„The Hobbit“ – Regisseur Del Toro steigt aus

Es hat einige Jahre gedauert bis die Eckdaten für die nächste, von Millionen „Lord of the Rings“-Fans erwartete, Tolkien-Verfilmung feststanden. Peter Jackson produziert, New Line, MGM und Warner Bros. finanzieren – und Guillermo Del Toro („Pan’s Labyrinth“) sollte Regie führen. Weil aber MGM seit Monaten vor dem Verkauf steht ist die Finanzierung nicht geklärt, der Drehstart wurde ein ums andere Mal verschoben. Nun hat Del Toro genug von der unendlichen Geschichte, es ist anzunehmen, dass er Lust hat, in absehbarer Zeit tatsächlich mal wieder einen Film zu drehen. Laut Deadline.com steht noch kein neuer Regisseur fest. Sam Raimi („Spiderman“) soll Interesse haben, bereitet aber gerade „World of Warcraft“ vor, Peter Jackson – eigentlich von jeher Kandidat Nr. 1 – bleibt als Produzent und Drehbuch-Verantwortlicher an Bord, wechselt aber offenbar nicht auf den Regiestuhl.

Ebenfalls von der MGM-Pleite betroffen ist übrigens der nächste Bond-Film. Die 007-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson warten erst einmal ab, wer demnächst bei MGM das Sagen hat…

Neue Philip K. Dick-Verfilmung: „Adjustment Bureau“ mit Matt Damon

Ein vielversprechender neuer Trailer ist seit ein paar Tagen bei Apple zu finden. „Adjustment Bureau“ basiert auf einer Story von Philip K. Dick („Blade Runner“, „A Scanner Darkly“) und macht einen sehr interessanten Eindruck. Ich habe den Trailer vorsichtshalber nicht zuende geguckt – wer weiss, ob da nicht schon wieder viel zu viel verraten wird. Bei uns wird der Sci-Fi-Film um eine geheime Behörde, die das Schicksal der Menschen bestimmt, im Oktober rauskommen.

Matt Damon und Emily Blunt („Young Victoria“, „The Wolfman“) spielen die Hauptrollen, der Film ist das Regiedebut von George Nolfi, der u. a. für die Drehbücher von „The Bourne Ultimatum“ und „The Sentinel“ verantwortlich zeichnet. Hoffentlich mal wieder gelungenes Sci-Fi-Kino mit guter Story.

Was ganz neues: Blockbuster-Sequel geplant…

Es war abzusehen und ist angesichts des gelungenen Films auch keine soo schlechte Idee: „Sherlock Holmes“ wird fortgesetzt, wie hier berichtet wird wohl mit den wichtigsten Akteuren vor und hinter der Kamera an Bord. Ende 2011 soll Teil zwei in die Kinos kommen. Was mich bei den ganzen Fortsetzungen ärgert ist, dass die „Originale“ alle automatisch relativ offene Enden haben – und somit kein Film den Mut hat mal zu überraschen. Nach Teil eins ist vor Teil zwei, und so weiter und so fort. Eine gute Story kann auch mal ein endgültiges Ende haben – bevor das Publikum längst genug gesehen hat.

Gesetz der Rache (DVD)

Ob die Produzenten von „Death Wish“ (hierzulande als „Ein Mann sieht rot“ bekannt) gewusst haben, wieviele Filme das Prinzip des Charles-Bronson-Reißers kopieren würden, ist nicht bekannt. Vermutlich war „Death Wish“ auch gar nicht der erste Film dieser Art. Sei es drum, Hollywood wird nicht müde, die Geschichte vom bürgerlichen Racheengel ein ums andere mal zu wiederholen. Da drehte Denzel Washington als „Man on Fire“ durch, Jodie Foster endteckte „Die Fremde in dir“, und auch der erste „Punisher“-Film verfolgt das gleiche Schema. Ein oder mehrere Angehörige des (Anti-)Helden werden – möglichst grausam – ermordet, und dann geht es los mit der Selbstjustiz. Denn auf die Gerichte, auch das gehört zum Schema, ist ja kein Verlass, und die Verbrecher kommen schnell wieder frei – wenn sie überhaupt gefasst bzw. verurteilt wurden.

