Kurzkritik: Spotlight

Spotlight FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Tom McCarthy; Darsteller: Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Michael Keaton

In aller Kürze: Klassisches Enthüllungsdrama um den Mißbrauchsskandal in der katholischen Kirche von Boston.

Worum gehts? Ein Team von Reportern des ‚Boston Globe‘ geht dem Verdacht auf die Spur, dass die katholische Kirche Fälle vom Kindesmißbrauch über Jahre schändlich unter den Teppich gekehrt hat.

Die gute Nachricht: An „Spotlight“ kann handwerklich und schauspielerisch überzeugen, schafft dazu glaubwürdige Figuren.

Die schlechte Nachricht: Die Story läuft arg nach Schema F ab und ist arm an echten Höhepunkten oder Überraschungen. Es fehlen Bilder (oder Szenen), die dem Publikum länger im Gedächtnis bleiben.

3/5

Filmkritik: The Hateful Eight

The Hateful Eight FilmplakatWestern, USA 2015

Regie: Quentin Tarantino; Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins

Die Zeit: Das 19. Jahrhundert. Die Location: die Rocky Mountains im Nordwesten der USA. Hmm, da klingelt doch was? Kurz nach „The Revenant“ kommt dieses eigentlich ungewöhnliche Setting erneut ins Kino (auch wenn die Stories zeitlich locker 50 Jahre auseinander liegen). Es ist offenbar einfach Zufall, aber trotzdem bemerkenswert, dass sich gleich zwei große Regisseure quasi zeitgleich mit dem Wilden (Nord-)Westen beschäftigen. Soviel Eiseskälte in Verbindung mit extremer Brutalität war selten im Kino.

Die Unterschiede zwischen den beiden Filmen überwiegen dann allerdings insgesamt deutlich. Tarantino erzählt in „The Hateful Eight“ von einem Kopfgeldjäger (Russell), der in einer Kutsche eine Gefangene (Leigh) in die Kleinstadt Red Rock bringen will. Auf dem Weg gesellen sich zwei weitere Gestalten dazu, schließlich treibt ein Schneesturm die vier in ‚Minnies Haberdashery‘ – wo sich von da an fast die komplette Handlung abspielt.

Eine Stärke des Films ist, dass man lange rätselt, was Tarantino hier eigentlich im Schilde führt. Der Film nimmt sich viel Zeit die Figuren einzuführen und in langen (wie üblich extrem pointierten) Dialogen die Spannungen zwischen ihnen ans Licht zu bringen. Da ist der schwarze Ex-Major der Nordstaaten (Jackson), ein alter Veteran der Südstaaten (Bruce Dern), ein fadenscheiniger Fremder (Michael Madsen), der örtliche Henker (Tim Roth) und ein Mexikaner, der die ‚Haberdashery‘ in Vertretung für dessen Besitzerin führt. Der achte im Bunde wird gespielt von Walton Goggins, der sich als ’nächster Sheriff von Red Rock‘ vorstellt.

Mit knapp 3 Stunden Spielzeit (in der Kurzversion, die 70mm-Version ist sechs Minuten länger plus 12-minütige Intermisson) ist „The Hateful Eight“ eindeutig einen Tick zu lang geraten. Nicht, dass es am Ende kein großes Finale mit einigen Überraschungen gäbe, welches von dem ausführlichen Setup profitiert. Das gibt es in der Tat – man kann aber ohne Spoiler nicht drüber schreiben. Aber zwischendurch ergeben sich Längen, bei denen die Dialoge – wenn auch nur scheinbar – zum Selbstzweck werden und die Geduld des Publikums etwas überstrapazieren.

Auf einige Dinge ist bei Tarantino immer Verlass, das ist bei seinem neuesten Streich nicht anders. Der Regisseur zementiert seinen Ruf als Casting-Genie, der Soundtrack von Ennio Morricone ist ein Volltreffer. Es gibt explosive Gewalt, die hier nicht nur schwarzhumorig, sondern auch verstörend rüberkommt, und eine Vielzahl von Details und Anspielungen, die sich sicher erst beim x-ten Durchlauf vollständig erschließen lassen. Auch überraschen kann Tarantino sein Publikum, wenngleich hier Anleihen bei seinem eigenen Schaffen zu erkennen sind (vor allem „Reservoir Dogs“).

