Kurzkritik: Under the Silver Lake

Drama/Krimi/Komödie, 2018

Regie: David Robert Mitchell; Darsteller: Andrew Garfield, Riley Keough, Riki Lindhome

Worum gehts?

Ein junger Mann (A. Garfield als wenig sympathischer Taugenichts) geht dem Verschwinden einer schönen Frau auf den Grund, die er kurz zuvor kennengelernt hat. Bald ergibt sich ein kompliziertes Bild voller Verschwörungstheorien und merkwürdiger Figuren aus der Film- und Musikszene von Los Angeles…

Was soll das?

Schwer zu sagen. „Under the Silver Lake“ ist sicherlich ein Kommentar auf die moderne Mediengesellschaft und ihre Auswüchse, auf die kulturelle Oberflächlichkeit und die unzähligen echten und ersponnenen Querverbindungen der Popkultur. Worin genau der Kommentar jedoch besteht bleibt mir ein Rätsel.

Taugt das was?

Nur bedingt. Visuell und vom grundsätzlichen Unterhaltungswert kann der Film durchaus punkten. Da er aber aus all den wirren Fäden seiner Story nichts wirklich interessantes zusammenstrickt (und dafür auch noch fast zweieinhalb Stunden braucht) wird einem das Treiben gegen Ende schon etwas lästig.

Sonst noch was?

Wem der Style gefallen hat (oder sich für die Vorbilder interessiert) sollte sich „Inherent Vice“ oder „The Long Goobye“ ansehen. Und natürlich „The Big Lebowski“…

3/5

Kurzkritik: Homecoming (Serie)

Dass die vierte Staffel von „Mr. Robot“ dieses Jahr nicht lief hat einen einfachen Grund: „Homecoming“. Sam Esmail hat aus dem gleichnamigen Radio-Podcast eine Serie für Amazon Prime gemacht. Julia Roberts spielt darin Heidi Bergman, die Leiterin einer ominösen Einrichtung, in der Soldaten mit PTBS der Wiedereinstieg ins zivile Leben erleichtert werden soll.

Die Serie ist spannend, gut gespielt (Bobby Cannavale!)und mit einer großen Portion Paranoia ausgestattet, womit sie unverkennbar Esmails Handschrift trägt. Auf mehreren Zeitebenen und in zwei Bildformaten, sowie mit einer merkwürdigen Unschärfe in einigen Teilen des Bildes (die mich allerdings nur gestört hat) geht „Homecoming“ langsam der Frage nach, was in der Einrichtung eigentlich passiert ist – und warum sich Heidi nur wenige Jahre später an nichts mehr erinnern kann.

Kurzkritik: 4 Blocks Staffel 2

Das wird jetzt hier wie ein vernichtendes Urteil klingen, aber so ist es nicht gänzlich gemeint. Die Serie hat ihre Qualitäten, und sie muss ‚auf dem Markt bestehen‘. Immerhin ist „4 Blocks“ kein öffentlich-rechtlich gefördertes Prestige-Objekt, sondern ein kommerzielles Produkt, das es im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit Dutzenden teuren US-Produktionen aufnehmen muss.

Beginnen wir mit dem größten Problem. „4 Blocks“ schafft es nicht, seine Figuren wirklich zu entwickeln. Clanchef Ali „Toni“ Hamadi macht, was er immer macht – er regelt alles, aber keiner dankt es ihm. Seine Crew ist sinnlos aggressiv und/oder unfähig, strategisch zu denken. Seine Frau Amara ist stolz, will aus dem Gangsterleben raus, hat aber auch (zurecht) Angst vor dem Ausstieg – handelt jedoch immer nur auf der Basis eines dieser Gefühle, nie als ganzheitliche Person. Alis Bruder Abbas verkommt noch mehr als in Staffel 1 zur Selbstkarikatur, hat zudem mit dem eigentlichen Plot wenig zu tun.

Die Kämpfe um den Drogenmarkt gehen weiter. Toni will raus aus dem Geschäft (klassisches „Der Pate 3“-Territorium), übernimmt es dafür aber erstmal komplett. Die Rivalität mit den Al-Saafis geht weiter, ist aber insgesamt – trotz aller Finten – zu einfach gestrickt. Was wiederum an der schon erwähnten nicht-existenten Figurenentwicklung liegt. Tonis Gehversuche in Richtung Legalität sind zum Scheitern verurteilt, er hat den Staat (will sagen die Polizei) gegen sich, und auch die Welt der Berliner Immobilienhaie (in die er sich einkaufen will) hat nicht gerade auf ihn gewartet. Die Dialoge sind oft einfach nur platt, auch wenn die Macher hier sicher lieber von „authentisch“ reden. Und sie wiederholen sich zum Teil bis hin zum genauen Wortlaut.

