„Mission: Impossible – Ghost Protocol“: Trailer online

Ob die Welt wirklich noch einen „Mission: Impossible“-Film braucht sei mal dahingestellt. Es wird einen vierten Teil geben, ob wir wollen oder nicht. Tatsächlich sieht der Trailer von „M:I 4 – Ghost Protocol“ nach einem guten Actionfilm aus, der mindestens das Niveau des dritten Teils erreicht. Neben Tom Cruise sind Jeremy Renner, Tom Wilkinson und Simon Pegg dabei, die Story kreist um einen Anschlag auf den Kreml und die Suche nach den Hintermännern – wenn ich das richtig verstanden habe. In den USA und Großbritannien läuft der Film im Dezember an, ich denke der deutsche Kinostart wird spätestens im Januar sein.

Erstes Filmhalbjahr 2011: Filme, die man gesehen haben sollte..

Die erste Hälfte von 2011 ist rum, Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Hier eine Auswahl von Filmen, die man – meiner bescheidenen Meinung nach – gesehen haben sollte, wenn man sich für zeitgenössisches Kino interessiert. „Tree of Life“, an dem sich offenbar die Geister scheiden, habe ich übrigens noch nicht gesehen.

UPDATE: Zu den Top-10 Filmen von 2011

Drama/Thriller

Nicht wegen der ganzen Oscars, sondern weil der Film Anspruch, Humor, Drama und herrliche Darsteller bietet – an „The King’s Speech“ führt kein Weg vorbei, selbst man den „Hype“ eigentlich schon längst satt hat. Nachholtermin auf DVD: ab dem 2. September. [Bestellen bei Amazon.de]

Alles Was Wir Geben Mussten lief im April quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, gerade mal 50 000 Besucher gingen rein. Der Film mischt eine melancholische Lovestory mit dystopischen Sci-Fi-Elementen, heraus kommt eine bewegende Geschichte, wunderbar gespielt und bei aller Traurigkeit trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes schön anzusehen. Nachholtermin auf DVD: ab dem 12. August. [Bestellen bei Amazon.de]

So ganz meinen Erwartungen an eine Verfilmung von Philip K. Dick entsprach „Der Plan (The Adjustment Bureau)“ nicht, schon wegen des zu kitschigen Endes. Dennoch ist der Film eine Augenweide, und bietet neben den Schauwerten witzige Dialoge, ein paar schöne Ideen sowie ein überzeugendes Schauspieler-Ensemble – angeführt von Matt Damon und Emily Blunt. Nachholtermin auf DVD: ab dem 21. Juli. [Bestellen bei Amazon.de]

Der Überraschungshit „Black Swan“ von Darren Aronofsky hat Natalie Portman dieses Jahr einen Oscar beschert. Der Regisseur beweist dabei einmal mehr, dass er ein großartiges Gespür für intensive, spannende Charakter-Dramen hat. Und selbst Menschen, die mit dem Milieu Ballett nicht viel anzufangen wissen, erliegen dem morbiden Charme des Films. Nachholtermin auf DVD: ab sofort. [Bestellen bei Amazon.de]

Comedy/Satire

In eine ganz andere Richtung als die oben genannten Filme geht „Rubber„. Die Farce um einen Killer-Autoreifen, gleichzeitig Film-im-Film und mit vielen schrägen Ideen gesegnet zieht ihre Kreise weit jenseits des Mainstreams. Doch zwischen den Stühlen sitzt es sich in diesem Fall äußerst bequem. Nachholtermin auf DVD: ab sofort. [Bestellen bei Amazon.de]

Noch ein wenig unbequemer, weil entfernt mit der Realität verwandt, ist die Terror-Satire „Four Lions„. Vier absolute Volltrottel haben sich dem islamistischen Terror verschrieben und planen ein Attentat in London. Nicht immer kann der Film dabei überzeugen, aber er enthält einige der lustigsten – und streitbarsten – Szenen dieses Kinojahres. Not be missed. Nachholtermin auf DVD: ab dem 30. September. [Bestellen bei Amazon]

A pros pos lustig: da muss auch „The Hangover 2“ genannt werden, denn auch wenn der Film fast eine Art Remake seines Vorgängers ist, gibt es eine Menge zu lachen. Das eingespielte Ensemble feiert noch einmal ohne Rücksicht auf Verluste, findet sich abermals ohne Erinnerung an die durchzechte Nacht wieder und geht den eigenen Spuren nach. Das alles diesmal in Bangkok und begleitet von einem Äffchen. Noch im Kino, ansonsten ab dem 7. Oktober auf DVD. [Bestellen bei Amazon.de]

Auch gut..

