Neuer Stuff

Brothers GrimmTerry Gilliam hat es lange probiert, am Ende ist es nichts geworden mit seiner Verfilmung des Don Quichote. Naturkatastrophen, Krankheiten, es ging über Jahre alles schief beim Dreh. Deshalb hier erstmal die Empfehlung sich irgendwo den Dokumentarfilm Lost in La Mancha zu besorgen, der das Scheitern dieses Projekts eindrucksvoll dokumentiert.

Statt Windmühlen gibt es also nun Märchen. Dabei ist der Film weder eine Biographie der namensgebenden Brüder noch eine getreue Nacherzählung eines ihrer Märchen. Gilliam schmeißt seine Grimms, verkörpert von Matt Damon und Heath Ledger, ins von Napoleon besetzte Deutschland und zeigt sie zunächst als Scharlatane. Mit allerhand Gerät jagen sie Dorfbewohnern Angst ein, um sich dann als Retter in der Not zu verkaufen.

Damit ecken sie jedoch bei Hofe an und sehen sich bald genötigt einer wirklichen düsteren Mär auf den Grund zu gehen. Dabei spielt eine greise Königin ebenso eine Rolle wie andere Versatzstücke Grimmscher Bauart. Bei allem Einfallsreichtum und visueller Strahlkraft verläuft sich dabei leider die Handlung im Ungefähren und gerät, sicher nicht ganz unabsichtlich, zur Farce. In einer vortrefflichen Nebenrolle stiehlt Peter Stormare als kauziger italienischer Edelmann dem Rest der Darsteller weitgehend die Schau. Mal mit solidem Slapstick und auch Dialogwitz, mal mit einer Prise Horror und Action fließt der Plot so dahin. Wirklich überzeugen kann keines der zahlreichen Elemente, immerhin bleibt aber der Unterhaltungswert durchgehend hoch. Nach dem Desaster seines Traumprojektes sind hier wohl die Pferde mit Terry Gilliam durchgegangen, und wer will ihm das schon ernsthaft verübeln.

6/10

Neues auf DVD:

Wonderland

Val Kilmers Karriere ging seit Mitte der 90er Jahre den Bach runter, noch bevor sie richtig angefangen hatte. Nach seinem starken Jim Morrision in Stones The Doors gab er einen miesen Bruce Wayne in einem noch mieseren Batman. Seitdem mal Nebenrollen in besseren oder auch Hauptrollen in mäßigen Filmen. Doch seit The Shalton Sea und dem von mir so hoch geschätzten Spartan geht es bergauf. Kilmer ist in Würde ein wenig älter und dabei ein durch reine Körpersprache sehr ausdrucksstarker Schauspieler geworden, dem niemand mehr mangelnde Begabung attestiert. Seit dieser Woche ist er an der Seite von Robert Downey Jr. im hoch gelobten Kiss Kiss Bang Bang mal wieder im Kino zu sehen. Dazu demnächst mehr. Davor spielte er in diesem Film von James Cox den legendären Pornostar John Holmes.

Doch im Jahre 1981, zur Zeit der Handlung von Wonderland, ist Holmes kein Star mehr. Abgewrackt, drogensüchtig und haltlos irrt er durch die Halbwelt von Los Angeles und bekommt kein legales Bein mehr auf den Boden. Laut Vor und Abspann haben sich die Ereignisse, die hier erzählt werden, wirklich zugetragen. Im Zentrum des Geschehens steht ein Raubüberfall auf einen Gangster-Boss, den einige Jungs aus Holmes Bekanntenkreis um einen Batzen Kohle und einen Haufen Koks erleichtern. Die große Frage lautet nun: Wessen Idee war das, und wer hat welche Rolle dabei gespielt? Denn kurz nach dem Überfall sterben die ersten Beteiligten eines unnatürlichen Todes. Der Rest der Clique ist bald so besorgt um seine Haut, dass sogar ein klärendes Gespräch mit den Cops zur Alternative wird.

Als erster erzählt der Biker Lind seine Version der Geschichte, die der Film sogleich als Variante Nummer eins der Vorfälle anbietet. Die Polizisten haben so ihrer Zweifel. Dann ist Holmes selbst an der Reihe. Seine Ehefrau kommt ins Spiel, ebenso seine junge Geliebte. Natürlich liegt die Schuld im zweiten Anlauf ganz woanders. In einer Mischung aus Die üblichen Verdächtigen und Rashomon vermengen sich Dichtung und Wahrheit. Wonderland fordert schon einige Aufmerksamkeit von seinem Publikum bei der Suche nach dem wahren Hergang der Ereignisse. Doch das Puzzle ist sehr gut inszeniert, unterlegt mit einem wunderbar zeitgemäßen Soundtrack zieht der Film mit seiner ungestümen Art das Publikum mitten in die Geschichte herein. Selten kann man den Bildern vertrauen, immer schwingt ein bisschen Skepsis mit, doch passt diese Stimmung hervorragend zur rauschhaften, von zwielichtigen Typen bestimmten Geschichte. Ein Meisterwerk ist der Film deshalb noch nicht, ein atmosphärisch dichtes, wildes und gut gespieltes Stück Kino jedoch umso mehr.

7/10

Unleashed – Entfesselt

In der europäischen Kinolandschaft ist Luc Besson ein Phänomen. Seit einigen Jahren produziert er Mainstreamkino amerikanischen Zuschnitts, jedoch meist in Europa spielend und mit einer multinationalen Besetzung. So brachte er den unseligen Transporter auf den Weg, der immerhin so erfolgreich war, dass Teil zwei demnächst anläuft. Ebenfalls auf den Mist des Regisseurs von Leon Der Profi gewachsen ist auch das neueste Actionvehikel des Martial-Arts-Stars Jet Li. Mit Morgan Freeman und Bob Hoskins sind zwei weitere prominente Namen dabei, die Geschichte spielt in Glasgow.

Das Szenario ist düster, zynisch und brutal. Gangsterboss Bart hält sich Danny (Jet Li) wie einen Kampfhund. Schon als Kind hat er ihn zur Killermaschine dressiert, nun hockt er stoisch vor sich hin blickend in seinem Käfig. Es sei denn, sein Herrchen muss mal wieder Schulden eintreiben, dann wird Danny the Dog von der Leine gelassen, vom Halsband befreit und metzelt mühelos Dutzende Gegner nieder. Ein Autounfall bringt die Dinge aus dem Gleichgewicht, Danny findet Unterschlupf im Hause des blinden Klavierstimmers Sam, gespielt von Morgan Freeman, und dessen Adoptivtochter Victoria.

Regisseur Louis Leterrier hat seine Actionsequenzen dynamisch und eindrucksvoll in Szene gesetzt, ohne sich jedoch in die erste Liga der Actionkünstler zu katapultieren. Li agiert gewohnt flink, die Schlägertypen brechen sich mal wieder alle Knochen. Doch dann kommt Dannys Verwandlung, seine verspätete Menschwerdung, und die birgt so ihre Probleme. Die Gesetze der Logik und der Realismus treten sehr arg in den Hintergrund zugunsten einer gut gemeinten, aber bemerkenswert naiven Story einer verlorenen Seele. Die muss natürlich entdeckt, gerettet und geheilt werden. Sam und Victoria bedienen sich der Musik und der Nächstenliebe um Danny zurück ins normale Leben zu holen. Jet Li tut nicht viel mehr als stumm und verstört dreinzublicken, sich all die wohlmeinenden Worte seiner Ersatzfamilie anzuhören, sie nachzusprechen und generell das Beste draus zu machen. Ein simpleres Menschenbild war selten auf der Leinwand zu sehen.

Bevor es aber zum Happy End kommen kann, funkt Bart noch einmal kräftig dazwischen. Obwohl Hoskins ein fähiger Schauspieler ist, ist seine Rolle ein klares Minus und fällt in die Kategorie Langweilige Bösewichter. Und zwar deshalb, weil er einfach nur böse ist. Als Danny ihm anfangs das Leben rettet, ist er ungehalten, dass er auf dem Weg dahin ein paar Schrammen kassieren muss. Schließlich lässt er ihn in illegalen Kämpfen auf eine Horde wilder Killer los, um noch ein bisschen Geld mit ihm zu verdienen, danach geht es zurück in den Käfig. Überzeugende Schurken aber sollten immer ein wenig menschlich sein, nur das macht sie plausibel und überzeugend. Wahrscheinlich ist auch den Machern dieses Films aufgefallen, dass ihr Szenario an Zynismus und Unmenschlichkeit eingangs kaum zu überbieten ist und steuerten dem dann mit allerlei Eisessen und Klavierspielen entgegen. Da geben sich die Schauspieler zwar alle Mühe, können aber gegen den B Movie Charakter des Streifens in letzter Konsequenz nichts ausrichten.

4/10

Großes Kino

A History of Violence

Liebende Familienväter, die durch tragische Umstände zu finsteren Killern werden gibt es reichlich im modernen Kino. Da wandert Nicolas Cage in Con Air in den Bau, wenn er seine Familie beschützt, Tom Jane wird zum Punisher, als die seine von Gangstern ausgelöscht wird. Die Familie ist eben heilig und ein Angriff auf die Liebsten rechtfertigt im Actionfilm nahezu jede drastische Anwendung von Gewalt. Nun haben diese Filme meist nur sehr wenig mit der Realität zu tun. In David Cronenbergs A History of Violence spielt Viggo Mortensen den sehr realen Kleinstadt-Dad, doch nichts deutet zunächst auf eine Bedrohung seiner Familie hin. Die Welt ist noch in Ordnung, die Familie intakt, wie der Film in den ersten Szenen der von Albträumen geplagten Tochter deutlich macht. mehr.. 9/10

Einsehbares Abenteuerfilmchen

Sahara

Ich bringe es einfach nicht fertig über einen Abenteuerfilm zu schreiben, ohne Indiana Jones wenigstens erwähnt zu haben. Die drei von Steven Spielberg inszenierten Spektakel haben ein großes Publikum begeistert und die Latte für alle kommenden Produktionen des Genres sehr hoch gelegt. Wie bereits jüngst in Jerry Bruckheimers Vermächtnis der Tempelritter sind auch in Sahara alle Indy-typischen Versatzstücke zu finden. Mit Ausnahme des historischen Hintergrundes allerdings, denn der Film von Breck Eisner spielt hier und heute. Oder genauer in Afrika und heute. mehr.. 6/10

Ein Duke kommt selten allein (DVD)

Ich erinnere mich dunkel, vor vielen Jahren mal ein paar Folgen der US-Fernsehserie „Ein Duke kommt selten allein“ gesehen zu haben. Hängen geblieben ist, dass ein dicker Fiesling den zwei Cousins Bo und Luke Duke ans Leder wollte, weshalb die dauernd mit ihrem Dodge vor dessen Schergen davon gebrackert sind. Zudem war noch die langbeinige Daisy Duke dabei. Nun frischt die Hollywood-Version der Serie ungefragt meine Erinnerung weiter auf. Mit Johnny Knoxville und Seann William Scott in den Hauptrollen, Jessica Simpson als Daisy und der Country-Legende Willie Nelson als Onkel Jessie geht die Chose nun auf der großen Leinwand in die letzte Runde.

Mit „Drei Engel für Charlie“ und „Starsky und Hutch“ sind bereits zwei weitere Serien der Siebziger adaptiert worden, ohne dass dabei irgendein Mehrwert entstanden wäre. Diese Tradition wird von den „Dukes“ fortgesetzt. Obwohl Scott und Knoxville sichtlich bemüht sind, die Story in Fahrt zu bekommen, ist der Film nie mehr als eine lose Aneinanderreihung schlechter bis mittelmäßiger Szenen. Echte Lacher kann man lange suchen, ein paar müde Schmunzler finden sich schon leichter. Überhaupt nicht auszuhalten ist Burt Reynolds als Bösewicht Boss Hogg, dessen demonstratives Overacting einfach nur nervt. Von Jessica Simpson wurde kolportiert, sie hätte eigens einen Fitnesstrainer angeheuert, um ihren Hintern in Form zu bringen. Wenn das so ist, hat der Mann ganze Arbeit geleistet. Mit Schauspielerei hat ihre Rolle nichts zu tun, aber so war es wohl auch gedacht.Nun könnte ich mir die Mühe machen und die Story zusammenfassen, aber davon sehe ich mal ab. Im Mittelpunkt des Streifens stehen zu 90 Prozent die Dukes mit ihren albernen Scherzen, Raufereien und natürlich Verfolgungsjagden mit ihrer alten, General Lee genannten, Proleten-Karre. Ein Ausflug nach Atlanta ist im Paketpreis ebenfalls enthalten, ansonsten blickt der Film mit wohlwollendem Grinsen auf seine Hazzard-County-Sippschaft. Mit breitem Südstaatenakzent kaspern sich nahezu alle Beteiligten so durch den Film, knifflige Themen wie Rassismus werden (Gott sei Dank) einfach ausgeblendet. Im Endeffekt gibt es dafür gerade noch 3 von 10 Punkten, versehen mit dem Hinweis, dass eine Kamera, die meinen Gesichtsausdruck beim Betrachten dieses Trashfilms aufgenommen hätte, wahrscheinlich einen unterhaltsameren Film geliefert hätte.

3/10

A history of violence


Liebende Familienväter, die durch tragische Umstände zu finsteren Killern werden gibt es reichlich im modernen Kino. Da wandert Nicolas Cage in Con Air in den Bau, wenn er seine Familie beschützt, Tom Jane wird zum Punisher, als die seine von Gangstern ausgelöscht wird. Die Familie ist eben heilig und ein Angriff auf die Liebsten rechtfertigt im Actionfilm nahezu jede drastische Anwendung von Gewalt. Nun haben diese Filme meist nur sehr wenig mit der Realität zu tun. In David Cronenbergs A History of Violence spielt Viggo Mortensen den sehr realen Kleinstadt-Dad, doch nichts deutet zunächst auf eine Bedrohung seiner Familie hin. Die Welt ist noch in Ordnung, die Familie intakt, wie der Film in den ersten Szenen der von Albträumen geplagten Tochter deutlich macht.

Es ist ein unglücklicher Zufall, der die heile Welt von Tom Stall, seiner Frau Edi und ihren beiden Kindern Jack und Sarah bedroht. Als Tom eines Abends sein Diner an der Hauptstrasse schließen will, kommen zwei fiese Gestalten herein, und mit ihnen bricht die rohe Gewalt ins Leben der Kleinstadt ein. Mit gezogenen Waffen und sadistischem Grinsen drohen sie den Laden auseinander zu nehmen. Nur Sekunden später liegen sie mausetot da, präzise und brutal getötet von Tom. Als Held in der Presse gefeiert kehrt er ins traute Heim zurück, doch eine Rückkehr zur Normalität findet nicht mehr statt. Stattdessen kreuzen, durch die Medien alarmiert, Mafiosi von der Ostküste im beschaulichen Idaho auf, die in Tom einen Ex-Gangster namens Joey Cusack auszumachen glauben.

Wer also ist Tom Stall wirklich? Wer oder was war er vorher? Viggo Mortensens Spiel lässt anfangs darauf hoffen, er möge der friedliebende Kerl der ersten Filmminuten sein, und doch spricht sein Verhalten in Ausnahmesituationen eine ganz andere Sprache. Cronenberg setzt die kurzen, überfallartigen Actionsequenzen mit Verweisen auf die Polizei-Filme Takeshi Kitanos in Szene, ansatzlos, extrem blutig und ohne Untermalung von Filmmusik. Die Toten und Verwundeten sind grausam entstellt, mit schockierender Wirkung auf Augenzeugen und Publikum. Hier bringt die Gewalt keine bequeme Lösung, zu effizient und schnell werden die Menschenleben ausgelöscht, ohne dass sich danach je ein dauerhaftes Gefühl von Befreiung oder überstandener Not einstellen würde. Toms Bemühungen, den Schein aufrecht zu erhalten sind zum Scheitern verurteilt. Zu stark sind die Kräfte, die ihn mit seiner verdrängten Vergangenheit konfrontieren wollen. Seine Familie ist in Gefahr, eine Flucht unmöglich. Die Versuche des örtlichen Sheriffs, die Ordnung wieder herzustellen, wirken lächerlich angesichts der Entschlossenheit und kriminellen Energie der ungebetenen Besucher. Und selbst in Toms Familie kehren Gewalttaten ein, die noch Tage vorher undenkbar gewesen wären.

Durch die genaue und stimmige Inszenierung findet sich das Publikum hier auf der Seite eines unglaublich brutalen Killers wieder. Dass er dem Unterweltdasein abgeschworen hat, erhebt ihn über seine Gegner, aber viel wichtiger für sein Überleben ist, dass er der gefährlichere Killer ist. Wenn Tom am Schluss nur noch eine Möglichkeit sieht, seine Haut zu retten, nimmt das grotesk übersteigerte Gemetzel schon komische Züge an, so überspitzt entladen sich die Streitigkeiten vergangener Zeiten. Neben dem groß aufspielenden Mortensen agieren auch die anderen Darsteller, unter ihnen Maria Bello, Ed Harris und Wiliam Hurt, sehr überzeugend. Die von ihnen erzeugte Nähe zur Realität ist es, die das Szenario so ungeheuer spannend macht. Sicher hat Cronenberg hier kopflastiges Kino geschaffen, der Experimentcharakter von A History of Violence steht dabei aber der Unmittelbarkeit des Geschehens nicht im Weg. Der Film umgeht die Frage nach Toms/Joeys wahrer Vergangenheit und seiner Läuterung bis auf wenige Sätze. Er zeigt ihn vielmehr als positiv schizophrenen, der nur in der Not aus der Rolle des Normalbürgers ausbricht, um eben diese wieder spielen zu können. Dass dieser Spagat so gut wie unmöglich ist, machen die letzten Szenen auf prägnante Weise deutlich. Welcher der beiden Welten Tom letztendlich zuzurechnen ist lässt Cronenberg konsequenterweise offen.

