Filmkritik: Predestination

Predestination PosterSci-Fi/Drama, 2014

Regie: Michael & Peter Spierig; Darsteller: Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor

In aller Kürze: Clevere Zeitreisen-Story im Retro-Look

Worum gehts? Ein Geheimdienst nutzt Zeitreisen, um Verbrechen vor Ihrer Entstehung zu verhindern. Ein Agent gerät bei der Jagd auf einen Bombenleger in eine komplizierte Story um Identität, Loyalität und die Paradoxa des Phänomens Zeitreisen.

Die gute Nachricht: In einem ungewöhnlichen, stimmigen Mix aus Science-Fiction und klassischem Drama entwickelt der Film einen großen erzählerischen Sog. Hervorragend gespielt von Ethan Hawke und der australischen Newcomerin Sarah Snook

Die schlechte Nachricht: Ich kann nicht garantieren, dass die Story bei (zu) genauem Hinsehen keine erheblichen Logik-Fehler aufweist.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
„Dark City“, „Donnie Darko“, „Gattaca“

4/5

[PS: Diese „neue“ Kritik-Kurzform wollte ich mal ausprobieren. Gern in den Kommentaren Feedback geben!]

Kurzkritik: The One I Love

The One I Love FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Charlie McDowell; Darsteller: Elisabeth Moss, Mark Duplass, Ted Danson

Obwohl ansonsten überhaupt nicht  vergleichbar mit David Finchers „Gone Girl“ gibt es eine große Gemeinsamkeit – man sollte möglichst nichts über den Plot des Films (über die ersten 15 Minuten hinaus) wissen. Ethan und Sophie (Duplass und Moss) haben Eheprobleme, die sie beim Paartherapeuten zu lösen versuchen. Dieser rät Ihnen zu einem Wochenend-Ausflug in ein idyllisches Ferienhaus, wohin sich die beiden prompt aufmachen.

Es entwickelt sich nun ein Beziehungsdrama, allerdings eines, in dem die Rollen nicht so richtig klar verteilt sind. „The One I Love“, so viel darf ich verraten, geht in Richtung Charlie-Kaufman-Territorium, will sagen „Vergiss Mein Nicht“, „Adaption“ oder auch „Being John Malkovich“ lassen grüßen. Stark gespielt und geschickt inszeniert ist der Film kein reines Kopfkino und keine bloße Stilübung, sondern eine im besten Sinne interessante Variation der filmgewordenen Beziehungskrise.

4/5

Filmkritik: Sin City – A Dame To Kill For (2D)

Sin City A Dame To Kill ForFantasy/Action, USA 2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller; Darsteller: Josh Brolin, Eva Green, Mickey Rourke, Jessica Alba, Joseph Gordon-Levitt

Die gute Nachricht ist diese: Wer „Sin City“ wegen der Stimmung, der Effekte und den finsteren Gestalten mochte, der wird auch diese Fortsetzung mögen. Die weniger gute Nachricht: „A Dame To Kill For“ erreicht erzählerisch nicht das Niveau des ‚Originals‘ und bringt keine sonstigen Ideen neu ins Spiel. Die gnadenlose, düstere Welt von „Sin City“ ist dieselbe geblieben, auch viele Figuren treten erneut wieder auf.

Brutalinski Marv (M. Rourke) eröffnet den Film, der auf bekannte Weise vier Geschichten miteinander verwebt. Die längste und beste davon erzählt von Dwight (im ersten Teil von Clive Owen gespielt, hier in der Timeline DAVOR angesiedelt und mit Josh Brolin besetzt) und seiner schönen Ex-Freundin Ava (Eva Green), die „Dame To Kill For“ des Titels. Neu dabei ist der Glücksspieler Johnny (J. Gordon-Levitt), der sich mit dem übermächtigen Senator Roarke anlegt, zudem nimmt der Film den Faden von Stripperin Nancy (J. Alba) wieder auf, die eine lange offene Rechnung begleichen will.

Der Ton wird wie gewohnt bestimmt durch lakonische Off-Kommentare, von kräftigen Blutspritzern (teilweise eher Blutfontänen) durchbrochenen Schwarz-Weiss-Bildern, viel Reizwäsche und nackter Haut (Eva Green stellt einen persönlichen Nackigkeits-Rekord auf, was etwas heissen will), die krass stilisierten Actionszenen und äußerst brutale Gewalt-Orgien.

