Am Rande erwähnt: „Tarzan“ und „Independence Day 2“

id4_2Es gibt Filme, die würde ich mir ums verrecken nicht im Kino anschauen. Und wenn sie dann zuhause verfügbar sind, kann ich es doch nicht lassen. “Independence Day 2” ist so ein Film. Kein Mensch braucht einen zweiten Teil der Reihe, der Star der Show (Will Smith, nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere) ist ausgestiegen – und auch sonst findet sich keine Daseinsberechtigung.

Die Action – im Vorgänger wurden noch neue Maßstäbe gesetzt – ist solide, aber nicht wirklich spektakulär. Abgesehen davon, dass neue Maßstäbe im Actionbereich lange nicht gesetzt wurden (von welchem Film der letzten 5 Jahre könnte man das sagen?), krankt es in einem anderen Bereich. Das Schaulaufen der alten Helden (Jeff Glodblum, Bill Pullman) versucht mit Humor zu punkten, aber letztlich haben deren Figuren keine echte Strahlkraft. Das gilt auch für alle neuen Figuren, für die man sich kaum zu interessieren vermag. Insgesamt ist das alles sterbenslangweilig, die zwei Stunden Laufzeit wirken deutlich länger.

1/5

Legend of Tarzan PlakatBei “The Legend of Tarzan” war ich von mir selbst überrascht, dass ich irgendwie Lust hatte, mir das mal anzuschauen. Vielleicht weil es der erste “Tarzan”-Film war, den ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt habe. Ganz großer Trash natürlich, immer an der Grenze zum unfreiwilligen Humor und voller bestenfalls zweifelhaftem afrikanischem Ethno-Kitsch.

Der Film bietet ein paar schöne Bilder – Außenausnahmen wurden in Gabun gedreht, alle Szenen mit Schauspielern wohl aber im Studio, wie es aussieht. Der künstliche Look und die zum Teil schwachsinnigen Action-Szenen (200 Meter lange Lianen, die an 300 Meter hohen Bäumen hängen – welche es aber gar nicht gibt…) sind gerade so zu ertragen. Die unfreiwillige Komik macht schon wieder Spaß, auch die Besetzung (abgesehen von Tarzan selbst, aber die Figur ist auch so bekloppt, ich weiss nicht wer das glaubwürdig hätte hinbekommen sollen) mit Christoph Waltz, Samuel L. Jackson und Margot Robie macht das Beste draus. Das ist aber immer noch nichts Gutes…

2/5

Kurzkritik: „Café Society“

Cafe Society FilmplakatDrama/Comedy, USA 2016

Regie: Woody Allen; Darsteller: Kristen Stewart, Jesse Eisenberg, Steve Carell, Corey Stoll, Blake Lively, …

Woody Allens aktueller Film gehört definitiv zu den schwächeren Filmen seiner späten Schaffensperiode. Die Story hat Witz und ist gut gespielt, die Dialoge sind gewohnt meisterhaft, doch der Funke will nicht so recht überspringen.

Für Freunde des Regisseurs – und Freunde des gepflegten „Period Piece“, in diesem Fall die 30er Jahre in L.A. und New York – gibt es genug Gründe, sich das anzusehen. Alle anderen können es getrost sein lassen.

3/5

Kurzkritik: „X-Men – Apocalypse“

X-Men Apocalypse FilmplakatAction/Sci-Fi, USA 2016

Regie: Bryan Singer; Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbinder, Jennifer Lawrence, Olivia Munn, Rose Byrne, Oscar Isaac, …

Mit dem ich-weiss-nicht-wievielten „X-Men“-Film verhält es sich sehr ähnlich wie jüngst mit „Captain America – Civil War“. Alles schön anzusehen und gut gemacht, aber letztlich kein richtiger Film, sondern ein weiteres Kapitel in einer Reihe, die aus kommerziellen Gesichtspunkten gar kein Ende finden darf. Die „X-Men“-Filme waren immer dann am besten, wenn sie die inneren Konflikte der Mutanten und das schwierige Verhältnis zu den Menschen ernsthaft in den Focus gerückt haben.

