Land of the Dead (DVD)

Ein großer Fan von Zombiefilmen bin ich ja nie gewesen, aber George A. Romeros Fortsetzung der vor über 35 Jahren begonnenen „…of the Dead“-Reihe wollte ich dann schon gerne sehen. Die Grundidee ist dieselbe wie immer. Die Menschen sind von Untoten bedroht und umzingelt. Anders als in „Dawn of the Dead“ ist dieser Zustand im neuesten Metzel-Feature aber schon zur Gewohnheit geworden. Die Reichen haben sich in einem Fiddler’s Green genannten Luxus-Hochhaus eingerichtet, die Armen leben in Baracken drumherum. Hinter den Befestigungszäunen ist düsteres Zombie-Land…In diesem Hinterland hat Cholo (John Leguizamo) lange Dienst getan und für den fiesen Kaufman (Dennis Hopper), Boss von Fiddler’s Green, Luxusgüter und Lebensmittel organisiert. Weil ihm ein Apartment im edlen Wolkenkratzer verwehrt bleibt, macht er sich mit einem gepanzerten, mit allerlei Waffen ausgerüsteten Lastwagen davon. Kaufman schickt ihm seinen Ex-Kollegen Riley (Simon Baker) hinterher, der allerdings nicht vorhat, seinen Auftrag wirklich auszuführen. Es folgen Fahrten durch die von Zombies heimgesuchten Ausläufer der Stadt, ordentlich Geballer und ein paar markige Sprüche. Am Ende müssen dann noch einmal die Untoten bekämpft werden, die im Verlauf der Handlung gewissermaßen über sich hinaus wachsen.

Wo jüngst das Remake von „Dawn of the Dead“ noch eine etwas beklemmende Stimmung zu vermitteln wusste, präsentiert sich ausgerechnet das „neue Original“ eher als schnöder Actionfilm mit einer gehörigen Portion Eingeweiden. Die Charaktere, unter ihnen auch Asia Argento („XXX“) als leicht morbider Love-Interest, sind wenig interessant, die Geschichte leider ohne Höhepunkte. Das macht „Land of the Dead“ nicht unguckbar, aber eben auch nicht zur Empfehlung. Die den Zombiefilmen eigene Kritik an Kapitalismus und Konsumgier ist hier durchaus vorhanden, irgend etwas Neues oder gar Bemerkenswertes kommt jedoch nicht dazu. Einige kurze Spitzen gegen die Bush-Regierung sind nicht mal Fehl am Platze, können aber am lauen Gesamteindruck nichts ändern. Für Splatter-Fans gibt es genug Kopfschüsse und abgetrennte Gliedmaßen zu sehen, zum Genre-internen Kultstatus wird es aber wohl auch da nicht reichen.

5/10

Transporter 2 – The Mission

Recht entgeistert ob der Sinnlosigkeit des Geschehens wohnte ich vor einigen Jahren dem ersten Teil dieser Actionreihe bei. Die Handlung ist kompletter Tinnef, die Figuren aus dem RTL-Nachmittagsfernsehen. Aber, soviel ist mir seitdem klar geworden, auf diese Dinge kommt es einfach nicht an. Produzent Luc Besson, ehemals recht ambitionierter Regisseur, hat das Material nicht entworfen, um clevere Geschichten zu erzählen, sondern um überdrehte Action mit ein paar Jokes auf den Markt schmeißen zu können. Finanziell muss es sich gelohnt haben, denn was entdecke ich heute in der Videothek?Den zweiten Teil seines Humbug-Szenarios um den Actionhelden Frank Martin, aka The Transporter. Sein Beamer ist ihm wohl langweilig geworden, der Herr fährt jetzt einen nicht eben untermotorisierten Audi. Auch diesmal gibt es so was wie eine Handlung, man denke sich etwas Entführungs-artiges. An der Seite von Jason Statham spielt Amber Valetta, ein Ex-Model mit vorhandenem Talent für die Schauspielerei, wie schon in „Hitch“ zu sehen war. Der Plot bewegt sich in sehr eiligem Tempo seinem Ende entgegen, auf dem Weg dahin fallen dennoch einige Dinge auf. Da wären z. B. die wirklich miesen vom Computer errechneten Effekte, die einfach nicht sein müssten. Oder so offensichtliche Grottigkeiten wie kugelsichere Holztüren.

