Kurzkritik: The Man from U.N.C.L.E.

The Man from U.N.C.L.E.Action/Comedy, USA/UK 2015

Regie: Guy Ritchie; Darsteller: Armie Hammer, Henry Cavill, Alicia Vikander

In aller Kürze: Kino-Reboot der Fernsehserie aus den 60ern, charmant und unnötig.

Worum geht’s? Zwei Superspione aus USA und UDSSR müssen gemeinsame Sache machen um fiese Schurken zu bekämpfen, die an einer Atombombe basteln.

Die gute Nachricht: Guy Ritchie inszeniert weniger brachial als gewohnt, ohne dabei seinen Schwung zu verlieren. Besetzung, Ausstattung und Look lassen wenig zu wünschen übrig.

Die schlechte Nachricht: „The Man from U.N.C.L.E.“ kann zu keinem Zeitpunkt vergessen machen, dass die Macher hier einer bekannten Erfolgsformel folgen, von der man schon deutlich bessere Variationen gesehen hat.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„The Italian Job“, „Kingsman – The Secret Service“

3/5

Filmkritik: Terminator – Genisys

Terminator Genisys FilmplakatSci-Fi/Action, USA 2015

Regie: Alan Taylor; Darsteller: Jay Courtney, Emilia Clarke, Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke

Braucht die Filmwelt mehr „Terminator“-Filme? Eher nein. Schon Teil drei fiel im Vergleich zu James Camerons ersten Teilen deutlich ab, der Neustart mit „Terminator: Salvation“ ging vor ein paar Jahren ziemlich in die Hose und wurde nicht weiter geführt. Doch nun, da Arnie nicht mehr Gouverneur ist, geht es aber doch noch einmal weiter. In „Genisys“ wird der Faden irgendwo zwischen Teil zwei und drei wieder aufgenommen – Skynet und Zeitreisen (Kyle Reese kommt mal wieder aus der Zukunft vorbei), Sarah und John Connor, sowie ein in die Jahre gekommener T-100.

Wer erwartet oder erhofft hatte, dass es auf dem Niveau der ersten Filme weitergeht, der wird enttäuscht werden. Die wenigsten im Publikum dürften os naiv sein. Und immerhin: „Genisys“ ist ein gut gemachter Actionfilm, mit einer soliden (manchmal blödsinnigen, aber nicht ägerlichen) Story und ein paar guten Ideen, wie man den Geist dieser Filmreihe herauf beschwören kann.

Eine wichtige Zutat ist Humor. Arnies erneutes Auftauchen als T-100 wird zwar storytechnisch ganz gut hergeleitet, doch erlaubt sich der Film einen selbstironischen Ton dabei. Mit Emilia „Khaleesi“ Clarke hat man eine sehr gute Wahl für Sarah Connor getroffen, auch Jay Courtney als Kyle Reese und Jason Clarke als John Connor sind gut besetzt.

Dass die Story erneut darum kreist, wie man Skynet stoppen kann, und es wiederum einige Zeitreisen sind, die dabei eine Schlüsselrolle spielen, kann man einfallslos finden. Mir hat die – gar mit einigen ‚Überraschungen‘ gespickte – Story gut genug gefallen, sie bietet eine funktionierendes Gerüst für einige sehenswerte Actionszenen und die gelungenen Figuren.

Nach dem etwas beliebigen Beginn nimmt „Genisys“ genug Fahrt auf, um das Publikum bei der Stange zu halten und vermeidet dabei gröbere Schnitzer und Längen. Bei geringen Erwartungen wurde ich insgesamt eher positiv überrascht.

3/5

Filmkritik: Mission: Impossible – Rogue Nation (2D)

Mission: Impossible - Rogue Nation FilmplakatAction, USA 2015

Regie: Christopher McQuarrie; Darsteller: Tom Cruise, Rebecca Ferguson, Simon Pegg, Alec Baldwin, Jeremy Renner

Mit dem vierten Teil „Ghost Protocol“ zeigte die Formkurve dieser Filmreihe zuletzt nach oben. In „Rogue Nation“ stagniert das Unterfangen nun auf relativ hohem Niveau. Fans von Agenten-Action kommen auf ihre Kosten, die Zutaten sind natürlich nicht neu, werden aber zum Teil originell serviert.

Ethan Hunts Antiterror-Geheimdienst IMF wird vom CIA-Chef aufgelöst und assimiliert. Hunt jagt aber gerade einen Superverbrecher, der Staatsoberhäupter ermorden und vollbesetzte Passagierflugzeuge verschwinden lässt. Hunt macht auf eigene Faust weiter – wobei ihm seine alten Kollegen natürlich helfen wollen.

