Aus gegebenem Anlass (“Avatar” hat in drei Wochen weltweit mehr als $ 1,000,000,000 eingespielt) hat EmpireOnline hier neun goldene Regeln aufgestellt, wie man derartig viel Geld mit einem Film verdienen kann. An den wenigen Beispielen, die solche Umsatz-Sphären erreicht haben (neben “Avatar” nur “Titanic”, “Lord of the Rings 3″, “Pirates of the Caribbean 2″ und “The Dark Knight”) werden ein paar vermeintlich simple Regeln aufgestellt. Das Unterfangen ist nicht ganz ernst gemeint, kommt aber zu einigen interessanten Ergebnissen. Wer wissen will, welche Filme auf diesem Planeten die größten Umsätze gemacht haben, der schaue hier bei der IMDB…
The Visitor – Ein Sommer in New York
Großes Kino muss nicht teuer sein, und bekannte Schauspieler sind dafür auch nicht zwingend erforderlich. Thomas McCarthys “The Visitor” führt einem diese Binsenweisheit wunderbar vor Augen. Der Film ist im besten Sinne schnörkellos, was auch auf den Hauptdarsteller Richard Jenkins zutrifft. Jenkins, Jahrgang 1946, ist eigentlich eher auf Nebenrollen abonniert, am ehesten kennt man ihn aus der TV-Serie “Six Feet Under”. In “The Visitor” spielt er den wortkargen Wirtschaftsprofessor Walter Vale.
Walter führt nach dem Tod seiner Frau ein ruhiges, einsames Leben in Connecticut. Offiziell schreibt er an seinem vierten Buch, tatsächlich verbringt er seine Zeit meist mit Rotwein und klassischer Musik. Weil eine Kollegin ausfällt muss Walter auf eine Konferenz nach New York, wo er ein Apartment besitzt, das er seit Jahren nicht genutzt hat. Zur Überraschung des Professors steht die Wohnung aber nicht leer, sondern wird von einem jungen Pärchen bewohnt. Tarek und Zainab, Einwanderer aus Syrien bzw. dem Senegal, staunen nicht schlecht über den unerwarteten Besuch des Besitzers – sie haben die Wohnung von einem “Makler” namens Ivan gemietet und keinen Schimmer, dass sie böse getäuscht wurden.
Nach einem kurzen, klärenden Gespräch ist Walter wieder allein mit sich, entscheidet dann aber schnell, den beiden wenigstens für die Nacht weiter Asyl zu gewähren. Aus einer Nacht wird eine Woche, in der die ungewöhnliche Wohngemeinschaft zu funktionieren scheint. Der sympathische und lebenslustige Tarek verdient mit seiner Dschemba (eine afrikanische Trommel) als Straßen- und Barmusikant seinen Lebensunterhalt. Und ehe er sich versieht ist auch Walter von dem Instrument fasziniert und lässt sich von Tarek zeigen, wie man es spielt. Zunächst hölzern und steif, später mit viel Elan, beginnt der Klassikliebhaber das Trommeln.
Die Handlung nimmt an dieser Stelle eine abrupte Wendung. Tarek wird wegen einer Lappalie festgenommen, als illegalem Einwander droht ihm die Abschiebung. Zainab, selbst illegal im Land, kann ihn nicht besuchen, Walter ist bald seine einzige Verbindung zur Außenwelt. Später erfährt auch Tareks Mutter Mouna in Michigan vom Schicksal ihres Sohnes, und auch sie wohnt bald in Walters Wohnung.
Was klingt wie ein zähes Drama um Einwanderer und Einsamkeit wird in “The Visitor” zu einem herrlich gespielten, geradezu leichtfüßigen Film. Aus dem Einsiedler Walter wird langsam, aber sicher ein Sympathieträger. Richard Jenkins’ zurückgezogenes Spiel vermittelt treffsicher das Innenleben seiner Figur, und die immer glaubwürdige Wandlung, die er durchmacht.
Die ruhige Erzählweise vermeidet spektakuläre Höhepunkte, die den Fluss der Geschichte stören könnten. Wie es in Filmen (zumal aus Hollywood) viel zu selten der Fall ist, entfaltet sich die Handlung scheinbar aus sich selbst heraus, ohne die üblichen Tricks und Kniffe moderner Drehbuchautoren. Die Dialoge vereinen dabei auf wunderbare Weise Humor und Glaubwürdigkeit.
Weil Thomas McCarthy für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet kann man “The Visitor” durchaus als Autorenkino bezeichnen. Ähnlich wie etwa bei den Filmen von Jim Jarmusch (wenn auch inhaltlich nicht vergleichbar) merkt man, dass niemand in Story oder Inszenierung reingeredet hat. Wäre “The Visitor” ein Mainstream-Film geworden, wäre von Anfang bis Ende sicher alles anders, aber nichts besser.
5/5
Gamer
Die Regie-Duo Neveldine/Taylor hat mit den zwei “Crank”-Filmen erfolgreich auf sich aufmerksam gemacht. Die beiden Action-Feuerwerke kamen mit dezentem Budget aus und machten trotzdem mächtig Kasse – auch wenn Teil zwei ein wenig hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Mixtur aus völlig übertriebenen Actionszenen, wahnwitzigen Stunts, politischer Unkorrektheit und schrägem Humor fand großen Anklang beim jungen Publikum. Rasende Geschwindigkeit und permantes akustisches Getöse waren Programm, Story und Charaktere nur Staffage. “Crank” machte keinen Hehl daraus, sondern spielte selbstironisch darauf an.