„Apocalypse“ geht eher in die Richtung eines Spektakels, in dem diese Motive noch anklingen, aber eine untergeordnete Rolle spielen – schließlich muss ein wiedererweckter alt-ägyptischer Weltenknechter (unter massig CGI kaum zu erkennen: Oscar Isaac) besiegt werden. Und damit – GÄHN – ist zur Story auch schon alles gesagt. Das prominente Ensemble macht Spaß, auch das energische Tempo, welches knapp zweieinhalb Stunden sehr schnell verfliegen lässt. Das andauernde „Magnet ist gut, Magneto ist böse“-Spielchen ging mir dabei allerdings mächtig auf den Zünder…

3/5

Kurzkritik: The Neon Demon

The Neon Demon FilmplakatThriller/Drama, DÄN/FRA/USA 2016

Regie: Nicolas Winding Refn; Darsteller: Elle Fanning, Jenna Malone, Keanu Reeves

In aller Kürze: Zwischen Horrorfilm und Glamour-Groteske erzählte Aschenputtel-Story, die arg schleppend und ziellos daher kommt.

Worum gehts? Eine Teenagerin aus der Provinz taucht ein in die traumhaft-bizarre Modelszene von L.A., deren Vertreter (Agentin, Makeup-Artist, Fotograf, Kolleginnen) sie geradezu besessen in ihre Mitte nehmen.

Die gute Nachricht: Regisseur Refn („Drive“) liefert betörende bis verstörende, dabei oft eindrucksvolle Bilder.

Die schlechte Nachricht: Hinter den virtuos komponierten Bildern und den nicht immer gelungenen Schockmomenten kann man nur ansatzweise eine erzählerische Idee erkennen. „The Neon Demon“ bleibt eine Fingerübung (auf handwerklich hohem Niveau), die den Zuschauer nicht berühren kann oder will…

2/5

Kurzkritik: Captain America – Civil War

Captain America Civil War FilmplakatAction, USA 2016

Regie: Anthony & Joe Russo; Darsteller: Chris Evans, Robert Downey Jr., Daniel Brühl, Scarlett Johansson, …

Von Comic-Verfilmungen mit großen Budgets – oder wie in diesem Fall IMMENSEN Budgets von 250 Mio. $ – kann man nicht mehr erwarten, als dass sie einigermaßen niveauvoll unterhalten. Alles andere, sprich allzu viele Experimente oder Abweichungen vom Mainstream, wäre ein zu großes Risiko für das ‚Franchise‘. So gesehen ist „Civil War“ ein guter Film geworden.

Die Action macht Laune und kommt ohne einen weiteren „showdown to end all showdowns“ (wie bei „Avengers 2“) aus, die Figurenentwicklung folgt einem relativ nachvollziehbaren Weg, der Plot beleidigt nur selten die Intelligenz des Publikums. Auch die Integration des – mittlerweile dritten – Peter Parker aka Spiderman ist gelungen.

Die Handlung zeigt die Gruppe der „Avengers“ tief gespalten in der Frage, ob sie als nur sich selbst Rechenschaft schuldige Welt-Soldaten weitermachen können, oder sich unter die Aufsicht der UN zu stellen. Ausgerechnet Iron Man ist Anführer der „Pro UN“-Fraktion, Captain America steht der anderen Seite vor. Das ist alles soweit schlüssig und gut erzählt, reisst aber niemanden vom Hocker – schon weil sehr absehbar ist, wie das Ganze ausgehen wird.

Der Ton des Films ist etwas weniger albern als sonst, was dem Geschehen gut tut. Thor und Hulk glänzen mit Abwesenheit, ersterer ist glaube ich in fernen Galaxien unterwegs (war da nicht was am Ende eines vorigen Films?), letzterer hat vielleicht was auf dem Herd stehen oder dreht sein erstes „stand alone“-Feature (man muss ja bei der Reihe alles aus dem Blickwinkel des globalen Marketings sehen).

So weit, so gut also. Als kurzweilige, sehr ansehnliche Zerstreuung taugt „Captain America – Civil War“. Stören tun mich immer die gleichen Dinge. Das vergebliche Warten auf ein echtes Ende bedeutet letztlich die komplette Abwesenheit von Spannung, der große Pool neuer Superhelden hat langsam etwas arg beliebiges, die Actionszenen können bei aller technischen Brillanz keinen „Wow-Effekt“ erzeugen – man hat es alles schon so ähnlich gesehen, und man wird es noch ziemlich oft so sehen.

