In the Cut

Es ist nicht lange her, dass mit „Twisted“ und „Taking Lives“ gleich zwei Filme herauskamen, die mit Serienkillern und weiblichen Hauptcharakteren aufwarten konnten. Nun reiht sich mit „In the Cut“ der nächste Film ein, diesmal jedoch ist die zentrale weibliche Figur nicht Polizistin, sondern Zeugin und potentielles Opfer. Meg Ryan spielt die immer etwas abwesend wirkende Literaturprofessorin Frannie, ein durchaus ernstzunehmender Versuch dem Image von der ewigen Zuckerschnute mal für einen Moment zu entkommen. Dafür schreckte sie auch vor expliziten Sex- und Nacktszenen nicht zurück, die dem Film zu einem zweifelhaften Ruf als „Skandalfilm“ verhalfen.

Die neugierige, sexuell etwas orientierungslose Frannie beobachtet eingangs im dunklen Hinterzimmer einer Bar eine Fellatio-Szene, was auf sie einen starken, verwirrenden Eindruck macht. Anhand eines Tattoos erkennt sie in dem Mann dieser Szene Tage später den Polizisten Malloy (Mark Ruffalo) wieder, der sie um Auskunft in einem Mordfall bittet. Pikanterweise war das Opfer zuletzt in eben jener Bar an eben jenem Tag gesehen worden. Trotzdem lässt sich Frannie auf eine Affäre mit dem attraktiven, machohaften Detective ein. Während die Suche nach dem Mörder, der immerhin in der Nachbarschaft Frauen zerstückelt, in den Hintergrund tritt widmet sich der Film intensiv Frannies Leben zwischen ihren Studenten, ihrer kleinen Halbschwester Pauline (Jennifer Jason Leigh), ihrem Ex-Lover John (Kevin Bacon) und ihrer Beziehung zu dem geheimnisvoll-anziehenden Malloy.

Für den Plot unwichtige Szenen nehmen locker zwei Drittel des Films ein, was zu verschmerzen wäre, wenn nicht der ungeliebte Punkt kommen würde da man sich fragt: Wie wollt ihr aus der Nummer jemals wieder rauskommen? Nun, ?In the Cut? kommt nicht raus, sondern präsentiert ein lupenreines Schema-F Ende (siehe „Twisted“) und scheitert somit als Thriller auf der ganzen Linie. Trotzdem ist der Film immer dann spannend und interessant, wenn er bei seinen beiden Hauptdarstellern bleibt. Meg Ryan zeigt eine sehr gute Leistung und macht die zunehmende Verwirrung Frannies spürbar, ihre Neugier und Naivität. Mark Ruffalo gebührt großer Respekt für seine Leistung, sein Malloy ist eine „Larger Than Life“-Figur, ein komplexer Charakter hinter einer interessanten Polizisten-Fassade. Sein intensives, sehr physisches Spiel ist beeindruckend und überzeugend.

Die vielen Ideen und Komponenten des Geschehens stehen sich ein leider selbst im Wege und machen dadurch die Glaubwürdigkeit der Story kaputt. Da ist das sündige Psychodrama in einer verruchten Großstadt, das plötzlich in das Leben von Frannie tretende abgründige Verbrechen, die vielen Anspielungen auf Poesie und eine Vielzahl an Nebenfiguren. Filme wie „Blue Velvet“ und „The Big Easy“ kommen einem da in den Sinn, doch schafft es „In the Cut“ nicht, mehr zu sein als die bloße Summe seiner Teile. Aufgrund der guten Darsteller und der über weite Strecken sehr guten Inszenierung sind dem Film seine Schwächen jedoch einigermaßen zu verzeihen. In all seinem Facettenreichtum und dem starken künstlerischem Ausdruck scheitert er letztlich (nur) an seiner Überambitioniertheit.

