Confidence

Es passiert nicht wirklich häufig, dass man in der Videothek einen Glückstreffer landet. Mir jedenfalls nicht. Um so schöner, dass sich James Foleys charmanter Gaunerfilm als solcher erwiesen hat. Denn gehört hatte ich von „Confidence“ noch gar nichts, und besonders überzeugt von meiner Wahl bin ich auch nicht nach Hause gegangen. Schon wieder ein Film über kleine Gauner, die einen großen Gauner beklauen und irgendein Ding drehen müssen – eigentlich ist so ein Plot inzwischen (leider) zum cineastischen Unheilsbringer verkommen. Die Besetzung hat mich wohl letztlich überzeugt, die kleine Hoffnung, dass sich die prominenten Namen nicht für totalen Mist hergegeben haben. Erzählt wird in Rückblenden, eingerahmt in ein Verhör zwischen einem unbekannten Gangster und Hauptfigur Jake, das (logischerweise) am Ende der Story steht.Edward Burns, bekannt geworden als Soldat in Spielbergs „Saving Private Ryan“, spielt den cleveren Abzocker Jake Vig. Gleich zu Beginn führt er dem Zuschauer am Beispiel von Lionel Dolby mal vor, nach welchem immergleichen Schema er zusammen mit seinem Team arglose Menschen um ihr Geld bringt. Der Plan funktioniert wie üblich, doch es gibt einen Haken an der Sache. Denn die Kohle gehört Obergangster „King“ (Dustin Hoffman), und nach kurzer Zeit kommen dessen Schergen den Jungs auf die Spur. Um schlimmeres zu verhindern trifft sich Jake mit ihm, und handelt einen Vergleich aus. Er erklärt sich bereit, für King j auszunehmen, wen immer der behumst sehen wolle. Kings Wahl fällt auf den skrupellosen Großbanker Morgan Pryce, weshalb Jake es nicht leicht hat, seinen Kumpels und Mittätern Gordo und Miles (Paul Giammatti und Brian Van Holt) die Sache schmackhaft zu machen.

Zu den Dreien gesellt sich noch Lupo, der als Kings Aufpasser fungieren soll und die schöne Taschendiebin Lily (Rachel Weisz). Außerdem spielen in dem folgenden Coup noch zwei Polizisten mit, sowie ein zwielichtiger FBI-Agent namens Gunther Butan, gespielt von einem fast nicht wieder zu erkennenden Andy Garcia. All diese Charaktere sind nicht eben glaubwürdig, wirken aber echt genug, um interessant zu sein und die vertrackte Story mit Leben zu füllen. Entscheidend für den Erfolg des Films ist nicht das WAS passiert, sondern WIE es passiert. Elegant und leichtfüßig inszeniert Foley das Geschehen, und kommt dabei niemals aus dem Tritt. Mit den Erwartungen seines Publikums spielt „Confidence? ganz selbstverständlich, und möglicherweise können besonders smarte Zuschauer den Braten schon früh riechen. Der Witz dabei ist jedoch, dass beinahe jede Szene genug Schau- und Unterhaltungswerte enthält und so niemals Langeweile aufkommen kann, die dazu verführen könnte, über alles mal ganz genau nachzudenken. Dieses Lob gebührt sicher auch dem Drehbuchautoren, Doug Jung.

Gemessen an dem, was an doppelten Böden und Falltüren in Hollywood zur Zeit zu finden ist, nimmt sich „Confidence“ gar ein wenig altmodisch aus. In einem Gaunerstück wie diesem dürfen ein paar Kniffe und Überraschungen nicht fehlen, aber zum Glück übertreibt man es nicht. Die Erzählstruktur erinnert an alte Noir-Klassiker wie „Out of the Past?, aber Zitate oder Anspielungen gibts es nur wenige. Insgesamt ergibt das keinen wirklich außergewöhnlichen Film, wie etwa jüngst Neil Jordans „The Good Thief“ oder Stephen Frears „Grifters“, aber der Film erreicht mit bescheidenen Mitteln, woran zahlreiche Großproduktionen (siehe S.W.A.T.) scheitern – er unterhält und amüsiert sein Publikum über die gesamte und angemessene Laufzeit von 92 Min.. Deswegen muss man den Film sicher nicht gesehen haben, aber man macht bestimmt auch nichts falsch damit.
7/10

The Truth About Charlie

Eine hübsche junge Witwe kommt in den Besitz von Millionen von Dollar. Ihr toter Exmann (jener namensgebende Charlie) war nicht nur Kunsthändler, sondern wie sich herausstellt auch Elitesoldat. Jetzt ist seine damalige Einheit hinter der Kohle her, dazu die CIA und ein symphatischer Unbekannter. So ungefähr liest sich der Klappentest dieser Verleih-DVD. Achso, der Film spielt in Paris, Regie führt Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) und die Hauptdarsteller sind Mark Wahlberg, Tim Robbins und Thandie Newton („M:I2“). Verglichen mit dem, was sonst noch in den Regalen von „Berolina Multimedia“ stand, hörte sich das nach einem anständigen Deal an.Und als solchen würde ich den Film auch bezeichnen. Das Leben der jungen Witwe Regina steht Kopf, als sie eines Tages aus dem Urlaub zurückkehrt und ihre Wohnung komplett leergeräumt vorfindet, hinzu kommen die oben genannten Enthüllungen, mit denen sie bald konfrontiert wird. In schönen Bildern aus der schönen französischen Hauptstadt schildert Demme sein Verwirrspiel, in dem viele undurchsichtige Personen mit noch undurchsichtigeren Motiven hinter 6 Mio. Dollar her sind, von denen die arme Regina gar nicht weiß, wo sie denn eigentlich sind.

Der Film ist ein Remake von „Charade“, von dem ich Folgendes berichten kann: Gedreht 1963, mit Cary Grant und Audrey Hepburn in den Hauptrollen. Die Story wurde sicher aktualisiert, aber wen kümmerts, solange man das Original nicht gesehen hat (Hat irgendwer?). Ein Plot wie dieser kann von mittelmäßigen Filmschaffenden leicht in den Sand gesetzt werden. Dass Demme dies vermeiden konnte ist wenig überraschend, der Mann ist schließlich vom Fach. Die Besetzung spielt dabei eine wichtige Rolle, ebenso die gekonnte Vermischung von Spannung und Leichtigkeit, die den Film unterhaltsam macht. Auch zeigt sich hier mal wieder, dass ein gelungener Thriller nicht von einer Schießerei in die nächste hetzen muss, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Es geht zum Glück auch anders.

Große Filmkunst bietet „The Truth About Charlie“ nicht, dafür gelungene und stilvolle Unterhaltung, eine Hauptdarstellerin, für die man das Wort „süß“ dringend erfinden müsste, wenn es das nicht schon längst gäbe. Tim Robbins spielt eine kleine, aber feine Rolle. Als Nebendarsteller ist der Mann zur Zeit echt ein Hit, siehe auch und vor allem seine Steven Seagal-Persiflage in „High Fidelity“. Als Hauptdarsteller hat er wohl gerade eine Schwäche bei der Filmauswahl (siehe, oder besser siehe AUF KEINEN FALL „Start-Up“). Gute Mischung also, und gut angelegte 2 Euro für alle Freunde des gepflegten Thriller-Potpourris.

7/10

Go

„Go“ ist Doug Limans zweiter Film nach dem Überraschungserfolg „Swingers“. Der Regisseur beschäftigt sich wieder mit jungen Leuten, diesmal jedoch mit einem noch höheren Erzähltempo, einer „Pulp Fiction“-artigen Struktur und ohne den melancholischen Ernst des Vorgängers. Im Mittelpunkt seines Filmes stehen drei Gruppen, die alle auf die ein oder andere Art in einen kleinen Drogendeal verwickelt sind. Verkäuferin Ronnas Weg kreuzt den der beiden Soap-Stars Adam und Zack. Aus einem kleineren Ecstasy-Deal entwickelt sich eine mittelschwere Katastrophe. Ganz nebenbei ist eine dritte Gruppe unterwegs nach Las Vegas, anscheinend ein wiederkehrendes Liman-Motiv.Dieser inszeniert seine Geschichten mit sicherer Hand und einem guten Gespür dafür, welche Richtung der Film nehmen muß, um nicht inmitten von verschiedenen Erwartungen an die Story zu implodieren. So wie er seine Charaktere zunächst auf eine haarsträubende Reise schickt, so holt er sie am Ende wieder in die Normalität zurück, ohne dem Geschehen damit in den Rücken zu fallen.

Die Handlungsstränge, die sich alle an einigen Punkten wiedertreffen, sind allesamt so unterhaltsam wie überzogen. Der Film geht sein hohes Tempo bis zum Schluß, und er bezahlt das natürlich in Teilen mit seiner Glaubwürdigkeit – was allerdings nicht wirklich stört. Ich sehe den Film als reine Komödie mit Anleihen bei der Realität, nicht anders herum. Die hierzulande weitgehend unbekannten Schauspieler machen einen guten Job, und so ergibt sich ein kurzweiliges Vergnügen, ein Film, der sich verpflichtet fühlt seine zumeist jungen Zuschauer zu unterhalten. Und das tut er auch ? mit der Konsequenz, daß nicht so junge Zuschauer möglicherweise wenig Gefallen am Geschehen finden könnten.

4/5

1 17 18 19