Biutiful, Hereafter, Der Mandant, Paul, True Grit

Arthur

Vielleicht muss man das Original gesehen haben, um zu verstehen, was für ein Film „Arthur“ werden sollte. Der Film von 1981 mit Dudley Moore in der Titelrolle gilt als Komödienklassiker – diesen Status wird die Neuauflage mit Russell Brand, Helen Mirren und Jennifer Garner wohl eher nicht erreichen. Von der ersten Szene an fragt man sich, was das Geschehen eigentlich soll, sieht leicht ungläubig mit an, wie es einfach immer weiter geht, ohne dass sich der Film noch fangen könnte.

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Trust

Wenn in Hollywood-Filmen Kinder zu Schaden kommen geht danach in der Regel ein erwachsener Mann auf einen blutigen Rachefeldzug. So hätte das auch in „Trust“ laufen können. Die 14-jährige Schülerin Annie (Liana Liberato) lernt im Internet einen Jungen kennen, mit dem sich sich blendend versteht. Auf Chats und Nachrichten folgen Telefonate, schließlich trifft sie „Charlie“ im richtigen Leben – und wird von dem tatsächlich weit über 30-jährigen in einem Motelzimmer vergewaltigt. Doch der Film nimmt nicht die einfache Ausfahrt und entwickelt sich zu einem ernsthaften und überzeugenden Drama.

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Biutiful (DVD)

Regisseur Alejandro Gonzales Innaritus („Ameros Perros“, „Babel“) neuer Film ist keine leichte Kost. Er schickt den Ex-Junkie und alleinerziehenden Vater Uxbal (Javier Bardem) auf eine schier hoffnungslose Odyssee durch die kriminelle Halbwelt Barcelonas. Bemüht, seine familiären und finanziellen Angelegenheiten zu klären – weil er unheilbar an Krebs erkrankt ist – hat er vor allem die Zukunft seiner zwei Kinder im Blick, um die er sich aufopferungsvoll zu kümmern versucht.

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„Killer Elite“ – Trailer online

Ein bisschen wie eine Mischung aus „R.E.D.“ und „The Expendables“ sieht er aus, der Trailer zu „Killer Elite“. Jason Statham und Clive Owen geraten darin kräftig aneinander, auch Robert De Niro ist als alternder Special-Forces-Haudegen dabei. Für Freunde des reinrassigen Actionthrillers klingt das einigermaßen vielversprechend, wie so oft bleibt die Frage, ob der Film auch eine vernünftige Story anbieten kann. Falls ja, könnte ich mir einen Gang ins Kino vorstellen, ansonsten wäre „Killer Elite“ trotz der großen Namen eher was für den (un)gepflegten Heimkino-Abend.

Ein Deutschlandstart steht noch nicht fest, in den USA entert das Geballer Ende September die Leinwände. Schaumermal…

In Ihren Augen (DVD)

Manche Filme hat man früh auf dem Zettel stehen, nur um dann um so länger zu brauchen, bis man sie sich endlich ansieht. „In Ihren Augen“, Oscar-Gewinner der Kategorie „Foreign Language Movie“ anno 2010, ist genau so ein Film. Im Kino habe ich ihn verpasst, auf DVD erstmal verschlafen, bis er dann jetzt tatsächlich auf dem Programm stand. Das selbstverschuldete Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt – der Film gehört rückblickend zu den besten seines Jahrgangs.