Genau so funktioniert auch „Law Abiding Citizen“ (Originaltitel). Da muss Familienvater Clyde (Gerald Butler, „300“) mitansehen, wie seine Frau und Tochter bestialisch ermordet werden. Und dann schließt der Staatsanwalt Nick (Jamie Foxx, „Ray“) mit dem Anwalt der Verteidigung einen schäbigen Deal, um seine Verurteilungsrate und damit seine Karrierechancen nicht zu gefährden. Der Hauptschuldige bekommt schlappe 5 Jahre aufgebrummt, sein Mittäter landet in der Todeszelle. Nicht akzeptabel für den am Boden zerstörten Clyde…

10  Jahre später nimmt das Unheil seinen Lauf. Bei der Hinrichtung des einen Täters geht so einiges schief, der andere wird regelrecht in Stücke geschnitten. Sehr bald kommen die Cops zu dem Schluss, dass Clyde dahinter stecken könnte. Doch kaum sitzt der in Haft offenbart er dem verdutzten Nick, inzwischen Vize-Bezirksstaatsanwalt, dass er noch längst nicht fertig ist mit seinem Rachefeldzug. Wie sich rausstellt ist er nämlich gar nicht der harmlose Ingenieur, für den er gehalten wurde, sondern ein hochbezahlter und brillanter Tüftler, der für die US-Regierung Killer-Spielzeuge bastelt. Von genau jenen hat er einige ins Rennen geschickt, alle damals am Prozesse beteiligten Personen schweben in Lebensgefahr.

Das Geschehen ist weit hergeholt, und bei näherer Betrachtung fällt der Plot auch in sich zusammen. Nur eine von vielen Fragen wäre, warum die Mörder Clyde damals eigentlich verschont haben? Wollten sie unbedingt einen Zeugen und dementsprechend gefasst werden? Ist auch geschenkt, das Katz-und-Maus-Spiel des Films hat ein paar spannende und gar überraschende Momente zu bieten, handwerklich macht Regisseur F. Gary Gray („The Italian Job“) nicht viel falsch.

Gerard Butler spielt die Rolle als zu allem entschlossenen Todesengel mit gebührendem Ernst, kann der Figur aber keine Tiefe verleihen. Seine zahlreichen Ausführungen zum jämmerlichen Stand der Justiz sind over-the-top und nicht wirklich ernst zu nehmen. Staatsanwalt Nick, von Jamie Foxx zunächst als aalglatter Karriere-Typ gespielt, gewinnt nicht viel mehr Tiefe. Trotzdem drehen sich die Sympathien des Publikums langsam aber sicher zu Nicks Gunsten. Das Mitgefühl für den Witwer Clyde schwindet dagegen ob dessen zunehmend eskalierender Racheakte.

„Gesetz der Rache“ hat eine klare Zielgruppe, wie eigentlich fast alle Filme dieser Art. Ein junges, männliches Publikum soll hier unterhalten werden, und das funktioniert soweit auch ganz gut. Wo allerdings andere Thriller dieser Baureihe ernsthafte Charaktere oder einen wirklich fesselnden Plot bieten können, klafft ein große Lücke. Bestaunt werden soll hier die Monstrosität und Gnadenlosigkeit des jahrelang geplanten Feldzugs. Emotional scheitert er jedoch schon im Ansatz. Was bleibt ist eine weitere filmische Gewaltphantasie, und keine sonderlich einfallsreiche.

2/5

James McAvoy als „Professor X“

James McAvoy („Wanted„) wird laut Variety im für Sommer 2011 geplanten Prequel „X-Men: First Class“ Charles Xavier aka Professor X spielen. Der Film erzählt die Vorgeschichte von Xavier und Erik Lensherr aka Magneto. Regie führen wird Matthew Vaughn („Kick -Ass“). Mit bisher drei „regulären“ X-Men“-Streifen, dem Spin-Off „Wolverine“ und nun also dem Prequel holt 20th Century Fox alles aus dem Franchise raus, hoffentlich existieren auch ein paar gute Ideen, wohin die Reise noch gehen soll..

Nach London und Barcelona…

… nimmt sich Woody Allen nach einem Bericht von Variety in seinem nächsten Film nun Paris vor. „Midnight in Paris“ lautet der (Arbeits-)Titel, wie üblich hatte der Altmeister wenig Mühe eine prominente Besetzung zusammen zu trommeln: Kathy Bates, Adrien Brody, Carla Bruni, Marion Cotillard, Rachel McAdams, Michael Sheen und Owen Wilson werden dabei sein. Bevor uns also „You Will Meet A Tall Dark Stranger“ im Dezember heimsucht hat Allen schon wieder einen Film im Kasten…

„Jackie Brown“: Prequel in der Mache…

Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber dem bisher eher unbekannten Regisseur und Drehbuchautor Dan Schechter ist das egal. Er plant – basierend auf Elmore Leonards Romanvorlage „The Switch“ – ein Prequel, bei der sich die von Sam Jackson und Robert De Niro gespielten Charaktere in eine Entführungsgeschichte verstricken.

Noch ist nichts konkret, aber es erscheint möglich, dass uns der Film in ein, zwei Jahren über den Weg laufen wird. Und mit der Zugkraft von Tarantinos Vorgängerfilm sollte der Finanzierung auch nichts im Wege stehen, auch wenn die Finanzkrise an Hollywood nicht spurlos vorbeigegangen ist. Einzige Frage: Welche Schauspieler werden als Jackson/De Niro in jung ihr Glück versuchen?

Neue Filme von bekannten Namen

In das gerade beginnende Sommerloch (für Menschen denen „Shrek“ und „Sex & the City“ furzlattenegal sind) hier mal eine kleine Vorschau, was im Laufe der kommenden Monate – hoffentlich – noch so kommt. Was im Sommer noch auf uns wartet (wenn die WM vorbei ist) kann hier nachgelesen werden.

Darren Aronofsky hat nach seinem „Wrestler“ von 2008 einen neuen Film gedreht. „Black Swan“ ist ein Thriller aus dem Ballett-Milieu(!), unter anderem sind Natalie Portman, Winona Ryder und Vincent Cassel dabei. Ich bin gespannt auf den Trailer, den ich hier auch verlinken würde, wenn es ihn denn schon gäbe…

Jedes Jahr mit einem neuen Film ist wie üblich Woody Allen dabei, dessen „You Will Meet a Tall Sark Stranger“ gerade in Cannes Premiere feierte. Man braucht kein Prophet zu sein um vorrauszusagen, dass er für nicht-Fans uninteressant sein dürfte, die US-Kritiker ihn zerreissen und ich dann denke „besser als der meiste Rest ist er allemal“. Im Dezember wird „You Will Meet …“ bei uns anlaufen – „nur“ drei Monate nach US-Start. Mit dabei sind u.a. Anthony Hopkins und Naomi Watts, Antonio Banderas und Josh Brolin.

Terrence Malick („The Thin Red Line“) hat auch mal wieder einen Film gedreht – seinen sechsten in 37 Jahren. Die Hauptrollen von „Tree of Life“ sind mit Sean Penn und Brad Pitt besetzt, die Synopsis bei der IMDB klingt nach einem großen Familien-Epos auf zwei Zeitebenen. Und wenn ich das richtig gesehen habe spielt Pitt den Vater von Sean Penn – nur eben in der anderen Zeitebene. Sonst wärs ziemlicher Quatsch. Trailer ist noch nicht raus, anlaufen soll er bei uns Anfang Januar 2011.

Clint Eastwood, dessen „Invictus“ ich auf DVD nachholen muss, hat gerade „Hereafter“ abgedreht. Der Film ist ein übersinnliches Drama, bei dem drei Menschen auf die ein oder andere Weise mit dem Tod in Berührung kommen. Matt Damon spielt eine Hauptrolle, den hat Eastwood von „Invictus“-Dreh wohl gleich dabehalten. Außerdem dabei sind Bryce Dallas Howard und Cecile De France, Kinostart in den USA soll im Oktober sein, sollte der Film – wie fast alle Eastwood-Filme – für einen Oscar in Frage kommen wird er bei uns sicher erst zur Verleihung im Februar laufen…

Robin Hood

Als vor einiger Zeit bekannt wurde, dass Ridley Scott eine Verfilmung von „Robin Hood“ plant, hiess es zunächst Russell Crowe würde sowohl die Titelrolle als auch die des Sheriffs von Nottingham übernehmen. Die Idee wurde fallen gelassen, doch eine handelsübliche Adaption des Stoffes ist trotzdem nicht dabei heraus gekommen. Der Film versteht sich als „Prequel“, erzählt aber eine andere Vorgeschichte als die gemeinhin überlieferte.

Crowe spielt den Soldaten Robin Longstride, der an der Seite von König Richard Löwenherz (Danny Huston) im dritten Kreuzzug gekämpft hat. Nach Löwenherz‘ Tod gelangt er über einige Umwege – unter anderem der Krönung des eitlen Fatzkes John zum neuen König – schließlich nach Nottingham, wo er auf die holde Marion (Cate Blanchett) trifft. Die ist allerdings keine Jungfrau, sondern Witwe des gefallenen Ritters Robert Loxley, dessen Identität Longstride nun annimmt.

Währenddessen schmiedet Godfrey (Mark Strong) mit dem König von Frankreich den Plan England zu erobern, indem man die Naivität König Johns ausnutzt. Bald steht weit mehr auf dem Spiel als das Wohlergehen der Bewohner Nottinghams, und Robin Longstride-Hood schwingt sich zum Anführer eines Heeres auf, welches das Vaterland vor den feindlichen Horden verteidigen muss.

Mit dem klassischen Robin Hood, der im Sherwood Forrest seine Umverteilungspolitik mit Pfeil und Bogen durchsetzt, hat das alles nichts zu tun. Diese Zeit, so will der Film verstanden werden, kommt nach den gezeigten Geschehnissen, und so spielen Little John oder der böse Sheriff keine wirkliche Rolle. Warum die Macher dieses „Robin Hood“ sich allerdings für eine Neu-Interpretation der Legende entschieden und historische Ereignisse wie die Entstehung der Magna Charta in die Handlung integriert haben bleibt unklar.

Dass man nicht zum x-ten Mal dieselbe Geschichte erzählt finde ich durchaus eine gute Idee, doch das Ergebnis überzeugt nicht sonderlich. Vieles erinnert an „Gladiator“, wie etwa der verzogene junge König als Gegenspieler eines tapfer und ehrbar kämpfenden Russell Crowe als einfachem Soldaten. An der Inszenierung gibt es nicht viel auszusetzen, Ridley Scott hat sein Handwerk nicht verlernt. Es wird mächtig aufgefahren, die Kämpfe und Schlachten sind temporeich und haben Durchschlagskraft, nur die D-Day-mäßigen Landungboote der Franzosen wirken etwas deplatziert. Für Unterhaltung und Kurzweil ist – trotz fast völliger Abwesenheit von Humor – durchaus gesorgt. Der Soundtrack ist etwas übertrieben pompös und bedeutungsschwanger, die Soundeffekte dagegen äußerst gelungen.

Doch die Story selbst vermag nie wirklich zu fesseln. Bei den vielen Erzählsträngen – Longstrides Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Intrigen der Königshäuser – geht dem Film der Fokus verloren. Trotz vieler guter Schauspieler in den Nebenrollen (William Hurt, Max von Sydow) bleiben auch die Figuren recht blass. Nicht, dass es viele schlechte Szenen gäbe (wie etwa Marion in Kampfmontur), nur eben auch keine überzeugenden großen Momente. Die Vermischung von Räuber-Legende mit echter Historie steht im luftleeren Raum, es fehlt die Bodenhaftung eines ‚echten‘ Historienschinken, und gleichzeitig die Beschwingtheit der volkstümlichen Heldenverehrung. Das Ergebnis ist ein nett anzusehender Actionfilm mit einer Menge Story, aber ohne erkennbare Daseinsberechtigung. Vielleicht gibt es irgendwann einen verlängerten Director’s Cut, der sich letztere auf DVD doch noch verdient…

3/5

PS: Aus der Reihe „The Complete History of England – In Movies“ hier der Eintrag von „Robin Hood“…

[Film bei amazon.de kaufen]

Haben Sie das von den Morgans gehört? (DVD)

Hugh Grant und Sarah Jessica Parker haben vor diesem Film noch nie eine romantische Komödie zusammen gedreht. Da hat wohl ein Produzent eine Marktlücke gesehen, und nun gibt es also „Did You Hear About The Morgans?“ (Originaltitel). Ein starkes Argument für weitere Filme der beiden ist dabei allerdings nicht heraus gekommen. Grant und Parker spielen ein frisch geschiedenes New Yorker upper class-Ehepaar, eben die Morgans, das sich wegen eines gemeinsam beobachteten Mordes plötzlich im Zeugenschutzprogramm wiederfindet.

Von jetzt auf gleich werden die beiden in ein verlassenes Kaff in Wyoming gebracht, stehen dort unter der Obhut des örtlichen Sheriffs und seiner Frau (einziger echter Lichtblick des Films: Sam Elliott und Mary Steenburgen). Nun passiert das, was bei einem solchen Setting eben passieren muss. Die Großstädter freunden sich mit den rustikalen, bodenständigen Dorfbewohnern an. In der ungewohnten Umgebung entdecken sie ihre verschütt geglaubten Gefühle füreinander. Und natürlich findet auch der Mörder irgendwann raus, wo sich die Zeugen versteckt haben…

Das alles wäre so oder so kaum spannend geworden, aber es hätte ja wenigstens ein bisschen Witz versprühen können. Tut es aber nur äußerst selten. Hugh Grant schlafwandelt sich durch seine Rolle, bekommt aber immerhin vom Drehbuch ein paar gute Jokes spendiert. Sarah Jessica Parkers Figur hat da weniger Glück, Sympathie für sie dürfte selbst hartgesottenen „Sex and the City“-Fans schwerfallen. Das Genre ist ja für Innovationen nicht eben berühmt, aber die Ideenlosigkeit des Drehbuchs ist schon bemerkenswert.

1/5
[Oder als Kalauer: „Haben Sie das von den Morgans gehört?“ – „Ja, leider!“]

Fantastic Mr. Fox

Wer hier häufiger liest weiss, dass Animationsfilme nicht so meine Sache sind. Im Falle von „Fantastic Mr. Fox“ – der streng genommen nicht animiert ist, sondern im altmodischen Stop-Motion-Verfahren entstand – mache ich aber nur zu gerne eine Ausnahme. Der Film basiert auf einem Buch von Roald Dahl („Charlie and the Chocolate Factory“). Regie führte Wes Anderson („Royal Tenenbaums“), die Handlung kreist um eine (animierte) Fuchs-Familie. Herr im Hause ist Mr. Fox (in der OV gesprochen von George Clooney), der zu Beginn dem Klauen von Hühnern abschwört. Seine schwangere Gattin Mrs. Fox (OV-Stimme von Meryl Streep) hält das für einen Beruf, der zu einem Familienvater einfach nicht passt.

Mr. Fox kann seine Passion aber nicht so einfach ruhen lassen, und versetzt mit seinen Aktionen die gesamte Tierwelt in Aufruhr. Füchse, Hasen, Wiesel, Oppossums – sie alle werden in die Schlacht zwischen Fox und drei mächtigen Farmern mit hinein gezogen. „Fantastic Mr. Fox“ zitiert genüsslich Caper-Movies, Italo-Western und modernes Kino a la „Kill Bill“ – nur eben mit Tieren als Hauptfiguren. Die jedoch sind ungefähr so dysfunktional wie die besagten „Tenenbaums“ und stehen sich dadurch gerne mal selbst im Weg.

Die tierischen Figuren benehmen sich allzu menschlich. Der Film holt aus dem Kontrast zwischen tierischen Figuren und menschlichem Verhalten eine Menge Witz raus. Die Story ist ebenso liebevoll geschrieben wie die Animationen umgesetzt sind. Komische Dialoge, viele witzige Einfälle und der spritzige Ton machen „Fantastic Mr. Fox“ zu einem äußerst unterhaltsamen Vergnügen, das (offensichtlich) sogar Animationsmuffeln wie dem Autor dieser Zeilen zu gefallen weiss. Schönes Ding!

4/5

[Film bei Amazon.de kaufen]

The Road (DVD-Import)

Nachdem die Coen-Brüder Cormac McCarthys „No Country for Old Men“ in Oscar-gekröntes Kino verwandelt haben steht nun mit „The Road“ die nächste Verfilmung eines McCarthy-Romans an. Kein leichtes Unterfangen, denn das Buch erzählt eine extrem düstere Geschichte, die von der Stimmung und den Dialogen lebt – aber auch vieles der Fantasie des Lesers überlässt.

