Für die beliebten „Recaps“ von Serien, die ich gerade schaue, fehlt mir leider die Zeit. Daher schreibe ich nur sehr unregelmäßig kurze Beiträge über meinen aktuellen Serienspeiseplan, und ob es mir gerade mal wieder geschmeckt hat oder nicht…

Neue Serie: „Goliath“

Goliath PlakatDie neue Krimi- und Anwaltsserie „Goliath“ (8 Folgen, Amazon Prime) beginnt vielversprechend. Ein mysteriöser Todesfall landet bei einem abgehalfterten Ex-Staranwalt Billy McBride (Billy Bob Thornton), der darin eine Chance wittert, einen großen Rüstungskonzern zu verklagen. Dieser wiederum wird vertreten von seiner mächtigen Ex-Kanzlei, bei der Billys ehemaliger Partner – inzwischen sein Erzfeind – Donald Cooperman (William Hurt) die Fäden in der Hand hält. „Goliath“ ist damit im Kern ein Psychoduell dieser beiden Figuren.

Es entwickelt sich ein spannendes und gut gespieltes Drama, in dem sich viele gute Figuren und einige sehenswerte Handlungsbögen finden. Leider geht der Serie nach etwa der Hälfte ein wenig die Luft aus. Das Niveau der äußerst gelungenen Exposition kann nicht gehalten werden, „Goliath“ schleppt sich eher über die Ziellinie, zum Glück ohne dabei allzu viel Schaden anzurichten. Für Fans des gepflegten Gerichtsdramas aber durchaus eine – wenn auch eingeschränkte – Empfehlung.

Serien-Tipp – Stranger Things

Stranger Things PlakatEine ziemlich gelungene Mischung aus Stephen King (Kleinstadt- und Horrormotive), Twin Peaks, Donnie Darko, E.T. und Highschool-Drama serviert Netflix in der neuen Eigenproduktion „Stranger Things“. Atmosphärisch, mit guten Darstellern und einer im positiven Sinne angemessenen Story (ich bin bei Folge sechs von insgesamt acht) kann die Serie überzeugen, wenn sie mich (allein thematisch) auch nicht richtig begeistern kann. Trotzdem sammelt Netflix weiter gute Argumente für die 10 Euro, die ein Abo kostet.

Serien-Tipp: Hap & Leonard

Mir was das was – auch, aber nicht nur, weil Michael Kenneth „Omar“ Williams von „The Wire“ dabei ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Ex-Soldaten und Lebenskünstler, die in Texas allerlei „Abenteuer“ durchleben. Die Serie braucht einige ihrer sechs Folgen, um in die Gänge zu kommen, aber das hat Methode. Der produzierende Sundance Channel hat offenbar vor, die Figuren langsam weiter zu entwickeln. Das ganze basiert auf der Roman-Reihe von Joe R. Lansdale, die kurze erste Staffel (6 Folgen) macht Lust auf mehr – und eine zweite Staffel ist auch schon beauftragt.

(Läuft in Deutschland bei Amazon Prime)

TV-Serien – Mehr oder weniger aktuelle Empfehlungen…

Mein persönliches Serienprogramm habe ich zuletzt deutlich heruntergefahren. Wegen zuletzt mieser Staffeln habe ich „Homeland“ und „House of Cards“ abgeschenkt, „The Walking Dead“ wegen allgemeiner Ziellosigkeit und den endlos wiederkehrenden, fürchterlich ermüdenden Zombiegemetzeln, „Halt and Catch Fire“ weil es mir zu öde wurde (auch wenn die Serie durchaus Klasse hat), „Daredevil“, weil mich Look und Story nicht überzeugt haben, mit „Jessica Jones“ habe ich nicht mal mehr angefangen.

Mir scheint, dass ich auch mit den zweiten Staffeln von „Bloodline“ und „Narcos“ eher nicht warm werde, aber das bleibt abzuwarten.

Damit verbleiben die folgenden Kandidaten:

Rectify“ – Die vielleicht beste Drama-Serie zur Zeit geht in diesem Sommer in die vierte Staffel.

Fargo“ – Nach zwei sehr guten Staffeln ist dieses Jahr Pause, bevor es 2017 (wie üblich) komplett von vorne losgeht. Wenn das Niveau gehalten wird wäre das ein große Leistung.

