Kurzkritik: Bastille Day

Bastille Day FilmplakatThriller, UK/USA/FR 2016

Regie: James Watkins; Darsteller: Idris Elba, Richard Madden, Kelly Reilly

Es war nur eine Frage der Zeit bis ‚Everybody’s Darling‘ Idris Elba als Hauptfigur in einem Actionfilm mitspielen würde. Nun ist es soweit, in „Bastille Day“ kämpft er in Paris am französischen Unabhängigkeitstag als One-Man-Army gegen undurchsichtige Terroristen.

Der Film folgt dem US-Taschendieb Michael (Richard „Robb Stark“ Madden) auf seinem Weg durch die Hauptstadt, wo er einer Terroristin ihre Tasche klaut – inkl. Bombe. Die geht kurz danach hoch, tötet vier Menschen, verletzt dabei Michael nur leicht. Eine Kamera identifiziert ihn als vermeintlichen Attentäter

Neben der französischen Polizei kommen auch US-Geheimdienstler schnell auf Michaels Spuren, wobei der mit allen Wassern gewaschene Sean Briar (Elba) ihn als erster erwischt und zur Rede stellt. Der Plot um einen weiteren geplanten Terroranschlag und die Erpressung der Regierung ist nicht sonderlich glaubwürdig, aber durchaus angemessen.

Angesichts der vielen Terroranschläge in Frankreich in der letzten Zeit kommt „Bastille Day“ jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt (lief einen Tag vor dem Attentat von Nizza an) und trifft auch nicht eben den Zeitgeist.

Als geradliniger Actionthriller kann er über weite Strecken überzeugen, ohne dabei jedoch bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Elba taugt definitiv zum Actionhelden, hat hier aber eine sehr grob geschnitzte Figur zu spielen, die nicht wirklich spannend ist. Auch der Rest der Besetzung hält sich wacker, die Actionszenen sind erholsam frei von CGI und machen Laune. Insgesamt ein anständiger, etwas arg gefälliger Beitrag zum Genre.

3/5

Kurzkritik: Money Monster

Money Monster FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Jodie Foster; Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West

Geiselnahme im Live-TV – Lee, Moderator einer krawalligen Finanz-Show, gerät in die Gewalt des frustrierten Zuschauers Kyle, der wegen eines Anlagetipps seine Ersparnisse verloren hat.

Während Lee mit seiner Produzentin (Roberts) einen Ausweg sucht, stellt Kyle in Frage, dass der Kurssturz der Investmentfirma wirklich an einem „fehlerhaften Algorithmus“ lag. Auch außerhalb des Studios ist man um Aufklärung bemüht…

Gut gespielt und flott inszeniert bemüht sich „Money Monster“ um einen treffenden Kommentar zur Schieflage und Undurchschaubarkeit des internationalen Finanzwesens. Doch trotz ein paar guter Ideen nimmt das Geschehen einen so unglaubwürdigen Verlauf, dass man zwar noch folgen mag, sich dabei aber zusehends verwundert am Kopf kratzt.

3/5

 

Coming up – Kurze Kino-Vorschau

Es wird wieder ein Jahr mit wenigen Gängen ins Kino, soviel ist klar. Das liegt sicher auch an meiner zunehmenden Faulheit, entscheidender sind aber andere Faktoren, die mich mehr denn je stören. Erstens dauert der Gang ins Kino wegen der Werbung sehr lange, das nervt, schliesslich bezahlt man ja Eintritt. Zweitens passen die Vorführungszeiten oft nicht in meinen Alltag. 18:00 Uhr ist zu früh, 20:30 Uhr fast zu spät (weil: siehe erstens).

Das wäre aber alles irgendwie machbar, wenn es denn nur Filme gäbe, die mich ins Kino locken würden. Neben den Filmen der wenigen Regisseuren, deren Werke ich fast immer im Kino sehe (Coens, Tarantino, Wes Anderson, Scorsese, usw…), kommt da wenig bis nichts Aufregendes. Remakes, Reboots und ohne Ende Sequels von bekannten Franchises. Laaaaaaaangweilig!