9/10

Layer Cake

Seit einigen Wochen ist es raus: der britische Schauspieler Daniel Craig wird der sechste Darsteller von James Bond. Da trifft es sich ganz hervorragend, dass mit Layer Cake nun ein Film mit eben diesem recht unbekannten Herrn Craig in der Hauptrolle auf DVD erschienen ist. Schließlich ist die Bond-Reihe eine Herzensangelegenheit, und der neue 007 muss sofort näher begutachtet werden.

Wie bei gefühlten 50 Prozent aller britischen Filme der Gegenwart handelt es sich auch bei diesem Streifen um einen Film aus dem zwielichtigen Milieu kleinerer und größerer Londoner Gangster. Im Mittelpunkt steht ein namenloser Koksdealer (Craig). Er ist gut im Geschäft, lässt die Finger von seinem Zeug und plant, wie es sich gehört, aus dem Spiel auszusteigen. Sein Boss hat aber noch ein paar dringende Aufträge für ihn, und ehe er sich versieht steckt er mit seinen Freunden tief in der Scheiße. Serbische Schmuggler schlagen Alarm, die Partner beim Pillen-Deal entpuppen sich als waschechte Schwachmaten, ein davongelaufenes Mädchen muss gefunden werden, und dazu wächst der Ärger innerhalb seiner Clique.

Die Handlung in Matthew Vaughns Regiedebut verlässt niemals die bekannten Pfade. Drogendeals, Drohungen, Mord und ein unantastbarer Strippenzieher im Hintergrund, bevölkert vom üblichen Personal von mehr oder minder fähigen Unterweltlern der gehobenen Preisklasse. Der Erzählton ist recht ernst, das Tempo flott genug um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Dazu gibt es einige Überraschungsmomente und natürlich auch einen Schuss Humor. Wirklich erstaunlich ist, dass man in der Originalfassung nahezu jedes Wort versteht. Was damit zusammenhängt, dass sich hier keine Proleten mit Gossenslang die Ehre geben, sondern zumeist etwas seriösere Upper-Class Gangster. Trotzdem, inhaltlich bietet Layer Cake nur altbewährtes, mischt „Bube, Dame, König, Gras“ mit „Carlitos Way“. Was aber lässt sich über Daniel Craig sagen, abgesehen davon, dass er hier eine solide Leistung abliefert?

Er sieht nicht so gut aus wie Pierce Brosnan. Es fällt schwer zu glauben, dass er die Welt mit einem Lächeln auf seinem markanten Gesicht retten kann. Er ist blond und auch ansonsten auf den ersten Blick weniger Bond-kompatibel als viele andere Schauspieler, die für die Rolle im Gespräch waren. Immerhin ist er mit Ende Dreißig jung genug, um überzeugend den Actionhelden geben zu können. Und laut den Produzenten soll Bond Nr. 21 ja düsterer und ernsthafter werden. Nun glaube ich schon, dass die Figur des Agenten etwas genauer ausgelotet werden kann, gleichzeitig packt mich die pure Angst, sie könnten aus dem ärmsten einen steifen Musteragenten machen, der zwar lautlos töten kann, aber auf dem Weg dahin vergisst, die süße Ärztin zu vernaschen und seine aufgeblasenen Kontrahenten zu verspotten. Aber was hilft es denn, bange machen gilt nicht, und wir wollen nicht vergessen, dass der letzte Bond ein überproduziertes, seelenloses Stück Trash-Action-Kino war. Es kann als fast nur besser werden.

7/10

Kiss Kiss Bang Bang

Es ist über 60 Jahre her, dass französische Kritiker eine Reihe von amerikanischen Filmen sahen, die sie als Film Noirs bezeichneten. Geschichten von Detektiven, von in die Enge getriebenen Bürgern, von verführerischen Frauen und mysteriösen Todesfällen. Seitdem hat das Genre mehrere Auferstehungen erlebt, vor allem in den 70er und 90er Jahren. Mit ihrem großartigen The Big Lebowski lieferten die Coen-Brüder vor knapp zehn Jahren die vielleicht erste Noir-Persiflage ab, in der sie einen sympathischen, faulen Sack mitten in eine Entführungsstory werfen, die er nur mäßig überschaut.In eine ähnliche Kerbe schlägt nun Shane Blacks Kiss Kiss Bang Bang. Kleinganove Harry (Robert Downey Jr.) gerät auf haarsträubende Art und Weise in ein Casting, findet sich kurz darauf in Los Angeles wieder und weiß schon bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Auf einer Party schließt er erste Bekanntschaften und endet im Bett mit der falschen Frau. Kurz darauf macht er sich mit dem undurchsichtigen Gay Perry (gnadenlos komisch verkörpert von einem leicht übergewichtigen Val Kilmer) auf, das Detektivspielen zu erlernen.

Wild, unüberschaubar, gewürzt mit gnadenlosem Humor nimmt eine wilde Story ihren Ausgang, die sich hemmungslos bei unzähligen Schund- und Detektivromanen samt ihren Leinwandversionen bedient. In vier nach Geschichten von Raymond Chandler benannten Kapiteln türmen sich die Leichenberge und häufen sich die irrwitzigen Situationen, die nur durch den unerschütterlichen Wortwitz des ungleichen, hervorragend harmonierenden Duos übertroffen werden. Dabei bemüht sich Harry noch mittels Off-Kommentar ein wenig Ordnung ins wilde Treiben zu bringen, muss sein Scheitern aber selbst eingestehen.

Wirklich ernst ist hier keiner bei der Sache, die ironische Distanz zum Geschehen ist ein Schlüssel dafür, dass Kiss Kiss Bang Bang so wunderbar funktionieren kann. Harry ist mit der Situation klar überfordert, wächst aber im Verlauf der Story über sich hinaus. Nicht nur einen verworrenen Fall von Täuschung, Mord und Entführung gilt es zu lösen, auch seine Jugendliebe Harmony (die ihrem Namen nicht im Ansatz Ehre zu machen gedenkt) will erobert werden. Downey Jr. gibt den Underdog und Neuling im Haifischbecken L.A., und tut dies mit einer Mischung aus Charme, Unfähigkeit und liebenswerter Beharrlichkeit. Val Kilmer spielt den abgeklärten Tough Guy, in der recht seltenen schwulen Version. Auch hierzu gibt es massig Lacher, man achte bloß auf den Klingelton von Perrys Mobiltelefon.

Der Humor des Streifens ist zuweilen so pechschwarz, dass einigen zart besaiteten Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleiben könnte. Shane Black, bisher vor allem als Drehbuchautor für Lethal Weapon und Last Boy Scout in Erscheinung getreten, ist bei seinem Regiedebut so gut wie nichts heilig, und sein Drehbuch meint es mit vielen lebenden und auch toten Figuren nicht besonders gut. Wer seinen derben Humor jedoch zu schätzen weiß, kommt in den Genuss des bisher witzigsten Films des Jahres. Selten so gelacht.

9/10

Into the Blue

Es gibt zwei Voraussetzungen, die man erfüllen sollte, damit „Into the Blue“ Spaß machen kann. Erstens ein Interesse am Tauchen in exotischen Gewässern, zweitens die Fähigkeit, nicht über die Handlung nachzudenken, solange der Film läuft. Ich muss fairerweise gestehen, dass mein Interesse an Bildern von tauchenden jungen Menschen (auch wenn schöne Frauen darunter sind) gegen null tendiert. Und daran kann die behämmerte Story des Films dann auch nichts mehr ändern.Immerhin genügt ein Blick auf die Besetzung und den Klappentext, um zu wissen, dass hier kein Nachwuchs-Hitchcock-Preis gewonnen werden soll. Es geht um dürftig bekleidetes junges Volk, das munter in der Karibik herumplantscht und dabei tatsächlich auf einen Schatz stößt. Oder genauer auf zwei, denn gleich neben einem alten Schiffswrack liegt ein abgestürztes Flugzeug mit einer großen Ladung Kokain an Bord. Wie sollen Sam (Jessica Alba), Jared (Paul Walker), Bryce (Scott Caan) und Amanda (Ashley Scott) weiter vorgehen? Sam und Jared, die beide auf den Bahamas seßhaft geworden sind, wollen das Flugzeug einfach ignorieren und aus eigener Kraft den Schatz heben. Als sich das problematisch gestaltet greifen ihre Gäste Bryce und Amanda zu alternativen Methoden, die den vieren allerdings eine Menge Ärger bescheren.

Wie bereits oben erwähnt sind es am ehesten die schönen Unterwasser-Aufnahmen der permanent halbnackten Hauptdarsteller, die hier das Publikum begeistern sollen. Die Thriller-Handlung, wenn man sie denn so nennen will, stinkt drei Meilen gegen den Wind und sorgt eher für Erheiterung. Da muss Jared einem fiesen Schurken gehorchen, um das Leben seiner Freundin zu schützen, erzählt ihr aber lieber nichts davon. Wenn sie sich nicht streiten, wie sollen sie sich da später wieder versöhnen können, gelle? Und als einer der vier tatsächlich einen überraschenden Auftritt haben könnte, läßt man das per unnötigem Dialog lieber doch die Zuschauer wissen. Dazu gibt es die üblichen Bauernopfer und Nebenfiguren, die sich fürchterlich überraschend als Bösewichte entpuppen.

Möglicherweise hat sich im Vorfeld des Films die internationale Tauchindustrie (wenn es sowas gibt…) gedacht, dass es an der Zeit wäre, mit einer Art Taucher-„Top Gun“ die Umsätze anzukurbeln. Das könnte sogar gelingen, denn an Schauwerten mangelt es ja weniger. Für arme Seelen wie den Autor dieser Zeilen, deren Tauch-Begeisterung in frühester Kindheit verkümmert ist, bleibt allerdings nicht viel Sehenswertes über. Denn weder die Schauspieler noch das Drehbuch können die Tatsache vergessen machen, dass nach jeder Szene zu Lande wieder eine gefühlt halbstündige Unterwasser-Sequenz folgt. Und dann ein käsiger Dialog. Gefolgt von einem Tauchgang. Und da werden dann die Augenlider schwerer und schwerer. Gähn!

3/10

Stolz und Vorurteil

Verfilmungen klassischer englischer Literatur des 18. Jahrhunderts sind ziemliches Neuland für mich. Da versteht es sich quasi von selbst, dass mir die Vorlage des Stoffes, Jane Austens „Pride and Prejudice“ unbekannt ist. Somit kann ich mir auch gleich den Absatz sparen, der die Treue zur Vorlage behandelt und stelle stattdessen fest, dass Joe Wrights Film mit Keira Knightley in der Hauptrolle auch ohne genauere Kenntnis derselben einen Blick wert ist.Knightley spielt Lizzy Bennett, die zweitälteste von fünf jungen Schwestern, die nach einem Ehemann Ausschau halten. Lizzy ist scharfzüngig und selbstsicher bis hin zur Frechheit, zwei Attribute, die zu jener Zeit nicht eben als damenhaft galten. Ihre älteste Schwester, die etwas verschlossene Jane (Rosamund Pike), scheint in dem wohlhabenden Mr. Bingley jemanden gefunden zu haben, der um ihre Hand anhalten wird. Dessen Begleiter ist der noch wohlhabendere Mr. Darcy, der vordergründig als blasiertester aller englischen Snobs durchgehen könnte. Ob jedoch die feinen Herren tatsächlich zu Ehemännern der Bennett-Töchter werden, wird sich erst nach unzähligen Verwicklungen, Bällen und Gesellschaften entscheiden. Standesunterschiede, Mißverständnisse und nicht zuletzt „Stolz und Voruteil“ stehen den Charakteren ein ums andere Mal im Wege.

Die Situation der Bennetts ist auch nicht ganz einfach, denn nach geltendem Recht kann das Anwesen der Familie nicht an weibliche Nachkommen vererbt werden. Und so steht bald ein entfernter Cousin vor der Tür, der sich als Mr. Collins vorstellt. Mr. Collins ist von kleinem Wuchs und nicht sehr einnehmendem Wesen und hält es für das einzig richtige, sich eine Tochter des Hauses zur Frau zu nehmen, so dass die Familie zumindest nicht allen Besitz verliert. Seine Wahl fällt allerdings zunächst auf eine junge Dame, die sich ein Leben mit dem angehenden Pfarrer nun wahrlich überhaupt nicht vorstellen kann. Schon bald ist jedoch ein Kompromiß gefunden, doch damit geht die aus vielen Strängen bestehende Handlung noch lange nicht zuende.

Keira Knightley ist in ihrer bis dato besten Rolle zu sehen, und wenn das auch kein allzu großes Lob darstellt und eine Oscar-Nominierung ein wenig fragwürdig erscheint, soll es ihre Leistung nicht schmälern. Wäre ihre Darstellung nicht so glaubwürdig (vor allem in den Szenen zwischen Lizzy und Mr. Darcy) könnte der Film nicht funktionieren. An ihrer Seite spielen mit Donald Sutherland als Mr. Bennett und Judi Dench als hochadlige Lady Catherine keine Unbekannten. Auch die männliche Hauptrolle ist mit dem mir bisher völlig unbekannten Matthew Macfayden (als Mr. Darcy) erstklassig besetzt. Geld für die Ausstattung war offenbar reichlich vorhanden, und auch die schönen Bilder vom Lande tragen zum Vergnügen des Films bei. Vom Hocker hat mich dieses gelungene Melodram zwar nicht gehauen, aber wer nach gut gespieltem, ernsthaften Kino Ausschau hält, kann hier fündig werden.

7/10

Flightplan (DVD)

Vor kurzem habe ich hier den Film „Red Eye“ besprochen, einen kleinen, aber cleveren Thriller. Er spielt fast komplett an Bord eines Flugzeugs, genau wie der gerade auf DVD erschiene „Flightplan“. Mit Jodie Foster ist ein echter Star dabei, trotzdem scheitert der deutsche Regisseur Robert Schwendtke („Tatoo“) bei seinem Versuch, eine wenig plausible Handlung dem Publikum für bare Münze zu verkaufen. Nicht erst nach dem ersten Ansehen, sondern schon während der Film läuft fällt er jämmerlich auseinander. Immerhin, seinen Sinn für stimmungsvolle Bilder ist noch vorhanden, was „Flightplan“ vor dem Prädikat „Geht gar nicht“ gerade so bewahrt.Nachdem sie in David Finchers „Panic Room“ in ihrem eigenen Haus zur Gefangenen wurde ist Jodie Foster nun wieder in einem recht klaustrophobischen Film zu sehen. Foster spielt in „Flightplan“ die Flugzeug-Desingnerin Kyle Pratt. Nach dem Tod ihres Mannes in Berlin überführt sie mit ihrer sechsjährigen Tochter seinen Leichnam zurück in die USA. Mutter und Tochter besteigen einen an den neuen Airbus angelehnten Riesenvogel, der versiegelte Sarg reist im Gepäckabteil mit. Im Flieger schläft Kyle für einige Zeit, als sie erwacht, kann sie die kleine Julia nirgends entdecken.

Halb so schlimm, möchte man denken, weit kann sie ja nicht gekommen sein, so hoch über den Wolken. Doch die Dinge entwickeln sich finster. Niemand vom Personal kann sich überhaupt an die Anwesenheit eines Mädchens erinnern, das neben Kyle gesessen hätte. Auch keiner der Passagiere ist sich da sicher. Schließlich muss der Kapitän, gespielt von Sean Bean, eingeschaltet werden. Der ist sich gemeinsam mit dem Air-Marshall recht sicher, dass Kyle schlichtweg irre ist, ordnet aber dennoch eine große Suche an, um die panische Frau zu beruhigen. Von da an kreist recht lange alles nur um die Frage, ob Kyle psychisch gestört ist, oder ob eine Verschwörung im Gange ist.

Nun will ich natürlich nichts vom Ende verraten, aber es ist meine Pflicht auf die komplette Schwachsinnigkeit der Story hinzuweisen. Ein räumlich auf ein Flugzeug beschränkter Thriller mit überzeugenden Darstellern hätte ja durchaus Spaß machen können. „Flightplan“ macht nur für eine gute halbe Stunde Laune, danach werden die Logikfehler und das ständige Gerenne und Gekletter durch den Flieger einfach langweilig. Von der Auflösung des Plots will ich besser gar nicht zu reden, denn für so einen Quatsch könnte man schon einen Preis vergeben. Die Grundidee, Jodie Foster in diesem Rahmen nach ihrer Tochter suchen zu lassen, muss die Produzenten so sehr überzeugt haben, dass die Story wohl sehr bald schon zur Nebensache wurde. Foster ist in ihrer Rolle nicht schlecht, aber das Ganze führt einfach zu nichts. So sieht es leider aus.

4/10

Die Legende des Zorro

Damit hier keine Mißverständnisse aufkommen sei es vorweg erwähnt. Ich bin kein großer Verehrer des Vorgänger-Filmes „Die Maske des Zorro“. Sicher der Film war sehr gut besetzt und hat so seine Momente gehabt, aber es fehlte irgendwie der Reiz. Abenteuer, Romantik, Action, ein bißchen Comedy, für jeden etwas und doch nicht genug. Obwohl ich den Film inzwischen zweimal gesehen habe (bezeichnenderweise jeweils im Fernsehen) kann ich mich an fast nichts erinnern. Und so geht es mit der Fortsetzung dann gleich weiter. Gepriesen sei des Menschen „selektives Gedächnis“, oder wie auch immer die Tatsache bezeichnet wird, dass man unwichtige Informationen nicht lange mit sich rumschleppt.Man schreibt das Jahr 1850, ganz Kalifornien freut sich auf die Aufnahme in die Union als vollwertiger Bundesstaat der USA. Ganz Kalifornien? Natürlich nicht, ein fieser Europäer verfolgt finstere Pläne, die es für Zorro zu vereiteln gilt. Dabei hat der an der Familienfront schon genug Probleme. Seine schöne Frau Elena (Catherine Zeta-Jones) bringt kein Verständnis mehr für seine Maskerade auf und verläßt ihn, ihr gemeinsamer Sohn Joaquin hält seinen Vater für ein Weichei. Diese domestischen Schwierigkeiten nehmen recht viel Raum ein, was angesichts der dünnen Verschwörungsstory einleuchtet. Banderas und der Rest der Besetzung spielen auf akzeptablem Niveau, größere Ausfälle sind nicht zu vermelden.

Das Problem scheint mir zu sein, daß „Die Legende des Zorro“ auf eine negative Weise altmodisch ist, gerade im Vegleich zu den modernen Comic-Superhelden, die Jahr für Jahr im Kino einfallen. Die Kampf- und Actionszenen hauen heutzutage niemanden mehr vom Hocker, die Geschichte verläuft nach Schema F, es scheint niemand eine Idee zu haben, was man mit dem Stoff noch hätte machen können. Einige Kommentare über den Zustand der Demokratie in „God’s Own Country“, wie etwa der Kampf um die Stimmzettel zu Beginn, sind zu halbherzig um zu überzeugen. An gelegentlicher Komik und ein paar guten Stunts mangelt es dabei gar nicht, vielmehr lullt einen der Film in seiner stromlinienförmigen Machart ein und hinterläßt als bleibendes Gefühl höchstens „Teil 3 findet ohne mich statt!“. Regisseur Martin Campbell dreht gerade den neuen Bondfilm, und so bleibt die Hoffnung, dass er sich seine Ideen für den Geheimagenten aufgespart hat.

Vielleicht bin ich dem Genre des Abenteuer/Mantel-und-Degen-Films auch einfach nicht genug zugetan. Es scheint mir vorstellbar, dass einem der Film gefallen kann, einfach als bunte Unterhaltungsmischung. Allerdings, mehr als Unterhaltung habe ich auch nicht erwartet. Bekommen habe ich einen Möchtegern-Blockbuster, der sich so glatt und ideenlos über den Bildschirm bewegte, dass ich schon daran zu zweifeln beginne, ob ich ihn wirklich ganz gesehen habe.

3/10

Dies und das…

Guten Tag.

Seit ich mich in der Welt ohne eigenen Internetzugang zu Recht finden muss, bin ich nicht mehr Derselbe. Und die Seite hier auch nicht. Um irgendwie eine Kante reinzukriegen, habe ich mir in meinem stillen Kämmerlein einen neuen Plan ausgedacht. Höret und staunet also!. Künftig gibt es nur noch in Ausnahmefällen längere Texte (Nachtrag 17.2.06.: Geschenkt!). Es mangelt an Zeit, außerdem glaube ich dass ein paar kurze und hoffentlich treffende Sätze ebenso hilfreich sind, wenn es darum geht, einen Streifen zu empfehlen oder im Meer der Grindfilme untergehen zu lassen. Erste Gehversuche dieser unglaublich innovativen Art der Filmkritik gibt’s gleich weiter unten.

An einer Art Gästezimmer, wie es die unvergleichlichen Spongeström-Maggaths (Hail Maase!) anbieten, arbeite ich fieberhaft, will sagen gar nicht. Einfach emailen muss wegen meines umfassenden Unvermögens vorerst leider reichen. Wenn es mir sinnvoll erscheint wird es einfach hier gepostet. Das Recht dazu habe ich laut § Drölf des Deutschen Reinheitsgebotes von 1512. Falls jemand fragen sollte…

Das Problem mit den falschen Satzzeichen kann ich ebenfalls nicht lösen, deshalb müssen Punkt und Komma von JETZT an ausreichen. (Nachtrag: Geschenkt!)

Ins Kino hat es mich in letzter Zeit nur einmal verschlagen, zu sehen gab es Broken Flowers von Jim Jarmusch. Ein äußerst spröder, aber amüsanter Film. Nichts jedoch für Leute die auf Ghost Dog artiges hoffen. Lakonisch und mit viel Zurückhaltung erzählt Jarmusch seine kauzig-charmante Geschichte, wobei Bill Murray zwar glänzen kann, jedoch immer ein Teil des schwer verdaulichen Ganzen bleibt. Trotzdem schön, dass ein gelungener und erfolgreicher Film wie „Lost in Translation“ dafür sorgen kann, dass sich solcherart Filme in die Multiplexe verirren.
8/10

Jarmuschs vorigen Film Coffee and Cigarettes habe ich mir in der Zwischenzeit ebenfalls reingezogen. Lauter Episoden von irgendwelchen Leuten beim Kaffeetrinken, entstanden über mehrere Jahre und mit rein fiktionalem Charakter, warten darauf, entdeckt zu werden. Dringend ist dass allerdings nicht wirklich. Vielleicht war ich nicht entspannt genug für diese Kost, aber beigeisterte Zuschauer sitzen anders im Sessel als ich beim Betrachten der zahlreichen Promis beim Kaffeesaufen.
6/10

Ist außer mir eigentlich jemandem aufgefallen, dass hier seit Wochen nur noch Scheiße ins Kino kommt!?!?!?!?!

Neu auf DVD, und das recht schnell nach dem Kinostart, ist Per Anhalter Durch Die Galaxis. In obligatorischer Unkenntnis der Romanvorlage kann ich von erfrischendem Humor und einer angenehmen Grundstimmung berichten. So was wie Handlung oder Entwicklung der Charaktere fehlt jedoch gänzlich. Einen Blick lohnt der Film sicherlich, große Lobeshymnen muss ich allerdings Ghostwritern überlassen, ich selbst sehe keinen Anlass dafür.
7/10

Mit Be Cool ist nun auch mal wieder einen Komödie im Verleih am Start, von der ich annahm, sie würde was taugen. Dem ist leider nicht so. John Travolta nimmt sich viel zu ernst, Uma Thurmans komödiantisches Talent ist im Gegensatz zu ihren sonstigen eher übersichtlich, und die paar funktionierenden Knallchargen retten den Film auch nicht. Ohne ein großer Fan vom Vorgänger Schnappt Shorty gewesen zu sein, muss ich sagen, hier ist nichts von dessen unterhaltsamen Charme übrig geblieben. Nun, damals war es auch Travoltas erster oder zweiter Film nach Pulp Fiction, der Kerl konnte nix falsch machen. Heute ist er dabei, Chuck Norris Konkurrenz zu machen, für viel Geld tut er beinahe alles. So ein Haus mit eigenem Flughafen ist eben teuer. Gar soooo übel ist „Be Cool“ zwar nicht, aber geil ist schlichtweg anders. Und wir freuen uns dann schon mal auf einen zweiten Teil von „Operation:Broken Arrow“. Yuck!
5/10

Anders liegt der Fall bei Haus aus Sand und Nebel. Jennifer Conelly glänzt in der Rolle einer Frau, die inmitten einer herben Lebenskrise auch noch zu unrecht aus ihrem Haus gejagt wird. Immigrant Ben Kingsley fackelt bei der Zwangsversteigerung nicht lange, das Unheil nimmt seinen Lauf. Eine starke, glaubwürdige Geschichte, hervorragend umgesetzt von allen Beteiligten. Gesetzt den Fall, man ist bereit, sich auf die Charaktere einzulassen, erwartet einen großes und beinahe gänzlich unprätentiöses Kino. Mindestens aber eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Guter Film.
8/10

Wer es lieber etwas fröhlicher mag, der könnte bei Dreißig über Nacht mit Jennifer Garner landen. Ein Teenie erwacht im Körper einer erfolgreichen 30-jährigen Medientussi, allerdings mit dem Gemüt von vorher. Und kämpft mit Dingen wie Stringtangas, nackten Kerlen unter ihrer Dusche und unerfüllten Sehnsüchten. Das ist nicht unkomisch, meist unterhaltsam, frei von Überraschungen, und natürlich wird am Ende geheiratet. Ob das jetzt ne Empfehlung war entscheidet mal schön jeder für sich..
5/10

Anderes Thema. Bruce Willis hat in Hostage den Actionhelden in sich wieder entdeckt. Als ehemaliger Geiselnahmeprofi findet er sich wider Willen in einer Situation, die sein ganzes Können erfordert. Das gute Timing des Films rettet ihn nicht davor, schnell wieder ve
rgessen zu werden. Abgesehen von dem aufdringlichen Soundtrack und der ziemlich zusammengeschusterten Story bleibt nicht viel hängen. Ein wenig Zerstreuung wird geliefert, der Rest ist solider Durchschnitt mit einem Hauch von „MussDasSein!?“

5/10

Als wahrer Freund von Martin Scorsese habe ich mir sehr lange Zeit gelassen mit seinem letztem Opus Aviator. BioPics waren halt noch nie mein Fall. Daran ändert auch sein gelungener Film über den exzentrischen Luftfahrtpionier und Filmproduzenten Howard Hughes nichts. Eine Menge guter Darsteller und wunderbare Bilder werden aufgefahren, doch der Funke will so recht nicht überspringen. Und die beknackten Einstellungen, in denen die Kamera frontal auf ein Flugzeug zufährt, um den Piloten genau zu identifizieren, demonstrieren zwar, was mit neuer Technik soll alles machbar ist, fallen aber der Illusion von Realität, die sie schaffen sollen, in den Rücken. Das sieht so gut aus, das muss ein Film sein! Meiner wachsenden Abneigung gegen überlange Filme kamen die knapp drei Stunden Laufzeit auch nicht unbedingt entgegen. Halb so wild jedoch, sehenswert auf vielerlei Art ist der „Aviator“ allemal. Man beachte bitte die Szene, in der Howard Hughes die Filmdiva Katherine Hepburn mit den Worten „You are just a movie star and nothing more!“ in die Schranken weist. Mehr davon, bitteschöön.
7/10

Auch ein paar alte Schinken gabs zuletzt im kleinen Hause Edzehard zu sehen. Da ist Francis Ford Coppolas Cotton Club zu nennen, ein Gangstermusical von 1981, angesiedelt im New York um 1930. Die halbe Stunde Musical konnte ich mir konkret in die Haare schmieren, der Plot um den jungen Musiker, gespielt von Richard Gere, der unverschuldet in die mafiöse Unterwelt eingeführt wird, ist recht ansehnlich, aber kein großer Wurf. Von der Produktion des Streifens wird kolportiert, sie sei eine der chaotischsten aller Zeiten gewesen, und es fällt mir ehrlich gesagt nicht schwer das zu glauben. Ein Haufen guter Darsteller und Charaktere machen eben keinen guten Film, wenn man nicht weiß, was man mit ihnen anfangen will. Wäre das Drehbuch doch bloß fertig gewesen als der Dreh begann! War es aber nicht.
6/10

Klarer Fall von Frevel hingegen, dass ich Die fabelhaften Baker Boys erst jetzt gesehen habe. Auch da wird gesungen, aber allein die Tatsache, dass Jeff Bridges mit dabei ist, entschädigt für die ganze Barmusik. Michelle Pfeiffer und die Gebrüder Bridges liefern sich einige herrliche Szenen, und überhaupt kann ein Film, der so sehr aus den Achtzigern stammt wie die Baker Boys, eigentlich kaum besser sein. Das hat mir Spaß gemacht.
8/10

Wie üblich habe ich ja mein Ohr ganz nah an der Videothekenszene, und da fällt doch etwas auf. Alle zwei Wochen kommt ein neuer Wesley Snipes B-Actionfilm raus, immer dicht gefolgt von einem grade noch B-, beinahe C-Film mit dem unvergleichlichen Steven Seagal. Soweit vom Cover her zu deuten, ist Seagal inzwischen knapp 60 Lenze alt und scheißt härter denn je darauf, für welchen Müll er grade wieder bei der Krankengymnastik gefilmt wird. Tzz, tzz.. In der Kategorie DasWillWirklichNiemandSehen bietet sich die Tennisromanze Wimbledon mit Kirsten Dunst und Paul Bettany an. Findet auf Wunsch der Zuschauer nicht statt, zwei Wochen Regen in London, es werden keine Preisgelder ausgeschüttet. Abpfiff. Da hatte der letzte Stummfilm im Vormittagsprogramm von arte mehr Zuschauer, und ich wage zu behaupten zu recht.

Hoffnung macht dagegen Schauspieler Mark Ruffalo. Gesehen hat man ihn am ehesten in Collateral, wo er den hartnäckigen Cop spielt, den Tom Cruise vor der Disco niedermäht. Seine Leistungen in Dreizehn über Nacht und In the Cut bestätigen die These, das herausragende Akteure auch in miesen Filmen niemals schlecht sind. Wenn dem nur endlich einer ne Hauptrolle zukommen lassen würde. Leider ist das Casting für „The Black Dahlia“ schon abgeschlossen.