Kaum zu glauben, aber wahr – ich guck gar nicht immer nur Filme und Serien. Daher hier die Kategorie, in der alle anderen Themen stattfinden (werden), wie etwa Literatur, Politik und Abhandlungen über die schärfsten Kritiker der Elche.

Kleiner Exkurs: Streaming-Anbieter

Eine der vielen Entwicklungen, die Corona brandbeschleunigt hat, ist der Trend zum Streaming. Ein guter Zeitpunkt also, um sich mit den in Deutschland Anfang 2021 verfügbaren Angeboten mal genauer zu beschäftigen. Denn ohne es so richtig zu bemerken bin ich Kunde von gleich vier Anbietern geworden – Netflix, Amazon Prime, Disney+ und Apple TV+. Laufen tun die übrigens auf einem Fire TV Stick von Amazon, denn die alte Philips-Glotze von 2010 läuft und läuft und läuft. So viel zum Setup.

Auswahl/Inhalt

In Sachen Auswahl hat klar Netflix die Nase vorn. Mir gefällt außerdem die Einfachheit des Modells – alles, was verfügbar ist, ist im Abo enthalten. Während immer noch sehr viele eingekaufte Produktionen zu finden sind, setzt Netflix seit einigen Jahren vor allem auf selbst produzierte Serien und Filme. Aktuell finde ich nicht so schrecklich viel Neues, was mich wirklich interessiert, aber das kann sich auch schnell wieder ändern…

Bei Amazon Prime Video gibt es ebenfalls eine Menge Auswahl. Allerdings ist mir das immer noch viel zu unübersichtlich, was nun im Abo enthalten ist, und was nicht – denn über die Plattform kann man unzählige andere Filme und Serien leihen oder „kaufen“. Aber Prime Video ist für Amazon ja auch nur eines von vielen Standbeinen seines auf generelle Kundenbindung ausgelegten Prime-Programms, bei dem ich – wegen der wegfallenden Lieferkosten und schnelleren Lieferzeiten – ohnehin Kunde bin.

Apple TV+ gab es zu meinem letzten Smartphone für ein Jahr „geschenkt“. Der Service ist mit überschaubarem eigenen Angebot gestartet, und hat eher Qualität als Quantität im Sinn. Ob das funktioniert, muss man abwarten – die ein oder andere Perle war immerhin schon dabei. Wie bei Prime Video ist das ganze ein Mischangebot (man kann auch Filme & Serien kostenpflichtig leihen oder „kaufen“), Apple ist ja quasi Erfinder der Plattform-Denke und vor allem König im Mitverdienen…

Bei Disney+ habe ich ein wenig gezögert, denn das Angebot baut im Wesentlichen auf drei Säulen auf, die mich alle nur bedingt ansprechen: Die Universen von „Star Wars“ (ich bin kein Fan und habe trotzdem alle Filme gesehen) und „Marvel“ (selbe Begründung), sowie die Animationsfilme (nicht mein Beuteschema). Am Ende waren es die guten Kritiken für „The Mandalorian“, die mich dazu bewogen haben, es mal zu probieren. Wie man liest, wird Disney bald eine vierte Säule namens „Star“ integrieren.

Die Apps (auf dem Fire TV Stick)

Netflix ist aufgeräumt und übersichtlich. Mir fehlt allerdings ein Weg, schnell in die Tiefen des Contents abzusteigen. Die Vorschläge sind irgendwie immer dieselben, und wenn der Algorithmus eine Verbindung nicht herstellt (oder die dafür nötige Info halt nicht da ist, weil man Filme/Serien außerhalb von Netflix gesehen hat), bleibt nur die Suche per gezielter Eingabe. Die wiederum hilft aber nicht, wenn man nur stöbern will.

Zwei große Nachteile hat die App aus meiner Sicht. Erstens plärrt immer sofort irgendwas los – ein Trailer oder direkt der jeweils ‚ausgewählte‘ Inhalt. Das macht mich irre, und ich drücke immer erstmal die „mute“-Taste, bevor ich die App starte. Zudem kann man die Netflix-App nicht über die „Zurück“-Taste der Fernbedienung beenden, sondern muss auf den „Beenden“-Button navigieren. Ein nerviges und unnötiges Alleinstellungsmerkmal.

Prime Video ist ein komplizierter Fall. Denn auf dem Fire Stick ist man ja ohnehin bereits auf der Startseite im Prime-Universum, und kann darüber Filme und Serien ansteuern. Es gibt aber eine zusätzliche Prime Video App, die zwar im Vergleich zu früher besser geworden ist, aber immer noch nicht wirklich überzeugen kann. Auch hier gilt, dass in den Tiefen des Contents nicht bequem gestöbert werden kann. Schade. Flatrate-Inhalte sind neuerdings besser, aber noch längst nicht optimal von kostenpflichtigen Inhalten getrennt.

