„London Boulevard“ – Trailer online

William Monahan hat sich in Hollywood einen Namen als Drehbuchautor gemacht, unter anderem hat er „The Departed“ und „Kingdom of Heaven“ geschrieben. Nun gibt er sein Regiedebut mit dem Thriller „London Boulevard“, der Ende November zunächst in Großbritannien anlaufen wird. Colin Farrell spielt einen Ex-Knacki, der sich in einen jungen Filmstar (Keira Knightley) verliebt. Dabei gerät er in Konflikt mit einem Boss der Londoner Unterwelt, im Trailer sieht das vielversprechend aus.

Ebenfalls vielversprechend ist die Besetzung, neben den genannten Stars sind Ray Winstone, Stephen Graham, Ben Chaplin, und David Thewlis dabei. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ken Bruen, den ich mir von Amazon mal kommen lassen werde, sobald die Paperback-Version wieder verfügbar ist. Bleibt zu hoffen, dass sich bald ein Verleih und ein Termin für einen Deutschlandstart findet, der Herbst kann durchaus noch ein paar Highlights vertragen.

Also ich persönlich…

… bin ja immer für einen guten Thriller zu haben. Und „The Debt“ könnte einer sein. In dem Film von John Madden geht es um ein Team von Mossad-Agenten, dass anno 1965 einen NS-Verbrecher töten soll. 30 Jahre später taucht eben jener wieder auf – obwohl er doch eigentlich tot sein sollte. Das ganze spielt logischerweise auf zwei Zeitebenen, als Schauspieler mit dabei sind Tom Wilkinson, Helen Mirren und Ciaran Hinds, in jungen Jahren gespielt von Martin Czokas, Jessica Chastain und Sam Worthington. Hier gehts zum Trailer, einen Starttermin gibt es zwar nicht, „The Debt“ sollte aber einen (Kino-)Verleih finden…

Der nächste Teil von „Mission: Impossible“…

… wird „M:I – Ghost Protocol“ heissen. Neben Tom Cruise sind auch Ving Rhames und Jeremy Renner dabei, außerdem „Lost“-Darsteller Josh Holloway. Regie führt Brad Bird, der sich mit Animationsfilmen („Ratatouille“) einen Namen gemacht hat und erstmals das Metier wechselt. Gedreht wird in Dubai, Moskau und Prag, der Film soll Ende 2011 in die Kinos kommen.

Quelle: Deadline.com

The Assassin Next Door (DVD)

Olga Kurylenko (Bond-Girl aus „Quantum of Solace“) spielt eine nach Tel Aviv verschleppte Ukrainerin, die dort für den örtlichen Mob allerlei Drecksarbeit verrichten muss – weil sie sich weigert im Bordell zu arbeiten. Bald ist sie mit ihrer Nachbarin Elinor befreundet, die ein Kind erwartet, von ihrem Ehemann aber trotzdem täglich mißhandelt wird. Die beiden Frauen versuchen sich gegenseitig ein bißchen zu helfen und zu stützen, doch um ihren Schicksal wirklich entkommen zu können müssen sie die Dinge selbst in die Hand nehmen…

„The Assassin Next Door“ verbindet Action- und Thriller-Elemente mit dem Drama zweier Frauen, die in einer von (äußerst brutalen) Männern dominierten Welt einen Ausweg suchen. Die Inszenierung ist zunächst zurückhaltend, doch immer wieder bricht die Gewalt in das Geschehen ein. Die Zeichnung der Hauptfiguren ist überraschend gut. Es bleiben zwar ein paar Fragen offen, aber die Figuren haben genug Tiefe um der Story eine Dimension jenseits des Rache-Themas zu verleihen.

