Filmkritik: Avengers – Age of Ultron

Age of Ultron - FilmplakatAction/Comedy, USA 2015

Regie: Joss Whedon; Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen

Meine Erwartungen an DEN Marvel-Blockbuster des Jahres waren recht hoch, nicht zuletzt weil ich mir –  nachdem zuletzt im zweiten “Captain America” die Geschichte von SHIELD quasi zu ende erzählt wurde – ein spannendes neues Kapitel von “Age of Ultron” versprochen habe. Nicht spannend a la Hitchcock, sondern spannend im Rahmen eines riesigen Superhelden-Universums: neue Welten, neue Bösewichter, und natürlich spektakuläre 3D- Action.

Leider ist die Story die größte (und einzige) wirkliche Enttäuschung des Films. Tony Starks Idee, eine künstliche Intelligenz zur Verteidigung der Erde zu installieren, geht mächtig schief. Die “Avengers” müssen alle ihre Kräfte aufbieten, um “Ultron” an der Vernichtung des Planeten zu hindern. Der arg dünne Plot sorgt dafür, dass Bruce Banner und Kollegen ordentlich zu tun haben, und am Ende die Weichen für die kommenden Filme (“Captain America: Civil War” in 2016 und “Thor: Ragnarok” in 2017) gestellt werden. Einfallsreich oder aufregend ist das alles aber nicht.

Was nicht bedeutet, dass “Avengers – Age of Ultron” nicht eine Menge guter Actionszenen bieten würde. Ganz im Gegenteil, die Truppe ist fast pausenlos im Einsatz. Die 3D-Effekte sind gut, die Actionszenen setzen aber insgesamt anders als in Teil eins keine neuen Standards. Am besten funktioniert der Film als Buddy-Komödie mit sehr guten One-Linern, dem bekannt feinen Gespür für seine Figuren und deren Eigenheiten. Zwischen zwei Helden beginnt es gar romantisch zu werden, was für heikel-witzige Momente sorgt. Es deuten sich zudem Abschiede an, während gleichzeitig ein wenig frisches Blut hinzukommt.

Ein wenig schade ist es, dass “Age of Ultron” kein echtes Highlight in der Reihe ist, sondern eher wie eine spaßige Klassenfahrt ohne echtes Ziel daherkommt. Es bleibt zu hoffen, dass in den schon erwähnten nächsten Filmen storytechnisch ein starke Vorlage für die angekündigten “Avengers – Infinity Wars” (2018 und 2019 im Kino) geliefert wird. In völliger Unkenntnis der Comics ist es mir dabei ziemlich egal, in welche Richtung es geht – so lange es mich wenigstens oberflächlich zu fesseln vermag.

(knapp) 4/5

 

Filmkritik: Mortdecai

Mortdecai FilmplakatComedy/Action, UK/USA 2015

Regie: David Koepp; Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor

Ungläubiges Kopfschütteln ist die natürliche Reaktion auf das Trashfest namens “Mortdecai”. Selten habe ich einen A-List Hollywood-Film gesehen, der auf so vielen Ebenen versagt wie dieser. Da wäre etwa Johnny Depp als englischer Kunsthändler/Betrüger Mortdecai – die Titelfigur des Films fällt gleich in den ersten Szenen in sich zusammen. Die krude Mischung aus Weinerlichkeit, Snobismus und albernem Gekasper geht nicht auf. Das ist nicht komisch, sondern daneben.

Auch die von Gwyneth Paltrow (hochnäsige Ehefrau), Paul Bettany (unterwürfiger Butler und Casanova) und Ewan McGregor (schleimiger MI5-Agent) gespielten Rollen sind nicht viel besser. Die Story ist ebenfalls ein Desaster, wobei das ganz offensichtlich eingeplant war. “Mortdecai” setzt auf den Spaß, den Figuren & Dialoge verbreiten sollen – was so vollends scheitert, dass es kaum zum Fremdschämen reicht. Die vielen Ortswechsel und Figuren verstärken den Eindruck der Ziellosigkeit noch.