3/5

P.S.: Die Reihe der Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel geht derweil munter weiter. Ende des Jahres gibt sich Benedict Cumberbatch als „Doctor Strange“ die Ehre. 2017 stehen neue Filme von „Spiderman“, „Thor“ sowie „Guardians of the Galaxy 2“ an, 2018 folgt „Black Panther“ (hat hier sein Debüt gegeben), dann „Avengers – Infinity War Pt. 1“ und schließlich ein neuer „Ant-Man“. Sofern die Produzenten, Regisseure und Darsteller ihr derzeitiges Niveau halten ist mir das als Heimkino-Unterhaltung alles genehm. Nur ins Kino bringen mich ausgerechnet diese „Tentpole“-Produktionen, die einen immer größeren Teil der gesamten Kino-Einspielergebnisse Hollywoods liefern (sollen), ziemlich sicher nicht mehr…

Kurzkritik: Our Kind of Traitor

Filmplakat Our Kind of TraitorThriller/Drama, UK/FRA 2016

Regie: Susanna White; Darsteller: Ewan McGregor, Naomie Harris, Stellan Skarsgard, Damian Lewis

In aller Kürze: Solide inszenierter Agentenfilm.

Worum gehts? Eine kriselndes Ehepaar lernt im Urlaub den alternden russischen Mobster Dima kennen, der – mit ihrer Hilfe – aussteigen und als Informant überlaufen will. Doch während die britischen Behörden mit internen Widerständen kämpfen sind Dimas Kollegen bereits misstrauisch geworden.

Die gute Nachricht: Die Story ist spannend, wenn auch nicht weltbegewegend, die Dramaturgie stimmig.

Die schlechte Nachricht: Das von McGregor und Harris gespielte Ehepaar wirkt angesichts der beiden unterentwickelten Figuren wie ein Fremdkörper, der seine zentrale Stellung innerhalb des Plots nie rechtfertigen kann, und im Gegenteil der Glaubwürdigkeit schadet.

3/5

Kurzkritik: Bastille Day

Bastille Day FilmplakatThriller, UK/USA/FR 2016

Regie: James Watkins; Darsteller: Idris Elba, Richard Madden, Kelly Reilly

Es war nur eine Frage der Zeit bis ‚Everybody’s Darling‘ Idris Elba als Hauptfigur in einem Actionfilm mitspielen würde. Nun ist es soweit, in „Bastille Day“ kämpft er in Paris am französischen Unabhängigkeitstag als One-Man-Army gegen undurchsichtige Terroristen.

Der Film folgt dem US-Taschendieb Michael (Richard „Robb Stark“ Madden) auf seinem Weg durch die Hauptstadt, wo er einer Terroristin ihre Tasche klaut – inkl. Bombe. Die geht kurz danach hoch, tötet vier Menschen, verletzt dabei Michael nur leicht. Eine Kamera identifiziert ihn als vermeintlichen Attentäter

Neben der französischen Polizei kommen auch US-Geheimdienstler schnell auf Michaels Spuren, wobei der mit allen Wassern gewaschene Sean Briar (Elba) ihn als erster erwischt und zur Rede stellt. Der Plot um einen weiteren geplanten Terroranschlag und die Erpressung der Regierung ist nicht sonderlich glaubwürdig, aber durchaus angemessen.

Angesichts der vielen Terroranschläge in Frankreich in der letzten Zeit kommt „Bastille Day“ jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt (lief einen Tag vor dem Attentat von Nizza an) und trifft auch nicht eben den Zeitgeist.

Als geradliniger Actionthriller kann er über weite Strecken überzeugen, ohne dabei jedoch bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Elba taugt definitiv zum Actionhelden, hat hier aber eine sehr grob geschnitzte Figur zu spielen, die nicht wirklich spannend ist. Auch der Rest der Besetzung hält sich wacker, die Actionszenen sind erholsam frei von CGI und machen Laune. Insgesamt ein anständiger, etwas arg gefälliger Beitrag zum Genre.

3/5

Kurzkritik: Money Monster

Money Monster FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Jodie Foster; Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West

Geiselnahme im Live-TV – Lee, Moderator einer krawalligen Finanz-Show, gerät in die Gewalt des frustrierten Zuschauers Kyle, der wegen eines Anlagetipps seine Ersparnisse verloren hat.

Während Lee mit seiner Produzentin (Roberts) einen Ausweg sucht, stellt Kyle in Frage, dass der Kurssturz der Investmentfirma wirklich an einem „fehlerhaften Algorithmus“ lag. Auch außerhalb des Studios ist man um Aufklärung bemüht…

Gut gespielt und flott inszeniert bemüht sich „Money Monster“ um einen treffenden Kommentar zur Schieflage und Undurchschaubarkeit des internationalen Finanzwesens. Doch trotz ein paar guter Ideen nimmt das Geschehen einen so unglaubwürdigen Verlauf, dass man zwar noch folgen mag, sich dabei aber zusehends verwundert am Kopf kratzt.

