Kurzkritik: Midnight Special

 

Midnight Special FilmplakatDrama/Sci-Fi/Thriller, USA 2016

Regie: Jeff Nichols; Darsteller: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver

Zwei Männer und ein Kind flüchten mit dem Auto durch den Südwesten der USA. Die Polizei und sogar das Militär ist ihnen auf den Spuren, die Nachrichten berichten landesweit. Aber nur langsam lässt „Midnight Special“ sein Publikum wissen, was eigentlich gespielt wird.

Das Szenario hat man so ähnlich durchaus schon mal im Kino gesehen. Das besondere liegt hier darin, dass der Film einen Spagat zwischen ernstem Drama und klassischem Unterhaltungskino versucht – und dieser fast durchweg gelingt.

Mit Elementen aus Fantasy bzw. Science-Fiction, Road Movie, Thriller und Familiendrama geht „Midnight Special“ einen eigenen Weg. Gut dosiert setzt er visuelle Effekte ein, die das Geschehen bereichern, ohne den dramatischen (und mysteriösen) Szenen die Show zu stehlen.

Für ein Mainstream-Publikum ist der Film sicher nichts, dafür erwartet er vom Publikum zu viel Geduld, liefert zu wenige Erklärungen oder Schock-Effekte. Wer sich auf den Film einlässt, ohne diese Dinge zu erwarten, wird ziemlich sicher seine Freude an „Midnight Special“ haben.

4/5

Kurzkritik: Eye in the Sky

Eye in the Sky FilmplakatThriller/Drama, UK 2015

Regie: Gavin Hood; Darsteller: Helen Mirren, Alan Rickman, Aaron Paul

In aller Kürze: Cleverer und spannender Blick auf den aktuellen Kampf gegen Terrorismus und die Rolle moderner Kriegstechnik.

Worum gehts? In einer gemeinsamen Aktion wollen britische, amerikanische und kenianische Soldaten eine Terrorzelle bei Nairobi hochnehmen. Dabei kommt es zu Komplikationen – sowohl beim Einsatz selbst als auch hinter den Kulissen bei den militärischen und politischen Entscheidungsträgern.

Die gute Nachricht: „Eye in the Sky“ arbeitet mit einem glaubwürdigen Szenario (leichte Abstriche muss man hin und wieder machen), in dem starke Darsteller agieren. Dabei wird eine Menge ‚Suspense‘ geboten, aber auch die Themen der zwiespältigen Legitimität und Notwendigkeit vom Antiterror-Kampf ausgewogen behandelt.

Die schlechte Nachricht: An einigen wenigen Stellen scheint die Logik der Handlung unterbrochen – was zum Glück nie den Erzählfluss als ganzes unterläuft.

4/5

Kurzkritik: The Nice Guys

The Nice Guys FilmplakatRegisseur Shane Black wiederholt in der Krimi-Komödie „The Nice Guys“ weitgehend die Erfolgsformel von „Kiss Kiss Bang Bang“. Ein verworrener Plot, der wenig Sinn, dafür eine Menge Spaß macht, ein ungewöhnliches Detektiv-Duo, viele gute Sprüche, slapstickhafte Gewaltausbrüche, vorgetragen von gut gelaunten Darstellern. Angesiedelt ist die Handlung diesmal Ende der 70er Jahre.

Russell Crowe spielt Healey, einen kantigen Brutalinski, der als inoffizieller Privatdetektiv sein Geld mit der Einschüchterung von vermeintlichen Bösewichtern verdient. Sein Weg kreuzt sich mit dem von March (Ryan Gosling), einem tölpelhaften „echten“ Privatdetektiv und alleinerziehenden Vater. In was für einen Plot die beiden geraten ist müßig zusammenzufassen – es geht um eine oder zwei verschwundene junge Frauen, die Pornoszene und Politik. Das ist aber auch egal, der Weg ist das Ziel.

Was den Film trägt sind die beiden Hauptdarsteller, die weitgehend gelungenen – oftmals reichlich albernen – Dialoge, das stimmungsvolle Setting und das hohe Tempo. Glaubwürdigkeit und Kohärenz sind nicht die Stärke von „The Nice Guys“, als Comedy funktioniert der Film ausgezeichnet. Vorausgesetzt, man kann über derbe Sprüche und „witzig“ inszenierte, drastische Gewaltszenen lachen.