Das Setting ist interessant, handwerklich macht der Film nicht viel falsch und bietet ein paar sehr stimmige und spannende Szenen. Die Bösewichter des Films sind sehr einfach gezeichnet, was jedoch nicht weiter schlimm ist – sie sind für die Handlung nicht als Charaktere, sondern nur in ihrer Rolle als Bösewichter wichtig. Das Motiv der zu allem entschlossenen Einzelkämpferin(nen) gegen eine böse Umwelt ist nicht sonderlich originell, und letztlich fehlt dem Film auch eine irgendwie besondere Note. Einen Blick ist er für Freunde des Genres aber durchaus wert – und nur die sollten hier zugreifen.

3/5

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„The King’s Speech“ – Trailer online

„The King’s Speech“ wird überall schon als Oscar-Kandidat gehandelt, obwohl er bisher nur auf Festivals zu sehen war. Bei uns hat der Film, in dem Colin Firth als King Georg VI sein Stotterproblem in den Griff bekommen muss, noch keinen Starttermin. Hier gehts zum Trailer. Ich könnte wetten man wartet beim Verleih (Senator) tatsächlich erstmal ab, ob der Film ein paar Nominierungen bekommt und lässt ihn dann im Februar anlaufen. Immer das gleiche Spiel mit den Oscar-Anwärtern…

Winter’s Bone (DVD-Import)

Auch wenn man schon eine Menge US-amerikanische Spielfilme gesehen hat wird man die Gegend, in der „Winter’s Bone“ spielt wohl nicht kennen. Ozark County im Bundesstaat Missouri ist tiefstes Hinterland, ein bergiges, dünn besiedeltes Gebiet, bewohnt im wahrsten Sinne des Wortes von Hillbillies. Hier lebt die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence), die sich nicht nur um ihre zwei kleinen Geschwister kümmern muss, sondern auch um ihre kranke, apathische Mutter. Ihr Vater Jessup hat die Familie verlassen und fristet irgendwo in der Umgebung sein Dasein als Chefkoch einer Drogenküche – „Crank“ (Speed bzw. CrystalMeth) ist eine begehrte Droge in Ozark County.

Rees Situation ist also ohnehin nicht gerade beneidenswert. Doch es kommt gleich zu Beginn des Films noch dicker. Jessup wird in wenigen Tagen vor Gericht zu einer Verhandlung erwartet. Sollte er nicht auftauchen droht der Verlust des Hauses, das er als Sicherheit verpfändet hat. Ohne festen Wohnsitz aber wäre die Familie endgültig am Ende. So macht Ree sich auf, ihren Vater zu finden, stößt aber überall nur auf taube Ohren und erntet böse Blicke. Ihr Onkel Teardrop (John Hawkes) kann oder will ihr nicht helfen, auch die übrigen Menschen aus Jessups Umkreis geben sich wortkarg.

Diese düstere Odysee einer allein gelassenen Teenagerin erzählt „Winter’s Bone“ in kargen, ausgeblichenen Farben. Die heruntergekommene Landschaft und die Perspektivlosigkeit der Bevölkerung in Verbindung mit der traurigen Handlung ergeben ein intensives Portrait eines vergessenen, verlorenen Fleckens Erde. Regisseurin Debra Granik inszeniert dass Geschehen zurückhaltend, fast vorsichtig und vertraut vor allem ihrem starken Drehbuch. Die Story entfaltet sich langsam, baut dadurch Stück für Stück Spannung auf – und kommt am Ende auch ohne eine unglaubwürdige Wendung oder ein übertriebenes Finale aus.

Funktionieren kann die Geschichte nur wegen der durchweg großartigen Darsteller. Jennifer Lawrence spielt Ree als vorzeitig erwachsen gewordenes Mädchen, das bemüht ist, das beste aus ihrer Situation zu machen. In ihren Blicken sind schon Spuren des entbehrungsreichen Lebens zu sehen, dennoch blickt sie trotzig nach vorn. Aufgeben ist keine Option. John Hawkes überzeugt als Teardrop, dessen menschliche Seite hinter den Spuren von jahrelangem Drogenkonsum und immer wiederkehrenden Anfällen von Jähzorn beinahe völlig verlorenen gegangen ist. Für diese Rolle hätte er locker einen Oscar verdient. Auch der Rest der (überwiegend unbekannten) Besetzung ist richtig gut. Keiner der Schauspieler erliegt der Verlockung, die ohnehin nicht sehr sympathisch gezeichneten Figuren durch Overacting zu eindimensionalen White-Trash-Hinterwäldlern zu machen – alle Figuren tragen noch menschliche Züge.

