Neuer Film von Oliver Stone: „Savages“

Der neueste Roman des von mir neuerdings hochgeschätzten Autors Don Winslow, „Savages“, wird demnächst von Oliver Stone verfilmt. Für den Film – eine Drogen- und Entführungsstory, die in Mexiko und den angrenzenden US-Bundesstaaten spielt – haben bereits Uma Thurman und John Travolta zugesagt, ebenso wie Blake Lively, Salma Hayek und Benicio del Toro. So schreiben es zumindest die Kollegen von EmpireOnline.

Die Dreharbeiten beginnen im Juni, bis zum Filmstart werde ich den Roman sicher gelesen haben. Im Moment bin ich noch mit Winslows vorletztem Buch „The Power of the Dog“ beschäftigt, das ich Freunden des gepflegten politischen Thrillers übrigens sehr empfehlen kann.

Dickste Freunde (The Dilemma)

Zugegeben, ich war mir von Anfang an nicht sicher, ob der Film was taugen würde. Wenn einem zwei bekannte Comedy-Gesichter (Vince Vaughn und Kevin James) vom Poster ins Gesicht blicken und das ganze in Richtung Buddy-Komödien-Drama geht, muss man schon davon ausgehen, dass es sich nicht um große Filmkunst handeln wird. Aber „The Dilemma“ ist ein gewaltiger Griff ins Klo, völlig unnötigerweise.

Die Prämisse des Films ist simpel. Ronny (Vaughn) und Nick (James) sind seit dem gemeinsamen Studium beste Freunde und haben eine gemeinsame Firma. Eines Tages erwischt Ronny Nicks Frau Geneva (Winona Ryder) bei einem Seitensprung – und weiss nicht so recht damit umzugehen. Soll er es seinem Freund sofort erzählen? Oder Geneva zur Rede stellen? Mit seiner Freundin Beth (Jennifer Connelly) drüber reden? Man kann schon drüber streiten, was das richtige wäre, aber das lohnt nicht. Denn Ronny handelt exakt so, wie es das Drehbuch vorschreibt, mit einer intelligenten Annäherung an das heikle Thema hat „The Dilemma“ nichts am Hut.

Stattdessen schleppt sich das Geschehen zwischen Komödie und Drama so dahin, es wird mal rumgealbert und dann wieder ernst diskutiert. Überzeugen können weder die Jokes noch die übrigen Dialoge, was auch an der langweiligen Figurenzeichnung liegt. Um das Geschehen etwas aufzuhübschen gibt es noch zwei prominente Nebendarsteller – beide in völlig mißratenen Rollen. Queen Latifah ist als unkonventionelle Business-Frau mit losem Mundwerk dabei, Channing Tatum spielt Genevas Lover als grenzdebilen Jüngling, der irgendwie im falschen Film gelandet ist.

Als Sahnehäubchen veredelt der Film seine miese Story noch mit fürchterlich biederen und – entschuldigung – typisch US-amerikanischen Vorstellungen von Freundschaft und dämlichen Klischees vom „richtigen“ Lebensentwurf. Ich konnte mir die Leier gerade so bis zum Ende angucken (mein „Dilemma“ war nach wenigen Minuten die Frage: Ausmachen oder nicht?), würde aber allen anderen dringend davon abraten überhaupt anzufangen.

1/5

 

 

Four Lions

Ich muss gestehen, ich habe nicht daran geglaubt, dass „Four Lions“ hierzulande noch ins Kino kommt. Deshalb habe ich erst gar keine Rezension geschrieben. Nun gibt es ihn aber doch noch, und ich kann ihn sogar empfehlen. Vorausgesetzt, man kann sich generell vorstellen eine Satire/Farce über muslimische Selbstmord-Attentäter lustig zu finden. Denn der Film zieht seine vier bis fünf Hauptfiguren – allesamt absolute Terror-Trottel – gnadenlos durch den Kakao, womit er sich quasi automatisch jenseits des guten Geschmacks bewegt.

4/5

Eine ausführliche und wie ich finde passende Rezension von Spiegel-Online findet sich hier.

[Film kaufen bei Amazon.de]

Paul

Zwei englische Comic- und Alien-Nerds fahren mit dem Wohnmobil durch die USA und treffen auf … ein Alien! Klingt albern? Ja, allerdings, doch das ist im Falle von „Paul“ tatsächlich gut so. Denn die Idee stammt von Nick Frost und Simon Pegg, den britischen Komikern, die uns mit „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ schon zwei sehr lustige Streifen geschenkt haben. Mit ihrer neuen Alien-Farce ist ihnen erneut eine Komödie gelungen, bei der tatsächlich gelacht werden darf, kann und muss.