Dass dies alles nicht mehr neu ist, bedeutet nicht, dass es nicht noch einmal funktionieren würde. Rodriguez gelingen einige virtuose Szenen, die sich hinter dem Vorgänger nicht verstecken müssen. Die Stories ergeben allerdings kein so gelungenes Gesamtbild, was jedoch das Vergnügen (zumal für Fans des Stoffes) nur leicht schmälert.

4/5

 

 

Filmkritik: The Zero Theorem

The Zero Theorem PosterSci-Fi/Drama, USA/Rumänien/Frankreich/UK 2013

Regie: Terry Gilliam; Darsteller: Christoph Waltz, Melanie Thierry, David Thewlis, Matt Damon, Tilda Swinton

In der nicht allzu fernen Zukunft oder Parallelwelt von „The Zero Theorem“ sieht es aus, wie es nur bei Terry Gilliam aussehen kann. Der technische Fortschritt ist dem aktuellen Stand einerseits weit voraus (Virtual Reality, interaktive Werbebanden in der ganzen Stadt); andererseits ist vieles in bizarrer Retro-Optik gehalten, wie etwa ein gigantisches Rechenzentrum, Hamsterrad-ähnliche Arbeitsplätze oder die herrlich schrillen Klamotten.

In dieser Welt fristet Computer-Experte Qohen Leth (C. Waltz) sein einsames Dasein. Als Angestellter bei der allmächtigen „ManCom“ ist er von seiner Arbeit genervt, zuhause – Qohen wohnt in einer alten Kirche – wartet er wie besessen auf einen obskuren Anruf, der ihm die Bedeutung seiner Existenz erklärt. Auf sein wiederholtes Drängen erklärt sich Management (verkörpert von Matt Damon) bereit, Qohen ins Home Office zu entlassen – wenn er dort am Projekt „Zero Theorem“, einer ziemlich endlosen Gleichung, arbeitet.

Parallel tritt die schöne Bainsley (M. Thierry) in Qohens Leben, die er bei einer Party kennenlernt und irgendwie nicht wieder los zu werden scheint. Weitere handelnde Personen sind Managements hochbegabter Sohn Bob, Qohens Vorgesetzter Joby (D. Thewlis) und Tilda Swinton als ‚Dr. Shrink-Rom‘, einer Psychiater-Software, mit der Qohens Depressionen und Ängste behandelt werden sollen.

Terry Gilliam hat „The Zero Theorem“ im britischen ‚Guardian‘ als Abschluss einer dystopischen Satire-Trilogie bezeichnet (deren erste Teile „Brazil“ und „12 Monkeys“ waren). Hier geht es ihm eindeutig um Kritik an der fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags und des damit einhergehenden Verlusts von echter zwischenmenschlicher Nähe und wahren, analogen Erlebnissen.

Zum Glück für all jene, denen Gilliams Filme nicht ohnehin immer zu wild und irre waren, gibt es in „The Zero Theorem“ unzählige skurrile Ideen und Einfälle, in denen Gilliam seine Ansichten verpackt. Handlung, Set-Design, Spezialeffekte und Schauspieler greifen wunderbar ineinander in einem Film, der weder Komödie noch Drama noch Science Fiction ist, sondern eine ganz eigene, verschrobene Symbiose dieser Genres.

4/5

Filmkritik: Her

Her PosterSci-Fi/Drama/Komödie, USA 2013

Regie: Spike Jonze; Darsteller: Joaquin Phoenix, Amy Adams, Olivia Wilde

Los Angeles im Jahre 2025. Theodore (J. Phoenix) verdient sein Geld als Ghostwriter von persönlichen Briefen, verbringt seine Freizeiz mit Videospielen oder Telefonsex in seinem Apartment, und trauert seiner in die Brüche gegangenen Ehe hinterher. Melancholisch gestimmt kauft er ein neues Feature für seine Kombination aus Headset und Mini-Display. Das Extra-Betriebssystem „OS1“ soll in seiner digitalen Welt für Ordnung sorgen und den Alltag erleichtern. Nicht nur das – die Entwickler der Software werben damit, dass es ein eigenes Bewusstsein entwickelt und sich dem Benutzer voll und ganz anpasst.

In einer wunderbaren Szene erweckt „Her“ seine Grundidee zum Leben. Theodore installiert „OS1“, entscheidet sich für eine weibliche Stimme (im Original gesprochen von Scarlett Johansson) und beginnt ein Gespräch mit „Samantha“, wie sich seine digitale Gefährtin gut gelaunt selbst tauft. Großartig gespielt und mit so geistreichen wie witzigen Dialogen beginnt die schräge Liebesgeschichte von Theodore und der körperlosen Frau in seinem Ohr, die ihm erst einmal dabei hilft, seine vollgemüllte Email-Inbox aufzuräumen.

