„So Finster die Nacht“: Remake im Anflug

Trotz Empfehlungen von vielen Seiten (und einer Platzierung in den IMDB-Top 250) habe ich es noch nicht geschafft, mir den schwedischen Film „So Finster die Nacht“ endlich mal anzusehen. Die Geschichte kreist um die Freundschaft eines kleinen Jungen mit einem Vampir-Mädchen, das mit seinem Vater in die Nachbarschaft zieht.  Nach der WM ist der Film sicher mal fällig – ob ich dann auch noch mal ein US-Remake davon sehen möchte ist unklar.

Weil in den USA Filme generell nicht synchronisiert werden und Untertitel als Kassengift gelten, muss dort aber nun mal ein Remake her (ebenso wie bei der Stieg Larsson-Trilogie, die auch noch einmal von Hollywood verwurstet wird). Regie führt Matt Reeves („Cloverfield„), der Film wird „Let Me In“ heißen. Chloe Moretz („Kick-Ass„) spielt die Vampirin, Richard Jenkins („The Visitor„) ihren Vater, und Kodi Smit-McPhee („The Road„) den kleinen Jungen. Der US-Start ist für den Herbst vorgesehen, auch hierzulande darf noch in diesem Jahr mit dem Film gerechnet werden.

UPDATE: Einen Trailer gibt es inzwischen auch zu sehen – und zwar hier…

„Planet der Affen“: Prequel geplant

Tim Burtons unseliges Remake des Sci-Fi-Klassikers wird nicht der letzte Film der Reihe sein. 20th Century Fox produziert mit „Rise of the Apes“ ein Prequel, in dem das Publikum erfährt, wie es zur Herrschaft der Affen über die Menschheit kommen konnte (laut Homepage des Films: schief gegangene Experimente mit Gen-Manipulation). James Franco („Spiderman“) wird die Hauptrolle übernehmen, außerdem sind Freida Pinto („Slumdog Millionaire„) und John Lithgow (zuletzt großartig in der vierten Season von „Dexter“) dabei. Andrew „Gollum“ Perkis wird den rebellischen Anführer der Affen spielen, oder aber – wie bei Gollum – der Figur menschliche Züge verleihen.

Der Kinostart von „Rise of the Apes“ ist für den Sommer 2011 vorgesehen, Regie führt mit Rupert Wyatt ein recht unbeschriebenes Blatt. Große Hoffnungen sollte man wohl nicht in das Projekt setzen, mich würde es jedenfalls schon positiv überraschen, wenn der fertige Film das Prädikat „guckbar“ verdienen sollte. Schlimmer als das Remake von 2001 kann es allerdings kaum mehr werden – immerhin etwas …

Zur Website des Films mit allen Infos: hier klicken. Hier findet sich ein Artikel des englischen „Guardian“ zum Thema, auch dort ist man von der Aussicht auf mehr „Planet der Affen“-Versionen wenig angetan.

Actionklamauk und Comic-Verfilmung: „Red“-Trailer online

Comic-Adaptionen und kein Ende, hier mal wieder nach einer eher unbekannten Vorlage. Basierend auf der gleichnamigen Reihe aus den Jahren 2003 und 2004 (laut Wikipedia) wird im Herbst dieser Action-Streifen mit Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovich, Mary Louise Parker, Helen Mirren und ein paar weiteren bekannten Gesichtern anlaufen.

Die Story kreist um eine Gruppe von C.I.A.-Elite-Agenten im Ruhestand, die in ein letztes großes Gefecht ziehen muss. Der Ton scheint dem Trailer nach zu urteilen eher zum Klamauk zu tendieren, was ja nichts schlechtes sein muss. Ob man sich im Herbst, genauer Ende Oktober, dann mit ein bisschen Action im Kino vergnügen will kann man dann immer noch sehen…

Der alte Witz: „Fockers“ jetzt als Weihnachtskomödie

„Meet the Parents“ war anno 2000 eine der besseren Hollywood-Komödien dieses Jahrtausends. Robert De Niro als griesgrämiger Schwiegervater und Ben Stiller als dessen ungeliebter Schwiegersohn, das Rezept ging auf. Schon die Fortsetzung war keine große Freude mehr, Dustin Hoffman und Barbra Streisand konnten in „Meet the Fockers“ nicht verhindern, dass das ganze als lahmer Aufguss daher kam.

