Kurzkritik: Aloha

Aloha FilmplakatDrama/Comedy, USA 2015

Regie: Cameron Crowe; Darsteller: Bradley Cooper, Emma Stone, Rachel McAdams, Alec Baldwin

In aller Kürze: Liebenswerte Figuren in einer flotten ‚Dramedy‘, die sich an ihrem überfrachteten Drehbuch ziemlich verhebt.

Worum gehts? Bradley Cooper spielt einen Raumfahrt-Berater, der Mist gebaut hat und bei einem umstrittenen Raktenprojekt in seiner Heimat Hawaii eine zweite Chance erhält. Dort trifft er sowohl auf seine Ex (R. McAdams) als auf eine charmante junge Kollegin (E. Stone).

Die gute Nachricht: „Aloha“ kommt ambitioniert und mit Humor daher, bietet zudem einige großartig inszenierte Szenen.

Die schlechte Nachricht:  Das Szenario ist zu offensichtlich konstruiert, die „moralische“ Dimension der Story vollkommen unglaubwürdig und unnötig.

Wer diesen Film mochte kann einen Blick riskieren:
„Elizabethtown“, „We Bought A Zoo“

3/5

 

Filmkritik: Mission: Impossible – Rogue Nation (2D)

Mission: Impossible - Rogue Nation FilmplakatAction, USA 2015

Regie: Christopher McQuarrie; Darsteller: Tom Cruise, Rebecca Ferguson, Simon Pegg, Alec Baldwin, Jeremy Renner

Mit dem vierten Teil „Ghost Protocol“ zeigte die Formkurve dieser Filmreihe zuletzt nach oben. In „Rogue Nation“ stagniert das Unterfangen nun auf relativ hohem Niveau. Fans von Agenten-Action kommen auf ihre Kosten, die Zutaten sind natürlich nicht neu, werden aber zum Teil originell serviert.

Ethan Hunts Antiterror-Geheimdienst IMF wird vom CIA-Chef aufgelöst und assimiliert. Hunt jagt aber gerade einen Superverbrecher, der Staatsoberhäupter ermorden und vollbesetzte Passagierflugzeuge verschwinden lässt. Hunt macht auf eigene Faust weiter – wobei ihm seine alten Kollegen natürlich helfen wollen.

Es dauert auch nicht lange, bis es wieder um eine ominöse digitale Liste geht (NOC-Liste, Rabbit’s Foot, Aktivierungs-Codes, … erinnert sich noch jemand?) geht, die unmöglich gestohlen werden kann und natürlich doch gestohlen wird.

Mit der britischen Undercover-Agentin Ilsa Faust hat „Rogue Nation“ zudem eine echte Seltenheit im Action-Genre zu bieten: eine hervorragend geschriebene und ebenso gut gespielte weibliche Hauptrolle. Die es mit dem Superstar Cruise locker aufnehmen kann, ohne dabei zur Karikatur zu verkommen.

Die Stärke des Films liegt – wie schon im ersten und vierten Teil – in den wunderbar komponierten Actionszenen. Diesmal sind Hunt und seine Kollegen u. a. in der Wiener Oper unterwegs, tricksen die Cyber-Security eines unterirdischen Unterwasser-Datenterminals aus und kacheln in aberwitzigem Tempo erst mit Autos, dann mit Motorrädern durch Marokko, bevor die Story in geradezu klassischer Manier (Masken!) in London zu Ende geht. Die Optik ist top, CGI-Effekte sind sicher im Spiel, aber nicht als solche zu erkennen.

Tom Cruise ist offensichtlich nicht jünger geworden, womit der Film einerseits etwas Schabernack treibt (siehe etwa Hunts sparsamen Blick, wenn unmögliche Dinge von ihm verlangt werden). Andererseits scheint sich der Schauspieler eine Frischzellenkur im Gesicht gegönnt zu haben, deren Erfolg oder Misserfolg wohl im Auge des Betrachters liegt.

Der Ton ist beinahe flapsig, es soll durchaus gelacht werden. Das gelingt stellenweise richtig gut, zum Teil werden bekannte Jokes und Spleens der Figuren etwas überstrapaziert. Der fünfte Teil von Cruise‘ persönlichem James-Bond-Abklatsch ist sehr gut gemachte Unterhaltung für Leute, die (so wie ich) genau das gerne sehen. Nicht mehr, nicht weniger.

