Kurzkritik: The One I Love

The One I Love FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Charlie McDowell; Darsteller: Elisabeth Moss, Mark Duplass, Ted Danson

Obwohl ansonsten überhaupt nicht  vergleichbar mit David Finchers “Gone Girl” gibt es eine große Gemeinsamkeit – man sollte möglichst nichts über den Plot des Films (über die ersten 15 Minuten hinaus) wissen. Ethan und Sophie (Duplass und Moss) haben Eheprobleme, die sie beim Paartherapeuten zu lösen versuchen. Dieser rät Ihnen zu einem Wochenend-Ausflug in ein idyllisches Ferienhaus, wohin sich die beiden prompt aufmachen.

Es entwickelt sich nun ein Beziehungsdrama, allerdings eines, in dem die Rollen nicht so richtig klar verteilt sind. “The One I Love”, so viel darf ich verraten, geht in Richtung Charlie-Kaufman-Territorium, will sagen “Vergiss Mein Nicht”, “Adaption” oder auch “Being John Malkovich” lassen grüßen. Stark gespielt und geschickt inszeniert ist der Film kein reines Kopfkino und keine bloße Stilübung, sondern eine im besten Sinne interessante Variation der filmgewordenen Beziehungskrise.

4/5

 

Kurzkritik: Wish I Was Here

Wish I Was Here FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Zach Braff; Darsteller: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin

“Scrubs”-Star Zach Braff hat vor zehn Jahren mit “Garden State” einen bittersüssen ‘Coming of Age’-Film gedreht, der mir großen Spaß gemacht hat. Nun meldet er sich mit dem per crowd funding finanzierten “Wish I Was Here” zurück, der von ganz ähnlicher Machart ist, aber weniger überzeugen kann. Er spielt darin den erfolglosen Schauspieler Noah Blooms, der sich mit Mitte 30 der traurigen Gewissheit stellen muss, dass sein Leben so nicht weitergehen kann.

Während der Indie-lastige Soundtrack und die Dialoge überzeugen fehlt es dem Drehbuch und auch den Figuren an innerer Logik. Es ist zwar unterhaltsam, dem Treiben zuzusehen, aber nimmt es nie so richtig ernst. Braffs zentrale, von ihm selbst gespielte Figur ist – trotz einiger sympathischer Züge – nicht glaubwürdig. Das ganze Anfangsszenario scheint mir unplausibel.

Das bedeutet keinesfalls, dass “Wish I Was Here” nicht ein paar starke Momente hätte oder insgesamt schlecht gemacht wäre. Mitfühlend und mit nachdenklichen Untertönen blickt er auf ein kompliziertes (gibt es unkomplizierte?) Familienleben. Vielleicht ist die Planlosigkeit wie schon bei “Garden State” einfach Teil des Plans – passt aus meiner Sicht aber weniger gut ins Bild.

3/5

Die 10 besten Fernsehserien der letzten 25 Jahre

Falls es nicht offensichtlich (genug) sein sollte – es handelt sich hier um meine persönlichen Serien-Favoriten, aus Spaß an der Freude zusammengestellt. Die erste Fassung dieser Liste von 2010 (findet sich hier) ist damit also offiziell abgelöst.

1. Twin Peaks
Immer noch die Mutter aller modernen, anspruchsvollen Fernsehserien. War seiner Zeit weit voraus und wird passenderweise 2016 sogar fortgesetzt.

2. The Sopranos
Herrliche Prämisse, nahezu perfekte Umsetzung und Entwicklung. David Chase entzaubert den Hollywood-Glamour von US-Mafiosi mit Humor und großartigen Figuren.

3. The Wire
Scharfe Gesellschaftskritik und extrem vielschichtig. Von einer ‘Krimiserie’ zu sprechen wäre blanker Hohn. “The Wire” deckt mit schonungslosem Blick die sozialen Probleme von US-Großstädten auf.

4. 24
Ich habe zwar nur die ersten drei Staffeln gesehen, aber darin hat “24” gezeigt, dass mutige Fernsehserien Erfolg haben können (und Ex-Kinostars im Fernsehen neu anfangen können).

5. Mad Men
Am Anfang fast zu elegant und bedächtig erzählt fasziniert “Mad Men” seit Jahren durch die vielen starken Charaktere und den entlarvenden Blick auf die USA in den 60ern.

