Immer Drama um Tamara

Zugegeben, der Originaltitel „Tamara Drewe“ ist nicht sonderlich originell. Aber die deutsche Übersetzung „Immer Drama um Tamara“ klingt nicht nach einem Film, den man gerne sehen will. Dabei lohnt sich die Mischung aus romantischer Komödie und kleinem Gesellschaftsdrama, die „High Fidelity“-Regisseur Stephen Frears gedreht hat, sofern man sich für einen Film erwärmen kann, der in einem verschlafenen englischen Kaff spielt.

Nach zehn Jahren kehrt Tamara Drewe (Gemma Arterton) zurück in ihr Heimatdorf. Sie erwägt, das Haus ihrer verstorbenen Mutter zu verkaufen. Ihre Rückkehr wird im Dorf mit einigem Interesse notiert, denn Tamara hat sich sehr verändert – sie hat ihre markante Gurkennase richten lassen und sich so vom hässlichen Entlein zum zum schönen Schwan gewandelt. Die Männerwelt ist hin und weg.

Als weitere handelnde Personen treten u. a. Tamaras Ex-Freund Andy, zwei Schriftsteller, ein Rock-Star und zwei gelangweilte Teenie-Mädchen auf, deren Wirken das Geschehen maßgeblich bestimmt. Natürlich geht es dabei um Beziehungskisten, persönliche Krisen und neue Chancen. Was der Film in da anbietet ist nicht neu, wird aber wunderbar angerichtet, witzig, niveauvoll und getragen von einem herrlichen Schauspieler-Ensemble.

Ein großes Publikum wird „Tamara Drewe“ sicher nicht erreichen, wer aber kleine Gesellschaftskomödien mit typisch britischem Humor mag kann bedenkenlos zugreifen. Zum großen Wurf fehlt dem Geschehen das gewisse Etwas, aber ich denke er will gar nicht mehr sein als eben ein feines Drama mit einer großen Portion Humor.

4/5

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Black Swan

Ein wenig Überwindung hat es mich schon gekostet, mir einen Ballett-Film anzusehen. Letztlich überwog aber deutlich die Neugier, ob der neue Film von „The Wrestler“-Regisseur Darren Aronofsky tatsächlich so gut ist, wie man hört. Und „Black Swan“ ist ein sehr guter Film geworden, mit exzellenten Darstellern und einer interessanten Story. Von einem Meisterwerk würde ich nicht sprechen, aber der Gang ins Kino lohnt sich allemal.

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Tänzerin Nina (äußerst abgemagert: Natalie Portman), die nach dem ungewollten Abtritt des weiblichen Stars die Chance wittert, in der nächsten Produktion des Hauses die Hauptrolle zu spielen. Der künstlerische Leiter Thomas Leroy (Vincent Cassel) plant eine Aufführung von „Schwanensee“. Er hält Nina zwar für die beste Tänzerin, bezweifelt aber, dass sie auch als dunkler Schwan überzeugen kann – denn die Doppelrolle erfordert nicht nur technische Präzision, sondern auch Leidenschaft und Hingabe.

Völlig auf die Rolle und ihr Training fixiert verliert die allein bei ihrer Mutter lebende Nina langsam die Kontrolle. Sie wird von Halluzinationen heimgesucht, das erotisch aufgeladene Verhältnis zur neuen Kollegin Lily (Mila Kunis) nimmt sie verzerrt wahr, der Druck von Thomas wird immer größer. Ähnlich wie die Hauptfiguren in Aronofskys „Requiem for a Dream“ ist Nina in einem Abwärtsstrudel gefangen, aus dem es – scheinbar – kein Entkommen gibt.