Frost und Pegg spielen die Hauptfiguren Clive und Graeme, die in den USA urlauben. Ihre erste Station ist die Comic Con, jene bunte Nerd-Attraktion, die seit Jahren Scharen von „Batman“, „Star Trek“ und Sci-Fi-Fans anzieht. Danach wollen sie mit dem Wohnmobil die bekannten Pilgerstätten der UFO-Sichtungen ansteuern, angefangen natürlich bei der berüchtigten ‚Area 51‘. Kaum sind die beiden unterwegs werden sie Zeuge eines Autounfalls – nur um dann verdutzt festzustellen dass der Fahrer zwar wohlauf ist, aber eben ein Alien, das sich als Paul vorstellt.

US-Komiker Seth Rogen leiht „Paul“ in der Originalfassung die Stimme, was schon deshalb passt, weil Paul sich ähnlich benimmt wie Rogen in Filmen wie „Knocked Up“ und „Pineapple Express“ – nämlich ausgiebig daneben. Immerhin hat Paul einen Plan, er will sich von Artgenossen per UFO retten lassen, muss allerdings pünktlich am Treffpunkt sein. Nicht ganz einfach, denn der Secret Service hat die Verfolgung längst aufgenommen. Jason Bateman spielt Agent Zoil, der bei seiner Jagd von den rammdösigen Loser-Cops Haggard und O’Reilly „unterstützt“ wird. Die wiederum werden von Bill Hader und Joe Lo Truglio gespielt, die schon in „Superbad“ als Trottel überzeugenen konnten.

Die Grund-Konstellation der Geschichte ist gelungen, und „Paul“ holt fast alles aus ihr raus. Christliche Fundamentalisten und Hillbillies bereichern die Story, der Roadmovie-Charakter sorgt für ordentlich Bewegung und die meisten Gags – etwa über Pauls Einfluss auf die Popkultur – zünden tatsächlich. Auch die Spezial-Effekte überzeugen, der komplett am Computer entworfene Paul wirkt real und greifbar, den Schauspielern ist nicht anzumerken, dass sie faktisch ständig vor dem Bluescreen Faxen machen. Pegg und Frost sind ein eingespieltes Team, das die Sympathien des Publikums nach wenigen Minuten in der Tasche hat – der Rest läuft dann wie von selbst.

Von selbst funktioniert aber natürlich keine Komödie. Es ist also Regisseur Greg Mottola („Adventureland“) und den Drehbuchautoren zu verdanken, dass sie ihre Geschichte so lässig und unterhaltsam weiterspinnen. In Verbindung mit den guten Schauspielern ergibt das eine sehenswerte Komödie – nicht unbedingt der nächste „The Big Lebowski“, aber eine äußerst lohnenswerte Investion in ein Kinoticket.

4/5

Ohne Limit (Limitless)

Was wäre, wenn es eine ultimative Droge für den Erfolg gäbe? Wenn man sein geistiges Potential jederzeit abrufen könnte, hellwach und aufnahmefähig wäre, sich alles merken und verarbeiten könnte – und das ohne störende Nebenwirkungen? Eddie Morra (Bradley Cooper) probiert es in „Limitless“ aus. Über einen zwielichtigen und wenig später ermordeten Bekannten gerät er in den Besitz eines Beutels voller Pillen, die genau das möglich machen. Angeblich frisch aus den Laboren der Pharmaindustrie und bereits von den Behörden freigegeben.

Die Grundidee des Films klingt nach einem B-Movie, und das ist“Limitless“ auch. Allerdings mit Hollywood-Starpower und großem Budget ausgestattet, außerdem quasi in Hochglanz-Optik gedreht, mit Effekten und irren Kamerafahrten. Man muss sich hier schon vor dem Film entscheiden: lässt man sich auf die Story ein und schaltet das eigene Gehirn einen bis zwei Gänge runter, dann bietet er bunte, laute, mitunter spannende und temporeiche Unterhaltung. Hinterfragt man das Geschehen allzu sehr wird man eher den Kopf schütteln und eine Menge Logik-Fehler bemängeln.