Wie schon in „Kiss Kiss Bang Bang“ wird Los Angeles zum heimlichen Hauptdarsteller, kreuz und quer fahren die Protagonisten in schicken „Vintage“-Kisten durch den hügeligen Teil der Stadt, ohne je wirklich ein Ziel zu erreichen. Ihnen dabei zuzusehen ist äußerst unterhaltsam – sofern man nur nicht das Niveau des großartigen (und nicht unähnlichen) „Inherent Vice“ erwartet.

4/5

 

Heimkino – Michael Moores „Where To Invade Next“

Where To Invade Next FilmplakatJa, es gibt Michael Moore noch. Tatsächlich ist ihm mit „Where To Invade Next“ ein richtig guter Film gelungen, wenn auch vielleicht keiner, auf den die Filmwelt gewartet hat. Immerhin beschäftigt sich der Filmemacher hier nicht mit einer Katastrophe der jüngsten Vergangenheit. Oder besser gesagt mit keiner konkreten Katastrophe. Moore fährt – nach einer provokanten, witzig vorgetragenen Einleitung – in die alte Welt, um dort politische Ideen zu finden, die die USA voranbringen können.

Der Hintergedanke ist denkbar einfach. Die „City Upon A Hill“ ist längst in vielerlei Hinsicht kein leuchtendes Vorbild von Demokratie, Freiheit und Wohlstand mehr. Moore nimmt diesen Faden auf. Seine „Entdeckungsreise“ changiert zwischen gespielter Ungläubigkeit seinerseits und ernsthafter Fassungslosigkeit seitens der Polizisten, Politiker, Arbeiter und weiteren Personen, die Moore vor die Kamera bringt.

Dabei hat er wenig von seiner Kompromisslosigkeit verloren, schlägt aber einen insgesamt doch etwas versöhnlicheren Ton an. Zur Sprache kommen das Schulessen Frankreichs, die Gefängnisse Norwegens, die deutsche Erinnerungskultur und viele ähnliche Themen. Moore macht keinen Hehl daraus, dass er besonders positive Eigenheiten von anders tickenden Nationen präsentiert, keine simplen Lösungsansätze.

Natürlich ist diese Herangehensweise nicht wissenschaftlich, sondern politisch aufgeladen und pointiert. Doch es gibt viele Momente im Film (oft sind es die ruhigen, sorgfältig vorbereiteten) die im besten Sinne vor Augen führen, wie man anno 2016 noch einen relevanten politischen Dokumentarfilm drehen kann.

Moore gibt hier weniger den linken Demagogen als in früheren Filmen. Stattdessen verweigert er sich der negativen politischen Debatte der USA komplett, und führt positive Beispiele dafür an, was kluge Politik für seine Bürger leisten kann. Dass es überhaupt in einer Demokratie genau darum gehen sollte, gerät angesichts der alltäglichen Grabenkämpfe oft genug in Vergessenheit. „Where To Invade Next“ ist eine willkommene Erinnerung daran.

4/5

TV-Serien – Mehr oder weniger aktuelle Empfehlungen…

Mein persönliches Serienprogramm habe ich zuletzt deutlich heruntergefahren. Wegen zuletzt mieser Staffeln habe ich „Homeland“ und „House of Cards“ abgeschenkt, „The Walking Dead“ wegen allgemeiner Ziellosigkeit und den endlos wiederkehrenden, fürchterlich ermüdenden Zombiegemetzeln, „Halt and Catch Fire“ weil es mir zu öde wurde (auch wenn die Serie durchaus Klasse hat), „Daredevil“, weil mich Look und Story nicht überzeugt haben, mit „Jessica Jones“ habe ich nicht mal mehr angefangen.

Mir scheint, dass ich auch mit den zweiten Staffeln von „Bloodline“ und „Narcos“ eher nicht warm werde, aber das bleibt abzuwarten.

Damit verbleiben die folgenden Kandidaten:

Rectify“ – Die vielleicht beste Drama-Serie zur Zeit geht in diesem Sommer in die vierte Staffel.

