Kurzkritik: The Theory of Everything

The Theory of Everthing FilmplakatDrama, UK 2014

Regie: James Marsh; Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox

In aller Kürze: Gefühlsbetontes bis sentimentales, dabei grandios gespieltes Bio-Pic.

Worum geht’s? Kaum hat der angehende Physiker Stephen Hawking seine Traumfrau getroffen befällt ihn eine seltene Nervenkrankheit.

Die gute Nachricht: Die Hauptdarsteller. Redmayne geht physikalisch bis an die Grenzen (man könnte sagen darüber hinaus, das ist letztlich Geschmackssache), Jones glänzt als charakterstarke, sympathische Ehefrau.

Die schlechte Nachricht: Von Hawkings Werk ist eher am Rande die Rede, alles ordnet sich der Liebes- und Leidensgeschichte unter. Und der Subtext “Gebt Eddie Redmayne einen Oscar!” ist so deutlich, dass er manchmal fast stört.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“Hector and the Search for Happiness”, “Becoming Jane”, “50/50″

4/5

Filmkritik: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Inherent Vice FilmplakatDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Paul Thomas Anderson; Darsteller: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Owen Wilson

Auf kaum einen Film habe ich mich in den letzten Jahren so sehr gefreut wie auf diese Adaption von Thomas Pynchons gleichnamigem Roman. Man kann auch sagen, dass ich den Film mögen wollte, ganz egal wie er werden würde. Ich schreibe das hier vorweg, weil “Inherent Vice” recht spezielle Kost ist. Wer ‘nur’ den Trailer gesehen hat könnte eine Art 70er-Jahre “Lebowski” erwarten – doch obwohl es Gemeinsamkeiten gibt ist das eine arg grobe Annäherung.

Die Handlung spielt 1970 in Los Angeles und Umgebung. Doc Sportello (J. Phoenix) ist ein lizensierter, dauerbekiffter Privatdetektiv; warum dieser gemütliche Hippie seine Brötchen ausgerechnet als Private Eye verdient bleibt – wie so vieles im Film – eher rätselhaft. Er bekommt zu Beginn Besuch von seiner Ex-Freundin Shasta, die von einer Verschwörung gegen den Immobilien-Tycoon Mickey Wolfman (E. Roberts) erzählt. Wenig später taucht ein Ex-Knacki bei Doc auf, der Beef mit Wolfmans Leibwächter hat.

Nach einer Stunde ist die Anzahl der Nebenfiguren auf ein gutes Dutzend angewachsen. Eine Auswahl daraus: der Hippie-hassende Bulle ‘Bigfoot’ (J. Brolin), der untergetauchte heroinabhängige Saxophonist Coy (O. Wilson) und dessen Frau Hope (J. Malone), Docs neue Freundin, die Staatsanwältin Penny (R. Witherspoon), sein ‘Anwalt’ Sauncho (B. Del Toro), ein chinesisches  Callgirl, ein koksender Zahnarzt, ein mächtiger ehemaliger Klient von Doc sowie dessen fidele Tochter und zwei FBI-Beamte. Eine Spur führt zu dem mysteriösen Schiff “The Golden Fang”, von Drogenhandel ist die Rede, aber auch von fiesen Immobiliendeals und subversiven anti-amerikanischen Gruppen.

Doc Sportello taumelt durch den labyrinthischen Plot (hierin liegt die größte Gemeinsamkeit mit “The Big Lebowsi”), der wie schon im Roman eher der Weg als das Ziel ist. Joaquin Phoenix leistet großartige Arbeit indem er es schafft, die vielen (aber-)witzigen, in Richtung Slapstick tendierenden Szenen mit soviel Würde zu spielen, dass Doc eine ernst zu nehmende Figur bleibt. Dem zwischen melancholischer Gesellschaftskritik, bitterbösem Sittenportrait und Hommage an die großen Kriminalromane von Chandler (“The Big Sleep”) oder Ellroy (Autor vom L.A. Quartet) angesiedelten Geist der Vorlage bleibt “Inherent Vice” weitgehend treu, auch wenn er sich bei der Ausgestaltung der Story seine Freiheiten nimmt (die Szenen im Nightclub in Las Vegas habe ich durchaus vermisst).