Andererseits ist „The Transporter 2“ nach 80 Minuten schon wieder vorbei, hat auf dem Weg dahin auch kurz mal Spaß gemacht und sich in etwa auf eine Stufe mit „XXX“ gestellt. Gefallen hat es mir nicht sonderlich, aber im Vergleich zum ersten Teil, von dem ich überhaupt nichts wusste, war die Erfahrung angenehmer. Keine Überraschung, wie deutlich die Handlung abgeschenkt wird, keine Enttäuschung ob der blutleeren Charaktere. Einfach nur stumpfe Action/Unterhaltung, die von der Bierindustrie gesponsert sein muss – bei dem immensen Unterschied, die das eine oder andere brennende Licht hier ausmacht. Serviervorschlag: gute Laune, drei Pils pro Nase, und eine Erwartungshaltung, als gäbe es den zweiten „XXX“ zu sehen. Denn geht’s!

4/10

Stealth – Unter dem Radar

Normalerweise treffe ich bei all den Filmen, die ich mir ansehe und auch rezensiere, eine Vorauswahl. Niemand bezahlt gern 5 Euro für einen beschissenen Film, so dass ich vor dem Gang ins Kino schon mal nachgucke, worum es sich eigentlich handelt. Bei DVDs ist die Hemmschwelle da schon niedriger. Heute Nachmittag war sie direkt so niedrig, dass ich mir dieses Action-Vehikel reingezogen habe, ohne Rücksicht auf Verluste. An Vorwarnungen mangelte es nicht, immerhin ist der Film vom US-Militär unterstützt worden (was nur bei historischen Geschichten keine schlechte Nachricht sein muss), und der Regisseur ist mit Rob Cohen auch kein unbekannter. Mit „xXx“ und „The Fast and the Furious“ hat er in den letzten Jahren bereits bewiesen, dass ihm die Handlungen seiner Streifen nicht egaler sein könnten.
Somit ist „Stealth“ ein gute Wahl für ihn, oder andersrum er für den Stoff. Im Drehbuch des Films gibt es nämlich eine ganze Menge Szenen, die man eigentlich niemanden anbieten kann. Los geht das Ganze „in the near future“ mit einem Trainingsmanöver der drei Air Force-Piloten Ben (Josh Lucas), Kara (Jessica Biel) und Henry (Jamie Foxx). In ihren Stealth-Jets vollführen sie allerlei Stunts, schießen ihre Ziele treffsicher zu Brei und kommen mit mächtig guter Laune wieder nach Hause. Doch dieses mal hat ihr Vorgesetzter Captain Cummings (Sam Shepard) eine Überraschung parat. Ein neuartiges, unbemanntes Flugzeug soll das Team in Zukunft verstärken. Die High-Tech-Drohne heißt Eddie und spricht (ja, sie SPRICHT!) mit einer trashigen Roboterstimme.Natürlich gehen mit dem guten Roboter dann die Pferde durch, und es ist an unseren tollkühnen Helden, den Vogel ohne große Zwischenfälle wieder zum heimischen Flugzeugträger zu bringen. Was sich nicht ganz einfach gestaltet, denn Eddie eröffnet schon mal das Feuer auf seine ehemaligen Kameraden, und will einfach nicht von dem Plan abweichen, den dritten Weltkrieg auszulösen. Was für ein böser, böser Junge!

Das weitere Geschehen umfasst eine Menge Action in der Luft, Verfolgungen, Ballereien und sogar Atomexplosionen. Einen blödsinnigen Subplot, wer denn die Verantwortung für den wildgewordenen Flieger hat, wird ebenfalls mitgeliefert. Die Sprüche sind von unerträglicher Abgelutschtheit, die Figuren dümmliche Strohpuppen, das Prunkstück dieser Trash-Oper ist jedoch unbestritten die komplett (und selbst für US-Actionfilm-Verhältnisse) unterirdische Handlung. Über Myanmar und Tadschikistan geht es nach Birma, dann über Alaska nach Nordkorea. Eine solche Reisewut klingt nach den James-Bond-Filmen, hier aber müssen die irrsinnigsten Kniffe für die vielen Locations herhalten, die den Gesetzen von Logik oder Schwerkraft beeindruckend zu trotzen wissen.