Mit John Hillcoat wurde ein fähiger Regisseur gefunden, der mit „The Preposition“ gezeigt hat, dass er von rauher Natur und düsteren Geschichten etwas versteht. Und düster ist der Stoff allemal. Ein Vater (Viggo Mortensen) wandert mit seinem Sohn (Kodi-Smit-McPhee) durch eine völlig verwüstete und verbrannte USA. Welche Katastrophe diese ewig graue, lebensfeindliche Umgebung, in der keine Sonne mehr zu sehen ist, verursacht hat, darüber ist im Buch nichts berichtet. Zum Zeitpunkt der Handlung ist sie auch schon mehrere Jahre her.

In kurzen Rückblenden zeigt „The Road“, wo die Mutter (Charlize Theron) der Familie abgeblieben ist. Für den Rest des Films sind die beiden mit sich und ihrer gefährlichen Umwelt alleine. Sie sind unterwegs nach Süden, in der Hoffnung auf eine letzte, warme Bastion der Menschheit. Außer den beiden haben nicht viele überlebt, einige davon sind zu wandernden Kannibalen geworden, vor denen sie ständig auf der Hut sein müssen.

Der emotionale Kern der Story ist die innige Beziehung zwischen Vater und Sohn, die bedingslos aufeinander angewiesen sind. Der Vater auf seinen Sohn als einzigen Grund, am Leben zu bleiben (einen Revolver mit zwei Kugeln trägt er mit sich), der Sohn auf seinen Vater als Versorger und Erzieher in einer trostlosen Wirklichkeit – der einzigen, die der Sohn je kennengelernt hat. Es gelingt dem Film durchaus, diese besondere Beziehung zu vermitteln, und in dem Szenario den richtigen Ton zu treffen. Doch fehlt im Vergleich zum Buch ein wenig von der ergreifenden Charakterisierung. Auch einige der besten Dialoge fehlen leider.

Visuell ist es Hillcoat und seinem Team sehr gut gelungen, die postapokalytische Umgebung zu präsentieren. Keine, oder zumindest nur wenige, CGI-Effekte kommen zum Einsatz, sondern echte Sets von verlassenen, heruntergekommenen Landschaften, in denen unter einer omnipräsenten Ascheschicht keine natürlichen Farben mehr durchscheinen. Auch der Ozean ist nicht mehr blau, er spült nur noch dunkelgraue Wellen an den verlassenen Strand.

„The Road“ ist keine leichte Kost, das Szenario ist konsequent zu Ende gedacht und zeigt dabei einige schmerzhaft-finstere Szenen. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt der Film nah an der Vorlage, zum Glück auch, was das großartige Ende angeht. Ob man dem Ganzen etwas abgewinnen kann hängt allerdings von jedem Zuschauer selbst ab. Wer kein Faible für Gleichnis-artiges, poetisch-düsteres Kino hat sollte lieber zuhause bleiben. Da ich das Buch gelesen habe war ich mit der Story bereits vertraut, inwiefern sich ein anderer Eindruck ergibt, wenn man sie zum ersten Mal erlebt ist schwer zu sagen.

4/5

PS: Zwei Anmerkungen noch:

1. Der erste  Trailer des Films erweckt den Eindruck, „The Road“ wäre eine Art Actionfilm. Nicht könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Szenen aus dem Trailer sind zwar im Film, stehen aber in einem völlig anderen Kontext und sind auch nicht mit ähnlichem Sound unterlegt. War wohl der Versuch, mehr Leute ins Kino zu bekommen – ein bescheuerte Idee, denn die Enttäuschung oder gar das Entsetzen des Publikums wäre vorprogrammiert gewesen.

2. In Deutschland kommt der Film mit einem Jahr Verspätung erst diesen Oktober (US-Start November 2010) in die Kinos. Warum das so ist kann ich auch nicht sagen, und der Heini vom Verleih Kinowelt wollte mir auf meine – zugegeben etwas überspitzte – Nachfrage auch keine Antwort geben. Die DVD und BluRay gibts inzwischen beide für 12 Pfund bei Amazon.co.uk zu bestellen.

[Film bei amazon.de kaufen]

„Cosmopolis“: Colin Farrell und Marion Cotillard sind dabei..

Wie bereits hier angekündigt wird David Cronenberg („A History of Violence“) Don DeLillos Roman verfilmen. Das berichtet Branchendienst Variety hier. Die Hauptrolle des jungen Spekulanten, der im Verlaufe eines Tages Milliarden verliert während er an einem ereignisreichen Tag in einer Strecht-Limousine durch Manhattan gefahren wird, geht an Colin Farrell – eine gute Wahl wie ich finde. Marion Cotillard wird seine von ihm entfremdete Frau spielen.

