Kurzkritik: Widows

Thriller, 2018

Regie: Steve McQueen; Darsteller: Viola Davis, Michelle Rodriguez, Colin Farrell, Daniel Kaluuya

Worum geht’s?
Bei einem Raubüberfall kommen vier Männer ums Leben, ihre Beute fliegt mit ihnen in die Luft. Während ihre Frauen noch trauern melden sich die beklauten Gangster – und fordern das Geld von ihnen zurück. Veronica (V. Davis) schmiedet einen riskanten Plan, mit dem das gelingen könnte.

Was soll das?
„Widows“ beginnt als Drama und Milieustudie (in Chicagos Southside), konzentriert sich zunächst darauf, die Figuren einzuführen. Ein windiger Lokalpolitiker, der den Sitz seines Vaters „verteidigen“ möchte, ist ebenso dabei wie ein Haufen skrupelloser Gangster, die es ebenfalls auf diesen Sitz abgesehen haben. Gegen  Ende macht der Film mit einigen Actionszenen und überraschenden Wendungen deutlich Zugeständnisse an ein Mainstream-Publikum.

Taucht das was?
Ja. Für Spannung und Unterhaltung ist insgesamt gesorgt. Dank der sorgfältigen Figurenzeichnung und dem offensichtlichen Anspruch, die Welt, in der sich die Handlung abspielt, zu durchleuchten, ist „Widows“ mehr als ein handwerklich solider Thriller. Die Art und Weise, wie die Erzählungen des Films am Ende zusammenlaufen hat mich allerdings nicht sonderlich überzeugt.

4/5

Kurzkritik: Polar

Regie: Jonas Akerlund ; Darsteller: Mads Mikkelsen, Vanessa Hudgens, Katheryn Winnick

Action, 2019

Worum gehts?
Ein amtsmüder Auftragskiller steht kurz vor der Rente. Seine Auftraggeber wollen ihn lieber tot sehen als ihm seine verdiente „Rente“ auszubezahlen.

Was soll das?
Der Versuch von Netflix, auf den Erfolgszug von „John Wick“ und „The Equalizer“ aufzuspringen. Mit Mads Mikkelsen hat man auch einen passenden Hauptdarsteller gefunden.

Taugt das was?
Nein, nix. Die bekloppte Story, die übertriebene Gewalt und auch die Hauptfigur – alles nur ein mieser Abklatsch. Dass „Polar“ schwachsinniger Mist ist war zu erwarten. Leider macht der Film aber auch einfach keinen Spass, weil es schlicht an Ideen fehlt. Und zu lang ist er auch. Negativ-Highlight war für mich der „Bösewicht“ und sein großartiger „Plan“…

2/5

Trailer der Woche XV – „Glass“ & „IO“

M. Night Shyamalan führt in „Glass“ die ‚Superhelden‘ aus zwei seiner besseren Filme zusammen – Bruce Willis und Samuel L. Jackson aus „Unbreakable“ und James McAvoy aus „Split“. Ich bin skeptisch, aber auch irgendwie interessiert..

Netflix wiederum hat Gefallen an Sci-Fi-Filmen gefunden. Nach dem hervorragenden „Annihilation“ und den mittelmäßigen „Bright“ und „Anon“ (und einigen anderen, die ich nicht gesehen habe) nun also „IO“. Mal sehen was das wird.

(Beide Filme laufen am 18. Januar an..)

Kurzkritik: Bird Box – Schließe Deine Augen

Horror, 2018

Regie: Susanne Bier; Darsteller: Sandra Bullock, John Malkovich, Trevante Rhodes

Worum gehts?

Ein urplötzliches Phänomen dezimiert große Teile der Weltbevölkerung, indem es die Menschen in den Selbstmord treibt. Nur wer sich die Augen verbindet und das mysteriösen Grauen nicht ansieht kann überleben. Die schwangere Malorie (S. Bullock) findet vorübergehend Unterschlupf in einem abgedunkelten Haus und einigen ihr unbekannten Bewohnern.

Was soll das?

„Bird Box“ ist ein recht klassischer „Das Ende der Welt ist gekommen“-Horrorfilm.  Die Story entfaltet sich auf zwei Zeitebenen, einerseits die Tage im Haus unmittelbar nach Ausbruch der „Seuche“, anderseits einige Jahre später. Da ist Malorie mit zwei Kindern (alle drei mit verbundenen Augen) mit einem kleinen Boot unterwegs auf einem Fluss durch die Wälder, der letzten Hoffnung auf Rettung folgend…

Taugt das was?