Besonders heraus aus sticht zudem die Geistesentwicklung von Eddie, dem Blechgehirn, was für eine Menge Lacher sorgt. Unfreiwillige Komik gibt es überhaupt mehr als reichlich und ist fast in der Lage, die aufkommene Langeweile aufzufangen. Ganz gelingt das leider nicht, aber das kann man von so einem jämmerlichen Mainstream-Käse wie „Stealth“ wohl auch nicht erwarten. Einziges Trostpflaster ist, dass der Film völlig zurecht ein ganz böser Flop geworden ist. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen für eine längere Zeit nicht mehr so viel Kohle bekommen, um damit ein internationales Kinopublikum ähnlich schwer zu beleidigen wie mit diesem Häufchen Elend.

2/10

Red Eye (DVD)

Es war bereits in „Nicht Auflegen!“ und zuletzt in „Final Call“ zu beobachten, dass auch Filme mit völlig beknackten Geschichten funktionieren können, wenn man mit der Story nur schnell genug voran kommt. Hier reiht sich der kleine B-Film „Red Eye“ wunderbar ein, mit einer unlogischen, aber vergnüglichen Geschichte, die keine 90 Minuten in Anspruch nimmt. Los geht es mit der hübschen Lisa (Rachel McAdams), die nach der Beerdigung ihrer Großmutter den Heimflug nach Miami antreten will. Lisa arbeitet an der Rezeption eines Hotels, und telefoniert noch im Taxi zum Flughafen mit ihrer etwas überforderten Kollegin und Vertretung. In der Schlange am Schalter trifft sie einen charmanten Unbekannten, der sich als Jackson Rippner (Cillian Murphy) vorstellt.Die beiden flirten etwas, nur um dann festzustellen, dass sie im Flieger doch tatsächlich nebeneinander sitzen. Kaum in der Luft ist es vorbei mit der Beschwingtheit. Rippner eröffnet der verstörten Lisa, dass man ihren Vater umbringen werde, wenn sie nicht vom Flieger aus einen prominenten Hotelgast in ein anderes Zimmer verlegen lässt. Mit diesem beklemmenden Szenario nimmt „Red Eye“ Fahrt auf, und wird bis zum Ende noch einige spannende Szenen vorweisen können. Die komprimierte Handlung umfasst nur wenige Stunden, in denen dafür umso mehr passiert. Bei dem Hotelgast handelt es sich um den Chef des US-Heimatschutzministeriums, auf den es die Hintermänner von Rippner abgesehen haben.

Die beiden Hauptdarsteller des Films haben beide im letzten Jahr in äußerst erfolgreichen Produktionen mitgewirkt. McAdams als Owen Wilsons Flamme in „Die Hochzeitscrasher“, Murphy gab einen der Bösewichter in „Batman Begins“. An ihre Gesichter wird man sich gewöhnen müssen, sie gehören zu den aufstrebenden Talenten in Hollywood, wie sie auch in diesem Film zeigen. Der Plot ist zwar hanebüchen, gleichzeitig jedoch für einen flotten Thriller genau das richtige. Es geht nicht um Figurenzeichnung und Hintergründe, sondern um Gut gegen Böse. Lisa versucht, das Schlimmste zu verhindern, Rippner will mit tödlicher Effizienz seinen Auftrag ausführen und abkassieren.

Die erste Stunde macht bei aller Sinnlosigkeit richtig Laune, am Ende jedoch scheint für meinen Geschmack etwas zu sehr die Horrorfilm-Vergangenheit von Regisseur Wes Craven („Scream“) durch. Wäre der Film mit größerem Budget gedreht worden, man hätte ihn wahrscheinlich auch noch mit Nebenrollen und Subplots vollgestellt. Craven konzentriert sich nur auf seine zwei jungen Talente und ihren Kampf miteinander, der sich am Ende dann im etwas überlangen Zweikampf erschöpft. Zur Zerstreuung und Belustigung ist „Red Eye“ allemal das richtige Material, wenn man die unrealistische Prämisse erst einmal akzeptiert hat.

7/10

Sin City

Es geht rauf und runter im Bereich Comicverfilmungen. Nach dem tiefen Tal, durch das Elektra seine Zuschauer getrieben hat eilt nun Robert Rodriguez herbei, Regisseur von u. a. Desperado und From Dusk Till Dawn, um mit seiner Adaption von Frank Millers Sin City-Comics neue Höhen zu erklimmen. Mit beeindruckendem Staraufgebot ausschließlich vor dem Bluescreen entstanden und dann am Computer mit Hintergründen und Tricks versehen ist der Filme eine brutale, düstere Reise ins Herz einer verkommenen Comic-Großstadt.