Zwischen Drama, Komödie und Sci-Fi im Minimalismus/Retro-Modus entfaltet sich eine mitreißende und abseitige Story, mal traurig, mal witzig, oft beides zugleich. Das stimmig entwickelte Szenario und der liebevolle Ton des Films bilden das Fundament von „Her“, gemeinsam mit Joaquin Phoenix‘ brillianter Darstellung der Hauptfigur. Er spielt Theodore als intelligenten, einsamen und einfühlsamen Mann, in dessen Welt das Publikum neugierig bis ungläubig (aber nie teilnahmslos) eintauchen kann.

Drehbuchschreiber und Regisseur Spike Jonze (“Being John Malkovich”) zeichnet für den Einfallsreichtum von Story und Inszenierung verantwortlich. Er bewegt sich dabei abseits des Mainstreams, hat aber keineswegs reines Kopfkino geschaffen – auch wenn es wortwörtlich hier beinahe zutrifft. Vom Set-Design über die Besetzung bis zu den Kostümen (diese Hosen!) und der wundersamen Stimmung im L.A. der Zukunft (gefilmt wurde in L.A. und Shanghai) kann der Film überzeugen.

Erzählerisch kann der Film sein Niveau bei näherem Hinsehen nicht bis ganz zum Ende halten. Trotzdem hat “Her” alles, um anno 2014 einen Gang ins Kino zu rechtfertigen. Weil er faszinierende neue Wege geht, die man am allerbesten in einem dunklen Kinosaal entdeckt.

5/5

Filmkritik: Snowpiercer

Snowpiercer PosterDrama/Sci-Fi, Südkorea/USA/Frankreich/Tschechien

Regie: Joon-Ho Bong; Darsteller: Chris Evans, Tilda Swinton, Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris

In der Welt von „Snowpiercer“ hat die Menschheit den Kampf gegen die globale Erwärmung verloren. Anno 2031 fahren die letzten Überlebenden (seit 17 Jahren!) mit einem Zug auf der in klirrender Kälte erstarrten Erde umher. Erbauer und Führer des durch einen „Perpetuum Mobile“-Motor angetriebenen Zuges ist der ominöse Mr. Wilford. An Bord herrscht eine Klassengesellschaft, in der die Proletarier auf den billigen Plätzen hinten im Zug beginnen, gegen die herrschende Klasse aufzubegehren.

Ungefähr so viel wusste ich über den ersten englischsprachigen Film des koreanischen Regisseurs Joon-Ho Bong. Und mein erster Gedanke war: „Was für ein bescheuertes Szenario.“. Weil die Bewertungen bei der IMDB gut und einige Kritiken wohlwollend waren, habe ich mir „Snowpiercer“ nun angesehen. Das Bauchgefühl lag hinsichtlich der ziemlich weit hergeholten Story schon sehr richtig, doch der Film kämpft mit einigen guten Ideen gegen die eigenen Schwächen an.

Zentrale Figur der Handlung ist Curtis (Chris Evans), der hinten im Zug einen Aufstand anzettelt. Erste Erfolge bringen ihn und seine Mitstreiter Wagen um Wagen näher an die vorne fahrende Zentrale heran – doch die Hindernisse und Gegner scheinen bald übermächtig. Die Abseitigkeit des Szenarios erinnert in manchem an Terry Gilliams „Brazil“. Die für die Einhaltung der Ordnung zuständige Mason (T. Swinton) kommt daher wie eine Internatslehrerin aus „Harry Potter“, eine Art Schlüsselmeister berauscht sich mit einer merkwürdigen Droge. Mit jedem Wagen, den Curtis und seine Truppe erobern, bekommt der Zuschauer eine neue – oftmals skurille – Szenerie geboten.

Zu den Schauwerten zählen neben der überzeugenden Kulissen äußerst blutige, mit vielerlei verschiedenen Waffen geführte Kämpfe sowie mit überschaubarem Aufwand realisierte CGI-Effekte, die ins Gesamtbild passen, aber niemanden vom Hocker reissen werden.