Nun ist Teil drei abgedreht, er läuft pünktlich zu Weihnachten an und wird im Original „Little Fockers“ heißen – mal sehen wie der deutsche Titel am Ende lauten wird. Dem Trailer nach zu urteilen geht die Fehde zwischen Stiller und De Niro wieder von vorne los, nur eben nicht zu Thanksgiving, sondern zu Weihnachten in New York. Wobei mit Owen Wilson, Jessica Alba, Harvey Keitel und Laura Dern noch ein paar bekannte Gesichter dazu stoßen werden und – hoffentlich – ein wenig Schwung in die Story bringen. So richtig kann ich daran aber nicht glauben…

Vergiss Kino: „Premium Video“ soll Umsätze steigern

Um für ihre Filme ein möglichst großes, zahlungswilliges Publikum zu finden sind die Studios auf die Idee gekommen zukünftig den „Berg zum Propheten“ zu bringen. Mit „Premium Video“ hat das Kind auch schon einen Namen. Nicht mehr das Publikum fährt ins Kino, sondern der Film kommt zum Publikum – und das eben nicht erst ein paar Monate nach dem Kinostart. Im Gespräch sind zeitgleiche oder leicht verzögerte Starttermine zum Preis von $ 30 bis $ 50 pro Film, wie der Filmdienst in seiner Kolumne „Aus Hollywood“ berichtet. Das klingt erstmal happig, relativiert sich aber bei genauerem Hinsehen. Für Familien etwa gibt es schon was zu sparen. Tun sich ein paar Freunden zusammen lässt sich ab 5 Personen ebenfalls Geld sparen. Wer einen Hobbykeller mit Beamer hat wird sich auch nicht zwingend beschweren.

Die große Frage ist, ob dabei wirklich mehr Geld verdient würde. Ich kann da erstmal nur von mir selbst sprechen: für mich wäre „Premium Video“ selten bis nie eine Option. Zum einen ist ein großer Fernseher kein Ersatz für eine große Leinwand. Das Filmerlebnis im Kino ist intensiver, man ist nicht abgelenkt (Handy hat keinen Empfang) und lässt sich entspannt auf den Film ein. Zuhause sieht das anders aus, wenn man nicht vorher alle Telefone und die Haustürklingel abstellt ist ein ungestörtes Vergnügen nicht zwingend gewährleistet. Schreiende Kinder im Hof lassen sich auch nicht auf stumm stellen.

Zudem unterteile ich Filme generell in drei Kategorien, und zwar „will ich im Kino sehen“, „will ich sehen“ und „will ich nicht sehen“. Was ich im Kino sehen möchte, möchte ich auch wirklich im Kino sehen, und nicht auf meinem Fernseher bei Zimmerlautstärke. Was ich so generell sehen möchte gucke ich mir gerne zuhause an, bezahle aber weder 30 bis 50 Taler noch organisiere ich gleich einen Videoabend, damit es billiger wird. Dann warte ich eben, bis die DVD da ist. Und zu „will ich nicht sehen“ stellen sich die Fragen nach dem Wann, Wo und Wie sowieso nicht.

Für WM-Muffel: The 100 Best Films Of World Cinema von EmpireOnline

Es soll ja Menschen geben, denen der ganze Alarm um „Schland“ genauso egal ist wie mir die 56. Oberhausener Kurzfilmtage. Für die lohnt sich ein Blick in diese Liste, in der das britische Filmmagazin „Empire“ die 100 besten nicht-englischsprachigen Filme zusammengetragen hat. Von chinesischen Kung-Fu-Streifen über europäische Skurrilitäten wie „Delicatessen“ bis zu klassischem französischen Gaunerkino a la „Rififi“ – es ist für jeden was dabei.

