Edzards Filmriss DER Filmblog. Alles andere is Quatsch!

Filmkritik: Oh Boy

Oh Boy FilmposterDrama, Deutschland 2012

Regie: Jan Ole Gerster; Darsteller: Tom Schilling, Mark Hosemann, Friederike Kempter

Studienabbrecher Nick treibt in Berlin auf der Suche nach sich selbst vor sich hin. Das Jurastudium hat er ohne Wissen der Eltern abgebrochen, der Führerschein ist weg wegen mehrfacher Alkoholfahrten. Die neue Wohnung steht voller Kisten, kaum eine ausgepackt. Die Bilder in Schwarzweiss erinnern über weite Teile sehr deutlich an Filme von Woody Allen, sie zeigen die Stadt in melancholisch-wohlwollenden Einstellungen. Auch der jazzigen Soundtrack erinnert an den New Yorker Altmeister.

Nick ist bemüht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Aber er ist dabei so passiv, dass er meist als Spielball der anderen handelnden Personen endet. Seine Perspektivlosigkeit ist selbst verschuldet, und doch mehr als die innere Leere eines Jungen aus reichem Hause. “Oh Boy” zeigt nur einen kleinen Abriss seines Lebens, zwei Tage vielleicht, in der sich keine klassische Geschichte entwickelt, sondern langsam die Konturen der Hauptfigur herausgearbeitet werden. Dank der guten Darsteller sieht man dem Treiben gerne zu, und hin und wieder blitzt in der trüben Szenerie auch sehr feiner Humor auf.

“Oh Boy” ist kein typischer deutscher Erfolgsfilm (er hat vor ein paar Wochen den Filmpreis gewonnen), insofern als dass er kein in der jüngeren Geschichte angesiedelter Problemfilm ist. Diese Abwesenheit von jeglichem historischen Ballast habe ich als sehr angenehm empfunden. Über die Gegenwart in Deutschland macht der Film keine großen Beobachtungen, er bleibt nah bei seinem Hauptdarsteller und seiner Stadt. Von ein paar Schwächen wie etwa der unpassenden Szene beim Verkehrspsychologen abgesehen ist er – auch mit Hilfe der “geliehenen” Stilmittel – ein sehenswerter Beitrag zum an solchen recht armen deutschen Kino der Gegenwart.

4/5

 

Filmkritik: In Ihrem Haus

In Ihrem Haus PosterDrama, Frankreich 2012 [Trailer]

Regie: Francois Ozon; Darsteller: Fabrice Luchini, Kristin Scott Thomas, Ernst Umhauer

Der französische Regisseur Francois Ozon erzählt in seinem neuen Film “In Ihrem Haus” wie schon in “Swimming Pool” von den Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Der Teenager Claude liefert seinem Lehrer, dem gescheiterten Schriftsteller Germain, einen bemerkenswerten Aufsatz zum Thema “Mein letztes Wochenende”. Darin beschreibt er seine Faszination mit einem Mitschüler und dessen Familie, die in einem Haus in der Vorstadt ein scheinbar idyllisches Familienleben haben. Claude selbst kommt aus schwierigen Verhältnissen, seine Mutter ist vor Jahren gegangen, sein Vater arbeitslos.

Germain liest die Aufsätze seiner Frau vor, gemeinsam überlegen sie, was zu tun sei. Bald sind sie gefesselt von Claudes Geschichte, wobei Germain immer mehr Tipps gibt und damit Einfluss nimmt – auf die Fiktion, oder auch auf das echte Leben? “In Ihrem Haus” ist eine echte Seltenheit, denn der Film ist spannendes und unterhaltsames Kopfkino. Die Story lebt vom Suspense, den Germain gegenüber Claude (“Was passiert als nächstes? Das muss sich der Leser fragen!”) auch immer wieder als höchste Priorität anpreist. Ein wunderbar gespieltes, doppelbödiges Drama, das den Zuschauer von ersten Minute an involviert und fesselt.