„Snowpiercer“ kann in seinen besten Momenten durchaus faszinieren, aber als Ganzes nicht recht überzeugen. Zu vage bleibt die Geschichte des Zuges, zudem mangelt es an innerer Logik. Es finden sich viele Anspielungen und Kommentare auf die heutige Gesellschaft, der Film hat auch eine politische Botschaft (zumindest meine ich, eine vernommen zu haben). An Ambitionen mangelt es wahrlich nicht.

Doch war es mir trotz guten Willens nicht möglich, dass Geschehen ernst zu nehmen – wohlwollend und oft erstaunt habe ich die gut zwei Stunden Laufzeit abgesessen. Wer viel Spaß am Genre hat und genug Neugier für den Stoff mitbringt kann hier zugreifen; allen anderen sei eher abgeraten.

2/5

Filmkritik: 300 – Rise of an Empire (3D)

300 – Rise of an Empire (Poster)Action, USA 2014

Regie: Noam Murro; Darsteller: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey

Die Fortsetzung von Zack Snyders Erfolgsfilm „300“ ist Prequel und Sequel zugleich. Sie erzählt die Vorgeschichte der Kämpfe bei den Thermopylen und schildert die ziemlich zeitgleich stattfindenden Seeschlachten zwischen Xerxes Flotte und den Griechen. Visuell haut der Film mindestens genau so derbe auf die Kacke wie der Vorgänger. Die Produzenten wissen schließlich, dass die Fans das Original nicht für seine genaue Geschichtsbetrachtung verehren, sondern wegen der extrem stilisierten, brutalen Bilder, der Zeitlupen und digitalen Spielereien.

Hauptdarsteller Sullivan Stapleton besitzt als General Themistokles leider bestenfalls das Charisma einer Fußmatte. Damit ist er seiner weiblichen Gegenspielerin, Flottenkommandantin Artemisia (hemmungslos trashig gespielt von Eva Green) hoffnungslos unterlegen. Und anders als seinem Kollegen Gerard Butler als Leonidas nimmt man ihm auch keine Sekunde ab, dass er eine Armee führen oder gar Völker vereinigen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dialoge noch dümmlicher geworden sind – und auch die Story ist einen Tick ZU willenlos geraten.

Die Schlachten von „300 – Rise of an Empire“ finden zur Abwechslung auf See statt, und ganz zeitgemäß natürlich in (gelungenem, aber nicht überragendem) 3D. Dabei nimmt sich der Film viele digitale Freiheiten, die Ägäis türmt etwa wahre Wellengebirge auf, und der Mond ist vom Geschehen nur wenige Gehminuten entfernt – so scheint es zumindest. Die Übertreibungen sind Teil des konsequent verfolgten Plans, ein bedingungsloses Bewegungskino zu schaffen, in dem alles erlaubt ist.

Vor allem zu Beginn des Films – bevor die Schwächen von Story, Dialogen und der lahmen Figuren zu nerven beginnen – geht dieser Plan sehr gut auf. Es sind ein paar atemberaubende (3D-)Einstellungen und aberwitzig montierte Kampfszenen zu sehen. Mit zunehmender Laufzeit setzt dann eine gewissen Ermüdung ein, wobei noch einiges geboten wird (etwa eine over-the-top Sex- und Prügelszene und ein extrem vorhersehbares Finale). Bis zu den Credits gibt es auch einiges zu lachen, nicht selten dürften es unfreiwillige Lacher sein.

Ob man an diesem gewalttätigen Trashfest Spaß hat oder nicht hängt vor allem von der Erwartungshaltung ab. In den Kategorien „Figurenzeichnung“, „Story“ und „Allgemeiner Anspruch“ tritt „300 – Rise of an Empire“ gar nicht erst an. Das Ergebnis des absoluten Willens der Macher zum überwältigenden Spektakel ist durchaus sehenswert – aber eben auch redundant und limitiert.

3/5

Filmkritik: Out of the Furnace (Auge um Auge)

Out of the Furnace PosterDrama, USA 2013

Regie: Scott Cooper; Darsteller: Christian Bale, Woody Harrelson, Casey Affleck, Zoe Saldana, Willem Defoe, Forrest Whitaker

Düster und tragisch geht es im neuen Film von „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper zu. Russell Baze (C. Bale) arbeitet in einem Stahlwerk in Pennsylvania, sein Bruder Rodney ist als Soldat mal zuhause, mal im Irak-Einsatz, während ihr Vater im Sterben liegt. Und es wird nicht besser…

Gleich die ersten Szenen geben den Ton des Films vor. Woody Harrelson spielt einen Brutalinski, der im Autokino ziemlich grundlos ausrastet und mächtig austeilt. Ihn wird Rodney, der nach dem Armeedienst bei illegalen Boxkämpfen sein Geld verdient, noch kennenlernen.

„Out of the Furnace“ funktioniert gut als Milieustudie, zeigt glaubwürdige Figuren aus einer Arbeiterklasse, die ums Überleben kämpft. In gemächlichem Tempo dauert es eine Weile, bis es zur finalen Konfrontation kommt, zu einem altmodischen Showdown – der von der ersten Minute an (auch wegen der besetzten Schauspieler) in der Luft liegt.

Bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt kann der Film inszenatorisch ebenfalls überzeugen. Doch im Gegensatz zu vergleichbaren Filmen (ich denke da an „A History of Violence“ oder „Winter’s Bone“) fehlt mir hier irgendwie ein besonderes, herausragendes Element. Man kann „Out of the Furnace“ als fundamentale Kritik an der modernen westlichen Welt verstehen – die hätte ich mir dann aber etwas konkreter und zielgenauer gewünscht. Es bleibt unter dem Strich ein überzeugendes, wenn auch zuweilen etwas zähes, Drama.

4/5

Filmkritik: The Counselor (Extended Cut)

The Counselor PosterDrama, USA 2013

Regie: Ridley Scott; Darsteller: Michael Fassbender, Penelope Cruz, Cameron Diaz, Javier Bardem, Brad Pitt

Basierend auf einem Drehbuch von Cormac McCarthy („No Country For Old Men“, „Blood Meridian“) hat Regisseur Ridley Scott in „The Counselor“ ein beträchtliches Staraufgebot zusammen getrommelt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Film, der diese aber nur bedingt erfüllen kann. Im Zentrum der Story steht ein Anwalt (Fassbender), der bei einem undurchsichtigen Drogendeal mitmischt und langsam die Kontrolle über die Situation verliert – und die Gewalt um ihn herum zusehends eskaliert.

Dass er dabei von allen mit „Counselor“ angeredet wird ist ironisch bis sarkastisch gemeint. Nur einmal tritt er als Berater auf (und da mit nicht absehbaren, fatalen Folgen), ansonsten hat der „Counselor“ den Rat seiner Mitmenschen dringend nötig – wobei dieser wenig erhellend ausfällt. In Dialogen, die oft tatsächlich besser in einen Roman als in einen Film passen, geben die fiesen Gestalten des Films ihre Ratschläge meist in Form von Gleichnissen oder Geschichten.

Javier Bardem, Cameron Diaz und Brad Pitt treten als beinahe comic-hafte Gestalten der Halb- und Unterwelt auf, während einzig Penelope Cruz als des Counselors Verlobte einen Hauch Menschlichkeit in die Szenerie bringt. Der Großteil der Story spielt in Texas und Mexiko, oft in dekadenten Villen voller Designer-Möbeln und Luxus-Sportwagen vor der Tür. Die Story ist dabei eher nebensächlich und geht eher am Rande voran – ganz im Sinne des fatalistischen und nihilistischen Weltbilds von „The Counselor“ ist ohnehin klar, dass es kein glückliches Ende finden wird.

Trotz einiger Längen (im Extended Cut) hat mich der Film durchaus in seinen Bann gezogen,entwickelt dabei aber keine erzählerische Wucht. Eine ähnlich pessimistische Grundstimmung, die als fundamentale Kritik verstanden werden will, habe ich zudem neulich in „Killing Them Softly“ schon gesehen. Und auch „No Country For Old Men“ schlug – wenn auch in den Achtzigern spielen und mit anderer Tonart – in diese Kerbe. Die Stimmung, die „The Counselor“ erzeugt,  sowie die formale Klasse, die Ridley Scott auszeichnet, sind schon definitiv einen Blick wert. In Bezug auf Inhalt und Figuren jedoch ist das Ganze, auch wenn es so gewollt ist, etwas zu dünn. Für Freunde düsterer Stoffe trotzdem durchaus eine Empfehlung.

3/5

Filmkritik: Machete Kills

Machete Kills PosterAction/Comedy, USA 2013

Regie: Robert Rodriguez; Darsteller: Danny Trejo, Demain Bichir, Amber Heard, Michelle Rodriguez, Meld Gibson

Um es gleich vorweg zu sagen: „Machete Kills“ ist definitiv ein Film für einen gemeinsamen Film- bzw. Kinoabend. Da darf gelacht und zwischendurch auch mal gequatscht werden, so wäre es im Sinne des Erfinders. Krankheitsbedingt habe ich den Film allein und mit einem Pfefferminztee bewaffnet gesehen, was das Vergnügen sicher ein wenig geschmälert hat.