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Update: Tarantinos „Django Unchained“

Casting fast abgeschlossen und neue Details zur Story

Will Smith wird es nicht werden, alle Zeichen deuten auf „Ray“-Darsteller Jamie Foxx als Titelhelden im neuen Film von Quentin Tarantino hin. Das berichtet die zumeist sehr verlässliche Website Deadline.com hier. Keine schlechte Wahl, denke ich. Auch wenn es schon interessant gewesen wäre zu sehen, wie sich Will Smith und Leo DiCaprio in einem Tarantino-Streifen als Held und Bösewicht gegenüberstehen. Doch das hätte auch – selbst in einem Film von QT – zum absoluten popkulturellen Overkill werden können. Soviel Ballast muss nicht sein.

Nun denn, Leo bleibt ja an Bord, als Bösewicht Calvin Candie. Der betreibt circa anno 1865 in Mississippi seine Farm „Candyland“, auf der Frauen als Sex-Sklavinnen gehalten werden und Männer in Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten müssen. Titelheld „Django“ (Foxx) ist in QTs Version ein befreiter Sklave und Kopfgeldjäger auf der Suche nach seiner Frau.

Christoph Waltz und Samuel L. Jackson sind ebenfalls bereits für Rollen bestätigt. Fehlen nur noch die Damen des ganzen – unwahrscheinlich, dass Tarantinos diesmal keine starken weiblichen Figuren geschrieben hat. Bis zum Drehstart im Herbst kann ja noch einiges passieren. Die Vorfreude auf den Film allerdings, die hat längst begonnen.

13 (DVD)

Eine prominente Besetzungsliste ist kein Garant für einen guten Film. Jason Statham, Mickey Rourke, Ray Winstone, 50 Cent und Michael Shannon sind in „13“ mit dabei, können aber nichts daran ändern, dass der Film trotz einiger guter Ansätze nicht funktioniert. Größtes Problem bei der Sache ist die wenig glaubhafte Story, die außer Show- und Schockeffekten nicht viel zu bieten hat.

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Woody Allens nächster Film: Casting-News

„Midnight in Paris“, der aktuelle Film von Woody Allen, wurde in Cannes hoch gelobt und ist in den USA äußerst erfolgreich – bei uns aber erst ab Mitte August zu sehen. Trotzdem gibt es laut EmpireOnline schon Neues über Allens nächsten Film zu berichten. Der Arbeitstitel lautet „The Bop Decameron“, er wird in Rom spielen und – man erwartet es nicht anders – fährt eine ganze Reihe bekannter Namen auf der Besetzungsliste auf.

Der für Fans wohl interessanteste ist der des Meisters selbst – Allen wird auch vor der Kamera zu sehen sein, das erste Mal seit „Scoop“ vor 5 Jahren. An seiner Seite treten auf: Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penelope Cruz, Judy Davis, Jesse Eisenberg, Greta Gerwig, Ellen Page und Ornella Muti. Sehr ordentlich, wie ich finde! Die Dreharbeiten sollen noch diesen Sommer starten, mit einem Release 2012 darf also gerechnet werden.

Der Mandant (The Lincoln Lawyer)

Ich bin ja immer Fan der Fernsehserie „Matlock“ gewesen, und habe also ein Faible für Justiz-Dramen. Und so habe ich mich auf „Der Mandant“ durchaus gefreut. Mick Haller ist ein Rechtsanwalt, dem eine Lincoln-Limousine als mobiles Büro dient, daher der Originaltiel „The Lincoln Lawyer“. Er lässt sich quer durch Los Angeles chauffieren, nimmt dabei hin und wieder Gerichtstermine wahr, besucht Mandanten oder hat sonstige Meetings. Haller ist ein äußerst gerissener und charmanter Vertreter seiner Zunft – schließlich wird er von Charme-Bolzen McConaughey gespielt.

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Das Prinzip „The Wrestler“ – Es darf auch mal ein anderes Ende sein [SPOILERS]

Mit „The Wrestler“ fing es an,  „Black Swan“ und „Country Strong“ haben dasselbe Ende mehr oder weniger kopiert. Das Schema geht so: Die (Anti-)Helden dieser Filme geben alles in ihrem Metier (Wrestling, Ballett, Country-Music). Sie übertreiben und steigern sich weiter rein, obwohl ihnen klar ist, dass es längst Zeit wäre hinzuschmeissen. Bei ihrer letzten Performance geben sie noch einmal alles – und bezahlen das ganz bewusst mit dem Leben.

