Kurzkritik: I Origins

I Origins - Im Auge der Wahrheit PosterDrama/Fantasy, USA 2014

Regie: Mike Cahill; Darsteller: Michael Pitt, Brit Marling, Astrid Berges-Frisbey

In aller Kürze: Der ewige Kampf zwischen Wissenschaft und Spiritualität/Religion am ‘Beispiel’ von tragisch-mysteriösen Erfahrungen eines jungen Naturwissenschaftlers.

Worum gehts? (Beziehungs-)Drama, in dessen Zentrum ein junger mit der Erforschung des menschlichen Auges befasster “Homo Faber” steht, der auf ein wissenschaftlich unerklärliches Phänomen stößt.

Die gute Nachricht: Solide inszeniert und gut gespielt schafft es “I Origins – Im Auge des Ursprungs” die recht konstruierte Handlung zu echtem Leben zu erwecken.

Die schlechte Nachricht: Die großen AHA-Momente bleiben aus, dem bekannten Thema wird keine wirklich neue Seite abgewonnen. Die unten genannten Filme sind interessantere Abhandlungen sehr ähnlicher Motive.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Perfect Sense“, “Hereafter

3/5

Kurzkritik: The Equalizer

The Equalizer Movie PosterThriller, USA 2014

Regie: Antoine Fuqua; Darsteller: Denzel Washington, Marton Czokas, Chloe Grace Moretz

In aller Kürze: Brutaler Thriller mit Denzel Washington als gnadenlosem Racheengel.

Worum geht’s? Als eine junge Prostituierte (Moretz) von ihren Zuhältern übel zusammengeschlagen wird sinnt ihr platonischer Freund (Washington als Ex-CIA oder Special Forces oder so) auf Rache. Damit beginnt eine Spirale der Gewalt zwischen russischen Gangster, dreckigen Cops und dem allmächtigen Antihelden.

Die gute Nachricht: Das Ganze ist schick inszeniert, Denzel Washington ist wie gemacht für die Hauptrolle (die er so ähnlich schon häufiger gespielt hat), und der große Showdown im Baumarkt fetzt ziemlich.

Die schlechte Nachricht: “The Equalizer” läuft ziemlich spannungsarm nach Schema F ab, Überraschungen sind Mangelware.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“Man on Fire”, “Colombiana“, “The November Man

3/5

Kurzkritik: A Walk Among The Tombstones

A Walk Among The Tombstones PosterThriller/Drama, USA 2014

Regie: Scott Frank; Darsteller: Liam Neeson, Dan Stevens, David Harbour

In aller Kürze: Solider, recht finsterer Thriller – kein “Liam-Neeson-haut-Terroristen-tot”-Film

Worum gehts? Ein Ex-Cop und trockener Alkoholiker (Neeson) ist im Auftrag eines Drogendealers auf der Suche nach Erpressern. Die Spuren führen ihn in eine beklemmende Halbwelt, in der auch ehemalige Kollegen eine Rolle zu spielen scheinen.

Die gute Nachricht: Gut gespielt und spannend inszeniert vermeidet “A Walk Among The Tombstones” reißerische Töne. Liam Neeson spielt eine ernsthafte Rolle, nicht den Krawall-Opa aus den “Taken”-Filmen.

Die schlechte Nachricht: Wirklich Neues hat der Film nicht zu bieten. Und wer kein Faible für düstere Krimis hat braucht es gar nicht erst zu probieren.

Wer diesen Film mochte sollte einen Blick riskieren:
“Gone, Baby, Gone”

4/5

Filmkritik: Magic in the Moonlight

Magic in the Moonlight PosterComedy/Drama, USA/UK 2014

Regie: Woody Allen; Darsteller: Colin Firth, Emma Stone, Marcia Gay Harden

Woody Allen lässt sich auch 2014 nicht lumpen und hat einen neuen Film gedreht. “Magic in the Moonlight” gehört zu den leichteren, man könnte sagen gefälligeren Filmen des Regisseurs. Die Handlung spielt in den 20er Jahren, in der Hauptrolle (die früher Woody höchstselbst gespielt hätte) gibt Colin Firth den Engländer Stanley, der als chinesischer Magier ‘Wei Ling Soo’ das Publikum begeistert.