Der Film ist voll von Kuriositäten und einzigartigen Szenen mit großartigen Dialogen und perfektem Timing. Dabei ist der Erzähl-Ton immer ein bißchen neben der Spur, wegen der geistigen (zuweilen sogar sichtbaren) Dauerbenebelung vieler Figuren, aber auch weil es niemanden gibt (auch nicht Docs Freundin Sortilege, die das Geschehen herzlich-süffisant aus dem Off kommentiert), der durchblickt, was eigentlich gespielt wird. Der bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätigen Besetzung gelingt es, dass die viel Freak-artigen, bunten Charaktere nicht zu Karikaturen geraten.

Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit nimmt sich “Inherent Vice” viel Zeit. Dabei geht es dem Film spürbar mehr um ein Gefühl für die geradezu sehnsüchtig portraitierte Ära (Regisseur Anderson ist Wiederholungstäter, der sich schon in “Boogie Nights” in dieser Dekade umsah) und ihren Spannungen sowie die Befindlichkeiten der Hauptfigur, als um die Auflösung der diffusen Krimi-Story. Obwohl das mit viel Witz und auch unterhaltsam inszeniert ist, wird das nicht alle Zuschauer begeistern. Mir hat es mächtig gut gefallen – mit Ansage, aber auch von ganzem Herzen.

5/5

Kurzkritik: St. Vincent

St. Vincent FilmplakatDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Theodore Melfi; Darsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts

In aller Kürze: Gut gemachtes und gespieltes Comedy-Drama; mit Charme, aber auch einer Überportion ‘Hollywood Ending’.

Worum geht’s? Ein älterer Kauz spielt unfreiwillig Babysitter und Vaterersatz für den Sohn seiner neuen, frisch geschiedenen Nachbarin.

Die gute Nachricht: Bill Murray ist seine Rolle auf den Leib geschrieben, und er enttäuscht sein Publikum nicht.

Die schlechte Nachricht: Vorhersehbar geht alles einem allzu versöhnlichen Ende entgegen; darunter leidet schon auf dem Weg dorthin die Glaubwürdigkeit des Films.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Silver Linings Playbook“, “Get Low”

3/5

Kurzkritik: Wild Card

Wild Card FilmplakatThriller/Drama, USA 2014

Regie: Simon West; Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Dominik Garcia-Lorido

In aller Kürze: Solides Drama mit gekonnten Prügel-Einlagen und den üblichen Zutaten von Las Vegas-Filmen: Gangster, Callgirls, Glücksspiel. Remake von “Heat” aus dem Jahr 1986 (mit Burt Reynolds in der Hauptrolle).

Worum geht’s? Ein Ex-Soldat und Bodyguard setzt alles auf eine Karte, um der Spieler-Metropole endgültig den Rücken kehren zu können. Das Schicksal einer Freundin und ein junger Klient hängen auch irgendwie mit drin.

Die gute Nachricht: Stilvolle Bilder und ein Hauptdarsteller, der hier mehr redet als draufhaut, aber trotzdem überzeugt. Solide Genre-Variation, gute Nebendarsteller – die Zielgruppe dürfte zufrieden sein.

Die schlechte Nachricht: Ohne jeden ‘unique selling point’ oder tieferen Sinn – man könnte “Wild Card” (auch in Unkenntnis des Originals) wohl als unnötig bezeichnen.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
21“, “Parker“, “Casino”

3/5

Kurzkritik: Nightcrawler

Nightcrawler FilmplakatDrama/Thriller, USA 2014

Regie: Dan Gilroy; Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed

In aller Kürze: Stylisch-düsterer Thriller mit satirischen Tendenzen.

Worum geht’s? Ein Soziopath entdeckt sein Talent und seine Vorliebe für nächtliche Fahrten durch L.A., immer auf der Suche nach dem nächsten Unfall oder Verbrechen, um Videos davon an sensationsgierige TV-Sender zu verkaufen.

Die gute Nachricht: Formal beeindruckend konsequent, mit starkem Hauptdarsteller und cleverem Drehbuch.