Die schwarzweiße Welt ist nur mit wenigen Farbtupfern gesegnet, dem tiefen Rot sinnlicher Lippen, strahlend blauen Augen oder der unansehnlich gelben Gesichtsfarbe eines widerwärtigen Freaks etwa. In diesem Szenario jagen drei Antihelden in verschiedenen Handlungssträngen Verbrechern hinterher, folgen ihrem Beschützerinstinkt und bewahren sich so einen Rest Menschlichkeit in einer apathischen, zynischen Gesellschaft namensloser Handlanger, korrupter Politiker und übermächtiger Unterweltbosse. Gemeinsam ist ihnen dabei ein wenig zimperliches Vorgehen gegen ihre zahlreichen Feinde.

Der deformierte Kraftmeier Marv (Mickey Rourke) schwört dem Mörder seiner Geliebten blutige Rache und macht sich alsbald an sein brutales Werk. Durch einen Haufen verstümmelte Körper, Perverse und fehlgeleitete Kirchenmänner kämpft sich der bärenstarke Sturkopf durch, doch in einer Stadt wie Sin City bleibt keine gut Tat ungestraft.

Etwas besser ergeht es dem verurteilten Mörder Dwight (Clive Owen), den seine edlen Instinkte in einen eskalierenden Straßenkrieg zwischen Huren und Mafiosi manövrieren. Mit dabei sind ein Haufen irischer Söldner, sowie äußerst wehrhafte Dirnen und ein versoffener Fiesling, dessen Identität für den Ausgang des Geschehens eine entscheidende Rolle spielt.

Zu guter letzt rettet Bruce Willis als alternder Cop Hardigan ein kleines Mädchen vor dem grausamen Tod durch die Hände eines psychopathischen Killers, nur um dafür selber für lange Jahre in den Bau zu wandern. Nach seiner Entlassung sucht er nach dem damaligen Opfer und muss feststellen, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.

Unterlegt mit einem beinahe nie endenden Off-Kommentar bleibt Rodriguez optisch so nah bei der Vorlage wie möglich. Die innovative Machart des Films gibt ihm nahezu ungeschränkte gestalterische Freiheit, denn die künstlichen und stilisierten Bilder sind weit günstiger herzustellen als Hochglanz-Action a la Spider Man 2. Dabei liegt der Schwerpunkt jedoch sehr auf der großartigen Atmosphäre, der langen Liste bekannter Namen bei der Besetzung zum Trotz. Da tummeln sich neben den genannten Hauptdarstellern noch Rosario Dawson, Brittany Murphy, Rutger Hauer, Elijah Wood, Jessica Alba und Josh Hartnett.

Soweit mir bekannt ist, soll die Saga schon bald fortgesetzt werden. Richtig so, solch gutgemachte Unterhaltung für Erwachsene ist selten genug. Einzig eine etwas breiter angelegte Handlung wäre zu wünschen, denn bei allem Spaß, die diese drei Geschichten machen: auf herkömmliche Weise erzählt wären sie nicht mehr allzu viel wert.

10/10

Video-Gebimsel

Durch die Blume gesprochen bin ich nicht eben wählerisch, wenn es darum geht, sich Hollywoods Mainstream-Ware reinzuziehen. Anders gesagt: Ich glotze eigentlich jeden Scheiß und war mir folgerichtig auch für jämmerliche Streifen wie Die Liga, Tomb Raider 2 oder Resident Evil: Apocalypse nicht zu schade. Doch beim gegenwärtigen Blick in die Regale der Videotheken bietet sich selbst mir ein echtes Bild des Grauens: Blade: Trinity kommt mir nicht ins Haus, denn schon Teil 2 war ein echtes Ärgernis. Elektra erfüllt spielerisch alle schlechten Erwartungen. Ring 2 kommt als Vertreter des klassischen Horror-Genres ebenso wenig in Frage wie The Grudge, solche Geschichten interessieren mich einfach nicht. Jim Carrey soll in Lemony Snicket groß aufspielen, aber die Anwesenheit unzähliger Kinder auf dem Cover weist in eine für mich inakzeptable Richtung. Völlig indiskutabel auch Vin Diesel als Babynator, das geht definitiv gar nicht.