6. Breaking Bad
Aus dem bizarren “Chemielehrer-wird-zum-Drogengangster”-Setting entwickelt sich eine ungemein spannende, finster eskalierende Thriller-Serie mit ganz großem Finale.

7. Game of Thrones
Als Fantasy-Freund kann ich mich nicht bezeichnen, aber die große erzählerische Wucht, die unzähligen, zum Teil großartig geschriebenen Figuren und nicht zuletzt die herrlichen Dialoge haben mich zum Fan gemacht.

8. Bored to Death
Die einzige Comedy-Serie, die in der Neufassung dieser Liste überlebt hat. Aus welchem Grund? Sie ist und bleibt die witzigste!

9. Dexter
Trotz miesem Finale eine große Show, die in stärkerem Maße als je zuvor ein Monster zum Helden macht – und damit durchkam. Eigentlich beängstigend, aber eben auch verdammt witzig.

10. Sherlock
Die BBC hat die alte Spürnase Holmes samt kongenialem Watson in die Gegenwart verfrachtet. Modern, witzig, spannend und reich an erzählerischen Ideen.

Auch gut: True Detective, Homeland, Justified, John from Cincinatti, Flight of the Concords, House of Cards, Treme, Californication, Veronica Mars, Arrested Development, Ray Donovan, Boardwalk Empire

Bevor jemand sie in den Kommentaren vermissen kann, diese Serien habe ich (noch) nicht gesehen: Six Feet Under, Masters of Sex, Deadwood, Downton Abbey (und viele andere)

Kurzkritik: Automata

Automata PosterSci-Fi, Spanien/Bulgarien 2014

Regie: Gabe Ibanez; Darsteller: Antonio Banderas, Robert Forster, Dylan McDermott

So gut ich es finde, dass man sich auch in Europa mal an das Sci-Fi-Genre herantraut, kann ich doch über “Automata” nicht viel positives vermelden. Der Film bedient sich kräftig bei bekannten Stoffen (vor allem bei “Blade Runner”) und hat durchaus eigene Ideen – aber trotz einiger ganz ordentlicher Teile ist das entstandene Ganze äußerst unrund geraten.

Dass die Effekte kein Blockbuster-Niveau erreichen ist dabei noch das kleinste Problem. Vor allem mangelt es an einer guten Story, die man sich innerhalb der nicht uninteressanten Welt von “Automata” durchaus hätte vorstellen können. Düster und trostlos geht es lange daher, aber ohne überzeugenden roten Faden. Der erzählerische Funke springt einfach nie über. Dass es dann am Ende gar noch etwas kitschig wird ist geradezu ärgerlich.

2/5

Filmkritik: Gone Girl

Gone GirlDrama/Thriller, USA 2014

Regie: David Fincher; Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Kim Dickens, Carrie Coon, Tyler Perry, Patrick Fugit

Es ist nicht ganz einfach, über “Gone Girl” zu schreiben, ohne dem werten Leser zuviel zu verraten. Ganz einfach dagegen ist die Frage zu beantworten, ob ich den auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn basierenden Film empfehlen kann – ja. Sehr sogar.

“Gone Girl” eröffnet mit dem Verschwinden von Amy Dunne (Pike) aus einer Kleinstadt in Missouri. Am fünften Hochzeitstag mit Ehemann Nick (Affleck) deutet im Hause der Dunnes vieles auf eine Entführung hin. Nick kooperiert mit den ermittelnden Cops, während Amys Eltern aus New York anreisen und einen großen “Findet Amy”-Zirkus veranstalten, inklusive Fernsehberichterstattung und groß angelegten Such-Aktionen.

In Rückblenden erzählt der Film parallel die Geschichte von Amys und Nicks Ehe. Hier lässt “Gone Girl” das Publikum wissen, dass etwas im Argen liegt, gibt aber nicht genug Informationen preis, als das man sich einen kompletten Reim draus machen könnte. In der Gegenwart schreitet die Story indes mit zahlreichen Wendungen und Wechseln der Erzählperspektive voran.

Welche dramaturgischen Haken der Film schlägt kann hier natürlich nicht verhandelt werden. Je weniger man über die Story weiss, desto mehr Vergnügen dürfte “Gone Girl” bereiten. Regisseur David Fincher und seinen Autoren gelingt es, eine spannende Atmosphäre innerhalb eines realistischen Szenarios zu schaffen. Was aber wiederum nur der Ausgangspunkt ist für ein ambitioniertes Drama, das sowohl über zwischenmenschliche wie auch gesellschaftliche Themen einige zugespitzte Beobachtungen anstellt und diese kräftig mit Elementen aus dem Horror- und Satire-Genre würzt. Die Vielschichtigkeit der Erzählung rechtfertigt dabei jederzeit die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit.

