Die Top 10 Filme von 2018 [Update 07. Januar]

Selten habe ich soviele Filme verpasst wie dieses Jahr. Kein Wunder, wenn man nur dreimal im Kino war und (zu)viele Serien glotzt. Daher hier nun erstmal acht Filme, die ich empfehlen kann, in den kommenden Wochen wird sich hier sicher noch was tun (der Beitrag wird nach jeder Änderung mit dem Hinweis „Update“ wieder oben stehen…).

  1. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
  2. First Reformed
  3. BlacKkKlansmen
  4. Annihilation
  5. Mission: Impossible – Fallout
  6. Leave No Trace
  7. The Death of Stalin
  8. Black Panther
  9. Ataris Reise (Isle of Dogs)

Kurzkritik: Bad Times at the El Royale

Krimi/Komödie, 2018

Regie: Drew Goddard; Darsteller: Jon Hamm, Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson

Worum geht’s?

In einem Hotel auf der Grenze von Kalifornien und Nevada, anno 1969. Das El Royale hat seine besten Tage hinter sich, ein einsamer junger Man schmeisst den Laden. Eines Tages kommen vier Gäste an, wobei nicht so ganz klar ist, was sie eigentlich dahin verschlagen hat: Ein redseliger Staubsaugervertreter (J. Hamm), eine Soulsängerin (Cynthia Erivo), ein alter Priester (J. Bridges) und eine junge Frau mit ‘Fuck You’-Attitude (D. Johnson).

Was soll das?

Spannung und Comedy halten sich in diesem Verwirrspiel mit zahlreichen popkulturellen Anspielungen (insbesondere bei cineastischen Vorbildern, aber auch in Sachen Musik) in etwa die Waage. Für Filmfans gibt es viel zu entdecken, und rein visuell sowie hinsichtlich der Besetzung kann Regisseur Drew Goddard aus dem Vollen schöpfen.

Taucht das was?

Nach dem starken Beginn geht “Bad Times at the El Royale” leider bald die Puste aus. Zwar sind die Backstories der Hauptfiguren insgesamt gelungen, doch mit zu vielen seiner vielversprechenden Ansätzen fängt der Film deutlich zu wenig an. Zum Finale serviert er dann eine wenig überzeugende Wendung, die sich dazu noch kräftig in die Länge zieht. Schade eigentlich.

2/5

Kurzkritik: First Man

Drama, 2018

Regie: Damien Chazelle; Darsteller: Ryan Gosling, Claire Foy, Kyle Chandler

Worum geht’s?

Die Biographie des ‘First Man on the Moon’ schildert nicht nur die Karriere des Astronauten Neil Armstrong, sondern auch seinen persönlichen Werdegang. Und natürlich das ’Space Race” zwischen den USA und der Sowjetunion, in dem die Amerikaner lange wie die Verlierer aussahen…

Was soll das?

“First Man” will ein Stück jüngere Geschichte erlebbar machen, und dabei auch über weniger bekannte (bzw. inzwischen in Vergessenheit geratene) Tatsachen aufklären. Dazu gehören die schwierigen Stationen der Mond-Mission ebenso wie die Proteste der Studenten und Bürgerrechtler gegen die ‘Geldverschwendung im All’. Am Ende wird es dann auch noch mal spektakulär, die Nachstellung der Mondlandung bietet trotz des bekannten Ausgangs ordentlich Suspense.

Taucht das was?

Wer Interesse am Thema hat macht hier sicher nichts falsch. Handwerklich gibt es wenig auszusetzen, auch das Timing stimmt. Die Person Neil Armstrong allerdings bleibt, trotz guter Leistung von Ryan Gosling, wie ich finde eher unscharf.

3/5

Kurzkritik: The Ballad of Buster Scruggs

Western, 2018

Regie: Joel & Ethan Coen; Darsteller: Tim Blake Nelson, Tom Waits, James Franco, Liam Neeson

Worum gehts?

„Buster Scruggs“ ist ein Western und Episodenfilm der Coen-Brüder, eine Mischung aus Drama, Komödie und Musical. Der Film läuft nicht im Kino sondern bei Netflix.

Was soll das?