Zwischen den Werken von Wong Kar-Wei, Kurosawa, Antonioni und Co. tummeln sich übrigens auch ganze zehn deutsche Filme, den Jungs von Empire sind „Aguirre“ oder „M“ nicht entgangen. Wer also demnächst in der Videothek (oder im Internet) nicht weiss, was auf den Tisch kommen soll, der findet in eine Menge interessanter Anregungen – wobei sicher nicht jeder Film so einfach zu bekommen sein wird…

Sofia Coppola mit neuem Film

Über Fußball will man ja heute nicht sprechen müssen, deshalb gehts hier auch wie immer um Film. Sofia Coppola hat einen neuen solchen gedreht, und auf den ersten Blick das Erfolgsrezept von „Lost in Translation“ recycelt. Denn auch in „Somewhere“  steht die Beziehung eines älteren Manns zu einer jüngeren Frau im Mittelpunkt.

Ein Blick in den – wunderbarerweise nur mit Musik unterlegten – Trailer zeigt aber, dass es mit den Gemeinsamkeiten schnell vorbei ist. Stephen Dorff spielt einen Hollywood-Schauspieler, der sein Leben auf den Prüfstand stellen muss – weil plötzlich seine 11-jährige Tochter bei ihm wohnt. Das klingt tendenziell nach einem Drama, das irgendwelche netten Lebens-Weisheiten verbreiten will. Wollen wir mal hoffen, dass Sofia Coppola uns da eines besseren belehrt. US-Start ist im Dezember, wir können – oder müssen – also 2011 mit dem Film rechnen.

Noch ein Trailer – George Clooney in „The American“

Filmische Variationen des einsamen Auftragskillers sind wahrlich nichts neues. Alain Delon gab „Le Samourai“, Forrest Whitaker war „Ghost Dog“, Pierce Brosnan „The Matador“ und Tom Cruise färbte sich für „Collateral“ sogar die Haare grau. Letzteres hat George Clooney nicht nötig, wenn er in „The American“ einen amerikanischen Killer spielt, der aus dem Geschäft aussteigen will.

Nach einem Job in Schweden verlebt „The American“ ein paar schöne Tage im ländlichen Italien – bis ihn die ‚berufliche‘ Realität einholt. Anlaufen wird der Film bei uns schon recht bald (im September), der Trailer ist ansehnlich OHNE dabei schon die ganze Story preiszugeben. Klingt nicht unbedingt nach der Neuerfindung des Rades, aber ansehen werde ich mir den Film auf jeden Fall. Regie führt übrigens auch hier jemand aus der Musikvideo-Branche. Anton Corbijn, bekannt z.B. für höchst ansehnliche Depeche Mode-Videos, versucht sich hier zum zweiten Mal an einem Spielfilm.

„Never Let Me Go“ – Trailer online

Kazuo Ishiguro ist bekannt für seinen Roman „Was vom Tage übrig blieb“, den Hollywood in einer gelungenen Verfilmung mit Anthony Hopkins und Emma Thompson auf die Leinwand gebracht hat. Nun ist auch das aktuelle Werk des japanisch-englischen Autors verfilmt worden, in Deutschland Ende 2006 unter dem Titel „Alles, was wir geben mussten“ erschienen. Einfach zu verfilmen wird die Geschichte nicht sein. Es geht um eine Dreiecksbeziehung in einem Internat der ganz besonderen Art – der Trailer liefert da für meinen Geschmack schon zu viele Hinweise…

Regie führt Mark Romanek, der sich als Regisseur von Musikvideos einen Namen gemacht hat und bisher lediglich einen Spielfilm („One Hour Photo“) vorweisen konnte. Das Drehbuch hat Alex Garland (Autor u. a. von „The Beach“) geschrieben, und mit Keira Knightley und den Newcomern Carey Mulligan („An Education“) und Andrew Garfield („Dr. Parnassus“) ist der Film recht vielversprechend besetzt. US-Start soll im Herbst sein, mal sehen wann „Never Let Me Go“ bei uns anläuft.

When in Rome

Ich kann nicht genau sagen, warum ich mir diesen Film überhaupt angesehen habe. Die Kombination aus Sonntag und Regen reicht als Begründung nicht aus, und rechtfertigt diese 90 verschwendeten Minuten in keiner Weise. Vorhersehbar, an entscheidenden Stellen übermäßig unlogisch und insgesamt ohne größere Lacher rauscht „When in Rome“ vorbei, weder romantisch noch komisch. Ein Schuss in den Ofen, in jeder Hinsicht.

„Veronica Mars“-Darstellerin Kristen Bell spielt die New Yorker Kuratorin Beth, die bei der Hochzeit ihrer Schwester in Rom einen Fluch heraufbeschwört. Vier Männer sind plötzlich in sie verknallt, und tun alles um sie für sich zu gewinnen. Dabei wollte Beth eigentlich nur ihren Frust darüber loswerden, dass Ex-Football-Star Nick – den sie bei der Hochzeit kennengelernt hat – offenbar schon vergeben ist. Doch auch der rennt ihr nun hinterher. Oder ist er am Ende gar nicht von dem Fluch betroffen und wirklich in Beth verliebt?

So spannend wie es klingt (nämlich gar nicht) ist der Film auch, was noch zu verschmerzen wäre, wenn wenigstens ein paar gute Szenen dabei herum kommen würden. Weder der Humor noch die Romanze funktioniert, ganz zu schweigen von den Figuren, die allesamt blass und uninteressant bleiben. Seifig und stromlinienförmig geht die Story ihren Weg, schon nach einer guten halben Stunde von insgesamt knapp 90 Minuten hat man eigentlich genug gesehen. Viel platter kann man die gute alte Boy-meets-girl–Nummer nicht inszenieren, da hilft auch der „Zauber“ des ‚Fontana di Trevi‘ nichts, der als Entschuldigung für die lahme Story herhalten muss.

1/5

PS: Für alle, die ein Kontrastprogramm zur WM suchen: „When in Rome“ ist die falsche Entscheidung! Dann lieber Honduras gegen Chile gucken – das hat wenigstens Seltenheitswert…

Die Sequel-Plage

Ich rege mich ja gerne mal über die vielen, viel zu vielen Sequels auf, die Hollywood dem Publikum jeden Sommer vorsetzt. Dass ich da nicht der einzige bin, ist klar. Hier findet sich nun mal ein Artikel der New York Times zum Thema. Der Tenor ist in etwa der gleiche wie meine immer wieder kehrenden Beschwerden, wobei der Artikel sehr gut geschrieben ist und die „Mitschuld“ des Publikums an der Misere nicht außen vor lässt.

Angesichts der Tatsache, dass Hollywood diesen Sommer bisher im Vergleich zum letzten massive Umsatzeinbrüche erlitten hat („SATC 2“ und „Prince of Persia“ sind in den USA regelrechte Flops) gibt es ja vielleicht ein wenig Grund zur Hoffnung. Denn im Grunde hat das Publikum es selbst in der Hand. Wenn Sequels anfangen zu floppen werden die Studios neue Wege gehen müssen. Allerdings sieht es danach nicht wirklich aus. „Toy Story 3“ und „Shrek 4“ werden sicher massig Kohle einspielen. Und selbst wenn Christopher Nolans „Inception“ tatsächlich außergewöhnlich gut und wahnsinnig erfolgreich sein sollte, er bleibt trotzdem die Ausnahme von der Regel…

Neue Gangster-Serie bei HBO: „Boardwalk Empire“

Das klingt doch wahrlich interessant: Terence Winter, Drehbuchautor und mitverantwortlich für die „Sopranos“, hat für HBO eine neue Serie geschrieben. Das Ganze spielt zur Zeit der Prohibition in Atlantic City, in Hauptrollen sind u. a. Steve Buscemi, Michael Pitt, Kelly MacDonald, Gretchen Mol und Michael Shannon zu sehen. Den Piloten der Serie, deren erste Staffel 12 Folgen haben wird, hat niemand geringeres als Martin Scorsese inszeniert, der auch als Executive Producer verantwortlich zeichnet.

Zwei vielversprechende Trailer gibt es hier zu sehen, anlaufen wird „Boardwalk Empire“ in den USA im September. Man kann angesichts der vielen prominenten Namen wohl davon ausgehen, dass die Serie auch in Deutschland zu sehen sein wird. Hier stehen die Sender und das potentielle Publikum aber vor den üblichen Dilemmas. Nur bei Sky könnte sie im normalen Abendprogramm laufen, weil im Pay-TV der Jugendschutz anders geregelt ist. Die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender könnten die Serie nur nach 22:00 programmieren und damit am breiten Publikum vorbei. Hoffentlich läuft es nicht wie bei den „Sopranos“, deren erste Staffel das ZDF damals unter Ausschluss der Öffentlichkeit Samstags- bzw. Sonntags nachts versendete…

