Crazy Heart

Country-Musik ist eine ur-amerikanische Angelegenheit, die hierzulande eher eine Randerscheinung ist. Für „Crazy Heart“ bedeutet das überschaubare Erfolgsaussichten, trotz der Oscar-Nominierung für Jeff Bridges als bester Hauptdarsteller [Update: Bridges hat gewonnen. The Dude abides!]. Bridges spielt die (fiktive) Country-Legende ‚Bad Blake‘, die rein äußerlich durchaus dem „Dude“ aus „Big Lebowski“ ähnelt. Blakes erfolgreiche Tage liegen lange zurück, um sich über Wasser zu halten tingelt er durch Kneipen und Bowlingbahnen in Texas, Arizona und New Mexico.

Mehr schlecht als recht absolviert Blake den Spätherbst seiner Karriere, als ständiger Begleiter ist lediglich eine Buddel Whiskey dabei. Ein wenig Licht tritt in Gestalt von Jean (Maggie Gyllenhaal) in sein Leben. Die junge alleinerziehende Mutter macht ein Interview für die Lokalzeitung von Santa Fe, ist aber zunehmend auch an dem Menschen hinter dem kauzigen Musiker interessiert.

Essentiell ist „Crazy Heart“ ein Road-Movie und Musikfilm. Die vielen Live-Auftritte und natürlich auch der Soundtrack sorgen für echtes Country-Feeling, was für europäische Ohren gewöhnungsbedürftig ist[*]. Jeff Bridges scheint die Rolle als charismatischer, aber abgewrackter Musiker mit Stetson-Hut und Gitarre auf den Leib geschrieben, auch sein Gesang kann überzeugen. Mitverantwortlich für einige richtig gute Songs ist T Bone Burnett, der schon den herrlichen Soundtrack von „O Brother Where Art Thou“ produzierte. Das Milieu der kleinen (weißen) Leute, das mit der Musik untrennbar verbunden ist portraitiert „Crazy Heart“ wohlwollend, aber dennoch realistisch.

Einen Plot im klassischen Sinne hat der Film wohlweisslich nicht im Gepäck. Er konzentriert sich auf seine Hauptfigur, die zwischen kleinen Momenten des Ruhms, vagen Hoffnungen auf zukünftigen Erfolg und ständigem Alkoholnebel hin und her taumelt. Man kann fast ahnen, wohin die Reise von Bad Blake geht, doch der Weg dahin ist trotzdem sehenswert. Blakes früherer Ziehsohn Tommy Sweet (gespielt von Colin Farrell), inzwischen Star der Countryszene, und Maggie Gyllenhaal als Jean sind die einzigen nennenswerten Nebenfiguren.

Ein bisschen erinnert Scott Coopers Regiedebut an Darren Arronofskys „The Wrestler“, in dem ebenfalls ein abgehalfterter ehemaliger Star mit der harschen Gegenwart kämpfen muss. Doch ist die Country Musik kein so gnadenloses Geschäft wie Wrestling, und „Crazy Heart“ dementsprechend kein derart schonungsloser Trip in den Abgrund. Bei allen Rückschlägen, die Bad Blake verkraften muss, fängt ihn doch seine Leidenschaft für die Musik immer wieder auf – ein versöhnlicher Gedanke….

4/5

* Wer „Nebraska“ und „The Ghost of Tom Joad“ vom Boss was abgewinnen kann wird die Musik zu schätzen wissen…

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