Finchers souveräne, dynamische Inszenierung ist punktgenau auf die Darsteller abgestimmt. Affleck spielt glaubhaft den bodenständig-charmanten Normalo, während Pike ihre ungleich komplexere Rolle der Ex-Society-Schönheit “Amazing Amy” nuanciert ausfüllt. Eine große Stärke des Films ist auch die Besetzung der Nebenrollen, hier glänzen vor allem Kim Dickens und Patrick Fugit als Ermittler, Carrie Coon als Nicks Schwester, Neil Patrick Harris als Amys steinreicher Verflossener, Tyler Perry als Star-Anwalt und Scoot McNairy in einer so kurzen wie großartigen Schlüsselszene.

5/5

Filmkritik: Sin City – A Dame To Kill For (2D)

Sin City A Dame To Kill ForFantasy/Action, USA 2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller; Darsteller: Josh Brolin, Eva Green, Mickey Rourke, Jessica Alba, Joseph Gordon-Levitt

Die gute Nachricht ist diese: Wer “Sin City” wegen der Stimmung, der Effekte und den finsteren Gestalten mochte, der wird auch diese Fortsetzung mögen. Die weniger gute Nachricht: “A Dame To Kill For” erreicht erzählerisch nicht das Niveau des ‘Originals’ und bringt keine sonstigen Ideen neu ins Spiel. Die gnadenlose, düstere Welt von “Sin City” ist dieselbe geblieben, auch viele Figuren treten erneut wieder auf.

Brutalinski Marv (M. Rourke) eröffnet den Film, der auf bekannte Weise vier Geschichten miteinander verwebt. Die längste und beste davon erzählt von Dwight (im ersten Teil von Clive Owen gespielt, hier in der Timeline DAVOR angesiedelt und mit Josh Brolin besetzt) und seiner schönen Ex-Freundin Ava (Eva Green), die “Dame To Kill For” des Titels. Neu dabei ist der Glücksspieler Johnny (J. Gordon-Levitt), der sich mit dem übermächtigen Senator Roarke anlegt, zudem nimmt der Film den Faden von Stripperin Nancy (J. Alba) wieder auf, die eine lange offene Rechnung begleichen will.

Der Ton wird wie gewohnt bestimmt durch lakonische Off-Kommentare, von kräftigen Blutspritzern (teilweise eher Blutfontänen) durchbrochenen Schwarz-Weiss-Bildern, viel Reizwäsche und nackter Haut (Eva Green stellt einen persönlichen Nackigkeits-Rekord auf, was etwas heissen will), die krass stilisierten Actionszenen und äußerst brutale Gewalt-Orgien.

Dass dies alles nicht mehr neu ist, bedeutet nicht, dass es nicht noch einmal funktionieren würde. Rodriguez gelingen einige virtuose Szenen, die sich hinter dem Vorgänger nicht verstecken müssen. Die Stories ergeben allerdings kein so gelungenes Gesamtbild, was jedoch das Vergnügen (zumal für Fans des Stoffes) nur leicht schmälert.

4/5

 

 

In aller Kürze: “God’s Pocket” und “Maps to the Stars”

Um es kurz zu machen habe ich mich auf beide Filme ziemlich gefreut. “God’s Pocket” ist ein Drama mit dem großartigen Philip Seymour Hoffmann in einer seiner letzten Rollen, “Maps to the Stars” ist der neue Film von David Cronenberg, dessen “Cosmopolis” zuletzt eine ziemliche Enttäuschung war.

