[SPOILER] „Keine Zeit zu Sterben“ – Ein paar Gedanken über das Ende des Films

„No Time To Die“ ist ein ziemlich irreführender Titel, schließlich lassen die Produzenten der 007-Filme hier zum ersten Mal in der Geschichte des Franchises die Titelfigur sterben. Mich persönlich hat das durchaus überrascht, allerdings war ich weder schockiert noch enttäuscht oder gar sauer. Ich versuche hier mal zu erklären, warum das so ist.

Bonds Tod im Gesamtkontext der Bondfilme

Zunächst einmal ist in meinen Augen nicht James Bond gestorben. Sondern nur die von Daniel Craig verkörperte 007-Inkarnation, die seit „Casino Royale“ von 2006 in fünf Bondfilmen zu sehen war. Dass „Keine Zeit zu Sterben“ Craigs letzter Auftritt sein würde, war längst klar – die Gerüchteküche um seine Nachfolge brodelt schon seit Jahren. Craigs Bond war in gewisser Hinsicht bereits vor der ersten Filmminute tot.

Es wird also einen neuen James Bond geben, und der wird – genau wie es seine Vorgänger getan haben – innerhalb des 007-Universums so tun, als hätte es diese Vorgänger nie gegeben. Schließlich hat es bei vorigen Darstellerwechseln auch höchstens mal eine Anspielung gegeben („This never happened to the other fellow.“). Und es hat sich auch niemand an neuen Ms, Qs, Moneypennys oder Blofelds gestört.

Spannend ist natürlich, ob einige der relativ frisch etablieren Figuren aus dem „Craig-Universum“ erhalten bleiben. M, Q oder Moneypenny haben ja ein recht „persönliches“ Verhältnis zu einer bestimmten Bond-Figur. Und es ist eben nicht einfach die Nummer „007“, die neu vergeben wird, es ist immer „ein Mensch namens James Bond“ (der dann siebte Darsteller von Ian Flemings Romanfigur).

Es wird meiner Meinung nach in den kommenden Bondfilmen keineswegs von jetzt an immer spannend werden, ob Bond den Film überlebt oder nicht. Lediglich wenn erneut ein verdienter Bond-Darsteller seinen letzten Bondfilm dreht (und nur für den Fall, dass sich alle Beteiligten darüber auch vollkommen klar und einig sind) UND ein Ableben irgendwie in den Geist der Filmreihe dieses Darstellers passt, könnte es passieren, dass man die Figur erneut beerdigt.

Mit anderen Wort: es wird mindestens zehn, eher fünfzehn Jahre dauern, bis das überhaupt wieder passieren könnte. An dieser Möglichkeit kann ich nichts wirklich schlimmes finden. Auch wenn das natürlich ein herber Bruch mit der bisherigen Tradition ist.

Bonds Tod im Kontext der „Craig-ist-Bond“-Filme
Craigs Bond war immer etwas menschlicher als seine Vorgänger – aber musste man die Figur deshalb gleich sterben lassen? „Keine Zeit zu Sterben“ ist von Anfang an bemüht, das persönliche Drama der Figur hervorzuheben: Das von Zweifeln geprägte, schmerzvolle Ende der Beziehung zu Madeleine, die Rolle ihrer kleinen Tochter, die Trauer über Bonds ‚erste Liebe‘ Vesper Lynd (Eva Green in „Casino Royale“), Blofelds Tod durch Bonds unfreiwilliges Zutun.

Am Ende opfert sich Craigs Bond also, um das Überleben seiner Familie zu sichern – einer Familie, von der er zu Beginn der Handlung gar nicht wusste, dass er sie hat. Das passt soweit grundsätzlich zur Figur. Und ein bisschen auch zum Franchise – denn Bond aus dem Agentenjob ins Leben als Familienvater zu entlassen, wäre letztlich noch ein größerer Traditionsbruch gewesen (klar, man hätte sich die Familie auch einfach sparen können, aber das hat man nun mal nicht getan).

Ein bisschen schade ist jedoch, dass dieser bemerkenswerte erste Filmtod einer der berühmtesten Figuren der Filmgeschichte so wenig mit dem Bösewicht des Films zu tun hat. Zwar ist es natürlich Lyutsifer Safin (Rami Malek), der Bond zum ultimativen Opfer zwingt. Aber so richtig überzeugend ist das nicht, weil es nicht den Eindruck macht, als hätte Bond in Safin entgültig seinen Meister gefunden.

Insgesamt wirkt dessen Rolle, als hätte man sie so geschrieben, dass sie mit ihrer Motivation das persönliche Drama von Bond und Madeleine weitertreibt, dabei aber noch irgendwie den Strang mit „SPECTRE“ beendet – was auch gut gelingt. Ein echtes Eigenleben gewinnt Safin dabei allerdings nicht, was auch angesichts der wenigen Szenen, die er in den knapp drei Stunden von „Keine Zeit zu Sterben“ bekommt, nicht verwundert.

Insgesamt finde ich die Entscheidung der Produzenten, James Bond zum ersten Mal in den Filmtod zu schicken, also nicht verwerflich. Es passt besser in die Filmreihe mit Daniel Craig als in den konkreten Film, was aber zu verschmerzen ist. Und vielleicht am wichtigsten ist, dass es mir bezüglich der kommenden 007-Filme keine Sorgen bereitet. Ob mir die Filme mit der nächsten Verkörperung der Figur gefallen oder nicht, hat ausschließlich mit den Entscheidungen zu tun, die hierzu in der Zukunft getroffen werden. Und kein bisschen mit dem ‚besonderen‘ Ende der Ära Daniel Craig.

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