Der Mandant (The Lincoln Lawyer)

Ich bin ja immer Fan der Fernsehserie „Matlock“ gewesen, und habe also ein Faible für Justiz-Dramen. Und so habe ich mich auf „Der Mandant“ durchaus gefreut. Mick Haller ist ein Rechtsanwalt, dem eine Lincoln-Limousine als mobiles Büro dient, daher der Originaltiel „The Lincoln Lawyer“. Er lässt sich quer durch Los Angeles chauffieren, nimmt dabei hin und wieder Gerichtstermine wahr, besucht Mandanten oder hat sonstige Meetings. Haller ist ein äußerst gerissener und charmanter Vertreter seiner Zunft – schließlich wird er von Charme-Bolzen McConaughey gespielt.

Über Umwege gerät Haller an einen neuen Mandanten, der ihn dringend als Verteidiger anheuern will. Louis Roulet (Ryan Phillippe), Spross einer steinreichen Unternehmerfamilie, steht wegen Körperverletzung und versuchter Vergewaltigung unter Anklage. Zahlungskräftige Kundschaft ist bei Haller immer gern gesehen, auch wenn Roulet und seine Sippschaft keinen sehr sympathischen Eindruck machen. Roulet besteht darauf, auf „nicht schuldig“ zu plädieren und ist sich sicher, in eine Falle gelockt worden zu sein. Mit Privatdetektiv Frank Levin (William H. Macy) macht sich Haller daran, den genauen Tathergang zu ermitteln – doch was er dabei herausfindet entspricht nicht ganz seinen Erwartungen…

Neben dieser zentralen Story macht „The Lincoln Lawyer“ noch ein paar Nebenschauplätze auf, und die sind eine Stärke des Films. Nicht nur wegen der Schauspieler – wobei mit John Leguizamo, Josh Lucas, Marisa Tomei und Michael Pena durchweg fähiges Personal engagiert wurde – sondern auch weil das Drehbuch aus den Teilen ein stimmiges Ganzes zu machen vermag.

Es gibt mehr als nur eine entscheidende Wendung im Geschehen, und man kann die ein oder andere auch kommen sehen. Doch man verliert wegen der gelungenen Figuren nicht das Interesse an der Geschichte und ihrem Ausgang, oder beginnt, jede Kleinigkeit zu hinterfragen. Regisseur Brad Furman inszeniert solide und unaufgeregt, in (zumal für Los Angeles) recht kühlen Farbtönen.

Einer wirklich kritischen Prüfung hält die Story von „Der Mandant“ nicht stand. Es gibt Logik-Lücken und fehlende Erklärungen bzw. Motive, aber wenig Szenen, in denen das auffällt. Und wenn es auffällt, geht es im relativ flotten Erzähltempo schnell wieder unter. An moderne Thriller wie „Michael Clayton“ kommt der Film nicht ran. Aber er kennt sein Metier und versteht es, seinem Publikum aus bekannten Zutaten was Unterhaltsames zu zaubern. Mehr muss nicht sein – wenn man auf „Matlock“ steht.

4/5