Die interessantesten Fragen sind bei dem Ganzen folgende: Wie konnte das Projekt jemals grünes Licht bekommen konnte? Und warum ist auch den Darstellern nicht aufgefallen, wie schlecht die Idee zum Film in allen Belangen ist? Ich würde was dafür geben, bei der ersten Vorführung dieses jämmerlichen Streifens vor den Geldgebern (Johnny Depp war selbst einer davon) dabei gewesen zu sein. Die haben sicher weinend ihre Buchhalter angewiesen, einen großen Batzen Kohle abzuschreiben…

1/5

Filmkritik: American Sniper

American Sniper FilmplakatKriegsdrama, USA 2014

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Kyle Gellner

“American Sniper” erzählt ‘based on true events’ die Geschichte des Navy Seals-Scharfschützen Chris Kyle, der in seinen vier Touren im Irak über 160 “confirmed kills” verbucht hat. Für viele US-Amerikaner ist Kyle einer der wenigen Helden, die der Krieg im Irak hervorgebracht. Clint Eastwoods Film war in den USA nicht nur unfassbar erfolgreich (bestes Einspielergebnis eines Kriegsfilms seit Anbeginn der Zeit), sondern auch ein echtes Politikum.

Die Handlung ist schnell erzählt. Kyle steigt im Irak unter den Soldaten schnell zur Legende auf. Seine Treffsicherheit erledigt reihenweise Gegner und rettet gleichzeitig vielen Kameraden der Bodentruppen das Leben. Zuhause bei Frau und Kind(ern) läuft es weniger rund. Zu anders ist das zivile Leben, zu groß der Druck, im Irak auch seinen ärgsten Widersacher “The Butcher” zu erwischen.

“American Sniper” ist nicht ganz die ultrapatriotische Heldengeschichte, die ich befürchtet hatte. Weder ist in jeder zweiten Einstellung die US-Flagge zu sehen noch werden die US-Soldaten besonders heroisch dargestellt. Die Gefechtsszenen sind denen aus “The Hurt Locker” nicht unähnlich und spannend inszeniert. Auch Chris Kyle selbst wird nicht zum übermächtigen Rambo stilisiert, sondern als überaus begabter Scharfschütze mit “exzellenten Arbeitsergebnissen” dargestellt. Ein Soldat, der glaubt, dass seine Taten die Mitbürger in San Diego oder New York sicherer machen.

Das Problem bei der Sache ist somit weniger, was der Film über die US-Truppen und die Heimatfront erzählt, sondern was er über die Gegenseite und den Krieg an sich nicht erzählt. Die politische “Lage” wird bequem mit den Bildern vom 11. September abgekürzt, die “Aufständischen” im Irak sind weitgehend namen- und gesichtslose Bösewichter, die alle irgendwie zu al-Qaida gehören und ihren Kindern Granaten in die Hand drücken.

Die gezeigten Gefechte mögen realistisch dargestellt sein, trotzdem verstellt diese Einseitigkeit den Blick auf den Konflikt als ganzes. Der Film setzt den Hollywood-Trend fort, über die Soldaten nur gutes und über den Krieg als ganzes lieber nichts zu erzählen. Das aggressive Auftreten der US-Truppen als Besatzer (in der Wahrnehmung der Iraker), der fehlende Plan für die Zukunft des Landes, Skandale wie Abu Ghraib, oder die nicht vorhandene, von der Politik ersponnene Verbindung zwischen 9/11 und Saddam Hussein sowie dessen ebenso wenig vorhandenen Massenvernichtungswaffen – das alles findet im Film nicht statt. Kein Wunder, denn das würde Kyle und seine Kameraden zu traurigen Figuren in einem fragwürdigen Konflikt machen, zu Kollegen von Folterknechten und marionettenhaften Handlangern unfähiger bis überforderter Politiker und Generäle.

Regisseur Eastwood sieht eine extrem starke Antikriegsbotschaft seines Films darin, dass er zeigt wie die Familien der Soldaten leiden, und wie schwer es ist aus dem Krieg ins zivile Leben zurückzukehren (siehe hier). Damit liegt er sicher nicht falsch. Die Darstellung seiner Figuren als aufrechte Kämpfer für die ‘Freiheit der westlichen Welt’ und ihrer Verbündeten wirkt angesichts der bekannten Hintergründe trotzdem mächtig hohl.

Handwerklich und schauspielerisch ist an “American Sniper” wenig auszusetzen. Der immense Erfolg des Film sagt dennoch mehr über die Befindsamkeiten der amerikanischen Volksseele aus als über die Klasse des Films, der außerhalb der USA zurecht schnell in Vergessenheit geraten wird.

3/5

Kurzkritik: The Gambler

The Gambler FilmplakatDrama, USA 2014

Regie: Rupert Wyatt; Darsteller: Mark Wahlberg, John Goodman, Brie Larson, Michael Kenneth Williams

In aller Kürze: Das Zocker-Drama ohne Höhepunkte leidet an einem lauen Script und der Fehlbesetzung der Hauptrolle.

Worum gehts? Ein Literaturprofessor bekommt seine Spielsucht nicht in den Griff und schuldet bald mehreren Unterwelt-Bossen ein Vermögen.

Die gute Nachricht: Die Nebendarsteller, allen voran Michael Kenneth Williams (Omar aus “The Wire”) und John Goodman als Kredithaie. Die Prämisse hat Potential, das aber weitgehend verschenkt wird.

Die schlechte Nachricht: Wahlberg ist ein guter Schauspieler, aber hier findet er nicht den richtigen Dreh – weder als Spieler noch als Dozent kann er überzeugen, was dem Film letztlich das Genick bricht.

Wer diese Filme mocht kann einen Blick riskieren:
“21”, “The Gambler” (Orginal von 1974 mit James Caan)

2/5

Kurzkritik: Kill Me Three Times

Kill Me Three Times FilmplakatComedy/Crime, USA/Australien 2014

Regie: Kriv Stenders; Darsteller: Simon Pegg, Teresa Palmer, Alice Braga, Luke Hemsworth, Sullivan Stapleton

In aller Kürze: Belangloser Möchtergern-Tarantino ohne zündende Ideen, der nie wirklich Fahrt aufnimmt.

Worum geht’s? Ein halbes Dutzend Provinz-Australier in einer Posse um Geld, Gier, Verrat und Sex.

Die gute Nachricht: Nicht schlecht gespielt, schöne Locations.

Die schlechte Nachricht: Weder wirklich witzig noch spannend, weil die Figurenzeichnung zu oberflächlich ist. In zwei, drei Szenen zudem mit unnötig grottigen CGI-Effekten (die einem besseren Film aber nichts angetan hätten).

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“2 Days in the Valley”, “Thursday”

2/5

Filmkritik: Das Ewige Leben

Das Ewige Leben FilmplakatDrama/Komödie, Österreich 2015

Regie: Wolfgang Murnberger; Darsteller: Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten

Ich gebe es gerne zu, ich bin großer Fan von Wolf Haas’ Brenner-­Romanen und den bisherigen Leinwandadaptionen von Wolfgang Murnberger. Nach “Komm Süsser Tod”, “Silentium” und “Der Knochenmann” ist “Das Ewige Leben” der vierte Krimi, der mit Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt wird. Und der Film braucht sich vor den starken Vorgängern nicht verstecken.

Simon Brenner ist in dieser Geschichte nicht gerade in Topform. Ohne Job, Geld und Aussichten auf Besserung kehrt er in seine alte Heimat zurück. In dem verkommenen Einfamilienhaus seiner verstorbenen Eltern und Großeltern im Grazer Stadtteil Puntigam fristet Brenner eine extrem trostlose, schon penner-artige Existenz. Kenner der Reihe ahnen es schon – es dauert nicht lange und “jetzt ist schon wieder was passiert”.

Die Reise in die Vergangenheit ist für Brenner eine in mehrfacher Hinsicht schmerzliche Angelegenheit. Ehemalige Freunde und Kollegen sind ihm entweder wenig freundlich gesinnt oder bald ein Fall für die Mordkommission. Der Ton des Films ist düster und melancholisch, nicht nur die Figuren sind von Krankheit und Zerfall gezeichnet, auch die Stadt selbst ist etwa so charmant eingefangen wie Mühlheim an der Ruhr im letzten Film von Helge Schneider.

Josef Hader zeigt eine weitere Glanzleistung in der Rolle seines Lebens. Er verkörpert Brenner nicht überzeugend, er ist Brenner. Ein rauhbeiniger, aber nicht herzloser, unverschämter, schlagfertiger, von Migräne geplagter Individualist und Skeptiker, mit einem Faible für Dosenbier. Ein sympathischer Antiheld, nach bester Tradition ein Einzelgänger mit seinem ureigenen moralischen Kompass.

Ihm zur Seite stehen mir unbekannte Schauspieler, die ebenfalls Großes leisten. Tobias Moretti spielt den Polizeichef Aschenbrenner als Machtmensch mit allzu menschlichen Makeln, Nora von Waldstätten seine junge Ehefrau, Johannes Silberschneider Brenners gutmütigen Nachbarn.

Großartige Dialoge und tiefschwarzer Humor waren immer das Fundament dieser Reihe, und dabei bleibt es natürlich. Von Brennes betrunkenener Ausfahrt auf dem Moped (ohne Helm und Nummernschild, fährt Schlangenlinien, erwidert den Polizisten trotzig “oan Warnkreuz hob i oa keins dabei”), den herrlichen Off-­Kommentaren, der humorvollen Milieuzeichnung bis zur Frittenbude “Endstation” in der letzten Einstellung – durch alles weht der lakonische und auch bissige Geist des Brenner-­Universums.

5/5

Kurzkritik: The Imitation Game

The Imitation Game FilmplakatDrama, USA/UK 2014

Regie: Morten Tyldum ; Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode

In aller Kürze: Grundsolide Mischung aus History, Bio-Pic-Drama und Thriller. Clever und flott erzählt – wenngleich ohne große Überraschungen – für Freunde des gepflegten Geschichtsdramas genau das richtige.

Worum gehts? “The Imitiation Game” erzählt die Geschichte des (schwulen und eigenwilligen) Mathe-Genies Alan Turing, der im 2. Weltkrieg die ‘Enigma’-Maschine der Nazis knackte.

Die gute Nachricht: Eine starke Besetzung und eine gelungene Inszenierung, die einen guten Mittelweg zwischen Anspruch und Unterhaltung  findet.

Die schlechte Nachricht: Man hat nach dem Trailer das Gefühl, schon den ganzen Film zu kennen – und das trifft auch ziemlich genau zu. Es fehlt an besonderen Momenten, die man nicht schon sehr ähnlich woanders gesehen hat.

Wer diese Film mochte könnte einen Blick riskieren:
“Enigma”, “Argo”, “The Reader”

4/5

Kurzkritik: A Most Violent Year

A Most Violent Year FilmplakatDrama, USA 2014

Regie: J.C. Chandor; Darsteller: Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oleyowo

In aller Kürze: Stilvolles & ambitioniertes Drama vom Regisseur von “Margin Call“, das leider nie in Fahrt kommt und insgesamt (auch wegen hoher Erwartungen) enttäuscht.

Worum gehts? Anno 1981 versucht in NYC ein Ölhändler mit ‘Migrationshintergrund’ sich gegen zahlreiche Feinde zu behaupten.

Die gute Nachricht: Gut gespielt und handwerklich top feiert und zitiert der Film das Kino der 70er Jahre.

Die schlechte Nachricht: “A Most Violent Year” kann das Publikum nicht ernsthaft für die Figuren interessieren, die Story zieht vorbei, während man emotional distanziert zusieht.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“The Yards”, “The Drop”

2/5

Filmkritik: Exodus – Götter & Könige

Exodus - Gods & Kings FilmplakatDrama/Abenteuer, USA/UK/SP 2014

Regie: Ridley Scott; Darsteller: Christian Bale, Joel Edgerton, Ben Kingsley, Sigourney Weaver

Es ist nicht so, dass ich sehnsüchtig auf Ridley Scotts Moses-Film gewartet hätte. Aber auch nicht so, dass ich nicht grundsätzlich interessiert gewesen wäre. Nach eher mauen Kritiken habe ich den Gang ins Kino sein gelassen und mir “Exodus – Gods & Kings” nun zuhause angesehen. Zum Glück, wie ich leider sagen muss. Denn der Film macht irgendwie alles falsch, was man falsch machen kann.

Das geht mit der Besetzung los. John Turturro ist ein genialer Schauspieler, aber einen Pharao im alten Ägypten nehme ich ihm nicht ab – ich verbinde ihn viel zu sehr mit Stoffen der Gegenwart. Zudem meist mit komischen Stoffen (dieser Film hingegen ist so bierernst, dass man es fast wieder komisch finden muss). Ähnliches gilt für Sigourney Weaver und Aaron “Jesse Pinkman” Paul (als Joshua), Ben Kingsley (als Nun) und Ewen Bremner, dessen 15 Minuten Ruhm aus “Trainspotting” stammen und sich in keiner Weise mit seiner Rolle als Berater im Palast vertragen. Joel Edgerton als leicht transiger Ramses gefällt mir da noch am besten, überzeugt aber auch nicht.

Christian Bale als Moses wiederum macht langsam ernsthaft Daniel Day-Lewis Konkurrenz in Sachen erzwungener Intensität und maximalem Körpereinsatz. Solche “larger than life”-Rollen verlangen schon fast nach dieser “Over-acting”-Methode, trotzdem scheitert seine Darstellung in meinen Augen. Für einen altmodischen Mose im Stil alter Bibelschinken ist das zu modern, doch eine glaubwürdige “echte” Figur wird hier auch nicht draus. Dafür sieht das alles (anders als etwa Aronofskys “Noah”) zu sehr nach Hollywood-Sandalenfilm-Spektakel aus.

Man kann sich auch fragen, warum Ridley Scott den Film überhaupt gedreht hat. Zumindest ist mir nicht klar, welchen Dreh oder welche persönliche Note/Interpretation er der Geschichte hier geben wollte. Das ganze ist im Hochglanz-Look gedreht und bemüht sich nicht wirklich um Authentizität (nicht das dies unbedingt ein Gewinn gewesen wäre). Die Spezial-Effekte sind überzeugend, in 3D vielleicht sogar überwältigend.

Wenn man sich das alles als interessierter Ungläubiger ansieht, kommt “Exodus – Gods & Kings” recht blutleer daher. Ich nehme an, dass alle wesentlichen Elemente der zugrunde liegenden Geschichte zu finden sind, kann das aber im Detail nicht beurteilen. Der Erzählung fehlt Dynamik, die meisten Szenen laufen recht episodenhaft nacheinander ab, die Übergänge sowie die Dramaturgie ingesamt können nicht überzeugen. Man kann sich das alles schon gut angucken, nur eben überwiegend teilnahmslos.

Es bleibt die Erkenntnis, dass mir ein mit (wenngleich zweifelhafter) Leidenschaft gemachter Film wie “Die Passion Christi” – gedreht vom erzkonservativen Katholiken Mel Gibson – sehr viel besser gefallen hat. Den haben die Zuschauer entweder geliebt oder gehasst. Dieser Film wird dagegen fast allen ganz einfach egal sein.

2/5

Kurzkritik: The Loft

The Loft FilmplakatThriller, USA/Belgien 2014

Regie: Erik Van Looy; Darsteller: Karl Urban, James Marsden, Isabel Lucas, Rachael Taylor

In aller Kürze: Recht plakativer Thriller, der ein Mindestmaß an Spannung bietet – nicht aber an Glaubwürdigkeit.

Worum geht’s? Fünf Freunde mieten ein Loft für ihre Seitensprünge – und finden darin recht bald eine tote Blondine vor. Wer von Ihnen ist der Mörder?

Die gute Nachricht: An Tempo mangelt es nicht, auch das Produktions- und Setdesign (hauptsächlich gut aussehende Menschen in glänzenden Luxus-Settings) ist in Ordnung. Wahrscheinlich ist das belgische Original sehenswerter.

Die schlechte Nachricht: Die Figuren sind zunächst platt gezeichnet und gewinnen erst nach zu vielen Twists und wenig überzeugend etwas “Tiefe”. Geschlechtsspezifische Rollenklischees gibt es dafür zuhauf.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“Perfect Stranger”, “Very Bad Things”

2/5

Kurzkritik: The Theory of Everything

The Theory of Everthing FilmplakatDrama, UK 2014

Regie: James Marsh; Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox

In aller Kürze: Gefühlsbetontes bis sentimentales, dabei grandios gespieltes Bio-Pic.

Worum geht’s? Kaum hat der angehende Physiker Stephen Hawking seine Traumfrau getroffen befällt ihn eine seltene Nervenkrankheit.

Die gute Nachricht: Die Hauptdarsteller. Redmayne geht physikalisch bis an die Grenzen (man könnte sagen darüber hinaus, das ist letztlich Geschmackssache), Jones glänzt als charakterstarke, sympathische Ehefrau.

Die schlechte Nachricht: Von Hawkings Werk ist eher am Rande die Rede, alles ordnet sich der Liebes- und Leidensgeschichte unter. Und der Subtext “Gebt Eddie Redmayne einen Oscar!” ist so deutlich, dass er manchmal fast stört.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
“Hector and the Search for Happiness”, “Becoming Jane”, “50/50″

4/5

Filmkritik: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Inherent Vice FilmplakatDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Paul Thomas Anderson; Darsteller: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Owen Wilson

Auf kaum einen Film habe ich mich in den letzten Jahren so sehr gefreut wie auf diese Adaption von Thomas Pynchons gleichnamigem Roman. Man kann auch sagen, dass ich den Film mögen wollte, ganz egal wie er werden würde. Ich schreibe das hier vorweg, weil “Inherent Vice” recht spezielle Kost ist. Wer ‘nur’ den Trailer gesehen hat könnte eine Art 70er-Jahre “Lebowski” erwarten – doch obwohl es Gemeinsamkeiten gibt ist das eine arg grobe Annäherung.

Die Handlung spielt 1970 in Los Angeles und Umgebung. Doc Sportello (J. Phoenix) ist ein lizensierter, dauerbekiffter Privatdetektiv; warum dieser gemütliche Hippie seine Brötchen ausgerechnet als Private Eye verdient bleibt – wie so vieles im Film – eher rätselhaft. Er bekommt zu Beginn Besuch von seiner Ex-Freundin Shasta, die von einer Verschwörung gegen den Immobilien-Tycoon Mickey Wolfman (E. Roberts) erzählt. Wenig später taucht ein Ex-Knacki bei Doc auf, der Beef mit Wolfmans Leibwächter hat.

Nach einer Stunde ist die Anzahl der Nebenfiguren auf ein gutes Dutzend angewachsen. Eine Auswahl daraus: der Hippie-hassende Bulle ‘Bigfoot’ (J. Brolin), der untergetauchte heroinabhängige Saxophonist Coy (O. Wilson) und dessen Frau Hope (J. Malone), Docs neue Freundin, die Staatsanwältin Penny (R. Witherspoon), sein ‘Anwalt’ Sauncho (B. Del Toro), ein chinesisches  Callgirl, ein koksender Zahnarzt, ein mächtiger ehemaliger Klient von Doc sowie dessen fidele Tochter und zwei FBI-Beamte. Eine Spur führt zu dem mysteriösen Schiff “The Golden Fang”, von Drogenhandel ist die Rede, aber auch von fiesen Immobiliendeals und subversiven anti-amerikanischen Gruppen.

Doc Sportello taumelt durch den labyrinthischen Plot (hierin liegt die größte Gemeinsamkeit mit “The Big Lebowsi”), der wie schon im Roman eher der Weg als das Ziel ist. Joaquin Phoenix leistet großartige Arbeit indem er es schafft, die vielen (aber-)witzigen, in Richtung Slapstick tendierenden Szenen mit soviel Würde zu spielen, dass Doc eine ernst zu nehmende Figur bleibt. Dem zwischen melancholischer Gesellschaftskritik, bitterbösem Sittenportrait und Hommage an die großen Kriminalromane von Chandler (“The Big Sleep”) oder Ellroy (Autor vom L.A. Quartet) angesiedelten Geist der Vorlage bleibt “Inherent Vice” weitgehend treu, auch wenn er sich bei der Ausgestaltung der Story seine Freiheiten nimmt (die Szenen im Nightclub in Las Vegas habe ich durchaus vermisst).