Regisseur Robert Rodriguez schickt hier zum zweiten mal Danny Trejo als zerknitterten, bärenstarken Ex-‚Federale‘ (mexikanischer Antidrogen-Cop) Machete in den Ring. Seine Mission bekommt er vom US-Präsidenten (gespielt von Charlie Sheen) höchstpersönlich. Er soll den übergeschnappten Drogen-Boss Mendez (Demian Bichir) zur Strecke bringen – denn der hat eine Atombombe in seinen Besitz gebracht.

Das Szenario ist genau so over-the-top wie im ersten Teil, ein paar lustige Ideen und Cameo-Auftritte (Lady Gaga, Cuba Gooding, Jr.) kommen dazu, auch die trashige Splatter-Ästhetik ist bis zum Anschlag aufgedreht. So macht „Machete Kills“ sicher allen Fans der Figur Spaß, ohne allerdings starke neue Impulse setzen zu können. Die Gewaltorgie aus CGI-Blut, halbnackten Girls und waghalsigen (und albernen) Stunts und Ballereien geht schnell vorbei und unterhält ordentlich.

3/5

Filmkritik: Trance

Trance PosterThriller, UK 2013 [Trailer]

Regie: Danny Boyle; Darsteller: James McAvoy, Rosario Dawson, Vincent Cassel

Wer sich vorstellen kann, an einer Mischung aus „Memento“, „Ocean’s Eleven“ und „Die üblichen Verdächtigen“ seine Freude zu haben, der ist bei „Trance“ genau richtig. Der Film von Danny Boyle („Trainspotting“, „Slumdog Millionaire“) erzählt von einem Kunstraub und einer Hauptfigur mit Gedächnisverlust, bringt schließlich eine schöne Frau ins Spiel, nur um Geschehen und Figuren dann immer mehr in Frage zu stellen.

Der junge Kunst-Auktionator Simon (McAvoy) spielt bei einem spektakulären Coup der Bande um Anführer Franck (Cassel) eine Schlüsselrolle. Leider hat er nach dem erfolgreichen Raub nicht nur den millionenschweren Rembrandt versteckt, sondern kann sich wegen einer Kopfverletzung nicht mehr daran erinnern wo. So tritt die schöne Hypnose-Ärtzin Elisabeth (Dawson) ins Geschehen ein, die schon bald von der reinen Erfüllungsgehilfin zur zentralen Figur der folgenden Psycho- und Macht-Spielchen aufsteigt.

Schon der Beginn von „Trance“ ist flott, und der Film erhöht die Drehzahl kontinuierlich bis zum Ende. Die Story, so viel ist schnell klar, ist ein Puzzle, das gelöst werden muss. Nicht nur von den Figuren, sondern auch vom Publikum selbst. Mit viel Elan und handwerklichem Können bringt Boyle seinen Beitrag zum „Mindfuck“-Genre auf die Leinwand, wobei er das Geschehen angesichts der vielen Twists sehr gut im Griff behält.

Trotzdem bleiben Momente nah an der unfreiwilligen Komik nicht aus. Da der Film konsequent auf Spannung und Eskalation setzt, spielt die dabei zwangsläufig auf der Strecke bleibende Glaubwürdigkeit keine große Rolle. Die erzählerische Klasse von „Memento“ erreicht „Trance“ sicher nicht, punktet aber mit starken Darstellern und seiner ansteckenden Freude an der konsequenten Zuspitzung seines Plots. Das Finale und ‚Auflösung‘ sind vielleicht nicht sonderlich innovativ, dafür aber packend inszeniert. „Trance“ ist ganz großer Quatsch und Augenwischerei – im Mantel großartiger Unterhaltung.

4/5

PS: Wer gut aufpasst, kann die richtige Fährte der Story früh aufnehmen – dem Spaß tut das keinen wirklichen Abbruch.