Kaum hat Eddie die erste Pille im System geht sein Leben in New York richtig steil. Aus dem Hänger wird ein Gewinner, der in wenigen Tagen seinen ersten Roman zu Ende schreibt, auf jede Frage eine Antwort weiss und nebenbei ein paar Algorhythmen entwickelt, die ihn an der Börse reich machen. Sogar der milliardenschwere Investor Carl Van Loon (Robert de Niro) ist von Eddies Fähigkeiten beeindruckt und will ihn in seine Geschäfte involvieren. Schließlich gewinnt er auch Freundin Lindy wieder, die ihn bereits als hoffnungslosen underachiever abgeschrieben hatte.

Handwerklich setzt Regisseur Neil Burger („The Illusionist“) auf eine Menge visueller Spielereien, die dem Publikum die unbändige Brain-Power der Hauptfigur vermitteln sollen. Buchstaben und Zahlen prasseln durchs Bild, ausgedehnte Zooms und Kamerafahrten geben das Tempo vor, und die Farben variieren je nachdem, ob Eddie gerade „drauf“ ist oder nicht. Die Inszenierung passt zur Story, auf beiden Ebenen ist „over-the-top“ angesagt.

Hauptdarsteller Bradley Cooper macht einen guten Job, kann sowohl als Loser überzeugen wie auch als durch Psychopharmaka entfesselter Alleskönner. De Niro agiert solide und eher zurückhaltend, was angesichts seiner letzten Filme sehr gut ankommt. Für Action und Spannung ist über die gesamte Länge gesorgt, die Story funktioniert bis auf die erwähnten Ungereimtheiten ganz gut, lediglich die Dialoge sind an einigen Stellen ein wenig zu albern geraten.

Wohin die Story führt ist letztlich nicht schwer zu erraten – auf den großen Erfolg folgen Rückschläge und ungeahnte Gefahren, die Eddie auf die Probe stellen. Weil die Wunderpillen Eddies persönlicher Pakt mit dem Teufel sind steckt also eine ordentliche Portion „Faust“ oder „Das Bildnis des Dorian Gray“ in der Story. Nicht schlecht für ein B-Movie, zumal die Macher von „Limitless“ sich darüber im Klaren waren und ihre Geschichte vergnüglich bis zum Schluss ausreizen.

4/5

72 Stunden – The Next 3 Days (DVD)

Was tut ein ganz normaler Mensch, wenn seine Welt von jetzt auf gleich zusammenbricht? Diese Frage stellt sich in „The Next 3 Days“ dem Lehrer John Brennan (Russell Crowe), als seine Frau Lara (Elizabeth Banks) eines Abends aus scheinbar heiterem Himmel von der Polizei im gemeinsamen Haus verhaftet wird. Sie soll ihre Chefin erschlagen auf dem Büroparkplatz erschlagen haben, alle Indizien deuten auf sie als Täterin hin.

Ohne hier zuviel zu verraten – wir sind noch im ersten Viertel des Films – wird Lara tatsächlich verurteilt. John schlägt sich als allein erziehender Vater mit Sohnemann Luke durch und verzweifelt am Weg durch alle erdenklichen Instanzen, um den Fall neu aufzurollen. Es reift in ihm langsam die Erkenntnis, dass eben nicht alles gut werden wird. Und so überlegt er sich einen Plan B, um sein Leben zurück zu bekommen – der ist allerdings mit großen Risiken behaftet…

Der Film von Paul Haggis ist eine Mischung aus Drama und Thriller, die leider nicht immer funktioniert. Starke Momente hat der Film in den ruhigen Szenen, in der Zeichnung der Hauptfigur und dem geschickten Spiel mit der Erwartungshaltung des Publikums. Weniger gelungen ist das holprige Timing, die uninteressanten Nebenfiguren und am Ende die allseits bekannten Genre-Versatzstücke inkl. unglaubwürdigem und übertriebenem Ende.

Das menschliche Drama ist gut gespielt, aber es fehlt der Story insgesamt an Glaubwürdigkeit und Plausibilität. Festmachen lässt sich das unter anderem am aus dem nichts kommenden Auftritt von Liam Neeson als ehemaliger Ausbrecher-König, der nach seinem kurzen Auftritt (wohl nur für den Trailer in den Film geschrieben) dann auch wieder komplett verschwindet – hier schreibt das Drehbuch zu offensichtlich die Geschichte vor. Auch die Zeitsprünge sind etwas gewöhnungsbedürftig, wobei man sich so immerhin ein längeres „Matlock“-Intermezzo spart.