Die einzelnen Episoden zeigen viele verschiedene Facetten bekannter Western-Motive, vom Revolverhelden über den Goldschürfer, Bankräuber, Marshall, angreifende Indianerhorden, ‚Wagon Trails“ nach Westen und Schausteller auf Wanderschaft. Es entsteht ein Western-Panorama mit vielen Anspielungen und Zitaten, oft geprägt durch die von Coen-typischem Humor durchdrungenen Dialoge.

Taugt das was?

Jein. Die Episoden sind recht wechselhaft in Sachen Thematik und Tempo. Der Anfang setzt einen Ton (ein possenhaftes Musical), von dem der Film immer weiter abweicht. Alle Geschichten haben ihren Reiz, einzelne sind gar großes Kino. Als ganzes aber ist der Film etwas enttäuschend. Ironischerweise ist daran auch Netflix schuld, denn kein Großbildfernseher der Welt kann die beeindruckenden Bilder von „Buster Scruggs“ so eindrucksvoll darstellen, wie eine Kinoleinwand es vermocht hätte…

3/5

Kurzkritik: Crazy Rich Asians

Rom-Com, 2018

Regie: Jon M. Chu ; Darsteller: Constance Wu, Henry Golding, Michelle Yeoh, Gemma Chan

Worum gehts?

Das junge in New York lebende Paar Nick und Rachel besucht anlässlich einer Hochzeit Nicks Familie in Singapur. Was die chinesisch-stämmige Rachel nicht weiss – die Familie ist unglaublich reich und gehört zur High Society des Stadtstaats. Auch Freunde und Verwandte sind nicht weniger reich und exzentrisch…

Was soll das?

Obwohl nach bewährtem Rom-Com Muster erzählt stellt „Crazy Rich Asians“ etwas Besonderes dar. Hollywood nimmt die Zielgruppe der aus Asien stammenden US-Bürger ernst, zielt aber mit dem Film nicht auf eine Nische, sondern einen „neuen“ Mainstream. Der Erfolg des komplett von asiatisch-stämmigen Kreativen umgesetzten Films wird den durch „Black Panther“ gesetzten Trend weiter verstärken. Wenn das die Trump-Wähler mitkriegen…

Taugt das was?

Ja. „Crazy Rich Asians“ hat sichtlich Spaß dran Klischees sowohl zu bedienen als auch auseinander zu nehmen. Singapur wird als Schauplatz hervorragend in Szene gesetzt, auch die Besetzung überzeugt. Die Story selbst ist weder neu noch sonderlich originell, aber solide erzählt und bietet einen stimmigen Rahmen für kurzweilige und unterhaltsame zwei Stunden.

4/5

Kurzkritik: Ocean’s Eight

Krimi/Komödie, 2018

Regie: Gary Ross; Darsteller: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway

Worum gehts?

Debbie Ocean (Bullock) hat 5 Jahre im Knast gesessen, weil ihr Partner Claude sie bei einem Schwindel in der Kunstwelt verraten hat. Nach ihrer Entlassung macht sie sich direkt ans Werk: ihr Plan ist nicht nur, sich und ihre 7 Mitstreiterinnen reich zu machen, sondern auch Claude als Schuldigen hinzustellen – kein einfaches Unterfangen…

Was soll das?

Spin-Off von Soderberghs „Ocean’s“-Reihe, die ja ihrerseits bereits mit einem Remake begann. „Ocean’s Eight“ präsentiert nun eine rein weibliche Crew, in der Sandra Bullock den George Clooney-Part übernimmt, während Cate Blanchetts Rolle der von Brad Pitt ähnelt. Schauplatz ist New York.

Taugt das was?

Durchaus, der Film bietet gute Unterhaltung, charmant und witzig dargeboten, mit raffiniertem Plot und kurzweiliger Inszenierung – entspricht alles dem, was man erwarten durfte. Wirklich neu ist nichts an der Erfolgsformel, abgesehen eben von der weiblichen Besetzung. An der ist nicht viel auszusetzen, an die nicht ganz natürlichen Gesichtszüge von Hollywood-Schauspielerinnen jenseits der 40 hat man sich ja leider bereits gewöhnt.

3/5

Kurzkritik: Sicario – Day of the Soldado

Thriller, 2018

Regie: Stefano Sollima; Darsteller: Josh Brolin, Benicio Del Toro, Isabela Moner, Catherine Keener

Worum gehts?