God’s Pocket” beginnt mit einem Todesfall, der das Leben einer Reihe von Personen in einer kleinen Arbeiter-Nachbarschaft in Philadelphia durcheinander wirbelt. Das Regiedebut von “Mad Men”-Star John Slattery ist hochkarätig besetzt (neben Hoffmann sind Christina Hendricks, John Turturro und Richard Jenkins dabei), bietet aber in seiner düsteren Story wenige bemerkenswerte Szenen und hinterlässt keinen wirklich bleibenden Eindruck. Kein schlechter Film, hat man aber alles schon mal sehr ähnlich gesehen.
3/5

Mit “Maps to the Stars” wagt sich Cronenberg ans Genre der “Hollywood-über-Hollywood”-Filme, eher von der dramatischen als von der satirischen Seite. Wobei die Grenzen da fließend sind und ohnehin eine Frage der Interpretation. Die Familie eines Kinderstars (John Cusack, Olivia Williams) wird von ihrer finsteren Vergangenheit eingeholt, eine alternde Schauspielerin (Julianne Moore) sucht verzweifelt nach der richtigen Rolle für das große Comeback, die Ankunft einer jungen Unbekannten in der Stadt ist mit allem rätselhaft verbunden. Der Blick auf die Charaktere in dem betont schmucklos inszenierten Film ist scharf und gnadenlos. “Maps to the Stars” mag insgesamt ein realistisches Gesellschaftsportrait sein – sich das anzusehen ist allerdings ein recht zähes Vergnügen.
3/5

Filmkritik: Edge of Tomorrow (2D)

Edge of Tomorrow PosterAction/Sci-Fi, USA/Australien 2014

Regie: Doug Liman; Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson

Gute Actionfilme sind verdammt selten, weil es schwierig ist, Spektakel und Story in Einklang zu bringen. Die größten Explosionen und Schießereien langweilen schnell, wenn Plot und Figuren unzureichend entwickelt werden. Genau diese Balance gelingt “Edge of Tomorrow” von Regisseur Doug Liman (“Swingers”, “The Bourne Identity”) ganz hervorragend.

“Saving Private Ryan” trifft “Groundhog Day” trifft modernes “Alien Invasion”-Spektakel – so lässt sich der Film zusammenfassen. Allerdings hätte genau diese Mixtur auch krass daneben gehen können, wenn die Idee(n) dahinter und die Ausführung weniger gut gewesen wären. Die Prämisse des Films ist folgende: Aliens haben die Erde angegriffen und Europa benahe komplett erobert. Nach überwundenem Schock über den Angriff haben ‘Vereinigte Streitkräfte’ der restlichen Nationen den Kampf angegenommen.

Tom Cruise spielt den US-amerikanischen Major Cage, der unvermittelt an die Front geschickt wird, obwohl er eigentlich als medienwirksamer Charmeur für die Außendarstellung und Rekrutierung zuständig ist. Cage gerät in eine Zeitschleife und erlebt den Angriff (quasi eine Neuauflage der Landung an der Normandie, mit Aliens statt Nazis als Gegner) immer wieder neu. Sobald er stirbt geht es von am Tag vor dem Angriff von vorne los. Bald gewinnt er die toughe Soldatin Rita (Emily Blunt) als Gefährtin, gemeinsam suchen sie nach einem Weg, den Krieg gegen die Aliens (extrem schnelle, Oktopus-aus-Metall-artige Viecher) im Sinne der Menschheit zu entscheiden.

“Edge of Tomorrow” beginnt wie ein Ego-Shooter, bei dem man ständig abnippelt und denselben Level neu anfängt – doch dann zeigen die Macher, dass sie die Stärken des Szenarios auch hinsichtlich der Story erkannt haben. So entwickelt sich ein actionreiches, ausreichend plausibles und äußerst unterhaltsames Action-Spektakel, welches dazu – im Rahmen des für Mainstream-Hollywood möglichen – echte Spannung und Eigendynamik entwickelt.

Tom Cruise ist hier genau richtig besetzt, als charismatischer (anfangs recht unsympathischer) Held wider Willen kommen seine Stärken zur Geltung. Emily Blunt nutzt die Gunst der Stunde, das Potential einer gut geschriebenen weiblichen Actionheldin zu entfalten. Die Spezialeffekte sind gut, müssen aber – wegen des guten Drehbuchs – nicht alleine den Tag retten. “Edge of Tomorrow” zeigt, wie man einen Haufen bekannter Motive und Ideen moderner Action- und Sci-Fi-Filme so miteinander in Einklang bringt, dass am Ende ein sehenswerter Actionfilm herauskommt, der nicht die Intelligenz des Publikum beleidigt. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach viel, ist aber im besten Sinne genug.