Fargo“ – Nach zwei sehr guten Staffeln ist dieses Jahr Pause, bevor es 2017 (wie üblich) komplett von vorne losgeht. Wenn das Niveau gehalten wird wäre das ein große Leistung.

Game of Thrones“ – Die Saga um Westeros und die sieben Königreiche ist als Fantasy-Spektakel eigentlich weit von meinem Geschmack entfernt. Aber es ist eben „Game of Thrones“ und ich ziehe den Hut vor der Leistung aller Beteiligten.

The Knick“ – Ich kann oft genug nicht hinsehen, wenn Clive Owen und seine Kollegen auf dem OP-Tisch losmetzeln, aber die Serie hat Klasse.

The Leftovers“ – Die 180°-Wende der zweiten Staffel war im positiven Sinne interessant, trotz einer gewissen Skepsis, was das eigentlich noch werden soll, bleibe ich erstmal am Ball.

The Fall“ – Die stimmungsvolle Krimiserie aus Nordirland überzeugt durch Spannung und gute Darsteller.

Vinyl“ – Die erste Staffel war tatsächlich eher enttäuschend, ich werde der zweiten aber definitiv eine Chance geben.

Ray Donovan“ – Obwohl die Serie nicht das ganz große Niveau besitzt stimmt für mich bisher die Mischung aus Spannung, Humor und Entertainment.

Billions“ – Das Duell zwischen Finanz-Milliardär und Staatsanwalt (gespielt von Damian „Homeland“ Lewis und Paul „Sideways“ Giamatti) hat Höhen und tiefen. Ob ich mir das weiter ansehe ist bestenfalls unsicher.

PS: Mit „Masters of Sex“ habe ich angefangen, und bin froher Hoffnung damit weiterzumachen.

PPS: „Making of A Murderer“ und „Show Me A Hero“ hatte ich bereits in älteren Beiträgen empfohlen, die taugen natürlich immer noch…

Serientipp – The Night Manager (Amazon Video)

The Night Manager - MiniserieBasierend auf einem Roman von John le Carré aus dem Jahr 1993 erzählt „The Night Manager“ von einem Ex-Soldaten, der einem internationalen Waffenhändler aus eher persönlichen Gründen das Handwerk legen will. Schauplätze sind u. a. Kairo, Mallorca, London und die Türkei.

In der Hauptrolle glänzt Tom Hiddleston, der hier ein offenkundiges Bewerbungsschreiben als nächster Bond-Darsteller abgibt. Mir wäre es genehm, der neue 007 wäre ’suave‘ und smart – das könnte sehr gut passen.

Hugh Laurie überzeugt als Bösewicht, der – wie in einer eindrucksvollen Szene gegen Ende der Serie deutlich wird – nach bester Joker-Manier „die Welt einfach nur brennen sehen“ will.

Insgesamt erfindet die Serie das Krimi-Genre nicht neu, sorgt aber für niveauvolle Spannung und muss sich bezüglich der Inszenierung nicht vor ähnlichen Kinofilmen verstecken. Ich schreibe das übrigens alles, ohne die letzte Folge gesehen zu haben – das werde ich genau jetzt tun und meine positive Meinung zu „The Night Manager“ hoffentlich danach nicht revidieren oder einschränken müssen….

Was ist hier eigentlich los?

Da ich festgestellt habe, dass mir für ausführliche Kritiken immer häufiger die Zeit fehlt (oder ich sie mir nicht nehmen will, das Ergebnis ist dasselbe), werde ich nun häufiger formlose Kommentare zum Film- und Fernsehgeschehen abgeben.

Komplett mitlesen kann man auch bei Facebook, wo alle Einträge erscheinen werden, und natürlich über RSS. Ob ich auch bei Twitter aktiv werden will habe ich noch nicht entschieden, werde das aber gegebenenfalls hier kundtun.

Rückmeldungen und Anregungen sind weiterhin über alle Kanäle jederzeit genehm.