4/5

Kurzkritik: Dark Places

Filmplakat: Dark PlacesDrama/Thriller, Frankreich/USA/GB 2015

Regie: Gilles Paquet-Brenner; Darsteller: Charlize Theron, Nicolas Hoult, Christina Hendricks, Chloe Grace Moretz, Corey Stoll

In aller Kürze: Unglaubwürdiger Thriller, der für die reißerische Roman-Vorlage keinen passenden erzählerischen Ansatz findet.

Worum gehts? Mit 8 Jahren hat Libby Day zusehen müssen, wie ihr Bruder Ben ihre Familie ermordet – aufgrund ihrer Aussage muss Ben ins Gefängnis. 30 Jahre später ist Libby ein Wrack und pleite, in ihrer Verzweiflung nimmt sie das Geld eines ominösen „Kill Clubs“ an, der mit ihr gemeinsam Bens Unschuld beweisen will…

Die gute Nachricht: Durchaus stimmungsvoll und mit einigen ‚unterhaltsamen‘ Twists.

Die schlechte Nachricht: Die Figuren werden vom Plot getrieben, nicht anders rum – immer ein schlechtes Zeichen. Die Inszenierung mischt ungeschickt Rückblenden und Gegenwart, entwickelt dabei nur selten Spannung (die Rückblenden sind noch besser als die Story der Gegenwart). Die Auflösung ist total bescheuert.

Wer diesen Film mochte kann einen Blick riskieren:
„Jack Reacher“

2/5

Kurzkritik: Escobar – Paradise Lost

Filmplakat - Escobar: Paradise LostDrama, 2014

Regie: Andrea Di Stefano; Darsteller: Josh Hutcherson, Benicio Del Toro, Claudia Traisac

In aller Kürze: Gut gespieltes Drama mit eingeschränkter Daseinsberechtigung.

Worum gehts? Ein junger Kanadier trifft am Strand von Kolumbien auf Maria, die Liebe seines Lebens. Dabei gerät er in die Kreise von Marias Onkel – ein gefährliches Spiel, denn dabei handelt es sich um den Über-Drogenboss Pablo Escobar.

Die gute Nachricht: Del Toros starke Performance zeigt den Gangsterboss als allzu menschliches Monster, das in zwei Welten lebt. Auch die übrige Besetzung überzeugt, Inszenierung und Drehbuch bringen gutes Timing mit.

Die schlechte Nachricht: Für eine tiefer gehende Beleuchtung der Figur Escobars sowie der Situation und Geschichte Kolumbiens fehlt die Zeit, weil das (fiktive) Drama im Zentrum der Erzählung steht. Daraus folgt zwangsläufig eine gewisse Oberflächlichkeit.

3/5

 

Filmkritik: Mad Max – Fury Road (2D)

Mad Max - Fury Road FilmplakatAction, Australien/USA 2015

Regie: George Miller; Darsteller: Charlize Theron, Tom Hardy, Nicolas Hoult, Zoe Kravitz

Das Reboot von „Mad Max“ hat eine ganze Weile gebraucht, bis es auf den Leinwänden der Welt gelandet ist. Gedreht wurde schon 2012 (in Namibia), ein Jahr später wurden Reshoots angesetzt – meist ein Zeichen, dass die Produzenten kein Vertrauen ins Ergebnis hatten. Was wiederum selten gute Voraussetzungen für den finalen Film sind. Im Falle von „Fury Road“ ist aber zumindest nicht offensichtlich, welche Szenen erst im Nachhinein in den Film gefunden haben: Das Ganze ist im Wesentlichen eine zweistündige Dauer-Actionszene.

Das Szenario ähnelt (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht) in groben Zügen der ursprünglichen Trilogie. „Who Killed the World?“ fragt vielsagend ein Grafitti in ‚Valhalla‘, einer steinzeitlich anmutenden Felsen-Siedlung. Wasser ist knapp, Treibstoff ebenso, die Welt ist eine einzige lebensfeindliche, von Sandstürmen geplagte Wüste.

Auftritt Max Rockatansky, einem von fiesen Erinnerungen heimgesuchten Einzelkämpfer, der von den ‚War Boys“ in deren Festung verschleppt wird. Dort flüchtet kurz darauf Imperator Furiosa (C. Theron) mit den fünf Ehefrauen des ‚War Boys‘-Anführers Immortan Joe. Mit einem archaisch-monströsen, gepanzerten Lastwagen versucht Furiosa der Meute von Verfolgern zu entkommen.

Es folgt wie eingangs erwähnt rasante und überwiegend unterhaltsame Dauer-Action (Hauptsächlich Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen), inszeniert mit erfreulich wenig CGI-Effekten. Unterbrochen wird die wilde Fahrt nur durch einige ruhigere Momente, in denen die Motive der Figuren in den Focus rücken. Insgesamt ist die Story ziemlich dünne – sie gibt lediglich das Gerüst und die Richtung vor. Das ist hin und wieder frustrierend, da viele Fragen (bezüglich des Szenarios als Gesamtheit) offen bleiben. Und doch ist es offensichtlich Teil des Plans von Regisseur George Miller, der schon die originalen „Mad Max“-Filme gedreht hat.

Der Plan geht weitgehend auf. „Mad Max – Fury Road“ hat wenig gemeinsam mit den übrigen Blockbustern dieser Zeit. Er ist humor- und kompromisslos, richtet sich zudem mit seinem „R“-Rating mutig nicht an die lukrativste Zielgruppe der unter 16-jährigen. Wie man hört soll es mit der Reihe weitergehen, es scheint also (hoffentlich) eine größere Story zu geben, die noch erzählt werden will. Vielleicht wird dieser Film schon bald eher als vielversprechender ‚Vorspann‘ zu verstehen sein…

4/5

Filmkritik: The Gunman

The Gunman FilmplakatDrama/Thriller, USA/UK/SP/FR 2015

Regie: Pierre Morel; Darsteller: Sean Penn, Jasmine Trinca, Javier Bardem, Ray Winstone, Idris Elba

Der „lonesome hitman“ ist spätestens seit Alain Delon in „Der Eiskalte Engel“ eine Ikone des modernen Genre-Kinos. Zuletzt haben sich u.a. Denzel Washington („The Equalizer“) und Keanu Reeves („John Wick“) in der Rolle ausgetobt, 2011 war in „Colombiana“ mal eine Frau (Zoe Saldana) zu sehen. Mit „The Gunman“ verewigen sich nun Sean Penn und Regisseur Pierre Morel („Taken“) in einem recht fahrigen Beitrag zum Kanon.

Die Story beginnt im Kongo anno 2006 und springt dann in die heutige Zeit, mit Schauplätzen in London, Barcelona und Gibraltar. Penn spielt den als Entwicklungshelfer getarnten Killer/Söldner Terrier, der über einen heiklen Auftrag seine große Liebe Annie aufgeben muss. Als seine Vergangenheit Terrier schließlich einholt gerät auch Annie in die Schusslinie.

„The Gunman“ läuft weitgehend vorhersehbar nach Schema F ab. Es ist zwar viel Bewegung drin, doch die recht lieblos geschriebenen Figuren (Annie ist reine Ausstattung, die meisten anderen sind Stereotype) machen es dem Publikum schwer, dem Geschehen echte Bedeutung beizumessen. Das aber wäre angesichts fehlender sonstiger Alleinstellungsmerkmale dringend nötig gewesen.

Sean Penns Visage ist wie gemacht für die Rolle als melancholischer Ex-Killer, der wider Willen alte und neue Feinde bekämpfen muss. Mit Javier Bardem, Ray Winstone und Idris Elba hat er zudem hochkarätige Unterstützung. Doch das ändert nichts an dem insgesamt zu lauen Plot, der echte Spannung weitgehend vermissen lässt. Kein ganz schlechter Film, aber einer, den man sofort wieder vergessen kann und sollte.

2/5

Filmkritik: While We’re Young (Dt. Titel „Gefühlt Mitte Zwanzig“)

While We're Young FilmplakatComedy/Drama, USA 2014

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried, Adam Driver

Clash der Generationen: Das kinderlose Ehepaar Cornelia & Josh (Stiller & Watts), beide Anfang/Mitte 40, trifft auf seine knapp zwanzig Jahre jüngere Hipster-Version Darby & Jamie (Seyfried & Driver). Man freundet sich an, die Älteren sind von Elan und Lebenslust der Jüngeren begeistert und inspiriert.

Dieses Szenario hätte witzig werden können, wird es aber leider nicht. “Gefühlt Mitte Zwanzig” (einmal mehr ein völlig unpassender deutscher ’Verleihtitel’) bürdet sich zu viele Themen und Konflikte auf, versucht es damit allen Zielgruppen (oder zumindest den meisten) Recht zu machen. Darüber verliert er jeden Biss und jeden Anspruch auf spontane Wahrhaftigkeit – eigentlich das Steckenpferd von Regisseur Noah Baumbach („Frances Ha“, „The Squid and the Whale“).

Die Hauptfiguren des natürlich in NYC spielenden Films haben in bester Woody-Allen-Manier zwar alle Jobs, aber trotzdem jede Menge Zeit. Die vorherrschenden Motive sind die die Kinderlosigkeit von Josh & Cornelia und ihre damit verbundene Suche nach einem “Sinn” in ihrem Leben sowie die – vermeintlichen – Unterschiede zwischen Ihnen und der von Jamie und Darby verkörperten jungen Generation. Eine weiteres Thema sind Dokumentarfilme und ihr Anspruch auf Wahrheit/Objektivität – denn sowohl Josh als auch Jamie und Cornelias Vater gehen dieser Profession nach…

Kein sonderlich glaubwürdiger Zufall, aber damit wird das Drehbuch noch auf recht geschickte Weise fertig. Mit vielen anderen Problemen eher weniger. Vor allem das Verhältnis zwischen John/Cornelia und einem befreundeten Paar mit frisch geborenem Kind ist vollkommen unglaubwürdig bis ärgerlich.

„While We’re Young“ ist nicht platt und plakativ genug für den Mainstream-Geschmack; für das Arthouse-Publikum wiederum ist das Setting zu gekünstelt, zudem stören die penetranten Versuche, irgendwelche Erklärungen und „die Moral“ der Geschichte heraus zu arbeiten. Der Versuch, einen Film zu machen, der das gesellschaftliche Befinden und die Eigenheiten der heutigen Zeit treffend veranschaulicht, ist aller Ehren wert. Geklappt hat es aber insgesamt nicht. Daher knapp:

3/5

Filmkritik: It Follows

It Follows FilmplakatHorror, USA 2014

Regie: David Robert Mitchell; Darsteller: Maika Monroe, Keir Gilchrist, Olivia Luccardi

Es kommt selten vor, dass ich mir mal einen Horrorfilm ansehe. Im Falle von „It Follows“ habe ich eine Ausnahme gemacht, weil der Film einige extrem positive Reaktionen und Kritiken bekommen hat – völlig zu Recht, wie ich finde.

Von der ersten Minute an bestimmt eine beklemmende Atmosphäre das Geschehen. Eine Teenagerin rennt kreischen und verstört aus ihrem Haus in der Vorstadt, offenbar ziellos im Kreis, ihr Vater kann nur verständnislos den Kopf schütteln. Schließlich fährt sie im Auto davon. Allein am Strand sitzend ruft sie ihre Familie an. Kurze Zeit später ist sie grausam zugerichtet. Schnitt.

„It Follows“ beginnt nun mit der jungen Jay, die im Swimmingpool badet, mit Freunden scherzt und abends auf ein Date geht. Eine scheinbare Idylle, mit leicht morbider Anmutung. Schauplatz sind vor allem die Suburbs von Detroit, das Jahr der Handlung bleibt vage. Smartphones etwa gibt es nicht, aber die Klamotten lassen sich auch nicht genau den 80ern oder 90ern zuordnen. Es dauert nicht lange – in bester Genre-Tradition spielt Sex eine wichtige Rolle – bis Jay von einem namenlosen Grauen heimgesucht wird.

Wie genau das Element des Bösen in „It Follows“ dargestellt wird und welcher Logik es folgt, will ich hier nicht weiter präzisieren. Es ist ein große Stärke des Films, wie er diesen erlebbar und glaubwürdig macht, ohne mit Taschenspieler-Tricks zu arbeiten. Story und Inszenierung passen hervorragend zusammen. Statt auf visuelle Effekte setzt der Film auf stark komponierte Bilder, in denen die Bedrohung so banal wie omnipräsent ist. Blut fliesst verhältnismäßig wenig, doch für zarte Gemüter sind einige sehr drastische Szenen sicher nicht geeignet. Ein gelungener, von massiven Klangteppichen bestimmter Score, verstärkt das Gefühl der Beklemmung.

Die unbekannten Darsteller wirken natürlich, die Figuren sind weitgehend klischeefrei geschrieben. Auch in Sachen Timing und Plot macht Regisseur und Autor David Robert Mitchell alles richtig. Die Elemente, die „It Follows“ zu einem unterhaltsamen und effektiven Filmerlebnis machen, sind alle nicht neu. Es ist vielmehr der äußerst stimmige Mix, der den Erfolg diese Low-Budget-Films ausmacht.

4/5

Filmkritik: Ex Machina

Ex Machina FilmplakatSci-Fi, UK 2015

Regie: Alex Garland; Darsteller: Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Alicia Vikander

In aller Kürze: Spannendes, intensiv gespieltes Kammerstück über einen weiblichen „A.I.“-Roboter, das interessante Facetten der Thematik auslotet.

Worum gehts? Ein junger Mann soll in einem abgelegenen Komplex die von einem reichen Technik-Guru entworfene künstliche Intelligenz „Ava“ testen – hat sie wirklich ein Bewusstsein entwickelt?

Die gute Nachricht: Überzeugend gespielt, mit Anleihen von Horror bis schräger Comedy, entwickelt „Ex Machina“ mit gemächlichem Tempo intensive Spannung. Auch die Effekte überzeugen, indem sie der Story dienen, ohne ihr Konkurrenz zu machen.

Die schlechte Nachricht: An einigen Stellen durchaus vorhersehbar.

Wer diese Filme mocht kann einen Blick riskieren:
„Splice“, „Under the Skin“, „Her“

4/5

Filmkritik: Kingsman – The Secret Service

Filmplakat KingsmanComedy/Action, UK 2015

Regie: Matthew Vaughn; Darsteller: Colin Firth, Taron Egerton, Samuel L. Jackson, Mark Strong

Kruder Action-Klamauk um einen ‚Bund von Gentlemen“, der sich heimlich, still und leise ums Wohlergehen der Welt kümmert. Während eine Reihe junger „Kingsman“-Anwärter um den einen freien Platz in der Organisation kämpfen, muss tatsächlich auch gleich die Welt vor einem „Evil Guy Who Wants To Take Over The World“ (Jackson als lispelnder Internet-Milliardär) gerettet werden. Das übernimmt unter anderem Colin Firth in ungewohnter Rolle als Actionheld.

Anständig inszenierte, dabei extrem brutale Action und ein hoher Trashfaktor werden von lustvollem Spiel mit Genre-Zitaten und britischem Klassenkampf der Marke „Snobs vs. Arbeiterkind“ flankiert. Unter dem Strich kommt dabei ein durchaus unterhaltsames Potpourri heraus, das Action-Fans trotz Überlänge Spaß machen dürfte. Der Plot und die Charaktere sind keine großen Attraktionen, „Kingsman“ ist bewusst als derbe Kost inszeniert und löscht sich mit den End Credits auch gleich selbst aus dem Gedächtnis.

3/5

Filmkritik: Focus

Focus FilmplakatComedy/Crime, USA 2015

Regie: Glenn Ficarra, John Requa; Darsteller: Will Smith, Margot Robbie,

Würde Will Smith hier nicht mitspielen wäre „Focus“ ein kleiner Genre-Film mittlerer Qualität. Smiths Status als Superstar hat zuletzt gelitten (lange Pause, dann „After Earth“), aber sein Name ist groß genug, um diesem Film deutlich mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, als er eigentlich verdient hätte. Freunde von ‚Caper Movies‘ und eingefleischte Fans von Smith werden hier ein wenig Spaß haben können, ein großes Publikum aber wird „Focus“ eher nicht finden, dafür ist er weder gut noch spektakulär genug.

Der altgediente Trickbetrüger und ‚Con Artist‘ Nicky (Smith) trifft zu Beginn auf die blutige Anfängerin Jess (Margot Robbie aus „The Wolf of Wall Street”), die unbedingt von ihm lernen will. Zwischen den beiden funkt es, doch so ganz ist Nicky die Sache wohl nicht geheuer. Außerdem muss er – mit seinem eingespielten Team von gewitzten Gaunern und Betrügern – noch einen großen Coup in New Orleans landen. Etwas später ist Nicky dabei in der Autorenn-Szene einen großen Batzen Geld zu machen, als ihm Jess plötzlich wieder über den Weg läuft und seine Pläne zu durchkreuzen droht.

Die vielen Kniffe, Tricks und Drehs von Nicky und Jess‘ sind oft reichlich hohl, albern oder schlicht unrealistisch. Was natürlich den Szenen schadet, in denen der Film diese nachträglich präsentiert – das sollten in diesem Genre eigentlich die besten sein. „Focus“ scheint aber in dieser Hinsicht auch keine Ambitionen zu haben. Der Film setzt auf andere Stärken, insbesondere den Charme des Hauptdarstellers, einige witzige One-Liner und den betont lässig-gefälligen Look & Feel.

Eine Mischung aus „Out of Sight“ und „Oceans Eleven“ sollte das wohl werden, doch deren Klasse erreicht „Focus“ in keiner Hinsicht. So plätschert das Geschehen die meiste Zeit vor sich hin, tut niemandem weh und ist stets nett anzusehen. Weder die dramatischen noch die emotionalen oder komödiantischen Anteile sind schlecht, können jedoch weder alleine noch in dieser Verbindung überzeugen. Der Mangel an Ideen und echten Höhepunkten ist schon recht enttäuschend, man kann hier von unterhaltsamer Zeitverschwendung reden, aber eben nicht von echtem Vergnügen.

2/5

Filmkritik: Jupiter Ascending (2D)

Jupiter Ascending FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: The Wachoswkis; Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean

Eigentlich muss man froh sein, wenn heute noch jemand den Mut aufbringt für mächtig viel Geld einen Film zu machen, der nicht zu einem der großen Franchises gehört. Bei “Jupiter Ascending” wird nicht mit altbewährten, extrem beliebten Figuren das Geld eingesammelt wie bei “Star Trek”, “Star Wars”, dem “Hobbit” oder den Zig Comicverfilmungen von Marvel und DC.

Aber froh sein fällt einem dann doch schwer, wenn man sich mit einer Mischung aus Langeweile, Ungläubigkeit und Verdruss mitten in der kruden Story wiederfindet, die sich die “Matrix”-Geschwister Wachowski ausgedacht haben. Die schillernden Außeridischen, die das Universum beherrschen, die auf der Erde gestrandete Auserwählte Weltenretterin, ein Held auf Power-Hover-Schuhen (quasi Eislaufen in der Luft) und alle möglichen weiteren Versatzstücke aus dem Baukasten des Fantasy/Science-Fiction Genres – das alles wird visuell opulent serviert.

Leider verlangt “Jupiter Ascending”, dass man sich auf Anhieb mit der Welt, in der das alles spielt, anfreundet, die Prämisse für bare Münze nimmt und sich in das flotte Geschehen fallen lässt. Das geht alles sehr schnell, weder für die äußere Handlung noch für die innere (will sagen für die Figurenentwicklung) bleibt genug Zeit. Blass und vage, angereichert mit ziemlich platten Dialogen und Motiven, nimmt die Story ihren vorhersehbaren Lauf.

Nun ist es sicher nicht leicht, eine frische, innovative Story ins Kino zu bringen, denn es müssen ja auch Finanziers gefunden werden. Und doch wundert es mich, dass “Jupiter Ascending” so komplett ohne Alleinstellungsmerkmal daherkommt. Bei “Matrix” waren Story und Effekte einigermaßen neu, und außerdem kunstvoll verbunden. Hier war die Hoffnung offenbar, dass man mit einem “Star Wars” für Arme irgendwie durchkommt. Gemessen am Einspielergebnis und dem IMDB-Rating von niedrigen 5,8 ergibt sich folgende Antwort: Nein. Fail.

2/5

Filmkritik: Avengers – Age of Ultron (3D)

Age of Ultron - FilmplakatAction/Comedy, USA 2015

Regie: Joss Whedon; Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen

Meine Erwartungen an DEN Marvel-Blockbuster des Jahres waren recht hoch, nicht zuletzt weil ich mir –  nachdem zuletzt im zweiten „Captain America“ die Geschichte von SHIELD quasi zu ende erzählt wurde – ein spannendes neues Kapitel von „Age of Ultron“ versprochen habe. Nicht spannend a la Hitchcock, sondern spannend im Rahmen eines riesigen Superhelden-Universums: neue Welten, neue Bösewichter, und natürlich spektakuläre 3D- Action.

Leider ist die Story die größte (und einzige) wirkliche Enttäuschung des Films. Tony Starks Idee, eine künstliche Intelligenz zur Verteidigung der Erde zu installieren, geht mächtig schief. Die „Avengers“ müssen alle ihre Kräfte aufbieten, um „Ultron“ an der Vernichtung des Planeten zu hindern. Der arg dünne Plot sorgt dafür, dass Bruce Banner und Kollegen ordentlich zu tun haben, und am Ende die Weichen für die kommenden Filme („Captain America: Civil War“ in 2016 und „Thor: Ragnarok“ in 2017) gestellt werden. Einfallsreich oder aufregend ist das alles aber nicht.

Was nicht bedeutet, dass „Avengers – Age of Ultron“ nicht eine Menge guter Actionszenen bieten würde. Ganz im Gegenteil, die Truppe ist fast pausenlos im Einsatz. Die 3D-Effekte sind gut, die Actionszenen setzen aber insgesamt anders als in Teil eins keine neuen Standards. Am besten funktioniert der Film als Buddy-Komödie mit sehr guten One-Linern, dem bekannt feinen Gespür für seine Figuren und deren Eigenheiten. Zwischen zwei Helden beginnt es gar romantisch zu werden, was für heikel-witzige Momente sorgt. Es deuten sich zudem Abschiede an, während gleichzeitig ein wenig frisches Blut hinzukommt.

Ein wenig schade ist es, dass „Age of Ultron“ kein echtes Highlight in der Reihe ist, sondern eher wie eine spaßige Klassenfahrt ohne echtes Ziel daherkommt. Es bleibt zu hoffen, dass in den schon erwähnten nächsten Filmen storytechnisch ein starke Vorlage für die angekündigten „Avengers – Infinity Wars“ (2018 und 2019 im Kino) geliefert wird. In völliger Unkenntnis der Comics ist es mir dabei ziemlich egal, in welche Richtung es geht – so lange es mich wenigstens oberflächlich zu fesseln vermag.

(knapp) 4/5

 

Filmkritik: Mortdecai

Mortdecai FilmplakatComedy/Action, UK/USA 2015

Regie: David Koepp; Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor

Ungläubiges Kopfschütteln ist die natürliche Reaktion auf das Trashfest namens „Mortdecai“. Selten habe ich einen A-List Hollywood-Film gesehen, der auf so vielen Ebenen versagt wie dieser. Da wäre etwa Johnny Depp als englischer Kunsthändler/Betrüger Mortdecai – die Titelfigur des Films fällt gleich in den ersten Szenen in sich zusammen. Die krude Mischung aus Weinerlichkeit, Snobismus und albernem Gekasper geht nicht auf. Das ist nicht komisch, sondern daneben.

Auch die von Gwyneth Paltrow (hochnäsige Ehefrau), Paul Bettany (unterwürfiger Butler und Casanova) und Ewan McGregor (schleimiger MI5-Agent) gespielten Rollen sind nicht viel besser. Die Story ist ebenfalls ein Desaster, wobei das ganz offensichtlich eingeplant war. „Mortdecai“ setzt auf den Spaß, den Figuren & Dialoge verbreiten sollen – was so vollends scheitert, dass es kaum zum Fremdschämen reicht. Die vielen Ortswechsel und Figuren verstärken den Eindruck der Ziellosigkeit noch.

Die interessantesten Fragen sind bei dem Ganzen folgende: Wie konnte das Projekt jemals grünes Licht bekommen konnte? Und warum ist auch den Darstellern nicht aufgefallen, wie schlecht die Idee zum Film in allen Belangen ist? Ich würde was dafür geben, bei der ersten Vorführung dieses jämmerlichen Streifens vor den Geldgebern (Johnny Depp war selbst einer davon) dabei gewesen zu sein. Die haben sicher weinend ihre Buchhalter angewiesen, einen großen Batzen Kohle abzuschreiben…

1/5

Filmkritik: American Sniper

American Sniper FilmplakatKriegsdrama, USA 2014

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Kyle Gellner

„American Sniper“ erzählt ‚based on true events‘ die Geschichte des Navy Seals-Scharfschützen Chris Kyle, der in seinen vier Touren im Irak über 160 „confirmed kills“ verbucht hat. Für viele US-Amerikaner ist Kyle einer der wenigen Helden, die der Krieg im Irak hervorgebracht. Clint Eastwoods Film war in den USA nicht nur unfassbar erfolgreich (bestes Einspielergebnis eines Kriegsfilms seit Anbeginn der Zeit), sondern auch ein echtes Politikum.

Die Handlung ist schnell erzählt. Kyle steigt im Irak unter den Soldaten schnell zur Legende auf. Seine Treffsicherheit erledigt reihenweise Gegner und rettet gleichzeitig vielen Kameraden der Bodentruppen das Leben. Zuhause bei Frau und Kind(ern) läuft es weniger rund. Zu anders ist das zivile Leben, zu groß der Druck, im Irak auch seinen ärgsten Widersacher „The Butcher“ zu erwischen.

„American Sniper“ ist nicht ganz die ultrapatriotische Heldengeschichte, die ich befürchtet hatte. Weder ist in jeder zweiten Einstellung die US-Flagge zu sehen noch werden die US-Soldaten besonders heroisch dargestellt. Die Gefechtsszenen sind denen aus „The Hurt Locker“ nicht unähnlich und spannend inszeniert. Auch Chris Kyle selbst wird nicht zum übermächtigen Rambo stilisiert, sondern als überaus begabter Scharfschütze mit „exzellenten Arbeitsergebnissen“ dargestellt. Ein Soldat, der glaubt, dass seine Taten die Mitbürger in San Diego oder New York sicherer machen.

Das Problem bei der Sache ist somit weniger, was der Film über die US-Truppen und die Heimatfront erzählt, sondern was er über die Gegenseite und den Krieg an sich nicht erzählt. Die politische „Lage“ wird bequem mit den Bildern vom 11. September abgekürzt, die „Aufständischen“ im Irak sind weitgehend namen- und gesichtslose Bösewichter, die alle irgendwie zu al-Qaida gehören und ihren Kindern Granaten in die Hand drücken.

Die gezeigten Gefechte mögen realistisch dargestellt sein, trotzdem verstellt diese Einseitigkeit den Blick auf den Konflikt als ganzes. Der Film setzt den Hollywood-Trend fort, über die Soldaten nur gutes und über den Krieg als ganzes lieber nichts zu erzählen. Das aggressive Auftreten der US-Truppen als Besatzer (in der Wahrnehmung der Iraker), der fehlende Plan für die Zukunft des Landes, Skandale wie Abu Ghraib, oder die nicht vorhandene, von der Politik ersponnene Verbindung zwischen 9/11 und Saddam Hussein sowie dessen ebenso wenig vorhandenen Massenvernichtungswaffen – das alles findet im Film nicht statt. Kein Wunder, denn das würde Kyle und seine Kameraden zu traurigen Figuren in einem fragwürdigen Konflikt machen, zu Kollegen von Folterknechten und marionettenhaften Handlangern unfähiger bis überforderter Politiker und Generäle.

Regisseur Eastwood sieht eine extrem starke Antikriegsbotschaft seines Films darin, dass er zeigt wie die Familien der Soldaten leiden, und wie schwer es ist aus dem Krieg ins zivile Leben zurückzukehren (siehe hier). Damit liegt er sicher nicht falsch. Die Darstellung seiner Figuren als aufrechte Kämpfer für die ‚Freiheit der westlichen Welt‘ und ihrer Verbündeten wirkt angesichts der bekannten Hintergründe trotzdem mächtig hohl.

Handwerklich und schauspielerisch ist an „American Sniper“ wenig auszusetzen. Der immense Erfolg des Film sagt dennoch mehr über die Befindsamkeiten der amerikanischen Volksseele aus als über die Klasse des Films, der außerhalb der USA zurecht schnell in Vergessenheit geraten wird.

3/5