4/5

In aller Kürze: “Life of Crime”, “The Leftovers”

Als Fan von Kultkrimi-Autor Elmore Leonard (“Get Shorty”, “Out of Sight”) kann ich sagen, dass “Life of Crime” ein gelungener Film geworden ist. Der Plot kreist um Gelegenheits-Gangster, die bei ihrem ersten Kidnapping schnell an ihre Grenzen stoßen. John Hawkes und Mos Def geben die Entführer, Jennifer Aniston das Opfer, Tim Robbins den Ehemann – der nicht im Traum daran denkt, das Lösegeld zu bezahlen. Dazu kommen einige witzige Nebenfiguren, vorgetragen wird die Story in für eine Leonard-Adaption passendem, lakonischen Ton. Kein großer Wurf, aber für Freunde charmanter Krimi-Komödien locker einen Blick wert.
3/5

Serientechnisch kann ich “The Leftovers” empfehlen, wobei hier nur jene zugreifen sollten, die mit offenen Enden und großem Interpretationsspielraum keine Probleme haben. Die betont emotionale Story kreist um das mysteriöse Verschwinden von 2 Prozent der gesamten Weltbevölkerung (in der Serie als “sudden departure” bezeichnet). Genauer von denen, die dabei Angehörige und Freunde verloren haben und von dem unerklärlichen Verlust in schwere Trauer bis Verzweiflung gestürzt wurden.

Am Beispiel einer Kleinstadt im Bundesstaat New York entwickelt sich die Geschichte gemächlich und nimmt sich Zeit für die Charaktere. Angesichts der oft rätselhaften bis ziellosen und unheimlichen Episoden kam Kritik an der Serie auf. Es gäbe keine plausible Story, man bediene sich des ins Nichts führenden “immer-wilder-immer-weiter”-Effekts von “Lost” (dessen Autor hier als Produzent agiert). Doch ich finde, dass “The Leftovers” ein starkes Szenario bietet, dass im positiven Sinne interessant und mit einigen cleveren Ideen und Anspielungen daherkommt. Hier gibt es keinen mehrheitsfähigen Mystery-Stoff, sondern einen ruhigen, zum Teil auch verstörenden Blick auf eine ungewöhnliche (Ausgangs-)Situation. Das Finale der ersten Staffel hat mir gefallen – ich freue mich auf die nächste Runde…

Filmkritik: X-Men – Days of Future Past

X-Men - Days of Future Past PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: Bryan Singer; Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Jennifer Lawrence, Michael Fassbender, James McAvoy, …

Im “X-Men”-Universum war zuletzt einiges los. Während die beiden “Wolverine”-Filme eher blass blieben gelang mit “First Class” ein gelungenes Prequel. Nun setzt Bryan Singer, Regisseur der starken ersten beiden Filme, mit “Days of Future Past” zum Versuch an, die alte mit der neuen Crew zusammenzuführen.

Im Kino, erst recht im Fantasy/SciFi-Genre hat es nie einen schöneren Weg gegeben, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden, als die Zeitreise. Eine solche steht im Zentrum des Plots, denn die “X-Men” stehen anno 2023 ebenso wie die Menschheit kurz vor der Vernichtung. Maschinen, die einst die Menschen vor den Mutanten beschützen sollten, sind kurz davor, Magneto, Professor X, Storm und Co endgültig das Lebenslicht auszuknipsen.

So macht sich also Wolverine (trotz der mittelmäßigen Filme besteht offenbar Einigkeit, dass er die ‘beste’ Figur ist) auf ins Jahr 1973, um dort entscheidende Ereignisse im Sinne der X-Men zu beeinflussen. Erstmal muss er dazu allerdings den jungen Prof. X aus einer tiefen Sinnkrise und Magneto aus einem Höchstsicherheitsgefängnis befreien, während seine Kollegen in der Zukunft ein letztes Aufbegehren zustande bringen.

Weil “Days of Future Past” beim Casting der jungen Garde ebenso wie weitgehend beim Casting der Original-Crew gute Arbeit geleistet hat, kann sich der Film auf seine starken Schauspieler verlassen. Das Drehbuch ist ebenfalls gut, auch wenn der Plot letztlich nichts besonderes ist und um sich selbst kreist. Insgesamt bleibt es (zum Glück) auch dabei, dass die X-Men trotz einiger Spritzer Humor eher zu den “ernsten” Superhelden” gehören.