Wie schon im ersten Teil um die Drogenkartelle Mexikos, und den Versuch von US-Politik und -Behörden, sie wirksam zu bekämpfen. Emily Blunt ist nicht mehr dabei, dafür rückt der von Josh Brolin gespielte Agent Graver in den Mittelpunkt.

Was soll das?

„Day of the Soldado“ beginnt mit einigem Getöse (in Form von Terroranschlägen), in deren Folge Graver eine geheime Task Force anführt, bei der auch Alejandro (Del Toro) wieder dabei ist. Die Mission ist riskant und heikel – und beinhaltet auch die Entführung einer Minderjährigen…

Taugt das was?

Ja, für Thrillerfreunde ist der Film einen Blick wert. Handwerklich und optisch stimmt fast alles, die Spannung speist sich oft einfach aus dem Gefühl des Zuschauers, dass jederzeit etwas Unerwartetes passieren kann. Das war schon beim Vorgänger so, auch wenn die Actionszenen hier etwas dominanter sind.

Doch obwohl mit Taylor Sheridan der gleiche Drehbuchautor verantwortlich zeichnet, erreicht „Day of the Soldado“ nicht das gleiche Niveau. Ein paar Ungereimtheiten beim Setting etwa haben mich gestört (ich werde hier aber nicht spoilern).

Del Toro und auch Brolin machen ihre Sache sehr gut, auch die neuen Darsteller brauchen sich nicht zu verstecken. Trotzdem macht sich die Abwesenheit von Emily Blunt, und damit einer weiblichen Heldin im Mittelpunkt, schmerzlich bemerkbar.

3/5

Schluss mit Facebook – Filmriss jetzt bei Twitter

Nach längerem Überlegen bin ich jüngst zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht mehr bei Facebook sein will. Und damit ist auch der Filmriss nicht mehr bei Facebook, was einigen vielleicht schon aufgefallen ist.

Weiter geht es nun bei Twitter, wo ich neben Links zu neuen Beiträgen auch den ein oder anderen Kommentar nebenbei posten werde. So ist zumindest mein Plan.

Wer mag folgt mir also unauffällig..

Kurzkritik: Tully

Drama/Comedy, 2018

Regie: Jason Reitman; Darsteller: Charlize Theron, Mackenzie Davis, Mark Duplass

Worum gehts?

Die dreifache Mutter Marlo (C. Theron) ist in ihrem Alltag heillos überfordert, ihr Mann keine große Hilfe. Da kommt das Angebot ihres Bruders, eine „Night-Nanny“ zu ihrer Entlastung zu sponsern, eigentlich gerade recht – auch wenn Marlo erstmal äußerst skeptisch ist…

Was soll das?

„Tully“ zeigt schonungslos offen und humorvoll, wie anstrengend die Erziehung von kleinen Kindern (in diesem Falle zweier Grundschüler und eines Neugeborenen) für die Mutter ist. Und präsentiert mit der hilfreichen, geduldigen und stets gut gelaunten Nanny Tully (M. Davis) eine Lösung, die fast zu schön ist um wahr zu sein.

Taugt das was?

Ja, der Film kann sowohl in seinen dramatischen als auch in seinen humorvollen Szenen (die nicht selten zusammen fallen) überzeugen. Ob er als weiterführende Beschäftigung mit einem wichtigen Thema unserer Zeit („Wie kann und soll eine moderne Familie aussehen?“) gelten kann, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden. Meine Meinung dazu kann ich ohne Spoiler hier nicht kundtun.

4/5

 

Kurzkritik: A Quiet Place

Horror/Drama, 2018

Regie: John Krasinski ; Darsteller: Emily Blunt, John Krasinski

Worum gehts?

Eine außerirdische Spezies hat die Erde heimgesucht. Eine Familie mit drei Kindern kämpft ums überleben, indem sie in der Einsamkeit und Stille ihr Heil sucht – denn die Aliens finden ihre Opfer über Geräusche…

Was soll das?

Post-apokalyptische Horrorstory, in der Schweigen Gold ist, und jedes lautere Geräusch das sichere Ende bedeuten kann. Mit so überschaubaren wie überzeugenden Special-Effects umgesetzt.