Red Rock West (DVD)

Neo-Noirs aus den 80er, 90er und 00er Jahren finde ich von der Idee her schon solange gut, wie ich den Begriff überhaupt kenne. Von „Blood Simple“, dem urigen Erstling der Coen-Brüder, über den unterschätzten „Devil in a blue Dress“ bis hin zu mainstreamigen Filmen wie „Basic Instinct“ oder dem komödiantischen „Kiss Kiss Bang Bang“ sind eine Menge sehenswerter Filme dabei. Zu den weniger bekannten Filmen des Genres gehört John Dahls „Red Rock West“ von 1993. Die DVD ist hierzulande vergriffen, in guten Videotheken aber sicher noch zu finden. Grund genug, sich das gute Stück noch einmal anzusehen…

Das Setting ist von klassischer Schlichtheit. Der einsame Ex-Soldat Michael (Nic Cage) ist auf der Suche nach einem Job in den Ölfeldern Wyomings, und gerät dabei ohne eigenes Zutun in eine schwierige Lage. Der schmierige Barbesitzer Wayne (J.T. Walsh) hält ihn fälschlicherweise für den von ihm bestellten Auftragskiller, der seine Frau Suzanne (Lara Flynn Boyle, bekannt als Donna Hayward in „Twin Peaks“) umbringen soll. Ehe er sich versieht hat Michael $ 5000 in der Tasche und ist auf dem Weg zu Suzanne.

Doch statt sie wirklich zu töten warnt er sie nur davor, dass bald tatsächlich ein Killer kommen könnte – und will „Red Rock West“, so der Name des verlassenen Kaffs, danach sofort verlassen. Weil das aber den Gesetzen des (Neo-)Noir widerspräche wird daraus leider nichts. Einen Unfall und etwa fünf Filmminuten später findet sich Michael in einer beinahe ausweglosen Situation wieder. Der Sheriff hat ihm auf dem Kiecker, der  echte Killer taucht auf (gespielt von Dennis Hopper), sein Auto wird konfisziert.

Es sind in „Red Rock West“ alle typischen Elemente zu finden, die das Genre ausmachen. Der einsame, von Natur aus rechtschaffene (Anti-)Held, die schöne Femme Fatale, die Intrigen, die Versuchungen und die verdrängten dunklen Geheimnisse der Vergangenheit. Was den Film dabei ausmacht ist die Lässigkeit, mit der er die bekannten Zutaten mixt. Nic Cage spielt angenehm zurückhaltend, ohne Grimassen und Posen, auch seine Kollegen lassen ihren Figuren und deren – meist überzeugenden – Motiven den Vortritt. Dennis Hopper gibt seinem Killer Charme und einen kleinen Schuss abgründigen Irrsinn.

Der Plot ist nicht sonderlich innovativ, der Film versucht das Publikum nicht zu überraschen wie „The Usual Suspects“, „Fight Club“ oder „Memento“. Die Story schlägt zwar Haken, hat aber keinen – oder besser nur einen – doppelten Boden. Regisseur Dahl ist inzwischen meist im TV zuhause, dreht Episoden von „Dexter“, „Californication“ oder „True Blood“. Sein letzter Kinofilm war „You Kill Me“ mit Ben Kingsley von 2007, der zwar zu unterhalten wusste, mich aber irgendwie nicht so recht vom Hocker riss. Vor und nach „Red Rock West“ hat Dahl allerdings zwei weitere herrliche Neo-Noirs gedreht: anno 1989 „Kill Me Again“, mit Val Kilmer und Michael Madsen(!), sowie anno 1994 „The Last Seduction“ mit Linda Fiorentino und Bill Pullman. Auch die müssten in guten Videotheken noch zu finden sein…

8/10

Neues von „Bourne“ und Tom Cruise

Mir persönlich hätte es ja am besten gefallen, wenn nach dem gelungenen dritten Teil der „Bourne“-Reihe einfach alles vorbei gewesen wäre. Ein Prequel hätte ich mir noch vorstellen können: Matt Damon ist jung genug, um damit durchzukommen, eine jüngere Version von sich selbst zu spielen. Und die Vorgeschichte (Bournes Training und Gehirnwäsche, der schief gegangene Anschlag aus Teil eins) hätte Potential gehabt, wenngleich das Problem – wie bei jedem Prequel – wäre, dass man schon genau weiss, wie es ausgeht.

Wie genau es weitergeht ist noch unklar, immerhin steht Tony Gilroy, der auch die ersten drei Filme geschrieben hat, laut EmpireOnline als Drehbuchautor für „The Bourne Legacy“ (Arbeitstitel) fest. Regisseur Paul Greengrass ist raus, und da Matt Damon mal verlauten ließ, ohne Greengrass würde er nicht mehr als Bourne zurückkehren, müsste auch noch ein neuer Hauptdarsteller gefunden werden. Andererseits könnte Gilroy auch einfach selbst Regie führen (wie schon bei „Michael Clayton“), Greengrass als Produzent dabei sein – und Damon drückt ein Auge zu?!

Len Grossman aus „Tropic Thunder“ ist einer der wenigen populären Charaktere die Tom Cruise in den letzten Jahren gespielt hat. Seine Parodie eines fetten, glatzköpfigen und ewig schimpfenden Hollywood-Produzenten kam gut an und besserte Cruise‘ angekratzes Image als Scientologen-Wirrkopf etwas auf. Nach einem Auftritt im Grossman-Kostüm bei den MTV Movie Awards vor ein paar Tagen war bereits gemunkelt worden, Paramount und Cruise könnten ein „Tropic Thunder“-Spinoff mit Len Grossman im Sinn haben.

Eben dies hat sich nun bestätigt, wie hier nachzulesen ist. Interessant ist, das „Tropic Thunder“-Regisseur und Autor Ben Stiller die fiktive Figur Grossman weiterhin wie eine reale Person behandeln will, es also bei dem Prinzip der Real-Satire bleibt. Ob da wirklich ein guter Film bei rauskommt ist natürlich nicht gesagt, aber spannender als die üblichen 08/15-Komödien klingt das Projekt allemal…

Neue DVDs

Im Kino ist ja zur Zeit nicht viel zu holen, die einzige Ausnahme der nächsten Wochen wird wohl „Repo Men“ sein. Der Rest interessiert mich entweder gar nicht oder kann nicht gegen die WM anstinken, die ja Freitag endlich losgeht. Auch haben die Verleiher immensen Respekt vor dem Fußball-Großereignis und Programmieren daher schön um die WM herum.

Wem das mit der WM sowieso auf den Zeiger geht, der kann in der Videothek einige Filme des Winters nachholen, hier eine kleine Aufstellung:

George Clooneys Vielflieger-Film „Up in the Air“ mit eingebauter Fernweh-Garantie ist ebenso zu haben wie „The Rebound“ aka „Lieber Verliebt“. Letzterer ist für eine romantische komödie sehr gut gelungen, macht aber in den letzten 5 Minuten dann doch (fast) alles wieder kaputt. Gar nicht mein Fall war „It’s Complicated“ mit Meryl Streep, den bitte nur an regnerischen und spielfreien Tagen ausleihen, oder noch besser – gar nicht. Fans von Streep werden es nicht sein lassen können, der Rest verpasst rein gar nichts…

Aus dem Bereich Drama bietet sich in erster Linie Terry Gilliams neuestes Machwerk „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ an. Wer es weniger fantastsich mag kann auf „Adventureland“ zurückgreifen, dessen Coming-of-Age-Story unterhaltsam erzählt wird und dazu noch perfekt zur Jahreszeit passt. Außerdem im Angebot: „New York, I love You„, ein nettes Episodenfilmchen, dass allerdings keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Wer lieber Action und Thrill sehen will macht mit „Sherlock Holmes“ alles richtig, der ist sehr zu empfehlen. Der kleine, nicht unfeine B-Movie-Thriller „Armored“ soll nicht unerwähnt bleiben, er hat mich – bei niedriger Erwartungshaltung – positiv überrascht. Aber ich mag ja auch so gerne Thriller sehen. Auch „Surrogates“ macht durchaus Laune, die Mischung aus Science-Fiction und Krimi funktioniert ganz gut, und hin und wieder kracht es nach allen Regeln der Action-Kunst.

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