„Winter’s Bone“ hat in den USA beim Sundance-Festival in Utah den „Grand Jury“-Preis gewonnen, bei der Berlinale gab es u. a. den „Tagesspiegel“-Leserpreis. Trotzdem wird es der Film nicht leicht haben, ein Publikum zu finden. Es fehlen bekannte Namen, und die Geschichte klingt auf den ersten Blick auch nicht unbedingt nach dem großen Kino, das geboten wird. Die Rechte für den Vertrieb in Deutschland hat sich Ascot Elite gesichert – gut möglich, dass man dort erstmal auf die Oscar-Nominierungen wartet, bevor man einen Starttermin festlegt. Ich könnte es fast verstehen.

5/5

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Repo Men (DVD)

Die USA in der nahen Zukunft. Künstliche High-Tech-Organe retten und verlängern Leben von abertausenden Menschen. Verkauft werden sie vom Konzern „The Union“, meist per Ratenzahlung. Was aber, wenn ein Träger einer künstlichen Leben seine Raten nicht bezahlen kann? Dann kommen die Repossession Men – kurz „Repo Men“ – und holen das Eigentum des Konzerns zurück. Das ist aber keine so saubere Sachen, denn die „Not-Operation“ wird gleich beim Träger zuhause vergenommen und verläuft meist tödlich…

Die Freunde Remy (Jude Law) und Jake (Forest Whitaker) sind seit Jahren erfolgreiche „Repo Men“, Gewissensbisse bezüglich ihres Berufs haben sie nicht. Remys Frau allerdings passt die Anstellung ihres Gatten gar nicht. Bevor der sich versieht ist sie samt Sohn ausgezogen, er hat einen Job versaut und liegt im Krankenhaus – mit einem künstlichen Herzen, dass ihm sein Boss Frank (Liev Schreiber) hat einsetzen lassen.

Es kommt bald wie es kommen muss – Remy ist seinen Job leid, hat Skrupel, will nicht mehr töten. Leider hat er nun dasselbe Problem, was früher seine „Aufträge“ hatten: er kommt in Verzug mit der Ratenzahlung, „The Union“ will das Kunst-Herz zurück. Remy geht in den Untergrund, wo er die hübsche Beth (Alice Braga) trifft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zum Showdown kommt – aber wird es tatsächlich Jake sein, der Jagd auf Remy macht?

Die Idee hinter der Handlung ist nicht verkehrt, leider ist das Drehbuch nicht in der Lage, das Potential auszuschöpfen und sich auf die Kernthemen zu konzentrieren. Stattdessen franst der Plot beständig weiter aus, auch der Ton des Films ändert sich von Zeit zu Zeit, je nachdem was gerade besser passt. Mal ist es Sci-Fi-Satire, mal zynische Splatter-Action, dann wieder Endzeit-Epos oder Drama um wahre Freundschaft und den Sinn des Lebens.

Als Zuschauer verliert man über die vielen Richtungsänderungen und Unglaubwürdigkeiten des Plots bald das Interesse. Nicht, dass man den „Repo Men“ nicht knapp zwei Stunden zusehen könnte, man tut es nur mit zunehmender Laufzeit mit etwas gequältem Gesichtsausdruck und ohne den Film noch ernst zu nehmen. Das ist schade, denn aus dem Szenario hätte was werden können – wenn man es nur schlüssiger entwickelt hätte.