Vor allem „The Wrestler“ bedient sich seinerseits bei bekannten Vorbildern, genauer gesagt bei „Butch Cassidy & the Sundance Kid“. Damals waren es Paul Newman und Robert Redford, die in der letzten Einstellung des Films dem Tode geweiht sind – doch gezeigt wird ihr Ableben nicht, das Bild friert vorher ein. Auch „Thelma & Louise“ endet ganz ähnlich. Gegen so ein Ende spricht auch gar nichts, aber es sollte etwas weniger häufig zum Einsatz kommen. Immerhin schaffen es ganz ähnliche Filme wie etwa „Crazy Heart“  ja auch. Gerade Regisseur Darren Aronofsky, der sowohl „The Wrestler“ als auch „Black Swan“ gedreht hat, sollte sich für seinen nächsten Film dringend was neues ausdenken.

Neue Buttons auf dem Filmriss…

Aufmerksame Leser haben es schon bemerkt – es gibt zwei neue Buttons bei den Beiträgen dieses Blogs. Der eine dürfte bekannt sein, über den Klick auf das blaue „share“-Symbol landet der Artikel im Newsfeed Eurer Facebook-Seite. Der zweite Button ist neu, funktioniert aber recht ähnlich. Ein Klick auf „+1“ und man empfiehlt den Beitrag, in diesem Fall bei Google, was sich dann positiv auf die Suchergebnisse auswirken soll. Wer hier etwas gerne gelesen hat darf also eifrig klicken, wer lieber anonym bleibt lässt es einfach bleiben.

PS: Next up, was die Filme angeht: „Tree of Life“ und „X-Men – First Class“, geplant für Mitte nächster Woche.

Red Riding Hood – Unter dem Wolfsmond

Wie man an Titel und Poster unschwer erkennen kann beruht „Red Riding Hood“ auf dem Märchen ‚Rotkäppchen‘. Dessen Geschichte reicht aber natürlich nicht für einen ganzen Spielfilm und gibt daher hier nur den Rahmen und ein paar Motive vor. Die Story spielt in einem namenlosen mittelalterlichen Dorf. Die schöne Valerie (Amanda Seyfried) ist in den schmucken Holzfäller Peter (Shiloh Fernandez) verliebt, doch ihre Eltern haben bereits eine Hochzeit mit dem wohlhabenden Schmied Henry (Max Irons) arrangiert. Bevor Valerie und Peter zusammen wegrennen können wird das Dorf von einem Werwolf heimgesucht – und eine Flucht durch den Wald scheint zu riskant zu sein…

Um das Biest zu fangen erscheint bald mit pompösem Auftritt der Werwolf-Jäger Salomon (Gary Oldman) mit seinen Helfern. Weil der glaubt, dass einer der Bewohner den Dämon in sich trägt, ist plötzlich jeder verdächtig. Im Dorf geht angesichts wiederkehrender „Besuche“ des Werwolfs die Angst um, das Drama um Valeries Zukunft spitzt sich zu. Vom Setting ähnelt das ganze „The Village“, ein Schuss „Hexenjagd“ und „Underworld“ ist auch dabei, und natürlich die Rotkäppchen-Story. Diese Mischung ergibt einen unterhaltsamen und recht flott erzählten Film, mit schönen Bildern und anständigen Spezial-Effekten. Die Darsteller können ebenfalls überzeugen, auch wenn die meisten Figuren nicht sonderlich interessant sind. Sie alle erfüllen im Rahmen der Geschichte ihren Zweck, mehr ist auch nicht wirklich nötig.

Die Story ist solide und hält das Publikum bei Laune, auch wenn die erzählerische Substanz überschaubar ist. Realismus ist bei so einem Stoff nicht gefragt, auch kein authentischer Look. Die Dorfbewohner aus „Red Riding Hood“ sehen eher nach Hochglanz-Modemagazin aus als nach Mittelalter, sie sind immer 1A-frisiert, tragen dezentes, elegantes Makeup und haben schneeweiße, gerade Zähne. Stören tut das nicht wirklich, ein wenig schmunzeln musste ich trotzdem hin und wieder.