Filmkritik: Spring Breakers

Spring BreakersDrama/Komödie, USA 2012 [Trailer]

Regie: Harmony Korine; Darsteller: Vanessa Hudgens, Selena Gomez, James Franco, Ashley Benson

Vier Studentinnen, die sich auf einem tristen College langweilen, planen zum berühmten Spring Break nach Florida zu fahren. Sie wollen mal so richtig die Sau rauslassen. Allerdings ist ihre Reisekasse nicht ausreichend gefüllt, weshalb sie bald zu drastischen Mitteln greifen, um ihr Ziel zu erreichen. Auf dem Spring Break angekommen stürzt der Film seine Hauptfiguren auf enthemmte Sex- und Drogenparties – die Mädels haben wahrlich „the time of their lives“.

Von Beginn an arbeitet Regisseur Korine mit einer Mischung aus Übertreibungen und radikalen, anklagenden Darstellungen. Wilde Schnitte, ein lauter Soundtrack und äußerst freizügige Bilder von (halb-)nackten, drogenkonsumierenden Jugendlichen stoßen das Mainstream-Publikum brachial vor den Kopf. Gerade wenn man glauben könnte, dass der Film seine vier hübschen Mädchen wieder auf den Pfad der Tugend bringen will, schaltet er noch einmal einen gewaltigen Gang hoch und entwickelt sich in eine absolut entgegen gesetzte Richtung.

Mit dem Auftritt von Drogendealer und Räuber ‚Alien‘ (völlig over-the-top gespielt von James Franco) beginnt eine noch weitaus wildere Story, die zwischen Gangster-Plattitüden, grotesken Gesangseinlagen (Britney Spears!) und „Scarface“ sowie „Bonnie & Clyde“-Versatzstücken wie im Delirium auf ein blutig-furioses Finale zusteuert.

Was man abschließend von dem ganzen Budenzauber halten soll ist keine einfache Frage. Sicher spielt der Film, zuweilen auch recht geschickt, mit unterlaufenen Erwartungen, kann als derbe Konsumkritik oder böse Satire verstanden werden. Genau so gut kann man ihn als pures Überwältigungskino einer übertriebenen Outlaw-Romantik verstehen. Die Anti-Heldinnen wiederum kann man nicht wirklich ernst nehmen, sie gewinnen kaum psychologische Konturen – während ihre kaum bekleideten Körper in offensiver HipHop-Video-Ästhetik jede zweite Einstellung dominieren. Lediglich die etwas schüchterne Faith, die nach Aliens erstem Auftritt das Weite sucht, sticht aus der Viererbande als Individuum heraus.

So oder so, die Kompromisslosigkeit des Films hat mir sehr gut gefallen. Sicher auch deshalb, weil er sich den gewohnten Konventionen der oft so entsetzlich politisch korrekten US-Komödien widersetzt. Ob das letztlich leerer Selbstzweck ist oder doch ein scharfer Blick auf unsere Zeit (und Jugendlichen), das kann ich nicht so recht beurteilen. In den USA, so habe ich gelesen, sind drei der Hauptdarstellerinnen große Teenie-Stars mit blitzsauberem Image. Mir waren sie vorher so gut wie unbekannt, vielleicht fehlte daher der sicherlich gewollte „good girls gone bad“-Effekt.

3/5

Filmkritik: Stoker

Stoker FilmposterDrama/Thriller, USA 2013

Regie: Park Chan-Wook; Darsteller: Mia Wasikowska, Matthew Goode, Nicole Kidman

Nach dem Unfalltod des Architekten Richard Stoker bekommen dessen Witwe Evelyn (Kidman) und Tochter India (Wasikowska) unerwartete Gesellschaft auf ihrem herrschaftlichen Anwesen in Neuengland. Richards kleiner Bruder Charlie (Goode) zieht nach einer mehrjährigen Auslandsreise bei ihnen ein. Von Beginn an macht „Stoker“ klar, dass mit Charlie irgendetwas nicht stimmt. Zu  perfekt ist sein Benehmen, zu offensichtlich seine Avancen (beiden Frauen gegenüber). Die gerade 18-jährige India mißtraut seinen Versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen, instinktiv, ihre dauerbenebelte Mutter ist da schon empfänglicher.

Lange kommt „Stoker“ wie eine – extrem stylishe – Mischung aus Edgar Allan Poe und Hitchcock daher. Indias erwachendes sexuelles Verlangen sowie Charlies mysteriöse Agenda und Herkunft bestimmen in dem morbiden Setting gemeinsam mit einigen Todesfällen den Verlauf der Story. Der enttäuschende dritte Akt des Films schafft es dann aber leider nicht, die durchaus interessante Disposition mit ihren schwelenden Konflikten überzeugend aufzulösen.