Der Film ist voll von Kuriositäten und einzigartigen Szenen mit großartigen Dialogen und perfektem Timing. Dabei ist der Erzähl-Ton immer ein bißchen neben der Spur, wegen der geistigen (zuweilen sogar sichtbaren) Dauerbenebelung vieler Figuren, aber auch weil es niemanden gibt (auch nicht Docs Freundin Sortilege, die das Geschehen herzlich-süffisant aus dem Off kommentiert), der durchblickt, was eigentlich gespielt wird. Der bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätigen Besetzung gelingt es, dass die viel Freak-artigen, bunten Charaktere nicht zu Karikaturen geraten.

Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit nimmt sich “Inherent Vice” viel Zeit. Dabei geht es dem Film spürbar mehr um ein Gefühl für die geradezu sehnsüchtig portraitierte Ära (Regisseur Anderson ist Wiederholungstäter, der sich schon in “Boogie Nights” in dieser Dekade umsah) und ihren Spannungen sowie die Befindlichkeiten der Hauptfigur, als um die Auflösung der diffusen Krimi-Story. Obwohl das mit viel Witz und auch unterhaltsam inszeniert ist, wird das nicht alle Zuschauer begeistern. Mir hat es mächtig gut gefallen – mit Ansage, aber auch von ganzem Herzen.

5/5

Kurzkritik: St. Vincent

St. Vincent FilmplakatDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Theodore Melfi; Darsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts

In aller Kürze: Gut gemachtes und gespieltes Comedy-Drama; mit Charme, aber auch einer Überportion ‘Hollywood Ending’.

Worum geht’s? Ein älterer Kauz spielt unfreiwillig Babysitter und Vaterersatz für den Sohn seiner neuen, frisch geschiedenen Nachbarin.

Die gute Nachricht: Bill Murray ist seine Rolle auf den Leib geschrieben, und er enttäuscht sein Publikum nicht.

Die schlechte Nachricht: Vorhersehbar geht alles einem allzu versöhnlichen Ende entgegen; darunter leidet schon auf dem Weg dorthin die Glaubwürdigkeit des Films.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Silver Linings Playbook“, “Get Low”

3/5

Kurzkritik: Wild Card

Wild Card FilmplakatThriller/Drama, USA 2014

Regie: Simon West; Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Dominik Garcia-Lorido

In aller Kürze: Solides Drama mit gekonnten Prügel-Einlagen und den üblichen Zutaten von Las Vegas-Filmen: Gangster, Callgirls, Glücksspiel. Remake von “Heat” aus dem Jahr 1986 (mit Burt Reynolds in der Hauptrolle).

Worum geht’s? Ein Ex-Soldat und Bodyguard setzt alles auf eine Karte, um der Spieler-Metropole endgültig den Rücken kehren zu können. Das Schicksal einer Freundin und ein junger Klient hängen auch irgendwie mit drin.

Die gute Nachricht: Stilvolle Bilder und ein Hauptdarsteller, der hier mehr redet als draufhaut, aber trotzdem überzeugt. Solide Genre-Variation, gute Nebendarsteller – die Zielgruppe dürfte zufrieden sein.

Die schlechte Nachricht: Ohne jeden ‘unique selling point’ oder tieferen Sinn – man könnte “Wild Card” (auch in Unkenntnis des Originals) wohl als unnötig bezeichnen.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
21“, “Parker“, “Casino”

3/5

Kurzkritik: Nightcrawler

Nightcrawler FilmplakatDrama/Thriller, USA 2014

Regie: Dan Gilroy; Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed

In aller Kürze: Stylisch-düsterer Thriller mit satirischen Tendenzen.

Worum geht’s? Ein Soziopath entdeckt sein Talent und seine Vorliebe für nächtliche Fahrten durch L.A., immer auf der Suche nach dem nächsten Unfall oder Verbrechen, um Videos davon an sensationsgierige TV-Sender zu verkaufen.

Die gute Nachricht: Formal beeindruckend konsequent, mit starkem Hauptdarsteller und cleverem Drehbuch.

Die schlechte Nachricht: Hätte möglicherweise einen Tick kürzer sein können.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
“American Psycho”, “Collateral”

4/5