Es dauert auch nicht lange, bis es wieder um eine ominöse digitale Liste geht (NOC-Liste, Rabbit’s Foot, Aktivierungs-Codes, … erinnert sich noch jemand?) geht, die unmöglich gestohlen werden kann und natürlich doch gestohlen wird.

Mit der britischen Undercover-Agentin Ilsa Faust hat „Rogue Nation“ zudem eine echte Seltenheit im Action-Genre zu bieten: eine hervorragend geschriebene und ebenso gut gespielte weibliche Hauptrolle. Die es mit dem Superstar Cruise locker aufnehmen kann, ohne dabei zur Karikatur zu verkommen.

Die Stärke des Films liegt – wie schon im ersten und vierten Teil – in den wunderbar komponierten Actionszenen. Diesmal sind Hunt und seine Kollegen u. a. in der Wiener Oper unterwegs, tricksen die Cyber-Security eines unterirdischen Unterwasser-Datenterminals aus und kacheln in aberwitzigem Tempo erst mit Autos, dann mit Motorrädern durch Marokko, bevor die Story in geradezu klassischer Manier (Masken!) in London zu Ende geht. Die Optik ist top, CGI-Effekte sind sicher im Spiel, aber nicht als solche zu erkennen.

Tom Cruise ist offensichtlich nicht jünger geworden, womit der Film einerseits etwas Schabernack treibt (siehe etwa Hunts sparsamen Blick, wenn unmögliche Dinge von ihm verlangt werden). Andererseits scheint sich der Schauspieler eine Frischzellenkur im Gesicht gegönnt zu haben, deren Erfolg oder Misserfolg wohl im Auge des Betrachters liegt.

Der Ton ist beinahe flapsig, es soll durchaus gelacht werden. Das gelingt stellenweise richtig gut, zum Teil werden bekannte Jokes und Spleens der Figuren etwas überstrapaziert. Der fünfte Teil von Cruise‘ persönlichem James-Bond-Abklatsch ist sehr gut gemachte Unterhaltung für Leute, die (so wie ich) genau das gerne sehen. Nicht mehr, nicht weniger.

4/5

Filmkritik: Mad Max – Fury Road (2D)

Mad Max - Fury Road FilmplakatAction, Australien/USA 2015

Regie: George Miller; Darsteller: Charlize Theron, Tom Hardy, Nicolas Hoult, Zoe Kravitz

Das Reboot von „Mad Max“ hat eine ganze Weile gebraucht, bis es auf den Leinwänden der Welt gelandet ist. Gedreht wurde schon 2012 (in Namibia), ein Jahr später wurden Reshoots angesetzt – meist ein Zeichen, dass die Produzenten kein Vertrauen ins Ergebnis hatten. Was wiederum selten gute Voraussetzungen für den finalen Film sind. Im Falle von „Fury Road“ ist aber zumindest nicht offensichtlich, welche Szenen erst im Nachhinein in den Film gefunden haben: Das Ganze ist im Wesentlichen eine zweistündige Dauer-Actionszene.

Das Szenario ähnelt (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht) in groben Zügen der ursprünglichen Trilogie. „Who Killed the World?“ fragt vielsagend ein Grafitti in ‚Valhalla‘, einer steinzeitlich anmutenden Felsen-Siedlung. Wasser ist knapp, Treibstoff ebenso, die Welt ist eine einzige lebensfeindliche, von Sandstürmen geplagte Wüste.

Auftritt Max Rockatansky, einem von fiesen Erinnerungen heimgesuchten Einzelkämpfer, der von den ‚War Boys“ in deren Festung verschleppt wird. Dort flüchtet kurz darauf Imperator Furiosa (C. Theron) mit den fünf Ehefrauen des ‚War Boys‘-Anführers Immortan Joe. Mit einem archaisch-monströsen, gepanzerten Lastwagen versucht Furiosa der Meute von Verfolgern zu entkommen.

Es folgt wie eingangs erwähnt rasante und überwiegend unterhaltsame Dauer-Action (Hauptsächlich Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen), inszeniert mit erfreulich wenig CGI-Effekten. Unterbrochen wird die wilde Fahrt nur durch einige ruhigere Momente, in denen die Motive der Figuren in den Focus rücken. Insgesamt ist die Story ziemlich dünne – sie gibt lediglich das Gerüst und die Richtung vor. Das ist hin und wieder frustrierend, da viele Fragen (bezüglich des Szenarios als Gesamtheit) offen bleiben. Und doch ist es offensichtlich Teil des Plans von Regisseur George Miller, der schon die originalen „Mad Max“-Filme gedreht hat.