Nach einem Auftritt in Berlin bittet der befreundete Kollege Howard (Simon McBurney) Stanley um seine Hilfe. Die charmante junge Sophie (Emma Stone) gibt sich reichen amerikanischen Freunden in Südfrankreich gegenüber als “Medium” aus, das mit dem Reich der toten in Kontakt treten kann. Weil Howard es nicht schafft, Sophie als Scharlatan zu überführen, soll der von sich selbst und den Gesetzen der Logik völlig überzeugte Stanley ran.

Es entwickelt sich ein weitgehend verbal geführtes Scharmützel zwischen den beiden, wobei es an den guten Hauptdarstellern liegt, dass “Magic in the Moonlight” nicht allzu flach daherkommt. Das Gegenüberstellen von Stanleys bierernster Rationalität (zum Glück gewürzt mit außergewöhnlicher Eloquenz) und Sophies ‘Spiritualität’ ist das zentrale Motiv des Films, neben der sich anbahnenden eigentlich unmöglichen Romanze zwischen den beiden.

Für gut 90 Minuten flockige Unterhaltung taugt das Paket, dass Woody Allen hier geschnürt hat, sehr gut. Durch den offensichtlich konstruierten Charakter des Geschehens (seitens des Drehbuchs und innerhalb der Handlung) lässt der Film allerdings echte Dramatik vermissen und begnügt sich mit beschwingt vorgetragenem Dialogwitz sowie ein paar nur bedingt ernst gemeinten Äußerungen zu den großen Fragen des Lebens. Insgesamt kein Fehlgriff, aber auch kein Highlight im umfassenden (Spät-)Werk Woody Allens. Für Fans dennoch eine Empfehlung.

4/5

Filmkritik: Predestination

Predestination PosterSci-Fi/Drama, 2014

Regie: Michael & Peter Spierig; Darsteller: Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor

In aller Kürze: Clevere Zeitreisen-Story im Retro-Look

Worum gehts? Ein Geheimdienst nutzt Zeitreisen, um Verbrechen vor Ihrer Entstehung zu verhindern. Ein Agent gerät bei der Jagd auf einen Bombenleger in eine komplizierte Story um Identität, Loyalität und die Paradoxa des Phänomens Zeitreisen.

Die gute Nachricht: In einem ungewöhnlichen, stimmigen Mix aus Science-Fiction und klassischem Drama entwickelt der Film einen großen erzählerischen Sog. Hervorragend gespielt von Ethan Hawke und der australischen Newcomerin Sarah Snook

Die schlechte Nachricht: Ich kann nicht garantieren, dass die Story bei (zu) genauem Hinsehen keine erheblichen Logik-Fehler aufweist.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
“Dark City”, “Donnie Darko”, “Gattaca”

4/5

[PS: Diese “neue” Kritik-Kurzform wollte ich mal ausprobieren. Gern in den Kommentaren Feedback geben!]

Filmkritik: Boyhood

Boyhood PosterDrama, USA 2014

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke, Lorelei Linklater

Man ist es bei Filmen gewohnt, dass Figuren bei Bedarf von verschiedenen Darstellern gespielt werden oder durch massig Make-up bzw. CGI jünger bzw. älter gemacht werden. In Richard Linklaters neuem Film überrascht es daher, dass alle Figuren im Laufe der elf Jahre, welche die Handlung umfasst, tatsächlich ganz natürlich altern. Der ‘Trick’ dahinter ist keiner – der Film entstand in Etappen von 2002 bis 2013, die Schauspieler altern also ganz natürlich.

Aus dieser interessanten Herangehensweise ist ein gelungener Film entstanden, der erstaunlich natürlich daher kommt. Fast zwangsläufig hat “Boyhood” einen dokumentarischen Charakter, doch macht er nie einen Hehl daraus, dass die Story aus einem Drehbuch stammt (auch wenn sicherlich einige Szenen und Entwicklungen eher spontan entstanden).

