Die Top-10 Filme von 2010

Update: Nachdem ich inzwischen auch den Oscar-Gewinner „In Ihren Augen“ gesehen habe sei angemerkt, dass der auf jeden Fall hier in die Liste gehört.


1. Inception

Mit großen Vorschusslorbeeren und ebenso großer Erwartungshaltung seitens des Publikums gestartet war „Inception“ mit Abstand der beste Blockbuster des Sommers – und der einzige, der irgendwie das Gefühl von etwas neuem vermitteln konnte. Sicher, Traumwelten und verschiedene Handlungsebenen sind keine große Neuheit. Doch ist dem Film anzumerken, dass Regisseur Christopher Nolan eine stimmige Idee hatte, wie er seine Story visuell und dramaturgisch umsetzen wollte. Die  – leider extrem seltene – Mixtur aus Unterhaltung, Action und Anspruch ergibt einen sehenswerten Film, den man auch gerne ein zweites Mal sieht. [Kaufen bei amazon.de]

 

2. Ein Prophet
Die Geschichte eines jungen Arabers, der im Gefängnis zum gefährlichen Berufsverbrecher reift, überzeugt durch erzählerische Wucht, feinem Gespür für die Charaktere und eine packende Story. Der Film unterläuft dabei immer wieder die Erwartungen des Publikums, ohne sich dabei aber selbst im Weg zu stehen oder seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Ein großartiger Gefängnisfilm, der unter die Haut geht und in den Köpfen bleibt. [Kaufen bei amazon.de]

 

3. The Visitor
Die Geschichte eines einsamen Witwers und Professors auf dem Weg zurück ins Leben ist Independent-Kino vom Allerfeinsten. Die Story fesselt ebenso wie die großartigen Schauspieler, der Film ist im besten Sinne des Wortes interessant, außerdem witzig, berührend und bei allem Anspruch trotzdem unterhaltsam. [Kaufen bei amazon.de]

 

4. Winter’s Bone
Die Geschichte einer Teenagerin, die im vergessenen Hinterland der USA auf der Suche nach ihrem Vater ist. Um die letzte Hoffnung auf eine würdevolle Existenz ihrer Familie zu wahren durchstreift sie eine brutale Welt voller verkommener Menschen, karger Landschaften und allgegenwärtigem Verbrechen und Drogenkonsum. Grandios gespielt und mit sehr feinem Gespür erzählt ist „Winter’s Bone“ eine der ganz großen Überraschungen des Jahres. Die Geschichte geht im besten Sinne unter die Haut, ein Film, den man so schnell nicht vergisst. Und ein Oscar für John Hawkes‘ Performance als „Uncle Teardrop“ wäre mehr als gerechtfertigt. [Kaufen bei Amazon.de]

 

5. Shutter Island
Martin Scorsese trägt etwas dicker auf als etwa sein Kollege Polanski (siehe Platz 7), doch auch er konzentriert sich in erster Linie auf das Erzählen. Die recht komplexe Story der Vorlage über Wahn und Wahrnehmung überträgt er souverän ins Kino. Einzig am Ende geht „Shutter Island“ ein wenig die Luft aus. Leonardo DiCaprio ist mindestens so gut wie in „Inception“, wobei er sich damit wohl ironischerweise um alle Oscar-Chance bringt – denn zwei Nominierungen könnten die Stimmen „spalten“… [Kaufen bei Amazon.de]

 

6. A Serious Man
Ich schreibe es glaube ich schon zum dritten oder vierten Mal, aber was wahr ist muss wahr bleiben: Die Coens können einfach keinen langweiligen Film drehen. „A Serious Man“ ist eine Besonderheit in ihrem bisherigen Werk; es fehlen die bekannten Gesichter aus dem Coen-Universum. Die Geschichte eines Mannes in der Krise seines Lebens (und was für eine Krise!) besticht durch die hervorragend gezeichneten Figuren, zahlreiche biblische Anspielungen und den sehr eigenen Humor. Ein Film, den man nicht nur einmal sehen sollte, über den es viel zu diskutieren gibt und der zum Nachdenken anregt, ohne anstrengend zu sein. [Kaufen bei Amazon.de]

 

7. The Ghost Writer
Roman Polanskis neuester Film ist Kammerspiel, Politthriller und Drama zugleich – und funktioniert auf allen drei Ebenen. Ein wunderbarer, fast altmodisch ohne CGI und andere Effekte inszenierter Film. Von mir aus könnte der Trend bei den großen Filmemachern ja gerne weggehen von Bio-Pics und großen Spektakeln, und sich wieder auf das erzählen von guten Geschichten verlegen. Ich habe allein dieses Jahr ein halbes Dutzend Bücher gelesen denen eine Adaption für die große Leinwand gut zu Gesicht stünde (und die Vorlage zu diesem Film war noch nicht mal dabei)! [Kaufen bei Amazon.de]

 

8. Machete
Man darf den Film gerne als sinnlose Ballerorgie abtun, tatsächlich ist er das auch. Aber „Machete “ hat noch mehr zu bieten. Einen grandiosen Hauptdarsteller in Danny Trejo zum Beispiel, noch viele weitere Schauspieler in Parada-Rollen (Michelle Rodriguez etwa, auch Jeff Fahey, Robert De Niro und Jessica Alba), und ein geradezu archaisches Drehbuch, in dem der böse weisse Mann (will sagen Anglo-Amerikaner) von den unterdrückten Latinos endlich mal richtig Prügel bezieht. Wer hier politische Satire sieht hat genau hingesehen, doch die setzt nur den Rahmen für ein fürchterlich blutiges und witziges Spektakel, in dem nicht der gute Geschmack zählt, sondern der Wille ihn zu umschiffen. Und letzteres gelingt eindrucksvoll. Von allen drei „Grindhouse“-Filmen auf jeden Fall der beste… [Kaufen bei Amazon.de]

 

9. Up in the Air
„Up in the Air“ ist für das Genre der romantischen Komödie das, was „Inception“ für den Sommer-Blockbuster ist: eine wohltuende Ausnahme von den vielen Produktionen von der Stange, den Sequels, Rip-Offs und Jennifer-Aniston-Filmen dieser Welt. Der Film haucht dem Genre nicht neues Leben ein, er erinnert aber daran, dass es mal welches gab. Er kommt in seinem etwas überzogenen Szenario (die hired-to-fire-Sache und die unzähligen Meilen) mit witzigen Dialogen und gut geschriebenen Figuren daher, verbindet nachdenkliche Zwischentöne mit erzählerischer Leichtigkeit und gelungenen Pointen. Von dieser Sorte (gerne auch einen Tick bissiger) darf es ruhig mehr Filme geben. [Kaufen bei Amazon.de]

 

10. The Road
Eine Geschichte zu erzählen, die wortwörtlich nach dem Weltuntergang spielt, ist wohl zwangsläufig eine düstere Angelegenheit. Diese Adaption von Cormac McCarthys post-apokalyptischem Roman folgt einem Vater und seinem Sohn auf ihrer Reise durch ein restlos zerstörtes Amerika. Die Zivilisation ist einer ungenannten Katasstrophe zum Opfer gefallen, die wenigen letzten Menschen rotten sich zusammen und leben in Furcht vor umher ziehenden Kannibalen. In dem kargen Szenario entwickelt sich kein gewöhnlicher Plot, sondern eher eine Meditation über das Band der Menschlichkeit, das Vater und Sohn verbindet. Hervorragend gespielt und gefühlvoll inszeniert lässt „The Road“ lediglich ein paar feine Dialoge der Vorlage vermissen. [Kaufen bei Amazon.de]

Knapp dahinter:
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