Wenig überraschend ist die App von Apple TV+ die eleganteste von allen. Die Trennung zwischen „eigenen“, im Rahmen des Abos kostenlosen, und kostenpflichtigen Inhalten ist okay-ish umgesetzt. Die Bedien-Optionen während der Wiedergabe sind gewöhnungsbedürftig, was problematisch ist, wenn man angesichts des eher dünnen Angebots eher selten bei Apple TV+ landet.

Ziemlich viel richtig macht Disney+. Das quantitativ übersichtliche Angebot ist sinnvoll aufgeteilt, man findet sich schnell zurecht und bekommt sinnvolle Vorschläge. Ich bin gespannt, ob das auch nach der Integration vom „Star“-Channel so bleibt.

Preis & Perspektive

Insgesamt muss an dieser Stelle „Danke, Netflix!“ gesagt werden. Mit Knebel-Abos, wie sie bei etwa bei Sky immer üblich waren, ist Schluss. Alle Dienste lassen sich, wie Netflix es vorgemacht hat, monatlich kündigen. Jahresabos sind bei einigen Anbietern etwas günstiger als die monatliche Zahlweise, was ich aber völlig legitim finde.

Es wird spannend werden, ob Netflix angesichts der massiven Bemühungen der Konkurrenz seine Stellung als Marktführer halten kann. Mit Disney und Warner (siehe Anmerkungen zu HBO Max unten) werden zwei Wettbewerber keine Inhalte mehr an Netflix lizensieren, andere Studios verfolgen ähnliche Pläne. Mit 12€ für das Angebot in HD ist Netflix aktuell der teuerste der hier vorgestellten Anbieter – entsprechend wird der Dienst weiter viel Geld für „Orginals“ ausgeben und dabei nicht wenige Volltreffer landen müssen, um den Preis zu rechtfertigen.

Etwas undurchsichtig ist die Strategie von Amazon mit Prime Video. Einerseits gibt der Konzern eine Milliarde (!) für eine neue „Herr der Ringe“-Serie aus, und will also offenkundig ein großes Publikum gewinnen. Andererseits ist Prime Video aber eben nur eine von mehreren Säulen des Prime-Programms (welches zwischen 6€ und 8€ monatlich kostet), das wiederum nur ein Teil von Amazon ist.

Ähnlich sieht es bei Apple TV+ aus. Der Konzern hat finanziell alle Möglichkeiten, den Dienst mächtig auszubauen. Und die Wachstumsstrategie zielt auch auf Abos für Musik, Filme oder Cloudspeicher. Wie ernst es Apple damit ist, wie rentabel das Geschäftsmodell wäre, ob der aktuelle Preis von 5€/Monat bleiben würde, und ob man nicht doch vorhat, einen Wettbewerber zu kaufen, ist aber unklar. Aktuell scheint es dem Konzern zu reichen, erste Schritte zu machen und die treue Kundschaft ihrer teuren Hardware erstmal kostenlos ins Boot zu holen.

Bei Disney setzt man dagegen offenbar voll und ganz auf den Streaming-Dienst. Das Kinogeschäft ist schwierig dieser Tage, auch wenn Disneys Mega-Blockbuster für die neue Kinowelt nach Corona wohl bestens geeignet sind. Disneys Gelddruckmaschinen haben eine treue Fan-Basis, die man sicher leicht überzeugen kann, monatlich für ein Abo zu bezahlen – sofern es gelingt, beständig echten Mehrwert zu liefern. Von den anfangs verlangten 7€ monatlich geht es mit dem Start des oben erwähnten „Star“-Channels bald hoch auf 9€, und da ist sicher noch lange nicht Schluss.

Am Rande erwähnt: HBO Max & SkyGo

In den USA hat Warner schon 2020 HBO Max gestartet, womit der Markt einen weiteren mächtigen Player bekommen hat. In Deutschland wird der Dienst wohl in der zweiten Jahreshälfte gestartet. Zum Start ist mit einem Abo-Preis von 12€ – 15€ auszugehen, dafür gibt es jede Menge starker (HBO-)Serien, sowie den kompletten Back-Katalog an Filmen von Warner.

Hier unerwähnt geblieben ist außerdem Sky, weil ich A) kein Kunde bin und B) mir scheint, dass sich das Angebot immer eher über Live-Sport definiert hat, als über Filme und Serien. Der größte Pay-TV-Sender des Landes wird sich trotzdem nicht kampflos geschlagen geben. Denn auch im Sportgeschäft hat man mächtig Konkurrenz bekommen, und wenn HBO Max in Deutschland startet, fallen perspektivisch die von dort eingekauften Premium-Inhalte („Game of Thrones“, „Succession“, etc.) weg. Mehr Eigenproduktionen laufen bereits, und günstiger sind die Abos glaube ich auch geworden – aber das ist alles gefährliches Halbwissen…

Fazit

Lässt man Sky aus den oben genannten Gründen außen vor, dann müsste ein an Filmen und Serien interessierter Zuschauer in Deutschland ab Herbst ca. 45€ Euro bezahlen (4K wäre teurer), um alle fünf Dienste schauen zu können: Netflix, Prime Video, Apple TV+, Disney+ und HBO Max. Das wollen und können sicher nicht alle potentiellen Zuschauer zahlen, zumal in dieser Betrachtung die Rundfunkgebühren für das öffentlich-rechtliche Angebot (ca. 6,50€ pro Monat und Haushalt, Kündigung nur im Todesfall) oder einen klassischen Kabelanschluss (ca. 12€ – 20€ pro Monat) noch gar nicht eingerechnet sind.

Eine Möglichkeit ist natürlich, immer nur den Service zu abonnieren, bei dem man gerade etwas schaut. Immerhin kann man ja monatlich kündigen. Für Filme ist das allerdings wohl weniger praktikabel als für Serien. Spart man sich einen Dienst, dann wird man zwangsläufig irgendwas „verpassen“.

Die Strategie für Netflix, Disney+ und HBO Max kann nur sein, sich „unverzichtbar“ zu machen. Denn für sie ist Streaming das neue Kerngeschäft. Die Konzerne hinter Prime Video und Apple TV+ müssen hier nicht zwingend mitziehen – aber doch absehbar die Frage beantworten, was sie mit ihren Diensten eigentlich vorhaben.

Es bleibt also spannend. Noch viel spannender als der geschäftliche und praktische Teil (der hier nur angerissen wurde) ist dabei ja die Frage, ob bei diesem Treiben großartige Filme und Serien produziert werden. Davon wiederum wird dieser Blog natürlich weiter berichten.

PS: Wer – ohne diverse Apps abzuklappern – wissen will, welche Dienste welchen Inhalt anbieten, und ob dieser zum Flatrate-Angebot gehört oder nicht, der gucke beim exzellenten und im Filmriss häufig verlinkten Portal werstreamt.es.

Filmriss goes Bücherriss

Warum ich hier jetzt auch noch über Bücher schreibe weiss ich selbst nicht genau. Die Idee trage ich schon länger mit und in mir herum. Man könnte die Sache auch umdrehen, und fragen, warum ich erst jetzt damit anfange – schliesslich ist Lesen ja kein neues Hobby. Egal. Der Corona-Lockdown hat dazu geführt, dass ich tatsächlich mal was geschrieben habe.

Los geht es hier mit einigen kurzen Beiträgen zu den Büchern, die mir im laufenden Kalenderjahr vor die Linse gelaufen sind. Danach folgen vielleicht noch ein paar Listen bzw. Beitragsserien meiner Lieblingsbücher der vergangenen drei Jahrzehnte.

Noch weniger als bei Filmen und Serien geht es mir dabei um klassische Kritiken. Die würden mich in jeder Hinsicht überfordern. Es sind eher meine Impressionen, die ich hier in sehr kurzer Form teilen möchte. Wenn für den ein oder anderen Leser hier eine Anregung heraus springt ist das natürlich auch Teil der Idee.

Bei der ganzen Sache bitte nicht über die vielen englischen Titel wundern. Die Werke englischsprachiger Autoren lese ich gern im Original, das ist wie bei den Filmen und Serien eine Angewohnheit aus meinem Studium. Es stehen deutlich mehr Romane als Sachbücher auf meinem Speiseplan, von Gedichten oder Comics (Entschuldigung, ich meine natürlich “Graphic Novels”) lasse ich traditionell komplett die Finger.

Ob ich irgendwann mal eine Liste meine “All-time”-Favoriten wage, weiss ich noch nicht. Wahrscheinlicher sind wie oben erwähnt Listen nach Jahrzehnten… Auch eine Liste mit meinen Lieblingskrimis “der letzen 100 Jahre” kann ich mir gut vorstellen, die existiert aber bisher nur äußerst vage in meinem Kopf.

Nun denn. Über Feedback freue ich mich, über Kommentare sowieso, dasselbe gilt für Buch-Empfehlungen – sofern die irgendwie einen Bezug zu den erwähnten Werken haben.

The Chestnut Man (Soren Sveistrup, 2019)
Hin und wieder muss es mal ein zeitgenössischer Krimi sein. In der NY Times wurde dieser hier empfohlen (streng genommen zusammen mit 10 anderen skandinavischen Krimis). Weil der Autor auch das Drehbuch zu “The Killing” verfasst hat, und ich das US-Remake der dänischen Serie sehr mochte, habe ich mal zugegriffen. “The Chestnut Man” ist ein ziemlich klassischer Serienkiller-Stoff, bei dem eine Mordserie in der Gegenwart bald in die Vergangenheit führt. Die Charaktere sind sehr rund geworden, und die Story sorgt schnell für Spannung. Die Auflösung der recht komplex angelegten Story ist dagegen weniger überzeugend. Wenn ich als Krimi-Laie nach 80 von 500 Seiten glaube, den Killer ausfindig gemacht zu haben (und dann auch noch richtig liege), dann haben all die falschen Fährten wohl nicht viel gebracht. Dem Lesevergnügen hat das aber logischerweise erst am Ende etwas geschadet.

Ausser Sich (Sasha Marianna Salzmann, 2017)
Ich weiss gar nicht mehr, wo ich gelesen habe, dass sich dieses Buch lohnen soll. Ist auch egal, Hauptsache die Information war korrekt. Und so ist es auch, Salzmanns komplexer Roman ist fast schon eine Meditation über Herkunft, Identität und Selbstfindung. Das liest sich aber keineswegs so verkopft wie es klingt, das Buch ist voller spannender Schilderungen außergewöhnlicher Geschichten, die locker ein Jahrhundert umspannen. Einen roten Faden und ein emotionales Zentrum (oder sind es zwei?) gibt es ebenfalls – nicht aber eine einfache “Moral von der G’schicht”.

The Quick Red Fox (John D. McDonald, 1964)
Der vierte Roman der Travis McGee-Reihe ist in Sachen Krimi-Plot nur bedingt überzeugend. Das Setting ist jedoch wunderbar (McGee ist mächtig viel auf Achse, quer durch die USA), und der Roman reich an lakonisch-philosophischen Passagen, die MacDonald so lesenswert machen. Daher sind die beiden nächsten Bücher bereits geordert und stehen sehr bald auf dem Speiseplan.

All the Pretty Horses (Cormac McCarthy, 1993)
Das dritte Buch von McCarthy, dass ich bisher gelesen habe, ist gleichzeitig der erste Teil der “Border Trilogy”. Die Geschichte um zwei junge US-Amerikaner, die in Mexiko ihr Glück suchen, hat mich sprachlich sehr an Hemingway erinnert (Fachleute sind sich dagegen einig, dass McCarthy eher nach Faulkner klingt, aber von dem habe ich nur mal im Studium was gelesen). Inhaltlich ist es ein weiterer rauher Western, der aber weit weniger blutig daherkommt als “Blood Meridian”. Das Tempo ist gemächlich, und ich habe eine Zeit gebraucht, mich einzulesen (komischer Begriff), aber am Ende hat mich die Story tatsächlich gepackt.

Killers of the Flower Moon (David Grann, 2017)
Sachbücher lese ich selten, aber dieses hier habe ich verschlungen. Es handelt von einer mysteriösen Mordserie an ‘Native Americans’ in Oklahoma vor knapp 100 Jahren. Ein finstere, uramerikanische Geschichte um Öl, Macht, Gier und Rassismus, die sich lebendig vor dem Leser ausbreitet und nicht selten unter die Haut geht. Martin Scorsese plant eine Adaption fürs Kino (bzw. für den Streaming-Anbieter Apple TV+ – ob der Film auch im Kino läuft ist unklar), mit Leonardo DiCaprio und Robert DeNiro in den Hauptrollen.

Consider Phlebas (Iain M. Banks, 1987)
Der erste Band einer Weltraum-Seifenoper, die ich mangels Belesenheit im Genre am ehesten mit Isaac Asimovs “Foundation”-Reihe vergleichen würde. Inhaltlich hat es mir Spaß gemacht, wobei sich Banks für meinen Geschmack bei der Schilderung von Action & Bewegung einfach zu viel Zeit nimmt. Der philosophische Unterbau der Reihe bzw. des darin geschilderten intergalaktischen Krieges könnte noch spannend werden. Aktuell bezweifle ich jedoch, dass ich mir die übrigen neun (!) Bände der Reihe allzu bald vornehmen werde…

The Power and the Glory (Graham Greene, 1940)
Hin und wieder muss ein Klassiker nachgeholt werden, Anfang des Jahres war dieser hier dran. Doch obwohl mir den Roman gefallen hat, musste ich ein bisschen kämpfen. “The Power and the Glory” hat viele kluge Dinge zu sagen, ist aber ein bisschen zäh, und kommt gerade im Vergleich mit vielen von Greenes späteren Werken auch eher humorlos daher.

The Schooldays of Jesus (J. M. Coetzee, 2016)
Der Vorgänger “The Childhood of Jesus” hat mir gut gefallen, nun habe ich den zweiten und mittleren Teil (“The Death of Jesus” kam 2019 heraus) gelesen. Davon waren die ersten 100 Seiten so öde, dass ich es beinahe weggelegt hätte. Zum Glück kommt die Story mit einem ominösen Mord und Motiven, die mich an Camus erinnert haben, noch einigermaßen in die Gänge. Reicht insgesamt knapp, um den letzten Teil auf meiner amazon-Wunschliste stehen zu lassen…

Scharnow (Bela B. Felsenheimer, 2019)
Nach “Unterleuten” der zweite Roman über die Brandenburger Pampa, den ich jüngst gelesen habe. Definitiv witzig bis aberwitzig, aber so richtig bin weder mit den Figuren noch mit dem Humor warm geworden…

The Infinite Game (Simon Sinek, 2019)
Der erste Manager-Ratgeber, den ich in meinem Leben gelesen habe. Nicht weil ich plötzlich eine Firma zu managen hätte, sondern weil mir der titelgebende Gedanke gefiel: Dass unser (Geschäfts)Leben oft nicht aus Spielen mit Anfang, Ende und festen Regeln besteht. Und es entsprechend auch selten im klassischen Sinne zu einem Zeitpunkt X etwas zu ‘gewinnen’ gibt. Natürlich steht noch ein bisschen mehr drin, und das lohnt sich auch für Menschen ganz ohne Management-Ambitionen.

Deacon King Kong (James McBride, 2020)
Eine wohlwollende Rezension in der New York Times zu einem Zeitpunkt, an dem ich nichts mehr zu lesen hatte, führt mich zu diesem Roman. Die Titelfigur ist ein tragikomischer Antiheld, der anno 1969 in einem Armenviertel in Brooklyn eine Mischung aus Dorftrottel, Heiliger Irrer und Mädchen für alles verkörpert. Drogendealer, Lokalkolorit und jede Menge Gesellschaftskritik sind die großen Themen dieses wunderbar humorvollen Buches.

The Way Some People Die (Ross Macdonald, 1951)
Als Jugendlicher habe ich einige Krimis um den Privatdetektiv Lew Archer gelesen, und damit kürzlich wieder angefangen (diesmal im Original). Chronologisch natürlich, Ordnung muss sein. Vorläufiges Urteil: Herrlich lakonische und immer spannende Zeitreisen ins Kalifornien der Nachkriegszeit. Im Duell mit dem anderen MacDonald (John D.) und dessen Travis McGee-Reihe (die gut 10 Jahre später begann und meistens in Florida spielt) bleibt aber – nach jeweils drei gelesenen Romanen – erstmal nur der zweite Platz.

Drop City (T. C. Boyle, 2003)
Von T.C. Boyle habe ich irgendwann Ende der 90er “Budding Prospects” gelesen, welches von einem wenig erfolgreichen Versuch, Pot anzubauen, handelt. Passenderweise habe ich damals selbst viel gekifft und kann mich an nicht viel mehr erinnern. Nun fiel mir “Drop City” in die Hände. Eine Hippie-Kommune wandert darin anno 1970 von Kalifornien nach Alaska aus, wo sie auf Einheimische trifft, die nicht unbedingt auf einen Haufen drogenvernebelter Blumenkinder gewartet haben. Die Figurenzeichnung ist sehr gelungen, es darf ordentlich gelacht werden, aber auch die ernste Auseinandersetzung mit den Idealen von “Flower Power” hat mir gefallen. Das Ende ist zwar keine komplette Bruchlandung, hat mich aber doch ein wenig enttäuscht.

Camino Island (John Grisham, 2017)
Als ich zufällig sah, dass Justizthriller-König John Grisham (“Die Firma”, “Die Akte”) einen Krimi ohne jeden (naja, fast ohne jeden) Bezug zu Anwälten geschrieben hat, war ich neugierig genug, um zuzugreifen. “Camino Island” kreist um den Raub der Original-Manuskripte von F. Scott Fitzgeralds sämtlichen Romanen aus der Bibliothek von Princeton. Eine erfolglose Schriftstellerin wird angeheuert, um herauszufinden, ob ein charmanter Buchhändler in Florida mit der Sache etwas zu tun hat. Grisham hat sichtlich Freude an seinem bunten Szenario, entwickelt eine heitere Story, deren latente Märchenhaftigkeit für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Die vielen kleinen Abstecher in den Literaturbetrieb runden die Sache wunderbar ab.

The White Angel (John McLachlan Gray)
Vancouver, anno 1924. Durch den Tod einer Nanny kommen die politischen und gesellschaftlichen Abgründe der Stadt (beinahe) ans Tageslicht. Rassismus, Korruption, die Wunden des Ersten Weltkriegs – “The White Angel” ist weit mehr als ein Krimi. Was nicht heisst, dass es dem Roman mit seinen herrlichen Figuren und Dialogen an Spannung mangelt. Im Gegenteil, hier verbinden sich Anspruch und Unterhaltung auf höchstem Niveau. Gut möglich dass ich mir noch mal ein anderes Werk von John McLachlan Gray vornehme…

‚Serien vs. Filme‘ – Unspektakuläre Beobachtungen

Es wird niemanden groß überraschen, wenn ich zu Protokoll gebe, dass ich in den letzten 10 Jahren eine ganze Menge Fernsehserien gesehen habe. Mit dem Start von „Weeds“ (2005), „Dexter“ (2006), „Mad Men“ (2007), „Californication“ (2007) und „Breaking Bad“ (2008) begann sich in meinem persönlichen Konsumverhalten das Verhältnis zwischen Spielfilmen und Kino langsam zu drehen.

Spätestens seit dem Start von „Game of Thrones“, „Homeland“ oder „House of Cards“ (um nur die bekanntesten zu nennen) einige Jahre später gucke ich mehr Serien als Filme. Je mehr gute Shows es plötzlich gab, desto weniger sehenswerte Filme erschienen. Was so nicht ganz stimmt, denn es gab und gibt auch andere (unspektakuläre persönliche) Gründe, warum ich seltener ins Kino gehe.

Wenn ich mich im Bekanntenkreis umschaue, bin ich alles andere als ein Einzel- oder Sonderfall. Ohne einen besonderen Aufhänger beschäftige ich in diesem Beitrag mal mit der Frage, was sich für Film- und Serienfreunde in den letzten Jahren eigentlich geändert hat.


Bequemlichkeit vs. „Erlebnis Kino“

Der Konsum einer Serienfolge hat viele praktische Vorteile gegenüber dem Kinobesuch. Der Spaß dauert insgesamt maximal eine Stunde, ist (meist) günstiger, zudem auch spontan und alleine möglich. Je nach Anbieter und Serie kann man einfach mal zwei Folgen am Stück gucken (oder gleich die ganze Staffel), oder auch „STOP“ drücken, wenn das Telefon klingelt oder man müde ist.

Für den Alltag von berufstätigen Menschen sind das alles wichtige Argumente. Denn ins Kino zu gehen ist – selbst für einen verwöhnten Großstädter – mit vielen nervigen Zugeständnissen verbunden. Da laufen die Filme gerne eher zu spät (alles nach 20:00 Uhr). Denn weil ja erst noch mindestens eine halbe Stunde Werbung läuft, ist ein gut zwei Stunden langer Film (eher die Regel als die Ausnahme) dann erst gegen 23:00 Uhr vorbei, man selbst kurz vor Mitternacht zuhause. Das ist kein wirkliches Problem, aber je nach (kommendem) Arbeitstag eben auch oft nicht ideal. Will sagen, nicht bequem.

Immer mehr Menschen haben zudem keine Lust mehr, im Kino ihr Smartphone wegzulegen, oder unterhalten sich während des Films. Außerdem riecht es gerne mal nach Popcorn und diesen widerlichen „Käse“-Nachos. Die Preise sind hierzulande noch im Rahmen, trotzdem kostet ein Ticket im Vergleich oft mehr als ein Monat Netflix.


Konzentration im Kino vs. „Second Screen“ zuhause

Ein deutlicher Vorteil des Kinos wiederum liegt in der Qualität von Bild und Ton. Selbst im Nebensaal eines Neuköllner Indie-Kinos ist die Leinwand 5 mal größer und der Sound satter als auf dem gut ausgestatteten Heimkino. Diesen „Larger-than-Life“-Effekt wird man zuhause auch mit einem Beamer nicht erreichen. Ganz zu schweigen von dem gemeinsamen Erlebnis, mit vielen fremden Leuten gemeinsam einen Film zu schauen – mit den entsprechenden Reaktionen von kollektivem Staunen, Gelächter oder Tränen.

Sofern man selbst nicht zu den totalen Smartphone-Junkies gehört (und sich alle im Saal einigermaßen benehmen) bietet das Kino auch mehr Ruhe, sich auf einen Film einzulassen. Da kann auch ein Drama mal gemächlich starten und seine erzählerischen Stärken ausspielen, ohne dass man nach maximal 10 Minuten beginnt, Nachrichten zu schreiben oder die News zu checken.

Genau diese Freiheiten, die man auf dem Sofa durchaus geniesst, sorgen dafür, dass es kleinere, ruhige Filme schwerer haben als früher. Sie sind zwar überall verfügbar, doch erfordern ein Maß der Konzentration und (ein großes Wort, ich weiss) Hingabe, das kaum jemand aufbringt, der zuhause – am besten auf dem Laptop – einen Film anschmeisst. Das Ablenkungspotential von Smartphone oder Tablet ist oft zu groß, es fühlt sich auch nicht nach „großem Kino“ an. Viele gucken auch ganz absichtlich nur „nebenbei“. Das kann bei „The Waking Dead“ noch einigermaßen funktionieren, bei „Rectify“ braucht man so gar nicht erst anfangen.