Taugt das was?

Ja, wenn man dem Genre und der Formel dahinter etwas abgewinnen kann. „A Quiet Place“ ist atmosphärisch, stark gespielt und spannend. Die „Auflösung“ allerdings scheint mir eher eine Logik-Lücke zu sein (… da geht die Welt erst vor die Hunde bis da einer drauf kommt!?), was das Vergnügen etwas schmälert – an anderen Stellen ist der Film da deutlich cleverer. Trotzdem waren es an einem Sonntagabend 90 gern gesehene und unterhaltsamen Minuten.

3/5 (für Horror-Fans sicher locker eine 4/5)

Kurzkritik: Fahrenheit 451

Science-Fiction, 2018

Regie: Ramin Bahrani; Darsteller: Michael B. Jordan, Michael Shannon, Sofia Boutella

Worum gehts?

Die HBO-Verfilmung des berühmten Romans von Ray Bradbury aus dem Jahr 1953 spielt in einer aus heutiger Sicht nicht allzu fernen Zukunft. Da ich das Buch nicht gelesen habe kann ich nicht beurteilen, ob sich der Film darüber hinaus weit von der Vorlage entfernt…

Was soll das?

Die großen Themen des Romans sind aktuell schwer angesagt, die Idee war hier sicher, das ganze in eine zeitgemäße Form zu bringen.

Taugt das was?

Leider nein. Das Szenario erscheint zwar immerhin einigermaßen stimmig. Doch die Handlung und die Figuren in „Fahrenheit 451“ können nicht überzeugen. Vor allem die Wandlung der Hauptfigur vom bücherverbrennenden „Feuerwehrmann“ zum Widerstandskämpfer ist absolut unglaubwürdig. Es bleibt ein gut gemeintes Lehrstück, das weitgehend spannungsfrei und mit holprigen Dialogen seinen Gang geht.

2/5

 

Kurzkritik: Game Night

Comedy/Thriller, 2018

Regie: John Francis Daley, Jonathan Goldstein; Darsteller: Jason Bateman, Rachel McAdams, Kyle Chandler

Worum gehts?

Das Ehepaar Max und Annie zelebriert mit ihren Freunden regelmäßige ausschweifende Spieleabende. Als eines Tages Max‘ großer Bruder mit einsteigt und ein „Gesellschaftsspiel“ der besonderen Art organisiert, laufen die Dinge zunehmend aus dem Ruder – was ist noch Spiel, und was ist tödlicher Ernst?

Was soll das?

„Game Night“ schickt seine dem gediegenen Vorstadtleben entstammenden Figuren auf einen Höllenritt durch innerliche und äußerliche Abgründe. Das Publikum ist eingeladen mitzuraten, welche Entwicklungen zum ‚Spiel‘ gehören und welche nicht…

Taugt das was?

Ja, das ganze ist kurzweilig und nicht unwitzig, allerdings auch recht vorhersehbar und formelhaft, insbesondere bezüglich der Figurenzeichnung und -entwicklung. Mehr als Zerstreuung sollte man hier nicht erwarten, echte Spiele-Freunde tun sich vielleicht eher einen Gefallen, wenn sie ihrem Hobby treu bleiben, statt sich die Hollywood-Version davon anzuschauen.

3/5

 

Kurzkritik: Ataris Reise (Isle of Dogs)

Animation/Abenteuer/Comedy, 2018

Regie: Wes Anderson ; Darsteller (Stimmen): Bryan Cranston, Edward Norton, Scarlett Johannson, Bill Murray

Worum gehts?

Japan in naher Zukunft. Der Bürgermeister der Großstadt ‚Megasaki‘ hat alle Hunde wegen grassierender Tierkrankheiten auf eine Insel verbannt, wo sie ein trost- und herrenloses Dasein fristen. Bis ausgerechnet der kleine Neffe des Bürgermeisters verzweifelt versucht seinen geliebten Vierbeiner zu finden – und einige bisher unbekannte Fakten über das ganze Szenario ans Tageslicht kommen.

Was soll das?

Wes Anderson arbeitet hier zum zweiten Mal (nach „The Fantastic Mister Fox“) mit sprechenden Tieren im Stop-Motion-Format. „Ataris Reise“ setzt liebevoll animierte und brüllend komische Tiere in einem dystopischen Setting mit klarer Gesellschaftskritik in Szene. Wie ernst die nun wiederum gemeint ist kann sicher lang und breit debattiert werden.

