Kurzkritik: Defending Jacob (dt. Titel „Verschwiegen“)

Drama, 2020

Creator: Marc Bomback; Darsteller: Chris Evans, Michelle Dockery, Jaeden Martell, Pablo Schreiber, JK Simmons

Worum gehts?
Der Sohn von Staatsanwalt Andy Barber wird des Mordes an einem Mitschüler angeklagt. Der Prozess beruht allein auf Indizien, der Junge beteuert seine Unschuld…

Was soll das?
Die Verfilmung von William Landays gleichnamigem Roman beschäftigt sich mit der von Geheimnissen, Ängsten und Zweifeln geprägten Dynamik der Familie Barber. Der Einsturz der vermeintlichen Komfortzone in ihren Beziehungen und im Alltag bringt Mutter, Vater und Sohn an den Rande des Abgrunds.

Taugt das was?
Ja. „Defending Jacob“ ist stark geschauspielert, erzeugt viel Spannung durch die Ambivalenz des Geschehens, bietet solides Gerichtsdrama, und ein äußerst spannendes Finale. Selbst wenn man dessen Kniffe durchaus voraussehen kann, funktionieren sie vorzüglich. Denn weder werden sie übermäßig aus dem Hut gezaubert, noch spielt die Serie rückwirkend die Karte „unverlässliche Erzählung“.

Sonst noch was? [Kleiner Spoiler!]
Ganz nach meinem Geschmack: ein Ende, dass den Zuschauer auffordert, selbst zu bewerten, was er glauben soll – und wie es weitergehen könnte. Und auch ein weiteres gutes Beispiel, warum ich aktuell sehr gerne ‚Mini-Serien‘ schaue…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: ZeroZeroZero

Drama/Krimi, 2020

Creators: Leonardo Fasoli, Mauricio Katz, Stefano Sollima ; Darsteller: Andrea Riseborough, Guiseppe De Domenico, Harold Torres, Dane DeHaan

Worum gehts?
„ZeroZeroZero“ begleitet die Reise einer stattlichen Drogenlieferung von Mexiko nach Italien.

Was soll das?
Die Serie schaut dem internationalen Drogenhandel auf die Finger, basierend auf einer Vorlage von Roberto Saviano („Gomorrah“). Dabei verfolgt „ZeroZeroZero“ im Wesentlichen drei Stränge:

  • den Einfluss der Drogenbarone – sowie der auf ihre Bekämpfung spezialisierten Spezialeinheiten – in der mexikanischen Großstadt Monterrey;
  • Zwischenhändler/Spediteure aus New Orleans, die unfreiwillig mit der illegalen Fracht auf Reisen gehen (hier kommen auch westafrikanische Häfen ins Spiel)
  • die Käufer von der kalabrischen Mafia ‚Ndrangheta, deren greiser Boss sich vor den Behörden (und den eigenen Verbündeten) in einer Höhle in den Bergen versteckt.

Taugt das was?
Ja, WENN die in der Serie gezeigten Zusammenhänge einigermaßen der Wirklichkeit entsprechen. Wovon ich hier jetzt mal ausgehe, weil Roberto Savianos Werk offenbar glaubwürdig ist.

Unabhängig davon kann „ZeroZeroZero“ handwerklich absolut überzeugen, bietet Spannung, beeindruckende Bilder, einen starken Score sowie eine überschaubare Anzahl glaubwürdiger Hauptfiguren. Die Serie schafft es, ohne erhobenen Zeigefinger auf eine extrem komplexe Gesamtsituation zu blicken – und gleichzeitig auch auf emotionaler Ebene glaubwürdig zu sein. Insgesamt sicher keine leichte Kost, deren Stoff im Format einer Miniserie genau richtig aufgehoben ist…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: Ozark (Staffel 3)

Drama/Krimi, 2020

Creators: Bill Dubuque, Mark Williams; Darsteller: Laura Linney, Jason Bateman, Julia Garner, Janet McTeer, Tom Pelphrey

Worum gehts?
Wendy und Marty Byrde haben es geschafft – sie besitzen ein Casino. Oder besser, sie betreiben eines, um für das Kartell Geld zu waschen. Bald steht erneut das FBI auf der Matte, Wendys Bruder bittet um Asyl und Anwältin Helen verbringt mit ihrer Tochter den Sommer am ‚Lake of the Ozarks‘.