Ein Wort noch zu Jude Law, der hier zum ersten Mal den Action-Helden gibt: er ist am Scheitern des Konzepts nicht schuld, kann es aber ebenso wenig verhindern wie Forest „Ghost Dog“ Whitaker. Beide Figuren bleiben letztlich blass, gleiches gilt für Liev Schreiber als kaltherziger Organ-Manager. Und wenn der Bösewicht nicht interessant ist – so die gängige Lehrmeinung im Action-Genre – dann scheitert meist der ganze Film. Da hilft auch die Extra-Portion Brutalität, die sich der Film (in der ungekürzten Fassung) gönnt, nicht weiter.

3/5

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Es war eine schwere Geburt..

.. aber nach jahrelangem Hickhack wird die Verfilmung von Tolkiens „Hobbit“ nun tatsächlich gedreht werden. Mehrere Quellen berichten, dass es im Februar losgehen soll und jetzt das Casting auf Hochtouren läuft. Das ganze wird in zwei Teilen ins Kino kommen, nach derzeitiger Planung wird der erste Film Ende 2012 anlaufen. Gedreht wird in 3D und in Neuseeland, wobei ersteres feststeht, letzteres dagegen nicht – die Querelen mit der Schauspieler-Gewerkschaft sind noch nicht vorbei. Wie es bei Empire heisst würde aber selbst ein Scheitern der Verhandlungen das Projekt nicht Einsturz bringen. Peter Jackson ist als Produzent, Drehbuchautor und auch als Regisseur dabei.

Mal sehen ob ich 2012 „wieder“ Lust auf Mittelerde und Hobbits und Gedöns hab. Nach dem Ende der „Herr der Ringe“-Trilogie ist mein Bedarf bis zum heutigen Tag eigentlich gedeckt…

The Expendables

Sylvester Stallone dreht im Herbst seiner Karriere noch mal ganz schön auf. Weil außer ihm selbst keiner mehr Rollen für ihn zu haben scheint macht er seine Filme eben einfach selbst. Das war bei „Rocky Balboa“ so, das war beim vierten „Rambo“ so, und das ist auch jetzt mit den „Expendables“ so. In diesem Fall hat er einen Haufen mehr oder weniger abgehalfterter Action-Stars zusammengetrommelt, um es mal wieder so richtig old school krachen zu lassen.

Jason Statham und Jet Li vertreten die junge Generation, Dolph Lundgren, Mickey Rourke, Stallone selbst und ein paar andere die älteren Semester. Sogar Bruce Willis und Governator Schwarzenegger geben sich die Ehre, wenn auch nur in kurzen Cameo-Auftritten. „The Expendables“ sind ein Haufen eiskalter Söldner, die gegen Geld überall da die Kohlen aus dem Feuer holen, wo eine offizielle Armee oder ein Geheimdienst das aus politischen Gründen nicht tun kann. Wer genau ihre Auftraggeber sind ist letztlich auch egal, wie eigentlich die gesamte Story nichts zur Sache tut – hier geht es um Geballer, Explosionen, Verfolgungsjagden, eben das volle Actionprogramm.

Auf der Habenseite des Films stehen einige gute Oneliner (in Ausnahmefällen gar richtige Dialoge), die die Rauhbeine sich oder ihren Gegnern an den Kopf werfen, und ein paar gute Actionszenen (mit ordentlich Spezialeffekten, aber weitgehend frei von CGI). Man lässt es massiv krachen, und Stallone wäre nicht Stallone wenn nicht auch zuweilen brachial-übertriebene Gewaltdarstellungen Teil des Films wären. Gleich zu Beginn schießt Lundgren einen Terroristen buchstäblich in Stücke.