3/5

 

Coming up – Kurze Kino-Vorschau

Es wird wieder ein Jahr mit wenigen Gängen ins Kino, soviel ist klar. Das liegt sicher auch an meiner zunehmenden Faulheit, entscheidender sind aber andere Faktoren, die mich mehr denn je stören. Erstens dauert der Gang ins Kino wegen der Werbung sehr lange, das nervt, schliesslich bezahlt man ja Eintritt. Zweitens passen die Vorführungszeiten oft nicht in meinen Alltag. 18:00 Uhr ist zu früh, 20:30 Uhr fast zu spät (weil: siehe erstens).

Das wäre aber alles irgendwie machbar, wenn es denn nur Filme gäbe, die mich ins Kino locken würden. Neben den Filmen der wenigen Regisseuren, deren Werke ich fast immer im Kino sehe (Coens, Tarantino, Wes Anderson, Scorsese, usw…), kommt da wenig bis nichts Aufregendes. Remakes, Reboots und ohne Ende Sequels von bekannten Franchises. Laaaaaaaangweilig!

Ich habe etwa an den Comic-Verfilmungen hin und wieder durchaus Spaß, aber ins Kino gehen, um den immer gleichen Mummenschanz noch mal zu gucken? Nö. Da hilft es auch nicht, dass die 3D-Technik zwar grundsätzlich faszinierend ist, de facto aber einen mittelmäßigen Film nicht wirklich besser macht – die Tickets aber deutlich teurer.

So, genug geschimpft. Hier eine kurze Auswahl von Filmen, die in den nächsten Monaten anlaufen. Es ist genau einer dabei, den ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kino sehen werde…

Star Trek – Beyond
Auf den mittlerweile dritten Teil des Reboots verspüre ich wenig Vorfreude. Man wird sich das schon ansehen können, und Idris Elba ist immer gut – aber ins Kino…nee, lass mal.

Wiener Dog
Der neue Film von Todd Solondz, dessen „Happiness“ (und mit Abstrichen auch „Storytelling“) ich vor 15 Jahren faszinierend und verstörend fand. Realistisch betrachtet sicher eher Kost für zuhause…

Ghostbusters
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das (über ein paar gelungene Jokes hinaus) Spaß machen könnte . „Ghostbusters“ ist eine schöne Erinnerung an die Kindheit, für ein Remake – egal mit welcher Besetzung – habe ich keinen Bedarf.

Julieta
Neuer Film von Pedro Almodovar, den ich eigentlich sehr schätze. Ich werde mal den Trailer checken…

Jason Bourne
Erste Kritiken waren nicht sonderlich positiv, trotzdem denke ich dass „Jason Bourne“ mein offizieller Bond-Ersatz des Jahres wird – und also auch im Kino geguckt wird.

Suicide Squad
Der Trailer zum Start einer weiteren Comic-Reihe (die die Welt ja dringend braucht) sieht fürchterlich aus, ich denke ich werde hier abwarten und gegebenenfalls später zuhause „zuschlagen“…

Now You See Me 2
Hurra, eine Fortsetzung! Im Ernst, Teil eins hat Spaß gemacht, aber noch mal muss das jetzt auch nicht sein. Und der Trailer liefert auch keine schlagenden Argumente.

Ben Hur
Hurra, ein Remake! Jetzt mal ehrlich, wer kam denn auf diese bescheuerte Idee?

Die glorreichen Sieben
Hurra, noch ein Remake! Wait…what!? Neugierig bin ich schon…

Inferno
Neue Dan-Brown-Verfilmung, wie immer mit Tom Hanks als Klugscheisser Robert Langdon. Das Buch ist – ebenfalls wie immer – großer Trash. Ich glaube, dem Film gebe ich trotzdem eine Chance.

Serien-Tipp – Stranger Things

Stranger Things PlakatEine ziemlich gelungene Mischung aus Stephen King (Kleinstadt- und Horrormotive), Twin Peaks, Donnie Darko, E.T. und Highschool-Drama serviert Netflix in der neuen Eigenproduktion „Stranger Things“. Atmosphärisch, mit guten Darstellern und einer im positiven Sinne angemessenen Story (ich bin bei Folge sechs von insgesamt acht) kann die Serie überzeugen, wenn sie mich (allein thematisch) auch nicht richtig begeistern kann. Trotzdem sammelt Netflix weiter gute Argumente für die 10 Euro, die ein Abo kostet.