Der Drehstart ist allerdings erst für den März 2011 geplant, bis der Film in die Kinos kommt wird es also noch mindesten 18 Monate dauern. Ich freu mich trotzdem schonmal drauf.

Iron Man 2

Wie üblich bei Comic-Verfilmungen steigen die Erwartungen nach einem gelungenen ersten Teil. Für die Produzenten und Regisseure keine leichte Sache, denn sie haben den meist besten Part im ersten Teil ja bereits verwurstet – die Wandlung des Menschen zum Superhelden [Ausnahme ist Supermann, da läuft der Hase andersrum]. So ist es auch bei „Iron Man“. Tony Stark IST bereits ganz offiziell der Held der Stunde, muss sich allerdings gleich zu Beginn Kritik von hoher Stelle anhören.

Der US-Senat will ihn zur Rausgabe seiner technischen Geheimnisse bringen, die seinen „Iron Man“-Anzug zum Laufen bringen. Stark weigert sich, beruft sich auf seine persönliche Freiheit und darauf, dass es sich nicht um eine Waffe handelt. Am Ende der Farce-artigen Anhörung erklärt er ohne falsches Selbstbewusstsein, er habe erfolgreich den Weltfrieden privatisiert. Doch das erweist sich als Wunschvorstellung.

„Iron Man 2“ ist storymäßig ein wenig überladen. Starks Beziehung zu Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) spielt eine Rolle, sein verstorbener Vater, auch seine schleichende (dem Superhelden-Anzug geschuldete) Krankheit, die ihn noch einmal zum feiernden Über-Narzissten werden lässt. Als Bösewichter steht ihm bald Ivan Vanko (Mickey Rourke) im Wege, der ihn – ausgestattet mit einem ganz ähnlichen Anzug und fiesen Elektro-Peitschen – mächtig vermöbelt, bevor er den Kampf doch noch verliert.

Vanko erhält Unterstützung von Starks schleimig-unsympathischem Rivalen Justin Hammer (Sam Rockwell), außerdem tritt mit Natalie Rushman (Scarlett Johansson) eine neue Assistentin auf den Plan, Starks Armee-Kumpel Rhodes (Don Cheadle) ist auch noch eine tragende Rolle zugedacht. Eine stringente, mitreißende Geschichte ergibt sich aus diesen vielen Baustellen nicht, das Drehbuch hält die Fäden aber ausreichend zusammen. Dafür haben sich die Autoren mehr auf den Dialogwitz und die Action konzentriert, und können den Vorgänger in beiden Bereichen auch durchaus toppen.

Die Effekte sind gut und nur selten zu offensichtlich am Computer entstanden. Die Inszenierung ist flott, ohne wirklich schlechte Szenen und leistet sich keine groben Schnitzer. Funktionieren tut der Film allerdings in erster Linie, weil Downey Jr. als „Iron Man“ noch genauso viel Spaß macht wie vor zwei Jahren. Seine Energie und die Mischung aus großspurigem Genie und kleinem Spielkind wirken im Vergleich zu den meisten Comic-Kollegen immer noch frisch und unbeschwert. Auch die Chemie zwischen Paltrow und Downey Jr. trägt zum beschwingten Gelingen bei.

Mit der zusätzlichen Star-Power von Samuel L. Jackson und Scarlett Johansson (die ihren Auftritt im angekündigten Super-Spektakel „The Avengers“ ankündigen) ist man dabei auf Nummer sicher gegangen, dass der Film eine Menge Geld einspielt. Mit weiteren Teilen dürfte also zu rechnen sein, wobei die Rolle des Bösewichtes (was für ein SPOILER!) neu ausgeschrieben werden muss. Wenn die Reihe den Spaß-Faktor beibehält kann es von mir aus noch ein, zwei Filme so weitergehen…

4/5

PS: Mickey Rourke hat verlauten lassen, er habe nicht mal das komplette Drehbuch gelesen. Angesichts der dünnen Backstory seiner Figur hat er auch nichts verpasst, würde ich sagen…

[Film bei amazon.de kaufen]

1 2