Stealth – Unter dem Radar

Normalerweise treffe ich bei all den Filmen, die ich mir ansehe und auch rezensiere, eine Vorauswahl. Niemand bezahlt gern 5 Euro für einen beschissenen Film, so dass ich vor dem Gang ins Kino schon mal nachgucke, worum es sich eigentlich handelt. Bei DVDs ist die Hemmschwelle da schon niedriger. Heute Nachmittag war sie direkt so niedrig, dass ich mir dieses Action-Vehikel reingezogen habe, ohne Rücksicht auf Verluste. An Vorwarnungen mangelte es nicht, immerhin ist der Film vom US-Militär unterstützt worden (was nur bei historischen Geschichten keine schlechte Nachricht sein muss), und der Regisseur ist mit Rob Cohen auch kein unbekannter. Mit „xXx“ und „The Fast and the Furious“ hat er in den letzten Jahren bereits bewiesen, dass ihm die Handlungen seiner Streifen nicht egaler sein könnten.
Somit ist „Stealth“ ein gute Wahl für ihn, oder andersrum er für den Stoff. Im Drehbuch des Films gibt es nämlich eine ganze Menge Szenen, die man eigentlich niemanden anbieten kann. Los geht das Ganze „in the near future“ mit einem Trainingsmanöver der drei Air Force-Piloten Ben (Josh Lucas), Kara (Jessica Biel) und Henry (Jamie Foxx). In ihren Stealth-Jets vollführen sie allerlei Stunts, schießen ihre Ziele treffsicher zu Brei und kommen mit mächtig guter Laune wieder nach Hause. Doch dieses mal hat ihr Vorgesetzter Captain Cummings (Sam Shepard) eine Überraschung parat. Ein neuartiges, unbemanntes Flugzeug soll das Team in Zukunft verstärken. Die High-Tech-Drohne heißt Eddie und spricht (ja, sie SPRICHT!) mit einer trashigen Roboterstimme.Natürlich gehen mit dem guten Roboter dann die Pferde durch, und es ist an unseren tollkühnen Helden, den Vogel ohne große Zwischenfälle wieder zum heimischen Flugzeugträger zu bringen. Was sich nicht ganz einfach gestaltet, denn Eddie eröffnet schon mal das Feuer auf seine ehemaligen Kameraden, und will einfach nicht von dem Plan abweichen, den dritten Weltkrieg auszulösen. Was für ein böser, böser Junge!

Das weitere Geschehen umfasst eine Menge Action in der Luft, Verfolgungen, Ballereien und sogar Atomexplosionen. Einen blödsinnigen Subplot, wer denn die Verantwortung für den wildgewordenen Flieger hat, wird ebenfalls mitgeliefert. Die Sprüche sind von unerträglicher Abgelutschtheit, die Figuren dümmliche Strohpuppen, das Prunkstück dieser Trash-Oper ist jedoch unbestritten die komplett (und selbst für US-Actionfilm-Verhältnisse) unterirdische Handlung. Über Myanmar und Tadschikistan geht es nach Birma, dann über Alaska nach Nordkorea. Eine solche Reisewut klingt nach den James-Bond-Filmen, hier aber müssen die irrsinnigsten Kniffe für die vielen Locations herhalten, die den Gesetzen von Logik oder Schwerkraft beeindruckend zu trotzen wissen.

Besonders heraus aus sticht zudem die Geistesentwicklung von Eddie, dem Blechgehirn, was für eine Menge Lacher sorgt. Unfreiwillige Komik gibt es überhaupt mehr als reichlich und ist fast in der Lage, die aufkommene Langeweile aufzufangen. Ganz gelingt das leider nicht, aber das kann man von so einem jämmerlichen Mainstream-Käse wie „Stealth“ wohl auch nicht erwarten. Einziges Trostpflaster ist, dass der Film völlig zurecht ein ganz böser Flop geworden ist. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen für eine längere Zeit nicht mehr so viel Kohle bekommen, um damit ein internationales Kinopublikum ähnlich schwer zu beleidigen wie mit diesem Häufchen Elend.

2/10

Red Eye (DVD)

Es war bereits in „Nicht Auflegen!“ und zuletzt in „Final Call“ zu beobachten, dass auch Filme mit völlig beknackten Geschichten funktionieren können, wenn man mit der Story nur schnell genug voran kommt. Hier reiht sich der kleine B-Film „Red Eye“ wunderbar ein, mit einer unlogischen, aber vergnüglichen Geschichte, die keine 90 Minuten in Anspruch nimmt. Los geht es mit der hübschen Lisa (Rachel McAdams), die nach der Beerdigung ihrer Großmutter den Heimflug nach Miami antreten will. Lisa arbeitet an der Rezeption eines Hotels, und telefoniert noch im Taxi zum Flughafen mit ihrer etwas überforderten Kollegin und Vertretung. In der Schlange am Schalter trifft sie einen charmanten Unbekannten, der sich als Jackson Rippner (Cillian Murphy) vorstellt.Die beiden flirten etwas, nur um dann festzustellen, dass sie im Flieger doch tatsächlich nebeneinander sitzen. Kaum in der Luft ist es vorbei mit der Beschwingtheit. Rippner eröffnet der verstörten Lisa, dass man ihren Vater umbringen werde, wenn sie nicht vom Flieger aus einen prominenten Hotelgast in ein anderes Zimmer verlegen lässt. Mit diesem beklemmenden Szenario nimmt „Red Eye“ Fahrt auf, und wird bis zum Ende noch einige spannende Szenen vorweisen können. Die komprimierte Handlung umfasst nur wenige Stunden, in denen dafür umso mehr passiert. Bei dem Hotelgast handelt es sich um den Chef des US-Heimatschutzministeriums, auf den es die Hintermänner von Rippner abgesehen haben.