Der Plan geht weitgehend auf. „Mad Max – Fury Road“ hat wenig gemeinsam mit den übrigen Blockbustern dieser Zeit. Er ist humor- und kompromisslos, richtet sich zudem mit seinem „R“-Rating mutig nicht an die lukrativste Zielgruppe der unter 16-jährigen. Wie man hört soll es mit der Reihe weitergehen, es scheint also (hoffentlich) eine größere Story zu geben, die noch erzählt werden will. Vielleicht wird dieser Film schon bald eher als vielversprechender ‚Vorspann‘ zu verstehen sein…

4/5

Filmkritik: Kingsman – The Secret Service

Filmplakat KingsmanComedy/Action, UK 2015

Regie: Matthew Vaughn; Darsteller: Colin Firth, Taron Egerton, Samuel L. Jackson, Mark Strong

Kruder Action-Klamauk um einen ‚Bund von Gentlemen“, der sich heimlich, still und leise ums Wohlergehen der Welt kümmert. Während eine Reihe junger „Kingsman“-Anwärter um den einen freien Platz in der Organisation kämpfen, muss tatsächlich auch gleich die Welt vor einem „Evil Guy Who Wants To Take Over The World“ (Jackson als lispelnder Internet-Milliardär) gerettet werden. Das übernimmt unter anderem Colin Firth in ungewohnter Rolle als Actionheld.

Anständig inszenierte, dabei extrem brutale Action und ein hoher Trashfaktor werden von lustvollem Spiel mit Genre-Zitaten und britischem Klassenkampf der Marke „Snobs vs. Arbeiterkind“ flankiert. Unter dem Strich kommt dabei ein durchaus unterhaltsames Potpourri heraus, das Action-Fans trotz Überlänge Spaß machen dürfte. Der Plot und die Charaktere sind keine großen Attraktionen, „Kingsman“ ist bewusst als derbe Kost inszeniert und löscht sich mit den End Credits auch gleich selbst aus dem Gedächtnis.

3/5

Filmkritik: Avengers – Age of Ultron (3D)

Age of Ultron - FilmplakatAction/Comedy, USA 2015

Regie: Joss Whedon; Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen

Meine Erwartungen an DEN Marvel-Blockbuster des Jahres waren recht hoch, nicht zuletzt weil ich mir –  nachdem zuletzt im zweiten „Captain America“ die Geschichte von SHIELD quasi zu ende erzählt wurde – ein spannendes neues Kapitel von „Age of Ultron“ versprochen habe. Nicht spannend a la Hitchcock, sondern spannend im Rahmen eines riesigen Superhelden-Universums: neue Welten, neue Bösewichter, und natürlich spektakuläre 3D- Action.

Leider ist die Story die größte (und einzige) wirkliche Enttäuschung des Films. Tony Starks Idee, eine künstliche Intelligenz zur Verteidigung der Erde zu installieren, geht mächtig schief. Die „Avengers“ müssen alle ihre Kräfte aufbieten, um „Ultron“ an der Vernichtung des Planeten zu hindern. Der arg dünne Plot sorgt dafür, dass Bruce Banner und Kollegen ordentlich zu tun haben, und am Ende die Weichen für die kommenden Filme („Captain America: Civil War“ in 2016 und „Thor: Ragnarok“ in 2017) gestellt werden. Einfallsreich oder aufregend ist das alles aber nicht.

Was nicht bedeutet, dass „Avengers – Age of Ultron“ nicht eine Menge guter Actionszenen bieten würde. Ganz im Gegenteil, die Truppe ist fast pausenlos im Einsatz. Die 3D-Effekte sind gut, die Actionszenen setzen aber insgesamt anders als in Teil eins keine neuen Standards. Am besten funktioniert der Film als Buddy-Komödie mit sehr guten One-Linern, dem bekannt feinen Gespür für seine Figuren und deren Eigenheiten. Zwischen zwei Helden beginnt es gar romantisch zu werden, was für heikel-witzige Momente sorgt. Es deuten sich zudem Abschiede an, während gleichzeitig ein wenig frisches Blut hinzukommt.

