Filmkritik: My Week With Marilyn

My Week With Marilyn„My Week With Marilyn“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes aus reichem Hause, der anno 1956 in London um jeden Preis ins Filmgeschäft einsteigen will. Colin (Eddie Redmayne) belagert das Büro der britischen Schauspiellegende Laurence Olivier (Kenneth Branagh), bis man ihn als Assistenten einstellt. Olivier plant – als Regisseur und Hauptdarsteller – einen Film dem Marilyn Monroe (Michelle Williams), die für ihr schwieriges Verhalten bei Dreharbeiten berühmt ist, den nötigen Glanz verleihen soll. Tatsächlich gerät der Dreh beinahe zum Desaster, und Colin ist mittendrin in den Wirren zwischen Olivier, seinem Team und dem schwierigen Filmstar aus Übersee.

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Oscars 2012 – Kurze Nachbetrachtung

Nun ist es wieder vorbei, das Spektakel. Ohne größere Überraschungen und mit einer sehr soliden Leistung von Host Billy Crystal. Dessen Witze zündeten meist („Welcome to the Chapter 11 Theatre“), auch der Kurzfilm am Anfang war gelungen. Störend fiel da höchstens auf, dass Crystal (seit man ihn das letzte mal vor 10 Jahren irgendwo gesehen hat) beim Schönheitschirurgen war und er im Ergebnis ein bißchen aussieht wie seine eigene Tante. Aber wir reden schließlich von Hollywood, da sind derlei Nachbesserungen nun mal an der Tagesordnung. Mögen muss man das trotzdem nicht.

Auch wenn ich längst nicht alles richtig getippt habe gab es bei der Vergabe der Preise wenig Abweichungen von dem, was allgemein erwartet wurde. „The Artist“ gewann die wichtigen Preise (Regisseur, Hauptdarsteller, Bester Film), „Hugo“ räumte bei den technischen Kategorien ab (Ton, Effekte, Art Direction, Kamera). Bei den Drehbuchpreisen kamen „Midnight in Paris“ und „The Descendants“ zum Zuge, denn da schwächelten die Favoriten am ehesten. „Hugo“ ist nicht so ganz aus einem Guss erzählt, die Story von „The Artist“ passt auf einen Bierdeckel – da hat die Academy wie ich finde alles richtig gemacht.

Wobei – nicht alles, „Tinker Tailor Soldier Spy“ hätte gern anstelle von „The Descendants“ gewinnen können. Dieses Fass will ich aber gar nicht aufmachen, denn das gilt letztlich mindestens auch für Gary Oldman als Hauptdarsteller, der längst einen Oscar verdient hätte. Die Academy bleibt sich da treu und wird ihm wohl irgendwann für eine schwächere Rolle (irgendwas historisches bestimmt) dann eben ein andermal einen geben.

An den Grundproblemen der Zeremonie selbst hat sich wenig geändert. Am Anfang und zwischendrin hat die ganze Sause einen ordentlichen Zug zum Tor, bevor etwa eine Stunde vor Schluss die Geduld schon über die Maßen strapaziert ist – und dann erstmal die Kurzfilme dran kommen. Weniger wäre schon sein Jahren mehr, aber die Produzenten der Show sind ungefähr so lernfähig wie die Musikindustrie um die Jahrtausendwende. Geschenkt.

 

Filmkritik: Hugo Cabret (3D)

Hugo CabretMartin Scorsese, berühmt für Mafiafilme und Thriller wie „Goodfellas“, „Casino“ oder „The Departed“, wildert in seinem neuen Film im Terrain seines Kollegen Steven Spielberg. „Hugo Cabret“ ist die Geschichte eines Jungen, der im Paris der 30er Jahre seinen Vater verliert und sich allein in der Welt seinen Platz suchen muss. Zugleich verneigt sich Scorsese mit seinem Film vor den Ursprüngen des Kinos im Allgemeinen und vor dem Illusionskünstler und Filmpionier Georges Méliès. Zum ersten mal hat er dabei in 3D gedreht, was dem Film einige der schönsten Szenen beschert, die diese Technik bisher hervor gebracht hat.

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Outguess Edzehard – Meine Oscar-Tipps 2012

In knapp einer Woche ist es soweit und die Academy Awards werden vergeben, höchste Zeit also meine Tipps bekannt zu geben. „Hugo“ habe ich zwar noch nicht gesehen (Rezension kommt am Mittwoch), der kann ja mit 11 Nominierungen nicht ganz vernachlässigt werden. Sei es drum, „War Horse“ und „The Help“ habe ich mir gleich ganz geschenkt, und „The Tree of Life“ habe ich in drei Etappen gesehen, auch keine echte Grundlage für eine Bewertung.

Die komplette Liste der Nominierungen findet sich hier, wer mitmachen will postet seine/ihre Tipps bitte einfach unter Angabe einer gültigen Emailadresse in die Comments dieses Beitrags. Die Kurzfilm-Kategorien werden traditionell geschenkt, denn die Filme kennt ja – seien wir ehrlich – sowieso keiner.

Wie immer entsprechen die Tipps in keiner Weise meinen Ansichten, wer jeweils gewinnen sollte. Das wäre auch schwierig, denn Kirsten Dunst ist ja für „Melancholia“ ebenso wenig nominiert wie Albert Brooks für „Drive“. So wie ich das sehe, werden die wichtigsten Preise an „The Artist“ gehen, „Hugo“ räumt eine Menge technische Kategorien ab, und in den Drehbuch-Kategorien werden Trostpreise vergeben. Sollte diese Annahme schon in der Tendenz falsch sein wird es nicht schwer sein besser zu tippen als ich…

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Filmkritik: Krieg der Götter (Immortals)

Krieg der Götter (Immortals)Auf dem Filmplakat von „Immortals“ (Originaltitel) steht ziemlich groß „Von den Produzenten von ‚300‘“ drauf. Das ist mehr als nur ein kleiner Hinweis darauf, was man von dem Film erwarten kann, denn man spricht ja nicht umsonst gezielt jene Zielgruppe an, die an der Spartaner-Schlacht ihren Spaß hatte. Sicher eine sinnvolle Herangehensweise, denn wer kein Vergnügen an „300“hatte, der wird „Krieg der Götter“ schwerlich etwas abgewinnen können. Regisseur Tarsem Singh (bekannt für effekt-lastige Filme wie „The Cell“) hat ein visuell beeindruckendes Spektakel inszeniert, kann dem Publikum aber keine interessanten Figuren bieten.

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Filmkritik: Pakt der Rache (Seeking Justice)

Pakt der Rache (Seeking Justice)Es ist bekannt und trotzdem immer noch traurig, dass Nicolas Cage zum B-Movie-Schauspieler mutiert ist, weil er seine als A-List-Star verdienten Millionen irgendwelchen Windeiern anvertraut hat, die sie verjuxt haben. In den letzten fünf Jahren hat er mit wenigen Ausnahmen („Knowing„, „Bad Lieutenant„) ausschließlich bei bestenfalls mittelmäßigen Produktionen mitgewirkt, und auch wenn „Seeking Justice“ kaum als Tiefpunkt gelten kann (denn was wäre dann „Season of the Witch„?!) wird das offenbar nicht besser.

Der Film beackert das Genre des Rache-Thrillers, allerdings nicht in der klassischen „Ein Mann sieht Rot“-Variante. Cage spielt den Lehrer Will, der an einer Schule in einem armen Stadtteil von New Orleans unterrichtet. Seine schöne junge Frau, die Musikerin Laura (January Jones), wird eines Tages brutal überfallen und vergewaltigt. Will ist natürlich geschockt, aber das Drehbuch hat mitgedacht und schickt ihm gleich im Krankenhaus ominösen Besuch. Ein Mann der sich Simon nennt (gespielt von Guy Pearce aus „Memento“) eröffnet ihm, dass er für eine Organisation arbeitet, die Übeltäter wie den Peiniger seiner Frau aus dem Verkehr ziehe. Und er weiss (woher auch immer), wer der Schuldige ist und wo er wohnt. Will lässt sich auf den Deal ein, als Gegenleistung sagt er zu, der Organisation in Zukunft mal ‚einen Gefallen‘ zu tun.

Was dann folgt kann man sich schon denken, natürlich ist es mit einem einfachen Gefallen nicht getan und Will gerät in arge Bedrängnis. Leider ist nicht nur der Plot ziemlich unglaubwürdig, der Film hat auch sonst nichts zu bieten. Die Darsteller geben sich keine große Mühe, den absolut unlogisch handelnden Figuren irgendwie zu Glaubwürdigkeit zu verhelfen, von Chemie zwischen Nic Cage und January Jones kann auch wahrlich keine Rede sein. „Seeking Justice“ hangelt sich mehr schlecht als recht von Szene zu Szene seiner (genauso bekloppten) Auflösung entgegen, ohne dass man dem Geschehen groß etwas abgewinnen könnte.

Die Themen Selbstjustiz oder Verwahrlosung der Gesellschaft sind nur Aufhänger für die Story und werden nicht weiter behandelt, New Orleans wurde als Setting wohl wegen der Steuervorteile gewählt, die Filmcrews dort gewährt werden. Von Anfang bis Ende machen Inszenierung, Darsteller und Story einen amateuerhaften Eindruck, dem lediglich das professionelle Produktionsdesign entgegen wirkt. Ein Rätsel bleibt mir auch, warum Regisseur Roger Donaldson bei dem Blödsinn mitmacht. Der bewegt sich mit Filmen wie „White Sands“, „Thirteen Days“ oder „The Bank Job“ eigentlich in einer ganz anderen Liga. Sei es drum, der Film wird in Deutschland unter dem Titel „Pakt der Rache“ in Kürze im DVD-Regal auftauchen und sollte dort ignoriert werden.

2/5

 

Filmkritik: Extrem laut & unglaublich nah

Extrem laut und unglaublich nahWenn ich von einem Film weiss, dass mit Sandra Bullock und Tom Hanks gleich zwei Schauspieler mitwirken, die ich nicht sonderlich gerne sehe, dann bin ich natürlich skeptisch. Und dazu hat man im Falle von „Extrem Laut & Unglaublich Nah“ auch allen Grund, denn der Film ist ein ziemlich unstimmige und dröge Angelegenheit geworden. Ich bin mir sogar recht sicher, das Fans von Hanks oder Bullock das auch nicht anders sehen werden. Die beiden spielen die Eltern des 11-jährigen Oscar, einem Jungen mit gestörtem Sozialverhalten auf der Grenze zum Asberger-Syndrom. In den ersten Minuten zeigt der Film, wie wunderbar hingebungsvoll sich Vater Thomas (Hanks) um seinen wissensdurstigen, von vielen Ängsten geplagten Sohn kümmert.

 

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Filmkritik: The Descendants

The DescendantsIn der Kategorie „Beknackter Untertitel“ liegt „The Descendants“, der neue Film von „Sideways“-Regisseur Alexander Payne, ziemlich weit vorne. Der deutsche Verleih gab ihm den sinnfreien Slogan „Familie und andere Angelegenheiten“ mit auf den Weg in die Kinos. Nicht, dass es nicht um Familie und andere Angelegenheiten gehen würde, aber so platt hätte man das ja nicht mitteilen müssen. Egal. In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Kaui Hart Hemmings spielt George Clooney den Anwalt Matt King, einen Erben der alten hawaiianischen Königsfamilie. Matt ist ein netter Kerl in der Krise. Seine Frau Elizabeth liegt nach einem Bootsunfall im Koma, er muss sich plötzlich um seine beiden Töchter kümmern – hat aber keine Ahnung wie das geht…

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Filmkritik: Aushilfsgangster (Tower Heist)

Aushilfsgangster (Tower Heist)Josh Kovacs (Ben Stiller) hat einen guten Job als Chef vom Dienst in einem noblem New Yorker Apartment-Hochhaus direkt am Central Park. Mit seinen Kollegen – allesamt mit ganz und gar alltäglichen persönlichen Sorgen kämpfend – gibt er sich alle Mühe, den reichen Bewohnern jeden Wunsch von den Lippen abzulesen und ihnen den Alltag zu versüßen. Mit dem Finanzmagnaten Shaw (Alan Alda), der das Penthouse inklusive Pool auf dem Dach bewohnt, spielt er auch gern mal eine Partie Schach. Doch mit dieser scheinbaren Idylle ist es schnell vorbei.

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Filmkritik: We Need To Talk About Kevin

We Need To Talk About KevinVor ungefähr zwei Jahren war in einer Überschrift bei SpiegelOnline zum Thema schwer erziehbare Kinder zu lesen „Kevin ist kein Name, Kevin ist eine Diagnose“. Aber vielleicht ist es auch Zufall, dass sich die Macher des Indie-Dramas „We Need To Talk About Kevin“ diesen Namen ausgesucht haben. Tilda Swinton spielt Eva, John C. Reilly ihren Ehemann Franklin, die beiden haben gerade ihr erstes Kind bekommen. Weil der Film zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her pendelt ist dem Publikum früh klar, dass es mit der Familie kein gutes Ende genommen hat…

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Filmkritik: Dame, König, As, Spion

Dame König As Spion (Tinker Taylor Soldier Spy)„Dame, König, As, Spion“ ist im Genre des Agentenfilms der absolute Gegenentwurf zu Filmreihen wie „Mission: Impossible“ oder den Bondfilmen. Es gibt keine charmanten Alphatiere, die reihenweise Gegenspieler niedermähen und schöne Frauen vernaschen, es gibt keine Actionszenen und keinen Bösewicht, der die Weltherrschaft an sich reißen will. Zumindest keinen mit einem Kätzchen im Arm… Um die Weltherrschaft geht es über Umwege schon, denn der Film – eine Adaption des gleichnamigen Romans von John LeCarré – spielt Anfang der  70er Jahre, also mitten im Kalten Krieg.

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Filmkritik: Die Drei Musketiere

Die Drei Musketiere (2012)Mantel-und-Degen-Filme habe ich noch nie gemocht, daher habe ich mit „Die Drei Musketiere“ im Kino gespart und bin einigermaßen überrascht, dass ich ihn mir überhaupt angesehen habe. Auf der einen Seite hat sich das gelohnt, denn der Film hat einige sehr schöne und hervorragend choreographierte Actionszenen zu bieten. Gleich zu Beginn, in einem wohlgeplanten Coup in Venedig, bei dem die drei Helden geheime Pläne für ein ominöses Kriegsgerät an sich bringen, geht es rasant und virtuos los…

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Filmkritik: The Rum Diary

The Rum DiaryAuf keinen anderen Film habe ich länger gewartet als auf diese Verfilmung von Hunter S. Thompsons Frühwerk „The Rum Diary“, das erst 1998 erstmalig veröffentlicht wurde. Knapp 10 Jahre dauerte es von der ersten konkreten Idee einer Adaption bis zum fertigen Film. Johnny Depp spielt darin zum zweiten mal (nach „Fear & Loathing in Las Vegas“) ein Alter Ego des 2005 verstorbenen Autors, diesmal mit dem Namen Paul Kemp. Kemp ist ein erfolg- und zielloser Schriftsteller, der im Jahre 1960 mangels Alternativen eine Stelle als Redakteur beim San Juan Star in Puerto Rico antritt.

Die Zeitung ist bei seiner Ankunft in einem erbärmlichen Zustand, sie dient nur dazu den urlaubenden US-Amerikanern ein geschöntes Bild der realen Zustände in Puerto Rico zu vermitteln. Die meisten Mitarbeiter sind verkrachte Existenzen, viele davon Alkoholiker. Kemp passt also eigentlich ganz gut rein, immerhin beschreibt er seine Trinkverhalten gegenüber dem cholerischen Chefredakteur Lotterman (Richard Jenkins) als „on the upper end of social“ – was deutlich untertrieben ist.

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Filmklassiker: „Sherlock Jr“ & „The General“

The GeneralWährend hierzulande wohl jeder Charlie Chaplin kennt ist sein ewiger Rivale Buster Keaton nur wenigen ein Begriff. Dabei war Keaton in den 1920er Jahren ein großer Star, der bei seinen Filmen nicht nur vor der Kamera stand sondern meist auch Drehbuch und Regie übernahm. Wegen seines stoischen Gesichtsausdrucks wurde er auch „The Great Stone Face“ genannt. Soweit ich das nach zwei Filmen sagen kann hat Keaton gerne – ähnlich wie Chaplin – gutmütige, etwas tollpatschige Loser gespielt, die über sich hinauswachsen.

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