„The Next 3 Days“ gewinnt seiner Story durchaus Spannung ab, und nicht zuletzt dank Russell Crowes schauspielerischer Klasse bleibt man als Zuschauer durchaus involviert. Doch der Gesamteindruck ist irgendwie fahrig, für ein Drama ist die Story zu konstruiert, für einen Thriller ist zuwenig los. Das ergibt immer noch einen recht unterhaltsamen, handwerklich gut gemachten Film – den man sich aber letztlich auch einfach sparen kann.

3/5

[Film kaufen bei amazon.de]

 

Und nochmal Woody Allen…

Gerade ist der Trailer für „Midnight in Paris“ online, da gibt es schon die nächsten News von Woody Allen. Denn der castet bereits für seinen nächsten Film, der in Rom gedreht werden soll. Neben Penelope Cruz werden Alec Baldwin, Jesse Eisenberg und Ellen Page dabei sein, wie EmpireOnline hier vermeldet. Klingt ganz so, als könnten wir uns auch 2012 wieder auf einen Film von Allen freuen. Schönes Ding!

Alles Was Wir Geben Mussten

Auf diese Adaption des gleichnamigen Romans von Kazuo Ishiguro habe ich mich schon eine ganze Weile gefreut. Und ich kann sagen, dass ich trotz hoher Ansprüche nicht enttäuscht worden bin. Im Spannungsfeld von Melodram und Science-Fiction angesiedelt erzählt der Film vordergründig die Geschicke dreier ganz normaler Schüler im englischen Internat Hailsham.

Doch schon die ersten Szenen von „Never Let Me Go“ machen deutlich, dass irgendwas mit der (einigermaßen) heilen und sehr geschlossenen Welt von Hailsham nicht stimmt. Fliegt beim Spielen ein Ball über den Zaun traut sich keines der Kinder, ihn wiederzuholen – denn draußen, so erzählt man sich, passieren nur böse Dinge.. Die Story entwickelt sich bald zu einer Dreiecksgeschichte zwischen Cathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield), deren Wege sich im Laufe der Jahre auch nach der Internatszeit noch mehrfach kreuzen.

Vom eigentlichen Inhalt darf man viel mehr nicht verraten, denn die Stärke des Films liegt genau wie im Roman darin, dem Publikum langsam die Informationen zu geben, die er braucht um die Lage einschätzen zu können. Das geschieht aber nicht durch irgendwelche dramaturgischen Kniffe, sondern fast beiläufig und ohne Effekthascherei. Wenn am Ende Cathy die Story aus ihrer Sicht zusammenfasst wird aber jedem Zuschauer klar sein, wie die Geschichte zu verstehen ist.

Eine Schwäche von „Never Let Me Go“ (Originaltitel) liegt allerdings darin, dass er sein Szenario (das im Buch sehr stimmig ist) nicht bis ins Detail plausibel darstellen kann und man daher von den Figuren in einigen Situationen ein anderes Handeln erwartet. Am Zusammenspiel der drei Hauptdarsteller ist dagegen absolut nichts auszusetzen. Es wundert mich angesichts der grandiosen Romanvorlage auch nicht, dass der Stoff die drei derzeit begehrtesten jungen Schauspieler Englands für sich gewinnen konnte (Garfield, oscarnominiert für seine Rolle in „The Social Network“, ist in den USA geboren, aber in England aufgewachsen).

Bis auf die genannten Defizite ist der Film wahrlich großes Kino. Die ruhige Inszenierung von Mark Romanek gibt der Geschichte die nötige Zeit, sich zu entwickeln. Die Bilder sind von melancholischer Schönheit und zeichnen ein stimmiges Bild des englischen Hinterlands. Weil die Story in den 80er Jahren spielt hat das ganze zudem einen gewissen Retro-Charme. Inwiefern der Film spannend und mitreißend ist für diejenigen (und es dürfte die große Mehrheit sein), die das Buch nicht kennen, kann ich schwer sagen. Von der Vorlage ist er auf jeden Fall nicht weit entfernt, und auch wenn er es nicht ganz schafft dessen emotionale Kraft und seine große Vision ohne Verluste auf die Leinwand zu bringen, habe ich ihn würde die Top-10 von 2011 schon einmal vorgemerkt.