Dynamik, Effekte, Spannung und dramatische Szenen verbindet Regisseur Singer zu einem ausgeglichenen Ganzen, das über die komplette Laufzeit hervorragend zu unterhalten vermag. Ein bißchen schade ist es dennoch, dass bei der Reihe mit dem dritten Teil und den planlosen “Wolverine”-Filmen ein Stück weit der Faden gerissen ist, aber in dieser Formation gelingt ihnen vielleicht auch storytechnisch noch ein großes Comeback – zu sehen gibt es das dann angeblich um 2016 herum in “X-Men: Apocalypse”.

4/5

Filmkritik: Guardians of the Galaxy (3D)

Guardians of the Galaxy PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: James Gunn; Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Lee Pace

[Kritik wie immer bei Comicverfilmungen ohne jede Kenntnis der Vorlage geschrieben.]

Meine grundsätzliche Superhelden-Verdrossenheit dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Es sind Filme wie “Guardians of the Galaxy” die verhindern, dass nicht ein echter “Superhelden-Sperrvertrag” draus wird. Nicht, dass der Film dem Genre neues Leben einhauchen würde, neue CGI-Maßstäbe setzte oder gar ernsthaft etwas zu erzählen hätte (im Gegenteil – die Story ist total geschenkt). Aber charmant ist der Film geworden, außerdem witzig und kurzweilig.

Der Ton des Films ist von Anfang an humorvoll, auch wenn es mit einem Trauerfall losgeht. Der kleine Peter Quill verliert seine Mutter und wird danach direkt mal von Aliens entführt. Gut 20 Jahre später turnt Peter als “Starlord” durch die Galaxie, ein Abenteurer a la Han Solo, den aber niemand so recht ernst nehmen will (und den auch niemand “Starlord” nennen mag). Das ändert sich langsam, als er auf einem einsamen Planeten den MacGuffin, äh ich meine die mysteriöse Metallkugel “Orb”, findet. Zurück auf seinem Heimatplaneten ist plötzlich die schöne Kriegerin Gamora hinter der Kugel her, und auch das galaktische Außenseiter-Duo Groot und Rocket (eine Baum-ähnliche Kreatur und ein sprechender Waschbär) steigen in den Kampf mit ein.

Am Ende haben sie alle Pech und landen gemeinsam im Hochsicherheitsgefängnis, aus dem sie natürlich schnurstracks wieder ausbrechen wollen. Der Plot kreist dann im wesentlichen darum, besagte Zauberkugel zurück zu erobern und nicht in die Hände eines Bösewichts fallen zu lassen der (gähn!) mit Hilfe der Kugel die ganze Welt unterjochen will, weil…, ja weil Bösewichter, die aussehen wie Darth Vaders Halbbruder, halt so ticken. Ist auch egal.

Denn zum Glück gelingt es, mit viel Humor und Ideen, hohem Tempo, den liebevoll geschriebenen und gut gespielten (bzw. animierten) Figuren und reichlich Schauwerten ein überzeugendes, buntes Spektakel abzufackeln, das letztlich über die kaum vorhandene Story hinwegtröstet – sofern man eine erwartet hatte. Ein bisschen kommen die “Guardians of the Galaxy” wie eine Mischung aus “Star Wars” und “Watchmen” daher, eine Weltraum-Seifenoper in weniger cleanem Look als sonst üblich. Aber doch locker für die große Masse und (fast) jede Altersklasse geeignet. Dass hierzu Kompromisse nötig waren ist klar. So ist der Film dann auch kein Meisterwerk, aber starkes Entertainment.

4/5

PS: Habe den Film in 3D gesehen und war recht angetan von den Effekten. Eher weniger von der Action (die kommt oft ziemlich Computerspiel-mäßig daher), aber doch von der Gesamtanmutung. Und zu dunkel schien es mir auch nicht zu sein. Wichtiger für das Vergnügen sind aber Charakter und Dialoge, daher kann man sicher auch in 2D Spaß haben…

Filmkritik: The Two Faces of January

The Two Face of January PosterDrama/Thriller, USA/UK/FR 2014

Regie: Hossein Amini; Darsteller: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac

“The Two Faces of January” erinnert nicht zufällig an “The Talented Mr. Ripley” – beide basieren auf Romanen von Patricia Highsmith, beide handeln von US-Amerikanern in Europa, die Story beginnt hier anno 1962 in Athen. Rydal (Oscar Isaac aus “Inside Llewyn Davis), Yale-Absolvent und Sohn eines kürzlich verstorbenen Harvard-Professors, arbeitet dort als Reiseführer, der sich wo er kann ein paar Scheine dazu verdient. Gerne durch den zu seinen Gunsten gezinkten Wechsel von Dollars in Drachmen.