Was soll das?
Die dritte Staffel knüpft relativ nahtlos an die vorige an. „Ozark“ bleibt sich thematisch und inhaltlich auch nach zweijähriger Sendepause treu. Die große Frage war, ob die Serie aus ihrem relativ ausgereizten Setting noch mal etwas herausholen kann, ohne komplett die Glaubwürdigkeit zu verlieren…

Taugt das was?
Ja. Die dritte Staffel hat nicht nur die Stärken der Show (Atmosphäre, Figurenentwicklung, Darsteller) behalten, sondern diese noch ausgebaut. Sie verbindet mehrere spannende, zum Teil auch überraschende Handlungsstänge, in denen die exzellenten Darsteller groß aufspielen können. Mit jeder Folge steigt die Spannung, und „Ozark“ enttäuscht auch beim Finale nicht. In dieser Qualität kann es gern weitergehen – und gern auch schon nächstes Jahr.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: The Jesus Rolls

Comedy, 2019

Regie: John Turturro; Darsteller: John Turturro, Bobby Cannavale, Audrey Tatou, Susan Sarandon

Worum gehts?
Spätes Spin-off zu „The Big Lebowski“ um Jesus Quintana, der von John Turturro wunderbar verkörperte Bowling-Freak und vermeintliche Exhibitionist. Frisch aus dem Gefängnis entlassen, begibt er sich mit seinem Kumpel Petey (Cannavale) auf einen ausgiebigen Roadtrip. Handlung und Ton des Ganzen erinnern dabei an das lang vergessene Genre der ‚Sex-Klamotte‘.

Was soll das?
Gute Frage. Jesus‘ „Sexualverbrechen“ wird früh in 30 Sekunden als Justizirrtum erklärt, womit der Weg für die Hauptfigur frei ist, das Publikum (sprich die „Lebowski“-Fans) für sich einzunehmen. Dass eine Nebenfigur – so beliebt sie auch sein mag – noch keine Story ist, dürfte Turturro, der hier auch Regie führt, klar sein. Zu kümmern scheint es ihn nicht. Angeblich ist der Film quasi ein Remake des französischen Films „Les Valseuses“ von 1974.

Taugt das was?
Leider nein. Zwar ist „The Jesus Rolls“ hin und wieder lustig, und Turturro hat auch nicht verlernt, Jesus Quintana zu spielen. Sogar die Aber das von den Coens erträumte und realisierte ‚Lebowski‘-Universum kann der Film nicht wiederbeleben. Und ohne dieses bleibt von Jesus‘ Zauber nicht viel übrig. Vielleicht hätten sie ihn einfach häufiger beim Bowling zeigen sollen. Immerhin geht der Film mit seinen 85 Minuten Laufzeit fix vorbei.

2/5

Super-Computer & Freier Wille vs Determinismus in „Devs“ und „Westworld“

Für alle, die sich fragen, wie viel von dem ganzen Mummenschanz einigermaßen realistisch ist: Ein sehr interessanter Artikel über die Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie die Plausibilität der in den beiden Serien entwickelten Ideen findet sich bei der New York Times. Zu Wort kommt darin auch ein Wissenschaftler, der eine – wie ich finde – sehr interessante Perspektive beizusteuern hat…

Kurzkritik: Westworld (Staffel 3)

Sci-Fi/Drama, 2020

Creators: Lisa Joy, Jonathan Nolan; Darsteller: Thandie Newton, Evan Rachel Wood, Tessa Thompson, Ed Harris, Aaron Paul, Vincent Cassel

Worum gehts?
Es hat sich in der letzten Staffel angekündigt – die „Hosts“ aus dem Western-Themenpark brechen aus. Zumindest einige von ihnen, darunter ihre Anführerin Dolores. Die mit den Menschen bekanntlich noch ein Hühnchen zu rupfen hat…

Was soll das?
Nachdem die zweite Staffel für die maximale Verwirrung des Plots ordentlich Kritik einstecken musste, haben die Macher von „Westworld“ kräftig gegengesteuert. Die erste Folge gibt direkt den Ton vor. Es gibt jede Menge Action, Schießereien und Verfolgungsjagden in einer dystopischen Version des Jahres 2058.