Die Stärken des Film liegen einerseits in der präzisen, großartig ausgestatteten Inszenierung, die beträchtliche Spannung erzeugt. Auch als nicht-Ballett-Fan kann man die Choreographien und den herrlichen Soundtrack von Clint Mansell genießen. Außerdem trumpfen die Darsteller hier ganz groß auf, allen voran Natalie Portman, die die Besessenheit und die innere Zerrissenheit ihrer Figur äußerst überzeugend auf die Leinwand bringt. Die kürzlich bekannt gewordene Oscar-Nominierung ist völlig gerechtfertigt.

Vincent Cassel glänzt ebenfalls in der Rolle des erfahrenen und manipulativen Choreographen, macht aus ihm eine beeindruckende Präsenz, gerade im Zusammenspiel mit den Tänzerinnen. Barbara Hershey als Ninas Mutter, Mila Kunis als Konkurrentin Lily und Winona Ryder als verbitterte Diva runden die erstklassige Besetzung ab.

Als einzige Schwäche kann man „Black Swan“ vorwerfen, dass seine Story – wenn auch sehr geschickt – viele andere Filme zitiert und nicht ganz so innovativ ist, wie man vielleicht gehofft hat. Dramaturgisch und vom Timing her stimmt alles, doch wer in den letzten Jahren viele gute Dramen (auch von Aronofsky selbst) gesehen hat, der wird vom – trotzdem grandiosen – Ende nicht sonderlich überrascht sein. Das ist aber wahrlich kein Grund, den Film zu meiden, sondern nur ein kleiner und verzeihbarer Schönheitsfehler.

4/5

Love and Other Drugs

Jamie Randall (Jake Gyllenhaal) ist ein echtes Verkaufstalent. Und ein großer Casanova, was ihn gleich am Beginn des Films seinen Job in einem Elektronik-Laden kostet. Über seinen genialen und infantilen Bruder gerät er in das Trainingsprogramm des Pharma-Riesen Pfizer, wo er seine Karriere im großen Stil neu zu starten gedenkt. Mit dem Vertriebsveteranen Bruce bekommt er einen Landstrich im Mittleren Westen zugeteilt, die Vorgabe ist klar: Umsätze steigern.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt das auch ganz gut. Dann lernt der Charme-Bolzen die schöne Maggie Murdock (Anne Hathaway) kennen, die an Parkinson leidet, und damit beginnt der dramatisch-romantische Teil des Films. Womit wir bei dem entscheidenen Wort wären – denn trotz aller Bemühungen des Drehbuchs zerfällt „Love and other Drugs“ in Einzelteile. Der Film als ganzes ist nett anzusehen, findet jedoch nie wirklich zu sich selbst und kann er daher auch nur bedingt überzeugen, trotz vieler guter Ansätze und Ideen.

Das ganze beginnt als Beinahe-Satire auf die US-Gesellschaft und ihre Obsession mit allen möglichen Pillen. Die großen Konzerne geben Umsummen aus, um die Ärzte auf ihre Produkte einzuschwören, um damit noch viel größere Unsummen zu verdienen. Das Wohl der Patienten oder der Gesellschaft spielt dabei keine Rolle. Dann ändert sich der Fokus hin zur romantischen Komödie, aus der langsam auch ein Melodram wird, wobei parallel noch von der berüchtigten Markteinführung des Potenzmittels Viagra erzählt wird.

Jake Gyllenhaal überzeugt als hedonistischer Egomane, kann auch die Wandlung in seiner Figur einigermaßen glaubwürdig machen – doch auf letzten Metern geht seiner Darstellung etwas die Luft aus. Anne Hathaway lässt Maggie sympathisch erscheinen und meistert die dramatischen Momente, richtig interessant ist die Figur aber nicht geraten.

„Love and Other Drugs“ lässt seine Hauptdarsteller erstaunlich viel Haut zeigen, sehr viel mehr als üblich in Hollywood. Das hat seinen Reiz, schließlich sind die beiden äußerst fotogen. Doch die Story wird dadurch nicht besser oder realistischer, und in einigen Momenten ist das Gepose schon wieder störend – was vor allem für Gyllenhaal gilt, dessen Figur ungleich aggressiver auftritt.