Mein erster (und potentiell auch schon wieder letzter) deutscher Film des Jahres

Filmplakat - Der Staat gegen Fritz BauerNachdem „Der Staat gegen Fritz Bauer“ neulich diverse Filmpreise abgeräumt hat, habe ich das mal zum Anlass genommen mir den Film anzusehen. Und ich kann vermelden, das er mir gut gefallen hat. Eine überzeugend gespielte, solide inszenierte Geschichtsstunde (bewusst nicht als Geschichts-Thriller angelegt), die interessant ist und dabei auch Spaß macht. Lediglich der arg moralische Tonfall und die etwas platte Einteilung der handelnden Personen in gute und böse Figuren haben mich etwas gestört. Unter dem Strich aber definitiv empfehlenswert.

PS: Dass die Argentinien-Szenen wohl kaum in Argentinien gedreht wurden und auch nicht wirklich so aussehen, ist mir auch (negativ) aufgefallen. Aber wo sollte auch das Budget für sowas herkommen?

Lebenszeichen – „Deadpool“ und „Zoolander 2“

Ich habe lange nichts geschrieben hier, was mehrere Gründe hat. Um genau zu sein zwei. Erstens habe ich wenig Zeit und Lust, längere Beiträge zu schreiben, zweitens war das Filmangebot zuletzt wieder äußerst mau.

Einfach mehr über Serien zu schreiben war eine Idee, die mir in dieser Zeit kam. Aber das ist zeitlich ein Fass ohne Boden und daher unrealistisch. Ich überlege, ob ich nicht etwa bei Twitter aktiv werden sollte, um ein paar mehr kurze Einschätzungen und Kommentare absondern zu können. Streng genommen ginge das natürlich auch hier auf dem Blog….mal sehen.

Deadpool
„Deadpool“ spielt geschickt mit Genre-Konventionen, unterläuft Erwartungen und inszeniert sowohl die Figur wie den Film an sich als liebenswerten, politisch unkorrekten Underdog. Das macht Spaß, bleibt aber auch wegen der beliebigen Story (kann ich nix außergewöhnliches dran finden) kaum im Gedächtnis hängen. Als Komödie geht das insgesamt in Ordnung, ein großer Wurf oder besonders originell ist es leider nicht. Don’t believe the hype. (3/5)

Zoolander 2
Lange ist es her, aber die Erinnerung ist einigermaßen frisch – was habe ich über Teil eins gelacht. Die Fortsetzung ist – wie man bereits befürchten musste – leider ein totaler Rohrkrepierer. Es gelingt schlicht nicht, das Szenario und die Figuren noch einmal zu neuem Leben zu erwecken. Es reicht nur für eine uninspirierte, lahme Nummernrevue, die selten komisch ist und keine neuen Ideen hat. Schade, aber nicht überraschend. (2/5)

Filmkritik: Batman v Superman – Dawn of Justice (3D)

Batman v Superman - Dawn of Justice FilmplakatFantasy/Action, USA 2016

Regie: Zack Snyder; Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg, Gal Gadot, Jeremy Irons

Nichts geringeres als DCs Antwort auf Marvels „Avengers“ drängt mit „Batman v Superman“ auf die Leinwand, die finale Zusammenführung zweier (oder genauer mindestens dreier) Helden aus demselben Comic-Universum. Eine Riesenspektakel also mindestens, dazu die Einführung eines neuen Batman-Darstellers. Mit Ben Affleck traf das Studio da eine äußerst umstrittene Wahl. Seit Monaten bläst das Marketing Trailer und Bilder in die Welt, die ich weitgehend gemieden habe – ich hatte Lust, mir den Film ohne zu viel Vorgeschmack anzusehen.

Geholfen hat das leider wenig, denn „Batman v Superman – Dawn of Justice“ ist ein ziemlich freudloses Spektakel geworden. Was keinesfalls am düsteren Ton des Films liegt. Denn dass man sich hier vom Gekasper der „Avengers“ absetzen wollte ergibt (auch angesichts der nicht eben für ihren Humor bekannten Helden) durchaus Sinn.