6/10

Alfie

Die alten Sechziger-Jahre-Filme mit Michael Caine erfreuen sich hoher Beliebtheit in Hollywood. Ein Remake jagt das andere, nach „The Truth about Charlie“ und „The Italian Job“ ist jetzt „Alfie“ an der Reihe. Soweit ich vom Hörensagen weiß, spielte Caine darin einen aus der Arbeiterschicht stammenden, kaltherzigen Gigolo im Swinging London. Regisseur Charles Shyer („Vater der Braut“) hat die Handlung nun von England ins Manhattan der Gegenwart verlegt, doch der nun von Jude Law verkörperte Alfie ist immer noch Brite und damit auch ein wenig ein Außenseiter.Dass Jude Law gerade zum „Sexiest Man Alive“ gekürt wurde, kam den Produzenten des Films bestimmt nicht ganz ungelegen, spielt er hier doch einen Charmeur und Herzensbrecher sondergleichen. Alfie ist ein großer Freund und Verehrer der Damenwelt, lässt allerdings in seinen lakonischen, direkt ans Publikum gewandten Kommentaren sofort durchblicken, dass ihm an festen Bindungen nicht gelegen ist. „Wine & Women“ sind die Essenz seiner streunerischen Existenz. Durch seinen Job als Chauffeur eines Limousinenservices ist er ständig in Kontakt zur High Society Manhattans, und mit seinen perfektionierten Verführungskünsten gelingt es ihm mühelos, bei den wohlhabenden und schönen Damen zu landen.

Nach langen feucht-fröhlichen Abenden kehrt er dann gerne noch bei Julie (Marisa Tomei) ein, einer sympathischen allein erziehenden Mutter, die sich dem attraktiven Luftikus ebenso wenig entziehen kann wie die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen. Zu allem Überfluss, aber mit sichtlichem Vergnügen lässt sich Alfie dann auch noch mit der reifen Lebefrau Liz, wunderbar gespielt von Susan Sarandon ein. Alfies bester Freund und Kollege Marlon (Omar Epps) hingegen trauert der Kellnerin Lonette (Nia Long) nach, die ihm nach einer Affäre den Laufpaß gab. Und so bewegt sich der stets schick gekleidete, wie aus dem Ei gepellte Oberhedonist durch eine Gesellschaft, die sich ihm als vermeintlicher Selbstbedienungsladen zu Füßen legt. Doch dann kommen die Dinge ein wenig ins Rutschen, eine Affäre mit Lonette bringt selbst Schlitzohr Alfie in Erklärungsnöte, ein weitere wächst (welch ein Horrorszenario) zur ernsthaften Beziehung heran und recht bald muss der Schönling einigen schmerzhaften Erkenntnissen ins Auge sehen.

Regisseur Charles Shyer inszeniert einen wahren Tanz der Oberflächlichkeiten, einen Film voller schöner Bilder, schöner Frauen, sein Manhattan zeigt sich von seiner besten und gleichzeitig düstersten Seite. In all der Makellosigkeit fehlt seinen Charakteren stets die endgültige Bodenhaftung, der Wille zum Sesshaftwerden. Alfies „Kumpanei“ mit dem Publikum, dem er seine (bescheidene) Weltsicht veranschaulicht ist auf bittersüsse Weise witzig, trägt den Film aber nicht über seine gesamte Laufzeit. Dabei schwebt das Geschehen zwischen Ernst und Satire, leiser Ironie und offener Kritik, was unter dem Strich jedoch einen etwas unkonsequenten Eindruck hinterlässt. Dass Alfie die Weisheit nicht eben mit Löffeln gegessen hat stellt auch den Film mit zunehmender Dauer vor Probleme.

Wirklich weh tut das „Alfie“ jedoch nicht, denn die durchweg fähigen Schauspieler verleihen ihren Figuren ein Mindestmaß an geistiger Schwere und verhindern so die totale Luftnummer. Sie alle erscheinen als kaum mehr als Stereotypen, und doch ist es gerade die leise Ahnung, dass dem nicht so ist, die einen beschäftigt. Jude Law glänzt in einer schwierigen Rolle, er erweckt mit „Alfie“ ein kleines Monster mit zutiefst menschlichem Kern zum Leben, dessen Entwicklung – über das Ende dieses Films hinaus – mich durchaus interessieren könnte. Denn bei aller demonstrativen Oberflächlichkeit birgt der Stoff doch einige sehr interessante Ideen und Ansätze, die einfach zu gut zum heutigen (Vorsicht: Unwort!) Zeitgeist passen wollen.

Für alle, die die Wahl haben, sei noch folgendes erwähnt: „Alfie“ ist in englischer Sprache eindeutig besser, denn der Synchronfassung kommt mit Jude Laws britischem Akzent auch ein großer Teil des Charmes seiner Hauptfigur abhanden. Das ist doppelt tragisch, denn die im Original ?besseren? Witze gehen ebenso verloren wie ein Teil des Interesses für das selbst gewählte Außenseiterdasein des großen Blenders Alfie.

7/10

Wicker Park

Weniger wohlmeinende Menschen ordnen „Wicker Park“, dieses Zwitterwesen aus rätselhaftem Thriller und Romanze, vermutlich unter der Rubrik „Filme, die die Welt nicht braucht“ ein. Und sie liegen damit nicht einmal ganz falsch, wie ich eingestehen will. Doch hat mir der Film Spaß gemacht, trotz seiner Vorhersehbarkeit und der Tatsache, dass die Geschichte bei näherer Betrachtung auseinander fällt. Zunächst also, ohne zuviel zu verraten, ein paar Fakten zur Handlung.Bei einem Geschäftsessen glaubt der junge Werbefachmann Matthew (Josh Hartnett) seine große Liebe Lisa (Diane Kruger) wieder gesehen zu haben. Lisa hat ihn vor einiger Zeit ohne ein Wort des Abschieds verlassen, was dem inzwischen mit der schönen Rebecca verlobten Matthew immer noch sehr nahe geht. Anstatt die geplante Dienstreise nach China anzutreten entschließt er sich, noch einmal nach seiner Verflossenen zu suchen. In Rückblenden erfährt der Zuschauer nun nebenbei, wie sich die beiden im Schuhladen von Matthews bestem Kumpel Luke kennen lernten. Eben jener Luke, der selber gerade bis über die Ohren in eine gewisse Alex (Rose Byrne) verliebt ist, muss Matthew bei seiner Suche behilflich sein. Obwohl er einige Spuren finden kann, die auf Lisa hinweisen, hat Matthew kein Glück bei seiner Suche und findet sich bald „nicht ganz zufällig“ im Bett mit einer anderen jungen Frau wieder.

Zwischen der Suche nach Lisa in der Gegenwart und dem Auseinanderbrechen der Beziehung in der Vergangenheit springt „Wicker Park“ hin und her, enthüllt dabei langsam seine Rätsel, stellt Fallen, und jagt seine Figuren dabei durch einige äußerst unterhaltsame, wenn auch zuweilen arg gestellte Szenen. Wer hier ernsthafte Figurenentwicklung erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Allerdings weckt das Geschehen auch keine großen Erwartungen in diese Richtung. Die Vorzüge des Films liegen eher in seiner naiven Direktheit, mit der er beginnt seine, vorsichtig ausgedrückt, unglaubwürdige Geschichte zu erzählen. Mit hohem Tempo geht es hinein ins mysteriöse Treiben, und Regisseur Paul McGuigan legt ein gutes Gespür dafür an den Tag, seine jungen Mimen ohne größere Schiffbrüche durch eine Geschichte zu manövrieren, wie sie nur im Kino funktionieren kann. So fällt „Wicker Park“, ähnlich wie z.B. „Gothika“, durchaus in die oben genannte, wenig schmeichelhafte Kategorie. Die Frage ist letztlich, ob man gewillt ist, auch trashige Geschichten zu genießen, so sie denn gut gemacht sind. Meine Antwort, zumindest im Hinblick auf diese beiden Streifen, lautet „ja“.

4/5

The Cooler

Das „Shangri-La“ in Las Vegas ist eines der letzten Casinos der alten Schule, ohne Vergnügungspark und anderem Zirkus. Betrieben wird es von Shelly Kaplow, einem etwas altmodischen Gangster, gespielt von Alec Baldwin. Um seine Gewinne zu sichern setzt der, neben den üblichen Mafia-Mätzchen, auf den Einsatz des Coolers Bernie (William H. Macy). Der arme Kerl ist schon immer ein Verlierer gewesen, und seine bloße Anwesenheit am Tisch beendet auch die hartnäckigste Glückssträhne der Spieler. Dabei geht Bernie seinem Job keinesfalls freiwillig nach, er begleicht auf diese Weise alte Schulden bei seinem Boss.William H. Macy ist in Filmen wie „Fargo“ und „Boogie Nights“ zu dem Hollywood-Loser schlechthin geworden, und „The Cooler“ ist ganz eindeutig sein Film. Bernies Gesicht strahlt eine unglaubliche Hoffnungslosigkeit aus, er humpelt langsam und gebückt durchs Casino. Immer wenn er einen Kaffee bestellt, ist die Sahne alle, doch das wundert ihn schon lange nicht mehr, er kennt es nicht anders. Immerhin hat er wage Zukunftspläne, denn seine Schulden bei Shelly sind bald bezahlt, und dann möchte er weg aus Las Vegas und ein neues Leben beginnen.

Während Shelly ob seines angeblich überholten Führungsstils von Seiten seiner Partner unter Druck gerät, geschieht das Unfassbare. Die hübsche Kellnerin Natalie (Maria Bello) findet Gefallen an Jerry, und die beiden werden ein Paar. Jerry kann kaum glauben, dass ihm solches Glück wiederfahren kann, aber die Strafe dafür folgt auf dem Fuße – er verliert seine Qualitäten als Cooler und somit für Shelly seine Daseinsberechtigung. Als dann auch noch sein Sohn mit seiner hochschwangeren Freundin auftaucht, steht Bernies Leben völlig auf dem Kopf. Gerne möchte er mit Natalie aus der Stadt verschwinden, aber ganz so einfach ist das in der Branche eben nicht.

Regisseur Wayne Kramer hat mit „The Cooler“ einen gelungenen Film abgeliefert. Zwischen Komödie und ernstem Drama pendelnd lebt der Film in erster Linie von seinen hervorragenden Darstellern. Einen anderen Schauspieler als Macy in der Rolle des Coolers ist kaum vorstellbar, so perfekt verkörpert er den einsamen, desillusionierten Loser, der unerwartet sein spätes Glück findet. An seiner Seite überzeugt Maria Bello, deren Figur dem Geschehen eine ordentliche Portion Menschlichkeit aufdrückt. Alec Baldwin ist ebenfalls in Bestform und spielt Shelly als einen brutalen, aber meist fairen Mann der alten Schule. Dafür gabs immerhin eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle.

„The Cooler“ liefert ein schönes Portrait des alten Las Vegas, einer reinen Spielhölle für Erwachsene, in der es trotzdem noch ein wenig Platz für Menschlichkeit gibt. Ob diese Bilder der Wahrheit entsprechen vermag ich nicht zu sagen. Als Rahmen für diese Geschichte taugen sie allemal, ihnen schuldet der Film eine seiner besten Szenen, in der sich Shelly um den alternden Entertainer Buddy (Paul Sorvino, der Gangster-Boss aus „Goodfellas“) kümmert. Der soll bald ersetzt werden, statt ihm soll zukünftig Johnny Capella (N`Sync`s Joey Fatone) das Publikum begeistern. Aber noch hat Shelly ja ein Wörtchen mitzureden.

8/10

The Dreamers

Bernardo Bertolucci, Regisseur von „1900“ und „Little Buddha“, begibt sich mit seinem neuesten Werk zurück in das Paris des Jahres 1968. Vor dem Hintergrund wachsender Studentenproteste, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und einer allgemeinen Aufbruchsstimmung erzählt er die Geschichte einer besonderen Freundschaft. Der junge Amerikaner Matthew (Michael Pitt) ist eigentlich zum studieren in Paris, aber viel lieber verbringt er seine Zeit im Kino. Seine Filmbegeisterung teilen auch die Zwillinge Theo (Louis Garrel) und Isabelle (Eva Green), deren Eltern gerade eine mehrwöchige Reise antreten wollen. Eingeladen von seinen neuen Freunden bezieht Matthew in der geräumigen Wohnung der Zwillinge Quartier. Die drei genießen ihre Freiheit, diskutieren über Filme, trinken Rotwein und lassen sich treiben.

Matthew, der sich vom ersten Moment an in Isabelle verliebt hat, ist von dem wilden Leben fasziniert, wenn er auch langsam feststellen muss, dass die innige Beziehung der Zwillinge auch seine Schattenseiten hat. Nachdem er ? unter den Augen ihres Bruders ? mit Isabelle geschlafen hat, sind die letzten Barrieren gefallen. Quasi abgeschottet von der Aussenwelt verleben sie ihre Tage. Die drei zelebrieren ihre Verschworenheit, müssen aber schließlich ? jeder auf seine Art – erkennen, dass sie keine gemeinsame Zukunft zu erwarten haben. Die komplizierte Dreiecksbeziehung im Zentrum von „The Dreamers“ erinnert ein wenig an Philip Kaufmans sehenswerten „Henry & June“, wobei Bertolucci in Sachen Nackheit noch um einiges weiter geht als sein Kollege. Präsentiert wird die Geschichte geradeheraus, versehen mit einem gelegentlich wiederkehrenden Off-Kommentar von Matthew.

Einen Plot im klassischen Sinne hat „The Dreamers“ nicht zu bieten, es genügen die Figuren und ihre kurze, gemeinsame Zeit. Zu den wenigen weiteren Figuren von Bedeutung zählen die Eltern der Geschwister, deren Szenen am Anfang und am Ende zu den stärksten des Films zählen. Große Bedeutung kommt auch der großen, verwinkelten Altbauwohnung zu, in der sich fast das gesamte Geschehen abspielt. Begleitet von einem herrlichen Soundtrack bringt Bertolucci hier die Sechziger Jahre auf die Leinwand. Die Studentenunruhen und das zunehmende Chaos in der Stadt, auch das Produktionsdesign, alles wirkt echt und hat nichts requisitenhaftes. Die Hauptdarsteller überzeugen ebenfalls allesamt, wobei sie auch die kniffligen, teils äußerst freizügigen Szenen meist problemlos spielen.

Die größte Stärke des Films ist jedoch die nuanciert erzählte Geschichte. Sie reflektiert Überlegungen zu Kino, Zeitgeist, Krieg und Moral ohne den Zuschauer damit zu überfordern oder überhaupt anzustrengen. Die genau portraitierte Welt der bürgerlichen Wohlstandskinder, die die Freiheit ihrer Generation genießen wollen, ist keine bloße Seligsprechung der Vergangenheit. Im Spannungsfeld zwischen Kino und wahrem Leben suchen die Figuren ihre eigenen Wege. Ihnen dabei zuzusehen ist nicht immer angenehm, doch stets interessant im besten Sinne und dabei niemals langweilig. Insbesondere für Filmfreunde ist „The Dreamers“ sicher zu empfehlen, wobei man keineswegs alle der zitierten Filme kennen muss – die Begeisterung von Matthew, Isabelle und Theo für das Kino versteht man auch so.
10/10

Confidence

Es passiert nicht wirklich häufig, dass man in der Videothek einen Glückstreffer landet. Mir jedenfalls nicht. Um so schöner, dass sich James Foleys charmanter Gaunerfilm als solcher erwiesen hat. Denn gehört hatte ich von „Confidence“ noch gar nichts, und besonders überzeugt von meiner Wahl bin ich auch nicht nach Hause gegangen. Schon wieder ein Film über kleine Gauner, die einen großen Gauner beklauen und irgendein Ding drehen müssen – eigentlich ist so ein Plot inzwischen (leider) zum cineastischen Unheilsbringer verkommen. Die Besetzung hat mich wohl letztlich überzeugt, die kleine Hoffnung, dass sich die prominenten Namen nicht für totalen Mist hergegeben haben. Erzählt wird in Rückblenden, eingerahmt in ein Verhör zwischen einem unbekannten Gangster und Hauptfigur Jake, das (logischerweise) am Ende der Story steht.Edward Burns, bekannt geworden als Soldat in Spielbergs „Saving Private Ryan“, spielt den cleveren Abzocker Jake Vig. Gleich zu Beginn führt er dem Zuschauer am Beispiel von Lionel Dolby mal vor, nach welchem immergleichen Schema er zusammen mit seinem Team arglose Menschen um ihr Geld bringt. Der Plan funktioniert wie üblich, doch es gibt einen Haken an der Sache. Denn die Kohle gehört Obergangster „King“ (Dustin Hoffman), und nach kurzer Zeit kommen dessen Schergen den Jungs auf die Spur. Um schlimmeres zu verhindern trifft sich Jake mit ihm, und handelt einen Vergleich aus. Er erklärt sich bereit, für King j auszunehmen, wen immer der behumst sehen wolle. Kings Wahl fällt auf den skrupellosen Großbanker Morgan Pryce, weshalb Jake es nicht leicht hat, seinen Kumpels und Mittätern Gordo und Miles (Paul Giammatti und Brian Van Holt) die Sache schmackhaft zu machen.

Zu den Dreien gesellt sich noch Lupo, der als Kings Aufpasser fungieren soll und die schöne Taschendiebin Lily (Rachel Weisz). Außerdem spielen in dem folgenden Coup noch zwei Polizisten mit, sowie ein zwielichtiger FBI-Agent namens Gunther Butan, gespielt von einem fast nicht wieder zu erkennenden Andy Garcia. All diese Charaktere sind nicht eben glaubwürdig, wirken aber echt genug, um interessant zu sein und die vertrackte Story mit Leben zu füllen. Entscheidend für den Erfolg des Films ist nicht das WAS passiert, sondern WIE es passiert. Elegant und leichtfüßig inszeniert Foley das Geschehen, und kommt dabei niemals aus dem Tritt. Mit den Erwartungen seines Publikums spielt „Confidence? ganz selbstverständlich, und möglicherweise können besonders smarte Zuschauer den Braten schon früh riechen. Der Witz dabei ist jedoch, dass beinahe jede Szene genug Schau- und Unterhaltungswerte enthält und so niemals Langeweile aufkommen kann, die dazu verführen könnte, über alles mal ganz genau nachzudenken. Dieses Lob gebührt sicher auch dem Drehbuchautoren, Doug Jung.

Gemessen an dem, was an doppelten Böden und Falltüren in Hollywood zur Zeit zu finden ist, nimmt sich „Confidence“ gar ein wenig altmodisch aus. In einem Gaunerstück wie diesem dürfen ein paar Kniffe und Überraschungen nicht fehlen, aber zum Glück übertreibt man es nicht. Die Erzählstruktur erinnert an alte Noir-Klassiker wie „Out of the Past?, aber Zitate oder Anspielungen gibts es nur wenige. Insgesamt ergibt das keinen wirklich außergewöhnlichen Film, wie etwa jüngst Neil Jordans „The Good Thief“ oder Stephen Frears „Grifters“, aber der Film erreicht mit bescheidenen Mitteln, woran zahlreiche Großproduktionen (siehe S.W.A.T.) scheitern – er unterhält und amüsiert sein Publikum über die gesamte und angemessene Laufzeit von 92 Min.. Deswegen muss man den Film sicher nicht gesehen haben, aber man macht bestimmt auch nichts falsch damit.
7/10

The Truth About Charlie

Eine hübsche junge Witwe kommt in den Besitz von Millionen von Dollar. Ihr toter Exmann (jener namensgebende Charlie) war nicht nur Kunsthändler, sondern wie sich herausstellt auch Elitesoldat. Jetzt ist seine damalige Einheit hinter der Kohle her, dazu die CIA und ein symphatischer Unbekannter. So ungefähr liest sich der Klappentest dieser Verleih-DVD. Achso, der Film spielt in Paris, Regie führt Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) und die Hauptdarsteller sind Mark Wahlberg, Tim Robbins und Thandie Newton („M:I2“). Verglichen mit dem, was sonst noch in den Regalen von „Berolina Multimedia“ stand, hörte sich das nach einem anständigen Deal an.Und als solchen würde ich den Film auch bezeichnen. Das Leben der jungen Witwe Regina steht Kopf, als sie eines Tages aus dem Urlaub zurückkehrt und ihre Wohnung komplett leergeräumt vorfindet, hinzu kommen die oben genannten Enthüllungen, mit denen sie bald konfrontiert wird. In schönen Bildern aus der schönen französischen Hauptstadt schildert Demme sein Verwirrspiel, in dem viele undurchsichtige Personen mit noch undurchsichtigeren Motiven hinter 6 Mio. Dollar her sind, von denen die arme Regina gar nicht weiß, wo sie denn eigentlich sind.

Der Film ist ein Remake von „Charade“, von dem ich Folgendes berichten kann: Gedreht 1963, mit Cary Grant und Audrey Hepburn in den Hauptrollen. Die Story wurde sicher aktualisiert, aber wen kümmerts, solange man das Original nicht gesehen hat (Hat irgendwer?). Ein Plot wie dieser kann von mittelmäßigen Filmschaffenden leicht in den Sand gesetzt werden. Dass Demme dies vermeiden konnte ist wenig überraschend, der Mann ist schließlich vom Fach. Die Besetzung spielt dabei eine wichtige Rolle, ebenso die gekonnte Vermischung von Spannung und Leichtigkeit, die den Film unterhaltsam macht. Auch zeigt sich hier mal wieder, dass ein gelungener Thriller nicht von einer Schießerei in die nächste hetzen muss, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Es geht zum Glück auch anders.

Große Filmkunst bietet „The Truth About Charlie“ nicht, dafür gelungene und stilvolle Unterhaltung, eine Hauptdarstellerin, für die man das Wort „süß“ dringend erfinden müsste, wenn es das nicht schon längst gäbe. Tim Robbins spielt eine kleine, aber feine Rolle. Als Nebendarsteller ist der Mann zur Zeit echt ein Hit, siehe auch und vor allem seine Steven Seagal-Persiflage in „High Fidelity“. Als Hauptdarsteller hat er wohl gerade eine Schwäche bei der Filmauswahl (siehe, oder besser siehe AUF KEINEN FALL „Start-Up“). Gute Mischung also, und gut angelegte 2 Euro für alle Freunde des gepflegten Thriller-Potpourris.

7/10

Go

„Go“ ist Doug Limans zweiter Film nach dem Überraschungserfolg „Swingers“. Der Regisseur beschäftigt sich wieder mit jungen Leuten, diesmal jedoch mit einem noch höheren Erzähltempo, einer „Pulp Fiction“-artigen Struktur und ohne den melancholischen Ernst des Vorgängers. Im Mittelpunkt seines Filmes stehen drei Gruppen, die alle auf die ein oder andere Art in einen kleinen Drogendeal verwickelt sind. Verkäuferin Ronnas Weg kreuzt den der beiden Soap-Stars Adam und Zack. Aus einem kleineren Ecstasy-Deal entwickelt sich eine mittelschwere Katastrophe. Ganz nebenbei ist eine dritte Gruppe unterwegs nach Las Vegas, anscheinend ein wiederkehrendes Liman-Motiv.Dieser inszeniert seine Geschichten mit sicherer Hand und einem guten Gespür dafür, welche Richtung der Film nehmen muß, um nicht inmitten von verschiedenen Erwartungen an die Story zu implodieren. So wie er seine Charaktere zunächst auf eine haarsträubende Reise schickt, so holt er sie am Ende wieder in die Normalität zurück, ohne dem Geschehen damit in den Rücken zu fallen.

Die Handlungsstränge, die sich alle an einigen Punkten wiedertreffen, sind allesamt so unterhaltsam wie überzogen. Der Film geht sein hohes Tempo bis zum Schluß, und er bezahlt das natürlich in Teilen mit seiner Glaubwürdigkeit – was allerdings nicht wirklich stört. Ich sehe den Film als reine Komödie mit Anleihen bei der Realität, nicht anders herum. Die hierzulande weitgehend unbekannten Schauspieler machen einen guten Job, und so ergibt sich ein kurzweiliges Vergnügen, ein Film, der sich verpflichtet fühlt seine zumeist jungen Zuschauer zu unterhalten. Und das tut er auch ? mit der Konsequenz, daß nicht so junge Zuschauer möglicherweise wenig Gefallen am Geschehen finden könnten.

4/5

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