Ich denke „The Hateful Eight“ wird nicht zu meinen Lieblingsfilmen von Tarantino gehören, wenn ich mir nach dem zweiten oder dritten mal ansehen ein ‚endgültiges‘ Urteil anmaße. Ganz ausschließen will ich es aber auch nicht – denn angesichts der Story-Drehs ergibt sich für einen Zuschauer, der das Finale kennt, ganz sicher ein neuer und interessanter Blick auf die ersten zwei Stunden der Handlung. In ein paar Monaten werde ich das gespannt ausprobieren…

4/5

 

 

 

Serienkalender 2016 – Starttermine

Hier die Starttermine (Quelle: IMDB.com) der Serien, die bei mir fest auf dem ‚Speiseplan‘ stehen, sowie der Vollständigkeit halber weiter unten auch die von einigen Reihen, bei denen mir mittlerweile der Appetit vergangen ist.

Bock drauf:

  • Better Call Saul Season 2 – 15. Februar
  • 11.22.63 Season 1 – 15. Februar
  • Game of Thrones Season 6 – April 2016
  • Rectify Season 4 – Sommer 2016
  • The Leftovers Season 3 – August 2016
  • Ray Donovan Season 4 – September 2016
  • The Fall Season 3 – irgendwann in 2016
  • The Affair Season 3 – irgendwann in 2016
  • Fargo Season 3 – (leider erst) 2017

„Ferner laufen“:

  • House of Cards Season – 4. März
  • Homeland – September 2016

 

Filmkritik: The Revenant – Der Rückkehrer

The Revenant - Der Rückkehrer FilmplakatDrama/Abenteuer, USA 2015

Regie: Alejandro González Iñárritu; Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson

Leonardo DiCaprio will den Oscar. Dringend. Das ist eine Erkenntnis, die man aus „The Revenant“ mitnimmt, dem neuen Film des letztjährigen ‚Best Director‘ Alejandro González Iñárritu (für „Birdman“). Und tatsächlich hätte er den Preis verdient – nicht unbedingt, aber durchaus auch für diesen Film, letztlich für sein Schaffen insgesamt.

Die Story spielt in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in den nördlichen Rocky Mountains. Hugh Glass (DiCaprio) ist gemeinsam mit seinem Sohn Teil einer Jagd-Expedition, die in der Wildnis Felle erbeuten will. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber den meisten wird es aus dem Trailer ohnehin bekannt sein –  Glass findet sich bald darauf alleine und übel zugerichtet in der Wildnis wieder.

„The Revenant“ ist ein extremer Film in vielerlei Hinsicht. Was es an Blut und Gewalt zu sehen gibt wird vielen Zuschauern zu heftig sein (Stichwort: Anatomie eines Pferdes). Etwa die Hälfte des Films sieht man der Hauptfigur dabei zu, wie sie bei klirrender Kälte unfassbare Leiden durchmacht. Konsequent ohne jedes künstliche Licht gedreht zeigt der Film zugleich eindrucksvolle Bilder bergiger Schneelandschaften (gedreht wurde in Kanada und Argentinien).

Die Inszenierung beeindruckt, u. a. gleich am Anfang (in einer großartigen, ohne einen einzigen Schnitt ablaufenden kriegsähnlichen Szene). Die im Kern einfache Rache-Geschichte erzählt an ihren Rändern einige interessante Randnotizen. Die selten im Kino portraitierte Zeit und Umgebung sorgt für zusätzlichen Reiz. Eine zentrale ‚Action‘-Szene zeigt zudem, wie überzeugend man wohl dosierte CGI-Effekte einsetzen kann.

Doch im Vordergrund steht ein Überlebenskampf, ein Triumph des Willens, den DiCaprio absolut glaubhaft und ohne ‚Overacting‘ meistert. Ihm gegenüber schlägt sich Tom Hardy als Bösewicht ebenfalls sehr gut, besonders gefallen hat mir auch Domhnall Gleeson als Captain Henry.

An einigen Stellen wandelt „The Revenant“ angesichts der grotesken Grausamkeiten trotzdem am Rande des unfreiwilligen Humors. Es erfordert vom Publikum die Bereitschaft, sich auf diesen Trip einzulassen – man könnte sonst (etwa beim finalen Zweikampf) auch anfangen zu johlen.

4/5

Kurzkritik: Bridge of Spies

Bridge of Spies FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Steven Spielberg; Darsteller: Tom Hanks, Mark Rylance, Sebastian Koch

In aller Kürze: Spielberg erteilt eine weitere Geschichtsstunde – ohne Überraschungen, aber auch ohne Makel.

Worum gehts? Ein Versicherungsanwalt (Hanks) verteidigt anno 1961 einen russischen Spion und muss anschließend bei einem heiklen Gefangenenaustausch in Ost-Berlin als Unterhändler agieren.

