Kurzkritik: War Dogs

War Dogs FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Todd Phillips; Darsteller: Jonah Hill, Miles Teller, Kevin Pollak

Efraim Diveroli (J. Hill) ist ein ehrgeiziger, eigenwilliger junger Mann von Anfang 20. Eher zufällig entdeckt er anno 2005 eine Website, auf der das US-Militär ihre Ausschreibungen veröffentlicht – und stellt verblüfft fest, dass er bei dem Millionenspiel mit Ausrüstung, Waffen und Munition mitmachen kann.

Bald schließt sich ihm, angetrieben von seiner beruflichen Planlosigkeit und leeren Taschen, sein alter Schulfreund David (M. Teller) an. Die beiden arbeiten sich langsam aber sich zu immer lukrativeren und größeren Deals hoch, wobei sie immer zwielichtigere Kontakte nach Osteuropa knüpfen – wo nach dem Ende des Kalten Kriegs massig Waffen und Munition ‚übrig geblieben‘ sind.

Mit deutlichen Anleihen bei Martin Scoresese (Soundtrack, Off-Kommentar, Kamerafahrten/-einstellungen) inszeniert erzählt „War Dogs“ seine – auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte – mit Witz und Tempo. Die Schauplätze sind zahlreich, denn die beiden Antihelden müssen ihre Waren nicht nur im Ausland inspizieren auch schon mal selbst an Ziel (sprich Irak) bringen

Weniger gelungen sind die Hauptfiguren, die trotz der interessanten Story eher eindimensional daherkommen. Man versteht, was die beiden da machen und auch warum – aber man fiebert nicht mit ihnen mit. Vielleicht liegt das auch am kühlen Blick des Films auf seine recht irrwitzige Story. Die Nebenfiguren sind insgesamt nicht der Rede wert.

So kann man sich hier ein unterhaltsam aufbereitetes und ziemlich kurioses Stück neuerer Geschichte einverleiben, dieses aber mangels herausragender Merkmale auch schnell wieder vergessen.

3/5

Kurzkritik: Doctor Strange (3D)

Filmplakat Doctor StrangeAction/Fantasy, USA 2016

Regie: Scott Derrickson; Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Tilda Swinton, Rachel McAdams, Mads Mikkelsen

Am Beispiel von „Doctor Strange“, dem neuesten Film aus dem Hause Marvel, kann man sehr gut ablesen, was die Faszination des Superhero-Genres ausmacht. Und auch – ich wette sobald der gute Dr. seinen nächsten Auftritt hat – wo dessen Probleme liegen.

Benedict „Sherlock“ Cumberbatch ist die Rolle des arroganten Chirurgen Stephen Strange geradezu auf den Leib geschrieben, die Besetzung ist eindeutig ein Glücksfall. Nach einem Unfall, der ihn die Feinmotorik seiner Finger kostet, macht sich Strange auf die Suche nach Hilfe – jenseits der von ihm vertretenen Schulmedizin. Die Reise führt ihn nach Kathmandu, wo er bald am eigenen Leib sagenhafte Kräfte und Mächte erlebt.

Die Story ist – trotz der starken metaphysischen Note – im Grunde eine bekannte Heldenreise. Initiierung, Lernphase, Läuterung und schließlich die Geburt des Helden. „Doctor Strange“ macht einiges richtig. Die insgesamt hervorragende Besetzung macht Laune, die Konzentration auf wenige Figuren, welche weitgehend glaubhaft miteinander interagieren, hilft bei der ‚Glaubwürdigkeit‘. Und auch beim Humor trifft der Film den richtigen Ton (die besten Szenen gehen hier auf das Konto des Umhangs sowie der Kollegin am OP-Tisch…).

Die gekonnte Inszenierung des mysteriösen „Geheimbunds“ kokettiert mit dem Image der fernöstlichen Binsenweisheiten. Und nicht zuletzt schafft es der Film, Spezial-Effekte zu produzieren, die wirklich sehenswert sind. Dass sie wie eine Mischung aus „Inception“ und „Transformers“ daherkommen stört dabei nicht. Sie bieten großartige Schauwerte und sind sauber in die Story integriert. Die Story des Films hat dabei sicher genau so viele Lücken wie andere Comic-Verfilmungen auch, aber nach denen schaut ja niemand, wenn man so gut unterhalten wird. Die 3D-Effekte sind ebenfalls gut, wichtiger ist allerdings der Gang ins Kino im Vergleich zum – für diese Bilder so oder so zu kleinen – Heimkino.

Wie üblich bei Marvel gibt es nach dem gelungenen, wenn auch nicht großartigen Finale und dem Abspann einen Ausblick wohin die Reise weitergeht. Und damit sind wir beim Problem des Marvel-Universums: nur die ersten Filme der einzelnen Helden besitzen die Fähigkeit, das Publikum für die neue Figur wirklich zu begeistern. Es braucht einen ungestörten Alleinunterhalter (mit Sidekick, ok, aber nicht mit echter Konkurrenz) dafür.

Nun wird Dr. Strange – kaum ein echter Spoiler – also Teil der kommenden „Avengers“-Dauerberieselung. In dieser aber tummeln sich sowieso schon arg viele Helden.  Und der darin mehr oder weniger fortlaufend erzählte Plot ist mittlerweile nur noch für Hardcore-Fans im Ansatz ernst zu nehmen. So ergänzt Marvel hier das Universum um eine weitere wirklich gut gemachte Figur, von der wir den spannendsten Teil bereits gesehen haben – wie sie entstanden ist.

4/5

Kurzkritik: Jason Bourne

Jason Bourne FilmplakatAction/Thriller, USA/UK/CHN 2016

Regie: Paul Greengrass; Darsteller: Matt Damon, Tommy Lee Jones, Vincent Cassel, Alicia Vikander

Die „Bourne“-Trilogie gehört zum Besten, was das Agententhriller-Genre in den letzten Jahren zu bieten hatte. Wie ich finde hat auch das „offene“ Ende ganz gut gepasst – weniger weil es Raum für Fortsetzungen ließ, als weil es inhaltlich gepasst hat.

Quasi unweigerlich kommt nun – nach dem anständigen Spin-off „The Bourne Legacy“ – doch noch ein vierter Teil der Reihe in die Kinos. Da fragt man sich natürlich, ob es neben den finanziellen Anreizen für alle Beteiligten, auch einen guten erzählerischen Grund gibt, die das „Reboot“ rechtfertigt. Grob gesagt würde ich das verneinen.

Der Plot kreist um die bekannten Motive. Bourne ist abgetaucht, will aber weiterhin seine Vergangenheit aufklären. Die CIA-Bosse haben da weiterhin etwas gegen. Ein neuer Erzählfaden um den fiktiven jungen CEO eines ebenso fiktiven Facebook-ähnlichen Social-Media-Giganten soll offenkundig die Nähe zum Zeitgeist „erneuern“, was allerdings etwas bemüht wirkt.

Rein handwerklich kann sich „Jason Bourne“ sehen lassen. Das Tempo ist hoch, die Schauplätze sind zahlreich und die Actionszenen machen Laune. Mit Tommy Lee Jones, Alicia Vikander und Vincent Cassel sind starke Schauspieler hinzugekommen.

Es ist letztlich nicht so, dass die Story es nicht wert wäre, erzählt zu werden. Der Eindruck, dass man das alles so ähnlich schon mal gesehen hat (und auch ein Ende der Geschichte), ist allerdings einen Tick zu stark, als man man sich dem Geschehen freudig und ohne diese Hintergedanken hingeben könnte.

3/5

Neue Serie: „Goliath“

Goliath PlakatDie neue Krimi- und Anwaltsserie „Goliath“ (8 Folgen, Amazon Prime) beginnt vielversprechend. Ein mysteriöser Todesfall landet bei einem abgehalfterten Ex-Staranwalt Billy McBride (Billy Bob Thornton), der darin eine Chance wittert, einen großen Rüstungskonzern zu verklagen. Dieser wiederum wird vertreten von seiner mächtigen Ex-Kanzlei, bei der Billys ehemaliger Partner – inzwischen sein Erzfeind – Donald Cooperman (William Hurt) die Fäden in der Hand hält. „Goliath“ ist damit im Kern ein Psychoduell dieser beiden Figuren.