Rydal trifft auf das glamourös auftretende Ehepaar Chester und Colette MacFarland (Mortensen/Dunst), die es sich in Europa gut gehen lassen. Bald stecken die drei ‘Expatriots’ gemeinsam in der Klemme, weil die MacFarlands unverhofft von Chesters zwielichtigen Investmentgeschäften eingeholt werden. Hier wird “The Two Faces of January” zum Roadmovie, dessen erste Etappe die Fähre nach Kreta ist, wo es bald mit dem Bus weiter geht.

Die Spannung in der Story rührt in erster Linie von den Charakteren her. Rydal und Colette sind offensichtlich voneinander angezogen, doch wer in dem Beziehungsdreieck wem – wenn überhaupt – vertrauen kann ist bestenfalls unklar. Den Blick auf die wahren Motive und Loyalitäten gibt der Film nur langsam frei. Die äußere Spannung entwickelt sich ebenfalls gemächlich. Anfangs scheint die Dreierbande ihren Verfolgern bequem zu entkommen, doch ihr Verhalten – nicht zuletzt aufgrund der inneren Spannungen – legt ihnen langsam aber sicher eine Schlinge um den Hals.

Im Vergleich mit “The Talented Dr. Ripley” fällt der Film von Hossein Amini etwas ab, schon weil er weniger Kniffe, Überraschungen oder interessante Nebenfiguren enthält. Doch die starken Darsteller, das absolut intakte Gefühl der Inszenierung für die Figuren und die sehenswerten, sonnendurchtränkten Bilder (ein schöner Kontrast zur zunehmend düsteren Story, die einem Kammerspiel gleicht) reichen für spannende und überzeugende Unterhaltung, wie es sie im Kino heutzutage viel zu selten gibt. “The Two Faces of January” ist ein gutes Beispiel für eine Story, die in gut 90 Minuten erschöpfend zu Ende erzählt werden kann, ohne dass sie deshalb seicht oder gehetzt daher käme.

4/5

Filmkritik: Lucy

Lucy PosterAction, Frankreich 2014

Regie: Luc Besson; Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi

Die Prämisse von “Lucy” ist faszinierend und verdächtig zugleich. Eine junge Frau bekommt unabsichtlich eine Dosis einer Wunderdroge verabreicht, die es ihr erlaubt, ihr Gehirn-Potential (in Ermangelung eines besseren Begriffs) voll auszuschöpfen. Wir Menschen, so erfährt der Zuschauer zu Beginn durch eine plumpe, von Dan Browns Romanen abgekupferte Erzähltechnik (erstaunliche Dinge passieren und werden parallel in einer Uni-Vorlesung erklärt), können nur knapp 10 Prozent unserer möglichen Gehirnleistung abrufen. Titelfigur Lucy (Johansson) ist im Laufe der Handlung auf dem Weg zu den vollen 100 % – sie wird also unfreiwillig zum ‘Übermenschen”.

Faszinierend ist das alles, weil es wohl annährend irgendwie sogar stimmt. Und weil die Idee, eine von Scarlett Johansson gespielte Actionheldin dabei zu beobachten, wie sie unglaubliche Kräfte und Fähigkeiten gewinnt, für 90 unterhaltsame und vergnügliche Minuten Film ausreichen sollte. Verdächtig ist, dass diese Prämisse gleichzeitig auch totaler Schwachsinn ist und Regisseur Luc Besson nicht dafür bekannt ist, besonders plausible Geschichten zu erzählen.Das Ergebnis lässt sich ungefähr so beschreiben: “Limitless” und “Crank” haben einen tragischen, leider nur bedingt komischen Unfall, den beide nicht überleben.

Von “Limitless” leiht sich “Lucy” die Idee, einem Menschen mithilfe von Drogen zu mehr Leistung und Intelligenz zu verhelfen. Doch was da stimmig und glaubwürdig genug inszeniert wurde, um Fundament für ein (begrenzt stichhaltiges) Drama zu sein, wird hier in derart übertriebener Form verabreicht, dass Kategorien wie innere oder äußere Logik keine Rolle spielen können.