Die schlechte Nachricht: Hätte möglicherweise einen Tick kürzer sein können.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
“American Psycho”, “Collateral”

4/5

Filmkritik: Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Birdman FilmplakatDrama/Comedy, USA2014

Regie: Alejandro G. Innaritu; Darsteller: Michael Keaton, Emma Stone, Edward Norton, Zach Galifianakis, Naomi Watts

Riggan Thompsons beste Zeiten als Hollywood-Star sind lange vorbei. Bis Anfang der 90er verkörperte er den Superhelden “Birdman”, danach ging es mit der Karriere bergab. Zu Beginn des Films sitzt Thompson (gespielt von Ex-“Batman” Michael Keaton, Übereinstimmungen zwischen Schauspieler und Rolle sind Teil des Plans) in einem Theater am Broadway und arbeitet an seinem Comeback. Als Regisseur und Star einer Raymond-Carver-Adaption will er Kritik und Publikum zurück erobern.

Regisseur Innaritu (“21 Grams”, “Amores Perros”) inszeniert das Innenleben des Theaters als heimlichen Hauptdarsteller. Es dauert lange, bis mal eine Figur einen Schritt aus den Gängen und Garderoben hinaus wagt – und dann nicht sehr weit kommt. Die Kamera ist extrem mobil und dicht an den Darstellern dran, es herrscht über weite Strecken eine beinahe klaustrophobische Atmosphäre. Der Score des Films besteht überwiegend aus teils wuchtigem, improvisiertem Schlagzeugspiel. Eine ungewöhnliche Kombination, die im Zusammenspiel mit den großartigen Darstellern für ein intensives Kinoerlebnis sorgt.

Bevölkert wird das Szenario von einem schillernden Ensemble. Die nervöse Lesley (N.Watts), Hauptdarstellerin des Stücks, hat für die vakant gewordene zweite männliche Hauptrolle ihren Ex, den renommierten Bühnenschauspieler Mike (E. Norton), gewinnen können. Der wiederum ist künstlerisch zweifellos ein Gewinn, aber nicht ohne menschliche Macken. Laura ist ebenfalls Schauspielerin und gleichzeitig Thompsons Geliebte. Dazu gesellen sich sein Manager Jake (Z. Galifianakis) und seine frisch aus der Entzugsklinik entlassene Tochter Sam (E. Stone).

Die große Stärke von “Birdman” sind die faszinierenden und durchweg grandios gespielten Figuren, denen das Drehbuch überzeugende und witzige Dialoge liefert. Und natürlich ist er auch ein leidenschaftlicher Kommentar zum Stand der Dinge in der Unterhaltungsindustrie, ihren Mechanismen, Gewinnern und Verlierern. Doch gerade die dafür wichtigen Szenen sind nicht Selbstzweck, sondern überzeugende Teile der Handlung.

Die einzige echte Schwäche des Films liegt darin, dass er nach ca. 90 absolut famosen Minuten ein wenig den Faden verliert. Der Focus der Handlung verschiebt sich, wobei einige Motive und Figuren zu kurz kommen. Andere Elemente (der “magische Realismus” mit Thompsons inneren ‘Dialogen’), die bis dahin bloße Zwischentöne waren, rücken in der Vordergrund, konnten mich aber ebenso wie das Finale selbst nicht überzeugen. Vielleicht wird die Message des Films bei einem zweiten Durchgang etwas klarer, wenn man von der Virtuosität der Inszenierung weniger geblendet ist.

Ein absolut lohnenswerter, im beste Sinne interessanter und ungewöhnlicher Film ist “Birdman” dennoch geworden. Mit so großen Ambitionen kann man in Details scheitern und trotzdem ein einzigartiges, mitreißendes Kinoerlebnis schaffen. Cast und Crew geben hier ein Stück weit ihrem beachtlichen Talent an –mehr als nur die Reise wert ist das allemal.

 5/5

Filmkritik: What We Do in the Shadows (5 Zimmer, Küche, Sarg)

What We Do in the Shadows FilmplakatKomödie, Neuseeland 2014

Regie: Jemaine Clement, Taika Waititi; Darsteller: Jemaine Clement, Taika Waititi, Jonathan Brugh

Auf die Idee, eine Mockumentary über eine Vampir-WG in Wellington, Neuseeland, zu drehen, muss man erst einmal kommen. Wer mit “Flight of the Conchords” vertraut ist, der ahnt vielleicht schon, dass das Ergebnis eine ziemliche Farce sein würde. Jemaine Clement, die bebrillte Hälfte der Slacker-Band aus der gleichnamigen Serie, stand hier vor und hinter der Kamera, und seine Handschrift ist klar zu erkennen.

Die Vampir-WG besteht aus vier Männern im Alter zwischen knapp 200 bis 8000 Jahren und schlägt sich zum Großteil mit alltäglichen Problemen herum. Deacon hat sein 5 Jahren keinen Abwasch mehr gemacht und fühlt sich auch nicht zuständig. Vladislav hat seit seinem legendären Kampf mit “The Beast” seine Superkräfte verloren, der herrlich bescheuert dreinblickende Viago (rechts oben auf dem Poster) ist der gute Geist im Haus. Peter, der schon das Mittelalter miterlebt hat, fristet sein Dasein in einem steinernen Sarg im Keller.

Die Runde erweitert und dezimiert sich im Laufe der Zeit, denn die Vampire sind keine ganz großen Strategen in Sachen “Geheimhaltung”. So gesellen sich einige Kandidaten zu ihnen, die selbst gern unsterblich wären. “What We Do in the Shadows” nimmt seine Helden in gewisser Hinsicht ernster, als das andere Vampirfilme tun, stellt sie aber auch auf liebevolle Art und Weise als Kinder-im-Geiste dar. Auch ein Treffen mit Werwölfen ist an einer Stelle nicht zu vermeiden, nur gut, dass Neuseeländer einfach immer so nette Charaktere sind.

“What We Do in the Shadows” lässt sich am ehesten als eine Mischung aus “Only Lovers Left Alive” und “Flight of the Conchords” beschreiben. Schrullige Typen, anarchischer und oft alberner Humor, sowie die Lust an liebevoll inszenierten, völlig dämlichen Situationen zeichnen den Film aus. Die Idee, das ganze als Fake-Dokumentation zu präsentieren, passt sehr gut zur Selbstironie der Sache. Nicht jeder wird den speziellen Humor mögen und an den ‘Kiwi-Vampiren’ seinen Spaß haben – mir hat es jedenfalls hervorragend gefallen.

4/5

Kurzkritik: The Babadook

The Babadook FilmplakatHorror, Australien/Kanada 2014

Regie: Jennifer Kent; Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Tim Purcell

In aller Kürze: Handwerklich und atmosphärisch starker Horrorfilm mit Kammerspiel-artigen Zügen.

Worum geht’s? Der Sohn der alleinerziehenden Amelia fürchtet ein mysteriöses Monster, dass zunehmend in der realen Welt Fuß zu fassen scheint.

Die gute Nachricht: Sehr gut gespielt und überzeugend inszeniert variiert der Film recht kunstvoll Motive des Genres.

Die schlechte Nachricht: Wer wie ich dem Genre nicht so zugeneigt ist, dem stehen gefühlt ziemlich lange 93 Minuten bevor.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Niveauvolle Horrorfilme (ich könnte nur alte Kamellen aufzählen).

3/5

Kurzkritik: Kill the Messenger

Kill the Messenger FimplakatDrama, USA 2014

Regie: Michael Cuesta; Darsteller: Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Oliver Platt

In aller Kürze: Überzeugendes, gesellschaftskritisches Drama mit guten Darstellern, basierend auf weitgehend unbekannten und ziemlich bitteren wahren Ereignissen.

Worum geht’s? Die Geschichte eines Journalisten, der 10 Jahre später eine Verwicklung der CIA in den Crack-Handel der späten 80er aufdeckt. Womit er sich natürlich einige mächtige Feinde macht.

Die gute Nachricht: Ohne Sensationsgier und zu große Lust an künstlicher Dramatisierung erzählt “Kill the Messenger” seine Story mit einer ‘No Bullshit’-Attitüde.

Die schlechte Nachricht: Inszenatorisch und erzählerisch kann er den Meisterwerken dieses Genres nicht das Wasser reichen, insgesamt vielleicht sogar eine Spur zu unspektakulär geraten.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“The Insider”, “All the President’s Men”

4/5

Serien-Vorschau 2015

Mad Men, Final Season PlakatWas es in den nächsten Monaten so im Kino geben wird, hatte ich hier neulich schon einmal nach bestem Wissen zusammengetragen. Nicht weniger interessant ist natürlich, mit welchen Serien es wann los oder weiter geht. Ich orientiere mich hier am US-Zeitplan, da ich keine Lust habe zu prüfen, welcher Sender was wann in der Übersetzung zeigen wird. Das bitte bei Bedarf einfach selber googlen!

