Kurzkritik: Bad Times at the El Royale

Krimi/Komödie, 2018

Regie: Drew Goddard; Darsteller: Jon Hamm, Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson

Worum geht’s?

In einem Hotel auf der Grenze von Kalifornien und Nevada, anno 1969. Das El Royale hat seine besten Tage hinter sich, ein einsamer junger Man schmeisst den Laden. Eines Tages kommen vier Gäste an, wobei nicht so ganz klar ist, was sie eigentlich dahin verschlagen hat: Ein redseliger Staubsaugervertreter (J. Hamm), eine Soulsängerin (Cynthia Erivo), ein alter Priester (J. Bridges) und eine junge Frau mit ‘Fuck You’-Attitude (D. Johnson).

Was soll das?

Spannung und Comedy halten sich in diesem Verwirrspiel mit zahlreichen popkulturellen Anspielungen (insbesondere bei cineastischen Vorbildern, aber auch in Sachen Musik) in etwa die Waage. Für Filmfans gibt es viel zu entdecken, und rein visuell sowie hinsichtlich der Besetzung kann Regisseur Drew Goddard aus dem Vollen schöpfen.

Taucht das was?

Nach dem starken Beginn geht “Bad Times at the El Royale” leider bald die Puste aus. Zwar sind die Backstories der Hauptfiguren insgesamt gelungen, doch mit zu vielen seiner vielversprechenden Ansätzen fängt der Film deutlich zu wenig an. Zum Finale serviert er dann eine wenig überzeugende Wendung, die sich dazu noch kräftig in die Länge zieht. Schade eigentlich.

2/5

Kurzkritik: First Man

Drama, 2018

Regie: Damien Chazelle; Darsteller: Ryan Gosling, Claire Foy, Kyle Chandler

Worum geht’s?

Die Biographie des ‘First Man on the Moon’ schildert nicht nur die Karriere des Astronauten Neil Armstrong, sondern auch seinen persönlichen Werdegang. Und natürlich das ’Space Race” zwischen den USA und der Sowjetunion, in dem die Amerikaner lange wie die Verlierer aussahen…

Was soll das?

“First Man” will ein Stück jüngere Geschichte erlebbar machen, und dabei auch über weniger bekannte (bzw. inzwischen in Vergessenheit geratene) Tatsachen aufklären. Dazu gehören die schwierigen Stationen der Mond-Mission ebenso wie die Proteste der Studenten und Bürgerrechtler gegen die ‘Geldverschwendung im All’. Am Ende wird es dann auch noch mal spektakulär, die Nachstellung der Mondlandung bietet trotz des bekannten Ausgangs ordentlich Suspense.

Taucht das was?

Wer Interesse am Thema hat macht hier sicher nichts falsch. Handwerklich gibt es wenig auszusetzen, auch das Timing stimmt. Die Person Neil Armstrong allerdings bleibt, trotz guter Leistung von Ryan Gosling, wie ich finde eher unscharf.

3/5

Kurzkritik: Venom

Fantasy, 2018

Regie: Ruben Fleischer; Darsteller: Tom Hardy, Riz Ahmed, Michelle Williams

Worum gehts?

Enthüllungsjournalist Eddie Brock (Hardy) verliert seinen Job, weil er dem schwerreichen Wunderkind & Unternehmer Drake (Ahmed) die falschen Fragen zu seinen Pharma-Experimenten stellt. Kurz darauf kommt Brock in den Laboren von Drake mit der Alien-Kreatur „Venom“ in Berührung– und hat ab sofort Superkräfte. Doch „Venom“ hat seine eigene Agenda, und Brock hat große Mühe, nicht zum reinen menschlichen Wirt zu mutieren…

Was soll das?

„Venom“ stammt aus dem Marvel-Universum, und hatte seinen ersten Auftritt in „Spider Man 3“ aus dem Jahr 2007. Nun bekommt die Figur ihren eigenen Film, der sich (soweit ich das beurteilen kann) noch nicht wirklich tiefer ins Film-Universum der „Avengers“ einsortiert, sondern für sich steht.

Taucht das was?

