Kurzkritik: 4 Blocks Staffel 2

Das wird jetzt hier wie ein vernichtendes Urteil klingen, aber so ist es nicht gänzlich gemeint. Die Serie hat ihre Qualitäten, und sie muss ‚auf dem Markt bestehen‘. Immerhin ist „4 Blocks“ kein öffentlich-rechtlich gefördertes Prestige-Objekt, sondern ein kommerzielles Produkt, das es im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit Dutzenden teuren US-Produktionen aufnehmen muss.

Beginnen wir mit dem größten Problem. „4 Blocks“ schafft es nicht, seine Figuren wirklich zu entwickeln. Clanchef Ali „Toni“ Hamadi macht, was er immer macht – er regelt alles, aber keiner dankt es ihm. Seine Crew ist sinnlos aggressiv und/oder unfähig, strategisch zu denken. Seine Frau Amara ist stolz, will aus dem Gangsterleben raus, hat aber auch (zurecht) Angst vor dem Ausstieg – handelt jedoch immer nur auf der Basis eines dieser Gefühle, nie als ganzheitliche Person. Alis Bruder Abbas verkommt noch mehr als in Staffel 1 zur Selbstkarikatur, hat zudem mit dem eigentlichen Plot wenig zu tun.

Die Kämpfe um den Drogenmarkt gehen weiter. Toni will raus aus dem Geschäft (klassisches „Der Pate 3“-Territorium), übernimmt es dafür aber erstmal komplett. Die Rivalität mit den Al-Saafis geht weiter, ist aber insgesamt – trotz aller Finten – zu einfach gestrickt. Was wiederum an der schon erwähnten nicht-existenten Figurenentwicklung liegt. Tonis Gehversuche in Richtung Legalität sind zum Scheitern verurteilt, er hat den Staat (will sagen die Polizei) gegen sich, und auch die Welt der Berliner Immobilienhaie (in die er sich einkaufen will) hat nicht gerade auf ihn gewartet. Die Dialoge sind oft einfach nur platt, auch wenn die Macher hier sicher lieber von „authentisch“ reden. Und sie wiederholen sich zum Teil bis hin zum genauen Wortlaut.

Die sehr vereinfachte (bis schlichtweg schwachsinnge) Sichtweise „Gangster gegen Staat“ bleibt ebenfalls, an Ambilvalenz und Nuancen mangelt es. „4 Blocks“ ist als Krimi/Thriller handwerklich solide, aber das Niveau der Story (und des  Szenarios) riecht eher nach einem Tatort als nach den „Sopranos“. Retten kann die Show nur, dass es einige Momente und Figuren (wie Maruf, Amara und Djamila) gibt, die das Prädikat „Drama“ wirklich verdient haben.

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