Die sehr vereinfachte (bis schlichtweg schwachsinnge) Sichtweise „Gangster gegen Staat“ bleibt ebenfalls, an Ambilvalenz und Nuancen mangelt es. „4 Blocks“ ist als Krimi/Thriller handwerklich solide, aber das Niveau der Story (und des  Szenarios) riecht eher nach einem Tatort als nach den „Sopranos“. Retten kann die Show nur, dass es einige Momente und Figuren (wie Maruf, Amara und Djamila) gibt, die das Prädikat „Drama“ wirklich verdient haben.

Kurzkritik: The Ballad of Buster Scruggs

Western, 2018

Regie: Joel & Ethan Coen; Darsteller: Tim Blake Nelson, Tom Waits, James Franco, Liam Neeson

Worum gehts?

„Buster Scruggs“ ist ein Western und Episodenfilm der Coen-Brüder, eine Mischung aus Drama, Komödie und Musical. Der Film läuft nicht im Kino sondern bei Netflix.

Was soll das?

Die einzelnen Episoden zeigen viele verschiedene Facetten bekannter Western-Motive, vom Revolverhelden über den Goldschürfer, Bankräuber, Marshall, angreifende Indianerhorden, ‚Wagon Trails“ nach Westen und Schausteller auf Wanderschaft. Es entsteht ein Western-Panorama mit vielen Anspielungen und Zitaten, oft geprägt durch die von Coen-typischem Humor durchdrungenen Dialoge.

Taugt das was?

Jein. Die Episoden sind recht wechselhaft in Sachen Thematik und Tempo. Der Anfang setzt einen Ton (ein possenhaftes Musical), von dem der Film immer weiter abweicht. Alle Geschichten haben ihren Reiz, einzelne sind gar großes Kino. Als ganzes aber ist der Film etwas enttäuschend. Ironischerweise ist daran auch Netflix schuld, denn kein Großbildfernseher der Welt kann die beeindruckenden Bilder von „Buster Scruggs“ so eindrucksvoll darstellen, wie eine Kinoleinwand es vermocht hätte…

3/5

Kurzkritik: The Meg

Action/Horror, 2018

Regie: Jon Turteltaub; Darsteller: Jason Statham, Bingbing Li, Rainn Wilson

Worum gehts?

Das Team einer Forschungsstation wagt sich in die Tiefen des Ozeans – und trifft dort prompt auf den eigentlich längst ausgestorbenen Riesenhai ‚Megaladon‘. Man holt schnell Jonas Taylor (Statham) zur Hilfe, dem bisher niemand glauben wollte, dass er es auch schon einmal mit dem gefährlichen Ur-Viech zu tun hatte…

Was soll das?

Stoffe wie dieser sind eher was für C-Movies, doch bei „The Meg“ hat man versucht, das Ganze etwas weniger trashig hinzubekommen. Schließlich ist die Story von „Jurassic Park“ ja auch nicht gerade Shakespeare.

Taugt das was?

Ja, der Film beginnt als solider Taucher-Action-Film, bevor es dann langsam in Richtung Horror und gegen Ende auch in den Bereich der Komödie geht. Das funktioniert wegen der passenden Besetzung, aber auch weil die Macher jederzeit wissen, was sie da machen – und was ihr Publikum erwartet.

Sonst noch was?

Hervorragend geeignet für einen verkaterten Samstagabend im Herbst.

3/5

Kurzkritik: Crazy Rich Asians

Rom-Com, 2018

Regie: Jon M. Chu ; Darsteller: Constance Wu, Henry Golding, Michelle Yeoh, Gemma Chan

Worum gehts?

Das junge in New York lebende Paar Nick und Rachel besucht anlässlich einer Hochzeit Nicks Familie in Singapur. Was die chinesisch-stämmige Rachel nicht weiss – die Familie ist unglaublich reich und gehört zur High Society des Stadtstaats. Auch Freunde und Verwandte sind nicht weniger reich und exzentrisch…

Was soll das?

Obwohl nach bewährtem Rom-Com Muster erzählt stellt „Crazy Rich Asians“ etwas Besonderes dar. Hollywood nimmt die Zielgruppe der aus Asien stammenden US-Bürger ernst, zielt aber mit dem Film nicht auf eine Nische, sondern einen „neuen“ Mainstream. Der Erfolg des komplett von asiatisch-stämmigen Kreativen umgesetzten Films wird den durch „Black Panther“ gesetzten Trend weiter verstärken. Wenn das die Trump-Wähler mitkriegen…

Taugt das was?