Ja. „Bird Box“ ist unterhaltsam und spannend, das Szenario nicht unbedingt neu, aber stimmig entwickelt (und fällt nicht so übel in sich zusammen wie der recht vergleichbare „The Happening“ von 2008). Die zweigeteilte Erzählung funktioniert ebenfalls recht gut, und lenkt von einigen Ungereimheiten ab. Mehr als kurzweilige Horrorunterhaltung sollte man allerdings nicht erwarten; der ‚Hype‘ um den Film ist nicht gerechtfertigt.

3/5

Die besten Serien 2018

 

Die besten neu angelaufenen Serien des Jahres

Hier habe ich nicht sonderlich viel Auswahl, die noch laufenden, fortgesetzten Shows fressen ja eine ganze Menge Zeit.

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Ebenfalls gut waren: Mosaic, Patrick Melrose, American Crime Story – The Assassination of Gianni Versace, The Little Drummer Girl

Die besten fortgesetzten Serien des Jahres

Westworld hat mir in seiner zweiten Staffel besser gefallen als in der ersten. Einzelne Folgen waren für sich stehend absolut hervorragend. Wäre da nicht das etwas zu überraschende Ende gewesen. Da haben die Macher ein wenig zu viel Spaß an der Überraschung gehabt und dieser die Erzählung einer stringenten Story geopfert. Naja. Immerhin ist die Aussicht auf eine sehr spannende dritte Staffel da.

Von The Affair habe ich mir in der mittlerweilen vierten Staffel gar nicht allzu sehr versprochen. Und bin extrem positiv überrascht worden. Die wechselnden Perspektiven ergeben hier in Verbindung mit den Entwicklungen der Figuren als Gesamtbild plötzlich wieder deutlich mehr Sinn als zuletzt. Und neben den ohnehin immer großartigen Darstellern stimmt auch das Drehbuch wieder.

Die Dinge spitzen sich zu in der vierten Staffel von „Better Call Saul„. Nach dem dramatischen Finale der letzten Staffel geht es zwar im gewohnt gemächlichen Tempo weiter, doch die Welt von „Breaking Bad“ guckt langsam um die Ecke. In Sachen Figurenentwicklung und Stil bleibt die Serie absolut top. Einzig die Beziehung zwischen Kim und Jimmy überzeugt mich nicht so ganz, auch wenn beide Schauspieler erneut großartig aufspielen…

The Deuce ist sich treu geblieben, erzählt schonungslos und ohne Eile von der zwielichtigen Szenerie rund um den Times Square Ende der Siebziger. Die Story hat inzwischen Fahrt aufgenommen, was bei David Simon („The Wire“, „Treme“) wie üblich heisst, dass die Figurenentwicklung in vollem Gang ist.

Die große Veränderung bei der mittlerweile sechsten Staffel von“Ray Donovan“ ist der neue Schauplatz. Große Teile des Donovan-Clans sind nach New York gezogen. Natürlich ist Ray bald wieder in allerlei Schelmereien verwickelt, doch die Serie konzentriert sich zunehmend auf die dramatischen Aspekte – und nimmt seine Figuren ernst.

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Nicht der Wahnsinn, trotzdem gern gesehen: Ozark, The Handmaids Tale, Hap & Leonard, The Man in the High Castle, The Sinner

Nicht mehr zu empfehlen: „13 Reasons to Die“, „4 Blocks“, „Legion“

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PS: „Fortitude“ macht mir viel Spass (aktuell die erste Staffel), gehört aber nicht ins Jahr 2018.

Kurzkritik: Mid90s

Drama, 2018

Regie: Jonah Hill; Darsteller: Sunny Suljic, Katherine Waterston, Na-Kel Smith, Lucas Hedges

Worum geht’s?
Los Angeles, Mitte der 90er. Der 13-jährige Stevie freundet im Verlauf eines Sommers durch die Freundschaft zu einer Gruppe älterer Skater von seiner Familie. Mit seinem großen Bruder Ian gibt es meist Streit, seine alleinerziehende Mutter

Was soll das?
Das Regiedebut von Schauspieler Jonah Hill ist sowohl eine relativ zeitlose Geschichte über das Erwachsenwerden (in Bezug auf die generellen Themen und Motive) als auch das Portrait einer Zeit und Szene von jemanden, der darin aufgewachsen ist (90er Jahre HipHop, Skater, Zeitgeist). Letzteres wird aber wohl nur zu schätzen wissen, wer diese Zeit ebenfalls erlebt hat.