Linklaters Werk ist häufig geprägt von der Abwesenheit klassischer Plots (“Dazed & “Confused”), auch hat er in der “Before Sunrise”-Reihe schon einmal den Faktor Zeit einfließen lassen. In “Boyhood” erzählt er nun im positiven Sinne authentisch und unaufgeregt eine Allerweltsgeschichte von Auf- und Heranwachsen eines Jungen und seiner Familie.

Großartig gespielt – von den Laien-Darstellern wie von den Profis – ist dem Film seine lange Entstehungsgeschichte durch die entspannte Erzählweise anzumerken, die unterschiedlich lange Zeiträume in nicht näher definierten Abständen behandelt. Was nicht bedeutet, dass es keinen Spannungsbogen gäbe oder im Leben von Mason, Samantha und ihren getrennt lebenden Eltern (gespielt von P. Arquette und E. Hawke) nichts aufregendes passieren würde.

Böse Zungen können dies das längste Homevideo aller Zeiten nennen, ein nicht mal verkehrter Eindruck, den “Boyhood” durchaus erweckt. Andere sehen (so wie ich) einen ungewöhnlichen, spannenden, nachdenklichen und recht einzigartigen Film.

5/5

Filmkritik: Interstellar [Keine Spoiler]

Interstellar PosterScience-Fiction, USA 2014

Regie: Christopher Nolan; Darsteller: Matthew McConaughey, Michael Caine, Anne Hathaway, Wes Bentley, Jessica Chastain, John Lithgow

Wenn “Gone Girl” und “Interstellar” einen neuen Trend verkörpern, dann bin ich absolut dafür. Denn wie zuletzt für David Finchers Film gilt auch bei “Interstellar”: je weniger man über den Plot vorher weiss, desto besser. Es kann echte Spannung aufkommen, weil die Trailer wenig bis keinen Aufschluss darüber geben. Daher werde ich hier auch nichts verraten und zwangsläufig wenig zur Handlung schreiben. Die Macher des Films haben alles richtig gemacht, denn die größte Freude bereitet bei “Interstellar” die Neugier, wohin die Story wohl noch führen könnte – die Möglichkeiten scheinen endlos.

Die Erde steht in “Interstellar” in einer nicht sehr fernen Zukunft am Abgrund, der Planet wird von gigantischen Sandstürmen heimgesucht. Die Nahrungsmittel werden knapp, die Regierungen sind machtlos. Der Familienvater und Witwer Cooper (McConaughey), ein ehemaliger Ingenieur und Pilot, bewirtschaftet eine Farm im ‘corn belt’ der USA. Eine Reihe kleinerer mysteriöser Vorkommnisse führt ihn zur ‘top secret’-Location eines Geheimprojekts, das einen Ausweg aus der Misere sucht. Mehr sollte man zur Story nicht wissen, ich kann jedoch versprechen, dass der Film seinem Namen in der Folge alle Ehre machen wird.

Elemente aus bekannten Werken des Genres (von “Armageddon” über “2001” bis zu “Gravity”, “Apollo 11″ und vielen anderen) werden dabei von Christopher Nolan, der gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan auch das Drehbuch schrieb, geschickt zu einer epischen Story vermischt, die freilich auch eigene gute Ideen mitbringt. Den Film als ambitioniert zu beschreiben wäre drastisch untertrieben, verhandelt werden die größtmöglichen Themen, die das Szenario (und Science-Fiction allgemein) hergeben.

Visuell beeindruckend, ohne dass die Schauwerte die Geschichte übertrumpfen würden, mit einer starken Star-Besetzung, einem wuchtigen Score (die Tonspur allein rechtfertigt fast den Gang ins Kino) und vielen überraschenden Wendungen kommt “Interstellar” in den knapp drei Stunden Laufzeit ohne nennenswerte Längen aus. Nicht jedes Detail oder jede Erklärung mag dabei für sich stehend überzeugen. Als ganzes jedoch ist der Film ein brillantes Beispiel dafür, dass es möglich ist, große Blockbuster für ein großes Publikum zu drehen, ohne die ewig gleichen Erzähl-Schablonen zu benutzen.