Die beiden Hauptdarsteller des Films haben beide im letzten Jahr in äußerst erfolgreichen Produktionen mitgewirkt. McAdams als Owen Wilsons Flamme in „Die Hochzeitscrasher“, Murphy gab einen der Bösewichter in „Batman Begins“. An ihre Gesichter wird man sich gewöhnen müssen, sie gehören zu den aufstrebenden Talenten in Hollywood, wie sie auch in diesem Film zeigen. Der Plot ist zwar hanebüchen, gleichzeitig jedoch für einen flotten Thriller genau das richtige. Es geht nicht um Figurenzeichnung und Hintergründe, sondern um Gut gegen Böse. Lisa versucht, das Schlimmste zu verhindern, Rippner will mit tödlicher Effizienz seinen Auftrag ausführen und abkassieren.

Die erste Stunde macht bei aller Sinnlosigkeit richtig Laune, am Ende jedoch scheint für meinen Geschmack etwas zu sehr die Horrorfilm-Vergangenheit von Regisseur Wes Craven („Scream“) durch. Wäre der Film mit größerem Budget gedreht worden, man hätte ihn wahrscheinlich auch noch mit Nebenrollen und Subplots vollgestellt. Craven konzentriert sich nur auf seine zwei jungen Talente und ihren Kampf miteinander, der sich am Ende dann im etwas überlangen Zweikampf erschöpft. Zur Zerstreuung und Belustigung ist „Red Eye“ allemal das richtige Material, wenn man die unrealistische Prämisse erst einmal akzeptiert hat.

7/10

Sin City

Es geht rauf und runter im Bereich Comicverfilmungen. Nach dem tiefen Tal, durch das Elektra seine Zuschauer getrieben hat eilt nun Robert Rodriguez herbei, Regisseur von u. a. Desperado und From Dusk Till Dawn, um mit seiner Adaption von Frank Millers Sin City-Comics neue Höhen zu erklimmen. Mit beeindruckendem Staraufgebot ausschließlich vor dem Bluescreen entstanden und dann am Computer mit Hintergründen und Tricks versehen ist der Filme eine brutale, düstere Reise ins Herz einer verkommenen Comic-Großstadt.

Die schwarzweiße Welt ist nur mit wenigen Farbtupfern gesegnet, dem tiefen Rot sinnlicher Lippen, strahlend blauen Augen oder der unansehnlich gelben Gesichtsfarbe eines widerwärtigen Freaks etwa. In diesem Szenario jagen drei Antihelden in verschiedenen Handlungssträngen Verbrechern hinterher, folgen ihrem Beschützerinstinkt und bewahren sich so einen Rest Menschlichkeit in einer apathischen, zynischen Gesellschaft namensloser Handlanger, korrupter Politiker und übermächtiger Unterweltbosse. Gemeinsam ist ihnen dabei ein wenig zimperliches Vorgehen gegen ihre zahlreichen Feinde.

Der deformierte Kraftmeier Marv (Mickey Rourke) schwört dem Mörder seiner Geliebten blutige Rache und macht sich alsbald an sein brutales Werk. Durch einen Haufen verstümmelte Körper, Perverse und fehlgeleitete Kirchenmänner kämpft sich der bärenstarke Sturkopf durch, doch in einer Stadt wie Sin City bleibt keine gut Tat ungestraft.

Etwas besser ergeht es dem verurteilten Mörder Dwight (Clive Owen), den seine edlen Instinkte in einen eskalierenden Straßenkrieg zwischen Huren und Mafiosi manövrieren. Mit dabei sind ein Haufen irischer Söldner, sowie äußerst wehrhafte Dirnen und ein versoffener Fiesling, dessen Identität für den Ausgang des Geschehens eine entscheidende Rolle spielt.

Zu guter letzt rettet Bruce Willis als alternder Cop Hardigan ein kleines Mädchen vor dem grausamen Tod durch die Hände eines psychopathischen Killers, nur um dafür selber für lange Jahre in den Bau zu wandern. Nach seiner Entlassung sucht er nach dem damaligen Opfer und muss feststellen, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.

Unterlegt mit einem beinahe nie endenden Off-Kommentar bleibt Rodriguez optisch so nah bei der Vorlage wie möglich. Die innovative Machart des Films gibt ihm nahezu ungeschränkte gestalterische Freiheit, denn die künstlichen und stilisierten Bilder sind weit günstiger herzustellen als Hochglanz-Action a la Spider Man 2. Dabei liegt der Schwerpunkt jedoch sehr auf der großartigen Atmosphäre, der langen Liste bekannter Namen bei der Besetzung zum Trotz. Da tummeln sich neben den genannten Hauptdarstellern noch Rosario Dawson, Brittany Murphy, Rutger Hauer, Elijah Wood, Jessica Alba und Josh Hartnett.

Soweit mir bekannt ist, soll die Saga schon bald fortgesetzt werden. Richtig so, solch gutgemachte Unterhaltung für Erwachsene ist selten genug. Einzig eine etwas breiter angelegte Handlung wäre zu wünschen, denn bei allem Spaß, die diese drei Geschichten machen: auf herkömmliche Weise erzählt wären sie nicht mehr allzu viel wert.

10/10

Video-Gebimsel

Durch die Blume gesprochen bin ich nicht eben wählerisch, wenn es darum geht, sich Hollywoods Mainstream-Ware reinzuziehen. Anders gesagt: Ich glotze eigentlich jeden Scheiß und war mir folgerichtig auch für jämmerliche Streifen wie Die Liga, Tomb Raider 2 oder Resident Evil: Apocalypse nicht zu schade. Doch beim gegenwärtigen Blick in die Regale der Videotheken bietet sich selbst mir ein echtes Bild des Grauens: Blade: Trinity kommt mir nicht ins Haus, denn schon Teil 2 war ein echtes Ärgernis. Elektra erfüllt spielerisch alle schlechten Erwartungen. Ring 2 kommt als Vertreter des klassischen Horror-Genres ebenso wenig in Frage wie The Grudge, solche Geschichten interessieren mich einfach nicht. Jim Carrey soll in Lemony Snicket groß aufspielen, aber die Anwesenheit unzähliger Kinder auf dem Cover weist in eine für mich inakzeptable Richtung. Völlig indiskutabel auch Vin Diesel als Babynator, das geht definitiv gar nicht.

