Top-10 2007

Ich habe noch längst nicht alles gesehen, im Folgenden trotzdem schon mal eine Liste von 10 der feinsten Filme, die hierzulande im Kalenderjahr 2007 rauskamen. Die vielen DVD-Premieren sind ggf. meiner Kino-Faulheit zuzuschreiben, oder aber dämlichen Verleihern, die nur gequirlte Scheisse ins Kino bringen. Die Ordnung kann man wahlweise als genial oder zufällig bezeichnen. Mir egal.

A Scanner Darkly (DVD-Premiere)
Großartige Science-Fiction, im Rotoskopie-Verfahren kongenial aufgebürstet. Hammer!

The Proposition (DVD-Premiere)
Brachiale Geschichten von düsteren Outlaws unter sengender Sonne. Schönes Ding!

Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada
Einwanderer-Story an der texanischen Grenze mit großartigen Darstellern. Großes Tennis!

Tödliche Versprechen (Eastern Promises)
Die Russenmafia gibt sich im feinen London die Ehre, spannend, ungewöhnlich, brutal. Hooray!

Spartan (DVD-Premiere)
Leider als stumpfer Actionfilm vermarkteter Thriller der besonders feinen Art. So machen!

Shadowboxer (DVD-Premiere)
“Ghost Dog“ in noch viel unwahrscheinlicher – herrliche Killer-Ballade. Big Up!

The Simpsons Movie
Dat janze jelbe Volk immem Kino innen drin. Der Oberwahnsinn!

Last Radio Show
Ein letztes großes Altman-Ensemble für Genießer, nun sind die Lichter aus. Wat lecker!

Gone Baby Gone
Unbequemer, spannender und lakonisch erzählter Thriller um das ratselhafte Verschwinden eines Kindes. Läuft!

Mr. Brooks
’Guilty Pleasure’ des Jahres, ein nicht ernstzunehmendes und schwarzhumoriges Thrillerchen. Jawoll!

Zu den Top-10 von 2006

Todeszug nach Yuma

Russell Crowe macht im Kino ja eigentlich immer was her, und das ändert sich auch mit seinem neuen Film „3:10 to Yuma“ (Originaltitel) nicht. Crowe spielt in diesem Spätwestern (oder besser Neowestern?) den Outlaw Ben Wade, der gerne Postkutschen ausraubt, Leute erschießt und dabei fröhlich aus der Bibel zitiert. Sein Gegenspieler ist der kriegsversehrte Rancher Dan Evans (Christian Bale), der auf der Seite des Gesetzes (will sagen der zahlungsfreudigen Eisenbahngesellschaft) steht. In einem für Western-Verhältnisse nahezu wahnwitzigen Tempo nimmt die einfache Geschichte ihren Lauf. Psychologisch immer interessant, wenn auch zum Ende nicht ganz schlüssig, sind in „Todeszug nach Yuma“ bekannte Motive aus vielen großen Western dabei (und auch von Nicht-Western, wie die „Keyser Soze“-Szene beweist) und ergeben einen souverän inzenierten, exzellenten gespielten Film. Sehr ordentlich! 8/10

Gone Baby Gone

Boston ist im aktuellen US-Kino gerade ein beliebter Schauplatz. Nach Eastwoods tragischem „Mystic River“ und Scorseses genialem „The Departed“ spielt nun Ben Afflecks Regiedebut in den eher ärmlichen Gegenden von Boston. Und erstaunlicherweise ist dieser Thriller um das Verschwinden eines kleinen Mädchens eine darstellerisch wie thematisch überzeugende Annäherung an ein schwieriges Thema. Zwar ist die Story hin und wieder auf leichten Abwegen, insgesamt jedoch überwiegen die gelungenen und zum Teil gar wahrlich bemerkenswerten Szenen. „Gone Baby Gone“ ist ein düsterer Film, hat aber seine Lichtblicke. Die Schauspieler um Casey Affleck, Morgan Freeman, Ed Harris und Michelle Monaghan bilden ein wunderbares Ensemble und machen den Film zu einem der besten des gerade ablaufenden Jahres. 8/10

Abbitte (Atonement)

Joe Wright bewies bereits mit „Pride & Prejudice“ sein Können als Regisseur von Literatur-Verfilmungen. Mit derselben Hauptdarstellerin (Keira Knightley) und James McAvoy („Last King of Scotland“) hat er sich nun des Buches von Ian McEwen angenommen. Die Story beginnt auf einem englischen Landsitz kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Cecilias (Knightley) kleine Schwester Briony ist der Katalysator einer Reihe von Handlungen, die den weiteren Verlauf der Story entscheidend prägen werden. Durch geschickte Wiederholungen aus verschiedenen Perspektiven vermittelt „Atonement“ ein stimmige und genaue Bilder der wichtigsten Szenen. Die schönen Landschaftsaufnahmen werden dann im zweiten Teil von Bildern der (Heimat-)Front ersetzt, und die Story findet ein überraschendes und passendes Ende. Nicht unbedingt die ganz große Filmkunst, aber eine gute, mit handwerklichem Können und ohne größere Fehltritte inszenierte Geschichte. 7/10

1 Mord für 2 (Sleuth)

Dieses Remake einer Verfilmung eines Theaterstücks ist auf Initiative von Jude Law entstanden, der für das Projekt Autor Harold Pinter, Michael Caine und Kenneth Branagh als Regisseur gewinnen konnte. Das ganze ist ein Psychokrieg zwischen dem jungen Schauspieler Milo (Law) und dem alternden Schrifteller Wyke (Caine), dessen Frau eine Affäre mit Milo hat. Wyke verweigert seiner Frau die Scheidung, und so starten die beiden Männer in Wykes futuristisch umgebautem Landhaus ein von Eitelkeiten, Stolz und Ehre geprägtes Duell mit unbestimmten Ausgang. Ein Problem solcher Kammerspiele ist häufig – und so auch hier – dass sie mit zunehmender Dauer an Glaubwürdigkeit verlieren und nur noch der Logik des Drehbuchs folgen. Dabei handelt es sich keineswegs um ein schlechtes Skript, und doch endet „1 Mord für 2“ nicht gerade auf einer glaubwürdigen Note. Als Schauspiel-Krimi mit Theater-Feeling funktioniert der Film immerhin ganz gut und bietet kurzweilige Unterhaltung.
6/10

Links, 22.12.2007

The Invasion

Im X-ten Remake von „Bodysnatchers“ bemächtigten sich wie üblich die besagten ‚Invader‘ ganz normaler Menschen und machen sie zu willenlosen Killer-Wesen. Die sind eigentlich ganz leicht zu erkennen – geilerweise glotzen sie alle extrem scheel. Mittendrin sorgt sich die Psychologin Carol (Nicole Kidman) mit der Unterstützung von Arzt Ben (Daniel Craig) um ihren Sohn. Da die storytechnische Katze recht schnell aus dem Sack ist halten sich Spannung und Überraschungsmomente in Grenzen, immerhin sorgen die guten Schauspieler für Kurzweil, Unterhaltung und ein paar richtig gelungene Szenen. Der Film wurde mit einigen Nachdrehs von James McTague („V for Vendetta“) versehen, nachdem das Studio mit der Version des deutschen Regisseurs Oliver Hirschbiegel („Das Experiment“) unzufrieden war. Gut möglich, dass dem Film deshalb sowas wie eine eigene Handschrift abgeht. Wer jedoch für ein gepflegtes Thrillerchen immer zu haben ist (z.B. icke) wird nicht allzu sehr enttäuscht werden.
7/10

Whassup!?

Eine kleine Vorschau auf das erste Kinohalbjahr 2008. Wat lecker.

Richtig Bock drauf:

  • „My Blueberry Nights“ von Wong Kar-Wai. Zum ersten Mal an einem englischsprachigen Film hat sich der Regisseur von „2046“ versucht, es handelt sich um ein Roadmovie mit „Jeder-mag-ihre-Musik“-Sternchen Norah Jones. Könnte auch daneben gehen, muss aber nicht.
  • „Tödliche Versprechen“ ist die scheele Übersetzung von „Eastern Promises“, einem Thriller über russische Mafiosi in London (nein, nicht Abramowitsch). Lief schon in meiner ganz persönlichen Sneak-Preview und steht Cronenbergs letztem Film „A History of Violence“ nur wenig nach.
  • „Into the Wild“ von Sean Penn. Gutes Buch, guter Soundtrack, guter Film? Abwarten, aber die Hoffnung nach einer guten Aussteigerstory ist vorhanden, immerhin waren Penns Filme („Das Versprechen“, „Indian Runner“) bisher immer eine Reise wert.
  • „John Rambo“ von Sly höchstpersönlich. Könnte stumpf sein, wird stumpf sein, MUSS stumpf sein. „Rambo“ eben. Ob Stallone ein paar kleine Weisheiten und Schmunzler einschmuggelt wie bei „Rocky Balboa“ ist unklar, aber diese Neuauflage will ich sehen!