5/5

PS: Ob das ganze im IMAX-Kino noch deutlich mehr Freude macht kann ich nicht beurteilen, schaden wird es aber ganz sicher nicht…

Kurzkritik: Begin Again (Can A Song Save Your Life)

Begin Again PosterDrama/Comedy, USA 2013

Regie: John Carney; Darsteller: Mark Ruffalo, Keira Knightley, Adam Levine, Hailee Steinfeld

Eine gute Story mit glaubwürdigen Figuren, einer einfallsreichen Inszenierung, guten Dialogen und bestens aufgelegten Darstellern braucht das Rad nicht neu erfinden, um zu überzeugen. Das führt “Begin Again” vor Augen. In dem Film trifft der privat und beruflich mächtig kriselnde Musiklabel-Scout Dan (Ruffalo) auf die frisch von ihrem Rockstar-Ehemann (gespielt von Maroon 5-Sänger Adam Levine) getrennte Gretta (Knightley), die zaghafte Ambitionen und nennenswertes Talent als Songschreiberin hat. Schon der Beginn des Films, der kurz die Backstories von Beiden schildert und in ihrem ersten Treffen gipfelt, zeigt, dass der Film mit Herz und Ideen angetreten ist.

Dieses Niveau kann er dann weitgehend halten und dabei die Gefahr, in Klischees abzugleiten, fast immer umschiffen. Auch musikalisch kann “Begin Again” überzeugen, sowohl mit gutem Songwriting als auch mit einer exzellenten Auswahl für den restlichen Soundtrack.  Letztlich ist der Film eine ‘feelgood relationship dramedy’ wie zuletzt auch “Chef” – anstelle der kulinarischen Köstlichkeiten hier im nicht minder spannenden Milieu der Musikszene. Da ist auch die etwas zu simpel gestrickte Darstellung der ‘neuen Selbstvermarktung’ in Zeiten des Internet am Ende locker zu verschmerzen.

4/5

Kurzkritik: The November Man

The November Man (Poster)Thriller, USA 2014

Regie: Roger Donaldson; Darsteller: Pierce Brosnan, Luke Bracey, Olga Kurylenko

Aus der Reihe “Filme, die die Welt nicht braucht” kommt dieser Agententhriller mit Ex-Bond Pierce Brosnan in der männlichen und Ex-Bondgirl Olga Kurylenko in der weiblichen Hauptrolle. Peter Deveraux (Brosnan) ist ein Ex-Agent, der von seinem ehemaligen Chef für einen einmaligen Auftrag reaktiviert wird. Doch der Auftrag in Moskau geht mächtig schief – am Ende steht Deveraux verdutzt und mit gezogener Waffe seinem ehemaligen Junior-Partner gegenüber.

Es entwickelt sich ein solider Agentenfilm-Plot, in dem Alice Fournier (Kurylenko) eine entscheidende Rolle zukommt. Ein russischer Ex-General mit Dreck am Stecken, der in die Politik gewechselt ist, beseitig unangenehme Spuren aus seiner Vergangenheit. Alice ist der entscheidende Link zu einem besonders düsteren Kapitel darin – und westliche Geheimdienste sind daran ebenso interessiert wie der General selbst.

“The November Man” hat alles, was zu einem soliden Film dieses Genres gehört. Er macht nichts verkehrt, aber auch nichts besonders gut. Weil einem manches doch verdammt bekannt vorkommt schwingt hin und wieder ein B-Movie-Touch mit, was dem (überschaubaren) Vergnügen jedoch keinen Abbruch tut. Brosnan hat sichtlich Freude an seiner “neuen” Agentenrolle, die übrige Besetzung erreicht nur Mittelmaß. Insgesamt ist der Streifen nur für Fans zu empfehlen.

3/5

Filmkritik: Dawn of the Planet of the Apes

Dawn of the Planet of the Apes PosterSci-Fi/Action, USA 2014

Regie: Matt Reeves; Darsteller: Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell

Ich bin ein großer Fan des ersten Teils dieses Neustarts der “Planet der Affen”-Serie. Die Erwartungen an die Fortsetzung waren natürlich entsprechend hoch. Erfüllt wurden sie leider nicht bzw. nur bedingt. Die Reihe bleibt sich immerhin treu und setzt auf Drama und Charaktere, wo man Raumschiffe und Spektakel erwarten könnte. Doch letztlich fühlt sich der Film nicht glaubwürdig an – vielleicht kann er das auch gar nicht sein.

10 Jahre nachdem Ceasar mit seinen ‘Kollegen’ aus dem Labor geflohen ist, hat ein Virus die Menschheit derbe dezimiert. Die Affen – offensichtlich immun gegen die todbringende Krankheit – haben sich im Wald bei San Francisco ihr eigenes Reich errichtet. Den letzten menschlichen Bewohnern der Stadt geht derweil in ihrer Festung langsam der Strom aus. Bei der Suche nach alternativen Energiequellen stoßen sie auf ein abgelegenes Wasserkraftwerk und kommen damit den Affen in die Quere…

Als Laie kann ich nicht sagen, ob die Entwicklung der Affen (sie “sprechen” miteinander, beherrschen die englische Sprache auf dem Level von 3-jährigen und verstehen intuitiv wie Schusswaffen funktionieren) tendenziell realistisch – was immer das heißen könnte –dargestellt wird oder völliger Quatsch ist. Überzeugen konnte sie mich nicht, obwohl mir bewusst war, dass hier ein “Leap of Faith” seitens des Publikums Grundvoraussetzung ist.

Gelungener ist da schon das Portrait der Menschen, die in ihrer Panik von “Schwarmintelligenz” weit entfernt sind und weitgehend als blinder und verängstigter Mob dargestellt werden. Das ist zumindest im Sinne des Szenarios so schlüssig. Die Tricks erreichen durchaus das Niveau des Vorgängers, auch die menschlichen Charaktere (allesamt neu, die alte Crew hatte wohl keinen Vertrag für ein Sequel) können sich durchaus sehen lassen.

Der Plot kreist um die mühsamen Annährungsversuche zwischen den beiden Spezies, die auf beiden Seiten durch massive Störfeuer aus den eigenen Reihen torpediert werden. Im Finale kommt es dann zum absehbaren Kampf um die Vorherrschaft unter den verbliebenen Erdbewohnern (allerdings hier noch nicht auf globaler Ebene), die Inszenierung ist dabei gut gelungen. Als mittlerem Teil (mindestens ein weiterer Film ist geplant) kommt dem Film hier eine etwas undankbare Rolle zu. Die Prämisse wird fast komplett im Vorspann erklärt, das Finale ist kein wirklicher Schluss, und das zentrale Drama kann als eigene “Haupt-Attraktion” nicht so recht überzeugen. Kein Grund, der Reihe den Rücken zu kehren, aber eben doch eine Enttäuschung.

3/5

Kurzkritik: The One I Love

The One I Love FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Charlie McDowell; Darsteller: Elisabeth Moss, Mark Duplass, Ted Danson

Obwohl ansonsten überhaupt nicht  vergleichbar mit David Finchers “Gone Girl” gibt es eine große Gemeinsamkeit – man sollte möglichst nichts über den Plot des Films (über die ersten 15 Minuten hinaus) wissen. Ethan und Sophie (Duplass und Moss) haben Eheprobleme, die sie beim Paartherapeuten zu lösen versuchen. Dieser rät Ihnen zu einem Wochenend-Ausflug in ein idyllisches Ferienhaus, wohin sich die beiden prompt aufmachen.

Es entwickelt sich nun ein Beziehungsdrama, allerdings eines, in dem die Rollen nicht so richtig klar verteilt sind. “The One I Love”, so viel darf ich verraten, geht in Richtung Charlie-Kaufman-Territorium, will sagen “Vergiss Mein Nicht”, “Adaption” oder auch “Being John Malkovich” lassen grüßen. Stark gespielt und geschickt inszeniert ist der Film kein reines Kopfkino und keine bloße Stilübung, sondern eine im besten Sinne interessante Variation der filmgewordenen Beziehungskrise.