Den Plot könnte man in wenigen Worten nachzeichnen, aber das lohnt eigentlich nicht, weil er vollkommen willenlos ist. Eric Roberts gibt einen schmierigen Bösewicht, David Zayas (Angel Baptista aus „Dexter“) einen weiteren, weniger schmierigen. Gemeinsam haben sie einen Inselstaat der Karibik „gekidnappt“, betreiben dort Drogendeals und hauen wahllos auf die Zivilbevölkerung ein. Weil das jemanden in den USA nicht passt werden eben die „Expendables“ losgeschickt.

Eine Nebenhandlung gibt es auch, weil Statham noch den neuen Freund seiner Ex vermöbeln muss, bevor er wieder auf „Dienstreise“ gehen kann. Mickey Rourke spielt einen alten Haudegen, der ein Tattoostudio betreibt und – wenn man ihn so nett fragt wie Stallone – beknackte Weisheiten aus 30 Jahren Söldnerdasein ausplaudert. Und mit dem armen Jet Li treiben die Jungs ihre Scherzchen, weil er kleiner ist als sie. Ja, ach.

Den Film an irgendwas anderem zu messen als an seinem überdeutlichen Selbstzweck der Action-Unterhaltung ist sinnlos. Und es gibt tatsächlich genug zünftige Kost, ob nun mit Messern, Riesenwummen, Granaten oder Flüssig-Sprengstoff. Man bekommt also, was man erwarten durfte, aber auch nicht mehr. Der Humor funktioniert mal mehr und mal weniger, einige Dialoge sind einfach nur käsig. Wer auf übertriebene Action steht ist letzten Endes mit den „Crank“-Filmen besser bedient – aber die hat man sicher schon gesehen, wenn man sich für „The Expendables“ entschieden hat.

3/5

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The Social Network

Keine andere Website der letzten 10 Jahre hat die Art und Weise, wie Menschen online kommunizieren mehr beeinflusst als Facebook. 500 000 000 User sprechen eine deutliche Sprache. Dass sich Hollywood des Themas annehmen würde war nur eine Frage der Zeit, auch wenn Filme, die sich irgendwie mit dem Netz und dem IT-Business beschäftigt haben („The Net“ oder „Antitrust“) bisher wenig Erfolg hatten. Die große Frage bei „The Social Network“ ist also: wie macht man einen interessanten Film über eine Firma, von der jeder weiss, was aus ihr geworden ist?

Regisseur David Fincher („Fight Club“) und sein Drehbuchautor Aaron Sorkin haben sich entschieden, die Geschichte als dramatische Aufsteigerstory zu erzählen – mit einer Menge Humor und gar Selbstironie garniert. Basierend auf Ben Mezrichs Buch „The Accidental Billionaires“ haben sie sich die Freiheit genommen, ihren Hauptfiguren echtes Leben einzuhauchen, auch wenn darunter der Wahrheitsgehalt ein wenig gelitten haben dürfte. Der Film kommt keineswegs wie eine Dokumentation und reine Erfolgsgeschichte daher, er nutzt alle filmischen Finessen, um die Story spannend und unterhaltsam aufzubereiten.

Zentrale Figur ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, gespielt von Jesse Eisenberg („Zombieland“). In der ersten Szene wird er dem Publikum als ambitionierter und talentierter Nerd mit fragwürdigem Sozialverhalten vorgestellt. Man nimmt es seiner Freundin in dieser Szene nicht übel, dass sie mit ihm Schluss macht. Zuckerbergs Reaktion übersetzt seinen verletzten Stolz in einen bösartigen Blog-Beitrag und eine auf die Schnelle hingeklatschte Webseite, auf der die User wählen können, welche von zwei angezeigten Studentinnen besser aussieht. Der Campus von Harvard – zumindest der männliche Teil – ist begeistert, die Seite ein Erfolg, der den Server der Uni in die Knie zwingt.