Die gute Nachricht: Schauspielerisch erstklassig (insbesondere Mark Rylance), visuell gelungen, mit großartigen Sets und einem spektakulären Flugzeugabsturz.

Die schlechte Nachricht: Insgesamt einen Tick zu lang und (auch wenn man die Fakten der Story nicht kennt) nicht wirklich spannend.

4/5

Kurzkritik: Black Mass

Black Mass FilmplakatGangsterdrama, USA 2015

Regie: Scott Cooper; Darsteller: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon

In aller Kürze: Solides Gangsterdrama mit starker Besetzung, aber ohne die ganz großen Momente…

Worum gehts? Ein FBI-Agent und der irischstämmige Gangsterboss James ‘Whitey’ Bulger, die sich seit den Kindertagen kennen, gehen eine heikle Kooperation ein. Bald ist fraglich, wer hier eigentlich wem und womit behilflich ist…

Die gute Nachricht: Johnny Depp ist mal wieder als echter Schauspieler tätig, die Inszenierung ist gelungen – ein durchaus überdurchschnittlicher Beitrag zum Genre.

Die schlechte Nachricht: Trotz guter Darsteller springt der sprichwörtliche Funke nicht wirklich über, u. a. weil keine Figur zum Mitfühlen einlädt und es verschiedene Erzähler gibt.

4/5

Filmkritik: Star Wars – The Force Awakens (3D)

The Force Awakens FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: J. J. Abrams; Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Harrison Ford, Carrie Fisher

Ich war nie ein Fan von „Star Wars“, bin aber ausreichend fasziniert von dem Hype und zudem ein Freund von Action-Spektakeln, so dass ich mir „The Force Awakens“ nun auch mal angesehen habe. Ich komme hier einfach mal mit ein paar Punkten rein, die mir besonders aufgefallen sind, einen Absatz zu „worum gehts?“ kann ich mir glaube ich sparen…

Positiv:

  • Der neue kleine Robot BB8 ist sehr gut gelungen, mit ihm gelingt die Mischung aus Neu-Erfindung und Nostalgie.
  • Saubere Effekte, die sich nur ganz selten als CGI-Pixel-Spektakel verraten.
  • Ein weniger künstlicher Look als die zweite Trilogie, in der wirklich ALLES am Green Screen entstand.
  • Ein ausgesprochen rasanter Beginn, pures Bewegungskino mit hohem „Wow“-Faktor.
  • Einige gelungene neue Figuren, die Potential haben für die kommenden Filme.

Negativ:

  • Ein letztlich sehr dünner und altbekannter Plot (neuer, größerer Todesstern, gähn!)
  • Schwache 3D-Effekte, zumindest in „Real 3D“ im Cinestar. Den Aufpreis kann man sich sparen, da hätte ich von „Star Wars“ deutlich mehr erwartet.
  • Einige Szenen und Dialoge sind offenbar direkt für Computerspiele und andere Ableger der Reihe geschrieben worden (etwa wenn Poe und Finn anfangs auf der Flucht sind und „so viele Kanonen wie möglich abschießen müssen“, nur am das dann nicht mal zu probieren)

Es fiel selbst mir auf, dass es eigentlich jede Szene des Films in einem der vorigen Filme (vor allem in „Episode IV“) so ähnlich schon mal gegeben hat. Besser informierte Kino-Gefährten wussten das zu bestätigen. Man kann das natürlich als Verneigung verstehen, es stellt sich aber auch die Frage, ob den Produzenten für die nächsten Teile irgendwas neues einfällt.

Hinter all dem Hype und den vielen Rekorden findet sich bei „The Force Awakens“ wenig, dass die große Aufmerksamkeit rechtfertigen würde. Weder setzen die Tricks neue Maßstäbe noch werden spannende, neuartige Wege des Erzählens betreten. Die größte Attraktion für Fans scheint die Integration von Teilen der „alten Crew“ zu sein. Die ist tatsächlich ganz gut gelungen (die letzte Einstellung – obwohl auch unfreiwillig komisch – hat mir sehr gut gefallen), setzt u. a. auf Humor und macht wirklich Spaß. Vor allem auf Harrison Ford und Chewbacca ist Verlass.

Nun denn, der Spuk geht weiter, und ich werde mir auch die kommenden Filme ansehen – weiterhin mit etwas Verspätung, wenn die ersten Wochen schon Monate im Voraus ausverkauft werden. Der Gang ins Kino lohnt sich bei „The Force Awakens“ definitiv auch für Nicht-Fans, sofern man gesunden Appetit auf temporeiche Fantasy-Zerstreuung mitbringt.

4/5

Kurzkritik: Knight of Cups

Knight of Cups FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Terrence Malick; Darsteller: Christian Bale, Wes Bentley, Natalie Portman, Cate Blanchett

In aller Kürze: In Episoden erzählter Film von Terrence Malick, den „Tree of Life“-Fans mögen werden, während alle anderen ihn besser meiden.

Worum gehts? Um einen erfolgreichen Drehbuchautor in Hollywood, der zwischen Trauer, Affairen, Aufarbeitung und Eskapaden seinen Platz im Leben sucht.

Die gute Nachricht: Malicks Stil – kein Plot, wenig Dialoge, viel bedeutungsschwangeres Gerade aus dem Off, fantastisch komponierte (Natur-)Bilder – schafft eine bemerkenswerte Stimmung.

Die schlechte Nachricht: Darüber hinaus ist alles vage, offen für Interpretationen – was man bereits aus „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ kennt.

3/5

Meine Top-10 Filme 2015

Weniger Filme als in diesem Jahr habe ich seit bestimmt 15 Jahren nicht gesehen. Ein Hauptgrund dafür sind die vielen starken Serien, ein anderer die Tatsache, dass es schwieriger geworden ist, Mitstreiter fürs Kino zu finden. Auch die Zahl der Filme, die ich unbedingt im Kino (ich war vielleicht 5 oder 6 mal da) sehen wollte, hat definitiv abgenommen. Und schlicht Kino-faul war ich 2015 auch.

Sei es drum, für eine Top-10 reicht es noch, wie üblich ist es gut möglich, dass mir ernsthafte Kandidaten entgangen sind. Und 2016 geht es dann hoffentlich wieder häufiger ins Lichtspieltheater!

1. Inherent Vice
2. Das Ewige Leben
3. Birdman
4. Whiplash
5. Ex Machina
6. Citizenfour
7. Sicario
8. Straight Outta Compton
9. Spectre
10. It Follows

Knapp dahinter: Youth, Nightcrawler, What We Do in the Shadows, Mission Impossible: Rogue Nation, Mad Max – Fury Road, Going Clear, Star Wars – The Force Awakens.

PS: Diverse Filme habe ich bisher nicht gesehen, so z. B. “Black Mass” und viele andere. Könnte also sein dass ich die Liste noch anpasse.

Kurzkritik: Straight Outta Compton

Straight Outta Compton FilmplakatMusikdrama, USA 2015

Regie: F. Gary Gray; Darsteller: O’Shea Jackson Jr, Corey Hawkins, Jason Mitchell, Paul Giamatti

In aller Kürze: Gelungenes Portrait einer musikalischen Ära, das innere und äußere Dramaturgie sehr stimmig zu vereinen weiss.

Worum gehts? Um Gründung, Erfolge und Trennung der umstrittenen Rap-Combo NWA und die Geschichte ihrer Mitglieder bis zum Tod von Eazy E Mitte der Neunziger.

Die gute Nachricht: Ausgezeichnete Darsteller, ein gutes Drehbuch, ein (wenig überraschend) hervorragender Soundtrack.

Die schlechte Nachricht: Nach meinem Empfinden wäre eine kurze Geschichte des titelgebenden Stadtviertels sinnvoll gewesen, um den gesellschaftlichen Kontext besser herauszustellen.

4/5

Kurzkritik: Beasts of no Nation

Beasts of no Nation FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Cary Fukunaga; Darsteller: Idris Elba, Abraham Attah, Ama Abebrese

In aller Kürze: Kriegsdrama, das sich sehr dokumentarisch mit Kindersoldaten in Afrika beschäftigt, ohne allerdings tiefere Einblicke zu gewinnen.

Worum gehts? Nach dem Angriff der der Armee auf sein Heimatdorf (in einem nicht näher definierten Land Afrikas) gerät der junge Agu in die Fänge von Rebellen, die ihn zum Kindersoldaten ausbilden.

Die gute Nachricht: „Beasts of no Nation“ wirkt authentisch und findet einen Weg, die grausamsten Szenen nicht allzu explizit auf das Publikum loszulassen.

Die schlechte Nachricht: Dem Geschehen fehlt fast jeder Kontext, es wird kein Versuch einer Erklärung, Analyse oder Einordnung unternommen.