Ich habe etwa an den Comic-Verfilmungen hin und wieder durchaus Spaß, aber ins Kino gehen, um den immer gleichen Mummenschanz noch mal zu gucken? Nö. Da hilft es auch nicht, dass die 3D-Technik zwar grundsätzlich faszinierend ist, de facto aber einen mittelmäßigen Film nicht wirklich besser macht – die Tickets aber deutlich teurer.

So, genug geschimpft. Hier eine kurze Auswahl von Filmen, die in den nächsten Monaten anlaufen. Es ist genau einer dabei, den ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kino sehen werde…

Star Trek – Beyond
Auf den mittlerweile dritten Teil des Reboots verspüre ich wenig Vorfreude. Man wird sich das schon ansehen können, und Idris Elba ist immer gut – aber ins Kino…nee, lass mal.

Wiener Dog
Der neue Film von Todd Solondz, dessen „Happiness“ (und mit Abstrichen auch „Storytelling“) ich vor 15 Jahren faszinierend und verstörend fand. Realistisch betrachtet sicher eher Kost für zuhause…

Ghostbusters
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das (über ein paar gelungene Jokes hinaus) Spaß machen könnte . „Ghostbusters“ ist eine schöne Erinnerung an die Kindheit, für ein Remake – egal mit welcher Besetzung – habe ich keinen Bedarf.

Julieta
Neuer Film von Pedro Almodovar, den ich eigentlich sehr schätze. Ich werde mal den Trailer checken…

Jason Bourne
Erste Kritiken waren nicht sonderlich positiv, trotzdem denke ich dass „Jason Bourne“ mein offizieller Bond-Ersatz des Jahres wird – und also auch im Kino geguckt wird.

Suicide Squad
Der Trailer zum Start einer weiteren Comic-Reihe (die die Welt ja dringend braucht) sieht fürchterlich aus, ich denke ich werde hier abwarten und gegebenenfalls später zuhause „zuschlagen“…

Now You See Me 2
Hurra, eine Fortsetzung! Im Ernst, Teil eins hat Spaß gemacht, aber noch mal muss das jetzt auch nicht sein. Und der Trailer liefert auch keine schlagenden Argumente.

Ben Hur
Hurra, ein Remake! Jetzt mal ehrlich, wer kam denn auf diese bescheuerte Idee?

Die glorreichen Sieben
Hurra, noch ein Remake! Wait…what!? Neugierig bin ich schon…

Inferno
Neue Dan-Brown-Verfilmung, wie immer mit Tom Hanks als Klugscheisser Robert Langdon. Das Buch ist – ebenfalls wie immer – großer Trash. Ich glaube, dem Film gebe ich trotzdem eine Chance.

Serien-Tipp – Stranger Things

Stranger Things PlakatEine ziemlich gelungene Mischung aus Stephen King (Kleinstadt- und Horrormotive), Twin Peaks, Donnie Darko, E.T. und Highschool-Drama serviert Netflix in der neuen Eigenproduktion „Stranger Things“. Atmosphärisch, mit guten Darstellern und einer im positiven Sinne angemessenen Story (ich bin bei Folge sechs von insgesamt acht) kann die Serie überzeugen, wenn sie mich (allein thematisch) auch nicht richtig begeistern kann. Trotzdem sammelt Netflix weiter gute Argumente für die 10 Euro, die ein Abo kostet.

Kurzkritik: Everybody Wants Some!!

Everybody Wants Some FilmplakatComedy/Drama, USA 2016

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Blake Jenner, Tyler Hoechlin, Ryan Guzman

Richard Linklater hat mit „Everybody Wants Some!!“ eine Art inoffizielle Fortsetzung von „Dazed & Confused“ gedreht. Und ich bin froh berichten zu können, dass er es dabei tatsächlich schafft, die Fans nicht zu enttäuschen. Die Mittel sind dieselben wie vor über 20 Jahren: eine Handlung ohne Plot, ein großartiger Soundtrack, dazu eine unbekümmerte Darstellerriege, wunderbare Charaktere und brilliante Dialoge.

Zu Beginn des Films kommt Jake (B. Jenner) als Erstsemester in einer kleinen Universitätsstadt an, wo er ein Baseball-Stipendium bekommen hat. Gemeinsam mit seinen neuen Teamkameraden geniesst er die freien Tage vor Beginn des Semesters. Die Jungs hüpfen von Party zu Party, messen sich in allen erdenklichen großen und kleinen Spielen miteinander, rennen Mädels hinterher, reden Blödsinn und geben im Training mehr oder weniger viel Gas.

Man darf das alles unspektakulär und sogar langweilig finden, denn an einer klassischen Figurenentwicklung ist der Film ebenso wenig interessiert wie an einer Story. Es sind die Details und die Zwischentöne, die „Everybody Wants Some“ auszeichnen, das geniale Gespür des Regisseurs für die Details und sensible Innenleben der Figuren.

Bei allem – bisweilen auch derben – Humor wirft Linklater einen mitfühlenden bis liebevollen Blick auf seine Charaktere, gibt selbst die spleenigsten nie der Lächerlichkeit Preis und nimmt das Publikum für seine bunte Truppe mit spielerischer Leichtigkeit ein. „Everybody Wants Some!!“ kommt zeitlos und als authentisches Portrait einer Generation daher, die zwei Stunden Laufzeit vergehen schon wegen des vielen Gelächters wie im Flug.

5/5

 

Kurzkritik: Criminal

Criminal FilmplakatThriller/Action, USA/UK 2016

Regie: Ariel Vromen; Darsteller: Ryan Reynolds, Kevin Costner, Gal Gadot, Gary Oldman, Tommy Lee Jones

Der deutsche Titel „Das Jericho-Projekt – Im Kopf des Killers“ passt tatsächlich besser zu diesem trashigen Thriller als der minimalistische Originaltitel. Der Plot ist selten bekloppt: CIA-Agent Bill (R. Reynolds) ist in London einem Mega-Bösewicht auf der Spur, der per Hackerangriff die Welt zerstören will (oder zumindest einen Teil davon). Bevor Bill wertvolles Wissen, wie die Katastrophe zu verhindern ist, weitergeben kann, wird er ermordet.

Deshalb werden seine Erinnerungen operativ dem Soziopathen und Gewaltverbrecher Tom Jericho (Kevin Costner) eingepflanzt, der – extra aus den USA eingeflogen – den Karren aus dem Dreck ziehen soll. Natürlich spielt der das Spiel der CIA-Bosse nicht lang mit und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach einem Batzen Geld, den Bill für irgendeine Art von Übergabe vor seinem Tod versteckt hat.

Vollkommen ‚over the top‘ und (trotz der hochkarätigen Besetzung) zu keiner Zeit ernst zu nehmen ist „Criminal“ ein gutes Beispiel für einen schlechten Film, der trotzdem Spaß machen kann (mir fällt zum Vergleich am ehesten „Face/Off“ ein, wobei der noch einen Tick beknackter ist). Zugegeben, die Erwartungen muss man entsprechend runterschrauben, damit das funktionieren kann. Das Publikum wird von Anfang an dazu animiert mit dem Brutalinski Jericho zu sympathisieren, dessen Verkörperung Kevin Costner sichtlich Spass macht (ohne dass er Jerichos „Wandlung“ wirklich überzeugend spielen könnte, dafür ist die Story aber auch viel zu dämlich).

Es fliegen schnell die Fetzen, das Erzähltempo ist hoch genug, um die vielen Ungereimtheiten des Plots in den Hintergrund zu drängen. „Criminal“ nimmt sich selbst nicht ganz ernst, was der Handlung zwar irgendwie in den Rücken fällt, wegen deren offenkundiger Rammdösigkeit jedoch auch nicht stört. Die Stars holen sich hier weitgehend auf Autopilot ihre Gagen ab, was man ihnen kaum verübeln kann (Tommy Lee Jones und Gary Oldman etwa sind aber auch auf Autopilot noch großartige Schauspieler).

Insgesamt ein Film, den die Welt nicht braucht. Und gleichzeitig einer, der sich zur niveauarmen Berieselung zum Ende eines anstrengenden Arbeitstages ziemlich gut eignet – sofern man eine kleine Schwäche für trashige Thriller mitbringt…

3/5

Kurzkritik: A Bigger Splash

A Bigger Splash FilmplakatDrama, ITA/FRA 2015

Rockstar Marianne (Tilda Swinton) erholt sich mit ihrem Lebensgefährten Paul (Matthias Schoenaerts) auf der abgelegenen Mittelmeer-Insel Pantelleria. Weil sie ihre Stimme schonen muss kommuniziert sie fast ausschliesslich mit Händen und Füßen. Als ihr Ex-Lover Harry (Ralph Fiennes) urplötzlich mit seiner attraktiven jungen Tochter Penelope (Dakota Johnson) auftaucht entwickelt sich langsam, aber unaufhaltsam ein Drama, bei dem sich das Verhältnis der Figuren zueinander mehrfach verschiebt.

„A Bigger Splash“ ist in allen Hauptrollen hervorragend gespielt, setzt geschickt die malerischen Landschaften in Szene und bleibt bis zum Finale glaubwürdig und spannend. Das etwas schleppende Tempo ist Teil des Plans, ebenso wie die nur bruchstückhaft servierten Infos über die Vergangenheit der Charaktere (was als Kunstgriff in Ordnung geht, der Story aber einen Teil ihrer Wirkung nimmt). Insgesamt auf jeden Fall eine Empfehlung für Freunde des gepflegten Dramas.

4/5

Serien-Tipp: Hap & Leonard

Mir was das was – auch, aber nicht nur, weil Michael Kenneth „Omar“ Williams von „The Wire“ dabei ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Ex-Soldaten und Lebenskünstler, die in Texas allerlei „Abenteuer“ durchleben. Die Serie braucht einige ihrer sechs Folgen, um in die Gänge zu kommen, aber das hat Methode. Der produzierende Sundance Channel hat offenbar vor, die Figuren langsam weiter zu entwickeln. Das ganze basiert auf der Roman-Reihe von Joe R. Lansdale, die kurze erste Staffel (6 Folgen) macht Lust auf mehr – und eine zweite Staffel ist auch schon beauftragt.

(Läuft in Deutschland bei Amazon Prime)

Kurzkritik: Green Room

Green Room FilmplakatHorror/Drama, USA 2015

Regie: Jeremy Saulnier; Darsteller: Anton Yelchin, Imogen Poots, Joe Cole

Die Mitglieder einer Punkband werden im Backstage-Bereich eines abgelegenen Clubs Zeugen eines Gewalt-Verbrechens. Schnell wird klar, dass die Betreiber des Etablissements kein Interesse daran haben, die Sache von der Polizei aufklären zu lassen. Die Lage eskaliert in einem brutalen, kammerspiel-artigen Überlebenskampf der Musiker und einer Zeugin im Kampf mit finsteren, massiv bewaffneten Skinheads.

Bei den allermeisten Filmen, die sich vom Schauplatz her so arg beschränken wie „Green Room“, und mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren auskommen, bleibt irgendwann die innere Logik der Story auf der Strecke. In diese Falle tappt der Film hier nicht, wobei ich gestehen muss, dass ich die Logik in den Aktionen der durch den Club-Boss (gespielt von Patrick Stewart) angeleiteten Schergen nie so ganz verstanden habe. Immerhin kam nicht der Moment in dem ganz offensichtlich das Drehbuch die Logik bestimmt…

Die Gewalt im Film ist drastisch, neben diesen Schockmomenten lebt „Green Room“ von der intensiven, beklemmenden Atomsphäre und den starken Darstellern. Mir hat das über die 90 Minuten Laufzeit durchaus gefallen, wobei ich nicht behaupten könnte, dass mich der Film sprichwörtlich an den Sitz gefesselt hätte. Für Genre-Fans sicher eine Empfehlung, alle anderen können auch die Finger davon lassen.

3/5

Nebenbei gesehen – „Demolition“

Demolition_FilmplakatFinanzjongleur Davis (Jake Gyllenhaal) findet durch einen Trauerfall zu sich selbst, beendet schrittweise sein luxuriöses, aber lethargisches und fremdbestimmtes Leben und beginnt noch einmal ganz von vorn. Gut gespielt kann der Film als Drama nur bedingt überzeugen, da er trotz einiger starker Nebenfiguren keine echte Durchschlagskraft entwickelt und seine Botschaft wenig subtil verpackt.

Die Story scheint um die Idee von Davis‘ Drang, Dinge auseinander zu nehmen um ihren „wahren Kern“ zu entdecken, herum geschrieben worden zu sein – doch die darin enthaltene Gesellschaftskritik erscheint wenig glaubwürdig. Trotz dieser Schwächen ein durchaus gelungener Versuch, einen Blick hinter die Fassade der modernen westlichen Wohlstandsgesellschaft zu werfen.

3/5

Kurzkritik: Midnight Special

 

Midnight Special FilmplakatDrama/Sci-Fi/Thriller, USA 2016

Regie: Jeff Nichols; Darsteller: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver

Zwei Männer und ein Kind flüchten mit dem Auto durch den Südwesten der USA. Die Polizei und sogar das Militär ist ihnen auf den Spuren, die Nachrichten berichten landesweit. Aber nur langsam lässt „Midnight Special“ sein Publikum wissen, was eigentlich gespielt wird.

Das Szenario hat man so ähnlich durchaus schon mal im Kino gesehen. Das besondere liegt hier darin, dass der Film einen Spagat zwischen ernstem Drama und klassischem Unterhaltungskino versucht – und dieser fast durchweg gelingt.

Mit Elementen aus Fantasy bzw. Science-Fiction, Road Movie, Thriller und Familiendrama geht „Midnight Special“ einen eigenen Weg. Gut dosiert setzt er visuelle Effekte ein, die das Geschehen bereichern, ohne den dramatischen (und mysteriösen) Szenen die Show zu stehlen.

Für ein Mainstream-Publikum ist der Film sicher nichts, dafür erwartet er vom Publikum zu viel Geduld, liefert zu wenige Erklärungen oder Schock-Effekte. Wer sich auf den Film einlässt, ohne diese Dinge zu erwarten, wird ziemlich sicher seine Freude an „Midnight Special“ haben.

4/5

Kurzkritik: Eye in the Sky

Eye in the Sky FilmplakatThriller/Drama, UK 2015

Regie: Gavin Hood; Darsteller: Helen Mirren, Alan Rickman, Aaron Paul

In aller Kürze: Cleverer und spannender Blick auf den aktuellen Kampf gegen Terrorismus und die Rolle moderner Kriegstechnik.

Worum gehts? In einer gemeinsamen Aktion wollen britische, amerikanische und kenianische Soldaten eine Terrorzelle bei Nairobi hochnehmen. Dabei kommt es zu Komplikationen – sowohl beim Einsatz selbst als auch hinter den Kulissen bei den militärischen und politischen Entscheidungsträgern.

Die gute Nachricht: „Eye in the Sky“ arbeitet mit einem glaubwürdigen Szenario (leichte Abstriche muss man hin und wieder machen), in dem starke Darsteller agieren. Dabei wird eine Menge ‚Suspense‘ geboten, aber auch die Themen der zwiespältigen Legitimität und Notwendigkeit vom Antiterror-Kampf ausgewogen behandelt.