Mit dem Veteran Caleb (Aaron Paul) und dem ominösen Serac (Vincent Cassel) werden zwei neue Hauptfiguren eingeführt, die mich beide nur bedingt überzeugen konnten. Dolores, Maeve und die meisten anderen ‚Hosts‘ bleiben der ersten vollständig außerhalb des Parks spielenden Staffel erhalten.

Taugt das was?
Jein. Den abrupte Wechsel von Tonart und Erzähltempo muss man erstmal verdauen. Auch wenn „Westworld“ es in der zweiten Staffel sicher übertrieben hat: die Unberechenbarkeit des Geschehens und der Erzählung waren ein wichtiges Merkmal der Show. Und obwohl auch schon in der letzten Staffel einige Szenen in derselben Zukunft spielten, die jetzt im Zentrum steht, passen die Welten für mich nicht so richtig zusammen.

Der Eindruck eines Bruchs in der Erzählung wird von den neu aus dem Hut gezauberten Figuren noch verstärkt. Die Show entwickelt zwar ihre Motive konsequent weiter, findet aber nie wirklich zu sich. Trotzdem bietet „Westworld“ überdurchschnittlich gute Sci-Fi-Unterhaltung in 8 kurzweiligen Folgen. Man darf gespannt (und auch skeptisch) sein, wie es in der bereits beauftragten vierten Staffel weitergehen wird…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

3/5

Kurzkritik: Succession (Staffel 2)

Drama, 2019

Creator: Jesse Armstrong; Darsteller: Brian Cox, Jeremy Strong, Sarah Snook, Kieran Culkin

Worum gehts?
Der Clan der Roys kämpft weiterhin um die Macht. Nach außen muss die Familie sich gegen feindlich gesinnte Aktionäre verteidigen, nach innen kämpft jeder für sich selbst. Ein in der ersten Staffel angedeuteter Skandal droht den Familienkonzern zur absoluten Unzeit heimzusuchen – mit drastischen Konsequenzen…

Was soll das?
„Succession“ bleibt dem Erfolgsrezept treu. Die Hochglanz-Seifenoper blickt schonungslos hinter die Kulissen der familiären „C-Suite“ von Waystar. Auch die Stärken sind dieselben. Das hohes Erzähltempo, der trotz vieler ungeheuerlicher Entwicklungen plausible Plot. Und – ganz entscheidend – eine ganze Reihe von grundsätzlich verabscheuungswürdigen Figuren, die mit ihren spärlich zu Tage tretenden „redeeming qualities“ um die Gunst des Publikums kämpfen.

Taugt das was?
Ja, „Succession“ ist dabei, sich in einen Platz in der Reihe der großen Fernsehserien des 21. Jahrhunderts zu erkämpfen. Damit das klappt, sollten allerdings noch ein paar ähnlich großartige Staffeln folgen. Die zweite kann nach meinem Dafürhalten das Finale der ersten noch überbieten. Selbiges gilt für den Soundtrack, das Produktionsdesign sowie die herrlich dekadenten Schauplätze.

Wo kann ich das gucken?
Hier.

5/5

Kurzkritik: Devs

Drama/Sci-Fi, 2020

Regie/Creator: Alex Garland ; Darsteller: Sonoya Mizuno, Nick Offerman, Alison Pill, Zach Gernier

Worum gehts?
Der Freund der jungen Programmierin Lily wird beim ‚Big Tech‘-Unternehmen Amaya in eine mysteriösen Elite-Abteilung namens „Devs“ befördert. Kurz darauf begeht er angeblich Selbstmord, was Lily nicht glauben mag. Und – so viel darf verraten werden, denn das Publikum wird früh Zeuge – auch nicht stimmt. Warum er sterben musste, und woran Amayas melancholisch-charismatischer Chef Forest mit einem engen Kreis Eingeweihter im „Devs“-Projekt arbeitet, darum kreist die Show in den folgenden sieben Episoden…

Was soll das?
Schöpfer und Regisseur Alex Garland (u. a. Autor des Romans „The Beach“, sowie Drehbuchautor/Regisseur von „Ex Machina“ und „Annihilation„) hat mit „Devs“ ein philosophierendes Science-Fiction-Drama geschaffen. Um was es dabei genauer geht spare ich hier lieber aus, da das ohne größere Spoiler unsinnig bis unmöglich erscheint.

