In aller Kürze: “God’s Pocket” und “Maps to the Stars”

Um es kurz zu machen habe ich mich auf beide Filme ziemlich gefreut. “God’s Pocket” ist ein Drama mit dem großartigen Philip Seymour Hoffmann in einer seiner letzten Rollen, “Maps to the Stars” ist der neue Film von David Cronenberg, dessen “Cosmopolis” zuletzt eine ziemliche Enttäuschung war.

God’s Pocket” beginnt mit einem Todesfall, der das Leben einer Reihe von Personen in einer kleinen Arbeiter-Nachbarschaft in Philadelphia durcheinander wirbelt. Das Regiedebut von “Mad Men”-Star John Slattery ist hochkarätig besetzt (neben Hoffmann sind Christina Hendricks, John Turturro und Richard Jenkins dabei), bietet aber in seiner düsteren Story wenige bemerkenswerte Szenen und hinterlässt keinen wirklich bleibenden Eindruck. Kein schlechter Film, hat man aber alles schon mal sehr ähnlich gesehen.
3/5

Mit “Maps to the Stars” wagt sich Cronenberg ans Genre der “Hollywood-über-Hollywood”-Filme, eher von der dramatischen als von der satirischen Seite. Wobei die Grenzen da fließend sind und ohnehin eine Frage der Interpretation. Die Familie eines Kinderstars (John Cusack, Olivia Williams) wird von ihrer finsteren Vergangenheit eingeholt, eine alternde Schauspielerin (Julianne Moore) sucht verzweifelt nach der richtigen Rolle für das große Comeback, die Ankunft einer jungen Unbekannten in der Stadt ist mit allem rätselhaft verbunden. Der Blick auf die Charaktere in dem betont schmucklos inszenierten Film ist scharf und gnadenlos. “Maps to the Stars” mag insgesamt ein realistisches Gesellschaftsportrait sein – sich das anzusehen ist allerdings ein recht zähes Vergnügen.
3/5

Filmkritik: Edge of Tomorrow (2D)

Edge of Tomorrow PosterAction/Sci-Fi, USA/Australien 2014

Regie: Doug Liman; Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson

Gute Actionfilme sind verdammt selten, weil es schwierig ist, Spektakel und Story in Einklang zu bringen. Die größten Explosionen und Schießereien langweilen schnell, wenn Plot und Figuren unzureichend entwickelt werden. Genau diese Balance gelingt “Edge of Tomorrow” von Regisseur Doug Liman (“Swingers”, “The Bourne Identity”) ganz hervorragend.

“Saving Private Ryan” trifft “Groundhog Day” trifft modernes “Alien Invasion”-Spektakel – so lässt sich der Film zusammenfassen. Allerdings hätte genau diese Mixtur auch krass daneben gehen können, wenn die Idee(n) dahinter und die Ausführung weniger gut gewesen wären. Die Prämisse des Films ist folgende: Aliens haben die Erde angegriffen und Europa benahe komplett erobert. Nach überwundenem Schock über den Angriff haben ‘Vereinigte Streitkräfte’ der restlichen Nationen den Kampf angegenommen.

Tom Cruise spielt den US-amerikanischen Major Cage, der unvermittelt an die Front geschickt wird, obwohl er eigentlich als medienwirksamer Charmeur für die Außendarstellung und Rekrutierung zuständig ist. Cage gerät in eine Zeitschleife und erlebt den Angriff (quasi eine Neuauflage der Landung an der Normandie, mit Aliens statt Nazis als Gegner) immer wieder neu. Sobald er stirbt geht es von am Tag vor dem Angriff von vorne los. Bald gewinnt er die toughe Soldatin Rita (Emily Blunt) als Gefährtin, gemeinsam suchen sie nach einem Weg, den Krieg gegen die Aliens (extrem schnelle, Oktopus-aus-Metall-artige Viecher) im Sinne der Menschheit zu entscheiden.

“Edge of Tomorrow” beginnt wie ein Ego-Shooter, bei dem man ständig abnippelt und denselben Level neu anfängt – doch dann zeigen die Macher, dass sie die Stärken des Szenarios auch hinsichtlich der Story erkannt haben. So entwickelt sich ein actionreiches, ausreichend plausibles und äußerst unterhaltsames Action-Spektakel, welches dazu – im Rahmen des für Mainstream-Hollywood möglichen – echte Spannung und Eigendynamik entwickelt.

Tom Cruise ist hier genau richtig besetzt, als charismatischer (anfangs recht unsympathischer) Held wider Willen kommen seine Stärken zur Geltung. Emily Blunt nutzt die Gunst der Stunde, das Potential einer gut geschriebenen weiblichen Actionheldin zu entfalten. Die Spezialeffekte sind gut, müssen aber – wegen des guten Drehbuchs – nicht alleine den Tag retten. “Edge of Tomorrow” zeigt, wie man einen Haufen bekannter Motive und Ideen moderner Action- und Sci-Fi-Filme so miteinander in Einklang bringt, dass am Ende ein sehenswerter Actionfilm herauskommt, der nicht die Intelligenz des Publikum beleidigt. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach viel, ist aber im besten Sinne genug.

4/5

In aller Kürze: “Life of Crime”, “The Leftovers”

Als Fan von Kultkrimi-Autor Elmore Leonard (“Get Shorty”, “Out of Sight”) kann ich sagen, dass “Life of Crime” ein gelungener Film geworden ist. Der Plot kreist um Gelegenheits-Gangster, die bei ihrem ersten Kidnapping schnell an ihre Grenzen stoßen. John Hawkes und Mos Def geben die Entführer, Jennifer Aniston das Opfer, Tim Robbins den Ehemann – der nicht im Traum daran denkt, das Lösegeld zu bezahlen. Dazu kommen einige witzige Nebenfiguren, vorgetragen wird die Story in für eine Leonard-Adaption passendem, lakonischen Ton. Kein großer Wurf, aber für Freunde charmanter Krimi-Komödien locker einen Blick wert.
3/5

Serientechnisch kann ich “The Leftovers” empfehlen, wobei hier nur jene zugreifen sollten, die mit offenen Enden und großem Interpretationsspielraum keine Probleme haben. Die betont emotionale Story kreist um das mysteriöse Verschwinden von 2 Prozent der gesamten Weltbevölkerung (in der Serie als “sudden departure” bezeichnet). Genauer von denen, die dabei Angehörige und Freunde verloren haben und von dem unerklärlichen Verlust in schwere Trauer bis Verzweiflung gestürzt wurden.

Am Beispiel einer Kleinstadt im Bundesstaat New York entwickelt sich die Geschichte gemächlich und nimmt sich Zeit für die Charaktere. Angesichts der oft rätselhaften bis ziellosen und unheimlichen Episoden kam Kritik an der Serie auf. Es gäbe keine plausible Story, man bediene sich des ins Nichts führenden “immer-wilder-immer-weiter”-Effekts von “Lost” (dessen Autor hier als Produzent agiert). Doch ich finde, dass “The Leftovers” ein starkes Szenario bietet, dass im positiven Sinne interessant und mit einigen cleveren Ideen und Anspielungen daherkommt. Hier gibt es keinen mehrheitsfähigen Mystery-Stoff, sondern einen ruhigen, zum Teil auch verstörenden Blick auf eine ungewöhnliche (Ausgangs-)Situation. Das Finale der ersten Staffel hat mir gefallen – ich freue mich auf die nächste Runde…

Filmkritik: X-Men – Days of Future Past

X-Men - Days of Future Past PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: Bryan Singer; Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Jennifer Lawrence, Michael Fassbender, James McAvoy, …

Im “X-Men”-Universum war zuletzt einiges los. Während die beiden “Wolverine”-Filme eher blass blieben gelang mit “First Class” ein gelungenes Prequel. Nun setzt Bryan Singer, Regisseur der starken ersten beiden Filme, mit “Days of Future Past” zum Versuch an, die alte mit der neuen Crew zusammenzuführen.

Im Kino, erst recht im Fantasy/SciFi-Genre hat es nie einen schöneren Weg gegeben, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden, als die Zeitreise. Eine solche steht im Zentrum des Plots, denn die “X-Men” stehen anno 2023 ebenso wie die Menschheit kurz vor der Vernichtung. Maschinen, die einst die Menschen vor den Mutanten beschützen sollten, sind kurz davor, Magneto, Professor X, Storm und Co endgültig das Lebenslicht auszuknipsen.

So macht sich also Wolverine (trotz der mittelmäßigen Filme besteht offenbar Einigkeit, dass er die ‘beste’ Figur ist) auf ins Jahr 1973, um dort entscheidende Ereignisse im Sinne der X-Men zu beeinflussen. Erstmal muss er dazu allerdings den jungen Prof. X aus einer tiefen Sinnkrise und Magneto aus einem Höchstsicherheitsgefängnis befreien, während seine Kollegen in der Zukunft ein letztes Aufbegehren zustande bringen.

Weil “Days of Future Past” beim Casting der jungen Garde ebenso wie weitgehend beim Casting der Original-Crew gute Arbeit geleistet hat, kann sich der Film auf seine starken Schauspieler verlassen. Das Drehbuch ist ebenfalls gut, auch wenn der Plot letztlich nichts besonderes ist und um sich selbst kreist. Insgesamt bleibt es (zum Glück) auch dabei, dass die X-Men trotz einiger Spritzer Humor eher zu den “ernsten” Superhelden” gehören.

Dynamik, Effekte, Spannung und dramatische Szenen verbindet Regisseur Singer zu einem ausgeglichenen Ganzen, das über die komplette Laufzeit hervorragend zu unterhalten vermag. Ein bißchen schade ist es dennoch, dass bei der Reihe mit dem dritten Teil und den planlosen “Wolverine”-Filmen ein Stück weit der Faden gerissen ist, aber in dieser Formation gelingt ihnen vielleicht auch storytechnisch noch ein großes Comeback – zu sehen gibt es das dann angeblich um 2016 herum in “X-Men: Apocalypse”.

4/5

Filmkritik: Guardians of the Galaxy (3D)

Guardians of the Galaxy PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: James Gunn; Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Lee Pace

[Kritik wie immer bei Comicverfilmungen ohne jede Kenntnis der Vorlage geschrieben.]

Meine grundsätzliche Superhelden-Verdrossenheit dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Es sind Filme wie “Guardians of the Galaxy” die verhindern, dass nicht ein echter “Superhelden-Sperrvertrag” draus wird. Nicht, dass der Film dem Genre neues Leben einhauchen würde, neue CGI-Maßstäbe setzte oder gar ernsthaft etwas zu erzählen hätte (im Gegenteil – die Story ist total geschenkt). Aber charmant ist der Film geworden, außerdem witzig und kurzweilig.

Der Ton des Films ist von Anfang an humorvoll, auch wenn es mit einem Trauerfall losgeht. Der kleine Peter Quill verliert seine Mutter und wird danach direkt mal von Aliens entführt. Gut 20 Jahre später turnt Peter als “Starlord” durch die Galaxie, ein Abenteurer a la Han Solo, den aber niemand so recht ernst nehmen will (und den auch niemand “Starlord” nennen mag). Das ändert sich langsam, als er auf einem einsamen Planeten den MacGuffin, äh ich meine die mysteriöse Metallkugel “Orb”, findet. Zurück auf seinem Heimatplaneten ist plötzlich die schöne Kriegerin Gamora hinter der Kugel her, und auch das galaktische Außenseiter-Duo Groot und Rocket (eine Baum-ähnliche Kreatur und ein sprechender Waschbär) steigen in den Kampf mit ein.

Am Ende haben sie alle Pech und landen gemeinsam im Hochsicherheitsgefängnis, aus dem sie natürlich schnurstracks wieder ausbrechen wollen. Der Plot kreist dann im wesentlichen darum, besagte Zauberkugel zurück zu erobern und nicht in die Hände eines Bösewichts fallen zu lassen der (gähn!) mit Hilfe der Kugel die ganze Welt unterjochen will, weil…, ja weil Bösewichter, die aussehen wie Darth Vaders Halbbruder, halt so ticken. Ist auch egal.

Denn zum Glück gelingt es, mit viel Humor und Ideen, hohem Tempo, den liebevoll geschriebenen und gut gespielten (bzw. animierten) Figuren und reichlich Schauwerten ein überzeugendes, buntes Spektakel abzufackeln, das letztlich über die kaum vorhandene Story hinwegtröstet – sofern man eine erwartet hatte. Ein bisschen kommen die “Guardians of the Galaxy” wie eine Mischung aus “Star Wars” und “Watchmen” daher, eine Weltraum-Seifenoper in weniger cleanem Look als sonst üblich. Aber doch locker für die große Masse und (fast) jede Altersklasse geeignet. Dass hierzu Kompromisse nötig waren ist klar. So ist der Film dann auch kein Meisterwerk, aber starkes Entertainment.

4/5

PS: Habe den Film in 3D gesehen und war recht angetan von den Effekten. Eher weniger von der Action (die kommt oft ziemlich Computerspiel-mäßig daher), aber doch von der Gesamtanmutung. Und zu dunkel schien es mir auch nicht zu sein. Wichtiger für das Vergnügen sind aber Charakter und Dialoge, daher kann man sicher auch in 2D Spaß haben…

Filmkritik: The Two Faces of January

The Two Face of January PosterDrama/Thriller, USA/UK/FR 2014

Regie: Hossein Amini; Darsteller: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac

“The Two Faces of January” erinnert nicht zufällig an “The Talented Mr. Ripley” – beide basieren auf Romanen von Patricia Highsmith, beide handeln von US-Amerikanern in Europa, die Story beginnt hier anno 1962 in Athen. Rydal (Oscar Isaac aus “Inside Llewyn Davis), Yale-Absolvent und Sohn eines kürzlich verstorbenen Harvard-Professors, arbeitet dort als Reiseführer, der sich wo er kann ein paar Scheine dazu verdient. Gerne durch den zu seinen Gunsten gezinkten Wechsel von Dollars in Drachmen.

Rydal trifft auf das glamourös auftretende Ehepaar Chester und Colette MacFarland (Mortensen/Dunst), die es sich in Europa gut gehen lassen. Bald stecken die drei ‘Expatriots’ gemeinsam in der Klemme, weil die MacFarlands unverhofft von Chesters zwielichtigen Investmentgeschäften eingeholt werden. Hier wird “The Two Faces of January” zum Roadmovie, dessen erste Etappe die Fähre nach Kreta ist, wo es bald mit dem Bus weiter geht.

Die Spannung in der Story rührt in erster Linie von den Charakteren her. Rydal und Colette sind offensichtlich voneinander angezogen, doch wer in dem Beziehungsdreieck wem – wenn überhaupt – vertrauen kann ist bestenfalls unklar. Den Blick auf die wahren Motive und Loyalitäten gibt der Film nur langsam frei. Die äußere Spannung entwickelt sich ebenfalls gemächlich. Anfangs scheint die Dreierbande ihren Verfolgern bequem zu entkommen, doch ihr Verhalten – nicht zuletzt aufgrund der inneren Spannungen – legt ihnen langsam aber sicher eine Schlinge um den Hals.

Im Vergleich mit “The Talented Dr. Ripley” fällt der Film von Hossein Amini etwas ab, schon weil er weniger Kniffe, Überraschungen oder interessante Nebenfiguren enthält. Doch die starken Darsteller, das absolut intakte Gefühl der Inszenierung für die Figuren und die sehenswerten, sonnendurchtränkten Bilder (ein schöner Kontrast zur zunehmend düsteren Story, die einem Kammerspiel gleicht) reichen für spannende und überzeugende Unterhaltung, wie es sie im Kino heutzutage viel zu selten gibt. “The Two Faces of January” ist ein gutes Beispiel für eine Story, die in gut 90 Minuten erschöpfend zu Ende erzählt werden kann, ohne dass sie deshalb seicht oder gehetzt daher käme.

4/5

Filmkritik: Lucy

Lucy PosterAction, Frankreich 2014

Regie: Luc Besson; Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi

Die Prämisse von “Lucy” ist faszinierend und verdächtig zugleich. Eine junge Frau bekommt unabsichtlich eine Dosis einer Wunderdroge verabreicht, die es ihr erlaubt, ihr Gehirn-Potential (in Ermangelung eines besseren Begriffs) voll auszuschöpfen. Wir Menschen, so erfährt der Zuschauer zu Beginn durch eine plumpe, von Dan Browns Romanen abgekupferte Erzähltechnik (erstaunliche Dinge passieren und werden parallel in einer Uni-Vorlesung erklärt), können nur knapp 10 Prozent unserer möglichen Gehirnleistung abrufen. Titelfigur Lucy (Johansson) ist im Laufe der Handlung auf dem Weg zu den vollen 100 % – sie wird also unfreiwillig zum ‘Übermenschen”.

Faszinierend ist das alles, weil es wohl annährend irgendwie sogar stimmt. Und weil die Idee, eine von Scarlett Johansson gespielte Actionheldin dabei zu beobachten, wie sie unglaubliche Kräfte und Fähigkeiten gewinnt, für 90 unterhaltsame und vergnügliche Minuten Film ausreichen sollte. Verdächtig ist, dass diese Prämisse gleichzeitig auch totaler Schwachsinn ist und Regisseur Luc Besson nicht dafür bekannt ist, besonders plausible Geschichten zu erzählen.Das Ergebnis lässt sich ungefähr so beschreiben: “Limitless” und “Crank” haben einen tragischen, leider nur bedingt komischen Unfall, den beide nicht überleben.

Von “Limitless” leiht sich “Lucy” die Idee, einem Menschen mithilfe von Drogen zu mehr Leistung und Intelligenz zu verhelfen. Doch was da stimmig und glaubwürdig genug inszeniert wurde, um Fundament für ein (begrenzt stichhaltiges) Drama zu sein, wird hier in derart übertriebener Form verabreicht, dass Kategorien wie innere oder äußere Logik keine Rolle spielen können.

Wie “Crank” dreht “Lucy” den Spektakel- und Scheiss-Drauf-Regler auf mindestens 12. Anders als “Crank” liefert er aber keine (oder mindestens nicht genug) aberwitzige Actionszenen, die soviel Spaß machen, dass man gerne drüber hinwegsieht. Und es fehlt auch die Selbstironie – stattdessen wird es übelst platt und bescheuert, bei nur geringen Dosen beabsichtigter Komik.

Was “Lucy” beinahe rettet, sind die Dynamik und Explosivität des Geschehens – die aber immer mehr versprechen, als sie halten können. Auch zeigt Scarlett Johansson, dass sie genug Leinwandpräsenz, Charisma, Sex-Appeal und Action-Credibility besitzt, um die wohlwollende Aufmerksamkeit mindestens des männlichen Publikums zu gewinnen (wobei Präsenz und Charisma im ungleich besseren und unvergleichbaren “Under the Skin” bedeutend besser zur Geltung kamen).

Doch am Ende reicht beides nicht, um aus “Lucy” mehr als einen sinnlos-bekloppten, kurzweiligen (und mit knapp 90 Minuten tatsächlich kurzen) Film zum machen. Die Spezialeffekte von an der Decke zappelnden Menschen, wiederholt explodierenden Synapsen sowie Bildern vom Urknall und dem aller-aller-ersten “Planet der Affen” sind eher mau, die Story nicht der Rede wert, ganz zu schweigen von den “naturwissenschaftlich-philosophischen” Aspekten, die immerhin für ein paar unfreiwillige Lacher sorgen.

Fazit: Für Freunde des gepflegten Trashfests (vgl. “300 – Rise of an Empire”) gibt es hier etwas zu gewinnen. Der Rest konzentriert seine 10 % Gehirn-Kapazität besser auf andere, lohnenswertere Dinge.

2/5

Anders ausgedrückt: Ich hatte mich drauf eingestellt, dass “Lucy” mindestens Story-technisch letztlich nur in Richtung Quatsch gehen würde. Aber mit so einem Blödsinn habe ich wahrlich nicht gerechnet..echt jetzt mal.

In aller Kürze: “Neighbors”, “Chef”

Chef
Feelgood-Dramedy mit Jon Favreau als ambitioniertem Chefkoch eines Restaurants, den es zwischen beruflichen und persönlichen Problemen zu zerreissen droht. Gut gespielt und beschwingt inszeniert gewinnt der Film keinen Innovationspreis, bietet aber niveauvolle und witzige Unterhaltung. Knappe 4/5

Neighbors
Ein ‘Clash der Generationen’ eskaliert zwischen einem jungen Ehepaar mit Kind (Seth Rogen und Rose Byrne) und ihren neuen, zu lauten Nachbarn – einer Studenten-Verbindung mit von Zac Efron gespieltem Anführer. Überwiegend zum Fremdschämen, streckweise nicht unlustig, aber insgesamt viel zu platte Komödie. 2/5

In aller Kürze: The Double, Palo Alto

Obwohl basierend auf Dostojewskis “Der Doppelgänger” (das ich nicht gelesen habe) spielt “The Double” in einer Art Retro-Zukunft, nicht unähnlich der von Terry Gilliams “Brazil”. Jesse Eisenberg (“The Social Network”) spielt den einsamen kleinen Angestellten Simon, in dessen Großraum-Büro eines Tages ein neuer Kollege namens James auftaucht, der ihm gleicht wie ein Ei dem anderen. Ausser den beiden scheint aber niemand die frappierende Ähnlichkeit zu bemerken…

Stark gespieltes Kopfkino, das der Doppelgänger-Thematik einige interessante Aspekte abgewinnen kann. Sicher nichts für ungeduldige Kinogänger (trotz nur knapp 90 Minuten Laufzeit), wirft der Film eine Menge Fragen auf, von denen er längst nicht alle zu beantworten beabsichtigt. Hat mir gefallen, mich dabei aber nie wirklich gefesselt. [3/5]

Palo Alto” ist ein klassischer Coming-of-Age-Film, im Mittelpunkt stehen vier Teenager. Unaufgeregt erzählt trifft der Film eine überzeugende Tonart und beweist gutes Gespür für Figuren und Dramaturgie. Die guten Darsteller können nicht verstecken, dass es insgesamt ein wenig an neuen Ideen fehlt. [3/5]

In aller Kürze: Pompeii, Fading Gigolo, Locke

Pompeii” ist ziemlich genau so ein Müll geworden, wie allseits zu erwarten war. Kitschig, vieles zusammengeklaut, mediokre Effekte – kann man gut totquatschen oder einfach in der Ecke liegen lassen… (1/5)

Fading Gigolo” mit, aber nicht von Woody Allen, ist eine ansehnliche, heitere Komödie um einen reifen Callboy in New York. Der Film mit und von John Turturro macht vor allem wegen der Schauspieler Spaß, das Drehbuch ist irgendwie planlos und obwohl das ganze ein ordentliches Niveau hat fehlen doch die großen Momente. (3/5)

Locke” ist ein Kammerspiel mit nur einer handelnden (bzw. für den Zuschauer sichtbaren Person). Tom Hardy fährt 90 Minuten Auto während er am Telefon versucht, in privaten und beruflichen Angelegenheiten das richtige zu tun. Gutes Beispiel dafür, dass solche Ein-Figuren-Experimente zwar meist interessant sind, aber nie wirklich Spaß machen oder komplett überzeugen. (3/5)

 

Kurzkritik: Captain America – The Winter Soldier

The Winter Soldier PosterFantasy/Action, USA 2014

Regie: Joe & Anthony Russo; Darsteller: Chris Evans, Scarlett Johansson, Samuel L. Jackson, Robert Redford

Obwohl “The Winter Soldier” nichts neues zum Genre des Superhelden-Films beitragen, funktioniert er erstaunlich gut. Dabei setzen die Macher auf Terror als wichtigste Zugabe des Plots. SHIELD scheint kompromittiert zu sein, ein Attentat auf Nick Fury lässt die Situation eskalieren. Captain America gerät zwischen undurchsichtige Fronten zwischen Politik und Militär, weiss nur den Ex-Soldaten Wilson (aka “Falcon”) und Natasha Romanoff (aka “Black Widow”) auf seiner Seite.

Weil es hier um das große Ganze im “Avengers”-Universum geht (auch wenn die Kollegen höchstens mal am Rande auftauchen – sind die eigentlich alle im Urlaub oder was?!) erweckt der Film nicht der Eindruck eines belanglosen Lückenfüllers. Es kommt sogar so was ähnliches wie Spannung auf, und auch die obligatorischen One-Liner und in in-Jokes (Stichwort: Grabstein) machen wirklich Spaß. Wenn es den Verantwortlichen bei Marvel gelingt, dieses Niveau für die kommenden Filme zu halten, dann könnte ich mir gar vorstellen, für die nächste Sause mal wieder ins Kino zu gehen.

4/5

 

Kurzkritik: Calvary (Am Sonntag bist Du tot)

Calvary FilmposterDrama, Irland/UK 2014

Regie: John Michael McDonagh; Darsteller: Brendan Gleeson, Kelly Reilly, Aidan Gillen

Düsteres Drama mit komödiantischen Zwischentönen und großartigen Darstellern, allen voran Brendan Gleeson. Ein Priester einer kleinen irischen Gemeinde am Meer, der von einem Unbekannten mit dem Tode bedroht wird, steht im Zentrum eines als Mikrokosmos angelegten Gesellschaftsportraits. Glaube, Trauer, Vergebung, Rache, Hoffnung – die Handlung und ihre Figuren kreisen um große Themen, der Film ergeht sich in zahllosen Anspielungen an die Bibel (der Originaltitel ist nur eine davon). Dass er trotz des unübersehbaren Gleichnis-Charakters auch emotional überzeugen kann und nicht (nur) als verkopftes Lehrstück daher kommt, ist die große, positive Überraschung von “Calvary”.

4/5

Filmkritik: The Zero Theorem

The Zero Theorem PosterSci-Fi/Drama, USA/Rumänien/Frankreich/UK 2013

Regie: Terry Gilliam; Darsteller: Christoph Waltz, Melanie Thierry, David Thewlis, Matt Damon, Tilda Swinton

In der nicht allzu fernen Zukunft oder Parallelwelt von “The Zero Theorem” sieht es aus, wie es nur bei Terry Gilliam aussehen kann. Der technische Fortschritt ist dem aktuellen Stand einerseits weit voraus (Virtual Reality, interaktive Werbebanden in der ganzen Stadt); andererseits ist vieles in bizarrer Retro-Optik gehalten, wie etwa ein gigantisches Rechenzentrum, Hamsterrad-ähnliche Arbeitsplätze oder die herrlich schrillen Klamotten.

In dieser Welt fristet Computer-Experte Qohen Leth (C. Waltz) sein einsames Dasein. Als Angestellter bei der allmächtigen “ManCom” ist er von seiner Arbeit genervt, zuhause – Qohen wohnt in einer alten Kirche – wartet er wie besessen auf einen obskuren Anruf, der ihm die Bedeutung seiner Existenz erklärt. Auf sein wiederholtes Drängen erklärt sich Management (verkörpert von Matt Damon) bereit, Qohen ins Home Office zu entlassen – wenn er dort am Projekt “Zero Theorem”, einer ziemlich endlosen Gleichung, arbeitet.

Parallel tritt die schöne Bainsley (M. Thierry) in Qohens Leben, die er bei einer Party kennenlernt und irgendwie nicht wieder los zu werden scheint. Weitere handelnde Personen sind Managements hochbegabter Sohn Bob, Qohens Vorgesetzter Joby (D. Thewlis) und Tilda Swinton als ‘Dr. Shrink-Rom’, einer Psychiater-Software, mit der Qohens Depressionen und Ängste behandelt werden sollen.

Terry Gilliam hat “The Zero Theorem” im britischen ‘Guardian’ als Abschluss einer dystopischen Satire-Trilogie bezeichnet (deren erste Teile “Brazil” und “12 Monkeys” waren). Hier geht es ihm eindeutig um Kritik an der fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags und des damit einhergehenden Verlusts von echter zwischenmenschlicher Nähe und wahren, analogen Erlebnissen.

Zum Glück für all jene, denen Gilliams Filme nicht ohnehin immer zu wild und irre waren, gibt es in “The Zero Theorem” unzählige skurrile Ideen und Einfälle, in denen Gilliam seine Ansichten verpackt. Handlung, Set-Design, Spezialeffekte und Schauspieler greifen wunderbar ineinander in einem Film, der weder Komödie noch Drama noch Science Fiction ist, sondern eine ganz eigene, verschrobene Symbiose dieser Genres.

4/5

Filmkritik: Noah

Noah FilmposterAbenteuer/Fantasy/Drama, USA 2014

Regie: Darren Aronofsky; Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Emma Watson, Ray Winstone

Als die ersten News die Runde machten, dass “Requiem for a Dream”-Regisseur Aronofsky einen Film über die Arche des biblischen Noah dreht, fand ich das im positiven Sinn interessant. Ins Kino bin ich für den Film dann aber nicht gegangen, so groß war die Neugier nicht – nun habe ich mir das ganze also mit Verspätung zuhause angesehen.

Da ich weder gläubig noch aus anderen Gründen sonderlich bibelfest bin kann ich nur mutmaßen, dass “Noah” keine sehr wortgetreue Nacherzählung geworden ist. Zumindest waren für mich folgende Elemente eher überraschend: a) versteinerte, an Noahs Seite kämpfende Riesen-Engel b) eine epische Schlacht um Zugang zur Arche und c) ein auf der Arche stattfindender dritter Akt.

Bildgewaltig ist Arofonskys allemal geworden, sowohl die Tricks (alle Tiere sind komplett durch CGI entstanden) als auch die Kostüme (eher “Braveheart” als “Ben Hur”) haben mich überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist einmal mehr Russell Crowe, dessen Figur im Film keine einfache Heldenfigur geworden ist.

Die Menschen haben die Erde durch Raubbau und Gier an den Rand der Zerstörung gebracht; nur der Clan von Noah verweigert sich. Der sieht eine Katastrophe kommen und wähnt sich auserwählt, Gottes Schöpfung (mit Ausnahme der menschlichen Rasse) vor der kommenden Sintflut zu retten. Den ersten Teil davon kann und soll man sicherlich (auch) als kritisches Gleichnis zur heutigen Zeit verstehen – doch der Rest der Story eignet sich absolut nicht für derartige Interpretationen. Zumindest haben sich meinem atheistischen Geist keine aufgedrängt.

Als Ganzes ist “Noah” ein recht zähes Unterfangen. Die Mischung aus großem Fantasy-Spektakel und der (aus meiner Laien-Sicht) düsteren und langgezogenen Interpretation der Arche will nicht so recht aufgehen. Der Versuch, auf der Leinwand alttestamentarische Wucht zu entfalten und gleichzeitig einen modernen Kinofilm für ein großes Publikum zu machen, scheitert. Was aber nicht bedeutet, dass sich der Film nicht durchaus lohnen würde – er bietet durchaus beeindruckende Schauwerte und gute Darsteller.

Spannender als “Noah” habe ich letztlich die Wikipedia-Einträge zu den Eigenheiten und Interpretationen der Geschichte in Christen-, Judentum und Islam gefunden. Aber ohne den Film hätte ich die sicher nicht gelesen.

3/5

Filmkritik: Transcendence

Transcendence PosterSci-Fi/Thriller, USA 2014

Regie: Wally Pfister; Darsteller: Johnny Depp, Morgan Freeman, Rebecca Hall

Technologie- und fortschrittskritische “Aktivisten” verüben ein Attentat auf Internet-Guru Dr. Will Caster (Depp). Caster, der an einer Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz arbeitet, wird daraufhin kurz vor seinem sich anbahnenden Tod von seiner Frau Evelyn (Hall) ins Netz hochgeladen – nicht nur sein Wissen, auch sein Geist versteht sich. Dort, als leicht pixeliger Avatar und uneingeschränkter Herrscher über die digitale Welt, fühlt sich das Genie sichtlich wohl und erschafft im Handumdrehen neue Software und Technologien.

“Transcendence” ist nach “Her” der zweite Film des Jahres, in dem die Menschwerdung von Maschinen (oder besser Programmen) thematisiert wird. Doch während “Her” sich mit den Auswirkungen der Technik auf den Alltag von Individuen auseinander setzte, geht es hier nun um das große Ganze. Hat die Menschheit die Kontrolle verloren? Führt uns der Fortschritt geradewegs in die Verdammnis? Ist das Machbare und Mögliche immer auch das Richtige?

Keine schlechten Fragen. Um sich aber adäquat damit beschäftigen zu können, hätte es ein schlüssiges Drehbuch, eine gute Geschichte geben müssen. Die fehlt in “Transcendence” leider komplett. Entwicklungen und Ideen gibt es zuhauf, doch die Ausgestaltung ist ungenügend und zuweilen gar albern. Von Casters visionären Plänen, seiner Darstellung als “Ghost in the Machine”, bis zu den fadenscheinigen Leuten, die ihm auf der Spur sind und die wenig glaubwürdige Beziehung zwischen Caster und seiner Frau – nichts davon überzeugt, weder darstellerisch noch inszenatorisch, und schon gar nicht inhaltlich.

“Transcendence” zerreisst es förmlich, weil der Spagat zwischen anspruchvollem Film-Essay und Mainstream-Entertainment misslingt. Man kann dem Film zu Gute halten, dass er es wenigstens ernst meint (ohne dabei auf plumpe Vereinfachungen von Zusammenhängen zu verzichten) und sich recht aufrichtig an seinen Themen abarbeitet. Helfen tut das aber kaum, weil die Handlung viel zu konstruiert daher kommt, als dass sie eine eigene Dynamik oder gar Spannung entwickeln könnte.

2/5