4/5

Filmkritik: Stirb Langsam 5 – Ein Guter Tag zum Sterben

A Good Day to Die Hard PosterAction, USA 2013

Regie: John Moore; Darsteller: Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch

Wenn man kränklich zuhause sitzt gibt man auch Filmen eine Chance, die man andernfalls links liegen gelassen hätte. Der mittlerweile fünfte “Die Hard”-Film ist so einer. Schon die Prämisse des Films ist problematisch. John McClane, so erfahren wir, hat einen Sohn (die Tochter ist ja bereits aus Teil vier bekannt). Dieser Sohn heisst Jack, ist ca. 30 Jahre alt und steht in Moskau wegen Mordes vor Gericht. Grund genug für John McClane nach Moskau zu fliegen, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Es dauert nicht lange bis sich Vater und Sohn in einer explosiven Verfolgungsjagd mit wilden Ballereien wiederfinden.

Die Story des Films kreist um zwei alte Rivalen aus der Sowjet-Elite mit zwielichtiger Vergangenheit. Einer von Ihnen hat Karriere gemacht, der andere droht nun mit der Veröffentlichung heiklen Materials – wie McClane Junior da ins Bild passt ist auch bald klar. “A Good Day To Die Hard” ist ein geradliniger Actionfilm geworden, solide, ohne Durchhänger, aber auch ohne große Höhepunkte. Wie ein “Stirb Langsam”-Film fühlt er sich allerdings überhaupt nicht an. Die Vater/Sohn-Beziehung im Zentrum sorgt zwar für ein paar Lacher, aber Ernst nehmen kann man sie nicht. Schon weil sie so unvermittelt für den fünften Teil aus dem Hut gezaubert wurde. Bruce Willis gibt sich Mühe, aber auch er kann dem Film nicht den Charme der ersten drei Teile verleihen, dazu ist er selbst mittlerweile zu alt. Und das Drehbuch viel zu schwach.

2/5

Filmkritik: Side Effects

Side Effects FilmposterDrama/Thriller, USA 2013

Regie: Steven Soderbergh; Darsteller: Jude Law, Rooney Mara, Channing Tatum, Catherine Zeta-Jones

Side Effects” ist eindeutig jener Kategorie von Filmen zuzuordnen, über die man vorher möglichst wenig wissen sollte. Weshalb ich auf die Story hier auch nicht zu genau eingehen werde. Steven Soderbergh liefert einen stylischen, kühlen Thriller, dessen Plot zwischen B-Movie und Hitchcock schwankt. Jude Law spielt den Psychiater Jonathan, der seiner attraktiven Patientin Emily (Mara) ein neues Antidepressivum verschreibt. Emily leidet unter Depressionen, die durch ihren gerade aus dem Gefängnis entlassenen Gatten Martin (Tatum) nicht eben besser werden.

Die Grundkonstellation der Story bietet viele Möglichkeiten, in welche Richtung es weitergehen könnte. “Side Effects” gelingt es, relativ häufig unerwartete Wege zu gehen – was den Film äußerst unterhaltsam macht. Zwar leidet die Glaubwürdigkeit des Geschehens unter den gezogenen Registern durchaus, doch das passt nicht nur zum Erzählton und den Bildern, sondern auch zu den Charakteren und der Art, wie ihre Darsteller sie ausfüllen. Der Film ist eine weitere starke Fingerübung seines Regisseurs (siehe auch “Haywire” oder “Contagion“), dessen sachliche, beinahe analytische Handschrift klar zu erkennen ist. Dass Soderbergh mit dem Filmemachen aufhören will ist wahrlich schade – es sei denn, er geht tatsächlich ins Fernsehfach über und kehrt mit einer großartigen TV-Serie zurück.

4/5

Hansel & Gretel – Witch Hunters

Hansel & Gretel – Witch Hunters PosterUm eine irgendwie legitime Kritik zu schreiben, sollte man den Film ganz gesehen haben. Deshalb kann ich über “Hansel & Gretel – Witch Hunters” keine schreiben. Nach knapp 20 Minuten musste einfach der Stecker gezogen werden es ging nicht mehr.

Die Idee des Films ist simpel. Hansel und Gretel machen ganz wie im Märchen als Kinder eine Hexe alle, und verdingen sich fortan – ganz anders als im Märchen – als professionelle Hexenjäger. Der Vorspann erzählt diese “Story” halb in Realbildern, halb als Comic-Strip. Dann beginnt der eigentliche Plot, in dem das Geschwisterpaar vom Bürgermeister eines Dorfes angeheuert wird, in dem ein Haufen Kinder entführt wurde. Während Hansel & Gretel in der Schankwirtschaft ihre Pläne machen reisen ein paar dümmliche Schergen auf Geheiß des Sheriffs in den dunklen, dunklen Wald, wo sie von einer bösen Hexe fürchterlich verdroschen werden.

Zu diesem Zeitpunkt, wie gesagt nach etwa 20 Minuten, hingen mir schon Sabberfäden der Langeweile im Mundwinkel. Und ich konnte mir absolut KEINE Entwicklung der Story vorstellen, die das unwürdige Spektakel irgendwie guckbar gemacht hätte. Die Idee zum Film ist dünn, platt und zudem bar jeden erzählerischen Fundaments auf die Leinwand geklatscht worden. Spezialeffekte und Kostüme kann man bestenfalls einfallslos nennen. Warum Jeremy Renner und Gemma Arterton bei dem Mist mitgemacht haben ist mir ebenso schleierhaft wie die Frage, wer sein Konto für die Finanzierung dieses Blödsinns geplündert hat. Ist auch egal. Ausmachen hat ganz wunderbar gegen alle Schwächen des Films geholfen.

 

 

Filmkritik: Parker

Parker FilmposterThriller, USA 2013

Regie: Taylor Hackford; Darsteller: Jason Statham, Jennifer Lopez, Nick Nolte

Wer sich einen Film mit dem britischen Haudegen Jason Statham ansieht, der weiss locker zur Hälfte, was geboten wird. Stathams Figur erschießt und vermöbelt ein Dutzend Leute, meistens bekommt er dabei auch ein paar Kratzer ab. So auch in “Parker“. Statham spielt die Titelfigur, einen “ehrlichen” Ganoven, der nach einem Coup von seiner Crew reingelegt wird. Halbtot landet er im Graben, schleppt sich aber schon kurz darauf aus dem Krankenhaus, beseelt von genau einem Gedanken: Rache!

Die Handlung setzt nun in Palm Beach wieder ein, dem Ressort der Superreichen an Floridas Ostküste. Parker macht mit Hilfe einer attraktiven Maklerin mit akuten Finanzsorgen (Jennifer Lopez) seine Ex-Kollegen ausfindig und schmiedet einen Plan, sein Geld zurück zu bekommen. Auf den Fersen ist ihm dabei ein Auftragskiller, der um ein Haar Parkers Freundin und Tochter seines Mentors (Nick Nolte) erwischt.

Mit knapp zwei Stunden ist “Parker” angesichts des simplen Plots ein wenig zu lang geraten, doch die schönen Bilder und zahlreichen Prügeleien sorgen für muntere Unterhaltung. Jennifer Lopez spielt eine sympathische Figur, die nicht so ganz in die Handlung passen will. Sei es drum, ihre Szenen sind hin und wieder gar witzig und ergänzen Stathams von wenigen Onelinern unterbrochenen grimmigen Feldzug. Es kommt alles, wie es kommen muss, ohne Twist und doppelten Boden. Man kann in “Parker” ein einfältiges Spektakel sehen – oder einen geradlinigen, harten Thriller. Der Großteil des Publikums wird sich sicher schon vor dem Film auf letztere Sichtweise festgelegt haben.

3/5

Filmkritik: The Grandmaster

The Grandmaster PosterMartial-Arts/Drama, USA/Hongkong/China 2013

Regie: Wong Kar-Wai; Darsteller: Tony Leung, Ziyi Zhang, Cung Le

In der Regel gehen fernöstliche Martial-Arts-Epen an mir vorbei, im Falle von “The Grandmaster” habe ich eine Ausnahme gemacht. Der Film von Wong Kar-Wei (“In the Mood for Love”) erzählt die Geschichte von Ip Man, einem chinesischen Kampfkünstler und späteren Lehrmeister von Bruce Lee. Die Handlung umfasst Flashbacks in seine Kindheit Jugend, seinen Aufstieg zum Erben des mächtigen Gong-Clans im Süden Chinas in den 30er Jahren, die harte Besatzungszeit durch  die Japaner und schließlich sein Leben im Exil in Hongkong.