12 Monkeys” hatte letzte Woche einen anständigen Start. Aber die Messlatte liegt angesichts der Genialität von Terry Gilliams Film 1995 sehr hoch, daher bin ich noch nicht sicher, ob ich die erste Staffel zu ende gucken werden (und also mindestens halbherzig empfehlen kann.
[1. Staffel seit 16.1., 13 Folgen]

Erst spät habe ich mit “Justified” angefangen, der Show um einen schießwütig-charmanten US-Marshall in Kentucky. Hier ist allerdings langsam ein echter und finaler Showdown nötig. Die Serie hat großen Spaß gemacht und darf gern noch ein letztes mal Raylan Givens und seinen Erzfeind aus Kindertagen Boyd Crowder zum Duell antreten lassen – dann ist es meines Erachtens aber auch mal gut…
[6. Staffel seit 20.1., 13 Folgen]

Mit dem Prequel und Spin-Off “Better Call Saul” kehrt das Universum von “Breaking Bad” zurück ins Fernsehen. Die Besetzung vor und hinter der Kamera besteht weitgehend aus der alten Crew und die ersten Kritiken (die Previews sind vor ein paar Tagen gelaufen) sind überwiegend positiv. Ich nehme die Show erstmal vorbehaltlos in meinen ‘Stundenplan’ mit auf.
[1. Staffel ab 8.2.,10 Folgen]

Wie üblich an einem Tag veröffentlichen wird Showtime die dritte Staffel von “House of Cards“. Man kann bezüglich des Realitätsgehalts der Show sicher einige Einwände haben, was den Plot, die Dialoge und Figuren angeht ist die Serie aber ganz sicher weit vorne dabei – ich habe den März dafür ‘freigeräumt’.
[3. Staffel am 27.2., 13 Folgen]

Zu “Game of Thrones” ist eigentlich alles und noch mehr schon geschrieben worden. Ich gehöre zur Fraktion derer, die nicht die Bücher lesen, und habe daher keinen Plan, was mich in der kommenden Staffel erwartet. Obwohl: der Spitzname ‘Tits & Horses’ ist ja nicht aus der Luft gegriffen…
[5. Staffel ab 12.4., 10 Folgen]

Eine Ära geht zu ende, wenn “Mad Men” sich im Frühjahr mit den finalen Folgen für immer aus dem Sendeplan verabschiedet. Ich bin sehr gespannt, wie es für die vielen herrlichen Figuren enden wird. Möge Serien-Mastermind Matthew Weiner uns und seiner Crew ein (denk-)würdiges Finale bescheren.
[Zweite Hälfte der 7. Staffel ab 5.4., 7 Folgen]

Nachdem mir die erste Staffel von “Hannibal” nicht so sehr zugesagt hat, habe ich mich nur wegen einer ‘Lücke im Spieplan’ auf die zweite Staffel eingelassen. Das wiederum hat sich sehr gelohnt. Extrem düster, brutal, blutig und krank ist diese Serie, dabei doch stets faszinierend und nie vulgär. Mads Mikkelsen spielt die berühmte Figur mit Intensität und Selbstverständlichkeit – weshalb die Show tatsächlich funktioniert, ohne das Original zu kopieren oder zu beleidigen.
[3. Staffel ab Juni 2015, 13 Folgen]

Weitgehend unbekannt (lief glaube ich bei Sky) ist hierzulande “Rectify“, die Geschichte eines Mannes, der nach Verfahrensfehlern über 10 Jahre nach seiner Verurteilung zum Tode aus dem Gefängnis entlassen wird. Das großartige Drama geht in die dritte Runde, es ist noch Zeit genug, sich vorher die 16 Folgen der ersten beiden Seasons anzusehen.
[3. Staffel ab Sommer 2015, 6 Folgen]

P.S.: Wer hier vergeblich auf einen Termin für “The Walking Dead” gesucht hat: diese Show habe ich abgeschenkt. Immer wieder die gleichen Splatterszenen und viel zu wenig Drive in der Story, das ist mir nix.