Taugt das was?
Absolut. „Devs“ ist eine originelle, spannende und anregende – wenn auch keinswegs perfekte – Serie geworden. An ihr Freude haben wird allerdings nur, wer sich weder an der Kopflastigkeit der zentralen Motive, noch am vergleichsweise beschaulichen Erzähltempo stört. „Devs“ ist ein Highlight des Serienjahres, welches nebenbei erneut beweist, dass das Format der Miniserie im besten Falle eine Fortsetzung oder Weiterentwicklung des Autorenkinos darstellen kann.

Wo kann ich das gucken?
In Deutschland aktuell leider nur über Umwege. Hier kann man prüfen ob sich das geändert hat.

5/5

Kurzkritik: Briarpatch

Krimi/Drama, 2019

Creator: Andy Greenwald; Darsteller: Rosario Dawson, Jay R. Ferguson, Kim Dickens, Edi Gathegi

Worum geht’s?
In der texanischen Kleinstadt San Bonifacio stirbt die junge Polizistin Felicity durch ein Autobombe. Ihre Schwester Allegra (R. Dawson), Ermittlerin aus dem Politikbetrieb in Washington, kehrt zurück in ihre Heimat, um den Schuldigen zu finden. Die Polizei ist keine große Hilfe, und fast jeder Bewohner der Stadt scheint irgendwas zu verheimlichen. Gemeinsam mit dem Anwalt J.D. rekonstruiert Allegra die Vorgeschichte des Mordes, wobei sie immer wieder auch mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird…

Was soll das?
„Briarpatch“ hat offenkundig Ambitionen, mehr als nur ein bloße Krimiserie zu sein. Die Show – produziert von „Mr Robot“-Schöpfer Sam Esmail- nimmt sich Zeit, Szenario und Setting zu entwickeln, und führt eine Reihe ambivalenter Charaktere ein. Zu den vielen Vorbildern und Einflüssen gehören David Lynch, Quentin Tarantino oder auch die Coen-Brüder.

Taugt das was?
Jein. Atmosphärisch, visuell und darstellerisch kann „Briarpatch“ überzeugen. Leider scheitert die Show daran, die durchaus interessanten Figuren, Ansätze und Einflüsse zu einem funktionierenden Gesamtwerk zu verschmelzen. Die Story gefällt sich darin immer wieder neue Haken zu schlagen und Fragen zu stellen, vergisst dabei jedoch, das Publikum emotional mitzunehmen. Aufgrund der bereits erwähnten Qualitäten habe ich es trotzdem bis zum Finale geschafft.

Wo kann ich das gucken?
Aktuell in Deutschland nur über Umwege. Hier prüfen, ob sich das geändert hat.

3/5

Kurzkritik: The Gentlemen

Krimikomödie, 2019

Regie: Guy Ritchie; Darsteller: Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam, Colin Farrell, Henry Golding

Worum gehts?
Mickey Pearson, Boss eines Marihuana-Imperiums, sucht einen Käufer für sein Business. Als er glaubt, einen serösen Interessenten gefunden zu haben, geht der Spaß aber erst richtig los. Es folgt eine folgenreiche Verkettung von chaotischen Ereignissen, in der sich ein Haufen (Möchtegern-)Gangster in die Haare kriegen. Erzählt wird vieles in Rückblenden, in der ein schmieriger Privatdetektiv (großartig gespielt von Hugh Grant) sich seine ‚Erkenntnisse‘ von Pearsons Handlanger teuer bezahlen lassen will…

Was soll das?
„The Gentlemen“ ist für Guy Ritchie inhaltlich eine Rückkehr zu seinen ersten Erfolgen. In Manier von „Snatch“ oder „Bube Dame König GrAS“ entwirft der Film ein buntes, übertriebenes Szenario voll charismatischer Unterwelt-Figuren, spielt geschickt mit den erzählerischen Mitteln, und lässt coole Sprüche auf explosionsartige Gewalt treffen.