Man muss zum Glück kein Experte für das Genre sein oder besonderes Vorwissen um die Geschichte Chinas mitbringen, um die Grundzüge von “The Grandmaster” zu verstehen. Kar-Wei hat ein schaurig-schönes Epos mit großen Gefühlen und eleganten Kämpfen inszeniert, in visuell atemberaubenden Bildern. In Off-Kommentaren und Einblendungen werden dem Zuschauer die wichtigsten Fakten präsentiert, so dass man sich ganz auf die großen Bilder und Duelle konzentrieren kann – die übrigens nicht immer mit den Fäusten ausgefochten werden. Die Darsteller bieten starke Performances mit äußerst geschmeidigen, athletischen Kampfeinlagen, zwischen Tony Leung als Ip Man und Ziyi Zhang als mutiger Tochter des Gong-Clans stimmt die Chemie wie schon in “2046″ absolut.

Man muss den Regisseur und seine Vorliebe für Zeitlupen, lange Einstellungen und die ausgeklügelte Komposition jeder einzelnen Szene schon mögen, um an “The Grandmaster” seinen Spaß zu haben. Wobei er für die Martial-Arts-Fraktion natürlich durch die vielen wunderbar choreographierten Kämpfe ohnehin ein Muss des Jahres ist. Als relativ fachfremder Zuschauer war ich vor dem Film unsicher, ob mich die Geschichte und ihre Charaktere über gut zwei Stunden fesseln könnten. Die Antwort ist ein klares ja. Der Film zelebriert Kino mit großer Intensität und Hingabe, so dass ich trotz ein paar kleinerer Längen in der Story durchweg begeistert davor saß. Für ein historisches Epos mag er (Laien wie mir) nicht  den größten Erkenntnisgewinn bieten, als Erlebnis aber ist er jedem Freund des Kinos sehr zu empfehlen.

5/5

Filmkritik: The Company You Keep

The Company You Keep PosterDrama/Thriller, USA 2012

Regie: Robert Redford; Darsteller: Robert Redford, Shia LaBeouf, Nick Nolte, Susan Sarandon

Als dreißig Jahre nach der Tat eine Bankräuberin aus der damaligen links-extremistischen Szene vom FBI festgenommen wird versetzt das den Anwalt, Witwer und alleinerziehenden Vater Grant (Redford) in Aufruhr. Er gibt seine Tochter in die Obhut seines Bruders und macht sich auf die Suche nach Kontaktpersonen aus der Vergangenheit. Parallel hat schon die Presse in Person des Lokalreporters Ben (LaBeaouf) Wind davon bekommen, dass Grant möglicherweise etwas mit der lange zurückliegenden Tat zu tun haben könnte.

Redfords Film beschäftigt sich mit der politischen Stimmung der siebziger, mit fundamentalem Protest an der Gesellschaft und der Frage, wie man als Revoluzzer eine Familie gründen kann. Das ist in sich alles soweit schlüssig, doch bleibt der Film in seinen Aussagen ziemlich vage und oberflächlich. Die Story entwickelt sich im passenden Tempo,  doch es fehlen echte Spannungsmomente. Die Entwicklung der Charaktere ist nicht unbedingt unglaubwürdig, aber vor allem unspektakulär. Redford will es offenbar allen recht machen – selten eine gute Idee.

Trotz des eigentlich spannenden Themas ist “The Company You Keep” zu bemüht, keine eigene “Politik” zu betreiben, um echten Reiz entfalten zu können. Sicher erfährt man ein paar interessante Dinge über die “damaligen” Verhältnisse, aber eine mitreißende Brücke in die Gegenwart kann der Film nicht schlagen – und so wird er wohl vor allem jenen Gefallen, die sich in jener politischen Epoche wiederfinden können. Für jüngere Semester bleibt ein gut gemachtes Drama mit vielen starken Darstellern, aber ohne Durchschlagskraft.

3/5

 

Filmkritik: Antiviral

Antiviral PosterSci-Fi/Drama/Horror, Canada 2012

Regie: Brandon Cronenberg; Darsteller: Caleb Landry Jones, Sarah Gadon, Malcolm McDowell

Brandon Cronenberg, Sohn des kanadischen Regisseurs David, kommt mit “Antiviral” ein wahrlich bemerkenswerter Film. Denn zum einen erinnert der Film an das von perfidem, körperlichen Horror durchdrungene (Früh-)Werk seines Vaters in Filmen wie “Rabid” oder “eXistenZ”. Zum anderen gelingt dem Filius mit seinem Debut zwar kein Meisterwerk, aber doch eine überzeugende Mischung aus Sci-Fi, Horror, Thriller und Drama.

In der Welt von “Antiviral” hat die Besessenheit der Menschen mit Berühmtheiten aus Film und Fernsehen bizarre Formen angenommen. In speziellen Kliniken lassen sich Fans mit den Krankheitserregern ihrer Idole anstecken, um Ihnen so nahe zu sein. In Fleischereien werden aus Stammzellen von Stars gezüchtete Steaks angeboten. Syd ist ein junger Angesteller der Lucas Clinic, für die er Viren sammelt und verkauft – bis er sich dabei mit dem mysteriösen Virus der Schauspielerin Hannah Geist infiziert. Kurz darauf ist Hannah tot, und Syd ist verzweifelt bemührt herauszufinden, ob und wie er das Virus bekämpfen kann.

“Antiviral” ist für empfindliche Zuschauer, die ungern Blut oder malträtierte Körper sehen, unbedingt zu vermeiden. Die Stimmung des Films ist absolut beklemmend, mit bescheidenen Mitteln und ohne viele Tricks schafft er eine stimmige, unbequeme und kalte Welt. In der dann viele unbequeme, unappetitliche und zum Teil auch unverständliche Dinge geschehen. Die Gesellschaftskritik des Stoffes ist unverkennbar, doch es lauern in dem vielschichtigen Film noch andere Abgründe. Nicht jede Entwicklung und jede Szene würde ich als gelungen beschreiben, doch insgesamt bietet “Antiviral” sowohl klassische Spannung als auch mutige Ideen – und dazu wahrhaft unter die Haut gehende Bilder.

4/5

Filmkritik: Broken City

Broken City PosterDrama/Thriller, USA 2013 (zum Trailer)

Regie: Allen Hughes; Darsteller: Russell Crowe, Mark Wahlberg, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper

Ein Ex-Cop (Wahlberg) observiert im Auftrag des New Yorker Bürgermeisters (Crowe) dessen Frau (Zeta-Jones). Vordergründig geht es um Untreue, aber “Broken City” macht schon im sieben Jahre vorher spielenden Prolog deutlich, dass einige wichtige Dinge im Argen liegen. Gespickt mit hochkarätigen Schauspielern entwickelt sich ein durchaus spannendes Verwirrspiel, in dem die wahren Loyalitäten und Absichten der Figuren lange unklar bleiben.

Leider entwickelt das Drehbuch den Stoff ohne sein volles Potential auszuschöpfen. Einige Finten funktionieren gar nicht, andere sind unglaubwürdig. Bei der Darstellung der politischen Medienschlacht (es stehen Wahlen an) bleibt die Glaubwürdigkeit oft auf der Strecke. Auch die Inszenierung lässt einiges liegen, visuell überzeugt der Film nur selten und einen stimmigen Erzählrhythmus gibt es auch nicht. Vor allem bei den Szenenanschlüssen fehlt es an dramaturgischer Logik – was den Zuschauer vom Verlauf der Story ablenkt.

Die Darsteller machen ihre Sache da schon besser, können aber innerhalb des sehr konstruierten Plots keine wirklich faszinierenden Charaktere zum Leben erwecken. Spannend und manchmal interessant ist “Broken City” trotzdem, was er gelungenem Handwerk und dem recht geschickten Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers zu verdanken hat. Für mehr als eine laue Empfehlung reicht es aber nicht, dafür fehlen die großen Szenen ebenso wie zumindest etwas größere Ideen.

3/5

Filmkritik: Gangster Squad

Gangster Squad PosterGangsterdrama, USA 2013 (zum Trailer)

Regie: Ruben Fleischer; Darsteller: Sean Penn, Ryan Gosling, Emma Stone, Josh Brolin, Nick Nolte

Kaum ein Genre ist so von Meisterwerken der Vergangenheit geprägt wie der Gangsterfilm. Und so sind die Erwartungen an neue Filme besonders hoch, erst recht wenn eine All-Star-Besetzung wie im Falle von “Gangster Squad” im Spiel ist. Der Film von “Zombieland”-Regisseur Ruben Fleischer erzählt die Geschichte einer inoffiziellen Cop-Truppe, die anno 1949 Mickey Cohen, dem Obergangster von Los Angeles, das Leben schwer machen soll.

Visuell durchaus reizvoll mit modernster Kamera- und Tricktechnik bietet “Gangster Squad” ausgiebige Baller- und Actionszenen. Die Story ist recht simpel und gerade heraus, kann dabei aber keine echte Spannung erzeugen. Ambivalente Charaktere sind Mangelware, was ein entscheidender Grund für die mangelnde Spannung ist. Die Cops sind allesamt Kriegsveteranen mit narbigen, aber guten Seelen, die heroisch für Recht und Ordnung kämpfen. Die Gangster gewinnen mit Ausnahme von Cohen überhaupt kein Profil und sind einfach nihilistische Monster.

Für solide Unterhaltung reicht es mit diesen Zutaten, auch wenn insbesondere die fehlende Tiefe der Story und der überschaubare Anspruch des Films das Vergnügen schmälern. Das Potential des Stoffes wird nicht richtig ausgeschöpft, der ausgerufene “Kampf um Los Angeles” kommt zu oberflächlich daher. Die Inszenierung ist geprägt von Posen und aufwendigen Sets, bietet aber kaum denkwürdige Momente oder Dialoge. Trotz der namhaften Besetzung gibt es keine einzige Figur, die interessant genug wäre um in den Kanon der großen Gangster- oder Cop-Charaktere einzugehen.

3/5

 

Filmkritik: Holy Motors

Holy Motors PosterDrama, Frankreich/Deutschland 2012

Regie: Leos Carax; Darsteller: Denis Lavant, Edith Scob

Holy Motors” beginnt ganz ähnlich wie “Cosmopolis” mit einem Mann im Anzug, der in eine Stretch-Limousine einsteigt und seinen Arbeitstag beginnt. Was folgt ist eine groteske, visuell überragende und geistig stimulierende Odyssee durch Paris, in der Hauptfigur Monsieur Oscar eine Reihe reichlich obskurer Aufgaben erledigt. Wer genau ihm diese vermittelt oder was sie genau bedeuten sollen bleibt weitgehend offen.

Tatsächlich braucht man als Zuschauer ein Faible für die Filme von Regisseuren wie Lynch und Cronenberg, um nicht entnervt das Weite zu suchen. “Holy Motors” hat viel zu bieten und lässt sich in Teilen auch entschlüsseln. Es gibt viele äußerst sehenswerte Sequenzen im Film – und auch die weniger starken sind nie langweilig. Am besten hat mir dabei die (von Regie und Drehbuch zwischen den Zeilen ausgesprochene) Einladung gefallen, sich selbst einen Reim auf das absurde Geschehen zu machen. Ich habe sie nur zu gerne angenommen. Ich kann zwar nicht sagen, ich hätte “verstanden”. aber ich kann sagen, dass ich es mit großem Vergnügen probiert habe.

5/5 

IMDB.com / Trailer

Eilmeldung: Filmriss ändert AGBs

Ich will hier bezüglich der Zukunft dieser Seite mal kurz ein paar Worte an die werte Leserschaft richten. Wie einigen schon aufgefallen sein könnte habe ich zuletzt weniger geschrieben als noch im letzten Jahr. Zwei Gründe sind hierfür zu nennen. Erstens habe ich nicht viele Filme gefunden, die ich sehen wollte. Ich hoffe, dass sich das wieder ändern wird. Und zweitens finde ich zunehmend weniger Zeit, ausführlich über die Filme zu schreiben. Das wird sich eher nicht ändern.

Nun habe ich mir folgendes überlegt: statt relativ ausführlicher Beiträge werde ich künftig kurz und hoffentlich prägnant meine Meinung kundtun. Wer eine Inhaltsangabe vermisst, dem wird ein Link zur IMDB sowie zum Trailer helfen. Genre, Regisseur und Darsteller stehen weiter oben drüber. Und ein (gutes) Poster vermittelt ja meist auch viele Informationen. Ich probiere das jetzt gleich mal mit “Holy Motors” aus…

Filmkritik: Immer Äger mit 40 (This is 40)

Immer Äger mit 40 (This is 40)Comedy/Drama, USA 2012

Regie: Judd Apatow; Darsteller: Paul Rudd, Leslie Mann, Albert Brooks, Megan Fox

Zwei Kinder, Haus mit Garten und Pool, schicke Autos, eigene Firma – Pete (P. Rudd) und Debbie (L. Mann) geht es kurz bevor sie beide 40 werden eigentlich blendend. “Immer Ärger mit 40″, die neue Komödie von Judd Apatow, beschäftigt sich mit den Tücken der Existenz von Eltern um die vierzig, die zwischen beruflichen Sorgen sowie den Launen und Nöten ihrer Kinder aufgerieben werden. Und dabei auch gern noch glücklich verheiratet wären, wenn sie denn mal Zeit hätten, an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Zwar mit ein paar guten Ansätzen und witzigen Szenen gesegnet scheitert der Film dramaturgisch früh und vollständig. Der Versuch, wirklich alle Aspekte des Familienlebens und den individuellen Ängsten und Träumen von Pete und Debbie unter die Lupe zu nehmen, gerät zu einer überlangen, mäßig unterhaltsamen Nummernrevue. Dabei hilft es natürlich auch nicht, dass die wenigen Konflikte, die für etwas Spannung hätten sorgen können, absolut voraussehbar auflösen.

Vielleicht funktioniert der Film für Menschen/Paare, die in derselben Situation stecken wie die Hautdarsteller von “Immer Ärger mit 40″. Immerhin gibt sich der Film zumindest Mühe, ihre Sorgen heraus zu arbeiten. Regisseur und Drehbuchautor Apatow, dessen Frau Leslie Mann und die zwei gemeinsamen Kinder drei Viertel der Film-Familie spielen, erzählt hier ganz offensichtlich auch aus dem eigenen Leben.

Tiefpunkt des ganzen ist übrigens – wie eigentlich immer bei Hollywood-Komödien – das große Finale. Tränenrührig, zuckersüß und heillos übertrieben findet der Film für alles eine Lösung, wie unwahrscheinlich und bekloppt sie auch sein mag. Und genau diese je nach Sichtweise entweder verlogene oder mindestens platte Botschaft macht jede scharfe und treffende Beobachtung, die “Immer Ärger mit 40″ in seinen weit über zwei Stunden macht, gleich wieder hinfällig.

2/5

 

Filmkritik: Gambit – Der Masterplan

Gambit - Der MasterplanComedy, USA 2012

Regie: Michael Hoffman; Darsteller: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Stanely Tucci

Wenn ein Film auf einem Drehbuch der Coen-Brüder basiert und mit einigen starken Darstellern besetzt ist, dann schürt das natürlich gewissen Erwartungen. Etwa, dass der Film witzig ist und einzigartige Charaktere auffährt. “Gambit” ist leider nicht sehr witzig, und die Charaktere sind nicht sonderlich faszinierend. Der Film ist eine leichte Komödie ohne große Höhepunkte – keine totale Katastrophe, aber auch keine Empfehlung. Weder für Fans der Coens noch für Freunde leichter Komödien.

Colin Firth spielt Harry Dean, einen Kunst-Kenner, der die Sammlung des schwerreichen, misanthropischen Lionel Shahbandar (Alan Rickman) betreut. Harry ist pleite und hat von Shahbandar die Schnauze voll. Er schmiedet mit seinem ‘The Major’ genannten Kumpel, einem mäßig talentierten Fälscher, einen Plan der die beiden reich machen soll. Dabei geht es um ein verschollenes Gemälde von Monet, das angeblich in Texas aufgetaucht ist – im Trailer von Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz).

“Gambit” hat jede Menge Schwächen. Das Timing der Story ist bescheiden, die Chemie zwischen den Darstellern ziemlich mau, die Dialoge haben nur wenige Highlights zu bieten und die Story plätschert so vor sich hin, ohne je für echte Spannung oder Überraschungsmomente zu sorgen. Die Figuren sind alle nicht ganz schlecht geschrieben, bleiben aber Handlanger des Plots. Der ist gar nicht so verkehrt, aber eben nur eine (in seinen besten Momente immerhin inspirierte) Variation hinlänglich bekannter Motive.

Die einzige Szene, bei der ich richtig gelacht habe, ist die, in der eine für die Handlung absolut unwichtige Person in einem völlig unwichtigen Moment plötzlich furzt. Der Rest taugt wohl mal zum Schmunzeln und Kichern, aber echte Brüller sind nicht dabei. Auf letztere könnte man in einer leichten Caper-Comedy wie “Gambit” natürlich verzichten, wenn der Film (so wie etwa “The Maiden Heist“) einfach über die gesamte Laufzeit Spaß machen würde. So aber sind die 90 Minuten Spielzeit nicht mehr als passable Unterhaltung, die man sich gut sparen kann.

3/5

 

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