Ein wenig schade ist es, dass „Age of Ultron“ kein echtes Highlight in der Reihe ist, sondern eher wie eine spaßige Klassenfahrt ohne echtes Ziel daherkommt. Es bleibt zu hoffen, dass in den schon erwähnten nächsten Filmen storytechnisch ein starke Vorlage für die angekündigten „Avengers – Infinity Wars“ (2018 und 2019 im Kino) geliefert wird. In völliger Unkenntnis der Comics ist es mir dabei ziemlich egal, in welche Richtung es geht – so lange es mich wenigstens oberflächlich zu fesseln vermag.

(knapp) 4/5

 

Kurzkritik: John Wick

Joch Wick FilmplakatAction/Drama, USA 2014

Regie: Chad Stahelski, David Leitch; Darsteller: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Willem Dafoe, Alfie Allen

In aller Kürze: Stylische und humorlose Kopfschuss-Orgie mit starken Darstellern und gutem Soundtrack.

Worum gehts? Ein ehemaliger Profi-Killer gerät mit seinem Ex-Boss aneinander: die New Yorker Unterwelt ist schnell um ein paar Dutzend Leichen reicher.

Die gute Nachricht: Die bekannte Rachefilm-Formel wird mit guten Action-Choreografien, einer stimmigen, zum Teil extrem temporeichen Inszenierung und überzeugender Besetzung gekonnt variiert.

Die schlechte Nachricht: „John Wick“ ist nicht sonderlich spannend…

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
The Equalizer„, „Shoot ‚Em Up„, „Payback“

4/5

Kurzkritik: The Equalizer

The Equalizer Movie PosterThriller, USA 2014

Regie: Antoine Fuqua; Darsteller: Denzel Washington, Marton Czokas, Chloe Grace Moretz

In aller Kürze: Brutaler Thriller mit Denzel Washington als gnadenlosem Racheengel.

Worum geht’s? Als eine junge Prostituierte (Moretz) von ihren Zuhältern übel zusammengeschlagen wird sinnt ihr platonischer Freund (Washington als Ex-CIA oder Special Forces oder so) auf Rache. Damit beginnt eine Spirale der Gewalt zwischen russischen Gangster, dreckigen Cops und dem allmächtigen Antihelden.

Die gute Nachricht: Das Ganze ist schick inszeniert, Denzel Washington ist wie gemacht für die Hauptrolle (die er so ähnlich schon häufiger gespielt hat), und der große Showdown im Baumarkt fetzt ziemlich.

Die schlechte Nachricht: „The Equalizer“ läuft ziemlich spannungsarm nach Schema F ab, Überraschungen sind Mangelware.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„Man on Fire“, „Colombiana„, „The November Man

3/5

Filmkritik: Sin City – A Dame To Kill For (2D)

Sin City A Dame To Kill ForFantasy/Action, USA 2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller; Darsteller: Josh Brolin, Eva Green, Mickey Rourke, Jessica Alba, Joseph Gordon-Levitt

Die gute Nachricht ist diese: Wer „Sin City“ wegen der Stimmung, der Effekte und den finsteren Gestalten mochte, der wird auch diese Fortsetzung mögen. Die weniger gute Nachricht: „A Dame To Kill For“ erreicht erzählerisch nicht das Niveau des ‚Originals‘ und bringt keine sonstigen Ideen neu ins Spiel. Die gnadenlose, düstere Welt von „Sin City“ ist dieselbe geblieben, auch viele Figuren treten erneut wieder auf.

Brutalinski Marv (M. Rourke) eröffnet den Film, der auf bekannte Weise vier Geschichten miteinander verwebt. Die längste und beste davon erzählt von Dwight (im ersten Teil von Clive Owen gespielt, hier in der Timeline DAVOR angesiedelt und mit Josh Brolin besetzt) und seiner schönen Ex-Freundin Ava (Eva Green), die „Dame To Kill For“ des Titels. Neu dabei ist der Glücksspieler Johnny (J. Gordon-Levitt), der sich mit dem übermächtigen Senator Roarke anlegt, zudem nimmt der Film den Faden von Stripperin Nancy (J. Alba) wieder auf, die eine lange offene Rechnung begleichen will.

Der Ton wird wie gewohnt bestimmt durch lakonische Off-Kommentare, von kräftigen Blutspritzern (teilweise eher Blutfontänen) durchbrochenen Schwarz-Weiss-Bildern, viel Reizwäsche und nackter Haut (Eva Green stellt einen persönlichen Nackigkeits-Rekord auf, was etwas heissen will), die krass stilisierten Actionszenen und äußerst brutale Gewalt-Orgien.

Dass dies alles nicht mehr neu ist, bedeutet nicht, dass es nicht noch einmal funktionieren würde. Rodriguez gelingen einige virtuose Szenen, die sich hinter dem Vorgänger nicht verstecken müssen. Die Stories ergeben allerdings kein so gelungenes Gesamtbild, was jedoch das Vergnügen (zumal für Fans des Stoffes) nur leicht schmälert.

4/5

 

 

Filmkritik: Edge of Tomorrow (2D)

Edge of Tomorrow PosterAction/Sci-Fi, USA/Australien 2014

Regie: Doug Liman; Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson

Gute Actionfilme sind verdammt selten, weil es schwierig ist, Spektakel und Story in Einklang zu bringen. Die größten Explosionen und Schießereien langweilen schnell, wenn Plot und Figuren unzureichend entwickelt werden. Genau diese Balance gelingt “Edge of Tomorrow” von Regisseur Doug Liman (“Swingers”, “The Bourne Identity”) ganz hervorragend.

“Saving Private Ryan” trifft “Groundhog Day” trifft modernes “Alien Invasion”-Spektakel – so lässt sich der Film zusammenfassen. Allerdings hätte genau diese Mixtur auch krass daneben gehen können, wenn die Idee(n) dahinter und die Ausführung weniger gut gewesen wären. Die Prämisse des Films ist folgende: Aliens haben die Erde angegriffen und Europa benahe komplett erobert. Nach überwundenem Schock über den Angriff haben ‘Vereinigte Streitkräfte’ der restlichen Nationen den Kampf angegenommen.

Tom Cruise spielt den US-amerikanischen Major Cage, der unvermittelt an die Front geschickt wird, obwohl er eigentlich als medienwirksamer Charmeur für die Außendarstellung und Rekrutierung zuständig ist. Cage gerät in eine Zeitschleife und erlebt den Angriff (quasi eine Neuauflage der Landung an der Normandie, mit Aliens statt Nazis als Gegner) immer wieder neu. Sobald er stirbt geht es von am Tag vor dem Angriff von vorne los. Bald gewinnt er die toughe Soldatin Rita (Emily Blunt) als Gefährtin, gemeinsam suchen sie nach einem Weg, den Krieg gegen die Aliens (extrem schnelle, Oktopus-aus-Metall-artige Viecher) im Sinne der Menschheit zu entscheiden.

“Edge of Tomorrow” beginnt wie ein Ego-Shooter, bei dem man ständig abnippelt und denselben Level neu anfängt – doch dann zeigen die Macher, dass sie die Stärken des Szenarios auch hinsichtlich der Story erkannt haben. So entwickelt sich ein actionreiches, ausreichend plausibles und äußerst unterhaltsames Action-Spektakel, welches dazu – im Rahmen des für Mainstream-Hollywood möglichen – echte Spannung und Eigendynamik entwickelt.

Tom Cruise ist hier genau richtig besetzt, als charismatischer (anfangs recht unsympathischer) Held wider Willen kommen seine Stärken zur Geltung. Emily Blunt nutzt die Gunst der Stunde, das Potential einer gut geschriebenen weiblichen Actionheldin zu entfalten. Die Spezialeffekte sind gut, müssen aber – wegen des guten Drehbuchs – nicht alleine den Tag retten. “Edge of Tomorrow” zeigt, wie man einen Haufen bekannter Motive und Ideen moderner Action- und Sci-Fi-Filme so miteinander in Einklang bringt, dass am Ende ein sehenswerter Actionfilm herauskommt, der nicht die Intelligenz des Publikum beleidigt. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach viel, ist aber im besten Sinne genug.

4/5

Filmkritik: X-Men – Days of Future Past

X-Men - Days of Future Past PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: Bryan Singer; Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Jennifer Lawrence, Michael Fassbender, James McAvoy, …

Im „X-Men“-Universum war zuletzt einiges los. Während die beiden „Wolverine“-Filme eher blass blieben gelang mit „First Class“ ein gelungenes Prequel. Nun setzt Bryan Singer, Regisseur der starken ersten beiden Filme, mit „Days of Future Past“ zum Versuch an, die alte mit der neuen Crew zusammenzuführen.

Im Kino, erst recht im Fantasy/SciFi-Genre hat es nie einen schöneren Weg gegeben, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden, als die Zeitreise. Eine solche steht im Zentrum des Plots, denn die „X-Men“ stehen anno 2023 ebenso wie die Menschheit kurz vor der Vernichtung. Maschinen, die einst die Menschen vor den Mutanten beschützen sollten, sind kurz davor, Magneto, Professor X, Storm und Co endgültig das Lebenslicht auszuknipsen.