Warum eigentlich nicht!?

  • „Das Vermächnis des geheimen Buches“ ist Teil 2 von „Vermächnis der Tempelritter“ mit Nicholas Cage und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit grenzdebile Action bieten – was ja nichts schlechtes sein muss.
  • „Elizabeth: The Golden Age“ wird schauspielerisch sicher nicht enttäuschen, schließlich ist Cate Blanchett laut allen Medien der Welt großartig als Königin Lisbeth. Vom meinem Interesse her spielt sich das ganze aber eher im Mittelfeld ab…
  • „I am Legend“ mit Will Smith. Eine Art „Last Man on Earth“-Szenario mit Zombie-artigen Geschöpfen UND Jugendfreigabe klingt natürlich verdächtig – da helfen auch Rekordumsätze beim Start in den USA nix. Könnte trotzdem funzen, wenn die Sterne günstig stehen.
  • „Darjeeling Limited“ von Wes Anderson. Irgendwie glaube ich nicht, dass der Regisseur an die herzliche Verschrobenheit seiner wunderbaren „Royal Tenebaums“ noch mal rankommt, aber noch gilt: Ick wees et nich.
  • „Der Krieg von Charlie Wilson“ von Mike Nichols vereint Tom Hanks und Julia Roberts – könnte aber etwas weniger „mainstreamig“ ausfallen als die Besetzung befürchten lässt. Immerhin klingt die Story nicht schlecht…
  • „There Wil Be Blood“ von P.T. Anderson. Daniel Day-Lewis bequemt sich nach zwei Jahren mal wieder einen Film zu machen, über einen Selfmade-Man im Ölgeschäft. Das könnte großes Kino werden, oder auch eher laaaangweilig. We’ll see…

Never!

  • „Saw 4“ von wem auch immer. Schäbiges, allzu schäbiges steht zu befürchten.
  • „Die Chroniken von Narnia 2“ – weil mir bekanntlich Fantasy-Vehikel gegen den Strich gehen und der Hobbit-Sperrvertrag auf andere Märchen-Geschöpfe ausgeweitet wurde. Chronicles-my-Ass!

And the Oscar goes to…

  • Wie das seit einigen Jahre so üblich ist laufen Filme, die bei den Oscars hoch gehandelt werden (im ominösen „Vorfeld“ selbstverständlich) bei uns erst einige Monate nach ihren US-Premieren an. Dieses Jahr u. A. das Post-Irakkriegsdrama „In the Valley of Elah“, das Drama „Michale Clayton“ mit Schorse Clooney, die Fake-Bob-Dylan-Biographie „I’m not there“, und der neue Film der Coen-Brüder, „No Country for Old Men“. Letzterer fällt sicher in die Kategorie „Richtig Bock drauf!“, bei den anderen bin ich mir weniger sicher.

Dauert noch, aber dann!

  • Der neue „Indiana Jones“ muss einfach sein, gegenteilige Meinungen höre ich mir bestefalls hinterher an. Ähnlich wie bei „John Rambo“ ist da sicher auch Nostalgie im Spiel…
  • „Iron Man“ – so wie letztes Jahr der „Ghost Rider“-Trailer für hohe Erwartungen sorgte tut es nun Robert Downey, Jr. als „Iron Man“. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fallhöhe begrenzter sein möge als beim durch und durch bekackten Stuntman auf dem Feuerstuhl. MussStoßgebetSein…

30 Days of Night

Und gleich nochmal das Horror-Genre. „30 Days of Night“ erzählt von einer Horde Untoter, die eine im Dunkel des Polarkreis liegende Kleinstadt in Alaska terrorisiert. Angeführt vom Sheriff (Josh Hartnett) und seiner Ex versuchen sich die Bewohner vor den schrille „GÖÖÖÖRK“-Laute ausstossenden Zombies zu retten, und bedienen sich dabei der gewohnten Palette moderner Werkzeuge, von der Pistole über ein Schneeräumfahrzeug bis zum industriellen Holz-Shredder. Die Atmosphäre ist angemessen düster, die Dramaturgie lässt jedoch – vor allem im Mittelteil des Filmes – zu wünschen übrig. Regisseur David Slade, der sich mit dem provozierenden Independent-Film „Hard Candy“ einen Namen gemacht hat, erzählt die übliche Geschichte von Zusammenhalt, Verrat und Zwiespalt einer in Not geratenen Gemeinschaft, scheint aber in dem Gemetzel auch keinen tieferen Sinn zu entdecken. Vom gelungenen Setting her wäre vielleicht sogar mehr drin gewesen, so aber gilt das gleiche wie für „Halloween“ einen Beitrag weiter unten: Es wär auch gut ohne gegangen. 5/10

Halloween (2007)

John Carpenters Original finde ich persönlich ja eher langweilig, und immerhin das lässt sich von Rob Zombies Remake nicht wirklich sagen. Wie zu erwarten war ist seine Version ungleich brutaler, und sie geht im Gegensatz zum Original „Halloween“ auch ausführlich auf die Vorgeschichte, sprich Michael Myers Kindheit ein, was dem Film gut zu Gesicht steht. Diese „neue“ Version des Slasher-Grundschemas ist technisch auf der Höhe, bietet gute Schauspieler und ein paar gelungene Szenen. Regisseur Rob Zombie frönt einmal mehr seiner Vorliebe für verstörte, extrem gewalttätige Charaktere, muss sich aber im Vergleich zu seinen vorigen Filmen auf eine Gestalt dieser Art beschränken, und kann dem altbekannten Kampf der hübschen Teenies gegen den maskierten Mörder zu wenig Spannendes oder Originelles abgewinnen, um für Nicht-Horrorfans ernsthaft interessant zu sein – sein „Halloween“ ist höchstens weniger nervtötend als ähnliche Ware. 6/10

Superbad

Teenie-Komödien genießen ja durchaus zurecht keinen besonders guten Ruf. Das war vor „American Pie“ so, und das wird sich auch nicht so schnell ändern. „Superbad“ ist thematisch fast ein Doppelgänger der „Pie“-Reihe – junge Damen und Herren auf einem chaotischen Trip durch die ersten Erfahrungen mit Sex und Drogen, Stress mit nervigen Lehrern und ätzenden Mitschülern. „Superbad“ ist kaum weniger albern als all die anderen Klamotten der letzten Jahre, aber er ist eben keine Klamotte, sondern eine von witzigen und realistischen Dialogen geprägte Komödie mit einem übermütigen Drang zur Übertreibung. Man kann das ganze als harmlosen Spaß bezeichnen, ohne aber den Spaß dabei leugnen zu können. Die Odyssee dreier Jungs, die durch die Alkohol-Vollversorgung einer Party bei den Mädels Eindruck schinden wollen bietet echte Lacher ebenso wie unausweichlich belehrende Szenen um wahre Freundschaft und derlei Gedöns. Die guten Momente überwiegen die eher platten deutlich, und vor allem die unbekannten Hauptdarsteller nehmen das Publikum für ihre krude Story ein. Wenn dann zwei schelmische Polizisten die harmlose Party mit der überlauten Ansage „We assume you all have guns and crack!!“ sprengen darf über diese Farce ruhig laut gelacht werden. 7/10

Unglaublichisnichzufassen

Just das Licht der Welt erblickte der Trailer zum neuen „Rambo“ bei Apple.com. Wie schon bei „Rocky Balboa“ werden vor allem die Kinogänger meiner Generation dafür mindestens ein vergnügtes Schmunzeln über haben. Zwar hat Stallone u. a. gegenüber der Süddeutschen Zeitung gesagt, sein neuer John Rambo sei ein verbitterter alter Sack – trotzdem scheint der Gute noch nicht ins Lager der Pazifisten rübergemacht zu haben. Ob die Welt das nun braucht oder nicht, der geistig verkorkste Vietnamveteran kommt wieder, und vielleicht, vielleicht, leuchtet blaues Licht noch einmal blau…

Weltneuheit!

Oben rechts unter dem Link zum RSS-Feed dieses Blogs findet sich nun auch der Link zur „MyMovies“-Liste bei IMDB.com. Da ich längst nicht mehr zu jedem Film was schreibe kann man dort immerhin noch die Bewertung von eins bis zehn checken, bevor man in der Videothek ins Klo greift.

Neueste Ergänzung der Liste ist übrigens „Bitter Moon“ von Roman Polanski, dessen erste zwei Drittel (die des Films, nicht Polanskis) großes, krankes und doch in den Bann ziehendes Kino sind. Das Ende taugt dann leider nicht viel, trotzdem wird der Film sicher den meisten Betrachtern länger in Erinnerung bleiben. Lohnt sich, ist auf DVD erhältlich und dauert auch keine drei Stunden – was will mann denn mehr?