Kurzkritik: Serenity (Im Netz der Versuchung)

Krimi/Thriller, 2019

Regie: Steven Knight; Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jason Clarke, Diane Lane

Worum geht’s?
Baker Dill (McConaughey) ist Kapitän eines kleinen Fischerboots auf einer abgelegenen Insel in der Karibik. Seit Monaten jagt er vergeblich einen ganz dicken Thunfisch, der ihm immer wieder in letzter Sekunde entkommt. Eines Tages taucht seine Ex-Frau Karen (Hathaway) mit einer gefährlichen Bitte auf. Baker soll ihren neuen Ehemann, der sie misshandelt, beim Angeln „verschwinden lassen“. Das wäre auch ganz im Sinne ihres gemeinsamen Sohnes Patrick, den Baker sehr vermisst

Was soll das?
Die Ausgangslage von „Serenity“ ist klassischer Neo-Noir. Ein einsamer Held mit dem Herz am rechten Fleck, eine Femme Fatale in auswegloser Lage und einem sich anbahnenden Verbrechen. Doch dann geht der Film – einige Andeutungen lassen eine Überraschung erahnen– einen ganz anderen Weg. In bester „Mind Fuck“-Manier wird erscheinen Story und Setting in einem völlig anderen Licht.

Taucht das was?
Leider nein. „Im Netz der Versuchung“ (so der einfallslose und irreführende deutsche Titel) überzeugt zwar mit Schauwerten, und weitgehend auch hinsichtlich der Darsteller. Doch der große Kniff des Films wird wohl auch jene enttäuschen, die der Grundidee positiv gegenüberstehen. Beim Übergang zwischen den beiden Ebenen holpert es gewaltig, vor allem weil der Film seine ‚eigentliche‘ Story nie überzeugend ausführt. So passen die meisten Puzzlestücke zwar irgendwie zusammen, doch sie bilden am Ende kein ausreichendes Fundament für die Erzählung . Das Ergebnis ist nicht unguckbar, aber –  trotz des durchaus interessanten Ansatzes – insgesamt leider eher frustrierend.

2/5

Kurzkritik: Aquaman

Action/Fantasy, 2018

Regie: James Wan; Darsteller: Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Nicole Kidman, Patrick Wilson

Worum gehts?
Der Sohn einer Königin von Atlantis und eines Leuchtturmwächters muss den totalen Krieg zwischen der Menschheit und den Bewohnern von Atlantis verhindern. Nur widerwillig begibt er sich auf die Suche nach dem mächtigen Dreizack, der für seine Mission unerlässlich ist.

Was soll das?
Nach ersten Auftritten in „Justice League“ und „Batman vs Superman“ reicht DC Comics (bzw. Warner als Studio) hier eine Art ‚Origins‘-Story der Figur des Aquaman nach.

Taugt das was?
Nicht wirklich. Zwar bietet der Film einige Schauwerte, und Jason Mamoa ist weiterhin eine gute Besetzung für den schnell etwas albern wirkenden „Aquaman“. Doch mir persönlich war der extrem künstliche Look nichts, der vor allem die Unterwasser-Szenen auszeichnet. Die Story ist ebenfalls eher dämlich (selbst innerhalb des an dämlichen Stories nicht armen Genres), und sorgt auch mal für unfreiwillige Lacher. Das gilt auch für die beiden Haupt-Bösewichte.

2/5

Kurzkritik: True Detective – Staffel 3

Krimi/Drama, 2019

Creator: Nick Pizzolatto; Darsteller: Mahershala Ali, Stephen Dorff, Carmen Ejogo

Worum gehts?
Die Cops Hays (Ali) und West (Dorff) ermitteln anno 1980 in einem Mordfall in einer Kleinstadt in Arkansas, der sie über Jahrzehnte nicht loslassen wird. Alles dreht sich um zwei verschwundene Kinder, einige mysteriöse Umstände und ein abruptes, jedoch nicht endgültiges Ende der Ermittlungen.