Die schlechte Nachricht: An einigen wenigen Stellen scheint die Logik der Handlung unterbrochen – was zum Glück nie den Erzählfluss als ganzes unterläuft.

4/5

Kurzkritik: The Nice Guys

The Nice Guys FilmplakatRegisseur Shane Black wiederholt in der Krimi-Komödie „The Nice Guys“ weitgehend die Erfolgsformel von „Kiss Kiss Bang Bang“. Ein verworrener Plot, der wenig Sinn, dafür eine Menge Spaß macht, ein ungewöhnliches Detektiv-Duo, viele gute Sprüche, slapstickhafte Gewaltausbrüche, vorgetragen von gut gelaunten Darstellern. Angesiedelt ist die Handlung diesmal Ende der 70er Jahre.

Russell Crowe spielt Healey, einen kantigen Brutalinski, der als inoffizieller Privatdetektiv sein Geld mit der Einschüchterung von vermeintlichen Bösewichtern verdient. Sein Weg kreuzt sich mit dem von March (Ryan Gosling), einem tölpelhaften „echten“ Privatdetektiv und alleinerziehenden Vater. In was für einen Plot die beiden geraten ist müßig zusammenzufassen – es geht um eine oder zwei verschwundene junge Frauen, die Pornoszene und Politik. Das ist aber auch egal, der Weg ist das Ziel.

Was den Film trägt sind die beiden Hauptdarsteller, die weitgehend gelungenen – oftmals reichlich albernen – Dialoge, das stimmungsvolle Setting und das hohe Tempo. Glaubwürdigkeit und Kohärenz sind nicht die Stärke von „The Nice Guys“, als Comedy funktioniert der Film ausgezeichnet. Vorausgesetzt, man kann über derbe Sprüche und „witzig“ inszenierte, drastische Gewaltszenen lachen.

Wie schon in „Kiss Kiss Bang Bang“ wird Los Angeles zum heimlichen Hauptdarsteller, kreuz und quer fahren die Protagonisten in schicken „Vintage“-Kisten durch den hügeligen Teil der Stadt, ohne je wirklich ein Ziel zu erreichen. Ihnen dabei zuzusehen ist äußerst unterhaltsam – sofern man nur nicht das Niveau des großartigen (und nicht unähnlichen) „Inherent Vice“ erwartet.

4/5

 

Heimkino – Michael Moores „Where To Invade Next“

Where To Invade Next FilmplakatJa, es gibt Michael Moore noch. Tatsächlich ist ihm mit „Where To Invade Next“ ein richtig guter Film gelungen, wenn auch vielleicht keiner, auf den die Filmwelt gewartet hat. Immerhin beschäftigt sich der Filmemacher hier nicht mit einer Katastrophe der jüngsten Vergangenheit. Oder besser gesagt mit keiner konkreten Katastrophe. Moore fährt – nach einer provokanten, witzig vorgetragenen Einleitung – in die alte Welt, um dort politische Ideen zu finden, die die USA voranbringen können.

Der Hintergedanke ist denkbar einfach. Die „City Upon A Hill“ ist längst in vielerlei Hinsicht kein leuchtendes Vorbild von Demokratie, Freiheit und Wohlstand mehr. Moore nimmt diesen Faden auf. Seine „Entdeckungsreise“ changiert zwischen gespielter Ungläubigkeit seinerseits und ernsthafter Fassungslosigkeit seitens der Polizisten, Politiker, Arbeiter und weiteren Personen, die Moore vor die Kamera bringt.

Dabei hat er wenig von seiner Kompromisslosigkeit verloren, schlägt aber einen insgesamt doch etwas versöhnlicheren Ton an. Zur Sprache kommen das Schulessen Frankreichs, die Gefängnisse Norwegens, die deutsche Erinnerungskultur und viele ähnliche Themen. Moore macht keinen Hehl daraus, dass er besonders positive Eigenheiten von anders tickenden Nationen präsentiert, keine simplen Lösungsansätze.

Natürlich ist diese Herangehensweise nicht wissenschaftlich, sondern politisch aufgeladen und pointiert. Doch es gibt viele Momente im Film (oft sind es die ruhigen, sorgfältig vorbereiteten) die im besten Sinne vor Augen führen, wie man anno 2016 noch einen relevanten politischen Dokumentarfilm drehen kann.

Moore gibt hier weniger den linken Demagogen als in früheren Filmen. Stattdessen verweigert er sich der negativen politischen Debatte der USA komplett, und führt positive Beispiele dafür an, was kluge Politik für seine Bürger leisten kann. Dass es überhaupt in einer Demokratie genau darum gehen sollte, gerät angesichts der alltäglichen Grabenkämpfe oft genug in Vergessenheit. „Where To Invade Next“ ist eine willkommene Erinnerung daran.

4/5

TV-Serien – Mehr oder weniger aktuelle Empfehlungen…

Mein persönliches Serienprogramm habe ich zuletzt deutlich heruntergefahren. Wegen zuletzt mieser Staffeln habe ich „Homeland“ und „House of Cards“ abgeschenkt, „The Walking Dead“ wegen allgemeiner Ziellosigkeit und den endlos wiederkehrenden, fürchterlich ermüdenden Zombiegemetzeln, „Halt and Catch Fire“ weil es mir zu öde wurde (auch wenn die Serie durchaus Klasse hat), „Daredevil“, weil mich Look und Story nicht überzeugt haben, mit „Jessica Jones“ habe ich nicht mal mehr angefangen.

Mir scheint, dass ich auch mit den zweiten Staffeln von „Bloodline“ und „Narcos“ eher nicht warm werde, aber das bleibt abzuwarten.

Damit verbleiben die folgenden Kandidaten:

Rectify“ – Die vielleicht beste Drama-Serie zur Zeit geht in diesem Sommer in die vierte Staffel.

Fargo“ – Nach zwei sehr guten Staffeln ist dieses Jahr Pause, bevor es 2017 (wie üblich) komplett von vorne losgeht. Wenn das Niveau gehalten wird wäre das ein große Leistung.

Game of Thrones“ – Die Saga um Westeros und die sieben Königreiche ist als Fantasy-Spektakel eigentlich weit von meinem Geschmack entfernt. Aber es ist eben „Game of Thrones“ und ich ziehe den Hut vor der Leistung aller Beteiligten.

The Knick“ – Ich kann oft genug nicht hinsehen, wenn Clive Owen und seine Kollegen auf dem OP-Tisch losmetzeln, aber die Serie hat Klasse.

The Leftovers“ – Die 180°-Wende der zweiten Staffel war im positiven Sinne interessant, trotz einer gewissen Skepsis, was das eigentlich noch werden soll, bleibe ich erstmal am Ball.

The Fall“ – Die stimmungsvolle Krimiserie aus Nordirland überzeugt durch Spannung und gute Darsteller.

Vinyl“ – Die erste Staffel war tatsächlich eher enttäuschend, ich werde der zweiten aber definitiv eine Chance geben. [UPDATE 15.6.16 – Es wird keine 2. Staffel geben, HBO hat den Stecker gezogen.]

Ray Donovan“ – Obwohl die Serie nicht das ganz große Niveau besitzt stimmt für mich bisher die Mischung aus Spannung, Humor und Entertainment.

Billions“ – Das Duell zwischen Finanz-Milliardär und Staatsanwalt (gespielt von Damian „Homeland“ Lewis und Paul „Sideways“ Giamatti) hat Höhen und tiefen. Ob ich mir das weiter ansehe ist bestenfalls unsicher.

PS: Mit „Masters of Sex“ habe ich angefangen, und bin froher Hoffnung damit weiterzumachen.

PPS: „Making of A Murderer“ und „Show Me A Hero“ hatte ich bereits in älteren Beiträgen empfohlen, die taugen natürlich immer noch…