzkritik: Mindhunter (Staffel 2)

Krimi/Drama, 2019

Creator: Joe Penhall; Darsteller: Jonathan Groff, Holt McCallany, Anna Torv, Stacy Roca, Albert Jones

Worum gehts?
Das Team der ‚Behavioral Science Unit“ des FBI bekommt einen neuen Boss, der Großes im Sinn hat. Die Show nimmt zunehmend das Privatleben der Figuren (vor allem von Bill Tench und Dr. Carr) in den Fokus, während Holden sich auf einen kniffligen, öffentlichkeitswirksamen Fall in Atlanta konzentriert.

Taugt das was?
Ja, die Serie kann ihr Niveau tatsächlich halten. „Mindhunter“ bleibt spannend, niveauvoll und stark gespielt. Und die Autoren schaffen es, nicht nur die Krimi-Handlung(en), sondern auch die Figurenentwicklung glaubwürdig zu halten. Das Finale überzeugt ebenfalls – hoffentlich kommt die nächste Staffel sehr bald…

Wo kann ich das gucken?
Bei Netflix.

5/5

Kurzkritik: Too Old to Die Young

Drama, 2019

Regie/Creators: Nicolas Winding Refn, Ed Brubaker; Darsteller: Miles Teller, Christina Rodlo, Augusto Aguilera, John Hawkes, Jena Malone

Worum gehts?
Ein wortkarger Cop gerät nach dem Mord seines Partners zwischen die Fronten eines Bandenkrieges, ein mexikanisches Kartell stellt sich nach dem Tod des Patrons neu auf, und eine junge Frau nimmt mit einem schwerkranken Ex-Soldaten davon gekommene Verbrecher ins Visier. Irgendwie hängt das auch noch alles zusammen…

Was soll das?
„Drive“-Regisseur Refn hat von amazon einen Freifahrtschein bekommen – ein ordentliches Budget für 13 Stunden künstlerische Freiheit. Und so sieht das dann auch aus. Aufreizend langsam bis lethargisch, dabei unfassbar stylisch, extrem brutal und – mehr als gewohnt – mit albtraumhaften bis surrealen Zügen.

Taugt das was?
Leider nein. Zwar sah Fernsehen wirklich selten so gut aus, aber „Too Old To Die Young“ übertreibt es mit der Langsamkeit. Die Serie bietet immerhin einige erinnungswürdige Szenen (sowohl abseitig-lustige als auch völlig kranke Sex- und Gewaltdarstellungen). Doch die Story kommt nie wirklich in Gang (was gewollt scheint), und findet auch kein wirkliches Ende. Sie zerfasert gegen Ende eher, als dass sie die Handlungsstränge zusammenführen würde – worauf man nach Stunden der Langsamkeit inständig gehofft hat.

Wo kann ich das gucken?
Bei amazon Prime Video.

2/5

Kurzkritik: Veronica Mars (Staffel 4)

Krimi/Komödie, 2019

Creator: Rob Thomas; Darsteller: Kristen Bell, Enrico Colantoni, Jason Dohring

Worum gehts?
Vater und Tochter Mars ermitteln in Sachen eines Sprengstoffanschlags, der Neptune ausgerechnet zum Spring Break erschüttert. Die Zahl der Spuren ist vielfältig, neben lokalen Akteuren mischen auch Politiker, Drogengangster und Ex-Knackis von außerhalb mit.

Was soll das?
Vier Jahre nach dem „Veronica Mars“-Film und 12 Jahre nach der dritten Staffel schiebt Hulu eine vierte Staffel nach. Gar nicht soo überraschend, denn sowohl die Fans als auch die Produzenten und Kreativen sind der Show immer treu verbunden geblieben…

Taugt das was?
Ja, tatsächlich schafft es „Veronica Mars“, sich sowohl zeitgemäß und frisch als auch mit liebgewonnen Elementen (und Charakteren) zu präsentieren. Humor, Charme und Sozialkritik bleiben die wichtigsten Säulen der Show. Sowohl die Krimihandlung als auch die Weiterentwicklung der Figuren überzeugen – gut möglich, dass es irgendwann auch eine fünfte Staffel zu sehen gibt…

4/5

Kurzkritik: Big Little Lies Season 2

Drama, 2019

Creator: David E. Kelley ; Darsteller: Nicole Kidman, Meryl Streep, Reese Witherspoon, Laura Dern, Zoe Kravitz, Shailene Woodley

Worum gehts?
Das Leben von Madeline, Celeste & Co, ist nach dem Tod von Perry nicht leichter geworden. Die Polizei will ihrer Story keinen Glauben schenken, und sie alle haben mit persönlichen Krisen & Katastrophen zu kämpfen…

Was soll das?
„Big Little Lies“ nimmt den Faden der ersten Staffel wieder auf, ist aber nicht wirklich an einer Aufklärung (im Sinne einer Krimihandlung) interessiert. Stattdessen widmet sich die Serie ganz ihrer größten Stärke – den fünf weiblichen Hauptfiguren.

Taugt das was?
Ja, absolut. Mit Meryl Streep wurde die ohnehin schon starke Besetzung noch mal verstärkt, die zentralen Motive der Serie wurden glaubwürdig weiterentwickelt. Das stimmige, aber relativ offene Ende könnte zwar eine dritte Staffel bedeuten, mir scheint aber, als hätten die Macher damit einen echten Schlusspunkt setzen wollen…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

Serie: Fortitude

Da ich hier neulich vermeldet habe, wie gut mir die erste Staffel gefällt, muss ich ergänzend noch etwas hinzufügen…

Die erste Staffel von „Fortitude“ ist in der Tat richtig gut. Darsteller, Setting, Atmosphäre, Story, Timing – da passt alles.

Die zweite Staffel ist dann schon vergleichsweise überladen, findet keinen überzeugenden dramaturgischen Fokus mehr und verliert arg an Spannung. Immerhin gibt es noch einige starke Momente.

Die nur vier Folgen lange letzte Staffel ist schließlich totaler Mist. Hier schmeißt man auf den letzten Drücker neue Figuren ins Rennen, die wie Nebelkerzen wirken. Währenddessen geht der Versuch einer  Auflösung der zentralen (längst unglaubwürdig und gequält daherkommenden) Story komplett daneben. Schade.

1 2 3 4