Was soll das?
Die Bedeutung des Verbrechens für die zentralen Charaktere ist wichtiger als eine spektakuläre Auflösung. Das kennt man von „True Detective“, das zeichnet die Show aus. Die Story wird auf drei Zeitebenen erzählt. 1980, als das Verbrechen passiert; 1990, als die Ermittlungen wieder aufgenommen werden; und die Gegenwart, in der Hays an Demenz leidet und sich erneut mit dem Fall beschäftigt

Taugt das was?
Ja. Die dichte Atmosphäre, die sich wie ein Mosaik zusammensetzende Story, aber vor allem die glaubwürdig entwickelten Charaktere und ihre starken Darsteller sorgen für spannende und anspruchsvolle Unterhaltung. Dabei legt die Serie (mal wieder) eine Menge falsche Fährten, und es wird daher streitbar bleiben wie sinnvoll und notwendig die eigentlich sind (siehe Absatz ganz unten).

Wo kann ich das gucken?
Bei Sky ist „True Detective“ Teil der Flatrate, bei anderen Diensten kann die Serie gekauft werden. Siehe hier./

[SPOILER!] Was ist denn der Nebenplot mit der TV-Doku wert, wenn er am Ende einfach abgeschenkt wird? Das gleiche gilt für die vielen Andeutungen von Korruption innerhalb von Polizei und Staatsanwaltschaft. Das muss man fragen dürfen. Andererseits sind falsche Fährten ja ganz klassische Krimi-Elemente, nur dass „True Detective“ deutlich mehr Spaß dran hat, sie detailliert auszuarbeiten, als andere Stoffe…

Diverse News – Serie „Ratched“, 007, ein „Deadwood“ und ein „Sopranos-Film

Die berühmte Krankschwester Nurse Ratched aus „Einer Flog übers Kuckucksnest“ (darin Ocar-gekrönt verkörpert von Louise Fletcher) bekommt auf Netflix eine eigene Serie. Die Titelrolle spielt Sarah Paulson, insgesamt ist die Besetzung nicht arm an bekannten Namen.. Mehr dazu bei Variety

Den umgekehrten Weg gehen die „Sopranos“. Hier steht mit „The Many Saints of Newark“ ein Film-Prequel an, ebenfalls mit prominenter Besetzung. Das ganze spielt während der Unruhen von Newark in den 60er Jahren, mehr dazu hier.

Neuigkeiten bezüglich der Besetzung gibt es auch beim nächsten Bond-Film, der den seltsamen Titel „Shatterhand“ tragen wird (was darauf hindeutet das Christoph Waltz wieder als Blofeld dabei sein wird). Ob der frischgebackene Oscar-Gewinner Rami Malek als Bösewicht auftreten wird ist offenbar unklar – ich mag Malek, bin aber skeptisch ob er der Richtige wäre. Hängt aber natürlich in erster Linie vom Drehbuch ab… Mehr lesen

Und während ich endlich mal die Serie „Deadwood“ nachhole (absolut großartig!) habe ich hier gelesen, dass es demnächst einen „Deadwood“-Film geben wird. Anders als bei den „Sopranos“ wird das kein Prequel sein, die Originalbesetzung scheint weitgehend wieder dabei zu sein…


Kurzkritik: Green Book

Drama, 2018

Regie: Peter Farelly; Darsteller: Mahershala Ali, Viggo Mortensen, Linda Cardellini

Worum geht’s?
Der italienisch-stämmige Familienvater Tony Vallelonga (V. Mortensen) aus der Bronx wird anno 1962 engagiert, den farbigen Jazzpianisten Don Shirley (M. Ali) auf seine Konzertreise durch den Mittleren Westen und den Süden der USA zu begleiten. Zwischen den beiden unterschiedlichen Männern entwickelt sich dabei ein ungewöhnliche Freundschaft.  