So macht sich also Wolverine (trotz der mittelmäßigen Filme besteht offenbar Einigkeit, dass er die ‚beste‘ Figur ist) auf ins Jahr 1973, um dort entscheidende Ereignisse im Sinne der X-Men zu beeinflussen. Erstmal muss er dazu allerdings den jungen Prof. X aus einer tiefen Sinnkrise und Magneto aus einem Höchstsicherheitsgefängnis befreien, während seine Kollegen in der Zukunft ein letztes Aufbegehren zustande bringen.

Weil „Days of Future Past“ beim Casting der jungen Garde ebenso wie weitgehend beim Casting der Original-Crew gute Arbeit geleistet hat, kann sich der Film auf seine starken Schauspieler verlassen. Das Drehbuch ist ebenfalls gut, auch wenn der Plot letztlich nichts besonderes ist und um sich selbst kreist. Insgesamt bleibt es (zum Glück) auch dabei, dass die X-Men trotz einiger Spritzer Humor eher zu den „ernsten“ Superhelden“ gehören.

Dynamik, Effekte, Spannung und dramatische Szenen verbindet Regisseur Singer zu einem ausgeglichenen Ganzen, das über die komplette Laufzeit hervorragend zu unterhalten vermag. Ein bißchen schade ist es dennoch, dass bei der Reihe mit dem dritten Teil und den planlosen „Wolverine“-Filmen ein Stück weit der Faden gerissen ist, aber in dieser Formation gelingt ihnen vielleicht auch storytechnisch noch ein großes Comeback – zu sehen gibt es das dann angeblich um 2016 herum in „X-Men: Apocalypse“.

4/5

Filmkritik: Guardians of the Galaxy (3D)

Guardians of the Galaxy PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: James Gunn; Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Lee Pace

[Kritik wie immer bei Comicverfilmungen ohne jede Kenntnis der Vorlage geschrieben.]

Meine grundsätzliche Superhelden-Verdrossenheit dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Es sind Filme wie „Guardians of the Galaxy“ die verhindern, dass nicht ein echter „Superhelden-Sperrvertrag“ draus wird. Nicht, dass der Film dem Genre neues Leben einhauchen würde, neue CGI-Maßstäbe setzte oder gar ernsthaft etwas zu erzählen hätte (im Gegenteil – die Story ist total geschenkt). Aber charmant ist der Film geworden, außerdem witzig und kurzweilig.

Der Ton des Films ist von Anfang an humorvoll, auch wenn es mit einem Trauerfall losgeht. Der kleine Peter Quill verliert seine Mutter und wird danach direkt mal von Aliens entführt. Gut 20 Jahre später turnt Peter als „Starlord“ durch die Galaxie, ein Abenteurer a la Han Solo, den aber niemand so recht ernst nehmen will (und den auch niemand „Starlord“ nennen mag). Das ändert sich langsam, als er auf einem einsamen Planeten den MacGuffin, äh ich meine die mysteriöse Metallkugel „Orb“, findet. Zurück auf seinem Heimatplaneten ist plötzlich die schöne Kriegerin Gamora hinter der Kugel her, und auch das galaktische Außenseiter-Duo Groot und Rocket (eine Baum-ähnliche Kreatur und ein sprechender Waschbär) steigen in den Kampf mit ein.

Am Ende haben sie alle Pech und landen gemeinsam im Hochsicherheitsgefängnis, aus dem sie natürlich schnurstracks wieder ausbrechen wollen. Der Plot kreist dann im wesentlichen darum, besagte Zauberkugel zurück zu erobern und nicht in die Hände eines Bösewichts fallen zu lassen der (gähn!) mit Hilfe der Kugel die ganze Welt unterjochen will, weil…, ja weil Bösewichter, die aussehen wie Darth Vaders Halbbruder, halt so ticken. Ist auch egal.

Denn zum Glück gelingt es, mit viel Humor und Ideen, hohem Tempo, den liebevoll geschriebenen und gut gespielten (bzw. animierten) Figuren und reichlich Schauwerten ein überzeugendes, buntes Spektakel abzufackeln, das letztlich über die kaum vorhandene Story hinwegtröstet – sofern man eine erwartet hatte. Ein bisschen kommen die „Guardians of the Galaxy“ wie eine Mischung aus „Star Wars“ und „Watchmen“ daher, eine Weltraum-Seifenoper in weniger cleanem Look als sonst üblich. Aber doch locker für die große Masse und (fast) jede Altersklasse geeignet. Dass hierzu Kompromisse nötig waren ist klar. So ist der Film dann auch kein Meisterwerk, aber starkes Entertainment.