Es entwickelt sich ein spannendes und gut gespieltes Drama, in dem sich viele gute Figuren und einige sehenswerte Handlungsbögen finden. Leider geht der Serie nach etwa der Hälfte ein wenig die Luft aus. Das Niveau der äußerst gelungenen Exposition kann nicht gehalten werden, „Goliath“ schleppt sich eher über die Ziellinie, zum Glück ohne dabei allzu viel Schaden anzurichten. Für Fans des gepflegten Gerichtsdramas aber durchaus eine – wenn auch eingeschränkte – Empfehlung.

Kurzkritik: Captain Fantastic

captain-fantastic-filmplakatDrama/Comedy, USA 2016

Regie: Matt Ross; Darsteller: Viggo Mortensen, George MacKay, Frank Langella

In den Wäldern irgendwo im Nordwesten der USA lebt eine Familie, die der Zivilisation abgeschworen hat. Ben und Leslie bringen ihren sechs Kindern (die allesamt Fantasienamen tragen) das Jagen und Musizieren bei, auch Literatur, Geschichte und Naturwissenschaften stehen auf dem Plan. Dazu treibt Ben sie zu sportlichen Höchstleistungen. Doch das Leben aus dem Hippie-Bilderbuch bekommt einen Riss. Leslie ist manisch-depressiv, sie liegt seit einigen Monaten im Krankenhaus.

Aus dem Porträt einer Außenseiter-Familie wird alsbald ein Road-Movie. In einem umgebauten Schulbus machen sich Ben und die Kinder auf Richtung Süden. Das Geschehen läuft auf eine Konfrontation mit Leslies Familie hinaus, die mit dem alternativen Lebensweg so ihre Probleme hat…

Es steckt eine Menge wohltuender Zivilisationskritik in „Captain Fantastic“ und seinen Figuren. Der Film spricht damit eindeutig ein Publikum an, das seine Kritik am US-amerikanischen Mainstream-Leben teilt und punktet mit vielen treffsicheren Szenen, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Doch mit zunehmender Spielzeit rückt die Kehrseite des gelebten Aussteiger-Traums, die insbesondere die Kinder zu spüren bekommen, in den Focus.

Dass der Film nicht zu einem verkopften Diskurs über die ‚richtige‘ Art zu leben wird, sondern als echtes Drama funktioniert, liegt an den durchweg großartigen Schauspielern und den glaubwürdigen Figuren. Mit viel Humor und Offenheit erzählt schafft es „Captain Fantastic“, das Publikum emotional zu packen. Die zahlreichen inneren und äußeren Konflikte, sich die im Verlaufe der Reise zuspitzen, entwickeln sich glaubwürdig und überzeugend.

Am Ende jedoch verliert Autor und Regisseur Matt Ross das richtige Gespür für Timing und Story. Dabei ist weniger ein Problem, was passiert, sondern wie es passiert und erzählt wird. Der richtige Zeitpunkt für ein stimmiges Ende wird verpasst, die Handlung etwas inkohärent. Vielleicht wurden hier auch im Schneideraum die falschen Entscheidungen getroffen…

Dass der Film auf etwas unbefriedigende Weise endet ist schade, schmälert aber nicht den Genuss der hervorragenden ersten 90 Minuten. Die Verbindung aus Entertainment und Message geht insgesamt sehr gut auf, und damit gehört „Captain Fantastic“ für mich trotz seiner Schwächen zu den besten Filmen des Jahres.

4/5

 

Kurzkritik: Star Trek – Beyond

star trek beyond filmplakatAction/Sci-Fi, USA 2016

Der neueste Beitrag der Reihe „X-ter Film eines Franchise, der den Faden weiter spinnt ohne dabei irgendwas von Belang zu erzählen“ kommt aus dem „Star Trek“-Universum. Mit Pfiff und Ideen vor knapp 10 Jahren neu gestartet steht die Reihe inzwischen ziemlich ziellos im Raum.

Man bleibt der bewährten Erzählstrategie treu (Neuer Auftrag für die Enterprise, Jokes, Aliens, Action, Showdown, alle wieder auf der Enterprise), kann aber trotz guter Besetzung und starken Effekten nicht verhehlen, dass der aktuelle Film eben eine von undenkbar vielen möglichen „Star Trek“-Stories erzählt – nicht mehr und nicht weniger. Für Fans reicht das sicherlich, für den Rest ist das allen Schauwerten zum Trotz einfach zu wenig.

2/5

Am Rande erwähnt: „Tarzan“ und „Independence Day 2“

id4_2Es gibt Filme, die würde ich mir ums verrecken nicht im Kino anschauen. Und wenn sie dann zuhause verfügbar sind, kann ich es doch nicht lassen. “Independence Day 2” ist so ein Film. Kein Mensch braucht einen zweiten Teil der Reihe, der Star der Show (Will Smith, nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere) ist ausgestiegen – und auch sonst findet sich keine Daseinsberechtigung.

Die Action – im Vorgänger wurden noch neue Maßstäbe gesetzt – ist solide, aber nicht wirklich spektakulär. Abgesehen davon, dass neue Maßstäbe im Actionbereich lange nicht gesetzt wurden (von welchem Film der letzten 5 Jahre könnte man das sagen?), krankt es in einem anderen Bereich. Das Schaulaufen der alten Helden (Jeff Glodblum, Bill Pullman) versucht mit Humor zu punkten, aber letztlich haben deren Figuren keine echte Strahlkraft. Das gilt auch für alle neuen Figuren, für die man sich kaum zu interessieren vermag. Insgesamt ist das alles sterbenslangweilig, die zwei Stunden Laufzeit wirken deutlich länger.

1/5

Legend of Tarzan PlakatBei “The Legend of Tarzan” war ich von mir selbst überrascht, dass ich irgendwie Lust hatte, mir das mal anzuschauen. Vielleicht weil es der erste “Tarzan”-Film war, den ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt habe. Ganz großer Trash natürlich, immer an der Grenze zum unfreiwilligen Humor und voller bestenfalls zweifelhaftem afrikanischem Ethno-Kitsch.

Der Film bietet ein paar schöne Bilder – Außenausnahmen wurden in Gabun gedreht, alle Szenen mit Schauspielern wohl aber im Studio, wie es aussieht. Der künstliche Look und die zum Teil schwachsinnigen Action-Szenen (200 Meter lange Lianen, die an 300 Meter hohen Bäumen hängen – welche es aber gar nicht gibt…) sind gerade so zu ertragen. Die unfreiwillige Komik macht schon wieder Spaß, auch die Besetzung (abgesehen von Tarzan selbst, aber die Figur ist auch so bekloppt, ich weiss nicht wer das glaubwürdig hätte hinbekommen sollen) mit Christoph Waltz, Samuel L. Jackson und Margot Robie macht das Beste draus. Das ist aber immer noch nichts Gutes…

2/5

Kurzkritik: „Café Society“

Cafe Society FilmplakatDrama/Comedy, USA 2016

Regie: Woody Allen; Darsteller: Kristen Stewart, Jesse Eisenberg, Steve Carell, Corey Stoll, Blake Lively, …

Woody Allens aktueller Film gehört definitiv zu den schwächeren Filmen seiner späten Schaffensperiode. Die Story hat Witz und ist gut gespielt, die Dialoge sind gewohnt meisterhaft, doch der Funke will nicht so recht überspringen.

Für Freunde des Regisseurs – und Freunde des gepflegten „Period Piece“, in diesem Fall die 30er Jahre in L.A. und New York – gibt es genug Gründe, sich das anzusehen. Alle anderen können es getrost sein lassen.

3/5

Kurzkritik: „X-Men – Apocalypse“

X-Men Apocalypse FilmplakatAction/Sci-Fi, USA 2016

Regie: Bryan Singer; Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbinder, Jennifer Lawrence, Olivia Munn, Rose Byrne, Oscar Isaac, …

Mit dem ich-weiss-nicht-wievielten „X-Men“-Film verhält es sich sehr ähnlich wie jüngst mit „Captain America – Civil War“. Alles schön anzusehen und gut gemacht, aber letztlich kein richtiger Film, sondern ein weiteres Kapitel in einer Reihe, die aus kommerziellen Gesichtspunkten gar kein Ende finden darf. Die „X-Men“-Filme waren immer dann am besten, wenn sie die inneren Konflikte der Mutanten und das schwierige Verhältnis zu den Menschen ernsthaft in den Focus gerückt haben.

„Apocalypse“ geht eher in die Richtung eines Spektakels, in dem diese Motive noch anklingen, aber eine untergeordnete Rolle spielen – schließlich muss ein wiedererweckter alt-ägyptischer Weltenknechter (unter massig CGI kaum zu erkennen: Oscar Isaac) besiegt werden. Und damit – GÄHN – ist zur Story auch schon alles gesagt. Das prominente Ensemble macht Spaß, auch das energische Tempo, welches knapp zweieinhalb Stunden sehr schnell verfliegen lässt. Das andauernde „Magnet ist gut, Magneto ist böse“-Spielchen ging mir dabei allerdings mächtig auf den Zünder…

3/5

Kurzkritik: The Neon Demon

The Neon Demon FilmplakatThriller/Drama, DÄN/FRA/USA 2016

Regie: Nicolas Winding Refn; Darsteller: Elle Fanning, Jenna Malone, Keanu Reeves

In aller Kürze: Zwischen Horrorfilm und Glamour-Groteske erzählte Aschenputtel-Story, die arg schleppend und ziellos daher kommt.

Worum gehts? Eine Teenagerin aus der Provinz taucht ein in die traumhaft-bizarre Modelszene von L.A., deren Vertreter (Agentin, Makeup-Artist, Fotograf, Kolleginnen) sie geradezu besessen in ihre Mitte nehmen.

Die gute Nachricht: Regisseur Refn („Drive“) liefert betörende bis verstörende, dabei oft eindrucksvolle Bilder.

Die schlechte Nachricht: Hinter den virtuos komponierten Bildern und den nicht immer gelungenen Schockmomenten kann man nur ansatzweise eine erzählerische Idee erkennen. „The Neon Demon“ bleibt eine Fingerübung (auf handwerklich hohem Niveau), die den Zuschauer nicht berühren kann oder will…

2/5

Kurzkritik: Captain America – Civil War

Captain America Civil War FilmplakatAction, USA 2016

Regie: Anthony & Joe Russo; Darsteller: Chris Evans, Robert Downey Jr., Daniel Brühl, Scarlett Johansson, …

Von Comic-Verfilmungen mit großen Budgets – oder wie in diesem Fall IMMENSEN Budgets von 250 Mio. $ – kann man nicht mehr erwarten, als dass sie einigermaßen niveauvoll unterhalten. Alles andere, sprich allzu viele Experimente oder Abweichungen vom Mainstream, wäre ein zu großes Risiko für das ‚Franchise‘. So gesehen ist „Civil War“ ein guter Film geworden.

Die Action macht Laune und kommt ohne einen weiteren „showdown to end all showdowns“ (wie bei „Avengers 2“) aus, die Figurenentwicklung folgt einem relativ nachvollziehbaren Weg, der Plot beleidigt nur selten die Intelligenz des Publikums. Auch die Integration des – mittlerweile dritten – Peter Parker aka Spiderman ist gelungen.

Die Handlung zeigt die Gruppe der „Avengers“ tief gespalten in der Frage, ob sie als nur sich selbst Rechenschaft schuldige Welt-Soldaten weitermachen können, oder sich unter die Aufsicht der UN zu stellen. Ausgerechnet Iron Man ist Anführer der „Pro UN“-Fraktion, Captain America steht der anderen Seite vor. Das ist alles soweit schlüssig und gut erzählt, reisst aber niemanden vom Hocker – schon weil sehr absehbar ist, wie das Ganze ausgehen wird.

Der Ton des Films ist etwas weniger albern als sonst, was dem Geschehen gut tut. Thor und Hulk glänzen mit Abwesenheit, ersterer ist glaube ich in fernen Galaxien unterwegs (war da nicht was am Ende eines vorigen Films?), letzterer hat vielleicht was auf dem Herd stehen oder dreht sein erstes „stand alone“-Feature (man muss ja bei der Reihe alles aus dem Blickwinkel des globalen Marketings sehen).

So weit, so gut also. Als kurzweilige, sehr ansehnliche Zerstreuung taugt „Captain America – Civil War“. Stören tun mich immer die gleichen Dinge. Das vergebliche Warten auf ein echtes Ende bedeutet letztlich die komplette Abwesenheit von Spannung, der große Pool neuer Superhelden hat langsam etwas arg beliebiges, die Actionszenen können bei aller technischen Brillanz keinen „Wow-Effekt“ erzeugen – man hat es alles schon so ähnlich gesehen, und man wird es noch ziemlich oft so sehen.