So habe ich mir abgesehen von den jüngst besprochenen Komödien Hitch und Meine Frau, ihre Schwiegereltern und Ich zuletzt I love Huckabees und Die Dolmetscherin angesehen. Zu letzterem bald eine ausführliche Kritik, den erstgenannten Streifen will ich hier nur in Kürze beschreiben. Gepriesen als Geheimtipp der Marke Being John Malkovich kommt der mit einer absurden Geschichte und reichlich gar nicht unkomischen Figuren um die Ecke. Eine merkwürdige Lebenshilfe-Agentur bringt da Unruhe in den Alltag einiger Kunden. Nicht ohne gute Ideen hangelt sich der Film von Minute zu Minuten, kommt aber ohne dramatischen Kern und sehenswerte Komik nicht umhin, dem Publikum bald auf den Zeiger zu gehen.

Durchaus sehenswerte Filme, die auf DVD erschienen sind gibt es aber auch: Sideways und 2046 geben sich ebenso die Ehre wie 5mal2, Die Tiefseetaucher und Die Fetten Jahre Sind Vorbei. Da darf man recht bedenkenlos zugreifen.

Die Dolmetscherin

Was habe ich mich im Kino über den Trailer zu diesem Film geärgert. Peinlich genau wird einem da vermittelt, welche Handlung in welche Richtung laufen wird. Wer soll denn noch ins Kino gehen, wenn man eigentlich schon alles gesehen hat? Dieses Trailerproblem gilt längst nicht nur für The Interpreter, auch die Trailer für etwa Die Insel nahmen zu viel Story vorweg. Nun gibt es die von Nicole Kidman gespielte Dolmetscherin auf DVD zu sehen, und ich war doch neugierig, zu erfahren, ob der Film sich trotzdem lohnen würde.

Um es etwas besser zu machen als die Vorschau zum Film hier nur das Gerüst der Handlung: Sylvia/Nicole Kidman lauscht unabsichtlich einem vermeintlichen Mordkomplott gegen einen international isolierten schwarzafrikanischen Despoten. Eben der wird zu allem Überfluss in New York erwartet, wo er vor der Generalversammlung eine Rede zu halten gedenkt. Um Aufklärung und Schadensbegrenzung bemühen sich fortan die Secret-Service Agenten Tobin Keller und Dot Woods, gespielt von Sean Penn und Catherine Keener. Mit einiger Skepsis gehen sie ihren Spuren nach, denn Sylvia hat eine dunkle Vergangenheit in Afrika und augenscheinlich etwas zu verbergen.

Regisseur Sydney Pollack, der mit Die drei Tage des Condor in den Siebzigern schon einen bemerkenswerten Politthriller abgeliefert hat, hat den Stoff spannend und zügig in Szene gesetzt. Seine gut aufgelegten Hauptdarsteller spielen auf zurückhaltende Weise sehr überzeugend. Sean Penn ist ja nicht gerade als klassischer Mainstream-Held bekannt, und so ist seine Rolle auch hier nicht die eines Superagenten, sondern eines von Problemen und Leiden geplagten Spezialisten für Personenschutz. Nicole Kidman, hier mit blondem Haarschopf, verleiht der mysteriösen Dolmetscherin bis zu dem Punkt Glaubwürdigkeit, an dem diese storybedingt ein wenig bröckelt.

Die Originalschauplätze in und um das UN-Hauptgebäude sind beeindruckend und effektiv in die Handlung eingeflochten, und die Spannungskurve lässt wenig zu wünschen übrig. Ein großer Makel des Films ist jedoch die etwas sehr offen zur Schau gestellte Parteinahme der Filmemacher mit der Institution UN und der damit einhergehenden Kritik an der Bush-Administration, sowie das in sich unschlüssige Finale des Films. Trotz einiger unübersehbarer Hitchcock-Anleihen gelingt es nicht, diese spannende Geschichte zu einem stimmigen Ende zu führen, und so sitzt man zum Schluss doch leicht enttäuscht da, wenn etwas kitschig geratene afrikanische Chorgesänge den Abspann einläuten. Bei allen Mankos ist ?Die Dolmetscherin? für Freunde des gepflegten Thrillers jedoch durchaus sehenswert. Und die Sache mit dem Trailer muss ich auch relativieren, denn der verrät zwar zuviel, aber längst nicht alles.

7/10