Taugt das was?

Ja. In hohem Tempo liefert Andersons Film Comedy mit vielen Facetten. Das hohe Tempo mit den vielen Zeitsprüngen wird nicht jedem gefallen, passt jedoch inhaltlich und stilistisch wunderbar. Auf dem Weg zum großen Finale haben sich beim Autor dieser Zeilen durchaus kleinere Ermüdungserscheinungen eingestellt, die das Vergnügen aber nur sehr leicht geschmälert haben.

4/5

 

Kurzkritik: Red Sparrow

Agentendrama, 2018

Regie: Francis Lawrence; Darsteller: Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts

Worum gehts?

Ein Unfall beendet die Ballerina-Karriere der jungen Dominika (J. Lawrence). Auf Betreiben ihres einflussreichen, für den Geheimdienst arbeitenden Onkels Vanya (M. Schoenearts) landet sie im knallharten Agenten-Ausbildungscamp des „Sparrow“-Programms. Ihr erster Auftrag ist die Enttarnung eines hochrangigen russischen Maulwurfs, der von dem US-Agenten Nash (J. Edgerton) geführt wird.

Was soll das?

„Red Sparrow“ ist in weiten Teilen ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel in der Welt der Spionage, der Plot führt von Moskau nach Budapest und London. Im Zentrum des Films steht die Frage nach den wahren Motiven und Loyalitäten der Hauptfiguren. Doch auch die Themen (Geschlechter-)Freiheit und Kontrolle spielen eine entscheidende Rolle – schließlich ist Dominika nicht freiwillig zum „Sparrow“ geworden…

Taugt das was?

Durchaus, vor allem für Freunde des gepflegten Agentenfilms. „Red Sparrow“ ist spannend, meist auf niveauvolle Art unterhaltsam (etwa die starke Parallelmontage gleich zu Beginn), dabei allerdings etwas zu lang geraten. Die Story greift oft auf klassische „Küchenpsychologie“ zurück (insbesondere in den Boot Camp-Szenen), was zuweilen schon in Richtung unfreiwillige Komik geht. Dass in der englischen Originalfassung des Films alle russischen Figuren untereinander Englisch sprechen (mit russischem Akzent) ist eine schlechte Entscheidung der Produzenten, man kommt aber drüber hinweg. Für zarte Gemüter ist das Ganze sicher nichts, neben viel nackter Haut gibt es auch jede Menge brutaler Folterszenen zu sehen.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Hunger Games“ meets „Mission: Impossible“ meets „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“

4/5

Kurzkritik: Anon

Sci-Fi/Krimi, 2018

Regie: Andrew Niccol; Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried, Colm Feore

Worum gehts?

In der Welt von „Anon“ findet die Überwachung der Menschen nicht mehr von außen statt, sondern von innen. Jede Sekunde audiovisueller Wahrnehmung (sowohl „live“ als auch Erinnerungen) wird digital aufgezeichnet und steht den Behörden zur Verfügung. Verbrechen sind so gut wie ausgerottet – die Chance, ungestraft davon zu kommen ist zu gering. Doch jemand schafft es, das System zu hacken, ein Mordfall bleibt unaufgeklärt. So muss Polizist Sal (Owen) neue Wege betreten, um das Rätsel zu lösen…

Was soll das?

„Anon“ ist ein Sci-Fi-Drama mit einer sehr eindeutigen Botschaft. Das Szenario ist ganz auf diese abgestimmt, visuell trägt trägt der Film eindeutig die Handschrift von Regisseur Andrew Niccol („Gattaca“, „In Time“).

Taugt das was?

Ja und nein. Weil „Anon“ so eindeutig eine Message verbreiten will und alles darauf ausrichtet, fühlen sich Szenario und Plot eben wie Mittel zum Zweck an – nicht wie eine Geschichte mit innerer Logik. Weil das Ganze aber gut gespielt, optisch sehenswert und kurzweilig inszeniert ist, hat es mir aber trotzdem ausreichend Spaß gemacht, um nicht als Fehlgriff gelten zu müssen.

3/5

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