Der Film ist für Teenager gedacht, denen man eine bekannte Story auf moderne und actionreiche Weise neu serviert. Die Dreiecks-Geschichte ähnelt sicher nicht ganz zufällig der „Twilight“-Saga, immerhin hat Regisseurin Catherine Hardwicke den ersten Teil der Reihe inszeniert. Im Vergleich zu den „Twilight“-Filmen ist er sogar weniger albern und beknackt. Die Atmosphäre passt, einigermaßen spannend  geht es auch zu – aber ansehen muss man sich „Red Riding Hood“ deshalb aber noch lange nicht.

2/5

Carlos – Der Schakal (Kinoversion)

Mit Filmbiographien tue ich mich bekanntlich schwer, und so hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mir „Carlos“ angesehen habe. Der Film ist in der Kurzfassung schlanke 3 Stunden lang und erzählt die Geschichte des internationalen Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt „Carlos“. Carlos (gespielt von Edgar Ramirez) ist überzeugt von der „anti-imperialen Sache“ und hat sich dem bewaffneten Kampf verschrieben. Als Mitglied einer pro-palästinensischen Gruppe macht er sich schnell als eiskalter Vollstrecker einen Namen, eckt jedoch bald mit den Autoritäten an – denn reinreden lassen will er sich bei seinen Operationen nicht.

Der Film beginnt mit Carlos‘ Zeit in Europa, vor allem London und Paris. Dort verübt er die ersten Mord- und Bombenanschläge, bevor ihm seine Bosse ein große Operation anvertrauen. Gemeinsam mit fünf Partnern stürmt Carlos das OPEC-Treffen in Wien und nimmt die anwesenden Öl-Minister als Geiseln. Die Gruppe kann mit ihren Geiseln fliehen, am Ende jedoch ihre Ziele nicht erreichen. Das Scheitern der Mission führt zur Spaltung von der Gruppe, Carlos gründet mit einigen Vertrauten eine selbstständige Terrorzelle – die unter anderem mit der Stasi Kontakte pflegt.

Eine klassische Dramaturgie hat der Film nicht zu bieten, es wird chronologisch die Geschichte der Titelfigur erzählt. In der Kurzfassung kommt – meinem Gefühl nach – das Ende ein bisschen kurz, da werden dann schnell auch mal 5 Jahre übersprungen. Die interessantesten Szenen sind in den ersten zwei Dritteln zu finden, wobei man ein wenig Vorwissen mitbringen sollte um zumindest das Nötigste von den politischen Hintergründen zu verstehen.

Die Inszenierung ist äußerst gelungen, Regisseur Olivier Assayas („Boarding Gate“) setzt auf lichtdurchflutete Bilder im 70er-Jahre Cinemascope-Look. Die Darstellung der Gewalt im Film ist weniger an drastischen Effekten interessiert als an der plötzlichen Brutalität und der emotionalen Gleichgültigkeit der Terroristen gegenüber ihren Opfern. In der Hauptrolle überzeugt Edgar Ramirez, der „Carlos“ als Monster mit menschlichem Antlitz spielt. Trotz vieler sich bietender Gelegenheiten zum Over-Acting bleibt er stets überzeugend und seiner Rolle – auch im Wandel der Zeiten – treu. Auch der Rest des großen Ensembles verbreitet große Authenzität, auch weil wenig bekannte Gesichter dabei sind (abgesehen von Alexander Scheer aus „Sonnenallee“).

Eine klare politische Aussage ist bei „Carlos“ nicht zu erkennen. Der Fokus liegt ganz auf der Hauptfigur, und die wird nicht als romantischer „Che“-Verschnitt präsentiert sondern eher als machtbessener, kaltblütiger und von sich selbst berauschter Egomane. Die komplexen Zusammenhänge im Hintergrund sind – zumindest in der Kurzfassung – nur zu erahnen, gut möglich, dass die 330 Minuten lange DVD- und Fernsehfassung hier mehr zu bieten hat. Wer sich für das Thema Terrorismus interessiert wird dem Film sicherlich etwas abgewinnen können. Eine actionreiche Killer-Story sollte man aber nicht erwarten, dafür hat der Film – nicht nur wegen der vielen eingestreuten Archivbilder – zu stark dokumentarischen Charakter.

4/5

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