Taugt das was?
Ja, wenn man die oben stehende Formel mag. Der Plot des Films kommt arg konstruiert und in Teilen vorhersehbar daher, was durch die Erzählweise verstärkt wird. Die Tatsache, dass man das alles so ähnlich schon mal gesehen hat, schmälert das Vergnügen aber nur bedingt, denn um Spannung geht es hier nicht wirklich. Das Tempo ist recht flott und der Entertainment-Faktor durchgehend ausreichend hoch.

3/5

Kurzkritik: Bad Boys for Life

Action/Comedy, 2020

Regie: Adil El Arbi, Bilall Falah; Darsteller: Will Smith, Martin Lawrence, Paola Nunez, Vanessa Hudgens

Was soll das?
Späte Fortsetzung der der erfolgreichen Reihe mit Will Smith und Martina Lawrence als ungleiche Cops in Miami. Michael Bay hat auf dem Regiestuhl dem jungen belgischen Regie-Duo Billal und Arbi Platz gemacht.

Worum gehts?
Die Cops Marcus und Mike sind in die Jahre gekommen. Während Mike weiter den harten Kerl mimt, liebäugelt Marcus mit dem vorzeitigen Ruhestand. Doch dann kommt alles anders – Mike wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein unbekannter Killer begleicht alte Rechnungen mit Cops, Richtern und Staatsanwälten. Die Spur führt nach Mexiko…

Taugt das was?
Die beiden Stars geben sich hier alle Mühe, und die Chemie zwischen ihnen stimmt noch. „Bad Boys for Life“ wendet sich an die Fans der Vorgängerfilme, bietet den gewohnten Mix aus „hartem“ Copfilm, stylisher Action, und lustigen Sticheleien zwischen Smith und Lawrence. Mehr sollte man hier nicht erwarten. Mir hat es durchaus Spaß gemacht, auch wenn sich die Reihe etwas zu oft in übertriebener (und leicht peinlicher Weise) selbst abfeiert.

3/5

Kurzkritik: The Sinner (Staffel 3)

Creator: Derek Simonds; Darsteller: Bill Pullman, Matt Bomer, Jessica Hecht, Chris Messina

Das Prinzip der ersten beiden Staffeln von „The Sinner“ war einfach und clever. Die Serie zeigt, wie ein Mord begangen wird – und von wem. In der Folge geht es also nicht darum, wer der Schuldige ist, sondern warum die Tat begangen wurde. Und mit der Glaubwürdigkeit dieser Erklärung steht und fällt das Gelingen der ganzen Staffel.

Während das in den vorigen Staffeln wunderbar funktioniert hat, geht es in der neuesten leider gehörig daneben. Im Mittelpunkt steht der Highschool-Lehrer Jamie Burns (Matt Bomer), der eines Tages Besuch von einem alten Studienfreund Nick (Chris Messina) bekommt. Kurz darauf haben die beiden einen Autounfall, bei dem Nick ums Leben kommt.

Das Publikum hat bis hierhin schon verstanden, dass Nick und Jamie eine mysteriöse College-Vergangenheit teilen. Detective Ambrose (Bill Pullman) nimmt die Ermittlungen auf, es beginnt ein pseudo-philosophisches Psychoduell. Und genau hier schwächelt die Show. Die Erklärungen für Jamies Verhalten und seine gestörte geistige Verfassung sind wirr und unglaubwürdig. Und auch Ambrose‘ Verhalten ergibt nur bedingt Sinn. Dem Katz-und-Maus-Spiel der Hauptfiguren fehlt eine überzeugende innere Logik.

„The Sinner“ hat nach der Hälfte der Folgen sein wenig explosives Pulver bereits verschossen, und schleppt sich dann ohne größere Höhepunkte einem uninspirierten Finale entgegen. Insgesamt war es gerade noch spannend genug, um bis zum Schluss dabei zu bleiben. Rückblickend kann ich aber niemandem raten, überhaupt erst damit anzufangen. Schade.