Nicht wirklich. Gelungene Effekte und anständige Schauspieler sind zwar ein solides Fundament. Doch storytechnisch ist „Venom“ eher unterdurchschnittlich (vorhersehbar und formelhaft), und bezüglich der Atmosphäre ebenso ein Reinfall (seelenloser Hochglanz) wie in Sachen Nebendarsteller (die arme Michelle Williams…). Die ersten Auftritte von Superhelden haben meist ihren ganz eigenen Charme ­– bei „Venom“ habe ich den vergeblich gesucht.

2/5

Kurzkritik: Under the Silver Lake

Drama/Krimi/Komödie, 2018

Regie: David Robert Mitchell; Darsteller: Andrew Garfield, Riley Keough, Riki Lindhome

Worum gehts?

Ein junger Mann (A. Garfield als wenig sympathischer Taugenichts) geht dem Verschwinden einer schönen Frau auf den Grund, die er kurz zuvor kennengelernt hat. Bald ergibt sich ein kompliziertes Bild voller Verschwörungstheorien und merkwürdiger Figuren aus der Film- und Musikszene von Los Angeles…

Was soll das?

Schwer zu sagen. „Under the Silver Lake“ ist sicherlich ein Kommentar auf die moderne Mediengesellschaft und ihre Auswüchse, auf die kulturelle Oberflächlichkeit und die unzähligen echten und ersponnenen Querverbindungen der Popkultur. Worin genau der Kommentar jedoch besteht bleibt mir ein Rätsel.

Taugt das was?

Nur bedingt. Visuell und vom grundsätzlichen Unterhaltungswert kann der Film durchaus punkten. Da er aber aus all den wirren Fäden seiner Story nichts wirklich interessantes zusammenstrickt (und dafür auch noch fast zweieinhalb Stunden braucht) wird einem das Treiben gegen Ende schon etwas lästig.

Sonst noch was?

Wem der Style gefallen hat (oder sich für die Vorbilder interessiert) sollte sich „Inherent Vice“ oder „The Long Goobye“ ansehen. Und natürlich „The Big Lebowski“…

3/5

Kurzkritik: Homecoming (Serie)

Dass die vierte Staffel von „Mr. Robot“ dieses Jahr nicht lief hat einen einfachen Grund: „Homecoming“. Sam Esmail hat aus dem gleichnamigen Radio-Podcast eine Serie für Amazon Prime gemacht. Julia Roberts spielt darin Heidi Bergman, die Leiterin einer ominösen Einrichtung, in der Soldaten mit PTBS der Wiedereinstieg ins zivile Leben erleichtert werden soll.

Die Serie ist spannend, gut gespielt (Bobby Cannavale!)und mit einer großen Portion Paranoia ausgestattet, womit sie unverkennbar Esmails Handschrift trägt. Auf mehreren Zeitebenen und in zwei Bildformaten, sowie mit einer merkwürdigen Unschärfe in einigen Teilen des Bildes (die mich allerdings nur gestört hat) geht „Homecoming“ langsam der Frage nach, was in der Einrichtung eigentlich passiert ist – und warum sich Heidi nur wenige Jahre später an nichts mehr erinnern kann.

Kurzkritik: 4 Blocks Staffel 2

Das wird jetzt hier wie ein vernichtendes Urteil klingen, aber so ist es nicht gänzlich gemeint. Die Serie hat ihre Qualitäten, und sie muss ‚auf dem Markt bestehen‘. Immerhin ist „4 Blocks“ kein öffentlich-rechtlich gefördertes Prestige-Objekt, sondern ein kommerzielles Produkt, das es im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit Dutzenden teuren US-Produktionen aufnehmen muss.

Beginnen wir mit dem größten Problem. „4 Blocks“ schafft es nicht, seine Figuren wirklich zu entwickeln. Clanchef Ali „Toni“ Hamadi macht, was er immer macht – er regelt alles, aber keiner dankt es ihm. Seine Crew ist sinnlos aggressiv und/oder unfähig, strategisch zu denken. Seine Frau Amara ist stolz, will aus dem Gangsterleben raus, hat aber auch (zurecht) Angst vor dem Ausstieg – handelt jedoch immer nur auf der Basis eines dieser Gefühle, nie als ganzheitliche Person. Alis Bruder Abbas verkommt noch mehr als in Staffel 1 zur Selbstkarikatur, hat zudem mit dem eigentlichen Plot wenig zu tun.

