Hellboy 2 – The Golden Army

Tja, auch das kommt vor. Nach knapp 20 Minuten stand für mich fest: „abort mission“. „Hellboy 2“ mag kein schlechter Film sein, und er geht für eine Comicverfilmung auch neue Wege. Leider insofern, als dass die Fantasy-Elemente im Vergleich zum ersten Teil noch stark ausgebaut wurden, und ich mich geradezu in „Herr der Ringe 4“ wähnte. Elfen-artiges Mittelalter-Gedöns und häßliche Monster-Kreaturen, dazu Gerede von entscheidenden Schlachten für die Menschheit – alles nicht meine Tasse Tee. Deshalb bitte diese paar Zeilen nicht als Verriss verstehen. Für Freunde des Genres sind das ja gute Nachrichten, nur eben nicht für mich. Ich spiele meine „Aus-dem-Gefängnis-frei“-Karte und bin dann mal weg…

Burn after Reading

„Jesus, what a clusterfuck.“ Besser als J.K. Simmons, in der Rolle eines CIA-Abteilungsleiters, kann man es nicht zusammenfassen. Die Coen-Brüder sind nach ihrer Oscar-prämierten Literaturverfilmung „No Country For Old Men“ zum Nihilismus zurückgekehrt, oder doch mindestens zu ihrer Vorliebe für turbulente, aber sinnfreie Plots. „Burn after Reading“ handelt von zwei Angestellten eines Fitnessstudios, die in den Besitz einer brisanten Daten-CD gelangen, und versuchen daraus erpresserisch Kapital zu schlagen. Eine Reihe von Agenten und weitere Staatsdiener sind bald (unfreiwillig) in die Sache verwickelt, hinzu kommen zahlreiche Seitensprünge und Zufälle, die dann zum oben erwähnten „clusterfuck“ führen.

Die Darsteller (u. a. George Clooney, Tilda Swinton, John Malkovich und Brad Pitt als trotteliger Fitness-Geek) sind sichtbar gut gelaunt bei der Arbeit, und die Coens erzählen ihre Geschichte so trocken wie es eben geht, mischen Slapstick mit Ironie und blicken mitfühlend, aber ohne allzu große Nachsicht auf ihre Figuren (von denen eigentlich keine je versteht was eigentlich genau passiert, geschweige denn warum). Wie schon häufiger  zuvor (bei „Lebowski“ oder „Barton Fink“) haben die Coens die Schauspieler bereits genau im Kopf gehabt, als sie sich ans Drehbuch setzten, und wieder einmal ist ihre Rechnung aufgegangen, weil sie witzige und einmalige Charaktere geschaffen haben, denen man einfach gerne zusieht. „Burn after Reading“ wird eher keinen Oscar bekommen, aber es wird auch niemand, der halbwegs wusste worauf er sich einlässt,  sein Geld zurückverlangen.

8/10

Eagle Eye

Der Copyshop-Angestellte Jerry (Shia LeBeouf) und die junge alleinerziehende Mutter Rachel (Michelle Monaghan) bekommen beide urplötzlich Anrufe, in denen sie zur unverzüglichen Flucht aus ihrem geregelten Leben aufgefordert werden. Bei Jerry steht in NullKommaNix das FBI vor der Tür, Rachel wird erklärt sie müsse tun  was verlangt werde, um ihren Sohn wieder zu sehen. Und so attestiert diese ominöse Macht, die aus dem Telefon spricht (und  Ampeln auf grün schalten, Anrufe umleiten kann und sonstige Technik-Manipulationen im Program hat) den beiden bei einer wilden Flucht quer durchs Land, verfolgt von allen möglichen Bundesbehörden, die Jerry und seinen verstorbenen Zwillingsbruder für Terroristen halten.

Die Auflösung des betont mysteriösen Plots will ich hier nicht vorweg nehmen, nur soviel sei gesagt: sie passt ganz gut zum Film, fällt bei näherer Betrachtung der Story aber (natürlich) in sich zusammen. Das hohe Erzähltempo lässt eine solche Betrachtung aber (sicher nicht ohne Grund) auch erst zu wenn der Film vorbei ist. Bis dahin wurden bei einigen Verfolgungsfahrten unzählige Autos verschrottet, wurden Züge und Flugzeuge bestiegen, während Agent Morgan (Billy Bob Thornton) und Armee-Ermittlerin Perez (Rosario Dawson) versuchen zu begreifen, was da eigentlich im Gange ist. Für einen Actionfilm, der ausnahmsweise weder Fortsetzung, noch Remake oder Comic-Verfilmung ist, hat „Eagle Eye“ genug im Gepäck um sein Publikum bei Laune zu halten. LaBeouf und Monaghan machen einen soliden Job, wenn auch die Chemie zwischen beiden nicht eben explosiv ist. Viel wird von dem Film nicht hängen bleiben, aber so ist der Film (bis auf ein paar aus Hollywood bekannte politische Zwischentöne) auch nicht gedacht – er bietet Mainstream-Unterhaltung und leistet sich dabei keine groben Aussetzer.

6/10

Ananas-Express

Der neueste Film aus dem Umfeld von Produzent/Regisseur/Drehbuchschreiber Judd Apatow („40-yr. old Virgin“, „Knocked Up“, „Superbad“) mit dem ebenfalls häufig beteiligten Knuddelbären Seth Rogen in der Hauptrolle ist eine Kifferkomödie mit Actioneinlagen und ein wenig Drama. Dauerkiffer Dale (Rogen) und sein Dealer (James Franco) sind plötzlich auf der Flucht, weil Dale einen Mord beobachtet und das absolut hammermäßig reinhauende Weed der Sorte „Pineapple Express“ (Originaltitel) am Tatort zurücklässt – dumm nur, dass es außer den beiden niemand besitzt und die Mörder das Kraut schnell zurückverfolgen können.

Es folgt ein durchaus abwechslungsreicher Trip, in dem die beiden Hauptdarsteller mal auf fröhlichem Kiffertrip durch die Wälder sind und kurz darauf in eine wilde Verfolgungsfahrt geraten. Bis zum Showdown in einem geheimen Anbaulabor müssen einige aberwitzige Situationen überstanden werden, u.a. ein fast vergessenes Kennenlern-Dinner mit den Eltern von Dales deutlich jüngerer Freundin.

Die Stärke des Films liegt dabei am ehesten in der liebevollen Zeichnung der Figuren, denen man immer gerne zusieht. James Franco ist eine ungewöhnliche Besetzungswahl für einen langhaarig-verpeilten Dope-Dealer, und hat offenbar seine Freude daran. Was allerdings fehlt ist ein vernünftiger Fokus – der Film hat deutlich weniger Lacher als „Superbad“ oder „Knocked Up“, ohne das irgendwie aufwiegen zu können. Die Story nimmt sich nur bedingt ernst, von Spannung kann auch nicht die Rede sein, und man weiss hin und wieder nicht was der ganze Schmuh eigentlich soll. Wahrscheinlich ist das Script ursprünglich mal bei einem gemütlichen Tütchen entstanden, und hat sich von dieser Herkunft nie so richtig befreit…

7/10

Wanted

Der russisch-kasachische Regisseur Timur Bekmambetov hat sich mit „Wächter des Tages“ und „Wächter der Nacht“ international einen Namen gemacht, und gibt nun mit der Baller- und Actionorgie „Wanted“ sein Hollywooddebut. James McAvoy („Last King of Scotland“) spielt den Buchhalter und Berufs-Loser Wesley, dessen Leben eines Tages durch den urplötzlichen Auftritt der Killer-Queen Fox (Angelina Jolie) einen drastischen Richtungswechsel erfährt.

Um eine geheime Bruderschaft (die offensichtlich auch Schwestern aufnimmt) geht es da, die aus geheimen Quellen stammende Mordaufträge ausführt – zum Wohle der Menschheit natürlich. Bis Wesley richtig loslegen darf muss er einige „Matrix“-artige Initiierungsrituale bestehen und sich mit Fox auf Zügen austoben, dazwischen packt die Story dann schon eine Menge Action und Geballer, bevor sich der Film in den letzten 40 Minuten um seine „Story“ kümmert.

Mit bemerkenswerter Brutalität feiert der Film seine anständig choreografierten Actionszenen, Kopfschüsse gibt es rückwärts, vorwärts und gerne auch in Zeitlupe. Das ganze ist etwa so sinnlos wie es hektisch ist, denn „Wanted“ ist ausschließlich an Tempo und Dynamik interessiert – auch wenn man mit Terence Stamp und Morgan Freeman zwei Nebendarsteller verpflichtet hat, die eigentlich für etwas mehr Bodenständigkeit stehen. Der ganze Quatsch (leider weitestgehend ironie- und humorfrei inszeniert, wie schon Tekmambetovs „Wächter“-Filme) ist dann auch schnell wieder vorbei und darf getrost vergessen werden, weder die Schauspieler noch die Action und schon mal gar nicht die Story haben wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen (abgesehen von der absolut SCHWACHSINNIGEN Art und Weise, wie die Brotherhood ihre Aufträge entgegen nimmt).

6/10

Get Smart

Der Begriff „Agentenkomödie“ hat sicher auch schon bessere Tage gesehen, zumindest muss ich da nur an solchen Mist wie „AgentNullNullNix“ oder die Jackie-Chan-Klamotte „The Tuxedo“ denken. Nun gibt es – als Remake einer mir völlig unbekannten TV-Serie – mal wieder eine zu sehen. In „Get Smart“ bekommt ein Schreibtischhengst des fiktiven US-Geheimdienstes CONTROL (Steve Carell) die Möglichkeit, an der Seite einer hübschen Agentin (Anne Hathaway) die Welt zu retten. Es gilt die Terrororganisation KAOS lahm zu legen, die nach bester SPECTRE-Tradition ganz was Böses im Schilde führt.

Der Film bietet ein paar gelungene Scherze, ein bißchen Slapstick, viel Unsinn und einen einzigen Scherz, bei dem ich richtig loslachen musste. Alles in allem vertreibt „Get Smart“ die Zeit des Zuschauers ohne allzusehr zu nerven, und das würde ich persönlich bei einer „Agentenkomödie“ schon als Erfolg werten. Eine echte Empfehlung, sich das anzusehen sieht aber zugegeben etwas anders aus…

6/10

Indiana Jones 4 (und das Gedöns mit dem Kristall-Hasi)

Langsam aber sicher hab ich die Blockbuster des Sommers nun alle nachgeholt – und bereue nicht unbedingt mehr als zuvor, in diesem Sommer sehr kinofaul gewesen zu sein. Was aber nicht heißen soll, dass etwa „Indy 4“ nicht einen Gang ins Kino lohnt. Fraglich ist eher, ob für Actionfilm-Cineasten ein Weg dran vorbei führt. Harrison Ford ist nicht jünger geworden in den letzten 20 Jahren, und obwohl ich es vor dem Film nicht geglaubt habe ist das ein bißchen ein Problem. Für sein Alter ist Ford ja noch fit, aber das kleine übermütige Kind, das in der Figur von Indiana Jones steckte kann er nicht mehr zu Leben erwecken. Ebenfalls etwas mißlungen: die Story, weil sie sich nicht wie Teil 1 und 3 mit biblischen Mythen beschäftigt (Teil 2 auch nicht, der war aber auch der schwächste bisher). Der heilige Gral und die Bundeslade sind Indys Terrain, aber doch kein dämlicher Alien-Kristallschädel, hörma!?

Genug gemeckert. Steven Spielberg hat ja sein Handwerk nicht verlernt und einen unterhaltsamen, zuweilen lustigen Film mit guten Actioneinlagen abgeliefert. Die ganz großen Momente fehlen zwar, aber das hohe Erzähltempo und die insgesamt gut gelaunt aufspielenden Stars des ganzen (Cate Blanchett, Shia LaBeouf, William Hurt und  – back again! – Karen Allen) sorgen für ein gelungenes Spektakel. Die Zutaten stimmen insgesamt auch anno domini 2008 noch, wenngleich sie als fertiges Gebäck schon ein empfindliches Stück ihres Zaubers verloren haben.

6/10