Kurzkritik: Dear White People

Dear White People FilmplakatComedy/Drama, USA 2014

Regie: Justin Simien; Darsteller: Tyler James Williams, Tessa Thompson, Kyle Gallner

In aller Kürze: Pointierte, clevere und amüsante Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Rassismus in den USA.

Worum gehts? Die Geschichte von 4 schwarzen Studenten an einem fiktiven Elite-College. Interne Macht- und Grabenkämpfe unter Studenten und der Administration laufen langsam aber sicher aus dem Ruder – wobei die Fronten nie so richtig klar sind…

Die gute Nachricht: Starke Darsteller und Dialoge, sowie ein gutes Drehbuch, das sich seinem Thema von vielen Seiten nähert und geschickt Anspruch mit Humor mischt.

Die schlechte Nachricht: Für ein deutsches Publikum sind die verhandelten Probleme und Befindlichkeiten nicht leicht zu durchschauen – man sollte sich mit dem Thema zumindest schon einmal befasst haben.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
“Higher Learning”, “The Rules of Attraction”

4/5

Filmkritik: The Riot Club

The Riot Club PosterDrama, UK 2014

Regie: Lone Scherfig; Darsteller: Sam Claflin, Max Irons, Douglas Booth

Mir persönlich war der “Riot Club” der Universität Oxford – oder besser gesagt dessen reale Vorlage, eine elitäre, ca. 1780 gegründete Studentenverbindung namens Bullingdon Club – vor diesem Film kein Begriff. Und ich kann auch nicht beurteilen, wie hoch der ‘Realitätsgehalt’ der Darstellung ist. Fakt ist laut Wikipedia, dass dieser Club existiert und ihm unter anderem Premierminister Cameron und Londons Bürgermeister Johnson angehörten.

Der hochgradig elitäre Kreis nimmt zum beginnenden Semester zwei neue Mitglieder auf. Miles kommt aus reichem Hause, fühlt sich jedoch zu linken Ideen hingezogen und hat ein ‘bürgerliche’ Freundin. Alistair wiederum ist überzeugter Konservativer und jüngerer Bruder eines legendären Präsidenten der Verbindung. Beim jährlichen Festessen geraten die jungen Snobs außer Rand und Band, der schwelende Konflikt zwischen den beiden Neuen eskaliert – eine Katastrophe ist unausweichlich.

“The Riot Club” stellt dessen Mitglieder mehrheitlich als gefühllosen Haufen von sich selbst (und einer großen Menge Alkohol & Koks) berauschten Schnöseln dar. Der Film zeichnet ein extrem negatives und durchaus überzeugendes Bild des Nachwuchses der britischen Eliten; Wahrheitsgehalt und Aussagekraft bleiben jedoch fragwürdig.

Elemente aus “Gossip Girl” (schicke, stinkreiche, unsichere junge Menschen, die nichts mit sich anzufangen wissen) treffen auf solche aus “Dead Poets Society” (zweifelnde, romantische junge Männer auf der suche nach ihrem Platz in der Welt) und den vermeintlichen Nihilismus von “The Rules of Attraction”. Im Zentrum steht jedoch die Kritik an einem System, das sich seinen durch Reichtum, Herkunft und Tradition definierten Eliten unterwirft – was freilich eher behauptet als erklärt wird (jedoch angesichts oben genannten Mitglieder sicher nicht weit hergeholt ist).

Eine Stärke des Films sind die Darsteller, die fast allesamt eine Nominierung für den “Upper Class Twit of the Year” verdient hätten, wenn das kein Monty Python-Sketch wäre. Obwohl “The Riot Club” seine Natur als Lehrstück nicht verhehlt sind die Figuren überzeugend genug, um im Zusammenspiel mit der gelungenen Inszenierung ein intensives und zuweilen mitreißendes Drama auf die Leinwand zu bringen. Ganz gleich, ob man den Thesen (oder ‘Fakten’) des Films wohl gesonnen ist oder nicht, wird “The Riot Club” nur wenige Zuschauer langweilen. Zum Nachdenken regt er gleichwohl eher nicht an, dafür ist das ganze deutlich zu plakativ.