Die Kämpfe um den Drogenmarkt gehen weiter. Toni will raus aus dem Geschäft (klassisches „Der Pate 3“-Territorium), übernimmt es dafür aber erstmal komplett. Die Rivalität mit den Al-Saafis geht weiter, ist aber insgesamt – trotz aller Finten – zu einfach gestrickt. Was wiederum an der schon erwähnten nicht-existenten Figurenentwicklung liegt. Tonis Gehversuche in Richtung Legalität sind zum Scheitern verurteilt, er hat den Staat (will sagen die Polizei) gegen sich, und auch die Welt der Berliner Immobilienhaie (in die er sich einkaufen will) hat nicht gerade auf ihn gewartet. Die Dialoge sind oft einfach nur platt, auch wenn die Macher hier sicher lieber von „authentisch“ reden. Und sie wiederholen sich zum Teil bis hin zum genauen Wortlaut.

Die sehr vereinfachte (bis schlichtweg schwachsinnge) Sichtweise „Gangster gegen Staat“ bleibt ebenfalls, an Ambilvalenz und Nuancen mangelt es. „4 Blocks“ ist als Krimi/Thriller handwerklich solide, aber das Niveau der Story (und des  Szenarios) riecht eher nach einem Tatort als nach den „Sopranos“. Retten kann die Show nur, dass es einige Momente und Figuren (wie Maruf, Amara und Djamila) gibt, die das Prädikat „Drama“ wirklich verdient haben.

Kurzkritik: The Ballad of Buster Scruggs

Western, 2018

Regie: Joel & Ethan Coen; Darsteller: Tim Blake Nelson, Tom Waits, James Franco, Liam Neeson

Worum gehts?

„Buster Scruggs“ ist ein Western und Episodenfilm der Coen-Brüder, eine Mischung aus Drama, Komödie und Musical. Der Film läuft nicht im Kino sondern bei Netflix.

Was soll das?

Die einzelnen Episoden zeigen viele verschiedene Facetten bekannter Western-Motive, vom Revolverhelden über den Goldschürfer, Bankräuber, Marshall, angreifende Indianerhorden, ‚Wagon Trails“ nach Westen und Schausteller auf Wanderschaft. Es entsteht ein Western-Panorama mit vielen Anspielungen und Zitaten, oft geprägt durch die von Coen-typischem Humor durchdrungenen Dialoge.

Taugt das was?

Jein. Die Episoden sind recht wechselhaft in Sachen Thematik und Tempo. Der Anfang setzt einen Ton (ein possenhaftes Musical), von dem der Film immer weiter abweicht. Alle Geschichten haben ihren Reiz, einzelne sind gar großes Kino. Als ganzes aber ist der Film etwas enttäuschend. Ironischerweise ist daran auch Netflix schuld, denn kein Großbildfernseher der Welt kann die beeindruckenden Bilder von „Buster Scruggs“ so eindrucksvoll darstellen, wie eine Kinoleinwand es vermocht hätte…

3/5

Kurzkritik: The Meg

Action/Horror, 2018

Regie: Jon Turteltaub; Darsteller: Jason Statham, Bingbing Li, Rainn Wilson

Worum gehts?

Das Team einer Forschungsstation wagt sich in die Tiefen des Ozeans – und trifft dort prompt auf den eigentlich längst ausgestorbenen Riesenhai ‚Megaladon‘. Man holt schnell Jonas Taylor (Statham) zur Hilfe, dem bisher niemand glauben wollte, dass er es auch schon einmal mit dem gefährlichen Ur-Viech zu tun hatte…

Was soll das?

Stoffe wie dieser sind eher was für C-Movies, doch bei „The Meg“ hat man versucht, das Ganze etwas weniger trashig hinzubekommen. Schließlich ist die Story von „Jurassic Park“ ja auch nicht gerade Shakespeare.

Taugt das was?

Ja, der Film beginnt als solider Taucher-Action-Film, bevor es dann langsam in Richtung Horror und gegen Ende auch in den Bereich der Komödie geht. Das funktioniert wegen der passenden Besetzung, aber auch weil die Macher jederzeit wissen, was sie da machen – und was ihr Publikum erwartet.

Sonst noch was?

Hervorragend geeignet für einen verkaterten Samstagabend im Herbst.

3/5

1 2 3 4 103