So habe ich mir abgesehen von den jüngst besprochenen Komödien Hitch und Meine Frau, ihre Schwiegereltern und Ich zuletzt I love Huckabees und Die Dolmetscherin angesehen. Zu letzterem bald eine ausführliche Kritik, den erstgenannten Streifen will ich hier nur in Kürze beschreiben. Gepriesen als Geheimtipp der Marke Being John Malkovich kommt der mit einer absurden Geschichte und reichlich gar nicht unkomischen Figuren um die Ecke. Eine merkwürdige Lebenshilfe-Agentur bringt da Unruhe in den Alltag einiger Kunden. Nicht ohne gute Ideen hangelt sich der Film von Minute zu Minuten, kommt aber ohne dramatischen Kern und sehenswerte Komik nicht umhin, dem Publikum bald auf den Zeiger zu gehen.

Durchaus sehenswerte Filme, die auf DVD erschienen sind gibt es aber auch: Sideways und 2046 geben sich ebenso die Ehre wie 5mal2, Die Tiefseetaucher und Die Fetten Jahre Sind Vorbei. Da darf man recht bedenkenlos zugreifen.

Die Dolmetscherin

Was habe ich mich im Kino über den Trailer zu diesem Film geärgert. Peinlich genau wird einem da vermittelt, welche Handlung in welche Richtung laufen wird. Wer soll denn noch ins Kino gehen, wenn man eigentlich schon alles gesehen hat? Dieses Trailerproblem gilt längst nicht nur für The Interpreter, auch die Trailer für etwa Die Insel nahmen zu viel Story vorweg. Nun gibt es die von Nicole Kidman gespielte Dolmetscherin auf DVD zu sehen, und ich war doch neugierig, zu erfahren, ob der Film sich trotzdem lohnen würde.

Um es etwas besser zu machen als die Vorschau zum Film hier nur das Gerüst der Handlung: Sylvia/Nicole Kidman lauscht unabsichtlich einem vermeintlichen Mordkomplott gegen einen international isolierten schwarzafrikanischen Despoten. Eben der wird zu allem Überfluss in New York erwartet, wo er vor der Generalversammlung eine Rede zu halten gedenkt. Um Aufklärung und Schadensbegrenzung bemühen sich fortan die Secret-Service Agenten Tobin Keller und Dot Woods, gespielt von Sean Penn und Catherine Keener. Mit einiger Skepsis gehen sie ihren Spuren nach, denn Sylvia hat eine dunkle Vergangenheit in Afrika und augenscheinlich etwas zu verbergen.

Regisseur Sydney Pollack, der mit Die drei Tage des Condor in den Siebzigern schon einen bemerkenswerten Politthriller abgeliefert hat, hat den Stoff spannend und zügig in Szene gesetzt. Seine gut aufgelegten Hauptdarsteller spielen auf zurückhaltende Weise sehr überzeugend. Sean Penn ist ja nicht gerade als klassischer Mainstream-Held bekannt, und so ist seine Rolle auch hier nicht die eines Superagenten, sondern eines von Problemen und Leiden geplagten Spezialisten für Personenschutz. Nicole Kidman, hier mit blondem Haarschopf, verleiht der mysteriösen Dolmetscherin bis zu dem Punkt Glaubwürdigkeit, an dem diese storybedingt ein wenig bröckelt.

Die Originalschauplätze in und um das UN-Hauptgebäude sind beeindruckend und effektiv in die Handlung eingeflochten, und die Spannungskurve lässt wenig zu wünschen übrig. Ein großer Makel des Films ist jedoch die etwas sehr offen zur Schau gestellte Parteinahme der Filmemacher mit der Institution UN und der damit einhergehenden Kritik an der Bush-Administration, sowie das in sich unschlüssige Finale des Films. Trotz einiger unübersehbarer Hitchcock-Anleihen gelingt es nicht, diese spannende Geschichte zu einem stimmigen Ende zu führen, und so sitzt man zum Schluss doch leicht enttäuscht da, wenn etwas kitschig geratene afrikanische Chorgesänge den Abspann einläuten. Bei allen Mankos ist ?Die Dolmetscherin? für Freunde des gepflegten Thrillers jedoch durchaus sehenswert. Und die Sache mit dem Trailer muss ich auch relativieren, denn der verrät zwar zuviel, aber längst nicht alles.

7/10

Die Insel (DVD)

Mit „The Island“ kommt nun ein weiterer Sommerblockbuster von 2005 auf DVD in die Läden, den ich im Kino verpasst habe. Das könnte schon daran gelegen haben, dass ein gewisser Michael Bay die Regie führt, der unter anderem „Armageddon“, „Pearl Harbor“ und „Bad Boys 2“ verbrochen hat. Deshalb gleich die gute Nachricht vorweg: sein neuester Film ist besser als die eben genannten. Ein besonders dickes Lob ist das angesichts der Grottigkeit seines Schaffens allerdings nicht.In einem geheimen unterirdischen Labor hält eine Biotech-Firma in der nahen Zukunft einen Haufen menschlicher Klone unter Verschluss. Von ihren wohlhabenden Originalen in Auftrag gegeben, sollen sie später als menschliches Ersatzteillager dienen. Natürlich kann man den armen Geschöpfen das so nicht verkaufen. Sie leben in dem Glauben, eines Tages das große Los zu ziehen und die Lotterie zu gewinnen. Es winkt eine Reise zur namensgebenden Insel, die jedoch in Wirklichkeit bloß bedeutet, dass der Gewinner zur Schlachtbank geführt wird. Zu den in putzige weiße Anzüge gekleideten Klonen gehören auch Lincoln Six Echo (Ewen McGregor) und Jordan Two Delta (Scarlett Johansson). Lincoln bekommt langsam Zweifel ob der wahren Natur ihrer Verwahrungsanstalt und will den Dingen auf den Grund gehen. Gerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf „gewinnt“ Jordan die Lotterie…

Gemeinsam flüchten die beiden nach Los Angeles und machen sich auf die Suche nach ihren so genannten Sponsoren, ihren Doppelgängern. Wie gewohnt lässt sich Bay dabei nicht lange bitten und fährt große Action auf. Um es positiv auszudrücken: keiner lässt vor laufender Kamera spektakulärer Autos kaputt gehen und explodieren. Der Mann ist da wirklich vom Fach. Leider dauert das alles recht lange, so dass man Gefahr läuft, ein wenig angeödet zu sein. Zumal das bei der Verfolgung anfallende andauernde Helikopter-Geschwirre ebenfalls in die Kategorie unnötig fällt. Die Story entwickelt sich recht konventionell weiter, einige reizvolle Szenen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass aus dem Stoff mehr rauszuholen gewesen wäre.

