Kurzkritik: Ingrid Goes West

Ingrid Goes West FilmplakatDrama/Comedy, 2017

Regie: Matt Spicer; Darsteller: Aubrey Plaza, Elizabeth Olsen, O’Shea Jackson, Jr., Wyatt Russell

Worum gehts?

Die unsichere, komplett auf ihren Instagram-Account fixierte Ingrid (Plaza) zieht nach L.A., um dort Taylor (Olsen), einem Star des Netzwerks, auf die Pelle zu rücken. Es entwickelt sich eine ungesunde „Freundschaft“, die bald auf eine ernste Probe gestellt wird.

Was soll das?

„Ingrid Goes West“ verknüpft klassisches Indie-Drama mit dem Zeitgeist-Thema Social Media. In der Sehnsucht nach einem Leben voller perfekt inszenierter, sofort für die Nachwelt auf Handybildern festgehaltener Glücksmomente offenbart sich mehr als nur eine persönliche kleine Existenzkrise…

Taugt das was?

Ja, durchaus. Die Darsteller meistern den schwierigen Spagat zwischen Drama und Komödie, den hohen Fremdschäm-Faktor des Films muss das Publikum aushalten. Gegen Ende war mir das Geschehen dann allerdings deutlich zu Lehrstück-artig – was natürlich auch in der Natur der Sache liegt.

3/5

Kurzkritik: Mindhunter (Serie, Netflix)

Mindhunter PosterQuantico, Mitte der Siebziger Jahre. Der junge FBI-Agent Holden bezweifelt, dass man Serienmördern mit den selben psychologischen Kniffen auf die Schliche kommt wie anderen Verbrechern. Bald reist er mit seinem älteren Kollegen Bill durch die USA um seine Kollegen zu schulen, und nebenbei Interviews mit inhaftierten Serienkillern zu führen – um die Erkenntnisse direkt in aktuelle Ermittlungen einbringen zu können.

Die Serie von David Fincher (Produzent und Regisseur von 4 Folge) und Joe Penhall (Drehbuch) ist stylisch, düster und spannend. Die großartigen, weitgehend unbekannten Darsteller sorgen für einen unverstellten Blick auf die interessant gezeichneten Figuren. Die verschiedenen Handlungsstränge entwickeln schnell einen hohen Suchtfaktor – keine andere Serienstaffel habe ich dieses Jahr so schnell durchgeguckt wie diese. David Fincher hat bereits mit „Se7en“ und „Zodiac“ gezeigt, dass er sich auf dieses Sub-Genre versteht, „Mindhunter“ braucht sich vor diesen nicht zu verstecken.

Kurzkritik: Good Time

Good Time FilmplakatThriller/Drama, 2017

Regie: Benny & Josh Safdie; Darsteller: Robert Pattinson, Benny Safdie, Taliah Webster

Worum gehts?

Connie (Pattinson) und sein psychisch behinderter Bruder Nick (B. Safdie) begehen einen Banküberfall, der mächtig in die Hose geht. Nick wird gefasst, Connie ist verzweifelt bemüht ihn aus dem Gewahrsam der Polizei zu befreien, bevor er in ein echtes Gefängnis überstellt wird.

Was soll das?

„Good Time“ schmeisst das Publikum ebenso wie die Figuren fast von der ersten Minute an ins kalte Wasser. Das Geschehen wird beinahe in Echtzeit gezeigt, insgesamt umspannt die Handlung nur wenige Stunden. In denen ist allerdings so einiges los – denn Connie rennt die Zeit davon, während er auf immer neue Hindernisse stösst..

Taugt das was?

Ja, „Good Time“ ist ein gekonnt inszenierter, temporeicher und spannender Thriller geworden. Die extreme Verdichtung des Geschehens geht selten auf Kosten der Glaubwürdigkeit (zum Teil liegt das ohnehin in der Thriller-Natur der Sache), schafft es aber das Publikum direkt für die Figuren und ihr Schicksal zu interessieren. Die weitgehend unbekannten Darsteller überzeugen, wie auch der Star des Films, Robert Pattinson.

4/5

Kurzkritik: The Deuce (TV-Serie)

The Deuce PosterGute Nachrichten für alle Fans von „The Wire“: David Simons neue Serie „The Deuce“, in Deutschland zu sehen bei Sky.