Das kann ich auch wunderbar bei mir selbst beobachten, denn ich versuche mich deutlich seltener an kleineren Dramen als noch vor ein paar Jahren. Und bis zu dreistündige Schinken wie zuletzt etwa Martina Scorseses „Silence“ oder auch „Manchester by the Sea“ gucke ich oft in zwei Etappen – mache also quasi selbst eine Miniserie draus.


Markt & Angebot

Während es im Kino oft über Wochen und Monate keinen Film gibt, den ich dringend sehen möchte (zumindest nicht dringend genug, wenn ich die dazugehörigen „Hürden“ bedenke) ist das Angebot bei den Serien immens gewachsen. Aktuell sind bei mir etwa „Game of Thrones“ und die Fortführung von „Twin Peaks“ im Rennen um den Titel ‚Serie des Jahres‘, weiter geht es demnächst mit so unterschiedlichen Stoffen wie „Mr. Robot“, „Top of the Lake“ und „Westworld“. Zudem liefen 2017 bereits neue Staffeln von „Better Call Saul“, „Fargo“, „Hap & Leonard“ und „The Leftovers“, mit „Taboo“, „13 Reasons Why“ oder „The Handmaids Tale“ liefen auch spannende neue Serien an.

Zum Vergleich: ich war bisher dieses Jahr dreimal im Kino („Ghost in the Shell“, „Trainspotting 2“, „Logan“), ein Ausblick bis Weihnachten lässt darauf schließen dass noch etwa vier Besuche dazukommen. Das bestätigt den Abwärts-Trend der letzten Jahre, und meine persönliche Faulheit kann nicht allein Schuld sein.

Schließlich schaue ich die neuen Werke einer Reihe von Regisseuren weiterhin fast immer im Kino. Doch auch die sind zum Teil eher mit Serien beschäftigt (Steven Soderbergh hat „The Knick“ gedreht, Woody Allen „Crisis in 6 Scenes“, die Coens drehen aktuell eine Western-Miniserie für Netflix).


Hollywood und der „Mega-Blockbuster“

Eine Folge dieser Entwicklungen ist sicherlich Hollywoods Besessenheit mit unfassbar teuren Blockbustern und dem Recycling bekannter Stoffe. Neu ist das ist nicht wirklich, es wird aber extremer. Dass man eine erfolgreiche Filmreihe mal 5 Jahre liegen lässt, bevor ein neuer Teil erscheint, war früher üblich (zwischen „Stirb langsam 2“ und dem Nachfolger liegen fünf Jahre, zwischen den ersten beiden „Terminator“-Filmen gar sieben).

Neuerdings läuft es eher wie bei „Spider-Man“, da folgte auf die erste (neuere) Trilogie von 2002 bis 2007 gleich ein Reboot mit zwei Filmen (2012 und 2014), und dieses Jahr geht bereits der dritte Darsteller mit der dritten Filmreihe („Spider-Man – Homecoming“ als Teil der „Avengers“-Filme) innerhalb von 15 Jahren ins Rennen.

Disney schlachtet derweil das „Star Wars“-Franchise aus, und ist damit kommerziell unfassbar erfolgreich. Die Filme haben jedoch eher nostalgische Qualitäten, als dass sie irgendwie als „Zukunft des Kinos“ gelten könnten.

Produktionen mit kleinen und mittleren Budgets sind dagegen seltener geworden, weil die großen Studios darin kein Geschäft mehr sehen (bzw. keines mehr damit machen können), was definitiv schade ist. Andererseits werden Netflix, Amazon und Co diese Lücke vielleicht schon bald schließen, denn sie brauchen gute Inhalte, um Abonnenten zu halten/werben. Das schmeckt zwar den Kinobetreibern nicht (weil eine Auswertung dort nur noch eine untergeordnete Rolle spielt), hat aber auch Vorteile.

So müssen sich beim Geschäftsmodell mit Streaming-Abos nicht alle selbst produzierten Filme und Serien einzeln rechnen. Es geht auch ums Prestige, als Filmproduzent ernst genommen zu werden. Gerade bei Amazon geht es zudem darum, Konsumenten ins eigene Ökosystem zu ziehen und insgesamt mit Gewinn herauszugehen. Einzelne Sparten als „Lockvögel“ einzusetzen ist durchaus denkbar.

Es ist also durchaus möglich, dass so einige spannende Filme entstehen, bei denen sich talentierte Regisseure ohne großen kommerziellen Druck ausprobieren können. Oft sind die beiden Dienste aber auch nur als Produzenten dabei, um sich früh die weltweiten Streaming-Rechte von interessanten Stoffen zu sichern.