5/5

PS: Warum der Film

  • a) bei uns erst jetzt anläuft, obwohl er seit Herbst 2010 fertig ist wird nur der deutsche Verleiher selber wissen
  • b) keine einzige Oscar-Nominierung bekam ist mir absolut schleierhaft, auch wenn er finanziell nicht sonderlich erfolgreich war

[Buch kaufen bei Amazon.de]

Sucker Punch

Sucker Punch Film PosterDass „Sucker Punch“ ein Trash-Fest werden würde war bereits nach dem Trailer klar. Doch es stand noch nicht fest, ob der neue Film von „300“ und „Watchmen“-Regisseur Zack Snyder vielleicht gar großartiger Trash sein würde. Leider ist er nicht großartig geraten, sondern bestenfalls mittelmäßig.

Die Story beginnt wortlos und stimmungsvoll. Ein fieser alter Sack ermordet nach dem Tod seiner Frau in einem schlossähnlichen Anwesen seine jüngere Stieftochter, schiebt das der älteren von beiden in die Schuhe und liefert die dann gleich in der Irrenanstalt ab. Dort wird es richtig wild, denn kaum ist Baby Doll (so ihr einfallsreicher Name) in der Klapse, verwandelt die sich in eine Art Burlesque-Show-Bordell, in dem die „Insassinnen“ (insgesamt fünf schicke junge Damen in heissen Fummeln) fürs Publikum tanzen müssen, während ein schleimiger Ganove einen Reibach mit Ihnen macht.
Das ist aber noch nicht alles, denn kaum fängt Baby Doll an zu tanzen findet sie sich einer surrealen Traumwelt wieder, in der sie mit Superkräften Monster, Drachen und – kein Witz – deutschen Soldaten-Zombies im ersten Weltkrieg bekämpft. Ihre vier Gefährtinnen sind ebenfalls dabei. Die Handlungsebenen vermischen sich dann, aber weil sie nicht gar so neuartig miteinander zusammenhängen ist diese vordergründige Komplexität kein Garant für Spannung.

Stattdessen ermüden die wilden Kämpfe mit den recht lauen Spezial-Effekten bald, das Treiben erinnert (wenn auch absichtlich) sehr an einen Ego-Shooter und ist nicht wirklich spannend. Die Bordell-Szenen werden zunehmend emotionaler – und damit peinlicher, denn die Schauspielerinnen können gegen das bizarre und provokative Szenario nicht anspielen. Dass ist insgesamt schon noch auszuhalten, der Film ist so offensichtlich over-the-top, dass man ohnehin kein ernstes Drama erwartet.

„Sucker Punch“ variiert nicht ungeschickt bekannte Story- und Genre-Elemente, die er zuweilen auch ironisch kommentiert. Vielleicht kommt diese Ironie aber erst zum Tragen, wenn man den Film ein zweites mal sieht und also die Bedeutung der unterschiedlichen Ebenen besser einschätzen kann. Lässt man diese nämlich weg bleibt erstmal „nur“ ein buntes Spektakel mit halbnackten Mädels und Monstern über, das hin und wieder von einer nur mäßig funktionierenden Rahmenhandlung unterbrochen wird. Man kann sich das schon ansehen, aber die Begeisterung hält sich doch arg in Grenzen.

2/5

PS: Ein aufschlussreiches Interview mit dem Regisseur und seine Absichten findet sich hier bei SpiegelOnline.

Welcome to the Rileys

Seit dem Ende der „Sopranos“ ist es recht ruhig geworden um James Gandolfini. Nun ist er mal wieder im Kino in einer Hauptrolle zu sehen, und zwar an der Seite von „Twilight“-Star Kristen Stewart. Die scheint offenbar ihr Image von der ewig keuschen Vampir-Gespielin ein wenig korrigieren zu wollen, spielt sie doch in „Welcome to the Rileys“ die junge Stripperin Mallory, die auch gerne mal ein paar Drogen einwirft.

Gandolfini spielt den Geschäftsmann Doug Riley, der gemeinsam mit seiner Frau Lois (Melissa Leo) um seine kürzlich verstorbene Tochter trauert. Wobei die beiden sehr unterschlich trauern – Doug ist bemüht nach vorne zu schauen und irgendwie weiter zu machen, während Lois sich komplett von der Welt zurückgezogen hat. Auf einer Geschäftsreise nach New Orleans findet sich Doug auf der Flucht vor Kollegen auf einmal allein mit Mallory wieder, die neben der Stripperei auch im Hinterzimmer „zu haben“ ist, sofern die Kohle stimmt.