Game of Thrones“ – Die Saga um Westeros und die sieben Königreiche ist als Fantasy-Spektakel eigentlich weit von meinem Geschmack entfernt. Aber es ist eben „Game of Thrones“ und ich ziehe den Hut vor der Leistung aller Beteiligten.

The Knick“ – Ich kann oft genug nicht hinsehen, wenn Clive Owen und seine Kollegen auf dem OP-Tisch losmetzeln, aber die Serie hat Klasse.

The Leftovers“ – Die 180°-Wende der zweiten Staffel war im positiven Sinne interessant, trotz einer gewissen Skepsis, was das eigentlich noch werden soll, bleibe ich erstmal am Ball.

The Fall“ – Die stimmungsvolle Krimiserie aus Nordirland überzeugt durch Spannung und gute Darsteller.

Vinyl“ – Die erste Staffel war tatsächlich eher enttäuschend, ich werde der zweiten aber definitiv eine Chance geben. [UPDATE 15.6.16 – Es wird keine 2. Staffel geben, HBO hat den Stecker gezogen.]

Ray Donovan“ – Obwohl die Serie nicht das ganz große Niveau besitzt stimmt für mich bisher die Mischung aus Spannung, Humor und Entertainment.

Billions“ – Das Duell zwischen Finanz-Milliardär und Staatsanwalt (gespielt von Damian „Homeland“ Lewis und Paul „Sideways“ Giamatti) hat Höhen und tiefen. Ob ich mir das weiter ansehe ist bestenfalls unsicher.

PS: Mit „Masters of Sex“ habe ich angefangen, und bin froher Hoffnung damit weiterzumachen.

PPS: „Making of A Murderer“ und „Show Me A Hero“ hatte ich bereits in älteren Beiträgen empfohlen, die taugen natürlich immer noch…

Serientipp – The Night Manager (Amazon Video)

The Night Manager - MiniserieBasierend auf einem Roman von John le Carré aus dem Jahr 1993 erzählt „The Night Manager“ von einem Ex-Soldaten, der einem internationalen Waffenhändler aus eher persönlichen Gründen das Handwerk legen will. Schauplätze sind u. a. Kairo, Mallorca, London und die Türkei.

In der Hauptrolle glänzt Tom Hiddleston, der hier ein offenkundiges Bewerbungsschreiben als nächster Bond-Darsteller abgibt. Mir wäre es genehm, der neue 007 wäre ’suave‘ und smart – das könnte sehr gut passen.

Hugh Laurie überzeugt als Bösewicht, der – wie in einer eindrucksvollen Szene gegen Ende der Serie deutlich wird – nach bester Joker-Manier „die Welt einfach nur brennen sehen“ will.

Insgesamt erfindet die Serie das Krimi-Genre nicht neu, sorgt aber für niveauvolle Spannung und muss sich bezüglich der Inszenierung nicht vor ähnlichen Kinofilmen verstecken. Ich schreibe das übrigens alles, ohne die letzte Folge gesehen zu haben – das werde ich genau jetzt tun und meine positive Meinung zu „The Night Manager“ hoffentlich danach nicht revidieren oder einschränken müssen….

Serienkalender 2016 – Starttermine

Hier die Starttermine (Quelle: IMDB.com) der Serien, die bei mir fest auf dem ‚Speiseplan‘ stehen, sowie der Vollständigkeit halber weiter unten auch die von einigen Reihen, bei denen mir mittlerweile der Appetit vergangen ist.

Bock drauf:

  • Better Call Saul Season 2 – 15. Februar
  • 11.22.63 Season 1 – 15. Februar
  • Game of Thrones Season 6 – April 2016
  • Rectify Season 4 – Sommer 2016
  • The Leftovers Season 3 – August 2016
  • Ray Donovan Season 4 – September 2016
  • The Fall Season 3 – irgendwann in 2016
  • The Affair Season 3 – irgendwann in 2016
  • Fargo Season 3 – (leider erst) 2017

„Ferner laufen“:

  • House of Cards Season – 4. März
  • Homeland – September 2016

 

Aktuelle Serien im Schnelldurchlauf

Der geile Scheiss

Game of Thrones Staffel 5
Nicht dass in Westeros bisher wenig los gewesen wäre. Aber das Gefühl, dass sich hier eine große Story auf ihr Finale zu bewegt ist in der fünften Staffel in jeder Folge zu spüren – nicht erst, wenn am Ende eine Menge lieb gewonnener Figuren das Zeitliche segnen.