Gemeinsam mit seinem Mitbewohner Eduardo Saverin (Andrew Garfield, „The Imaginarium of Dr. Parnassus“), der die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, startet er wenig später „thefacebook.com“, eine frühe Version des heutigen Netzwerks, zunächst nur für Harvard-Studenten zugängig. Die Idee ist ein Riesenerfolg, die Erfolgsgeschichte beginnt. Doch „The Social Network“ erzählt diese Geschichte in Rückblenden, in der Gegenwart sitzt Zuckerberg Saverin und zwei weiteren Klägern in einem Meeting gegenüber, in der Anwälte den Ton angeben. Aus den Freunden sind Feinde geworden, es geht um die Frage, wer Facebook erfunden hat – und wem welcher Anteil am Erfolg des Unternehmens zusteht…

Erstaunlich an einer Hollywood-Produktion dieser Kragenweite ist, dass man den Mut hatte, die Geschichte ohne einen echten Helden zu erzählen, einen reinen Sympathieträger. Zuckerberg ist noch am ehesten nah dran, aber der Film räumt nicht alle Zweifel aus, das er zu seiner Idee „inspiriert“ worden ist. Zudem ist er zwar ein offensichtlich genialer Programmierer, aber eben auch immer wieder ein Elefant im emotionalen Porzellanladen des Lebens. Saverin ist ein netter Kerl, aber in den entscheidenden Momenten trifft er falsche Entscheidungen, die zu seiner Trennung von Facebook führen.

Außerdem ist da noch Sean Parker, der legendäre Gründer von Napster, Feindbild der Musikindustrie und in der Story Saverins Gegenspieler. Justin Timberlake spielt ihn als eine Art Mephisto, der Zuckerbergs Ego schmeichelt und das Unternehmen Facebook in ganz neue Sphären führen will. Die Rolle ist für Timberlake wie geschaffen, es ist das erste Mal, dass er als Schauspieler wirklich überzeugen kann. Aber von allen drei Hauptfiguren ist keine frei von Schwächen, und es sind die daraus resultierenden Konflikte, die das Rückrat des Films bilden.

Regisseur David Fincher ist handwerklich einer der besten seiner Zunft, was auch „The Social Network“ zugute kommt. In einer Schlüsselszene, die in einem Nachtclub spielt, lässt er die Bässe mit extremer Lautstärke gegen die Dialoge anwummern, ein Ruderwettkampf wird zum ironischem Kommentar zur Handlung, und das Hin- und Herspringen zwischen Gegenwart und Vergangenheit gelingt wie geschmiert. Ein weiteres ‚Trademark‘ von Fincher, die emotionale Distanz zu den Figuren, ist ebenfalls wiederzuerkennen, ebenso wie der starke Soundtrack. Doch eines ist neu – soviel Humor und klassische One-Liner wie hier gab es noch in keinem Film des Regisseurs.

Zur aktuellen Debatte über Privatsphäre im Internet und Facebooks Rolle darin hat „The Social Network“ nichts zu sagen. Der Film konzentriert sich auf die ersten Jahre des Unternehmens, er erzählt mit mal süffisanten, mal beißenden Witz von der Gründung einer der einflussreichsten Websites überhaupt. Es macht Spaß, sich diese Story anzusehen, auch wenn sie keine neuen Erkenntnisse liefert. Es ist quasi der Kniff des Films, die Dimension der Veränderung heutiger online-Nutzung (Facebook hat mehr Hits als Google) auszublenden und stattdessen eine allzumenschliche Geschichte zu erzählen, in der Macht, Sex und Popularität über (fast) alles gehen. Der Film ist kein besorgtes Statement zum Stand der Dinge sondern reine, sehr gut gemachte Unterhaltung. Das kann man gut finden oder auch enttäuschend, schlecht gemacht ist es ganz sicher nicht.

4/5

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Habe mal wieder „Total Recall“ gesehen…

… zum ersten mal seit ca. 15 Jahren. Gelegenheit macht bekanntlich Diebe, und den Film mal in ungeschnitten UND in HD zu gucken war dann doch zu verlockend. Früher war „Total Recall“ einer meiner liebsten Arnie-Filme, aber da war ich auch 15 oder 16 und wollte unbedingt Action- und Ballerfilme sehen. Der Blickwinkel heute ist ein anderer – nicht weil ich keine Actionfilme mehr mag – schon weil man inzwischen viele Philip K. Dick-Adaptionen gesehen hat und sich in etwa vorstellen kann, wie der Film heute aussehen würde.