Mit seinen Figuren weiß der Film nicht sehr viel anzufangen. Scarlett Johansson sagt nie mehr als zwei Sätze am Stück und wird ansonsten stumpf durch den Plot gejagt. McGregors Rolle ist etwas weniger eindimensional, unter anderem weil er tatsächlich auf Tom Lincoln trifft, der ihn als Klon in Auftrag gab. Auch diese Figur ist richtig mies entwickelt und zum Glück recht bald raus aus der Handlung. In einer unterhaltsamen Nebenrolle gibt es noch Steve Buscemi zu sehen, retten kann der aber auch nichts mehr. Als Bösewicht und Chef der Klonfirma macht Sean Bean eine recht gute Figur, als dessen Kopfgeldjäger verdingt sich Djimon Hounsou.

Nach dem guten ersten Akt wird „The Island“ nach und nach zum zwiespältigen Vergnügen. Sicher gibt es schöne Bilder, und krachen tut es auch ordentlich. Doch die wenig interessanten Charaktere, gepaart mit zahlreichen Logikfehlern und mangelndem Sinn für die richtige Erzählweise fördern nicht gerade das Sehvergnügen. Obwohl durchaus guckbar ist hier in erster Linie Potential verschenkt worden. Und das ist wirklich schade.

6/10

Birth

Meine Damen und Herren, was hat uns Hollywood in den letzten Jahren für merkwürdige Kinder beschert. Den kleinen Kerl, der den toten Bruce Willis sehen konnte, zuletzt u. a. den unangenehmen Klon aus Godsend. Beide Filme haben mir nicht gefallen, womit ich eigentlich an Birth hätte vorbeigehen müssen. Aber irgendwie war ich neugierig, ob dieses neue merkwürdige Kind in einem besseren Film auf das Publikum losgelassen wird. Regie führt Jonathan Glazer, der sich durch Sexy Beast einen Namen machte und die Besetzung ist mit Nicole Kidman und u. a. Stellan Starsgaard durchaus viel versprechend.

Die ersten Szenen des Films zeigen den plötzlichen Tod von Shaun, dem Ehemann von Anna, dargestellt von Nicole Kidman. Beim Joggen im Central Park versagt sein Herz. Nach der Einblendung 10 Jahre später ist Anna dabei, nach einer langen Trauerphase erneut zu heiraten. Ihr Verlobter Joseph gibt stolz einen kleinen Empfang, zu dem etwas überraschend zwei alte Freunde von Shaun auftauchen. Einige Tage später sitzt die Familie zum Geburtstagsdinner für Annas Mutter beisammen, als plötzlich ein zehnjähriger Junge namens Shaun in der Wohnung steht, der der perplexen Schönheit zu vermelden hat, er sei ihr verstorbener Ehemann und sie solle Joseph nicht heiraten. Erstaunt und nicht amüsiert schickt Anna den Kleinen nach Hause. Doch der gibt keine Ruhe und weiß zu ihrem Unbehagen einige sehr intime Dinge von ihr. Nun kreist das Geschehen logischerweise um die Frage, ob der kleine Shaun tatsächlich eine Reinkarnation des Verstorbenen ist oder nicht. Während ihre Familie und ihr Verlobter die Sache mit Skepsis und großem Unbehagen sehen, ist Anna plötzlich nicht mehr so sicher, ob an der Geschichte nicht doch etwas dran sein könnte. Alles scheint möglich zu sein?

Jonathan Glazer erzählt seine Geschichte in eleganten Bildern und mit einem guten Gespür für die richtige, etwas beklemmende Atmosphäre. Ein Großteil der Handlung spielt in einem teuren, stilvoll eingerichteten Apartment direkt am New Yorker Central Park. Die leicht abgründige Stimmung wird vom gekonnten Einsatz zumeist klassischer Musik unterstützt, sowie von einigen langen Momenten absoluter Stille. Die omnipräsente Nicole Kidman liefert eine gute Leistung mit ungewohnt kurzen Haaren und ist von durchweg fähigen Akteuren umgeben. Die große Schwäche des Films iwiegt all diese Pluspunkte jedoch leider wieder auf: Überspitzt formuliert passiert in Birth gar nichts. Egal wie man über das Thema Wiedergeburt denkt, der Film hat keinerlei neue Erkenntnisse zu bieten und schleicht sich durch die Hintertür davon. Vielleicht habe ich auch einfach nicht begriffen, an welchem Punkt der Film eine Haltung zum eigenen Geschehen einnimmt, wo er seiner Grundidee etwas abgewinnen kann. Verdeutlicht wurde mir lediglich das Leiden einer nach Jahren immer noch tief trauernden Frau, die in eine äußerst ungewöhnliche Situation gerät.

Somit ähnelt Birth ein wenig den Filmen von M. Night Shyamalan. Handwerklich auf höchstem Niveau, darstellerisch überzeugend und sich zu meinem Missfallen am Ende in Luft auflösendes Erzählkino ohne inneren Kern. Nett anzusehen, aber schlussendlich enttäuschend. Vielleicht ist das Ganze als ernsthafte Charakterstudie gemeint, als Meditation über tiefe Trauer und Verlust. Dann aber ist die quasireligiöse Wiedergeburts-Thematik bestenfalls unvermögend beigemengt worden. Es mag hart klingen, aber ich glaube dass der Film, genauer die Narrative, das unbestrittenen vorhandene Talent aller Beteiligten in den gut 90 Minuten vergeudet.

L.A. Crash

Es ist schon eher selten, dass sich ein Hollywoodfilm ernsthaft des Themas Rassismus annimmt. Wenn das doch geschieht, so sind es meist Geschichten aus der Vergangenheit, wie etwa Spielbergs Amistad oder Alan Parkers Mississippi Burning. Nun unternimmt Paul Haggis, im Hauptberuf Drehbuchautor, den Versuch, von der Gegenwart zu erzählen, was eine gute Nachricht ist. Seine vielen episodenhaften Geschichten sind leider keine besonders gute Nachricht. Mit von der Partie sind u. a. Sandra Bullock, Don Cheadle, Thandie Newton, Brendan Fraser, Larenz Tate, Matt Dillon und Ryan Phillippe.Haggis Film ist ein überaus ambitioniertes Projekt und verdient in jedem Fall Respekt. Von allen Seiten nähert er sich seinem Thema und beobachtet dabei genau, wie latente Vorurteile und längst verschwunden geglaubte Ressentiments verschiedener Ethnien aufeinanderprallen. Der weiße Waffenverkäufer misstraut seinen persischen Kunden, die wiederum überzeugt sind, dass ein mexikanischer Schlosser sie über den Tisch ziehen will. Zwei junge Schwarze beklagen sich über vorherrschende Diskriminierung, nur um dann eiligst jedes Klischee mit Leben zu füllen und einem weißen Ehepaar den monströsen Jeep rauben.

Dabei wandert der Film auf einem äußerst schmalen Grad. Denn einerseits sollen hier echte Charaktere zu sehen sein, andererseits erfüllt deren Handeln ein bestimmtes Ziel, wobei die Glaubwürdigkeit trotz guter Darsteller auf der Strecke bleibt. Es sind einfach ein paar Zufälle zuviel, die hier eine logische Handlung ersetzen müssen. Ebenfalls störend ist der allzu bedeutungsschwanger durchlaufende Soundtrack. Nahezu über die gesamte Spielzeit unterstreicht er die Schicksalhaftigkeit und Unausweichlichkeit des Geschehens. Erreicht wird dadurch nur ein vorzeitiges Sättigungsgefühl seitens des Publikums. Von bleibendem Wert sind in erster Linie einige sehr gelungene Dialoge und Aussprüche, die aber keinen Film über 100 Minuten Spielzeit auszufüllen vermögen.

Es war zu lesen, dass Haggis den Film aus persönlichen Gründen gedreht hat. Mit seiner Frau wurde er Opfer zweier schwarzer Car-Jacker, und dieses Erlebnis hat ihn offensichtlich stark geprägt. So scheint sein Ansatz, einmal genauer hinzuschauen und dem Misstrauen verschiedener Gruppen untereinander auf den Grund zu gehen, völlig gerechtfertigt. Einige sehr gute Szenen fallen hierbei auch ab. Vor allem dann, wenn es um die unterschwelligen und dabei alltägliche Spielarten des Rassismus geht. Um jedoch richtig zu überzeugen ist sein Film zu voll gestellt, lässt seinen Charakteren zu wenig Raum und ist vor allem komplett frei von Überraschungen.

6/10

Hitch

Romantische Komödien aus Übersee sind alles andere als meine Tasse Tee. Chefs zum Verlieben, Bräute die sich nicht trauen, sie alle konnten mir gestohlen bleiben. Von der Prämisse her spricht also auch nichts für Hitch. Ein Berufskuppler verliebt sich in eine beziehungsresistente Klatschreporterin. Riecht nach Abpfiff. Der Trailer allerdings versprach durchaus Spaß, nicht zuletzt weil hier statt Hugh Grant oder Tom Hanks Will Smith seine ersten Gehversuche im Genre unternimmt. Lässig und souverän gibt der den titelgebenden Date-Doktor Alex Hitchens.

Sein Geld verdient der gute Hitch mit dem Elend anderer Menschen. Er verschafft netten, unsterblich verliebten Kerlen Dates mit ihren Angebeteten, gibt Tipps, schafft Möglichkeiten ? bis zum dritten Date, dann sind seine Klienten auf sich allein gestellt. Und das Elend ist meistens beseitigt. Hitch selber ist Single, aber auch da tut sich was. Er verguckt sich in die hübsche Klatschreporterin Sara, die leider recht beziehungsunfreudig ist und ihn damit natürlich zur persönlichen Bestform treibt. Die ist auch im Job gefragt, denn es wartet ein schwerer Fall. Der dicke und schüchterne Buchhalter Albert nimmt seine Dienste in Anspruch. Seine Angebetete ist niemand Geringeres als die Millionenerbin und Society-Traumfrau Allegra Cole, gespielt von Model Amber Valetta.

Nun zeichnet sich Hitch wie alle anderen romantischen Komödien u. a. durch seine Vorhersehbarkeit aus. Es gibt gute Lacher, weniger gute Lacher, herrliche Szenen, zu lange Szenen, schlecht oder gar nicht zündende Gags und ein Happy-End. Da muss also eindeutig der Weg das Ziel sein, und das trifft auch mit leichten Abstrichen zu. Zwischen leiser Selbstironie und coolem Gepose beherrscht Big Willie Smith die Szenerie. Dabei bleibt genug Raum für die anderen Hauptfiguren, und bis auf wenige Ausnahmen ist der Unterhaltungswert des Films hoch genug, um die Seichtheit des Stoffes vergessen zu machen. Man muss die Charaktere mögen in Filmen wie diesem um ihn genießen zu können, und das ist trotz der etwas holprigen Story gegeben. Nicht dass sie glaubwürdig wären, aber wen kümmert das schon. Es macht Spaß ihnen für knappe zwei Stunden beim Nicht-Echt-Sein zuzusehen, und nur darum geht?s. So gesehen ist die Operation gelungen. Großes Kino ist anders, anständige Unterhaltung aber geht ziemlich genau so.