Mad Men Staffel 7, Teil 2
Aus und vorbei. Don Drapers Zeit im Rampenlicht ist abgelaufen. Bis auf wenige Ausnahmen hat Showrunner Matthew Weiner alle Figuren und gleichzeitig die Serie als ganzes zu einem großartigen Ende geführt. Ich habe das zum Anlass genommen, die ersten vier Staffeln noch einmal zu schauen, und was soll ich sagen – sie sind quasi noch besser geworden. Vor allem die ersten beiden fand ich ursprünglich beinahe langweilig, eine Einschätzung die ich ca. 7 Jahre später überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann…

Show Me a Hero (Miniserie)
Lokalpolitik in der mittelgroßen Stadt Yonkers, New York. Ein ambitionierter junger Politiker wird zur Schlüsselfigur in einem Machtkampf zwischen der Regierung in Washington und der Lokalpolitik um die Frage ob und wo sozialer Wohnungsbau entstehen soll. “Show me a Hero” erzählt dabei (fast) immer glaubwürdig nicht nur von den politischen Akteuren, sondern auch von den Bürgern und Wählern, die von dem zentralen Konflik konkret betroffen sind.

Better Call Saul Staffel 1
Eine ganze Staffel ohne nennenswerten Plot – „Better Call Saul“ traut sich was. In den 10 Episoden ging es vornehmlich darum, den Werdegang der Hauptfigur glaubwürdig darzustellen. Das ist gelungen, nun bin ich einerseits gespannt auf die weitere Entwicklung von Saul und andererseits auf eine ‚richtige‘ Story in Season 2.

Rectify Staffel 3
Obwohl gewohnt unaufgeregt inszeniert und weiterhin großartig gespielt kommt in der dritten Staffel von „Rectify“ richtig Bewegung in die Story. In sechs starken Episoden erfahren wir schließlich ziemlich genau, was wirklich geschah in jener schicksalhaften Nacht, die Daniel für 20 Jahre hinter Gitter brachte. Und bei vielen Figuren deuten sich größere Veränderungen an.

The Newsroom Staffel 1 (ja, ich bin spät dran, ich weiss..)
Weil Quentin Tarantino diese Serie in einem Interview als persönlichen Favoriten bezeichnet hat (und der Mann in der Regel gute Tipps parat hat) habe ich angefangen „The Newsroom“ zu schauen. Bisher lohnt es sich, die erste Folge der ersten Staffel ist ganz sicher eine Sternstunde des Fernsehens – und auch danach geht es auf hohem Niveau weiter, insbesondere die Dialoge sind ein Fest. Realistisch ist “The Newsroom” eher nicht, aber großes Entertainment.

Ray Donovan Staffel 3
Die dritte Staffel läuft noch, ist aber definitiv gelungen – die Serie entwickelt sich zu einem sehenswerten Gangster- und Familiendrama.

Der okay-ische Scheiss

House of Cards Staffel 3
Die erste Folge beginnt mit einer großartigen Szene, doch dann entwickelt sich House of Cards aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Die Storyline mit Russlands rüpelhaften Präsidenten, dem Frieden im Nahen Osten und Mrs. Underwoods UN-Ambitionen ist bestenfalls unglaubwürdig und teilweise einfach totaler Quatsch. Ähnliches gilt für die „America Works“-Idee. Sicher, Realismus ist hier nie die einzige oder wichtigste Zutat gewesen, aber es gibt eben doch einen wichtigen Unterschied zwischen Verdichtung/Übertreibung und völligem Schwachsinn. Schade eigentlich, vielleicht besinnt sich die Show ja noch mal, wenn es in Season 4 in die heiße Phase des Wahlkampfs geht…

True Detective Staffel 2
Großartige Bilder, starke Darsteller, eine betörend-schreckliche Stimmung – die zweite Staffel hat was zu bieten. Leider ist die Story ziemlich dünne. Und, was viel schlimmer ist, sie wird auf eine verwirrende und enttäuschende Art und Weise erzählt. Gegen falsche Fährten habe ich ja nichts, aber wenn locker zwei Drittel aller Handlungsfäden und Informationen (sowie eine Hauptfigur) für die zentrale Story eigentlich keine Bedeutung haben, dann entsteht eine Schieflage – und aus der kommt „True Detective“ nicht mehr raus. Trotzdem macht die Staffel durchaus Spaß (zumindest mehr als “House of Cards”).