4/5

Kurzkritik: Wish I Was Here

Wish I Was Here FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Zach Braff; Darsteller: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin

“Scrubs”-Star Zach Braff hat vor zehn Jahren mit “Garden State” einen bittersüssen ‘Coming of Age’-Film gedreht, der mir großen Spaß gemacht hat. Nun meldet er sich mit dem per crowd funding finanzierten “Wish I Was Here” zurück, der von ganz ähnlicher Machart ist, aber weniger überzeugen kann. Er spielt darin den erfolglosen Schauspieler Noah Blooms, der sich mit Mitte 30 der traurigen Gewissheit stellen muss, dass sein Leben so nicht weitergehen kann.

Während der Indie-lastige Soundtrack und die Dialoge überzeugen fehlt es dem Drehbuch und auch den Figuren an innerer Logik. Es ist zwar unterhaltsam, dem Treiben zuzusehen, aber nimmt es nie so richtig ernst. Braffs zentrale, von ihm selbst gespielte Figur ist – trotz einiger sympathischer Züge – nicht glaubwürdig. Das ganze Anfangsszenario scheint mir unplausibel.

Das bedeutet keinesfalls, dass “Wish I Was Here” nicht ein paar starke Momente hätte oder insgesamt schlecht gemacht wäre. Mitfühlend und mit nachdenklichen Untertönen blickt er auf ein kompliziertes (gibt es unkomplizierte?) Familienleben. Vielleicht ist die Planlosigkeit wie schon bei “Garden State” einfach Teil des Plans – passt aus meiner Sicht aber weniger gut ins Bild.

3/5

Die 10 besten Fernsehserien der letzten 25 Jahre

Falls es nicht offensichtlich (genug) sein sollte – es handelt sich hier um meine persönlichen Serien-Favoriten, aus Spaß an der Freude zusammengestellt. Die erste Fassung dieser Liste von 2010 (findet sich hier) ist damit also offiziell abgelöst.

1. Twin Peaks
Immer noch die Mutter aller modernen, anspruchsvollen Fernsehserien. War seiner Zeit weit voraus und wird passenderweise 2016 sogar fortgesetzt.

2. The Sopranos
Herrliche Prämisse, nahezu perfekte Umsetzung und Entwicklung. David Chase entzaubert den Hollywood-Glamour von US-Mafiosi mit Humor und großartigen Figuren.

3. The Wire
Scharfe Gesellschaftskritik und extrem vielschichtig. Von einer ‘Krimiserie’ zu sprechen wäre blanker Hohn. “The Wire” deckt mit schonungslosem Blick die sozialen Probleme von US-Großstädten auf.

4. 24
Ich habe zwar nur die ersten drei Staffeln gesehen, aber darin hat “24” gezeigt, dass mutige Fernsehserien Erfolg haben können (und Ex-Kinostars im Fernsehen neu anfangen können).

5. Mad Men
Am Anfang fast zu elegant und bedächtig erzählt fasziniert “Mad Men” seit Jahren durch die vielen starken Charaktere und den entlarvenden Blick auf die USA in den 60ern.

6. Breaking Bad
Aus dem bizarren “Chemielehrer-wird-zum-Drogengangster”-Setting entwickelt sich eine ungemein spannende, finster eskalierende Thriller-Serie mit ganz großem Finale.

7. Game of Thrones
Als Fantasy-Freund kann ich mich nicht bezeichnen, aber die große erzählerische Wucht, die unzähligen, zum Teil großartig geschriebenen Figuren und nicht zuletzt die herrlichen Dialoge haben mich zum Fan gemacht.

8. Bored to Death
Die einzige Comedy-Serie, die in der Neufassung dieser Liste überlebt hat. Aus welchem Grund? Sie ist und bleibt die witzigste!

9. Dexter
Trotz miesem Finale eine große Show, die in stärkerem Maße als je zuvor ein Monster zum Helden macht – und damit durchkam. Eigentlich beängstigend, aber eben auch verdammt witzig.

10. Sherlock
Die BBC hat die alte Spürnase Holmes samt kongenialem Watson in die Gegenwart verfrachtet. Modern, witzig, spannend und reich an erzählerischen Ideen.