Die Probleme beginnen mit dem wenig glaubwürdigen Szenario, in dem sich Batman und Superman in die Haare kriegen wie zwei achtjährige Bengel, die darum streiten wer das derbste Spielzeug hat. Auch ist total offensichtlich, dass dieser Showdown kein echter ist – DC bzw. das Studio Warner wird ja hier nicht seine beiden Cashcows in ein Celebrity Death Match schicken. Zumal mit Lex Luthor (den Jesse Eisenberg als clownesken Nerd spielt) der echte Bösewicht immer präsent ist.

Die Story verdient ohnehin diesen Namen nicht, was nicht anders zu erwarten war. Stören tut es trotzdem, weil sie auch in einer anderen Disziplin scheitert: das Geschehen wie geölt von Action-Highlight zu Action-Highlight zu geleiten, und dabei gerne auch noch für ein paar gelungene Sets und Szenen zu sorgen.

Überhaupt ist die Action eine Enttäuschung. Nicht der Effekte wegen, die hat man sich was kosten lassen. Aber Ideen sind Mangelware, es stellt sich kein „Wow“-Gefühl ein. Stattdessen wird am Ende ein Riesenmonster serviert, wie man es in den letzten 15 Jahren allzu oft so oder ähnlich gesehen hat. Der Plan war wohl, die ganze Chose durch den Dauer-Bombast so mit Bedeutung aufzuladen, dass es trotzdem irgendwie durchgeht. Fail.

Immerhin, es ist nicht alles schlecht am Film. Der mächtige Soundtrack von Junkie XL und Hans Zimmer hat mir gut gefallen. Das Set Design, die Kostüme und die Optik insgesamt können sich sehen lassen. Ben Affleck ist kein schlechter Batman, hat aber einige der miesesten Szenen abbekommen (etwa die kurze „Bruce Wayne-trainiert-wieder“-„Rocky-Balboa-Gedächtnis“-Szene). Der Rest der Besetzung ist solide bis gut ausgewählt (Gal Gadot als Wonder Woman, Jeremy Irons als Butler Alfred, Holly Hunter als aufrichtige Senatorin), wobei mir der schon erwähnte Jesse Eisenberg als junger über-nerdiger, beinahe Richtung Joker grimassierende Lex Luthor, eher auf den Geist ging.

Es überwiegt letztlich deutlich die Enttäuschung, in den gut zweieinhalb Stunden Laufzeit nur wenige starke Momente erlebt zu haben. An so unfassbar teure Großproduktionen braucht man in vielerlei Hinsicht ohnehin keine großen Ansprüche stellen, das ist (leider) klar. Es fehlt an guten Ideen, die das Publikum über das Spektakel hinaus für die Figuren einnehmen könnten. Die Inszenierung eines Showdowns zwischen dunklem Rächer und gottgleichem Erlöser bleibt oberflächlich und unglaubwürdig. Und schlussendlich ist der Entertainment-Faktor einfach zu gering.

2/5

PS: Wie ich höre hat Regisseur Zack Snyder für Comic-fans jede Menge Anspielungen auf die Vorlagen eingebaut – die konnten mir nicht auffallen, und machen den Film für Nicht-Comicleser auch leider nicht besser…

 

Filmkritik: Point Break

Point Break FilmplakatAction, USA/DE/CHN 2015

Regie: Ericson Core; Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracy, Ray Winstone, Teresa Palmer

Dass ein Remake von „Point Break“ in die Hose gehen könnte war klar. Das Original mit Keanu Reeves und Patrick Swayze passte einfach perfekt in seine Zeit und macht – trotz zahlreicher Schwächen und beträchtlichem Trash-Faktor – bis heute Spaß.

Nun haben die Produzenten versucht, das Geschehen in die Gegenwart zu überführen, und sie machen dabei so ziemlich alles falsch. Los geht es mit der Fehlbesetzung der Hauptrolle, Luke Bracey als Johnny Utah hat genau keinen Charme und auch sonst außer einem durchtrainierten Körper nichts zu bieten. Das „Update“ der Story selbst ist noch bescheuerter und unglaubwürdiger als das Original, was gar nicht so leicht ist. Die pseudo-politische Dimension des ganzen ist einfach nur grottig.

