Drama/Thriller, 2026
Creator: Sam Levinson; Darsteller: Zendaya, Sidney Sweeney, Jacob Elordi, Hunter Schaefer
„Euphoria“ hat sich nach seiner extrem starken zweiten Staffel über vier Jahre Zeit gelassen. Die dritte ist jetzt auch die letzte Staffel. Dabei muss sich die Show zwangsläufig stark verändern – die Highschool-Zeit der Hauptfiguren ist vorbei. Und die Freundschaften (ebenso wie die Feindschaften) aus dieser Zeit überstehen ja eher selten die Veränderungen, die mit dem Ende der Schulzeit anstehen. So auch bei Rue, Nate, Cassie, Maddie, Lexi und Jules.
Tatsächlich kämpft „Euphoria“ ziemlich damit, seine Figuren irgendwie in eine Erzählung aus einem Guss zu bringen. Oder gibt den Kampf streng genommen direkt auf. Die Show folgt im Wesentlichen zum einen Rue (Zendaya), die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird und sich in der Unterwelt von Drogendealern und Stripclub-Besitzern wiederfindet. Und zum anderen folgt sie Cassie (Sidney Sweeney), die sich – trotz anstehender Hochzeit mit Nate – vor allem für ihre Karriere als „Only Fans“-Sternchen interessiert. Die übrigen Figuren bekommen deutlich weniger Aufmerksamkeit, was angesichts der vorigen, sehr gelungenen Entwicklung äußerst schade ist.
Showrunner und Regisseur Sam Levinson hat sich in Sachen Style und Storytelling hier stark von Quentin Tarantino insprieren lassen. Die Staffel ist opulent gefilmt und äußerst brutal, dabei visuell irgendwo zwischen Exploitation, Porn Chic und Neo-Western angesiedelt. Einige der neuen Figuren (insbesondere Alamo Brown) wären auch in „Kill Bill“ bestens aufgehoben.
So richtig überzeugt hat mich die Show trotz der furiosen Inszenierung nicht. Dafür sind die Erzählungen nicht spannend und überraschend genug. Oft fühlt sich das alles sehr wie ein Moralstück an, in dem die unschuldigen (und ahnungslosen) Kinder der Generation Z von der harten Realität (und Vertretern älterer Generationen) in die Grenzen eingeholt werden. Das ist oft schon sehr zeitgeistig und entbehrt auch nicht einer inneren Logik. Aber an die psychologische Komplexität und die wichtige Ambivalenz der ersten Staffel kann die Show nicht anknüpfen. Ein für die aktuelle Zeit relevantes und handwerklich stark gemachtes Stück Serien-Geschichte mit hohem Unterhaltungswert (und über weite Strecken eine Extra-Portion Zynismus) bekommt man dennoch serviert.
Wo kann ich das gucken?
HBO Max / Sky / Wow
7/10