7/10

Meine Frau, Ihre Schwiegereltern und Ich

Für eine ausführliche Kritik fehlte es mir keineswegs an Zeit. Aber mehr als diese paar Zeilen fällt mir zu diesem Grottenfilmchen einfach nicht ein. Kurz zurückgedacht: In Teil eins der Saga, bemühte sich Ben Stiller dem grantigen Ex-CIA-Mann Robert De Niro ein wenigstens akzeptabler Schwiegersohn zu sein. Nun sind wir einen Schritt weiter, jetzt gilt es vor der Hochzeit die Familie Byrnes mit Gaylords Eltern, den Fockers bekannt zu machen. Gespielt werden die von Dustin Hofmann und Barbra Streisand. Da trifft dann an einem Wochenende christlich-konservatives Spießertum auf jüdisch-liberale Späthippies.

Leider ist der folgende Kampf der Kulturen nicht komisch. Ich habe gegen Ende des Films zweimal kurz gelacht. Ansonsten herrschte Unglaube vor, dass eine Komödie mit dieser Besetzung so langweilig und bieder sein kann. Ein paar Vorhaut-Witzchen, schlechter Slapstick und gehörig viel Recycling aus dem Vorgänger prasseln da aufs Publikum ein. Trotz nicht zu leugnender Spielfreude der meisten Akteure kommt keine Freude auf, viel zu simpel und ausgelutscht werden die beiden verschiedenen Welten aufeinander losgelassen. Dabei stößt besonders sauer auf, dass sich am Ende trotz fundamentaler Differenzen alle natürlich zusammen raufen, ohne einen Deut von ihren unterschiedlichen Lebensweisen abgewichen zu sein. Es scheint als hätten die Produzenten auf der Suche nach der größtmöglichen Summe eingespielter Kohle peinlich genau darauf geachtet, bloß niemanden in den USA mit dem Film zu Nahe zu treten. Angesichts des Themas des Films ist das die wohl schlechteste Idee überhaupt. Es wäre doch nur ein Film gewesen! Das, was da jetzt auf DVD erschienen ist, lohnt sich wirklich nicht, egal wie billig die neue Videothek um die Ecke ist. Geschenkt ist noch zu teuer. Ende der Durchsage.

3/10

The Big Empty

Manche Filme klauen so offensichtlich bei bereits bestens bekannter Ware, es wäre eigentlich Frevel zu nennen. In seinem Regiedebut The Big Empty bedient sich Steve Anderson ungefähr gleichermaßen bei Oliver Stones U-Turn und dem Schaffen des postmodernen Mystikers David Lynch. Sein Held John Person, verkörpert von Jon Favreau, ist erfolgloser Schauspieler in LA. Notorisch pleite, bietet ihm sein verschrobener Nachbar einen merkwürdigen Deal an: John soll einen Koffer nach Baker bringen, und den dort in der Wüste einem Trucker namens Cowboy überbringen. Da bleibt gerade noch Zeit, die hübsche Nachbarin Grace mit dem Zahlen der Miete zu beauftragen.

John ist eigentlicher viel zu bodenständig für derlei Jobs, aber die Aussicht auf knapp $ 30 000 ist zu verlockend. Kaum in dem gottlosen Kaff angekommen, macht er die Bekanntschaft mit dem durchgeknallten Heißblut Randy (1:1 Joaquin Phoenix in U-Turn), und einer lässigen Bardame (D. Hannah) samt fideler Streuner-Tochter Ruthie (R. L. Cook), gleichzeitig Randys Objekt der Begierde. Weitere krude Figuren entern die Szenerie, und während der friedfertige John sich in dem Nest beinahe einzuleben scheint verpasst er dauernd den Cowboy, der Gerüchten zu Folge nach ihm Ausschau hält. Zeit für das FBI, einige Fragen an John zu richten, schließlich ist sein Auftraggeber und Nachbar inzwischen einen Kopf kürzer gemacht worden?

Die Lynch-Komponente des Streifens manifestiert sich in den zunächst recht vagen Andeutungen über Außerirdische und der beinahe selbstverständlichen Verschrobenheit sämtlicher Charaktere. Mit Gespür für die richtige Stimmung inszeniert Anderson seine Story, nimmt den gemütlichen Helden mit auf eine abenteuerliche Reise in die Provinz. Doch die alptraumhaften Psychospiele eines David Lynch kann er nicht erreichen, dafür ist die Story trotz aller Kuriositäten zu sehr in Klischees verhaftet. Auch der Fatalismus von U-Turn wird trotz einer sehr ähnlichen Geschichte weder erreicht noch ernsthaft angepeilt. Ohne hier zu viel verraten zu wollen bleibt die Handlung doch recht blass im Vergleich zu den zitierten Vorbildern. The Big Empty bietet 90 Minuten solide, nicht uncharmante Unterhaltung, ein großer Wurf ist er aber längst nicht. Vielleicht sind diese kruden Stories von armen Kreaturen auf der Jagd nach Koffern in der Wüste Kaliforniens einfach arg überstrapaziert worden, oder aber großartige, mehrfacher Betrachtung standhaltende Filme wie Donnie Darko oder Memento haben die Latte einfach zu hoch gesetzt, um dieser kurzweiligen Wüstenkaff-Erzählung einen Platz im oberen Drittel der Kino-Leckereien zu verschaffen.

6/10

Elektra – Female Superhero-Spinoff Wreck

.. hielt sich der Applaus in Grenzen. Einzig Jennifer Garner als dessen Beinahe-Partnerin Elektra wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Und nicht nur das : sie folgte Halle Berry aka Catwoman und wagte solo einen erneuten Anlauf. Womit dem nun vorliegenden Film die Nummer 2 in Sachen Female-Superhero-SpinOff gebührt. Doch dafür allein gibt’s noch keinen Bonus?