„Total Recall“ ist eine typische Dick-Story, mit fernen Planeten, unklaren Identitäten/Realitäten und finsteren Strippenziehern im Hintergrund. Das Problem des Film ist, dass in der Hauptrolle ein guter Schauspieler nötig gewesen wäre, der die Story zum Tragen bringt. Schwarzenegger ist dazu nicht in der Lage, er wirkt in vielen Szenen unbeholfen und kann – was ein Wunder – nur in den Actionszenen glänzen. Davon hat der Film reichlich, doch die Story wird damit quasi zu Hintergrundrauschen degradiert. Mit einem anderen Darsteller hätte die Spannung im Vordergrund stehen können, nicht das Geballer.

Die Tricks wiederum sind aus heutiger Sicht auch nicht mehr so dolle, was angesichts der technischen Entwicklung nicht verwundert. Es ist jedoch angenehm zu sehen, wie viele Szenen auf realen Sets gedreht wurden und nicht am Computer entstanden. Das sieht zwar zuweilen dann auch nach Studio aus, aber auf altmodische Art und Weise ist es nett anzusehen. Lediglich ein paar Außenaufnahmen vom Mars sind ganz klar am Computer gemacht. Das Produktionsdesign und der Look des Films sind insgesamt gut gelungen, und „Total Recall“ gehört zu den besten Schwarzenegger-Filmen.Leider ist die Story in einem Arnie-Vehikel letztlich verschenkt, aber es kommen ja demnächst weitere Adaptionen des Sci-Fi Autors – alle ohne Arnie, wie man hört….

PS: Die in Deutschland erhältliche Fassung ab 16 ist massiv geschnitten, es fehlen alle blutigen Ballerszenen. Also besser im Ausland bestellen…

Vierter „Bourne“-Film ohne Matt Damon…und ohne Jason Bourne!

Wie Empire hier berichtet wird es zwar einen weiteren Film der Reihe geben („The Bourne Legacy“), aber der „alte“ Held wird darin nicht mehr vorkommen. Das Drehbuch von Tony Gilroy („Michael Clayton“) entwickelt den Plot aus dem Stoff der ersten drei Filme heraus, es ist also wahrscheinlich, dass ein paar der anderen Figuren (und Schauspieler) wiederkehren. Finde ich eine gute Idee soweit, die Trilogie hat einen würdigen Abschluss bekommen, der Verschwörungsplot darf aber ruhig weitergehen. Es wird dann vor allem vom Drehbuch abhängen, ob dabei ein sehenswerter Film rauskommt oder nicht. Das Potential ist auf jedem Fall vorhanden…

Unglaublich aber wahr: Hollywood hat 50 Remakes in der Mache

Nicht alle Filme werden tatsächlich gedreht werden, aber die Zahl alleine ist schon beängstigend. Bei nextmovie.com sind gleich 50 Remakes gelistet, die sich in verschiedenen Stadien der Produktion befinden. Von bekannten Namen wie „The Three Muskateers“ (yep, sie machen NOCH EINEN…) oder „Conan“ bis hin zu zwei Hitchcock-Remakes („Suspicion“ und „The Birds“), einige alte Schwarzenegger-Filme („Total Recall“, „Phantom Kommando“) und den Peckinpah-Klassiker „Straw Dogs“ ist alles dabei. Aber zumindest bei einigen dieser Filme (etwa bei den „Three Muskateers) kann ich mir schwer vorstellen, dass mit ihnen noch Kasse zu machen ist  – selbst wenn viele davon im Heilsbringer-Format 3D gedreht werden…

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