Der lahme Scheiss (alles erste Staffeln)

Gotham
Knallbunter Trash für die “Generation ADS” unter den Fernsehzuschauern – nach einer Folge hatte ich von diesem Mummenschanz trotz der prominenten Besetzung bereits genug. Ist aber bestimmt super, wenn man nebenbei bügelt oder so…

Daredevil
Hier fehlte es offensichtlich an Budget und Ideen, zumindest wirkt „Daredevil“ wie ein Serie-gewordenes B-Movie. Nicht ohne Reiz, aber gerade in der Figurenzeichnung fahrig und unfokussiert.

Mr Robot
Großartige erste Folge, dann ein herber Absturz. Viel zu viel lahmes Gesülze im Off-Kommentar, eine ziellose bis blödsinnige Story – vielleicht bin ich zu früh ausgestiegen, aber mir war das nix…

Serien-Vorschau 2015

Mad Men, Final Season PlakatWas es in den nächsten Monaten so im Kino geben wird, hatte ich hier neulich schon einmal nach bestem Wissen zusammengetragen. Nicht weniger interessant ist natürlich, mit welchen Serien es wann los oder weiter geht. Ich orientiere mich hier am US-Zeitplan, da ich keine Lust habe zu prüfen, welcher Sender was wann in der Übersetzung zeigen wird. Das bitte bei Bedarf einfach selber googlen!

12 Monkeys“ hatte letzte Woche einen anständigen Start. Aber die Messlatte liegt angesichts der Genialität von Terry Gilliams Film 1995 sehr hoch, daher bin ich noch nicht sicher, ob ich die erste Staffel zu ende gucken werden (und also mindestens halbherzig empfehlen kann.
[1. Staffel seit 16.1., 13 Folgen]

Erst spät habe ich mit „Justified“ angefangen, der Show um einen schießwütig-charmanten US-Marshall in Kentucky. Hier ist allerdings langsam ein echter und finaler Showdown nötig. Die Serie hat großen Spaß gemacht und darf gern noch ein letztes mal Raylan Givens und seinen Erzfeind aus Kindertagen Boyd Crowder zum Duell antreten lassen – dann ist es meines Erachtens aber auch mal gut…
[6. Staffel seit 20.1., 13 Folgen]

Mit dem Prequel und Spin-Off „Better Call Saul“ kehrt das Universum von „Breaking Bad“ zurück ins Fernsehen. Die Besetzung vor und hinter der Kamera besteht weitgehend aus der alten Crew und die ersten Kritiken (die Previews sind vor ein paar Tagen gelaufen) sind überwiegend positiv. Ich nehme die Show erstmal vorbehaltlos in meinen ‚Stundenplan‘ mit auf.
[1. Staffel ab 8.2.,10 Folgen]

Wie üblich an einem Tag veröffentlichen wird Showtime die dritte Staffel von „House of Cards„. Man kann bezüglich des Realitätsgehalts der Show sicher einige Einwände haben, was den Plot, die Dialoge und Figuren angeht ist die Serie aber ganz sicher weit vorne dabei – ich habe den März dafür ‚freigeräumt‘.
[3. Staffel am 27.2., 13 Folgen]

Zu „Game of Thrones“ ist eigentlich alles und noch mehr schon geschrieben worden. Ich gehöre zur Fraktion derer, die nicht die Bücher lesen, und habe daher keinen Plan, was mich in der kommenden Staffel erwartet. Obwohl: der Spitzname ‚Tits & Horses‘ ist ja nicht aus der Luft gegriffen…
[5. Staffel ab 12.4., 10 Folgen]

Eine Ära geht zu ende, wenn „Mad Men“ sich im Frühjahr mit den finalen Folgen für immer aus dem Sendeplan verabschiedet. Ich bin sehr gespannt, wie es für die vielen herrlichen Figuren enden wird. Möge Serien-Mastermind Matthew Weiner uns und seiner Crew ein (denk-)würdiges Finale bescheren.
[Zweite Hälfte der 7. Staffel ab 5.4., 7 Folgen]