Ja. „Crazy Rich Asians“ hat sichtlich Spaß dran Klischees sowohl zu bedienen als auch auseinander zu nehmen. Singapur wird als Schauplatz hervorragend in Szene gesetzt, auch die Besetzung überzeugt. Die Story selbst ist weder neu noch sonderlich originell, aber solide erzählt und bietet einen stimmigen Rahmen für kurzweilige und unterhaltsame zwei Stunden.

4/5

Kurzkritik: Mission Impossible – Fallout

Action, 2018

Regie: Christopher McQuarrie; Darsteller: Tom Cruise, Henry Cavill, Rebecca Ferguson, Simon Pegg

Worum gehts?

Ethan Hunt rettet bei einer Mission lieber sein Team als einen Koffer voller Plutonium. Natürlich kann der IMF den Koffer nicht einfach aufgeben. Kurz darauf taucht der Koffer auf dem Schwarzmarkt auf – und Hunt staunt nicht schlecht, als die Zwischenhändler ihm ihren Preis für das radioaktive Diebesgut nennen. Es beginnt eine rasante Hetzjagd durch Paris, London und Kashmir, die (ein wunderbares Agentenfilm-Motiv) auch gleichzeitig die Suche nach einem Maulwurf ist..

Was soll das?

Die „Mission: Impossible“-Reihe knüpft nahtlos da an, wo die Vorgänger „Rogue Nation“ und „Ghost Protocol“ aufgehört haben. Neu dabei sind Henry Cavill und Angela Bassett als CIA-Agenten, die Story bietet neben unzähligen Verfolgungsfahrten, Faustkämpfen und Shootouts auch einige (recht leicht durchschaubare) Spielereien mit den Gummimasken, für die die Reihe bekannt ist.

Taugt das was?

Definitiv. Zwar ist der Film (mal wieder) einen Tick zu lang geraten, und trägt am Ende etwas zu dick auf. Insgesamt aber bietet er nahezu perfekte Agenten-Action, in der von den Darstellern über die Schauplätze bis zum Drehbuch einfach alles passt. „Mission: Impossible“ setzt damit weiter Maßstäbe, an der sich u. a. der nächste Bondfilm wird messen lassen müssen…

Sonst noch was?

Tom Cruise muss vorsichtig mit seinem Botox-Konsum sein. Noch ist ein bisschen Mimik übrig, weniger sollte es besser nicht werden.

4/5

Kurzkritik: Mile 22

Thriller/Action, 2018

Regie: Peter Berg; Darsteller: Mark Wahlberg, Lauren Cohan, Iko Uwais

Worum gehts?

Eine streng geheime US-Eliteeinheit soll einem Überläufer sicheren Geleitschutz gewähren. Dieser hat für den Fall seiner erfolgreichen Flucht die Übergabe wichtiger Geheimnisse versprochen

Was soll das?

„Mile 22“ beginnt mit einer brutalen Ballerszene und viel Stressgequatsche, im Laufe der Handlung übernehmen dann die Actionszenen die totale Kontrolle. Mark Wahlberg spielt den Anführer der Truppe, dessen Figur in einer Art Mini-Vorspann (und am Rande der Lächerlichkeit, wenn nicht darüber hinaus) mit etwas Background ausgestattet wird.

Taugt das was?

Nicht wirklich. Wäre ich nicht erkältet gewesen hätte ich mir den Film wohl auch eher nicht angesehen. Als irgendwann im ersten Drittel die Spezialeinheit mit „engaged in a higher form of patriotism“ beschrieben wird, wusste ich nicht so recht, ob ich lachen oder weinen/kotzen sollte. Immerhin geht es am Ende etwas weniger albern-patriotisch zu. Technisch solide, mit irren Prügelszenen von „The Raid“-Star Iko Uwais. Für Genre-Fans sicher einen Blick wert, der Rest wird (und sollte) „Mile 22“ ohnehin ignorieren…

2/5

Serien-Trailer: True Detective (Season 3)

Zugegeben, die zweite Staffel war nicht der ganz große Wurf. Verschachtelte Erzählweisen können sich auch selbst ein Bein stellen, das wurde immerhin sehr anschaulich vorgeführt.

Gut möglich, dass sich auch die dritte Staffel irgendwie verrennt (diesmal sind es gleich drei ‚Timelines‘, wenn ich das richtg verstehe). Aber allein Mahershala Ali mal in einer Hauptrolle zu sehen stimmt mich erstmal optimistisch…

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