3/5

Kurzkritik: Hector and the Search For Happiness

Hector and the Search For Happiness FilmplakatComedy/Drama, Deutschland/GB/Kanada/Südafrika 2014

Regie: Peter Chelsom; Darsteller: Simon Pegg, Rosamund Pike, Jean Reno, Veronica Ferres, Toni Colette

In aller Kürze: Gut gemeinter und in Teilen auch gut gemachter Versuch, ein witziges, aber nicht anspruchsloses Road Movie über die Suche nach Glück zu drehen.

Worum gehts? Ein von Job, Beziehung und Umfeld gelangweilter Psychiater aus London geht auf Weltreise, um herauszufinden, was Menschen im Allgemeinen und ihn selbst im Speziellen glücklich macht.

Die gute Nachricht: “Hector…” ist beschwingt inszeniert, bietet gut aufgelegte Darsteller und erzählt seine Geschichte in einem sympathischen Tonfall.

Die schlechte Nachricht: Gegen Ende wird es vorhersehbar und sentimental, weil der Film (wie sollte er auch?) keine rechte Antwort auf seine zentrale Fragestellung findet.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“The Secret Life of Walter Mitty“, “Forrest Gump”

3/5

Kurzkritik: John Wick

Joch Wick FilmplakatAction/Drama, USA 2014

Regie: Chad Stahelski, David Leitch; Darsteller: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Willem Dafoe, Alfie Allen

In aller Kürze: Stylische und humorlose Kopfschuss-Orgie mit starken Darstellern und gutem Soundtrack.

Worum gehts? Ein ehemaliger Profi-Killer gerät mit seinem Ex-Boss aneinander: die New Yorker Unterwelt ist schnell um ein paar Dutzend Leichen reicher.

Die gute Nachricht: Die bekannte Rachefilm-Formel wird mit guten Action-Choreografien, einer stimmigen, zum Teil extrem temporeichen Inszenierung und überzeugender Besetzung gekonnt variiert.

Die schlechte Nachricht: “John Wick” ist weder spannend noch originell.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
The Equalizer“, “Shoot ‘Em Up“, “Payback”

3/5

Filmkritik: Whiplash

Whiplash FilmposterDrama, USA 2014

Regie: Damien Chazelle; Darsteller: Miles Teller, J.K. Simmons

Der 19-jährige Andrew (Teller) ist besessen von seinem großen Traum – er will ein berühmter Jazz-Schlagzeuger werden. Er studiert an einer Elite-Hochschule für Musik und gerät dort auch schnell ins Blickfeld von Fletcher (Simmons), dem berüchtigten Dirigenten der renommierten “Studio Band”. Fletcher ist ein charismatischer, strenger Über-Vater, der seine Schüler bis an die Grenzen fordert, sie quält und öffentlich lächerlich macht.

Andrews ist fasziniert und entwickelt den manischen Ehrgeiz, den manipulativen Fletcher von sich zu überzeugen. Es entwickelt sich ein – von beiden Hauptdarstellern fantastisch gespielter – Schlagabtausch, der zunehmend ins Extreme abgleitet.

Eine sehr simple Prämisse, wenige Darsteller und eine überschaubare Anzahl von Schauplätzen: “Whiplash” ist sicher nicht das, was man ein cineastisches Spektakel nennt. Der Film verlangt seinem Publikum ab, dass es sich auf die – für viele sicher eher wenig vertraute – Materie einlässt. Dazu gehören auch die vielen sich wiederholenden Szenen der Orchesterproben.

“Whiplash” mischt geschickt Elemente von Coming-of-Age-Filmen, Comedy, Musikfilm (artverwandt mit dem Sportfilm) und klassischem Drama. Dem jungen Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle gelingt eine intensive Inszenierung, die in einem fulminanten Finale ihren Höhepunkt findet. Mir persönlich blieben Zweifel, ob ich die Aussage des Films unterstützen kann (oder sie richtig verstanden habe). Unter dem Strich kein sonderlich zugänglicher Film, der sein Publikum jedoch belohnt und den zumindest Musik-Fans so schnell nicht vergessen werden.

4/5

Update 15.1.15: Mehr Publikum ist nun garantiert. Der Film wurde in den Kategorien “Bester Film” und “Bester Nebendarsteller” für den Oscar nominiert. Dass J.K. Simmons nicht wirklich eine Nebenrolle spielt dürfte den Machern zurecht egal sein…