Wie “Crank” dreht “Lucy” den Spektakel- und Scheiss-Drauf-Regler auf mindestens 12. Anders als “Crank” liefert er aber keine (oder mindestens nicht genug) aberwitzige Actionszenen, die soviel Spaß machen, dass man gerne drüber hinwegsieht. Und es fehlt auch die Selbstironie – stattdessen wird es übelst platt und bescheuert, bei nur geringen Dosen beabsichtigter Komik.

Was “Lucy” beinahe rettet, sind die Dynamik und Explosivität des Geschehens – die aber immer mehr versprechen, als sie halten können. Auch zeigt Scarlett Johansson, dass sie genug Leinwandpräsenz, Charisma, Sex-Appeal und Action-Credibility besitzt, um die wohlwollende Aufmerksamkeit mindestens des männlichen Publikums zu gewinnen (wobei Präsenz und Charisma im ungleich besseren und unvergleichbaren “Under the Skin” bedeutend besser zur Geltung kamen).

Doch am Ende reicht beides nicht, um aus “Lucy” mehr als einen sinnlos-bekloppten, kurzweiligen (und mit knapp 90 Minuten tatsächlich kurzen) Film zum machen. Die Spezialeffekte von an der Decke zappelnden Menschen, wiederholt explodierenden Synapsen sowie Bildern vom Urknall und dem aller-aller-ersten “Planet der Affen” sind eher mau, die Story nicht der Rede wert, ganz zu schweigen von den “naturwissenschaftlich-philosophischen” Aspekten, die immerhin für ein paar unfreiwillige Lacher sorgen.

Fazit: Für Freunde des gepflegten Trashfests (vgl. “300 – Rise of an Empire”) gibt es hier etwas zu gewinnen. Der Rest konzentriert seine 10 % Gehirn-Kapazität besser auf andere, lohnenswertere Dinge.

2/5

Anders ausgedrückt: Ich hatte mich drauf eingestellt, dass “Lucy” mindestens Story-technisch letztlich nur in Richtung Quatsch gehen würde. Aber mit so einem Blödsinn habe ich wahrlich nicht gerechnet..echt jetzt mal.

In aller Kürze: “Neighbors”, “Chef”

Chef
Feelgood-Dramedy mit Jon Favreau als ambitioniertem Chefkoch eines Restaurants, den es zwischen beruflichen und persönlichen Problemen zu zerreissen droht. Gut gespielt und beschwingt inszeniert gewinnt der Film keinen Innovationspreis, bietet aber niveauvolle und witzige Unterhaltung. Knappe 4/5

Neighbors
Ein ‘Clash der Generationen’ eskaliert zwischen einem jungen Ehepaar mit Kind (Seth Rogen und Rose Byrne) und ihren neuen, zu lauten Nachbarn – einer Studenten-Verbindung mit von Zac Efron gespieltem Anführer. Überwiegend zum Fremdschämen, streckweise nicht unlustig, aber insgesamt viel zu platte Komödie. 2/5

In aller Kürze: The Double, Palo Alto

Obwohl basierend auf Dostojewskis “Der Doppelgänger” (das ich nicht gelesen habe) spielt “The Double” in einer Art Retro-Zukunft, nicht unähnlich der von Terry Gilliams “Brazil”. Jesse Eisenberg (“The Social Network”) spielt den einsamen kleinen Angestellten Simon, in dessen Großraum-Büro eines Tages ein neuer Kollege namens James auftaucht, der ihm gleicht wie ein Ei dem anderen. Ausser den beiden scheint aber niemand die frappierende Ähnlichkeit zu bemerken…

Stark gespieltes Kopfkino, das der Doppelgänger-Thematik einige interessante Aspekte abgewinnen kann. Sicher nichts für ungeduldige Kinogänger (trotz nur knapp 90 Minuten Laufzeit), wirft der Film eine Menge Fragen auf, von denen er längst nicht alle zu beantworten beabsichtigt. Hat mir gefallen, mich dabei aber nie wirklich gefesselt. [3/5]

Palo Alto” ist ein klassischer Coming-of-Age-Film, im Mittelpunkt stehen vier Teenager. Unaufgeregt erzählt trifft der Film eine überzeugende Tonart und beweist gutes Gespür für Figuren und Dramaturgie. Die guten Darsteller können nicht verstecken, dass es insgesamt ein wenig an neuen Ideen fehlt. [3/5]