Nachdem mir die erste Staffel von „Hannibal“ nicht so sehr zugesagt hat, habe ich mich nur wegen einer ‚Lücke im Spieplan‘ auf die zweite Staffel eingelassen. Das wiederum hat sich sehr gelohnt. Extrem düster, brutal, blutig und krank ist diese Serie, dabei doch stets faszinierend und nie vulgär. Mads Mikkelsen spielt die berühmte Figur mit Intensität und Selbstverständlichkeit – weshalb die Show tatsächlich funktioniert, ohne das Original zu kopieren oder zu beleidigen.
[3. Staffel ab Juni 2015, 13 Folgen]

Weitgehend unbekannt (lief glaube ich bei Sky) ist hierzulande „Rectify„, die Geschichte eines Mannes, der nach Verfahrensfehlern über 10 Jahre nach seiner Verurteilung zum Tode aus dem Gefängnis entlassen wird. Das großartige Drama geht in die dritte Runde, es ist noch Zeit genug, sich vorher die 16 Folgen der ersten beiden Seasons anzusehen.
[3. Staffel ab Sommer 2015, 6 Folgen]

P.S.: Wer hier vergeblich auf einen Termin für „The Walking Dead“ gesucht hat: diese Show habe ich abgeschenkt. Immer wieder die gleichen Splatterszenen und viel zu wenig Drive in der Story, das ist mir nix.

Sherlock Season 3 – es geht auf höchstem Niveau weiter…

Nachdem die zweite Staffel mit einem Cliffhanger zuende ging nimmt die aktuelle Staffel den Faden geschickt wieder auf. Die drei Folgen sind allesamt keine klassischen, in sich geschlossenen Kriminalfälle, die Serie beschäftigt sich eingehend mit ihren Figuren. Was „Sherlock“ sehr gut tut, denn die Autoren haben eine Menge Ideen, die das Publikum zuweilen gar richtig schockieren können. Hut ab und bitte unbedingt weiter machen!

Serie: Top of the Lake

Top of the Lake PosterKrimi/Drama/Mystery, Neuseeland 2013 (ca. 360 Minuten)

Regie: Jane Campion, Garth Davis

Nach all den Lobhudeleien, die Anfang November durch die hiesigen Feuilletons rauschten, habe ich mir die Miniserie der „Das Piano“-Regisseurin Jane Campion nun auch mal angesehen. Die vielen Vergleiche mit David Lynchs „Twin Peaks“ hinken meiner Ansicht schon gewaltig, aber zumindest eines lässt sich über „Top of the Lake“ sagen: es ist die visuell beeindruckendste, schönste Serie, die ich bisher gesehen habe.

Der Süden Neuseelands ist der faszinierende Schauplatz des Geschehens. Polizistin Robin (Elizabeth Moss aus „Mad Men“) kehrt in ihre Heimat zurück, wo sie es mit einem bitteren Fall zu tun bekommt. Die 12-jährige Tui hat versucht sich das Leben zu nehmen. Sie ist schwanger, doch niemand weiß, von wem.

Das Szenario ist von merkwürdigen Gestalten bevölkert. Da ist Tuis Vater Matt, ein gefährlicher Drogendealer, der die Gegend scheinbar fest im Griff hat, eine Enklave von Frauen in einem abgelegenen Container-Dorf am See, deren Anführerin die charismatisch-schroffe CG (Holly Hunter) ist. Während Robin bei den Ermittlungen nur schwer voran kommt, muss sie sich zunehmend den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen, die an vielen Ecken (und verkörpert durch eine Vielzahl von Figuren) auf sie lauern.

In den besten Momenten ist „Top of the Lake“ stark gespieltes, spannendes und in großartigen, cineastischen Bildern gefilmtes Drama. Dramaturgisch allerdings übertreibt man es mit dem „Understatement“. Dass die Story erst sich nach und nach ihre wahre Seele offenbart finde ich passend – dass die Serie aber an vielen Höhepunkten holprig erzählt ist störend. Ebenso wie die (zu) kurzen Rückblenden, die es nicht schaffen, Vergangenheit und Gegenwart ausreichend in Einklang zu bringen. Man kann sich natürlich an vielen Stellen seinen Teil einfach denken, aber ein bißchen mehr Erklärung, mehr richtige Aufklärung hätte dem Ganzen schon gut getan.

Fazit: Bildgewaltige, stark gespielte Serie, leider mit Mängeln in der dramaturgischen Bauausführung. Für geduldige Zuschauer auf jeden Fall einen genauen Blick wert, weniger geduldige werden sich frustriert abwenden.

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