Die Comicfigur Elektra, wenn ich das richtig verstanden habe, ist von höheren Mächten dazu auserkoren, ausgleichend auf die sich auf ewig bekämpfenden Kräfte des Guten und des Bösen zu wirken. Doch zunächst erleben wir sie als Profikillerin, die sich nach ausgeführtem Auftrag auf einem etwas abgelegenen Anwesen etwas Erholung gönnt. Dort bleibt sie mit ihren Alpträumen nicht lange allein, denn ihre neuen Nachbarn, die 13-jährige Abby und ihr Vater bitten die verschlossene Schönheit zum Abendessen. Wenige Minuten später türmen die Drei vor allerhand finsterem Dämonen-Fußvolk und unsere Heldin entdeckt ihre fürsorgliche Ader.Klingt nicht überzeugend? Ist es auch nicht. Meilenweit entfernt von schön anzusehenden Comic-Welten spielt Elektra prinzipiell in unserer Gegenwart. Kein Gotham City-Mikrokosmos, keine X-Men, in dieser Welt ist alles vorstellbar. Leider auch die uninspirierte Geschichte, die man im Film zu sehen bekommt. Mittelmäßige Action und Kampfkunst, sehr viele, aber selten gute Dialoge, hilflos agierende Schauspieler vor vergleichsweise banalen Kulissen – das ist alles, das muss reichen. Tut es natürlich nicht, und deshalb stellt sich recht schnell ein Gefühl von Ratlosigkeit und Desinteresse ein, das nur hin und wieder durch spärliche Spannungsmomente ausgebremst wird. Ein paar nett anzusehende Tricks schaffen ebenfalls keinen Handlungsersatz.

Eine Heldengeschichte braucht aber große Momente und Konflikte, anständige Bösewichte und, egal ob Teil 1 oder Teil 4, eine in sich stimmige Geschichte. Mit allerhand Kniffen bei Musik und Effekten versucht Regisseur Rob Bowman, Interesse zu wecken und sein Publikum bei Laune zuhalten. Leider gelingt es ihm nicht. Jennifer Garner ist das Scheitern des Projekts unterm Strich ebenso wenig anzulasten wie den anderen Schauspielern oder den Special-Effects-Machern. Die vorhandene Leinwand-Präsenz läuft ob der grottig-unterentwickelten Story geradewegs ins Leere. Es scheint so, als hätten die Verantwortlichen ihrem jämmerlichen Streifen selbst keinerlei Bedeutung beigemessen, anders ist dieses Desaster kaum zu erklären. Einfach laufen lassen, irgendjemand wird?s schon rausreißen. Eben nicht. Der Karren ist ohne jeden Umweg in den Dreck gefahren. Schöne Scheiße!

3/10

Mr. und Mrs. Smith (DVD)

Vor wenigen Wochen habe ich in meinen Top-10 des letzten Jahres „Batman Begins“ zum besten Blockbuster des Sommers ausgerufen. Etwas voreilig vielleicht, immerhin fehlten mir zu dem Zeitpunkt noch „The Island“ und auch „Mr. & Mrs. Smith“. Letzterer liegt nun auch auf DVD vor, und ich sehe keinen Grund, meine Aussage zu revidieren. Brad Pitt und Angelina Jolie sind John und Jane Smith. Beide leben oberflächlich ein zufriedenes Vorstadtleben, sind aber in Wirklichkeit hoch bezahlte Profikiller für konkurrierende, geheime Agenturen. Voreinander versuchen sie den Anschein normaler Existenzen aufrecht zu erhalten. Etwa so, als wäre Jamie Lee Curtis in „True Lies“ eben keine gewöhnliche Hausfrau, sondern ebenfalls Superagentin gewesen. Als die beiden sich durch eine ungewollte Begegnung auf die Schliche kommen und von ihren Hintermännern mit der gegenseitigen Liquidierung beauftragt werden, entfachen sie einen Rosenkrieg der besonders bleihaltigen Art.

Zunächst beginnt der Film von Doug Liman („The Bourne Identity“) als mittelmäßige Satire auf das spießige Leben in Suburbia. Gelangweilt von Nachbarschaftsdinners und den neuesten Anlagemöglichkeiten schleichen sich Jane und John recht häufig (und auch voneinander) davon, um gruselige Waffendealer und andere Verbrecher auszuschalten. Die beiden Hauptakteure bringen genug Charme mit, um das Entertainmentlevel hoch zu halten, doch mehr als ein paar leise Schmunzler fallen nicht dabei ab. Im Mittelteil des Films wird es vorübergehend besser, wenn die beiden – innerlich mit sich hadernd – zur Jagd aufeinander blasen, und sich dabei zum ersten Mal richtig nahe kommen. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt hier zwar, nicht jedoch die innere Logik ihrer Charaktere, was dem Gelingen ergo entgegen wirken muss.

So richtig will der Funke einfach nicht überspringen, weshalb „Mr. & Mrs. Smith“ aber noch lange keine Zeitverschwendung ist. Ordentlich Geballer und ein paar flotte Sprüche sorgen durchaus für gute Laune. Leider nimmt sich der Film für sein Ende zehn Minuten zuviel Zeit und schrammt an die Grenzen der Langeweile. Irgendwie scheint in der Geschichte noch besseres Material zu liegen, als dass, was Liman hier zu Tage fördert. Mit seinem Ansatz, dem Geschehen von Anfang an keinen besonderen Ernst beizumessen, liegt er dagegen goldrichtig. Für triste Stunden im kalten Winter ist der Film keine schlechte Wahl, wenn man nur nicht zuviel von ihm erwartet.