Die erste Stunde des Films ist eindeutig die bessere, es darf gelacht und geschmunzelt werden, sowohl über die Figuren wie auch über das Metier, in dem sie sich bewegen. Auch ein paar gute Nebenrollen sorgen für Unterhaltung, unter anderem Josh Gad als Jamies Bruder. Nach hinten raus begibt sich der „Love and Other Drugs“ dann in allzu vorhersehbare Gewässer und landet damit insgesamt und trotz der großen Ambitionen eher im Mittelfeld, sowohl im komödiantischen wie auch im dramatischen Fach.

3/5

Black Sheep (DVD, nachgereicht..)

Keine Ahnung, wie ich „Black Sheep“ anno 2007 verpassen konnte, aber ich habe es geschafft. In dem neuseeländischen Film mutieren tausende Schafe auf einer abgelegenen Farm zu Killer-Bestien, die mit lautstark-aggressivem „Määähh!“ auf ihre menschlichen Opfer losgehen. Das ganze ist – man ahnt es schon – eine einzige und extrem blutrünstige Farce, aber für den gepflegten Videoabend (je nach Besetzung) auch einfach GENAU der richtige Film.

So etwas wie eine Rahmenhandlung gibt es in „Black Sheep“ auch, und die ist gar nicht mal so schlecht. Erwähnt werden muss sie im Detail aber trotzdem nicht, denn letztlich geht es nur um den Spaß, den vermeintlich friedlichen Schafen bei ihren Attacken zuzusehen. Weil Gen-Experimente im Spiel sind treten sogar Zwitterwesen aus Mensch und Schaf auf – eine weitere Geschmacklosigkeit, die richtig Spaß macht.

Das bunte Treiben ist mit knapp 90 Minuten nicht zu lang geraten, die Macher haben schon gemerkt, wann sie ihr Pulver verschossen haben. Für Feingeister und Menschen, die kein Blut (oder Gedärme, oder große Haufen toter Tiere/Menschen) sehen können ist der Film nichts, aber das sieht man dem Cover schon an. Trash- und Splatter-Fans dagegen kommen voll auf ihre Kosten.

4/5

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Oscars 2011: And the nominees are…

Hier nun die Liste mit den heute erschienenen Nominierungen der Academy. Auf den ersten Blick habe ich nur eine Überraschung gesehen, und zwar fehlt Christopher Nolan in der Kategorie „Beste Regie“. Angesichts der Tatsache, dass „Inception“ für mich der beste Film des Jahres war halte ich das natürlich für Quatsch.

Immerhin, John Hawkes und Jennifer Lawrence sind als Darsteller für den großartigen „Winter’s Bone“ nominiert, und auch der Film selber ist im Rennen für den Hauptpreis. Von den 10 Filmen, die als „Best Picture“ nominiert sind, habe ich erst 4 gesehen, ich hoffe das ändert sich noch. Mein Tippspiel „Outguess Edzehard“ wird wie üblich stattfinden, näheres dazu später.

Im neuen „Batman“: Anne Hathaway als „Catwoman“

Die Vorbereitungen für den nächsten Film der Reihe, der wohl „The Dark Knight Rises“ heissen soll, laufen auf Hochtouren. Nun wurde bekannt, dass Anne Hathaway als neue „Catwoman“ dabei sein wird. Sie tritt dabei in die Fußstapfen von Michelle Pfeiffer, die diese Rolle in „Batman Returns“ spielte, und in die von Halle Berry, die sich in dem blutleeren Spin-Off von 2004 an der Figur versuchte. Hathaway, eher bekannt für Komödien a la „Der Teufel trägt Prada“ will sich offenbar ihre Sporen im Action-Genre verdienen – und hat offenbar Regisseur Christopher Nolan überzeugt. Im Sommer 2012 wird man sehen was draus geworden ist…

„The Green Hornet“ – Das läuft so nicht…

Eigentlich wollte ich mir den Film ja auf jeden Fall ansehen, Action im Kino muss mal wieder sein. Aber die Umstände sind zu mies: der Film läuft im Cinestar Potsdamer Platz NUR in 3D und also mit kräftig Aufpreis, soll aber insgesamt und AUCH was die 3D-Effekte angeht ziemlich mies sein. Schätze ich sitze das aus. 3D ist ohnehin nicht so meins, und lahme Actionkomödien auch nicht…

Triage (DVD)

Der bosnische Regisseur Danis Tanovic hat sich wenn mich nicht alles täuscht mit „No Man’s Land“ einen Namen gemacht, doch den Film habe ich irgendwie immer verpasst. Sein neuer Film „Triage“ kommt hierzulande ohne Kinostart auf den Markt, wohl weil der Publikums-Appeal des Dramas eher gering sein dürfte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Scott Anderson, den ich nicht gelesen habe und der nicht mal über amazon.de zu bestellen ist.

Die Handlung spielt in den späten 80ern, als sich die zwei Fotografen Mark (Colin Farrell) und David (Jamie Sives) ins kurdische Krisen- und Kriegsgebiet aufmachen. Nur einer von beiden (Mark, natürlich überlebt der Star des Films) wird nach wenigen Wochen wieder in die Heimat zurückkehren, und es ist das fragliche Schicksal von David, dass das Geschehen dann bestimmt. „Triage“ schreckt vor drastischen Bildern aus dem Krieg nicht zurück, ist aber in erster Linie doch ein persönliches Drama, dass die Charaktere in den Mittelpunkt stellt.

Neben den beiden genannten sind noch Kelly Reilly, Paz Vega und niemand geringeres als Christopher Lee dabei. Das Erzähltempo ist gemächlich, es wird erst mit zunehmender Dauer deutlich, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt. Das ganze ist nicht sonderlich spektakulär, aber durchdacht und sehr gut gespielt. Der kriegerische Konflikt in Kurdistan wird in „Triage“ nahezu unpolitisch behandelt – es geht dem Film weniger um die spezielle Situation als um die generellen Symptome und Probleme von Personen, die in kriegsähnlichen Situationen gewesen sind. Sicher kein Film für die Masse, aber auf jeden Fall einen Blick wert.

4/5

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Howl – Das Geheul

Film-Biographien sind nicht eben mein Lieblings-Genre, doch mit „Howl“ habe ich glatt mal wieder eine gesehen, die Spaß gemacht hat. Das hat mehrere Gründe, nicht zuletzt den, dass ich von Allen Ginsberg – dem US-Literaten um den es geht – kein genaues Bild im Kopf hatte, was der Filmfigur im Wege stehen könnte. Ginsberg, soviel war mir vorher bekannt, ist ein wichtiger Dichter der ‚Beat-Generation‘ der späten Fünfziger Jahre. Wer mal was von William S. Burroughs oder Jack Kerouac gelesen hat, der ist mit dieser Ära ein wenig vertraut.

„Howl“ beschätfigt sich in erster Linie mit Ginsbergs frühen Jahren in New York. Anno 1955 schrieb er „Howl“, einen Gedichtband, dem wegen des Vorwurfs der Obszönität der Prozess gemacht wurde. Der Film enthält mehrere Erzählebenen, die sich immer wieder abwechseln und ergänzen. Der Rahmen wird dabei von einem Interview mit Ginsberg gebildet, dazwischen wird die Gerichtsverhandlung nachgezeichnet, die frühen Jahre des Dichters und die Entstehung von „Howl“ werden gezeigt, außerdem eine Lesung des Autors und immer wieder Animationen, die die Lyrik in eine düstere Zeichentrick-Bildsprache übersetzen.

James Franco weiss in der Hauptrolle zu überzeugen, er bringt Ginsberg als interessanten und glaubwürdigen Charakter auf die Leinwand. Auch die übrigen Schauspieler machen nichts verkehrt, wobei die Rollen von Jon Hamm (als Anwalt von Ginsbergs Verleger), David Strathairn (als Vertreter der Staatsanwaltschaft) und den anderen bekannten Namen (Mary Louise Parker, Jeff Daniels) nicht sehr vielschichtig angelegt sind.

„Howl“ ist ein Pladoyer für eine freiheitliche Lebensweise und eine freie Gesellschaft. Seine Themen vermittelt er treffend und direkt, ohne allzu aufklärerisch daher zu kommen. Wer sich für die Geschichte und Kunst der USA oder Lyrik im Allgemeinen interessiert, der sollte ruhig zugreifen und wird nicht enttäuscht werden – auch wenn der Film den deutlichen Worten des Poeten Ginsberg keine annähernd so deutlichen Bilder spendiert. Ein Publikum jenseits dieser (recht schmalen) Zielgruppe wird „Howl“ hierzulande sicher nicht finden.

4/5

R.E.D. – Älter, Härter, Besser

Zu den Filmen, die ich im Herbst verpasst habe zählt diese All-Star Agentenfilm-Farce mit Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren. Die vier spielen CIA-Agenten, denen irgendwer die Lichter ausknipsen will – obwohl sie friedlich im Ruhestand vor sich hin leben. Willis spielt Frank Moses, der sich zu Beginn von „R.E.D.“ so sehr langweilt, dass er ständig per Telefon mit einer Angestellten der Pensionsbehörde („Weeds“-Star Mary Louise Parker) flirtet, die sich dann nach dem Auftauchen der ersten Killer-Kommandos plötzlich ebenfalls zu den Gejagten zählen muss.

Nach dem lakonischen Beginn nimmt der Film immer mehr Fahrt auf, mischt dabei Humor und Schießereien mit ein paar lustigen Regie-Einfällen. Der Spaß steht eindeutig im Vordergrund, wobei sich die Spielfreude der Figuren recht fix aufs Publikum überträgt. Bruce Willis gibt den lässigen Anführer der Rentner-Gang, Malkovich brilliert als paranoider Sturkopf, Morgan Freeman als altersweises Herz der Truppe und Helen Mirren als rüstige Spionin, die das mit dem Ruhestand nie so ganz ernst genommen hat.

Dazu gesellt sich Mary Louise-Parker, die in dem Chaos (meistens) einen erstaunlich kühlen Kopf behält. Auf Seiten der Bösen ist Karl Urban dabei, in weiteren Rollen sind Ernest Borgnine, Richard Dreyfuss und Brian Cox dabei. Insgesamt ist „R.E.D.“ ein sehr unterhaltsamer, souverän inszenierter Film, der seine Darsteller sehr schön in Szene setzt und vor allem durch Kurzweil und Witz überzeugen kann. Das Road-Movie-Feeling – die Story führt den Film und seine Helden quer durch die USA – steht ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Neue Akzente oder Innovationen sollte man hier nicht erwarten, sondern einfach feines Mainstream-Kino für Freunde von gepflegten Actionkomödien.

4/5

Kino-Highlights 2011 – April bis Juni

Das Frühjahr und der Sommerbeginn sind Blockbuster-Zeit. Ein Blick auf die bereits angekündigten Filme macht leider wenig Hoffnung, dass 2011 ein Film vom Schlage „Inception“ dabei ist, wie üblich dominieren Fortsetzungen das Bild. Immerhin, ein paar Lichtblicke sind dabei, hier eine kurze Zusammenstellung, was auf uns zu kommt. Natürlich sind noch längst nicht alle Termine fest, es kommen also sicherlich noch Filme dazu.

Am 7.4. läuft mit „The Fighter“ der letzte Film an, die früh für einen Oscar im Gespräch waren. Mark Wahlberg spielt „Irish“ Mickey Ward, einen Boxer, den es tatsächlich mal gab (in den 80ern glaube ich), Christian Bale ist als sein Bruder dabei. Boxerdramen sind irgendwie immer auch preisverdächtig, wohl weil sich die männlichen Hauptdarsteller immer so richtig ins Zeug legen, wenn sie harte Kerle mimen. Der andere Neustart der Woche ist „Limitless“, dessen Story etwa so geht: ein smarter Typ (Bradley Cooper) bekommt auf ominöse Weise eine Wunderdroge verabreicht, die ihn in allen Lebensbereichen zum absoluten Gewinner macht. Doch dann ist sein Vorrat erschöpft, und der gute Mann hat ein Problem. Klingt irgendwie sinnlos, aber es könnte ein lustiges „morality play“ werden, wenn das Drehbuch denn diesen Weg gehen will.

Wenn „World Invasion: Battle Los Angeles“ am 14.4. eingermaßen hält, was der Trailer verspricht, dann freue ich mich sehr auf den Film. Das ganze sieht aus wie eine Mischung aus „District 9“, „Independence Day“ und „Black Hawk Down“. Wenn neben den Tricks auch die Story stimmt müsste der Film taugen – krachen wird es angesichts des Themas auf jeden Fall genug!

Am 28.4. geben sich zwei Kandidaten die Ehre, die hier nur stehen weil „Highlight“ ein dehnbarer Begriff ist und ich Optimist bin. Zum einen wäre da „Thor“, der die alte Sage vom Donnergott mit dem hier und jetzt verbindet. Klingt nach Trash, aber wenn Shakespeare-Veteran Kenneth Branagh Regie führt und Personal wie Anthony Hopkins und Natalie Portman involviert ist kann man ja noch Hoffnung haben. Der Trailer sieht okayisch aus. Hinter dem Titel „Fast Five“ verbirgt sich der mittlerweile fünfte Teil der „Fast & Furious“-Reihe, wie schon bei Teil 4 sind Paul Walker und Vin Diesel wieder an Bord – für Unterhaltung wird das ewige Geklaue und Geheize schon reichen, den Gang ins Kino werde ich mir eher klemmen…

Der erste interessante Start, der für den Mai vorgesehen ist nennt sich „Source Code“ und läuft am 5.5. an. Regisseur ist Duncan Jones, der letztes Jahr mit „Moon“ einen guten Eindruck hinterließ. Im Film spielt Jake Gyllenhaal einen Mann, der vom Geheimdienst durch eine Zeitschleuse geschickt wird, um einen Terroranschlag zu verhindern. Oder wenigstens heraus zu finden, wer ihn verübt hat. Im Trailer klingt vieles nach „Matrix“, mal sehen ob der Film auch irgendwie ernsthaft originell ist.

Dann am 19.5. kehren die Piraten zurück, in „On Stranger Tides“. Johnny Depp gibt nochmal den Captain Sparrow, statt Keira Knightley und Orlando Bloom ist u.a. Penelope Cruz dabei. Es wird sicher wieder um verlorene Schätze und Flüche und so Zeug gehen, im Kino tue ich mir den Quatsch allerdings nur an, wenn ALLE sagen, dass der Film was taugt. Ich bezweifle das nämlich ernsthaft – surprise!

Noch keinen Trailer gibt es für den am 2.6. anlaufenden „The Hangover 2“. Teil eins war ja in der Tat recht lustig, mal sehen ob die Autoren noch ein paar Pfeile im Köcher haben. Die alte Besetzung ist wieder dabei, wobei Heather Graham ersetzt wird und eine andere Berühmtheit als Mike Tyson einen Cameo-Auftritt haben wird. Ursprünglich sollte Mel Gibson den Job machen, aber angesichts dessen jüngster Eskapaden wurde die Idee – zu Gibsons Unmut – verworfen.

Ebenfalls noch ohne Trailer ist „X-Men: First Class“. In dem Prequel, das die „Geburt“ der wichtigsten X-Men erzählt, spielen ganz neue Gesichter mit, unter anderem James McAvoy als junger Prof. Xavier, Michael Fassbender als Magneto, Rose Byrne und Kevin Bacon. So wirklich begeistern tut die Aussicht auf einen weiteren Film der Reihe nicht, immerhin ist mit Matthew Vaughn („Layer Cake“, „Kick-Ass“) ein guter Regisseur dabei. Ob sich die Story wirklich lohnt muss eben abgewartet werden – ab dem 9.6. kann man das heraus finden.

Am 16.6. startet die Superhero-Comic-Adaption „The Green Lantern“, und um ehrlich zu sein habe ich den Trailer gesehen, aber völlig vergessen, worum es geht. Und irgendwie scheint der Film die 100. Comic-Verfilmung der letzten 10 Jahre zu sein. Ob er irgendwelche Qualitäten besitzt, die ihn aus der Masse heraus heben können muss mindestens bezweifelt werden, aber irgendwas werden sich die Produzenten bei der teuren Produktion ja gedacht haben. Hoffentlich.

Am letzten Wochenende des hier umrissenen Quartals läuft dann das Anti-Highlight „Transformers – Dark Side of the Moon“ an, das ich hier nur der Vollständigkeit halber erwähne. Michael Bay wird die Blech-Gestalten wieder kräftig hin und her schleudern und sicherlich versuchen, den lahmen Pixel-Overkill von Teil zwei noch zu übertreffen. Das Ganze wird in 3D gedreht, Megan Fox wurde nicht mehr berücksichtigt und wird durch einen anderen heißen Feger ersetzt – und von mir aus könnte der Film auch einfach ausfallen. I couldn’t care less.

Casino Jack (DVD Import)

Aufmerksame Zeitungleser werden vom Fall Jack Abramoff gelesen haben. Anno 2006 wurde der US-Lobbyist zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil seine „Geschäftspraktiken“ größtenteils schlichtweg Betrügereien waren. In „Casino Jack“ spielt Kevin Spacey diesen Mann, und es ist ein großartiger Auftritt. Aus dem Off lässt Spacey/Abramoff das Publikum wissen, wie das Spiel mit Washingtons Mächtigen gespielt wird, und zunächst läuft auch alles wie geschmiert.

Gegen Bezahlung oder gegenseitige Gefallen hilft man sich aus, Abramoff verdient gutes Geld bei seiner Agentur – aber nicht genug, wie er bald entscheidet. Ein Deal mit einem Indianer-Stamm, der ein Casino führt und politische Unterstützung erbittet wird langsam aber sicher zu einer (äußerst lukrativen) Farce. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Michael Scanlon (Barry Pepper) versucht sich Abramoff noch auf vielen anderen Gebieten. Bis zum Ende haben sie das Gefühl, alles im Griff zu haben, aber da ermitteln längst die Behörden, die Mafia ist involviert und das Ende absehbar.

Was die Story – neben der vielen Mauscheleien und Seitenhiebe auf den Politikbetrieb – am Leben hält ist die Hauptfigur. Denn Spacey spielt Abramoff nicht wie die Verkörperung des bösen Kapitalismus, sondern eher als einen kleinen Jungen mit immer größer werdenden Spielzeugen, die ihm über den Kopf wachsen. Das macht ihn nicht sonderlich sympathisch, aber interessant. Denn die Selbstrechtfertigung seines schamlosen Verhaltens ist zentraler Bestandteil des Films.

Der Ton des Films ist recht humorvoll, das Geschehen entfaltet sich als pointenreiches Lehrstück mit einigen ernsteren Momenten. Ins Detail geht „Casino Jack“ eher was das Private angeht, als in Punkto politische Tricksereien. Die werden zwar aufgeführt, doch ohne größere Aufklärarbeit zu leisten. Das ist irgendwie schade, hätte aber wohl den Rahmen gesprengt und nicht so recht ins unterhaltsame Grundprinzip reingepasst.

4/5