Was soll das?
„Green Book“ ist ein feelgood Road Movie mit 60’s Soundtrack, basierend auf einer „wahren“ Geschichte. Thematisch geht es um den tief in der Gesellschaft verwurzelten Rassismus, dem sich der Film aber auf vergleichsweise zahme Art annimmt.  „Green Book“ präsentiert eine versöhnliche Botschaft, für die er durchaus zu Recht einige Kritik einstecken musste. Es gibt aber auch einige starke Szenen, welche die vermeintliche „Logik“ von Rassenhass und Vorurteilen messerscharf auf den Punkt bringen.

Taucht das was?
Durchaus. Die beiden Hauptdarsteller tragen den Film weitgehend allein, Mortensens Darstellung erinnert oft sprachlich an einen gewissen Tony Soprano (irgendwie passend, weil der echte Tony Vallelonga in dieser Serie den Gangsterboss Carmine gespielt hat). Dramaturgisch ist „Green Book“ ebenfalls stark, wenn auch arm an Überraschungen. Das Ende war mir dann deutlich zu kitschig,. Dass dies der „Beste Film“ des Jahres 2018 gewesen sein soll (zumindest gab es den entsprechenden Oscar) wird man in wenigen Jahren – wenn nicht schon jetzt – eher kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.

4/5

Kurzkritik: Roma

Drama, 2018

Regie: Alfonso Cuaron; Darsteller: Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Jorge Antonio Guerrero

Worum geht’s?
„Roma“ zeigt ein Jahr im Leben der jungen Haushälterin Cleo in der Familie eines wohlhabenden Doktors in Mexiko City Anfang der 70er Jahre.

Was soll das?
Regisseur Cuaron beschäftigt sich in „Roma“ mit Erlebnissen seiner Kindheit und erschafft ein sowohl detailliertes wie auch reflektiertes Gesellschaftsportrait. Die persönlichen Dramen der Hauptfiguren werden dabei virtuos mit historischen Zusammenhängen und Ereignissen angereichtert.

Taugt das was?
Ja. In großartigen Bildern zeigt „Roma“ eine außergewöhnlich realistisch anmutende unkonventionelle  Darstellung des Alltags einer (erweiterten) Familie. Dabei gelingen einige ganz besondere Momente (etwa die Martial Arts-Gruppe und ihr denkwürdiger „Meister“), die in Richtung “magischer Realismus” gehen. Außerdem ganz stark gespielt und zwar lang, aber nicht langweilig.

4/5

Kurzkritik: The Favourite

Drama/Komödie, 2018

Regie: Yorgos Lanthimos; Darsteller: Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone

Worum geht’s?
England, Anfang des 18. Jahrhundert. Die kränkliche Königin Anne (O. Colman) überlässt große Teile der Amtsgeschäfte und Entscheidungen ihrer Freundin Lady Sarah (R. Weisz). Neu an den Hof kommt die ehrgeizige „gefallene Adelige“  Abigail (E. Stone), die sich bald mit Lady Sarah gut versteht – dann aber zur Konkurrenz wird..

Was soll das?
Ungewöhnliches Historiendrama mit viel psychologischer Tiefenschärfe und dem für Regisseur Lanthimos typischen etwas abseitigen Humor. Ungewöhnlich für einen Historienfilm ist auch, dass „The Favourite“  weder die Darstellung eines besonders interessanten Ereignisses (der Krieg bzw. die Schlachten oder Generäle stehen nie Mittelpunkt, sind nur „aktiver Hintergrund“ für die Story) noch eine „umfassende“ Filmbiografie sein will.

Taucht das was?
Absolut. Dem großartigen Ensemble mit Stone, Weisz & Colman zuzusehen ist eine wahre Freude, die Ausstattung ist prunkvoll, die Kostüme herrlich überzogen. Vor allem aber überzeugt die von Intrigen, Verletzlichkeiten und Animositäten getriebene Story samt Figurenentwicklung und den pointierten Dialogen. Wie scheinbar immer  bei diesem Regisseur ist „The Favourite“ aber sicher nicht jedermanns Sache…

4/5

Kurzkritik: London Fields

Krimi/Drama, 2018

Regie: Mathew Cullen; Darsteller: Amber Heard, Billy Bob Thornton, Jim Sturgess

Worum gehts?
Schriftsteller Samsons Young ist auf der Suche nach einer guten Story. Er gerät in London an die „Femme Fatale“ Nicola Six, die sich sicher ist, bald ermordet zu werden – aber noch nicht weiss, von wem… Während Nicola einigen Männern in ihrem Umfeld den Kopf verdreht und Samson seinen Roman beginnt, verschieben sich in „London Fields“ langsam die Grenzen zwischen Realität und (Meta-)Fiktion.