Taucht das was?
Ja, der Film überzeugt und steht auf eigenen Beinen, auch wenn er stark von Filmen wie „Kids“ beeinflusst ist. Dazu tragen sowohl die gelungene Zeitreise (Ausstattung, Soundtrack) als auch die starken unbekannten Darsteller, die dem Film Glaubwürdigkeit verleihen. Nicht zuletzt versteht es „Mid90s“ nicht auf einen klassischen Plot zu setzen, sondern schlicht die Entwicklungen und Ereignisse einer überschaubaren Zeitraums – die nur hin und wieder mit ‚erhobenem Zeigefinger‘ präsentiert werden…

4/5

Kurzkritik: Leave No Trace

Drama, 2018

Regie: Debra Granik; Darsteller: Ben Foster, Thomasin McKenzie, Derek Dresher

Worum geht’s?

Ex-Soldat Will lebt mit seiner 13-jährigen Tochter Tom in einem selbstgebauten Camp in einem Nationalpark in Oregon. Ihre Kontakte mit der Zivilisation beschränken sich auf das Nötigste. Eines Tages erhalten die Behörden einen Hinweis auf ihren ‚illegalen‘ Daueraufenthalt im Park. Will und Tom müssen den Park verlassen. Trotz guten Willens der Behörden gestaltet sich ihre Existenz in einem konventionelleren Umfeld schwierig. Vor allem Will, der unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidet, ist weder gewillt noch in der Lage, normale soziale Beziehungen zu pflegen.

Was soll das?

„Leave No Trace“ konzentriert sich ganz auf die Nuancen und Details der unmittelbaren Gegenwart seiner Hauptfiguren – die Hintergründe werden lediglich skizziert. So bleiben Fragen offen, es bleibt Raum für Interpretationen. Es ergibt sich keine reine Charakterstudie, sondern eine eher parabelhafte Annäherung an Themen wie Älterwerden, Kinder ziehen lassen – und die Absurdität der modernen Leistungsgesellschaft.

Taucht das was?

Einiges. Die gemächliche (aber keinesfalls ereignislose) Story und die Entwicklung der Hauptfiguren sowie deren Beziehung zueinander entwickelt sich packend und überzeugend. Getragen wird der Film von den starken Darstellern, die jede Art von ‚Overacting‘ vermeiden und jederzeit glaubwürdig bleiben. Ein feines kleines Drama.

4/5

Die Top 10 Filme von 2018 [Update 07. Januar]

Selten habe ich soviele Filme verpasst wie dieses Jahr. Kein Wunder, wenn man nur dreimal im Kino war und (zu)viele Serien glotzt. Daher hier nun erstmal acht Filme, die ich empfehlen kann, in den kommenden Wochen wird sich hier sicher noch was tun (der Beitrag wird nach jeder Änderung mit dem Hinweis „Update“ wieder oben stehen…).

  1. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
  2. First Reformed
  3. BlacKkKlansmen
  4. Annihilation
  5. Mission: Impossible – Fallout
  6. Leave No Trace
  7. The Death of Stalin
  8. Black Panther
  9. Ataris Reise (Isle of Dogs)

Kurzkritik: The Terror (Serie)

Horror/Drama, 2018

Regie/“Creator“: David Kajganich, Max Borenstein, Alexander Woo; Darsteller: Jared Harris, Ciaran Hinds, Tobias Menzies

Worum gehts?

Die Geschichte einer britischen Expedition zweier Schiffe auf der Suche nach der Nordwest-Passage in den Pazifik beruht auf wahren Begebenheiten.

Taugt das was?

Jep. „The Terror“ überzeugt sowohl als Geschichtsstunde über das Leben an Bord anno 1848, als auch als düsteres, stimmungsvolles Horror-Drama mit großartiger Besetzung – allen voran Jared Harris als Kapitän. Der mystische Aspekt (kann man auch „Fantasy“ nennen) war nicht eben mein Favorit bei der Mischung, passt aber insgesamt sehr gut rein. Nur die CGI lässt etwas zu wünschen übrig…

Wo kann ich das gucken?

Bei Amazon Prime Video.

4/5

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