3/5

P.S.: Die Reihe der Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel geht derweil munter weiter. Ende des Jahres gibt sich Benedict Cumberbatch als „Doctor Strange“ die Ehre. 2017 stehen neue Filme von „Spiderman“, „Thor“ sowie „Guardians of the Galaxy 2“ an, 2018 folgt „Black Panther“ (hat hier sein Debüt gegeben), dann „Avengers – Infinity War Pt. 1“ und schließlich ein neuer „Ant-Man“. Sofern die Produzenten, Regisseure und Darsteller ihr derzeitiges Niveau halten ist mir das als Heimkino-Unterhaltung alles genehm. Nur ins Kino bringen mich ausgerechnet diese „Tentpole“-Produktionen, die einen immer größeren Teil der gesamten Kino-Einspielergebnisse Hollywoods liefern (sollen), ziemlich sicher nicht mehr…

Kurzkritik: Our Kind of Traitor

Filmplakat Our Kind of TraitorThriller/Drama, UK/FRA 2016

Regie: Susanna White; Darsteller: Ewan McGregor, Naomie Harris, Stellan Skarsgard, Damian Lewis

In aller Kürze: Solide inszenierter Agentenfilm.

Worum gehts? Eine kriselndes Ehepaar lernt im Urlaub den alternden russischen Mobster Dima kennen, der – mit ihrer Hilfe – aussteigen und als Informant überlaufen will. Doch während die britischen Behörden mit internen Widerständen kämpfen sind Dimas Kollegen bereits misstrauisch geworden.

Die gute Nachricht: Die Story ist spannend, wenn auch nicht weltbegewegend, die Dramaturgie stimmig.

Die schlechte Nachricht: Das von McGregor und Harris gespielte Ehepaar wirkt angesichts der beiden unterentwickelten Figuren wie ein Fremdkörper, der seine zentrale Stellung innerhalb des Plots nie rechtfertigen kann, und im Gegenteil der Glaubwürdigkeit schadet.

3/5

Kurzkritik: Bastille Day

Bastille Day FilmplakatThriller, UK/USA/FR 2016

Regie: James Watkins; Darsteller: Idris Elba, Richard Madden, Kelly Reilly

Es war nur eine Frage der Zeit bis ‚Everybody’s Darling‘ Idris Elba als Hauptfigur in einem Actionfilm mitspielen würde. Nun ist es soweit, in „Bastille Day“ kämpft er in Paris am französischen Unabhängigkeitstag als One-Man-Army gegen undurchsichtige Terroristen.

Der Film folgt dem US-Taschendieb Michael (Richard „Robb Stark“ Madden) auf seinem Weg durch die Hauptstadt, wo er einer Terroristin ihre Tasche klaut – inkl. Bombe. Die geht kurz danach hoch, tötet vier Menschen, verletzt dabei Michael nur leicht. Eine Kamera identifiziert ihn als vermeintlichen Attentäter

Neben der französischen Polizei kommen auch US-Geheimdienstler schnell auf Michaels Spuren, wobei der mit allen Wassern gewaschene Sean Briar (Elba) ihn als erster erwischt und zur Rede stellt. Der Plot um einen weiteren geplanten Terroranschlag und die Erpressung der Regierung ist nicht sonderlich glaubwürdig, aber durchaus angemessen.

Angesichts der vielen Terroranschläge in Frankreich in der letzten Zeit kommt „Bastille Day“ jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt (lief einen Tag vor dem Attentat von Nizza an) und trifft auch nicht eben den Zeitgeist.

Als geradliniger Actionthriller kann er über weite Strecken überzeugen, ohne dabei jedoch bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Elba taugt definitiv zum Actionhelden, hat hier aber eine sehr grob geschnitzte Figur zu spielen, die nicht wirklich spannend ist. Auch der Rest der Besetzung hält sich wacker, die Actionszenen sind erholsam frei von CGI und machen Laune. Insgesamt ein anständiger, etwas arg gefälliger Beitrag zum Genre.

3/5

Kurzkritik: Money Monster

Money Monster FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Jodie Foster; Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West

Geiselnahme im Live-TV – Lee, Moderator einer krawalligen Finanz-Show, gerät in die Gewalt des frustrierten Zuschauers Kyle, der wegen eines Anlagetipps seine Ersparnisse verloren hat.

Während Lee mit seiner Produzentin (Roberts) einen Ausweg sucht, stellt Kyle in Frage, dass der Kurssturz der Investmentfirma wirklich an einem „fehlerhaften Algorithmus“ lag. Auch außerhalb des Studios ist man um Aufklärung bemüht…

Gut gespielt und flott inszeniert bemüht sich „Money Monster“ um einen treffenden Kommentar zur Schieflage und Undurchschaubarkeit des internationalen Finanzwesens. Doch trotz ein paar guter Ideen nimmt das Geschehen einen so unglaubwürdigen Verlauf, dass man zwar noch folgen mag, sich dabei aber zusehends verwundert am Kopf kratzt.

3/5

 

Coming up – Kurze Kino-Vorschau

Es wird wieder ein Jahr mit wenigen Gängen ins Kino, soviel ist klar. Das liegt sicher auch an meiner zunehmenden Faulheit, entscheidender sind aber andere Faktoren, die mich mehr denn je stören. Erstens dauert der Gang ins Kino wegen der Werbung sehr lange, das nervt, schliesslich bezahlt man ja Eintritt. Zweitens passen die Vorführungszeiten oft nicht in meinen Alltag. 18:00 Uhr ist zu früh, 20:30 Uhr fast zu spät (weil: siehe erstens).

Das wäre aber alles irgendwie machbar, wenn es denn nur Filme gäbe, die mich ins Kino locken würden. Neben den Filmen der wenigen Regisseuren, deren Werke ich fast immer im Kino sehe (Coens, Tarantino, Wes Anderson, Scorsese, usw…), kommt da wenig bis nichts Aufregendes. Remakes, Reboots und ohne Ende Sequels von bekannten Franchises. Laaaaaaaangweilig!

Ich habe etwa an den Comic-Verfilmungen hin und wieder durchaus Spaß, aber ins Kino gehen, um den immer gleichen Mummenschanz noch mal zu gucken? Nö. Da hilft es auch nicht, dass die 3D-Technik zwar grundsätzlich faszinierend ist, de facto aber einen mittelmäßigen Film nicht wirklich besser macht – die Tickets aber deutlich teurer.

So, genug geschimpft. Hier eine kurze Auswahl von Filmen, die in den nächsten Monaten anlaufen. Es ist genau einer dabei, den ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kino sehen werde…

Star Trek – Beyond
Auf den mittlerweile dritten Teil des Reboots verspüre ich wenig Vorfreude. Man wird sich das schon ansehen können, und Idris Elba ist immer gut – aber ins Kino…nee, lass mal.

Wiener Dog
Der neue Film von Todd Solondz, dessen „Happiness“ (und mit Abstrichen auch „Storytelling“) ich vor 15 Jahren faszinierend und verstörend fand. Realistisch betrachtet sicher eher Kost für zuhause…

Ghostbusters
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das (über ein paar gelungene Jokes hinaus) Spaß machen könnte . „Ghostbusters“ ist eine schöne Erinnerung an die Kindheit, für ein Remake – egal mit welcher Besetzung – habe ich keinen Bedarf.

Julieta
Neuer Film von Pedro Almodovar, den ich eigentlich sehr schätze. Ich werde mal den Trailer checken…

Jason Bourne
Erste Kritiken waren nicht sonderlich positiv, trotzdem denke ich dass „Jason Bourne“ mein offizieller Bond-Ersatz des Jahres wird – und also auch im Kino geguckt wird.

Suicide Squad
Der Trailer zum Start einer weiteren Comic-Reihe (die die Welt ja dringend braucht) sieht fürchterlich aus, ich denke ich werde hier abwarten und gegebenenfalls später zuhause „zuschlagen“…

Now You See Me 2
Hurra, eine Fortsetzung! Im Ernst, Teil eins hat Spaß gemacht, aber noch mal muss das jetzt auch nicht sein. Und der Trailer liefert auch keine schlagenden Argumente.

Ben Hur
Hurra, ein Remake! Jetzt mal ehrlich, wer kam denn auf diese bescheuerte Idee?

Die glorreichen Sieben
Hurra, noch ein Remake! Wait…what!? Neugierig bin ich schon…

Inferno
Neue Dan-Brown-Verfilmung, wie immer mit Tom Hanks als Klugscheisser Robert Langdon. Das Buch ist – ebenfalls wie immer – großer Trash. Ich glaube, dem Film gebe ich trotzdem eine Chance.