2/5

Kurzkritik: Succession (Staffel 1)

Drama, 2018

Creator: Jesse Armstrong; Darsteller: Jeremy Strong, Hiam Abbass, Sarah Snook, Brian Cox, Kieran Culkin

Logan Roy, Patriarch eines internationalen Medienkonglomerats, will abtreten. Seine Nachfolge ist geklärt – glaubt zumindest sein Sohn Kendall. Doch ganz so einfach gestaltet sich die „Succession“ dann doch nicht. Neben den vier Kindern mischen im Kampf um die Thronfolge noch andere Player mit. Als Logan plötzlich schwer erkrankt, werden die Karten scheinbar noch einmal ganz neu gemischt..

Die Serie zeichnet ein düsteres, faszinierendes Bild der unheilvollen Dynamik einer dysfunktionalen Familie. Während die Show einerseits die Faszination unserer Gesellschaft mit dem Lifestyle der Superreichen bedient, stellt sie andererseits recht pointiert die Frage, wie er die Menschen prägt – und wie es mit dem Einfluss auf die Politik aussieht.

„Succession“ ist eine niveauvolle Hochglanz-Seifenoper mit psychologischem Tiefgang, einem feinen Gespür für Zeitgeist, unterlegt von einem hervorragenden Score. Weil die „Versuchsanordnung“ des Szenarios überzeugen kann, und auch die Figurenzeichnung zu den Stärken der Show gehört, ergibt sich ein ziemlich hoher Suchtfaktor.

Ich freue mich auf die zweite Staffel, die ich sehr zeitnah angehen werde…

Wo kann ich das gucken?
Hier.

4/5

Kurzkritik: For All Mankind

Drama/Sci-Fi, 2019

Creators: Ronald D. Moore, Ben Nedivi, Matt Wolpert ; Darsteller: Shantel VanSanten, Joel Kinnaman, Michael Dorman, Sarah Jones, Jodi Balfour

Worum gehts?
„For All Mankind“ spielt in einer alternativen Realität, in der das „Space Race“ zwischen den USA und der Sowjetunion über die erste Mondlandung hinaus in den 1970er Jahren weitergeht.

Was soll das?
Die Serie folgt dem Leben einiger US-Astronauten sowie ihrer Familien. Neben der geopolitischen Rivalität der Großmächte behandelt „For All Mankind“ zunehmend auch gesellschaftliche Themen wie Gleichberechtigung und Rassismus – und bietet dazu jede Menge Weltraum-Szenen…

Taugt das was?
Ja. Ich war bezüglich der Prämisse erst skeptisch, aber „For All Mankind“ bietet anspruchsvolle und zum Finale hin immer spannender werdende Unterhaltung. Nach etwas uninspiriertem Start sind es vor allem die Darsteller und Figuren, die die Serie voranbringen.

Wo kann ich das gucken?
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4/5

Kurzkritik: 1917

Kriegsdrama, 2019

Regie: Sam Mendes; Darsteller: Dean-Charles Chapman, George MacKay, Benedict Cumberbatch, Colin Firth

Worum gehts?
Zwei Soldaten werden an der Westfront des Ersten Weltkriegs auf eine dringende Mission geschickt. Sie sollen ein Bataillon davor warnen, einen Angriff zu starten, der laut Armeeführung in eine Falle des Feindes und damit in den sicheren Tod führt.

Was soll das?
„1917“ entwirft ein realistisches (und entsprechend grausames) Bild vom Stellungskrieg an der Westfront, und erzählt vor diesem Hintergrund eine Geschichte um den verzweifelten Heldenmut zweier junger Soldaten.

Taugt das was?
Ja. „1917“ ist eine visuell beeindruckende Tour-de-Force, die das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann schlägt. Inszenierung und Darsteller sind absolut überzeugend. Wirklich zu empfehlen ist der Film nur für Freunde des Genres – etwas Neues hat er (und das ist nur bedingt als Kritik zu verstehen) letztlich nicht zu erzählen.

4/5

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