Was soll das?
Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Amis aus dem Jahr 1989. Die doppelbödige Krimihandlung wird hier zwar gekürzt, aber im Wesentlichen werkgetreu wiedergegeben (was soweit ich mich erinnere auch für die Plot Twists/Erklärungen am Ende gilt).

Taugt das was?
Nein. „London Fields“ hat keine zündende Idee, wie der Stoff sinnvoll in die Gegenwart überführt werden kann. Und die Darsteller scheitern grandios daran, die schwierigen (in der Vorlage eher als Karikaturen angelegten) Figuren zu überzeugenden Charakteren zu machen. Das gilt insbesondere für die dauernd halbnackte und durchaus verführerische, aber ansonsten sehr blasse Amber Heard (als „geheimnisvolle“ Nicola Six) und den vollkommen übers Ziel hinaus schießenden Jim Sturgess (als prolliger Loser Keith Talent).

2/5

Kurzkritik: Widows

Thriller, 2018

Regie: Steve McQueen; Darsteller: Viola Davis, Michelle Rodriguez, Colin Farrell, Daniel Kaluuya

Worum geht’s?
Bei einem Raubüberfall kommen vier Männer ums Leben, ihre Beute fliegt mit ihnen in die Luft. Während ihre Frauen noch trauern melden sich die beklauten Gangster – und fordern das Geld von ihnen zurück. Veronica (V. Davis) schmiedet einen riskanten Plan, mit dem das gelingen könnte.

Was soll das?
„Widows“ beginnt als Drama und Milieustudie (in Chicagos Southside), konzentriert sich zunächst darauf, die Figuren einzuführen. Ein windiger Lokalpolitiker, der den Sitz seines Vaters „verteidigen“ möchte, ist ebenso dabei wie ein Haufen skrupelloser Gangster, die es ebenfalls auf diesen Sitz abgesehen haben. Gegen  Ende macht der Film mit einigen Actionszenen und überraschenden Wendungen deutlich Zugeständnisse an ein Mainstream-Publikum.

Taucht das was?
Ja. Für Spannung und Unterhaltung ist insgesamt gesorgt. Dank der sorgfältigen Figurenzeichnung und dem offensichtlichen Anspruch, die Welt, in der sich die Handlung abspielt, zu durchleuchten, ist „Widows“ mehr als ein handwerklich solider Thriller. Die Art und Weise, wie die Erzählungen des Films am Ende zusammenlaufen hat mich allerdings nicht sonderlich überzeugt.

4/5

Kurzkritik: Polar

Regie: Jonas Akerlund ; Darsteller: Mads Mikkelsen, Vanessa Hudgens, Katheryn Winnick

Action, 2019

Worum gehts?
Ein amtsmüder Auftragskiller steht kurz vor der Rente. Seine Auftraggeber wollen ihn lieber tot sehen als ihm seine verdiente „Rente“ auszubezahlen.

Was soll das?
Der Versuch von Netflix, auf den Erfolgszug von „John Wick“ und „The Equalizer“ aufzuspringen. Mit Mads Mikkelsen hat man auch einen passenden Hauptdarsteller gefunden.

Taugt das was?
Nein, nix. Die bekloppte Story, die übertriebene Gewalt und auch die Hauptfigur – alles nur ein mieser Abklatsch. Dass „Polar“ schwachsinniger Mist ist war zu erwarten. Leider macht der Film aber auch einfach keinen Spass, weil es schlicht an Ideen fehlt. Und zu lang ist er auch. Negativ-Highlight war für mich der „Bösewicht“ und sein großartiger „Plan“…

2/5

1 2 3 4 5 106