Die Handlung ist dem neuen „Point Break“ aber auch total egal, der Film ist eine einzige Abfolge von Actionszenen in „Red Bull TV“-Optik. Es wir gesurft, Motocross und Snowboard gefahren, sogar „im-Flügelanzug-vom-Berge-hüpfen“ ist Teil des Plans. Doch weder findet eine Entwicklung der Figuren statt, noch ist das alles so spektakulär, dass es einem egal wäre. Einzig Edgar Ramirez als Bodhi kann halbwegs überzeugen, gegen das langweilige Script und seine minderbegabten Kollegen ist aber auch er machtlos.

Das Original hatte mit Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busy und Lori Petty vier in ihren Rollen überzeugende Schauspieler, der Film entwickelte trotz der bewussten Oberflächlichkeit Spannung. Die Macher dieses Remakes scheinen nicht verstanden zu haben, was an diesem Material funktioniert hat und warum. Das Resultat ist eine erbärmliche Fingerübung, von der man sich besser fernhält.

2/5

Filmkritik: The Big Short

The Big Short FilmplakatDrama/Comedy, USA 2015

Regie: Adam McKay; Darsteller: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling

Zur Finanzkrise wurden einige sehenswerte Filme gemacht, „Margin Call“ etwa, oder zuletzt „99 Homes“. Hier reiht sich auch „The Big Short“ ein, der basierend auf dem gleichnamigen Buch die Geschichte mehrerer Finanz-Akteure kurz vor der Subprime-Krise in den USA erzählt. Dabei wagt der Film den Spagat zwischen gesellschaftskritischem Drama und beschwingten Comedy-Elementen – was überraschend gut gelingt.

Der exzentrische Hedgefond-Manager Michael Burry (Bale) kommt zwei Jahre vor dem Ausbruch der Krise auf die Idee, sich die im Bündel gehandelten Hauskredit-Pakete mal ganz genau anzuschauen. Was er dabei entdeckt führt ihn direkt in die Management-Etagen der großen Bankhäuser. Durch Zufall bekommen weitere Finanz-Player Wind von Burrys These, dass da mit den Zahlen was nicht stimmt – sind aber erstmal skeptisch, ob diese der Realität standhält.

Mit Leichtigkeit und erzählerischem Witz geht „The Big Short“ den Dingen auf den Grund. Der Film gibt sich redlich Mühe, die komplizierteren Produkte und Mechanismen der Finanzmärkte spielerisch auf den Punkt zu bringen. Dazu werden auch mal Prominente bemüht, die sich – wie der Erzähler des Films – direkt ans Publikum wenden.

Dass die Story des Films funktioniert hat mit den stark gespielten Underdogs zu tun, die hier gegen die globale Banking-Industrie inkl. Rating-Agenturen (wenig überraschend die Bösewichter des Films) antreten. Das sind keine „kleinen Leute“ mit Hass auf den Kapitalismus. Sondern kluge Köpfe, die die Märkte kennen und fassungslos mit dem Kopf schütteln, als sie das wahre Ausmaß der Fehlleistungen und Täuschungen erkennen, die maßgeblich für die Krise verantwortlich waren.

Dass die Hauptfiguren von der sich anbahnenden Megakrise finanziell profitieren wollen macht sie nicht sympathischer. Doch genau damit gewinnt „The Big Short“ etwas ganz essenzielles – Glaubwürdigkeit. Es werden nicht einfach alle Menschen, die im Kapitalismus Geld verdienen wollen, an den Pranger gestellt. Die Sache ist deutlich komplizierter.

Sicher ist es leicht nach ein paar Jahren mit dem Finger auf die Schuldigen zu zeigen und „Skandal“ zu schreien. Doch der Film findet die richtigen Bilder, erweckt das Zahlenspiel in vielen starken Szenen zum Leben. Es geht nicht um sensationelle neue Erkenntnisse, sondern um die systemimmanenten Mechanismen des Versagens von Märkten und allzu menschlichen Marktteilnehmern.

5/5

Filmkritik: Hail, Caesar!

Hail, Caesar! FilmplakatComedy, USA 2016

Regie: Joel & Ethan Coen; Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson

Einen neuen Film der Coen-Brüder schaue ich immer gern. Bei „Hail, Caesar!“ hatte ich allerdings leichte Zweifel, ob mir das so richtig Spaß machen würde – der Trailer sah gut aus, dabei aber ziemlich glatt und gefällig. Doch clever wie sie nun mal sind haben die Coens im Trailer einiges verschwiegen – und sich die besten Szenen und Überraschungen für den Film aufgespart.

Das Setting ist Hollywood in den 50er Jahren. Eddie Mannix (Brolin) leitet das „Capitol“-Filmstudio, muss die Stars bei Laune halten, mit den Klatschreportern fertig werden, dann zusehen, dass der neueste Jesus-Film keine Religion beleidigt (eine der besten Szenen des Films) und schließlich einem wichtigen Regisseur (Fiennes) dringend einen neuen Hauptdarsteller besorgen. Als wär das alles nicht genug wird Baird Whitlock (Clooney), einer der größten Stars des Studios, entführt.

Die Coens haben großen Spaß daran, sich in dem Setting – und den wunderbar gestalteten Sets – des alten Hollywood auszutoben. Bei aller Komik sind die Figuren liebevoll geschrieben und durchweg perfekt besetzt; sicher wurden die meisten davon den Schauspielern auf den Leib geschrieben. Es gibt einige Musical-artige Szenen, die aber selbst ausgemachten Film-Musical-Muffeln wie mir nicht sauer aufgestoßen sind.

Die Entdeckung des Films ist ohne Zweifel Alden Ehrenreich als schauspielerisch talentfreier Western-Star Hobie Doyle, der sich auf zwei neuen Bühnen beweisen muss und sich dabei großartig schlägt. Scarlett Johansson und Channing Tatum haben eher Cameo-artige Auftritte, wobei Tatum in einer unschlagbar absurden Szene im Mittelpunkt steht.

In dem kurzweiligen Vergnügen voll von herrlichen Dialogen haben die Coens (knapp am Spoiler vorbei jetzt hier) gar noch einige eher tiefgründige Gedanken untergebracht. Wie sie das genau schaffen, ohne damit „Hail, Caesar!“ die Leichtfüßigkeit und Verspieltheit auszutreiben (die im Gegenteil dadurch erheblich gewinnt) ist schlicht und ergreifend großes Kino.

5/5

PS: Ich glaube das letzte mal, dass ich im Kino so viel gelacht habe, war bei „Burn After Reading“… Obwohl nee, stimmt nicht, es war bei „Im Wendekreis der Eidechse“!

Kurzkritik: The Night Before (Die Highligen Drei Könige)

The Night Before FilmplakatComedy, USA 2015

Regie: Jonathan Levine; Darsteller: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt, Anthony Mackie

In aller Kürze: Derbe Buddy-Komödie mit allzu vorhersehbarer Story und zu wenig guten Jokes.

Worum gehts? Drei Kerle zelebrieren zum letzten Mal die Tradition am Tag vor Weihnachten gemeinsam in NYC voll einen drauf zu machen.

Die gute Nachricht: Ein paar Witze und Ideen zünden durchaus, die Schauspieler sind redlich bemüht.

Die schlechte Nachricht: Der „Plot“ ist arg bescheuert, ohne dass die Clownereien das hinreichend rechtfertigen. Der derbe Humor beisst sich mit der biederen Moral, insgesamt eine unausgegorene Fehlzündung.

3/5

 

Kurzkritik: Spotlight

Spotlight FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Tom McCarthy; Darsteller: Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Michael Keaton

In aller Kürze: Klassisches Enthüllungsdrama um den Mißbrauchsskandal in der katholischen Kirche von Boston.

Worum gehts? Ein Team von Reportern des ‚Boston Globe‘ geht dem Verdacht auf die Spur, dass die katholische Kirche Fälle vom Kindesmißbrauch über Jahre schändlich unter den Teppich gekehrt hat.

Die gute Nachricht: An „Spotlight“ kann handwerklich und schauspielerisch überzeugen, schafft dazu glaubwürdige Figuren.

Die schlechte Nachricht: Die Story läuft arg nach Schema F ab und ist arm an echten Höhepunkten oder Überraschungen. Es fehlen Bilder (oder Szenen), die dem Publikum länger im Gedächtnis bleiben.

3/5