Schöne neue Serien-Welt

Was zunächst bei Kabelsendern wie HBO oder Showtime, inzwischen auch bei Netflix, Amazon und vielen anderen in den letzten Jahren an Serien produziert wurde, ist wiederum definitiv eine Bereicherung für die Zuschauer. Die Erzählform wurde mit den „Sopranos“ oder „The Wire“ ernster und anspruchsvoller, hat sich dabei u. a. vom Prinzip der ‚inneren Geschlossenheit‘ der einzelnen Folgen freigemacht (wie vorher nur „Twin Peaks“, der Mutter aller modernen Fernsehserien). Und damit auch neue Zielgruppen erschlossen. Nämlich den Teil des Publikums, der über Serien wie „Akte X“ oder „Ally McBeal“ nur verächtlich die Nase gerümpft hat und lieber ins Kino gegangen ist.

Ein unbestreitbarer Vorteil von Serien im Vergleich zu Filmen ist die größere Tiefe, mit der sie in ihre Stoffe und Figuren einsteigen können. „Mad Men“ porträtiert ein ganzes Jahrzehnt, „Game of Thrones“ leistet sich gut zwei Dutzend Hauptfiguren – in Filmen ist sowas schlicht nicht möglich.

Dass Kabelsender und Streaming-Dienste keine einzelnen Eintrittskarten verkaufen macht es wiederum leichter, auch mal ein Risiko einzugehen. Auf ein „Game of Thrones“ kommen bei HBO auch vier weniger erfolgreiche Shows, aber solange das Publikum insgesamt dabei bleibt geht die Rechnung auf.

Doch das Modell hat auch Nachteile. Etwa wenn Stoffe über Jahre weiter entwickelt werden, weil das Publikum begeistert ist – und die Serie dann kein passendes Ende findet, weil den Produzenten und Autoren die Ideen ausgehen. Oder sie sich nicht einig sind. So ging es mir zum Beispiel mit „Dexter“, einer herrlichen Serie, die etwa um die 5. oder 6. Staffel herum ein Ende hätte finden müssen. Stattdessen gab es noch weitere unbefriedigende Staffeln und schliesslich ein verkorkstes Finale. Bei „Weeds“ und „Californiation“ nahm die Qualität so stetig ab, dass ich das Ende jeweils nicht mal mehr erlebt habe.

Die Gefahr, dass eine Serie grandios beginnt, sich dann bei Erfolg schier endlos verlängert, nur um dann im erzählerischen Sande zu verlaufen, ist also immer gegeben. Ebenso können Shows, die einen begeistern, nach der ersten Staffel direkt wieder vorbei sein. Und dann ohne ordentliches Ende, weil die Produzenten gehofft hatten, sie könnten weitermachen. Die besten Serien der letzten Jahre zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie die Spannung (bzw. das Niveau) bis zum Finale halten konnten. So war es bei „Mad Men“, „Breaking Bad“, auch bei „Rectify“ oder „The Leftovers“.


Rezensionen sind Mangelware

Eine Schwierigkeit bei Serien ist es, diejenigen zu entdecken, die sich wirklich lohnen. Zwar gibt es Indikatoren wie die IMDb-Ratings, nicht jedoch eine mit der Filmkritik vergleichbare Rezensionskultur. Zwar geben sich die Journalisten alle Mühe, doch ihr Sujet macht es ihnen nicht gerade einfach. Einen Film hat man in zwei Stunden gesehen und kann ihn (relativ) abschließend bewerten.

Aber wie soll man das bei einer Serie tun, von der man nur vorab vier Folgen zur Kritik vorgelegt bekommt? Bis zum Ende der Staffel kann man mit der Kritik wiederum nicht warten, weil die Information dann veraltet ist (was nicht so ganz stimmt). So gibt es relativ wenige Websites, die vernünftige Orientierung bieten. Für Tipps zu diesem Thema bin ich dankbar, ab in die Comments damit. Selbst habe ich aktuell nur diesen hier.

Stattdessen haben sich die „Recaps“ zu einzelnen Folgen durchgesetzt, die am Tag nach der Ausstrahlung das Geschehen zusammenfassen und interpretieren, inzwischen auch oft mit einer Bewertung (ziemlich sinnlos, da man ja schlecht bewertete Folgen kaum weglassen kann und wird). Das sind oft lesenswerte Beiträge, aber sie helfen einem nicht dabei zu entscheiden, ob man eine Serie sehen will oder nicht.

Netflix oder Amazon wollen ihre Kunden verständlicherweise ohnehin lieber nach dem „Wer X mochte wird auch Y mögen“-Prinzip durch das eigene Programm lotsen. Die dafür verwendeten Algorithmen sind schon ziemlich gut, aber fischen eben nur im eigenen Teich.

Es bleibt also oft nur ausprobieren. Wer wissen will, welche Shows mir zuletzt besonders gefallen haben, der kann das hier nachlesen: