Lebenszeichen – „Deadpool“ und „Zoolander 2“

Ich habe lange nichts geschrieben hier, was mehrere Gründe hat. Um genau zu sein zwei. Erstens habe ich wenig Zeit und Lust, längere Beiträge zu schreiben, zweitens war das Filmangebot zuletzt wieder äußerst mau.

Einfach mehr über Serien zu schreiben war eine Idee, die mir in dieser Zeit kam. Aber das ist zeitlich ein Fass ohne Boden und daher unrealistisch. Ich überlege, ob ich nicht etwa bei Twitter aktiv werden sollte, um ein paar mehr kurze Einschätzungen und Kommentare absondern zu können. Streng genommen ginge das natürlich auch hier auf dem Blog….mal sehen.

Deadpool
„Deadpool“ spielt geschickt mit Genre-Konventionen, unterläuft Erwartungen und inszeniert sowohl die Figur wie den Film an sich als liebenswerten, politisch unkorrekten Underdog. Das macht Spaß, bleibt aber auch wegen der beliebigen Story (kann ich nix außergewöhnliches dran finden) kaum im Gedächtnis hängen. Als Komödie geht das insgesamt in Ordnung, ein großer Wurf oder besonders originell ist es leider nicht. Don’t believe the hype. (3/5)

Zoolander 2
Lange ist es her, aber die Erinnerung ist einigermaßen frisch – was habe ich über Teil eins gelacht. Die Fortsetzung ist – wie man bereits befürchten musste – leider ein totaler Rohrkrepierer. Es gelingt schlicht nicht, das Szenario und die Figuren noch einmal zu neuem Leben zu erwecken. Es reicht nur für eine uninspirierte, lahme Nummernrevue, die selten komisch ist und keine neuen Ideen hat. Schade, aber nicht überraschend. (2/5)

Filmkritik: Batman v Superman – Dawn of Justice (3D)

Batman v Superman - Dawn of Justice FilmplakatFantasy/Action, USA 2016

Regie: Zack Snyder; Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg, Gal Gadot, Jeremy Irons

Nichts geringeres als DCs Antwort auf Marvels „Avengers“ drängt mit „Batman v Superman“ auf die Leinwand, die finale Zusammenführung zweier (oder genauer mindestens dreier) Helden aus demselben Comic-Universum. Eine Riesenspektakel also mindestens, dazu die Einführung eines neuen Batman-Darstellers. Mit Ben Affleck traf das Studio da eine äußerst umstrittene Wahl. Seit Monaten bläst das Marketing Trailer und Bilder in die Welt, die ich weitgehend gemieden habe – ich hatte Lust, mir den Film ohne zu viel Vorgeschmack anzusehen.

Geholfen hat das leider wenig, denn „Batman v Superman – Dawn of Justice“ ist ein ziemlich freudloses Spektakel geworden. Was keinesfalls am düsteren Ton des Films liegt. Denn dass man sich hier vom Gekasper der „Avengers“ absetzen wollte ergibt (auch angesichts der nicht eben für ihren Humor bekannten Helden) durchaus Sinn.

Die Probleme beginnen mit dem wenig glaubwürdigen Szenario, in dem sich Batman und Superman in die Haare kriegen wie zwei achtjährige Bengel, die darum streiten wer das derbste Spielzeug hat. Auch ist total offensichtlich, dass dieser Showdown kein echter ist – DC bzw. das Studio Warner wird ja hier nicht seine beiden Cashcows in ein Celebrity Death Match schicken. Zumal mit Lex Luthor (den Jesse Eisenberg als clownesken Nerd spielt) der echte Bösewicht immer präsent ist.

Die Story verdient ohnehin diesen Namen nicht, was nicht anders zu erwarten war. Stören tut es trotzdem, weil sie auch in einer anderen Disziplin scheitert: das Geschehen wie geölt von Action-Highlight zu Action-Highlight zu geleiten, und dabei gerne auch noch für ein paar gelungene Sets und Szenen zu sorgen.

Überhaupt ist die Action eine Enttäuschung. Nicht der Effekte wegen, die hat man sich was kosten lassen. Aber Ideen sind Mangelware, es stellt sich kein „Wow“-Gefühl ein. Stattdessen wird am Ende ein Riesenmonster serviert, wie man es in den letzten 15 Jahren allzu oft so oder ähnlich gesehen hat. Der Plan war wohl, die ganze Chose durch den Dauer-Bombast so mit Bedeutung aufzuladen, dass es trotzdem irgendwie durchgeht. Fail.

Immerhin, es ist nicht alles schlecht am Film. Der mächtige Soundtrack von Junkie XL und Hans Zimmer hat mir gut gefallen. Das Set Design, die Kostüme und die Optik insgesamt können sich sehen lassen. Ben Affleck ist kein schlechter Batman, hat aber einige der miesesten Szenen abbekommen (etwa die kurze „Bruce Wayne-trainiert-wieder“-„Rocky-Balboa-Gedächtnis“-Szene). Der Rest der Besetzung ist solide bis gut ausgewählt (Gal Gadot als Wonder Woman, Jeremy Irons als Butler Alfred, Holly Hunter als aufrichtige Senatorin), wobei mir der schon erwähnte Jesse Eisenberg als junger über-nerdiger, beinahe Richtung Joker grimassierende Lex Luthor, eher auf den Geist ging.

Es überwiegt letztlich deutlich die Enttäuschung, in den gut zweieinhalb Stunden Laufzeit nur wenige starke Momente erlebt zu haben. An so unfassbar teure Großproduktionen braucht man in vielerlei Hinsicht ohnehin keine großen Ansprüche stellen, das ist (leider) klar. Es fehlt an guten Ideen, die das Publikum über das Spektakel hinaus für die Figuren einnehmen könnten. Die Inszenierung eines Showdowns zwischen dunklem Rächer und gottgleichem Erlöser bleibt oberflächlich und unglaubwürdig. Und schlussendlich ist der Entertainment-Faktor einfach zu gering.

2/5

PS: Wie ich höre hat Regisseur Zack Snyder für Comic-fans jede Menge Anspielungen auf die Vorlagen eingebaut – die konnten mir nicht auffallen, und machen den Film für Nicht-Comicleser auch leider nicht besser…

 

Filmkritik: Point Break

Point Break FilmplakatAction, USA/DE/CHN 2015

Regie: Ericson Core; Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracy, Ray Winstone, Teresa Palmer

Dass ein Remake von „Point Break“ in die Hose gehen könnte war klar. Das Original mit Keanu Reeves und Patrick Swayze passte einfach perfekt in seine Zeit und macht – trotz zahlreicher Schwächen und beträchtlichem Trash-Faktor – bis heute Spaß.

Nun haben die Produzenten versucht, das Geschehen in die Gegenwart zu überführen, und sie machen dabei so ziemlich alles falsch. Los geht es mit der Fehlbesetzung der Hauptrolle, Luke Bracey als Johnny Utah hat genau keinen Charme und auch sonst außer einem durchtrainierten Körper nichts zu bieten. Das „Update“ der Story selbst ist noch bescheuerter und unglaubwürdiger als das Original, was gar nicht so leicht ist. Die pseudo-politische Dimension des ganzen ist einfach nur grottig.

Die Handlung ist dem neuen „Point Break“ aber auch total egal, der Film ist eine einzige Abfolge von Actionszenen in „Red Bull TV“-Optik. Es wir gesurft, Motocross und Snowboard gefahren, sogar „im-Flügelanzug-vom-Berge-hüpfen“ ist Teil des Plans. Doch weder findet eine Entwicklung der Figuren statt, noch ist das alles so spektakulär, dass es einem egal wäre. Einzig Edgar Ramirez als Bodhi kann halbwegs überzeugen, gegen das langweilige Script und seine minderbegabten Kollegen ist aber auch er machtlos.

Das Original hatte mit Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busy und Lori Petty vier in ihren Rollen überzeugende Schauspieler, der Film entwickelte trotz der bewussten Oberflächlichkeit Spannung. Die Macher dieses Remakes scheinen nicht verstanden zu haben, was an diesem Material funktioniert hat und warum. Das Resultat ist eine erbärmliche Fingerübung, von der man sich besser fernhält.

2/5

Filmkritik: The Big Short

The Big Short FilmplakatDrama/Comedy, USA 2015

Regie: Adam McKay; Darsteller: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling

Zur Finanzkrise wurden einige sehenswerte Filme gemacht, „Margin Call“ etwa, oder zuletzt „99 Homes“. Hier reiht sich auch „The Big Short“ ein, der basierend auf dem gleichnamigen Buch die Geschichte mehrerer Finanz-Akteure kurz vor der Subprime-Krise in den USA erzählt. Dabei wagt der Film den Spagat zwischen gesellschaftskritischem Drama und beschwingten Comedy-Elementen – was überraschend gut gelingt.

Der exzentrische Hedgefond-Manager Michael Burry (Bale) kommt zwei Jahre vor dem Ausbruch der Krise auf die Idee, sich die im Bündel gehandelten Hauskredit-Pakete mal ganz genau anzuschauen. Was er dabei entdeckt führt ihn direkt in die Management-Etagen der großen Bankhäuser. Durch Zufall bekommen weitere Finanz-Player Wind von Burrys These, dass da mit den Zahlen was nicht stimmt – sind aber erstmal skeptisch, ob diese der Realität standhält.

Mit Leichtigkeit und erzählerischem Witz geht „The Big Short“ den Dingen auf den Grund. Der Film gibt sich redlich Mühe, die komplizierteren Produkte und Mechanismen der Finanzmärkte spielerisch auf den Punkt zu bringen. Dazu werden auch mal Prominente bemüht, die sich – wie der Erzähler des Films – direkt ans Publikum wenden.

Dass die Story des Films funktioniert hat mit den stark gespielten Underdogs zu tun, die hier gegen die globale Banking-Industrie inkl. Rating-Agenturen (wenig überraschend die Bösewichter des Films) antreten. Das sind keine „kleinen Leute“ mit Hass auf den Kapitalismus. Sondern kluge Köpfe, die die Märkte kennen und fassungslos mit dem Kopf schütteln, als sie das wahre Ausmaß der Fehlleistungen und Täuschungen erkennen, die maßgeblich für die Krise verantwortlich waren.

Dass die Hauptfiguren von der sich anbahnenden Megakrise finanziell profitieren wollen macht sie nicht sympathischer. Doch genau damit gewinnt „The Big Short“ etwas ganz essenzielles – Glaubwürdigkeit. Es werden nicht einfach alle Menschen, die im Kapitalismus Geld verdienen wollen, an den Pranger gestellt. Die Sache ist deutlich komplizierter.

Sicher ist es leicht nach ein paar Jahren mit dem Finger auf die Schuldigen zu zeigen und „Skandal“ zu schreien. Doch der Film findet die richtigen Bilder, erweckt das Zahlenspiel in vielen starken Szenen zum Leben. Es geht nicht um sensationelle neue Erkenntnisse, sondern um die systemimmanenten Mechanismen des Versagens von Märkten und allzu menschlichen Marktteilnehmern.

5/5

Filmkritik: Hail, Caesar!

Hail, Caesar! FilmplakatComedy, USA 2016

Regie: Joel & Ethan Coen; Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson

Einen neuen Film der Coen-Brüder schaue ich immer gern. Bei „Hail, Caesar!“ hatte ich allerdings leichte Zweifel, ob mir das so richtig Spaß machen würde – der Trailer sah gut aus, dabei aber ziemlich glatt und gefällig. Doch clever wie sie nun mal sind haben die Coens im Trailer einiges verschwiegen – und sich die besten Szenen und Überraschungen für den Film aufgespart.

Das Setting ist Hollywood in den 50er Jahren. Eddie Mannix (Brolin) leitet das „Capitol“-Filmstudio, muss die Stars bei Laune halten, mit den Klatschreportern fertig werden, dann zusehen, dass der neueste Jesus-Film keine Religion beleidigt (eine der besten Szenen des Films) und schließlich einem wichtigen Regisseur (Fiennes) dringend einen neuen Hauptdarsteller besorgen. Als wär das alles nicht genug wird Baird Whitlock (Clooney), einer der größten Stars des Studios, entführt.

Die Coens haben großen Spaß daran, sich in dem Setting – und den wunderbar gestalteten Sets – des alten Hollywood auszutoben. Bei aller Komik sind die Figuren liebevoll geschrieben und durchweg perfekt besetzt; sicher wurden die meisten davon den Schauspielern auf den Leib geschrieben. Es gibt einige Musical-artige Szenen, die aber selbst ausgemachten Film-Musical-Muffeln wie mir nicht sauer aufgestoßen sind.

Die Entdeckung des Films ist ohne Zweifel Alden Ehrenreich als schauspielerisch talentfreier Western-Star Hobie Doyle, der sich auf zwei neuen Bühnen beweisen muss und sich dabei großartig schlägt. Scarlett Johansson und Channing Tatum haben eher Cameo-artige Auftritte, wobei Tatum in einer unschlagbar absurden Szene im Mittelpunkt steht.

In dem kurzweiligen Vergnügen voll von herrlichen Dialogen haben die Coens (knapp am Spoiler vorbei jetzt hier) gar noch einige eher tiefgründige Gedanken untergebracht. Wie sie das genau schaffen, ohne damit „Hail, Caesar!“ die Leichtfüßigkeit und Verspieltheit auszutreiben (die im Gegenteil dadurch erheblich gewinnt) ist schlicht und ergreifend großes Kino.

5/5

PS: Ich glaube das letzte mal, dass ich im Kino so viel gelacht habe, war bei „Burn After Reading“… Obwohl nee, stimmt nicht, es war bei „Im Wendekreis der Eidechse“!

Kurzkritik: The Night Before (Die Highligen Drei Könige)

The Night Before FilmplakatComedy, USA 2015

Regie: Jonathan Levine; Darsteller: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt, Anthony Mackie

In aller Kürze: Derbe Buddy-Komödie mit allzu vorhersehbarer Story und zu wenig guten Jokes.

Worum gehts? Drei Kerle zelebrieren zum letzten Mal die Tradition am Tag vor Weihnachten gemeinsam in NYC voll einen drauf zu machen.

Die gute Nachricht: Ein paar Witze und Ideen zünden durchaus, die Schauspieler sind redlich bemüht.

Die schlechte Nachricht: Der „Plot“ ist arg bescheuert, ohne dass die Clownereien das hinreichend rechtfertigen. Der derbe Humor beisst sich mit der biederen Moral, insgesamt eine unausgegorene Fehlzündung.

3/5

 

Kurzkritik: Spotlight

Spotlight FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Tom McCarthy; Darsteller: Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Michael Keaton

In aller Kürze: Klassisches Enthüllungsdrama um den Mißbrauchsskandal in der katholischen Kirche von Boston.

Worum gehts? Ein Team von Reportern des ‚Boston Globe‘ geht dem Verdacht auf die Spur, dass die katholische Kirche Fälle vom Kindesmißbrauch über Jahre schändlich unter den Teppich gekehrt hat.

Die gute Nachricht: An „Spotlight“ kann handwerklich und schauspielerisch überzeugen, schafft dazu glaubwürdige Figuren.

Die schlechte Nachricht: Die Story läuft arg nach Schema F ab und ist arm an echten Höhepunkten oder Überraschungen. Es fehlen Bilder (oder Szenen), die dem Publikum länger im Gedächtnis bleiben.

3/5

Filmkritik: The Hateful Eight

The Hateful Eight FilmplakatWestern, USA 2015

Regie: Quentin Tarantino; Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins

Die Zeit: Das 19. Jahrhundert. Die Location: die Rocky Mountains im Nordwesten der USA. Hmm, da klingelt doch was? Kurz nach „The Revenant“ kommt dieses eigentlich ungewöhnliche Setting erneut ins Kino (auch wenn die Stories zeitlich locker 50 Jahre auseinander liegen). Es ist offenbar einfach Zufall, aber trotzdem bemerkenswert, dass sich gleich zwei große Regisseure quasi zeitgleich mit dem Wilden (Nord-)Westen beschäftigen. Soviel Eiseskälte in Verbindung mit extremer Brutalität war selten im Kino.

Die Unterschiede zwischen den beiden Filmen überwiegen dann allerdings insgesamt deutlich. Tarantino erzählt in „The Hateful Eight“ von einem Kopfgeldjäger (Russell), der in einer Kutsche eine Gefangene (Leigh) in die Kleinstadt Red Rock bringen will. Auf dem Weg gesellen sich zwei weitere Gestalten dazu, schließlich treibt ein Schneesturm die vier in ‚Minnies Haberdashery‘ – wo sich von da an fast die komplette Handlung abspielt.

Eine Stärke des Films ist, dass man lange rätselt, was Tarantino hier eigentlich im Schilde führt. Der Film nimmt sich viel Zeit die Figuren einzuführen und in langen (wie üblich extrem pointierten) Dialogen die Spannungen zwischen ihnen ans Licht zu bringen. Da ist der schwarze Ex-Major der Nordstaaten (Jackson), ein alter Veteran der Südstaaten (Bruce Dern), ein fadenscheiniger Fremder (Michael Madsen), der örtliche Henker (Tim Roth) und ein Mexikaner, der die ‚Haberdashery‘ in Vertretung für dessen Besitzerin führt. Der achte im Bunde wird gespielt von Walton Goggins, der sich als ’nächster Sheriff von Red Rock‘ vorstellt.

Mit knapp 3 Stunden Spielzeit (in der Kurzversion, die 70mm-Version ist sechs Minuten länger plus 12-minütige Intermisson) ist „The Hateful Eight“ eindeutig einen Tick zu lang geraten. Nicht, dass es am Ende kein großes Finale mit einigen Überraschungen gäbe, welches von dem ausführlichen Setup profitiert. Das gibt es in der Tat – man kann aber ohne Spoiler nicht drüber schreiben. Aber zwischendurch ergeben sich Längen, bei denen die Dialoge – wenn auch nur scheinbar – zum Selbstzweck werden und die Geduld des Publikums etwas überstrapazieren.

Auf einige Dinge ist bei Tarantino immer Verlass, das ist bei seinem neuesten Streich nicht anders. Der Regisseur zementiert seinen Ruf als Casting-Genie, der Soundtrack von Ennio Morricone ist ein Volltreffer. Es gibt explosive Gewalt, die hier nicht nur schwarzhumorig, sondern auch verstörend rüberkommt, und eine Vielzahl von Details und Anspielungen, die sich sicher erst beim x-ten Durchlauf vollständig erschließen lassen. Auch überraschen kann Tarantino sein Publikum, wenngleich hier Anleihen bei seinem eigenen Schaffen zu erkennen sind (vor allem „Reservoir Dogs“).

Ich denke „The Hateful Eight“ wird nicht zu meinen Lieblingsfilmen von Tarantino gehören, wenn ich mir nach dem zweiten oder dritten mal ansehen ein ‚endgültiges‘ Urteil anmaße. Ganz ausschließen will ich es aber auch nicht – denn angesichts der Story-Drehs ergibt sich für einen Zuschauer, der das Finale kennt, ganz sicher ein neuer und interessanter Blick auf die ersten zwei Stunden der Handlung. In ein paar Monaten werde ich das gespannt ausprobieren…

4/5

 

 

 

Serienkalender 2016 – Starttermine

Hier die Starttermine (Quelle: IMDB.com) der Serien, die bei mir fest auf dem ‚Speiseplan‘ stehen, sowie der Vollständigkeit halber weiter unten auch die von einigen Reihen, bei denen mir mittlerweile der Appetit vergangen ist.

Bock drauf:

  • Better Call Saul Season 2 – 15. Februar
  • 11.22.63 Season 1 – 15. Februar
  • Game of Thrones Season 6 – April 2016
  • Rectify Season 4 – Sommer 2016
  • The Leftovers Season 3 – August 2016
  • Ray Donovan Season 4 – September 2016
  • The Fall Season 3 – irgendwann in 2016
  • The Affair Season 3 – irgendwann in 2016
  • Fargo Season 3 – (leider erst) 2017

„Ferner laufen“:

  • House of Cards Season – 4. März
  • Homeland – September 2016

 

Filmkritik: The Revenant – Der Rückkehrer

The Revenant - Der Rückkehrer FilmplakatDrama/Abenteuer, USA 2015

Regie: Alejandro González Iñárritu; Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson

Leonardo DiCaprio will den Oscar. Dringend. Das ist eine Erkenntnis, die man aus „The Revenant“ mitnimmt, dem neuen Film des letztjährigen ‚Best Director‘ Alejandro González Iñárritu (für „Birdman“). Und tatsächlich hätte er den Preis verdient – nicht unbedingt, aber durchaus auch für diesen Film, letztlich für sein Schaffen insgesamt.

Die Story spielt in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in den nördlichen Rocky Mountains. Hugh Glass (DiCaprio) ist gemeinsam mit seinem Sohn Teil einer Jagd-Expedition, die in der Wildnis Felle erbeuten will. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber den meisten wird es aus dem Trailer ohnehin bekannt sein –  Glass findet sich bald darauf alleine und übel zugerichtet in der Wildnis wieder.

„The Revenant“ ist ein extremer Film in vielerlei Hinsicht. Was es an Blut und Gewalt zu sehen gibt wird vielen Zuschauern zu heftig sein (Stichwort: Anatomie eines Pferdes). Etwa die Hälfte des Films sieht man der Hauptfigur dabei zu, wie sie bei klirrender Kälte unfassbare Leiden durchmacht. Konsequent ohne jedes künstliche Licht gedreht zeigt der Film zugleich eindrucksvolle Bilder bergiger Schneelandschaften (gedreht wurde in Kanada und Argentinien).

Die Inszenierung beeindruckt, u. a. gleich am Anfang (in einer großartigen, ohne einen einzigen Schnitt ablaufenden kriegsähnlichen Szene). Die im Kern einfache Rache-Geschichte erzählt an ihren Rändern einige interessante Randnotizen. Die selten im Kino portraitierte Zeit und Umgebung sorgt für zusätzlichen Reiz. Eine zentrale ‚Action‘-Szene zeigt zudem, wie überzeugend man wohl dosierte CGI-Effekte einsetzen kann.

Doch im Vordergrund steht ein Überlebenskampf, ein Triumph des Willens, den DiCaprio absolut glaubhaft und ohne ‚Overacting‘ meistert. Ihm gegenüber schlägt sich Tom Hardy als Bösewicht ebenfalls sehr gut, besonders gefallen hat mir auch Domhnall Gleeson als Captain Henry.

An einigen Stellen wandelt „The Revenant“ angesichts der grotesken Grausamkeiten trotzdem am Rande des unfreiwilligen Humors. Es erfordert vom Publikum die Bereitschaft, sich auf diesen Trip einzulassen – man könnte sonst (etwa beim finalen Zweikampf) auch anfangen zu johlen.

4/5

Kurzkritik: Bridge of Spies

Bridge of Spies FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Steven Spielberg; Darsteller: Tom Hanks, Mark Rylance, Sebastian Koch

In aller Kürze: Spielberg erteilt eine weitere Geschichtsstunde – ohne Überraschungen, aber auch ohne Makel.

Worum gehts? Ein Versicherungsanwalt (Hanks) verteidigt anno 1961 einen russischen Spion und muss anschließend bei einem heiklen Gefangenenaustausch in Ost-Berlin als Unterhändler agieren.

Die gute Nachricht: Schauspielerisch erstklassig (insbesondere Mark Rylance), visuell gelungen, mit großartigen Sets und einem spektakulären Flugzeugabsturz.

Die schlechte Nachricht: Insgesamt einen Tick zu lang und (auch wenn man die Fakten der Story nicht kennt) nicht wirklich spannend.

4/5

Kurzkritik: Black Mass

Black Mass FilmplakatGangsterdrama, USA 2015

Regie: Scott Cooper; Darsteller: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon

In aller Kürze: Solides Gangsterdrama mit starker Besetzung, aber ohne die ganz großen Momente…

Worum gehts? Ein FBI-Agent und der irischstämmige Gangsterboss James ‘Whitey’ Bulger, die sich seit den Kindertagen kennen, gehen eine heikle Kooperation ein. Bald ist fraglich, wer hier eigentlich wem und womit behilflich ist…

Die gute Nachricht: Johnny Depp ist mal wieder als echter Schauspieler tätig, die Inszenierung ist gelungen – ein durchaus überdurchschnittlicher Beitrag zum Genre.

Die schlechte Nachricht: Trotz guter Darsteller springt der sprichwörtliche Funke nicht wirklich über, u. a. weil keine Figur zum Mitfühlen einlädt und es verschiedene Erzähler gibt.

4/5

Filmkritik: Star Wars – The Force Awakens (3D)

The Force Awakens FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: J. J. Abrams; Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Harrison Ford, Carrie Fisher

Ich war nie ein Fan von „Star Wars“, bin aber ausreichend fasziniert von dem Hype und zudem ein Freund von Action-Spektakeln, so dass ich mir „The Force Awakens“ nun auch mal angesehen habe. Ich komme hier einfach mal mit ein paar Punkten rein, die mir besonders aufgefallen sind, einen Absatz zu „worum gehts?“ kann ich mir glaube ich sparen…

Positiv:

  • Der neue kleine Robot BB8 ist sehr gut gelungen, mit ihm gelingt die Mischung aus Neu-Erfindung und Nostalgie.
  • Saubere Effekte, die sich nur ganz selten als CGI-Pixel-Spektakel verraten.
  • Ein weniger künstlicher Look als die zweite Trilogie, in der wirklich ALLES am Green Screen entstand.
  • Ein ausgesprochen rasanter Beginn, pures Bewegungskino mit hohem „Wow“-Faktor.
  • Einige gelungene neue Figuren, die Potential haben für die kommenden Filme.

Negativ:

  • Ein letztlich sehr dünner und altbekannter Plot (neuer, größerer Todesstern, gähn!)
  • Schwache 3D-Effekte, zumindest in „Real 3D“ im Cinestar. Den Aufpreis kann man sich sparen, da hätte ich von „Star Wars“ deutlich mehr erwartet.
  • Einige Szenen und Dialoge sind offenbar direkt für Computerspiele und andere Ableger der Reihe geschrieben worden (etwa wenn Poe und Finn anfangs auf der Flucht sind und „so viele Kanonen wie möglich abschießen müssen“, nur am das dann nicht mal zu probieren)

Es fiel selbst mir auf, dass es eigentlich jede Szene des Films in einem der vorigen Filme (vor allem in „Episode IV“) so ähnlich schon mal gegeben hat. Besser informierte Kino-Gefährten wussten das zu bestätigen. Man kann das natürlich als Verneigung verstehen, es stellt sich aber auch die Frage, ob den Produzenten für die nächsten Teile irgendwas neues einfällt.

Hinter all dem Hype und den vielen Rekorden findet sich bei „The Force Awakens“ wenig, dass die große Aufmerksamkeit rechtfertigen würde. Weder setzen die Tricks neue Maßstäbe noch werden spannende, neuartige Wege des Erzählens betreten. Die größte Attraktion für Fans scheint die Integration von Teilen der „alten Crew“ zu sein. Die ist tatsächlich ganz gut gelungen (die letzte Einstellung – obwohl auch unfreiwillig komisch – hat mir sehr gut gefallen), setzt u. a. auf Humor und macht wirklich Spaß. Vor allem auf Harrison Ford und Chewbacca ist Verlass.

Nun denn, der Spuk geht weiter, und ich werde mir auch die kommenden Filme ansehen – weiterhin mit etwas Verspätung, wenn die ersten Wochen schon Monate im Voraus ausverkauft werden. Der Gang ins Kino lohnt sich bei „The Force Awakens“ definitiv auch für Nicht-Fans, sofern man gesunden Appetit auf temporeiche Fantasy-Zerstreuung mitbringt.

4/5

Kurzkritik: Knight of Cups

Knight of Cups FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Terrence Malick; Darsteller: Christian Bale, Wes Bentley, Natalie Portman, Cate Blanchett

In aller Kürze: In Episoden erzählter Film von Terrence Malick, den „Tree of Life“-Fans mögen werden, während alle anderen ihn besser meiden.

Worum gehts? Um einen erfolgreichen Drehbuchautor in Hollywood, der zwischen Trauer, Affairen, Aufarbeitung und Eskapaden seinen Platz im Leben sucht.

Die gute Nachricht: Malicks Stil – kein Plot, wenig Dialoge, viel bedeutungsschwangeres Gerade aus dem Off, fantastisch komponierte (Natur-)Bilder – schafft eine bemerkenswerte Stimmung.

Die schlechte Nachricht: Darüber hinaus ist alles vage, offen für Interpretationen – was man bereits aus „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ kennt.

3/5

Meine Top-10 Filme 2015

Weniger Filme als in diesem Jahr habe ich seit bestimmt 15 Jahren nicht gesehen. Ein Hauptgrund dafür sind die vielen starken Serien, ein anderer die Tatsache, dass es schwieriger geworden ist, Mitstreiter fürs Kino zu finden. Auch die Zahl der Filme, die ich unbedingt im Kino (ich war vielleicht 5 oder 6 mal da) sehen wollte, hat definitiv abgenommen. Und schlicht Kino-faul war ich 2015 auch.

Sei es drum, für eine Top-10 reicht es noch, wie üblich ist es gut möglich, dass mir ernsthafte Kandidaten entgangen sind. Und 2016 geht es dann hoffentlich wieder häufiger ins Lichtspieltheater!

1. Inherent Vice
2. Das Ewige Leben
3. Birdman
4. Whiplash
5. Ex Machina
6. Citizenfour
7. Sicario
8. Straight Outta Compton
9. Spectre
10. It Follows

Knapp dahinter: Youth, Nightcrawler, What We Do in the Shadows, Mission Impossible: Rogue Nation, Mad Max – Fury Road, Going Clear, Star Wars – The Force Awakens.

PS: Diverse Filme habe ich bisher nicht gesehen, so z. B. “Black Mass” und viele andere. Könnte also sein dass ich die Liste noch anpasse.