4/5

PS: Habe den Film in 3D gesehen und war recht angetan von den Effekten. Eher weniger von der Action (die kommt oft ziemlich Computerspiel-mäßig daher), aber doch von der Gesamtanmutung. Und zu dunkel schien es mir auch nicht zu sein. Wichtiger für das Vergnügen sind aber Charakter und Dialoge, daher kann man sicher auch in 2D Spaß haben…

Filmkritik: Lucy

Lucy PosterAction, Frankreich 2014

Regie: Luc Besson; Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi

Die Prämisse von „Lucy“ ist faszinierend und verdächtig zugleich. Eine junge Frau bekommt unabsichtlich eine Dosis einer Wunderdroge verabreicht, die es ihr erlaubt, ihr Gehirn-Potential (in Ermangelung eines besseren Begriffs) voll auszuschöpfen. Wir Menschen, so erfährt der Zuschauer zu Beginn durch eine plumpe, von Dan Browns Romanen abgekupferte Erzähltechnik (erstaunliche Dinge passieren und werden parallel in einer Uni-Vorlesung erklärt), können nur knapp 10 Prozent unserer möglichen Gehirnleistung abrufen. Titelfigur Lucy (Johansson) ist im Laufe der Handlung auf dem Weg zu den vollen 100 % – sie wird also unfreiwillig zum ‚Übermenschen“.

Faszinierend ist das alles, weil es wohl annährend irgendwie sogar stimmt. Und weil die Idee, eine von Scarlett Johansson gespielte Actionheldin dabei zu beobachten, wie sie unglaubliche Kräfte und Fähigkeiten gewinnt, für 90 unterhaltsame und vergnügliche Minuten Film ausreichen sollte. Verdächtig ist, dass diese Prämisse gleichzeitig auch totaler Schwachsinn ist und Regisseur Luc Besson nicht dafür bekannt ist, besonders plausible Geschichten zu erzählen.Das Ergebnis lässt sich ungefähr so beschreiben: „Limitless“ und „Crank“ haben einen tragischen, leider nur bedingt komischen Unfall, den beide nicht überleben.

Von „Limitless“ leiht sich „Lucy“ die Idee, einem Menschen mithilfe von Drogen zu mehr Leistung und Intelligenz zu verhelfen. Doch was da stimmig und glaubwürdig genug inszeniert wurde, um Fundament für ein (begrenzt stichhaltiges) Drama zu sein, wird hier in derart übertriebener Form verabreicht, dass Kategorien wie innere oder äußere Logik keine Rolle spielen können.

Wie „Crank“ dreht „Lucy“ den Spektakel- und Scheiss-Drauf-Regler auf mindestens 12. Anders als „Crank“ liefert er aber keine (oder mindestens nicht genug) aberwitzige Actionszenen, die soviel Spaß machen, dass man gerne drüber hinwegsieht. Und es fehlt auch die Selbstironie – stattdessen wird es übelst platt und bescheuert, bei nur geringen Dosen beabsichtigter Komik.

Was „Lucy“ beinahe rettet, sind die Dynamik und Explosivität des Geschehens – die aber immer mehr versprechen, als sie halten können. Auch zeigt Scarlett Johansson, dass sie genug Leinwandpräsenz, Charisma, Sex-Appeal und Action-Credibility besitzt, um die wohlwollende Aufmerksamkeit mindestens des männlichen Publikums zu gewinnen (wobei Präsenz und Charisma im ungleich besseren und unvergleichbaren „Under the Skin“ bedeutend besser zur Geltung kamen).

Doch am Ende reicht beides nicht, um aus „Lucy“ mehr als einen sinnlos-bekloppten, kurzweiligen (und mit knapp 90 Minuten tatsächlich kurzen) Film zum machen. Die Spezialeffekte von an der Decke zappelnden Menschen, wiederholt explodierenden Synapsen sowie Bildern vom Urknall und dem aller-aller-ersten „Planet der Affen“ sind eher mau, die Story nicht der Rede wert, ganz zu schweigen von den „naturwissenschaftlich-philosophischen“ Aspekten, die immerhin für ein paar unfreiwillige Lacher sorgen.

Fazit: Für Freunde des gepflegten Trashfests (vgl. „300 – Rise of an Empire“) gibt es hier etwas zu gewinnen. Der Rest konzentriert seine 10 % Gehirn-Kapazität besser auf andere, lohnenswertere Dinge.

2/5

Anders ausgedrückt: Ich hatte mich drauf eingestellt, dass „Lucy“ mindestens Story-technisch letztlich nur in Richtung Quatsch gehen würde. Aber mit so einem Blödsinn habe ich wahrlich nicht gerechnet..echt jetzt mal.

Kurzkritik: Captain America – The Winter Soldier

The Winter Soldier PosterFantasy/Action, USA 2014

Regie: Joe & Anthony Russo; Darsteller: Chris Evans, Scarlett Johansson, Samuel L. Jackson, Robert Redford

Obwohl „The Winter Soldier“ nichts neues zum Genre des Superhelden-Films beitragen, funktioniert er erstaunlich gut. Dabei setzen die Macher auf Terror als wichtigste Zugabe des Plots. SHIELD scheint kompromittiert zu sein, ein Attentat auf Nick Fury lässt die Situation eskalieren. Captain America gerät zwischen undurchsichtige Fronten zwischen Politik und Militär, weiss nur den Ex-Soldaten Wilson (aka „Falcon“) und Natasha Romanoff (aka „Black Widow“) auf seiner Seite.

Weil es hier um das große Ganze im „Avengers“-Universum geht (auch wenn die Kollegen höchstens mal am Rande auftauchen – sind die eigentlich alle im Urlaub oder was?!) erweckt der Film nicht der Eindruck eines belanglosen Lückenfüllers. Es kommt sogar so was ähnliches wie Spannung auf, und auch die obligatorischen One-Liner und in in-Jokes (Stichwort: Grabstein) machen wirklich Spaß. Wenn es den Verantwortlichen bei Marvel gelingt, dieses Niveau für die kommenden Filme zu halten, dann könnte ich mir gar vorstellen, für die nächste Sause mal wieder ins Kino zu gehen.

4/5

 

Filmkritik: Noah

Noah FilmposterAbenteuer/Fantasy/Drama, USA 2014

Regie: Darren Aronofsky; Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Emma Watson, Ray Winstone

Als die ersten News die Runde machten, dass „Requiem for a Dream“-Regisseur Aronofsky einen Film über die Arche des biblischen Noah dreht, fand ich das im positiven Sinn interessant. Ins Kino bin ich für den Film dann aber nicht gegangen, so groß war die Neugier nicht – nun habe ich mir das ganze also mit Verspätung zuhause angesehen.

Da ich weder gläubig noch aus anderen Gründen sonderlich bibelfest bin kann ich nur mutmaßen, dass „Noah“ keine sehr wortgetreue Nacherzählung geworden ist. Zumindest waren für mich folgende Elemente eher überraschend: a) versteinerte, an Noahs Seite kämpfende Riesen-Engel b) eine epische Schlacht um Zugang zur Arche und c) ein auf der Arche stattfindender dritter Akt.

Bildgewaltig ist Arofonskys allemal geworden, sowohl die Tricks (alle Tiere sind komplett durch CGI entstanden) als auch die Kostüme (eher „Braveheart“ als „Ben Hur“) haben mich überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist einmal mehr Russell Crowe, dessen Figur im Film keine einfache Heldenfigur geworden ist.

Die Menschen haben die Erde durch Raubbau und Gier an den Rand der Zerstörung gebracht; nur der Clan von Noah verweigert sich. Der sieht eine Katastrophe kommen und wähnt sich auserwählt, Gottes Schöpfung (mit Ausnahme der menschlichen Rasse) vor der kommenden Sintflut zu retten. Den ersten Teil davon kann und soll man sicherlich (auch) als kritisches Gleichnis zur heutigen Zeit verstehen – doch der Rest der Story eignet sich absolut nicht für derartige Interpretationen. Zumindest haben sich meinem atheistischen Geist keine aufgedrängt.

Als Ganzes ist „Noah“ ein recht zähes Unterfangen. Die Mischung aus großem Fantasy-Spektakel und der (aus meiner Laien-Sicht) düsteren und langgezogenen Interpretation der Arche will nicht so recht aufgehen. Der Versuch, auf der Leinwand alttestamentarische Wucht zu entfalten und gleichzeitig einen modernen Kinofilm für ein großes Publikum zu machen, scheitert. Was aber nicht bedeutet, dass sich der Film nicht durchaus lohnen würde – er bietet durchaus beeindruckende Schauwerte und gute Darsteller.

Spannender als „Noah“ habe ich letztlich die Wikipedia-Einträge zu den Eigenheiten und Interpretationen der Geschichte in Christen-, Judentum und Islam gefunden. Aber ohne den Film hätte ich die sicher nicht gelesen.

3/5

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