Auch gut: True Detective, Homeland, Justified, John from Cincinatti, Flight of the Concords, House of Cards, Treme, Californication, Veronica Mars, Arrested Development, Ray Donovan, Boardwalk Empire

Bevor jemand sie in den Kommentaren vermissen kann, diese Serien habe ich (noch) nicht gesehen: Six Feet Under, Masters of Sex, Deadwood, Downton Abbey (und viele andere)

Kurzkritik: Automata

Automata PosterSci-Fi, Spanien/Bulgarien 2014

Regie: Gabe Ibanez; Darsteller: Antonio Banderas, Robert Forster, Dylan McDermott

So gut ich es finde, dass man sich auch in Europa mal an das Sci-Fi-Genre herantraut, kann ich doch über “Automata” nicht viel positives vermelden. Der Film bedient sich kräftig bei bekannten Stoffen (vor allem bei “Blade Runner”) und hat durchaus eigene Ideen – aber trotz einiger ganz ordentlicher Teile ist das entstandene Ganze äußerst unrund geraten.

Dass die Effekte kein Blockbuster-Niveau erreichen ist dabei noch das kleinste Problem. Vor allem mangelt es an einer guten Story, die man sich innerhalb der nicht uninteressanten Welt von “Automata” durchaus hätte vorstellen können. Düster und trostlos geht es lange daher, aber ohne überzeugenden roten Faden. Der erzählerische Funke springt einfach nie über. Dass es dann am Ende gar noch etwas kitschig wird ist geradezu ärgerlich.

2/5

Filmkritik: Gone Girl

Gone GirlDrama/Thriller, USA 2014

Regie: David Fincher; Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Kim Dickens, Carrie Coon, Tyler Perry, Patrick Fugit

Es ist nicht ganz einfach, über “Gone Girl” zu schreiben, ohne dem werten Leser zuviel zu verraten. Ganz einfach dagegen ist die Frage zu beantworten, ob ich den auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn basierenden Film empfehlen kann – ja. Sehr sogar.

“Gone Girl” eröffnet mit dem Verschwinden von Amy Dunne (Pike) aus einer Kleinstadt in Missouri. Am fünften Hochzeitstag mit Ehemann Nick (Affleck) deutet im Hause der Dunnes vieles auf eine Entführung hin. Nick kooperiert mit den ermittelnden Cops, während Amys Eltern aus New York anreisen und einen großen “Findet Amy”-Zirkus veranstalten, inklusive Fernsehberichterstattung und groß angelegten Such-Aktionen.

In Rückblenden erzählt der Film parallel die Geschichte von Amys und Nicks Ehe. Hier lässt “Gone Girl” das Publikum wissen, dass etwas im Argen liegt, gibt aber nicht genug Informationen preis, als das man sich einen kompletten Reim draus machen könnte. In der Gegenwart schreitet die Story indes mit zahlreichen Wendungen und Wechseln der Erzählperspektive voran.

Welche dramaturgischen Haken der Film schlägt kann hier natürlich nicht verhandelt werden. Je weniger man über die Story weiss, desto mehr Vergnügen dürfte “Gone Girl” bereiten. Regisseur David Fincher und seinen Autoren gelingt es, eine spannende Atmosphäre innerhalb eines realistischen Szenarios zu schaffen. Was aber wiederum nur der Ausgangspunkt ist für ein ambitioniertes Drama, das sowohl über zwischenmenschliche wie auch gesellschaftliche Themen einige zugespitzte Beobachtungen anstellt und diese kräftig mit Elementen aus dem Horror- und Satire-Genre würzt. Die Vielschichtigkeit der Erzählung rechtfertigt dabei jederzeit die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit.

Finchers souveräne, dynamische Inszenierung ist punktgenau auf die Darsteller abgestimmt. Affleck spielt glaubhaft den bodenständig-charmanten Normalo, während Pike ihre ungleich komplexere Rolle der Ex-Society-Schönheit “Amazing Amy” nuanciert ausfüllt. Eine große Stärke des Films ist auch die Besetzung der Nebenrollen, hier glänzen vor allem Kim Dickens und Patrick Fugit als Ermittler, Carrie Coon als Nicks Schwester, Neil Patrick Harris als Amys steinreicher Verflossener, Tyler Perry als Star-Anwalt und Scoot McNairy in einer so kurzen wie großartigen Schlüsselszene.

5/5