3/5

Kurzkritik: The Martian (2D)

The Martian FilmplakatSci-Fi, USA/UK 2015

Regie: Ridley Scott; Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Jeff Daniels, Chiwetel Ejiofor

In aller Kürze: Unterhaltsame und niveauvolle Science-Fiction zwischen Drama und Spektakel, aber ohne echtes Alleinstellungsmerkmal.

Worum gehts? Die Crew einer Mars-Mission lässt versehentlich einen verletzten Kollegen zurück, der sich verzweifelt ums eigene Überleben bemüht. Die NASA kämpft auf der Erde um ihren Ruf – und bemüht sich um die Rettung des gestrandeten Astronauten.

Die gute Nachricht: Darsteller, Dialoge und Dramaturgie überzeugen, die Effekte sind auf anständigem Niveau.

Die schlechte Nachricht: Die technische Perfektion und die Spannung von „Gravity“ erreicht der Film nicht, bemüht zudem nur bekannte Erzählmuster.

4/5

Wer diese Filme mochte sollte sich den Film anschauen:
„Interstellar“, „Gravity“, „Prometheus“

Kurzkritik: Irrational Man

Irrational Man FilmplakatComedy/Drama, USA 2015

Regie: Woody Allen; Darsteller: Joaquin Phoenix, Emma Stone, Parker Posey

In aller Kürze: Bittersüßes Lustspiel, dessen Plot sich allzu konstruiert entfaltet. Eher ein filmisches Essay als ein echtes Drama.

Worum gehts? Um einen Philosophie-Professor, der an einem kleinen College mit einer Studentin anbandelt und über Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ neuen Sinn in sein Leben bringt.

Die gute Nachricht: Nett anzuschauen und soweit möglich gut gespielt.

Die schlechte Nachricht: Woody Allen versucht ein tragikomisches ‚Drama der Ideen‘, heraus kommt leider eine nur bedingt schlüssige und letztlich überflüssige Abhandlung eines bekannten Motivs der Literatur, ohne ihm etwas bedeutendes hinzufügen zu können.

3/5

Wer diese Filme mochte könnte sich den Film anschauen:
„Melinda & Melinda“, „Magic in the Moonlight“

Kurzkritik: Going Clear – Scientology and the Prison of Belief

Going Clear FilmplakatDokumentation, USA 2015

Regie: Alex Gibney; Darsteller: Paul Haggis, Alex Gibney, Mike Rinder

In aller Kürze: Gespräche mit ehemaligen Scientologen und filmische Zeugnisse aus dem Innenleben von Scientology geben erschreckend klare Einblicke in Alltag und Geschichte der „Kirche“.

Worum gehts? Der wohl bekannteste Scientology-Aussteiger, Filmemacher Paul Haggis, sowie andere ehemalige aus dem inneren Kreis von Scientology schildern ihre Erfahrungen. Im Focus stehen außerdem Gründer Ron L. Hubbard, der „CEO“ David Miscavige sowie Tom Cruise.

Die gute Nachricht: So glaubwürdig (und verstörend) die Aussagen der zu Wort kommenden Aussteiger klingen, es sind die vielen (extrem gruseligen) filmischen Dokumente aus der Geschichte von Scientology, die lange im Gedächtnis bleiben.

Die schlechte Nachricht: Aktuell unter dem mächtigen Einfluss der Organisation stehende Menschen wird der Film wohl nicht erreichen – was aber gewiss kein Verschulden der Filmemacher ist. Große neue Erkenntnisse werden zudem (soweit ich das beurteilen kann) nicht gewonnen.

4/5

Kurzkritik: Sicario

Sicario FilmplakatThriller/Drama, USA 2015

Regie: Denis Villeneuve; Darsteller: Emily Blunt, Josh Brolin, Benicio del Toro

In aller Kürze: Ambitionierter Drogenkrimi über die Eskalation der Gewalt an der Grenze zwischen USA und Mexiko.

Worum gehts? Eine FBI-Agentin wird Teil einer neuen Task-Force, die mit unkonventionellen Methoden gegen die Kartelle vorzugehen scheint.

Die gute Nachricht: Visuell und schauspielerisch eindrucksvoll zeichnet „Sicario“ ein düsteres und spannendes Portrait der Drogenkriminalität, wobei auf altbekannte Schwarzweiss-Malerei weitgehend verzichtet wird.

Die schlechte Nachricht: Ein etwas unspektakuläres und – im Detail – wenig glaubwürdiges Ende.

4/5

Wer diese Filme mochte sollte sich den Film anschauen:
Traffic„, „No Country For Old Men“