6/10

Fantastic Four

Die Flut von Comicverfilmungen und ihren Fortsetzungen ist etwas zurückgegangen in letzter Zeit. Kein Wunder, schließlich sind mit Elektra und Catwoman jüngst zwei davon kommerziell mächtig baden gegangen. Noch aber überwiegt die Zahl der erfolgreichen Produktionen, und so geben sich nun auch Marvels Fantastic Four auf der großen Leinwand die Ehre. Als einziges wirklich bekanntes Gesicht ist Jessica Alba dabei, den Rest der Besetzung hat man wohl schon mal irgendwo gesehen. Die Story in Kürze: Fünf Wissenschaftler gehen auf eine gefährliche Mission im Weltall und finden sich massiver Strahlung ausgesetzt, die ihre Gene verändert. Sue Storm (Alba) bekommt geheimnisvolle Kräfte und die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Ihr Bruder Johnny (Chris Evans) ist als menschlicher Feuerball unterwegs. Reed Richards (Ioan Gruffudd) Körper ist dehnbar wie Gummi, der arme Ben Grimm (Michael Chiklis) hat sich in ein Monster namens The Thing verwandelt, eine Art roter Hulk. Auch der Finanzier des Ganzen, Victor von Doom (J. MacMahon), hat sich in den Weiten des Alls was weggeholt. Wieder auf der Erde gehen die Mutanten unterschiedlich mit ihren neuen Kräften um. Ben verflucht sein neues Dasein, Johnny macht es einen Heidenspaß. Von Doom sieht sein Firmenimperium vor dem Aus, zudem scheint seine Flamme Sue wieder in den Bann ihres vorigen Lovers Reed zu geraten. Das Ende vom Lied: Die Vier kämpfen gegen von Doom, bis schlussendlich alles für die nächsten Teile der Saga angerichtet ist.

Überraschungen hat der Film nicht mal im Ansatz zu bieten. Man hat ihn eigentlich schon gesehen, wenn man auf das Cover schaut. Große Momente fehlen völlig, immerhin hält sich die Zahl der richtig miesen Szenen in Grenzen. Die Besetzung geht in Ordnung, das Tempo stimmt, das Niveau der Special-Effects ist ausreichend und die Abwesenheit einer weiterführenden Story, die man sicher für den nächsten Teil aufgehoben hat, stört auch nicht. Über die Qualität der Comics kann ich nix sagen, doch am Film ist auffällig, dass die Figuren allesamt recht uninteressant und langweilig sind. Von Doom ist der xte Mad Scientist der Filmgeschichte, und von den anderen ragt auch keiner heraus. Da muss man direkt dankbar sein, dass sie wenigstens Superkräfte besitzen, sonst wäre die Chose überhaupt nicht auszuhalten gewesen.

Bei aller Kritik muss aber auch angemerkt werden, dass Entertainment und Action völlig in Ordnung gehen. Woran den Machern definitiv am Meisten gelegen hat. Trotzdem scheint eine gewisse Lieblosigkeit durch, ein routiniertes Aneinanderreihen von soliden Szenen, ohne dass dahinter jemals eine Idee oder ein bestimmter Stil sichtbar würde. Die normalen Menschen sind eine breiige Masse, die unseren egozentrischen Helden hin und wieder zujubeln darf. Deren kleine Fehden untereinander haben eine so offensichtliche Funktion für die Story, dass man ihnen von Anfang an keine Beachtung schenkt. Es handelt sich hierbei um den vielleicht idealsten Film um zwischendurch mal aufs Klo zu gehen. Was soll man schon verpassen?

4/10

Die Hochzeitscrasher (DVD)

Ich habe es ja nach all den Enttäuschungen des letzten Jahres nicht mehr für möglich gehalten. Nach den ganzen belang- und witzlosen Komödien aus Hollywood, man denke an „Be Cool“ oder „Meet the Fockers“, kommen mit den „Wedding Crashers“ tatsächlich mal wieder ein paar richtige Lacher über den großen Teich. Den größten Anteil am Erfolg dieses Projekts haben eindeutig Vince Vaughn und Owen Wilson, die sich im Laufe des Films immer wieder über- und unterbieten in Sachen Slapstick, Humor unter der Gürtellinie und sonstigen komischen Einlagen.Die beiden spielen Anwälte aus Washington, DC, deren liebstes Hobby darin besteht, auf fremden Hochzeiten mächtig abzufeiern, um dann mit schönen Frauen die Nacht ausklingen zu lassen. Um mehr als das geht es in den ersten zwanzig Minuten des Filmes überhaupt nicht, trotzdem stellt sich mit dem flott zusammen geschnittenen Material sofort gute Laune ein. Dann geht es ans Eingemachte: Gesellschaftlicher Höhepunkt ist die Hochzeit einer Tochter des Finanzministers Cleary, und die können John und Jeremy unmöglich verpassen. Als entfernte Verwandte machen sie das rauschende Fest unsicher, am Ende sind sie beide hinter den schönen Schwestern der Braut her.

Jeremy (Vaughn) hat schnell mehr Erfolg, als ihm lieb ist, John (Wilson) hingegen hat eine harte Nuss erwischt. Claire Cleary (Rachel McAdams) hat nämlich ihren Verlobten dabei, was John nicht daran hindert sein Glück zu probieren. Bevor sie sich versehen gehen die Schürzenjäger mit einem großen Teil der Familie auf einen Wochenendausflug, wo die Verwicklungen rasant zunehmen und immer haarsträubender werden. An dieser Stelle hätte der Film leicht langweilig und uninspiriert werden können. Zum Glück jedoch gibt es noch einiges zu lachen. Christopher Walken spielt gekonnt zurückhaltend das Familienoberhaupt, dessen bekloppte Frau ebenso für Lacher sorgt wie die grantige Oma, die ihren Enkel beim Abendessen als „Homo“ bezeichnet. Das Ganze ist nicht unbedingt niveauvoll, aber eben komisch. Fremdschämen ist ebenso angesagt wie gelegentliches Kopfschütteln.

Mit zwei Stunden Laufzeit gibt es die volle Dröhnung der Story, die auch ihre romantischen Fäden geschickt beisammen hält. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen wunderbar, das Drehbuch variiert geschickt das Unausweichliche, ohne dabei zu sehr auf lahmen Running-Gags herum zu reiten. Wenn zum Ende auch noch Will Ferrell einen Gastauftritt als Urvater aller Hochzeitscrasher absolviert ist das Maß schon fast voll, am Gelingen des Films ändert das aber nichts mehr. Der Film ist kein zweiter Lebowski, aber er holt doch das Maximum aus seiner Story heraus. Owen Wilson erreicht dabei das Level von Zoolander, dass ich Vince Vaughn schon einmal derart lustig gefunden hätte wüsste ich so nicht. Obwohl?, hat irgendwer mal „Swingers“ gesehen?

7/10

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