Wie schon bei „The Wire“ erzählt die Serie in aller Ruhe von einem gesellschaftlichen Mikrokosmos. Am heruntergekommenen Times Square in Manhattan anno 1971 bestimmen Prostitution, Bars, Drogen und Porno-Kinos die Szenerie, die Mafia hat ihre Finger fast überall drin.

Die Serie folgt einer Reihe von Figuren, unter ihnen Maggie Gyllenhaal als desillusionierte, ambitionierte Prostituierte, und James Franco in einer Doppelrolle als Barbesitzer und Kleinganove.

Das Geschehen entwickelt sich langsam, und nimmt sein Milieu ganz genau unter die Lupe – mit genau dem Ansatz, der schon bei „The Wire“ überzeugen konnte. Für ungeduldige Serien-Fans ist „The Deuce“ daher definitiv nicht geeignet. Mir hat es sehr gut gefallen, Staffel 2 steht fest auf dem Plan für 2018.

Kurzkritik: Marjorie Prime

Marjorie Prime FilmplakatDrama/Sci-Fi, 2017

Regie: Michael Almereyda; Darsteller: Lois Smith, Geena Davis, Jon Hamm, Tim Robbins

Worum gehts?

Ein lebensechtes Hologramm ihres verstorbenen Mannes leistet der 86-jährigen Marjorie im Alter Gesellschaft. Während ihre Tochter Tess der künstlichen Erscheinung (die ihren Vater in einer ‚jungen Version‘ darstellt) mit Skepsis begegnet, ist ihr Ehemann Jon von der Technik äußerst angetan

Was soll das?

Die Verfilmung eines Theaterstücks ist zwar technisch gesehen eine Zukunftsvision, beschäftigt sich jedoch vor allem mit unserem Verhältnis zur Vergangenheit. Die Glaubwürdigkeit der eigenen Erinnerungen steht genau so in Frage wie der Nutzen einer lernfähigen K.I. als Kommunikations-Ersatz für echte Menschen.

Taugt das was?

Ja, der Film wird mit zunehmender Laufzeit interessanter und fesselnder. Allerdings kann man ohne Spoiler nicht wirklich erklären, warum das so ist. „Marjorie Prime“ ist ein ruhiges, glänzend gespieltes Kammerspiel, und ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein guter Science-Fiction-Film weder Aliens, Raumschiffe noch ein großes Budget braucht. Sondern vor allem gute Ideen.

4/5

Kurzkritik: Atomic Blonde

Atomic Blonde FilmplakatThriller/Action, 2017

Regie: David Leitch; Darsteller: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Sofia Boutella

Worum gehts?

Einige Tage vor dem Mauerfall spitzt sich in Berlin der Kampf der Geheimdienste um eine Liste mit den Namen von Agenten (ganz was neues) zu. Unklare Loyalitäten und Identitäten sowie der immer näher rückender Mauerfall bestimmen das Geschehen, Hauptfigur ist die toughe britische Agentin Lorraine (Theron).

Was soll das?

Der Film steht in der Tradition moderner Verwirrspiele wie „Lucky Number Slevin“ oder auch „The Usual Suspects“, allerdings im Gewand eines Agentenfilms, mit Anleihen bei den späteren „Bourne“-Filmen (allerdings weniger bierernst). Der offensive (NDW-lastige) 80’s-Soundtrack unterstreicht die gewollt übertriebene Inszenierung.

Taugt das was?

Na ja. Visuell, in Sachen Tempo und Action, sowie bei den Darstellern, kann „Atomic Blonde“ punkten. Die verschachtelte Erzählweise (von Anfang an wird viel mit Rückblenden gearbeitet) ist als Stilmittel passend, verschleiert aber zuweilen auch nur mangelnde Substanz. Eine Figurenentwicklung findet nicht statt, bzw. wird komplett vom (an Logik-Löchern nicht armen) Plot bestimmt. Insgesamt noch eine souveräne Variation des Genres, aber kein großer Wurf.

3/5

Kurzkritik: Legion (Serie)

Legion PosterEine der besten neuen Serien der letzten Zeit ist definitiv „Legion“, in Deutschland auf dem  Fox Channel zu sehen. Die Serie ist ein Ableger aus dem „X-Men“-Universum, und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens David, der an Schizophrenie leidet. Zumindest denkt er das, bis sich in der geschlossenen Psychatrie einige mehr als nur merkwürdige Dinge abspielen. Plötzlich findet sich David im Kreise einer Gruppe von Mutanten wieder, die ihn als einen der ihren erkannt haben.

„Legion“ erzählt von Parallel-Universen, persönlichen Dämonen, fährt ‚Mindfucks‘ aller Art auf, sowie eine Task Force der Menschheit, die sich verzweifelt bemüht die Mutanten im Zaum zu halten. Es ist nicht ganz leicht, dabei den Überblick zu behalten – aber es ist anders als a  „Twin Peaks“ möglich. Man muss ohnehin nicht jede Szene verstehen, um die Stärken der Serie würdigen zu können.

Optisch im Stile der 70er Jahre gehalten, mit starken Effekten, die im Dienste der Story stehen, und dazu hervorragend gespielt überzeugt „Legion“ vor allem durch den Mut, das Publikum herauszufordern, mit phantasievollen Bildern und überraschenden Entwicklungen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, darf aber durchaus ’speziell‘ genannt werden. Mit verantwortlich für diesen Humor ist eine von Jermaine Clement („Flight of the Conchords“) gespielte und für die Kreativität der Serie exemplarische Figur, die dem Geschehen spät, aber nachhaltig ihren Stempel aufdrückt.

Wer angesichts der vielen neue Serien nicht so recht weiss, wo er anfangen soll – „Legion“ ist mehr als nur einen Blick wert, und gehört zu den wenigen neuen Shows, auf deren Fortsetzung ich mich tatsächlich freue.

Kurzkritik: The Meyerowitz Stories (New & Selected)

Meyerowitz Stories FilmplakatDrama/Comedy, 2017

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Adam Sandler, Dustin Hoffman, Ben Stiller, Elizabeth Marvel

Worum gehts?

Ein grantiger, alternder Künstler (Hoffman) mit erwachsenen Kindern (Sandler, Stiller, Marvel) aus verschiedenen Ehen möchte sein Werk gewürdigt wissen und seinen Nachlass klären. Bei einem Zusammentreffen kommen Jahrzehnte alte Spannungen und Konflikte zutage, und schließlich auch noch ein paar neue dazu…

Was soll das?

Das Ensemble-Drama über eine Familie von völlig unterschiedlichen, aber durch die Bank spleenigen Charakteren macht keinerlei Anstalten, dass Rad des Genres neu zu erfinden. „The Meyerowitz Stories“ konzentriert sich ganz auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, bei einem Minimum (wenig überraschender) Story-Entwicklung.

Taugt das was?

Durchaus. Der Film verlässt sich weitgehend auf seine Dialoge und Darsteller, gibt den Figuren genug Raum, sich zu entfalten und bietet viele starke Szenen. Zum ersten Mal seit langem ist Adam Sandler in einer ernsthaften Rolle zu sehen, der hier erneut zeigt dass er diese kann – wenn er will. So richtig übergesprungen ist der Funke bei mir dennoch nicht, „The Meyerowitz Stories“ ist ein guter und niveauvoller Film, an dem eigentlich nichts verkehrt ist. Ich meine es nicht böse, aber ich werde ihn trotzdem wohl bald vergessen haben.

3/5

American Gods – Season 1

American Gods PosterWorum gehts?

Um alte und neue Götter, Fabelwesen, ihr Verhältnis zur Menschheit, um ihre Geschichte … und Gegenwart. Aber auch um einen Ex-Häftling und seine (un)tote Frau, die sich plötzlich mitten unter diesen ominösen Gestalten wiederfinden und durch einen recht wirren, mit vielen Rückblenden ausgestatteten Plot jagen.

Taucht das was?

Stylisch ist „American Gods“, produziert vom US-Sender Starz und hierzulande bei Amazon Video zu sehen, allemal. Den künstlichen Hochglanz-Look (irgendwo zwischen „300“ und „Thor“) voller Sex und Gewalt muss man allerdings mögen. Mir hat es durchaus gefallen, aber ob ich da noch eine Staffel von sehen will (es wird eine geben) wage ich zu bezweifeln…

Kurzkritik: El Clan

El Clan FilmplakatThriller/Drama, 2015

Regie: Pablo Trapero; Darsteller: Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich

Worum gehts?

Argentinien, Anfang der 80er Jahre. Die gutbürgerliche Familie Puccio betreibt ein knallhartes Geschäft mit Entführungen reicher Landsleute, bei dem auch die älteren Kinder unter der Fuchtel der eiskalten Eltern zu Mittätern werden. Als die Spannungen innerhalb des Clans zu groß werden spitzt sich die Situation bedrohlich zu.

Taugt das was?

Das taugt, ist allerdings keine leichte Kost, da „El Clan“ auf klassische Sympathieträger komplett verzichtet und dem Zuschauer für die Identifikation nur die Familienmitglieder selbst anbietet. Hier machen die Darsteller einen sehr guten Job, weil sie die perfide Gruppendynamik innerhalb der Familie glaubwürdig rüberbringen.

Sonst noch was?

Ein wenig Kenntnis der argentinischen Geschichte der 70er und 80er ist glaube ich ganz hilfreich beim Verständnis des Geschehens, welches (so habe ich es mit Grausen den Einblendungen im Abspann entnommen) auf einer wahren Geschichte basiert…

4/5

Kurzkritik: Wind River

Wind River FilmplakatThriller/Drama, 2017

Regie: Taylor Sheridan; Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille, Graham Greene

Worum gehts?

Die Ermittlungen zum Tod einer jungen Frau in einem Indianer-Reservat in Wyoming führen eine FBI-Agentin, einen lokalen Jäger und die Stammespolizei zusammen. Schlechtes Wetter und unklare Zuständigkeiten erschweren die Ermittlungen erheblich…

Taugt das was?

Jawohl. Neben den guten Darstellern und den wunderbaren (Natur-)Bildern überzeugt „Wind River“ vor allem formal. Der Film hat seine Story jederzeit souverän im Griff und löst in einer großartigen Rückblende, die den eigentlichen Showdown meisterhaft unterbricht, das zentrale Rätsel der Story auf, ohne dass es dadurch mit der Spannung vorbei wäre.

Sonst noch was?

Einziger Kritikpunkt ist die einfache, alttestamentarische Moral, in dieser Hinsicht hätte „Wind River“ ein wenig mehr Ambivalenz ganz gut gestanden.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Winter’s Bone“ meets „Thunderheart“

4/5

Kurzkritik: The Dark Tower

The Dark Tower FilmplakatFantasy, 2017

Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor

Worum gehts?

In mehreren Parallelwelten, deren Überleben von einem ominösen „Dark Tower“ garantiert wird, kämpfen das Gute (in Person des ‚Gunslingers‘ Roland) und das Böse (‚Man in Black‘ Walter) um die Vorherrschaft.

Was soll das?

„The Dark Tower“ erzählt soweit ich das verstanden habe erste Bruchstücke, vor allem das grundsätzliche Szenario, von Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Saga. Der Film soll einen Einstieg in den Stoff geben, eine Serie und weitere Filme sollten folgen.

Taugt das was?

Nein. „The Dark Tower“ wirkt eher wie die Verfilmung einer Kurzgeschichte, in den knapp 90 Minuten lässt sich nur ganz selten erahnen, worin die Faszination der Vorlage bestehen könnte. McConaugheys Bösewicht kommt besonders ansatzlos (und dabei auch nicht im Ansatz überzeugend) daher, bei Elbas ‚Gunslinger‘ ist es nur etwas besser.

Sonst noch was?

Ob aus der Serie und den weiteren Kinofilmen was wird ist wohl eher unklar, weil der Film die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Als Nicht-Fan der Reihe ist mir das relativ egal (ich hab mir den Film angesichts der miesen Kritiken eher aus mitleidigem Interesse angesehen), und ich könnte wetten dass sich die Fans der Bücher insgesamt auch eher über einen komplett neuen Anlauf in ein paar Jahren freuen würden..

2/5

Kurzkritik: Blade Runner 2049

Blade Runner 2049 Filmplakat - Ryan Gosling VersionSci-Fi, 2017

Regie: Denis Villeneuve; Darsteller: Ryan Gosling, Ana de Armas, Robin Wright, Sylvia Hoeks, Jared Leto, Harrison Ford

Worum gehts?

In der Fortsetzung von Ridley Scotts Klassiker von 1982 stösst Blade Runner ‚K‘ (Gosling) auf ein gefährliches Geheimnis mit dem Potential, die postapokalyptische Welt von Menschen und (neu aufgelegten) Androiden anno 2049 kräftig durcheinander zu wirbeln.

Was soll das?

Als Fan des Originals habe ich mir eher keine Fortsetzung gewünscht, doch offenbar waren sowohl das Studio als auch die Kreativen (neben Ridley Scott als Produzent ist mit Hampton Fancher auch einer der Original-Drehbuchautoren wieder dabei) überzeugt davon, dass es hier noch weitergehen soll.

Taugt das was?

Absolut. In Sachen Ästhetik und Bildgewalt lässt „Blade Runner 2049“ nichts zu wünschen übrig. Die Weiterentwicklung des Szenarios ist glaubhaft und aus einem Guss, die Darsteller (inklusive der ‚Rückkehrer‘) überzeugen. Die visuellen Effekte in Kombination mit dem mächtigen Soundtrack sowie den eindrucksvollen Soundeffekten sind allein den Gang ins Kino wert. Die vom Original in den Raum gestellten Fragen nach Natur, Verhältnis sowie Bestimmung von und zwischen Mensch und Maschine verhandelt der Film souverän weiter, ohne diese (nur) zu wiederholen. Regisseur Denis Villeneuve („Sicario„, „Arrival„) erzählt mit einer betonten Langsamkeit, die zum Fallenlassen in die düstere Welt des Film einlädt.

Sonst noch was?

„Blade Runner 2049“ sieht so verdammt cool aus und verneigt sich an so vielen Stellen vor dem Original, dass es schon fast übertrieben wirkt. Doch angesichts der grandiosen Opulenz und dem unglaublich wohltuenden Verzicht auf hektisch geschnittene moderne Blockbuster-Action (Kein einziger Energiestrahl ins Weltall! KEINER!) will man da nicht wirklich meckern. Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich die arg konstruierte Story, die trotzdem gut funktioniert, vielleicht jedoch einen Tick zu sehr nach einer weiteren Fortsetzung verlangt.. Gut möglich auch, dass man bei erneutem Betrachten neue Facetten findet und dieser Kritikpunkt relativiert werden muss.

5/5

Wer sich mit der Story und ihrer Bedeutung genauer auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Artikel von Screenrant empfohlen.

Kurzkritik: The Beguiled

The Beguiled FilmplakatDrama, 2017

Regie: Sofia Coppola; Darsteller: Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Colin Farrell, Elle Fanning

Worum gehts?

Während des US-Bürgerkriegs pflegen Lehrerinnen und Schülerinnen einer kleinen Mädchenschule in Virginia einen verwundeten Soldaten der Union gesund. Als der wieder zu Kräften kommt entstehen Spannungen und Konflikte.

Was soll das?

„The Beguiled“ ist eine offensichtliche Versuchsanordnung, ein ambivalentes Kammerspiel um Geschlechterrollen, sexuelle Anziehung, Verrat und Vertrauen.

Taugt das was?

Es ist zumindest nichts verkehrt an „The Beguiled“, die Figuren sind gut entwickelt, die Handlung ist plausibel, und wie immer bei Sofia Coppola sind Atmosphäre und Stimmung ein große Stärke des Films. In dem eng gesteckten Korsett der Handlung fehlt mir jedoch ein überraschendes Moment, ebenso wie die erzählerische Leichtigkeit von Coppolas besten Filmen.

3/5

Kurzkritik: Baby Driver

Baby Driver FilmplakatThriller, 2017

Regie: Edgar Wright; Darsteller: Ansel Elgort, Jon Hamm, Kevin Spacey

Worum gehts?

Ein ungewöhnlicher junger Mann mit mysteriöser Vergangenheit verdingt sich als genialer Fluchtauto-Fahrer bei einem Boss der Unterwelt. Wie es sich für so ein Gangster-Setting gehört, gehen dann zunehmend viele Dinge fürchterlich schief…

Was soll das?

„Baby Driver“ ist ein postmodernes Verbrecher-Märchen mit unzähligen Schießereien und Verfolgungsfahrten sowie (quasi als Alleinstellungsmerkmal) vielen Anleihen beim Musical-Genre.

Taugt das was?

Ja, „Baby Driver“ ist unterhaltsam, witzig und sogar ein bißchen spannend. Seine vielen Vorbildern verhehlt der Film nicht, ist mir persönlich jedoch insgesamt einen Tick zu selbstverliebt geraten.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Drive“ meets „Reservoir Dogs“ meets „The Italian Job“

3/5

1 2 3 97