Es entwickelt sich, man ahnt es schon, eine Beziehung zwischen den beiden. Allerdings keine wilde Love-Story, sondern die eines einsamen und wohlhabenden Mannes, der sich in den Kopf gesetzt hat einer strauchelnden jungen Frau auf die Beine zu helfen. Dass Mallory ihren neuen Ersatz-Vater (anfangs) ablehnt und Lois am Verstand ihres Ehemanns zweifelt ist ebenfalls nur logisch. Immerhin fährt Lois ihrem Ehemann bald  hinterher, und die Szenen ihrer Reise gehören zu den stärksten Szenen die „Welcome To The Rileys“ zu bieten hat.

Weder das Thema noch die Story sind sonderlich originell, und doch kann der Film dramaturgisch überzeugen. Es mag dem ein oder anderen zu unspektakulär sein, wie sich die Dinge bis zum Ende des Films entwickeln. Das steht der Story aber insofern gut zu Gesicht, als dass sie nicht auf allzu bekannten Noten endet, wie man leicht vermuten könnte. Das Setting in New Orleans ist stimmungsvoll inszeniert, der Film spielt mit dem Schauplatz natürlich auf die persönliche Katastrophe an, die die Rileys durchleben mussten. Die Figuren sind ebenfalls gut gelungen, ihr Handeln, ihre Motive und Emotionen sind überzeugend und stimmig. Die Neuerfindung des Rades ist der Film also nicht, aber wer gute Independent-Dramen mag sollte ihm früher oder später eine Chance geben.

4/5

The Fighter

The Fighter“ verbindet zwei Genres, die ich nicht so sehr gerne mag. Einerseits das Boxer-Drama (weil es ohnehin immer dieselbe Story ist), andererseits die Filmbiografie (weil da die Fakten immer verbogen werden). Von beiden Vorwürfen kann man den Film von David O. Russell keineswegs freisprechen, doch das gute Drehbuch und die hervorragenden Darsteller machen „The Fighter“ trotzdem eine sehenswerte Story.

„Irish“ Micky Ward (Mark Wahlberg) ist ein talentierter Boxer im Weltergewicht, dessen Karriere Ende der 80er Jahre fast schon gelaufen scheint. Seine Familie ist nicht ganz unschuldig daran. Sein Halbbruder und Trainer Dicky (Christian Bale) kämpft mit Drogenproblemen, seine Mutter und Managerin Alice versteht nicht viel vom Geschäft. Sie alle stammen aus einfachen Verhältnissen, ihr Horizont reicht nicht über die Grenzen ihrer Heimatstadt Lowell in Massachusetts hinaus.

Nach einer Serie von Niederlagen hängt Micky die Handschuhe an den Nagel; Dicky muss in den Knast, seine Freundin Charlene trennt sich von ihm, ein komplizierter Bruch in der Hand verhindert normales Training. Doch so ganz kann er seinen Traum vom großen Erfolg nicht vergessen, und nach ein paar Jahren greift „The Fighter“ noch einmal an…

Der Ausgang der Geschichte ist recht vorhersehbar, einzig die Frage ob Micky den großen Kampf am Ende gewinnen kann oder nicht bleibt spannend. Es sei denn, man ist mit dem Geschehen schon vertraut, denn das Ganze basiert auf einer wahren Geschichte. Die Stärke des Films liegt in der genauen Milieu- und Figurenzeichnung, im Realismus und den (weitgehenden) Verzicht auf „Rocky“-mäßiges Gepose.

Christian Bale, für seine Rolle mit einem Oscar ausgezeichnet, und Mark Wahlberg liefern sich als ungleiche, in Hassliebe verbundene Brüder ein starkes Duell. Melissa Leo überzeugt als sture Matriarchin des Familienclans, und konnte dafür ebenso einen Oscar in Empfang nehmen. Das Drehbuch liefert den Darstellern die vielen starken Szenen, die es braucht um die Story glaubwürdig zu machen. Hinter den genannten Stärken gerät die Tatsache, dass sich die Dinge fast zwangsläufig so entwickeln, wie sie es tun, zur Nebensache.

Trotzdem, die Neuerfindung des Rades ist „The Fighter“ nicht – wer also meint, genug Boxer-Filme gesehen zu haben kann sich den Film auch schenken. Freunde des gepflegten (Sport)-Dramas kommen definitiv auf ihre Kosten und sollten schon wegen des grandiosen Darsteller-Ensembles einen Blick riskieren.

4/5

[Film kaufen bei amazon.de]