Trotz sehr guter Leistungen der drei Hauptdarsteller bleibt „Stoker“ ein oberflächlicher Film, der geschickt mit Zitaten und Stimmungen spielt, aber kein solides erzählerisches Fundament besitzt. Weil das erst spät im Film deutlich wird können die ersten zwei Drittel des Films (scheinbar) überzeugen – rein handwerklich schafft Regisseur Chan-Wook („Durst„) hier großes Kino. Ein Film für die Galerie also, eine schicke Übung, deren Ende nicht so recht zum Rest passen will. Und daher eben kein Film, über den man in ein paar Jahren noch reden wird. Trotz der schönen Bilder…

3/5

Filmkritik: Antiviral

Antiviral PosterSci-Fi/Drama/Horror, Canada 2012

Regie: Brandon Cronenberg; Darsteller: Caleb Landry Jones, Sarah Gadon, Malcolm McDowell

Von Brandon Cronenberg, Sohn des kanadischen Regisseurs David, kommt mit „Antiviral“ ein wahrlich bemerkenswerter Film. Denn zum einen erinnert der Film an das von perfidem, körperlichen Horror durchdrungene (Früh-)Werk seines Vaters in Filmen wie „Rabid“ oder „eXistenZ“. Zum anderen gelingt dem Filius mit seinem Debut zwar kein Meisterwerk, aber doch eine überzeugende Mischung aus Sci-Fi, Horror, Thriller und Drama.

In der Welt von „Antiviral“ hat die Besessenheit der Menschen mit Berühmtheiten aus Film und Fernsehen bizarre Formen angenommen. In speziellen Kliniken lassen sich Fans mit den Krankheitserregern ihrer Idole anstecken, um Ihnen so nahe zu sein. In Fleischereien werden aus Stammzellen von Stars gezüchtete Steaks angeboten. Syd ist ein junger Angesteller der Lucas Clinic, für die er Viren sammelt und verkauft – bis er sich dabei mit dem mysteriösen Virus der Schauspielerin Hannah Geist infiziert. Kurz darauf ist Hannah tot, und Syd ist verzweifelt bemührt herauszufinden, ob und wie er das Virus bekämpfen kann.

„Antiviral“ ist für empfindliche Zuschauer, die ungern Blut oder malträtierte Körper sehen, unbedingt zu vermeiden. Die Stimmung des Films ist absolut beklemmend, mit bescheidenen Mitteln und ohne viele Tricks schafft er eine stimmige, unbequeme und kalte Welt. In der dann viele unbequeme, unappetitliche und zum Teil auch unverständliche Dinge geschehen. Die Gesellschaftskritik des Stoffes ist unverkennbar, doch es lauern in dem vielschichtigen Film noch andere Abgründe. Nicht jede Entwicklung und jede Szene würde ich als gelungen beschreiben, doch insgesamt bietet „Antiviral“ sowohl klassische Spannung als auch mutige Ideen – und dazu wahrhaft unter die Haut gehende Bilder.

4/5

Filmkritik: Holy Motors

Holy Motors PosterDrama, Frankreich/Deutschland 2012

Regie: Leos Carax; Darsteller: Denis Lavant, Edith Scob

Holy Motors“ beginnt ganz ähnlich wie „Cosmopolis“ mit einem Mann im Anzug, der in eine Stretch-Limousine einsteigt und seinen Arbeitstag beginnt. Was folgt ist eine groteske, visuell überragende und geistig stimulierende Odyssee durch Paris, in der Hauptfigur Monsieur Oscar eine Reihe reichlich obskurer Aufgaben erledigt. Wer genau ihm diese vermittelt oder was sie genau bedeuten sollen bleibt weitgehend offen.

Tatsächlich braucht man als Zuschauer ein Faible für die Filme von Regisseuren wie Lynch und Cronenberg, um nicht entnervt das Weite zu suchen. „Holy Motors“ hat viel zu bieten und lässt sich in Teilen auch entschlüsseln. Es gibt viele äußerst sehenswerte Sequenzen im Film – und auch die weniger starken sind nie langweilig. Am besten hat mir dabei die (von Regie und Drehbuch zwischen den Zeilen ausgesprochene) Einladung gefallen, sich selbst einen Reim auf das absurde Geschehen zu machen. Ich habe sie nur zu gerne angenommen. Ich kann zwar nicht sagen, ich hätte „verstanden“. aber ich kann sagen, dass ich es mit großem Vergnügen probiert habe.

5/5 

IMDB.com / Trailer

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