Kurzkritik: Everybody Wants Some!!

Everybody Wants Some FilmplakatComedy/Drama, USA 2016

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Blake Jenner, Tyler Hoechlin, Ryan Guzman

Richard Linklater hat mit „Everybody Wants Some!!“ eine Art inoffizielle Fortsetzung von „Dazed & Confused“ gedreht. Und ich bin froh berichten zu können, dass er es dabei tatsächlich schafft, die Fans nicht zu enttäuschen. Die Mittel sind dieselben wie vor über 20 Jahren: eine Handlung ohne Plot, ein großartiger Soundtrack, dazu eine unbekümmerte Darstellerriege, wunderbare Charaktere und brilliante Dialoge.

Zu Beginn des Films kommt Jake (B. Jenner) als Erstsemester in einer kleinen Universitätsstadt an, wo er ein Baseball-Stipendium bekommen hat. Gemeinsam mit seinen neuen Teamkameraden geniesst er die freien Tage vor Beginn des Semesters. Die Jungs hüpfen von Party zu Party, messen sich in allen erdenklichen großen und kleinen Spielen miteinander, rennen Mädels hinterher, reden Blödsinn und geben im Training mehr oder weniger viel Gas.

Man darf das alles unspektakulär und sogar langweilig finden, denn an einer klassischen Figurenentwicklung ist der Film ebenso wenig interessiert wie an einer Story. Es sind die Details und die Zwischentöne, die „Everybody Wants Some“ auszeichnen, das geniale Gespür des Regisseurs für die Details und sensible Innenleben der Figuren.

Bei allem – bisweilen auch derben – Humor wirft Linklater einen mitfühlenden bis liebevollen Blick auf seine Charaktere, gibt selbst die spleenigsten nie der Lächerlichkeit Preis und nimmt das Publikum für seine bunte Truppe mit spielerischer Leichtigkeit ein. „Everybody Wants Some!!“ kommt zeitlos und als authentisches Portrait einer Generation daher, die zwei Stunden Laufzeit vergehen schon wegen des vielen Gelächters wie im Flug.

5/5

 

Kurzkritik: Criminal

Criminal FilmplakatThriller/Action, USA/UK 2016

Regie: Ariel Vromen; Darsteller: Ryan Reynolds, Kevin Costner, Gal Gadot, Gary Oldman, Tommy Lee Jones

Der deutsche Titel „Das Jericho-Projekt – Im Kopf des Killers“ passt tatsächlich besser zu diesem trashigen Thriller als der minimalistische Originaltitel. Der Plot ist selten bekloppt: CIA-Agent Bill (R. Reynolds) ist in London einem Mega-Bösewicht auf der Spur, der per Hackerangriff die Welt zerstören will (oder zumindest einen Teil davon). Bevor Bill wertvolles Wissen, wie die Katastrophe zu verhindern ist, weitergeben kann, wird er ermordet.

Deshalb werden seine Erinnerungen operativ dem Soziopathen und Gewaltverbrecher Tom Jericho (Kevin Costner) eingepflanzt, der – extra aus den USA eingeflogen – den Karren aus dem Dreck ziehen soll. Natürlich spielt der das Spiel der CIA-Bosse nicht lang mit und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach einem Batzen Geld, den Bill für irgendeine Art von Übergabe vor seinem Tod versteckt hat.

Vollkommen ‚over the top‘ und (trotz der hochkarätigen Besetzung) zu keiner Zeit ernst zu nehmen ist „Criminal“ ein gutes Beispiel für einen schlechten Film, der trotzdem Spaß machen kann (mir fällt zum Vergleich am ehesten „Face/Off“ ein, wobei der noch einen Tick beknackter ist). Zugegeben, die Erwartungen muss man entsprechend runterschrauben, damit das funktionieren kann. Das Publikum wird von Anfang an dazu animiert mit dem Brutalinski Jericho zu sympathisieren, dessen Verkörperung Kevin Costner sichtlich Spass macht (ohne dass er Jerichos „Wandlung“ wirklich überzeugend spielen könnte, dafür ist die Story aber auch viel zu dämlich).

Es fliegen schnell die Fetzen, das Erzähltempo ist hoch genug, um die vielen Ungereimtheiten des Plots in den Hintergrund zu drängen. „Criminal“ nimmt sich selbst nicht ganz ernst, was der Handlung zwar irgendwie in den Rücken fällt, wegen deren offenkundiger Rammdösigkeit jedoch auch nicht stört. Die Stars holen sich hier weitgehend auf Autopilot ihre Gagen ab, was man ihnen kaum verübeln kann (Tommy Lee Jones und Gary Oldman etwa sind aber auch auf Autopilot noch großartige Schauspieler).

Insgesamt ein Film, den die Welt nicht braucht. Und gleichzeitig einer, der sich zur niveauarmen Berieselung zum Ende eines anstrengenden Arbeitstages ziemlich gut eignet – sofern man eine kleine Schwäche für trashige Thriller mitbringt…

3/5

Kurzkritik: A Bigger Splash

A Bigger Splash FilmplakatDrama, ITA/FRA 2015

Rockstar Marianne (Tilda Swinton) erholt sich mit ihrem Lebensgefährten Paul (Matthias Schoenaerts) auf der abgelegenen Mittelmeer-Insel Pantelleria. Weil sie ihre Stimme schonen muss kommuniziert sie fast ausschliesslich mit Händen und Füßen. Als ihr Ex-Lover Harry (Ralph Fiennes) urplötzlich mit seiner attraktiven jungen Tochter Penelope (Dakota Johnson) auftaucht entwickelt sich langsam, aber unaufhaltsam ein Drama, bei dem sich das Verhältnis der Figuren zueinander mehrfach verschiebt.

„A Bigger Splash“ ist in allen Hauptrollen hervorragend gespielt, setzt geschickt die malerischen Landschaften in Szene und bleibt bis zum Finale glaubwürdig und spannend. Das etwas schleppende Tempo ist Teil des Plans, ebenso wie die nur bruchstückhaft servierten Infos über die Vergangenheit der Charaktere (was als Kunstgriff in Ordnung geht, der Story aber einen Teil ihrer Wirkung nimmt). Insgesamt auf jeden Fall eine Empfehlung für Freunde des gepflegten Dramas.

4/5

Serien-Tipp: Hap & Leonard

Mir was das was – auch, aber nicht nur, weil Michael Kenneth „Omar“ Williams von „The Wire“ dabei ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Ex-Soldaten und Lebenskünstler, die in Texas allerlei „Abenteuer“ durchleben. Die Serie braucht einige ihrer sechs Folgen, um in die Gänge zu kommen, aber das hat Methode. Der produzierende Sundance Channel hat offenbar vor, die Figuren langsam weiter zu entwickeln. Das ganze basiert auf der Roman-Reihe von Joe R. Lansdale, die kurze erste Staffel (6 Folgen) macht Lust auf mehr – und eine zweite Staffel ist auch schon beauftragt.

(Läuft in Deutschland bei Amazon Prime)

Kurzkritik: Green Room

Green Room FilmplakatHorror/Drama, USA 2015

Regie: Jeremy Saulnier; Darsteller: Anton Yelchin, Imogen Poots, Joe Cole

Die Mitglieder einer Punkband werden im Backstage-Bereich eines abgelegenen Clubs Zeugen eines Gewalt-Verbrechens. Schnell wird klar, dass die Betreiber des Etablissements kein Interesse daran haben, die Sache von der Polizei aufklären zu lassen. Die Lage eskaliert in einem brutalen, kammerspiel-artigen Überlebenskampf der Musiker und einer Zeugin im Kampf mit finsteren, massiv bewaffneten Skinheads.

Bei den allermeisten Filmen, die sich vom Schauplatz her so arg beschränken wie „Green Room“, und mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren auskommen, bleibt irgendwann die innere Logik der Story auf der Strecke. In diese Falle tappt der Film hier nicht, wobei ich gestehen muss, dass ich die Logik in den Aktionen der durch den Club-Boss (gespielt von Patrick Stewart) angeleiteten Schergen nie so ganz verstanden habe. Immerhin kam nicht der Moment in dem ganz offensichtlich das Drehbuch die Logik bestimmt…

Die Gewalt im Film ist drastisch, neben diesen Schockmomenten lebt „Green Room“ von der intensiven, beklemmenden Atomsphäre und den starken Darstellern. Mir hat das über die 90 Minuten Laufzeit durchaus gefallen, wobei ich nicht behaupten könnte, dass mich der Film sprichwörtlich an den Sitz gefesselt hätte. Für Genre-Fans sicher eine Empfehlung, alle anderen können auch die Finger davon lassen.

3/5