Nun haben die beiden Newcomer ihren dritten Film fertig. “Gamer” trägt in vielen Belangen dieselbe Handschrift, ist aber ein wenig komplexer geraten. In einer wilden Mischung aus “Running Man”, “eXistenz” und “Matrix” gibt es Science-Fiction, Satire und – natürlich – eine Riesenportion explosiver Actionszenen. Die USA in naher Zukunft: die Menschen sind von Videospielen mit menschlichen Avataren fasziniert. Herr über die schöne neue Spielewelt ist deren Erfinder Castle (Michael C. “Dexter” Hall). Sein neuester Streich ist “Slayers”, in dem zum Tode veruteilte Gefangene per Chip im Gehirn von den Spielern ferngesteuert werden.
Einer dieser Gefangen ist Kable (Gerard Butler), der sich durch die brutalen täglichen Levels von “Slayers” ballert, ferngesteuert durch den talentierten Teenager Simon. Nach erfolgreichem Abschluss eines Levels endet die Fernsteuerung, die menschlichen Avatare sind (in Gefangenschaft) wieder sie selbst. Kable weiss, dass er keine Chance hat, das Spiel zu überleben und sucht nach einem Ausweg. In Rückblenden erfährt das Publikum, dass er zu Unrecht im Knast gelandet ist, und dass seine Frau (Amber Valetta) sich ihren Lebensunterhalt als würdeloser Avatar in einem anderen Rollenspiel verdient.
Kable kämpft um seine Freiheit und Rückkehr in die Gesellschaft. Die Rolle des Bösewichts spielt der Über-Nerd Castle. Hilfe bekommt der unfreiwillige Held von einer Hackergruppe namens ‘Humanz’, die gegen die unmenschlichen Spiele und ihren Einfluss auf die Gesellschaft aufbegehren. “Gamer” kämpft dabei in knapp 90 Minuten Laufzeit an allzu vielen Fronten. Als filmgewordener Ego-Shooter hetzt er Kable durch die kriegsähnlichen Ballerszenarien – die zwar hektisch und extrem brutal sind, aber nicht wirklich spannend oder mitreißend. Parallel zeichnet er ein zynisches, satirisches Bild der nahen Zukunft, dass leider unvollständig und wenig plausibel bleibt. Schließlich kommt noch ein vorhersehbares, hektisches Drama hinzu, dass die Story zu seinem recht trashigen Finale führt.
Die einzelnen Teile des Films kommen dabei nicht zum Luft holen. Die Satire verschwindet hinter der Action, die Figuren hinter dem 08/15-Drama. Die Schauspieler können das nicht verhindern, auch wenn Butler und Hall jeweils gut besetzt sind. Die hoffnungslos übertriebene und schrille Inszenierung ist einzig dem Tempo verpflichtet – das ist aus “Crank” bereits bekannt. “Gamer” bietet aber eine ungleich kompliziertere Geschichte, die dabei völlig unter die Räder gerät und einfach keinen Sinn mehr ergibt. Einige Ansätze des Films sind interessant, etwa das konsequente Weiterdenken des “Todesspiels” in Zeiten von Online-Games und Virtual Reality. Anstatt dies zu vertiefen verlassen sich Neveldine/Taylor auf Ballerorgien und viel nackte Haut. Kurzweilig, explosiv und ultimativ recht belanglos rauscht der Film so an seinem Publikum vorbei.
3/5
Zombieland
Ähnlich wie Vampire durch die “Underworld”- und vor allem die aktuelle “Twilight”-Saga eine Art Comeback geschafft haben, sind auch die Zombies seit einigen Jahren wieder da. Im gut gemachten “Dawn of the Dead”-Remake von 2004 etwa, in der “Resident Evil”-Trilogie, oder in Danny Boyles “28 Days Later”. Wie der Name schon sagt sind sie auch in “Zombieland” mit von der Partie. Die gesamte USA wird darin von blutrünstigen Untoten bevölkert, nur ein paar versprengte Menschen konnten sich das Virus noch vom Leibe halten.
Unter ihnen ist der Teenager Columbus (Jesse Eisenberg), der bald auf den selbsternannten Outlaw Tallahassee (Woody Harrelson) trifft. Beide haben im Laufe der Zeit gewisse Regeln für die erfolgreiche Abwehr von Zombie-Attacken entwickelt, die zu Beginn des Films in herrlich albernen und brutalen Bildern ausgebreitet werden. Die beiden fahren über den Highway gen Westen, denn, so geht die Legende, irgendwo dort gibt es noch Zombie-freie Gebiete. Erstmal begegnen sie dabei aber zwei jungen Damen (Emma Stone und “Little Miss Sunshine” Abigail Breslin).
“Zombieland” hat im Gegensatz zu anderen Filmen des Genres keine politischen oder gesellschaftskritischen Untertöne. Die Story kreist um die vier Figuren (und eine fünfte, die ich aber nicht verraten werde) und ihren Kampf gegen die allgegenwärtigen Zombies. Der Anfang ist dabei am besten gelungen, im Mittelteil sind einige Längen drin, das Ende bietet noch mal ordentlich Gemetzel. Das Rezept des Films ist so einfach wie gelungen, das Gespür der Inszenierung für Figuren, lustige Dialoge, Timing und Action lässt kaum zu wünschen übrig. Das macht “Zombieland” nicht zu einem großem Film, aber zum handwerklich nahezu perfekten Unterhaltungsstreifen für alle Freunde des gepflegten Zombiefilms.
4/5
Top-10 2009
Hier meine Top 10 für 2009, wie immer in alphabetischer Reihenfolge: