Guten Rutsch, allerseits!

So, das Kinojahr 2009 segelt in Bälde dem Sonnenuntergang entgegen, 2010 guckt um die Ecke. Bei uns werden wie üblich in den ersten Monaten viele hochkarätige Filme starten. Auf den neuen Clooney „Up in the Air“ bin ich gespannt“ (Start am 4.2.), ebenso auf Guy Ritchies „Robin Hood“ mit Russell Crowe. Gleich am 7. Januar wird „The Imaginarium of Dr. Parnassus“ rauskommen, der letzte Film mit Heath Ledger, unter der Regie von Terry Gilliam.

„The Visitor“, ein kleines, sehr feines Drama, wird als „Ein Sommer in New York“ am 14. Januar anlaufen. Vorfreude kommt bei dem Gedanken an den neuesten Film der Coen-Brüder auf, „A Serious Man“ gibt sich am 21. Januar die Ehre. Für Unterhaltung sorgen wird sicherlich auch „Surrogates“, ein Sci-Fi-Thriller mit Bruce Willis. Bis auf „Up in the Air“ werden alle Filme gleich im Januar anlaufen, und ich werde also mit Freude einige kalte Winterabende im warmen Kino zubringen…

Lieber Verliebt

Dass Männer im reifen Alten auf der Leinwand junge Frauen erobern ist nie etwas besonderes gewesen. Keiner denkt sich was dabei, wenn etwa in Howard Hawks Klassiker „The Big Sleep“ der 47-jährige Humphrey Bogart mit der 22-jährigen Lauren Bacall anbandelt. Warum auch, schließlich waren die beiden bis zu Bogarts Tod auch verheiratet. Andersrum ist die Kiste in Hollywood weniger selbstverständlich. Auch wenn in der Realität Stars wie Madonna oder Demi Moore seit Jahren mit deutlich jüngeren Männern an ihrer Seite unterwegs sind, wird der ‚umgedrehte‘ Altersunterschied in Hollywoodfilmen immer als Problem betrachtet.

Wie schon in „Couchgeflüster“ mit Uma Thurman geht es auch in „The Rebound“ (Originaltitel) um eine Frau um die 40, die eine Beziehung mit einem Mittzwangiger führt. Catherine Zeta-Jones spielt Sandy, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern in den Suburbs von New York. Als sie spitz kriegt, dass ihr Mann sie betrügt, reicht sie sofort die Scheidung ein, packt ihre Sachen und zieht mit den Kids nach Manhattan.

Dort wiederum fristet College-Absolvent Aram (Justin Bartha) ein unglückliches Dasein als Bedienung in einem Coffeeshop. Nach schlechten Erfahrungen mit seiner letzten Freundin hat er das Thema Frauen für sich erstmal abgehakt und driftet etwas ziellos durch sein Leben. Bis er sich, über einige Umwege, plötzlich als Sandys Kindermädchen wiederfindet, und sich in seine Arbeitgeberin verliebt.

Obwohl dem Publikum die ganze Zeit klar ist, dass sich zwischen Sandy und Aram etwas anbahnt macht es doch Spaß, ihnen auf dem Weg dahin zuzusehen. Die Mischung aus Ernst, Humor und kleinen Storykniffen, die beide zusammenführt, geht gut auf. Zwischen Zeta-Jones und Bartha stimmt die Chemie, auch weil beide Charaktere spielen, die in erster Linie liebenswert und nett sind.

Der ‚echte‘ Altersunterschied der beiden ist weniger groß als im Film, Bartha ist ’nur‘ zehn Jahre jünger als Zeta-Jones. Tatsächlich bekommt man bei ihren Figuren – trotz doch sehr unterschiedlicher Lebensumstände – nie das Gefühl, dass sie nicht zusammen passen könnten. Auch wenn Bartha ein paar Mal zu häufig den treudoofen Hundeblick aufsetzt…

Für Unterhaltung sorgen zusätzlich Arams besorgte Eltern, die dessen neuen Job als Kindermädchen eher kritisch sehen („You are not from Trinidad, you are from Manhattan!“). Die ersten knapp 90 Minuten des Films gehören definitiv zu den besseren im Genre der romantischen Komödien. Dann jedoch wird es ernst, denn die Zeit ist gekommen für die über allem schwebende Frage „Kann das auf Dauer gutgehen?“.

Leider kann sich „The Rebound“ da nicht schadlos halten. Was der Film in den letzten 15 Minuten auspackt ist schon sehr weit hergeholt und bemüht einige Klischees. Immerhin vermeidet er ein typisches Rom-Com-Finale mit großen Reden und noch größeren Emotionen, am besten auf einer Hochzeitsfeier. Eher beiläufig geht es hier zuende, und dieses Ende hätte sogar stimmig sein können, wenn man sich ein paar Dinge gespart hätte. Genauer will ich das hier nicht ausführen, es soll ja nicht alles verraten werden.

3/5

PS: Den Preis für den (vorläufig) besten Film zum Thema geht knapp an „Couchgeflüster“, wegen der besseren inneren Logik der Geschichte. Unterhaltsamer und niveauvoller als 80% aller sonstigen romantischen Komödien sind aber beide Filme…

Filme werden ja auch mal illegal aus dem Netz geladen…

Welche dabei aber wie oft geladen werden, weiss man in der Regel nicht so genau. Wie die NYTimes berichtet, sind es für 2009 diese Filme. Interessant ist dabei vor allem eins: ein Film wie „RockNRolla“ von Guy Ritchie, dessen reguläres Einspielergebnis arg bescheiden blieb, ist ganz weit vorn in der Liste zu finden. Konservative Filmproduzenten werden da gern die Rechnung aufmachen, dass der Film dem illegalen Download-Wahn zum Opfer gefallen ist.

Viel logischer ist aber die Erklärung, dass „RockNRolla“ eben genau so ein Film ist, den man sich im Kino spart, aber doch gerne mal sehen will. Anders als etwa große Blockbuster kam der Film in einem Zeitraum von 6 Monaten raus, was bedeutet: die qualitativ hochwertigen Kopien im Netz waren vielerorts schon vor dem Kinostart zu haben. So hätte „RockNRolla“ vielleicht mehr Geld machen können, wenn man ihn zeitgleich im Kino gestartet hätte – oder aber den (legalen) Download des Films vernünftig vermarktet hätte.

Den Rest der Charts domieren Filme, die schon im Kino ordentlich Geld eingespielt haben. Was wiederum heisst, dass genau die Leute, die die Filme im Kino gesehen haben, auch sofort nochmal zulangen, wenn eine digitale Kopie (illegal) auftaucht. Die Studios machen zu wenig in Richtung legaler Downloads, sind aber auch in einem Interessenkonflikt. Die gut laufenden Titel will man gar nicht schnell zum Download zur Verfügung stellen – trotzdem sickert immer eine Kopie vor DVD-Start durch. Die schlecht laufenden Titel („RockNRolla“) werden abgeschrieben, weil niemand realisiert, dass sich das Interesse für den Film vom Kino ins Internet verlagert hat. Es fehlt schlicht an Vertriebsmitarbeitern, die solche Entwicklungen besser einschätzen und entsprechend handeln können…

Surveillance (DVD)

Dass David Lynch gerne und ausschließlich abseitige Filme dreht, die nicht jedermanns Geschmack treffen, ist bekannt. Mit „Unter Kontrolle“ (so der deutsche Titel) hat nun seine Tochter Jennifer Lynch ihren zweiten Film gedreht. Ihr erster, „Boxing Helena“ von 1993, war kein wirklicher Erfolg. Bekannt wurde der Film eigentlich nur wegen des Prozesses, den die Produzenten gegen Kim Basinger geführt haben – denn die drückte sich damals trotz Unterschrift um die Hauptrolle. Vielleicht gefiel ihr die Vorstellung, mit fortschreitender Laufzeit mit immer weniger Gliedmaßen zu spielen (was Teil der Story war) nicht so richtig gut. Ihre Rolle übernahm Sherilyn Fenn (aus „Twin Peaks“), der Film geriet in Vergessenheit.

Nun hat die Tochter des Hauses Lynch wieder einen Film gedreht. „Surveillance“ ist im weiteren Sinne ein Serienkiller-Film und ein sogenannter Mindfuck. Der Rahmen ist dieser: zwei FBI-Agenten (Bill Pullman und Lena Olin) kreuzen bei einer einsamen Polizei-Station im mittleren Westen auf. In der Einsamkeit der Prärie gab es mehrere Morde, und die Agenten sollen herausfinden, was wirklich passiert ist.

Lange bleibt dabei unklar, was eigentlich passiert ist. Ein paar Zeugen und Überlebende erzählen in Rückblenden von dem blutigen Geschehen auf dem Highway. Die zwei involvierten Cops, soviel steht schnell fest, waren alles andere als Heilige. Der Film gibt seine Geschichte parallel in zwei Strängen preis. In Rückblenden, in denen Beteiligte (unwahre) Versionen der Vorkommnisse erzählen – während der Film die „echten“ Geschichten erzählt. Und außerdem durch das Geschehen auf der Polizeistation, in der die FBI-Agenten alle Zeugen parallel vernehmen.

Das Ergebnis ist nicht uninteressant. Das Publikum darf eifrig raten, auf was die ganze Sache eigentlich hinausläuft, während die Spannung in der Außenhandlung und auch in den Rückblenden zunimmt. Das Ganze hat allerdings von Anfang an den Charakter einer Versuchsanordnung, wogegen auch die guten Schauspieler nicht anspielen können. Gerade das Ende von „Surveillance“ leidet dann darunter. Denn die Kniffe und Tricks der Story, sowie die finalen Enthüllungen, sind keine Meisterleistung sondern eher durchschnittlich.

„Surveillance“ spielt nicht ungeschickt mit den Versatzstücken moderner Serienkiller-Stories, und er baut auch Überraschungen mit ein. Doch schon die Erzählweise ist zu künstlich, um das Publikum ernsthaft für die Handlung zu begeistern. Die ganze Cleverness des Drehbuchs kann nicht überspielen, dass die Story letztlich eher dünn und psychologisch wenig schlüssig ist. Wenn das Drehbuch, und nicht die Figuren selber, allein bestimmt, wohin die Reise geht, bleibt die Glaubwürdigkeit eben auf der Strecke. Vor 15 Jahren hätte „Surveillance“ vielleicht Grenzen gesprengt und Augen geöffnet. Nach „Pulp Fiction“, „Identity“, „The Usual Suspects“ oder auch „Fight Club“ kann der Film nur noch Fans des Genres empfohlen werden, der Rest kann sich diese Variation des bekannten Themas auch einfach mal sparen…

3/5

Weihnachten = Kino (Update)

Zumindest in den USA. Da sind die Umsätze am Box Office förmlich explodiert. „Avatar “ machte genau soviel Geld wie am Start-Wochenende (was mehr als nur selten ist), Guy Ritchies Neuauflage von „Sherlock Holmes“ setzte über 60 Mio. $ um, und selbst der drittplatzierte Chipmunks-Film „The Squeakquel“ kam noch auf mehr als 50 Mio. $. Das schlägt locker die Jahre, in denen sich die halbe Welt zur Weihnachtszeit die „Lord of the Rings“-Trilogie angesehen hat.

Bin mal gespannt, ob es in Deutschland ähnliche Rekorde zu vermelden gibt. Auf „Sherlock Holmes“ müssen wir hierzulande zwar noch warten, aber „Avatar“ nimmt richtig Fahrt auf, wenn ich den Trends in meinem Freundeskreis glauben kann. Wer den Film gesehen hat, empfiehlt ihn auch weiter – es ist stark anzunehmen, dass James Camerons Film – wie schon mit „Titanic“ – das Publikum über einen ungewöhnlich langen Zeitraum beschäftigen wird.

Update: SpiegelOnline meldet in Deutschland für „Avatar“ noch mal 830 000 Zuschauer (gesamt 2,3 Mio.), und für das Weihnachtswochenende insgesamt 2,4 Mio. Kinogänger.

Allerdings wird auf „Avatar“ wohl kein ähnlicher Oscar-Regen niedergehen. Ein paar technische Kategorien könnte er gewinnen (auf „Best Special Effects“ wird wohl niemand mehr eine Wette annehmen), aber ich glaube nicht, dass er für den „Besten Film“ oder die „Beste Regie“ ausgezeichnet wird. Anderseits: Hollywood liebt Gewinner. Und mit jetzt schon mehr als 200 Mio. $ Umsatz allein in den USA ist „Avatar“ ganz sicher keine Enttäuschung…

Coming soon: Shutter Island

Martin Scorseses neuer Film „Shutter Island“ sollte eigentlich diesen (also letzten) Herbst anlaufen. Angeblich wurde der Start in den Februar verschoben, weil sich das Studio Paramount darauf konzentrieren will, Peter Jacksons neuen Film „The Loveley Bones“ mit gebührendem Aufwand ins Rennen um die Oscars zu schicken. Na denn viel Erfolg!

Weil sich die Story so gut anhörte, habe ich mir erstmal die Romanvorlage von Dennis Lehane („Mystic River“, „Gone, Baby, Gone“) gekauft. Ergebnis: einen extrem fesselnden Thriller gelesen, aber nun weiß ich um die Überraschungen der Story natürlich ganz gut Bescheid. Was eigentlich schade ist – das hätte ich gerne im Kino erlebt, OHNE zu wissen, wie die Sache ausgeht.

Mein Rat an alle Scorsese- und Thriller-Fans ist daher dieser: den Trailer (hier) kann man sich ansehen, am besten macht man den aber nach 45 Sekunden aus, auch wenn letztlich nichts verraten wird. Wer wissen will, worum es geht, der lese hier bei Ain’t it cool news, garantiert ohne Spoiler. Mit dem ihm eigenen Enthusiasmus lässt sich da ein stolzer Rezensent vernehmen, der den Film bereits gesehen hat. Schlimmstenfalls schraubt das die Erwartungen in allzu große Höhen, aber ich habe irgendwie ein gutes Gefühl bei dem Film. Und spätestens seit „The Departed“ ist ja klar, dass Martin Scorsese neben Mafia-Epen auch richtig spannende (und schlüssige) Thriller inszenieren kann. Und ein solcher sollte „Shutter Island“ allemal werden, Oscar-Chancen hin oder her….

Meine Top-10 des Jahres 2009

Ich habe es nicht genau gezählt, aber ich war dieses Jahr ungefähr 30 mal im Kino. So oft wie wohl nie zuvor. Allerdings waren auch viele Filme dabei, die einen Gang ins Kino nicht wirklich verdient haben. Vor allem die Blockbuster im Sommer waren enttäuschend, etwa „Wolverine“ und im Rückblick vor allem „Terminator: Salvation“. Bei „Angels & Demons“ waren meine Erwartungen niedriger, ebenso bei „Star Trek“ – übertroffen wurden sie aber leider auch nicht. Selbstredend kam keiner der Filme in die Nähe der Top-10.

Wie jedes Jahr sind ein paar Filme dabei, die auch bei der Oscar-Verleihung eine Rolle gespielt haben. Es wird in diesem Jahr z.B. sicher nicht viele Top-10-Listen OHNE den Namen „Slumdog Millionaire“ geben. Aber auch wenn den halb Deutschland schon gesehen hat – er gehört nun mal auf die Liste.

Ehrlich gesagt, die Liste scheint mir selbst fast ein wenig langweilig zu sein. Es finden sich fast nur Filme, bei denen sich Kritiker und/oder Publikum weitgehend einig waren. Die Regisseure sind größtenteils alte Bekannte: Tarantino, Sam Mendes, Almodovar, Ron Howard, Darren Aronofsky. Nun ja, die Herren wissen eben, wie es geht!

Überraschungen gibt es immerhin auch, und mit Überraschungen meine ich Filme, von denen ich selbst nicht gedacht hätte, dass ich sie so sehr schätzen werde. Da wäre mit „Watchmen“ eine Comic-, entschuldigung, Graphic Novel-Verfilmung, die sich an ein erwachsenes Publikum richtet und nicht in erster Linie Spielzeugfiguren verkaufen soll. Das hätte schief gehen können, doch trotz ein paar Schwächen ist der Film äußerst sehenswert. Ob er erfolgreich genug war um ähnlichen Projekten grünes Licht bei den Studios zu beschaffen muss allerdings bezweifelt werden.

Quasi aus dem Nichts kam „District 9“, der mit seinem originellen Mix aus Mockumentary, Drama und Science-Fiction was neues zu bieten hat. Und dabei locker aufregender ist als die teuren Actionfilme a la „Terminator 4“. Und dann kam zum krönenden Abschluss James Camerons „Avatar“ nach jahrelanger Wartezeit doch noch ins Kino; der Film macht nicht alles richtig, aber er thront weit über seinen Blockbuster-Kollegen vom Schlage „2012“, etc..

Was auffällt: unter den Top 10 sind genau zwei Filme mit einem richtig großen Budget, „Avatar“ und „Watchmen“. Alle anderen Filme waren relativ günstig, von mittelgroßen Produktionen wie „Revolutionary Road“ und „Inglourious Basterds“ bis hin zu Low-Budget Indies wie „The Wrestler“, „Frost/Nixon“ oder „Moon“. Es ist eben doch meist so, dass eine gute Story der Schlüssel zu einem guten Film ist. Special-Effects um der Special-Effects Willen („Transformers 2“) stinken halt zum Himmel und hinterlassen bestenfalls einen schalen Nachgeschmack.

PS: Wie immer habe ich längst nicht alle Filme gesehen, die es zu sehen gab. So könnten etwa „Up“ (Nachtrag: nein, der bleibt draussen) oder „(500) Days of Summer“ z. B. ihren Weg in diese Liste finden. Schaumermal…

Hier meine Top 10 für 2009, wie immer in alphabetischer Reihenfolge:

Ebenfalls großes Kino, aber knapp nicht in der Liste:

Away We Go, Gran Torino, Der Knochenmann, The Limits of Control, The Lucky Ones, State of Play

Avatar (3D)

Kaum zu glauben, aber wahr. 12 Jahre nach „Titanic“ hat James Cameron mal wieder einen neuen Film herausgebracht. Und natürlich nicht irgendeinen, sondern DEN Film, der die Weichen des Kinos endgültig auf 3D stellen soll. Das zumindest ist die Erwartungshaltung an „Avatar“, die in der US-Filmindustrie vorherrscht. Mit einem Budget von $ 230 Mio. (ohne Marketing) ist das kein ganz risikofreies Unterfangen – aber wem, wenn nicht Cameron, würde man soviel Geld in die Hand drücken?

Der Film läuft heute in Deutschland an, sowohl auf herkömmlichen Leinwänden wie auch in 3D-Kinos. Die Vorpremiere im IMax am Potsdamer Platz war voll bis unter das Dach, und am Ende gab es tatsächlich Applaus – allerdings nur von einem Teil des Publikums. Enttäuscht waren aber wohl auch die wenigsten, denn was „Avatar“ in punkto 3D und Special-Effects bietet ist den Eintrittspreis allemal wert gewesen.

Die Story beginnt mit der Ankunft einer Gruppe von Marines auf dem Planeten Pandora. Die Menschen wollen die gewaltigen Rohstoffvorkommen des Planeten nutzen, stoßen aber auf Widerstand unter den einheimischen Bewohnern der Na’vi. Die Na’vi sind groß, schlank und blau, und sie leben offenbar völlig im Einklang mit der beeindruckenden Natur ihres Planeten (wer hier an edle Wilde/Indianer denkt liegt genau richtig). Einer ihrer Stämme lebt in einem gigantischen Baum, zum Leidwesen der Menschen genau dort, wo die größten Rohstoff-Reserven zu finden sind.

Der Plan ist also, die Wilden zum Umdenken zu bewegen. Dazu wurden Avatare geschaffen, künstliche Wesen mit dem Äußeren und allen anderen Eigenschaften der Na’vi, die von Menschen gesteuert werden. Notwendig sind diese Avatare, weil Menschen in der Atmosphäre von Pandora nicht überleben können. Einen von ihnen steuert Jake Scully (Sam Worthington), ein Marine, der im Rollstuhl sitzt, und als Ersatz für seinen Zwillingsbruder, einen Wissenschaftler, eingesprungen ist. Einen weiteren steuert Grace Augustine (Sigourney Weaver), die Chef-Wissenschaftlerin des ganzen Projekts.

Bei einem der Forschungs-Ausflüge geht Jake verloren, und muss sich alleine durchschlagen. Dabei bekommt er unverhofft Unterstützung der jungen Na’vi-Dame Neytiri, die Jake bald in ihren Clan einführt. Das Doppelleben des Soldaten beginnt. Wenn der Avatar schläft berichtet Jake – dann wieder im menschlichen Wachzustand auf der Militärbasis – von seinen Erlebnissen. Während die Wissenschaftler noch an eine friedliche Lösung des Konflikts glauben, bereitet das Militär in Person von Colonel Quaritch (Stephen Lang) eine Invasion vor. Jake gerät zwischen die Fronten und muss sich ultimativ für eine Seite entscheiden…

Von den ersten Minuten an lässt „Avatar“ keine Zweifel aufkommen, dass er neue Maßstäbe setzen will. Eine atemberaubende Einstellung der Schwerelosigkeit in einem Transport-Container macht den Anfang und demonstriert die Perfektion der Effekte. Schon die Innenaufnahmen der Basisstation haben starke 3D-Effekte, der Zuschauer sitzt fast immer mit im Bild. Richtig los geht es dann natürlich bei den Ausflügen auf Pandora. Die von riesigen Bäumen geprägte Natur mit ihrer exotischen, vielfältigen Tierwelt sind so detailliert und wirken so natürlich, dass die Illusion dieser fremden Welt perfekt gelingt. Das gleiche gilt für die Na’vi selbst, die bis auf ein paar kleine Ausnahmen hervorragend animiert wurden und keineswegs als pixelige Aliens rüberkommen.

Visuell gibt es also nichts auszusetzen an „Avatar“, James Cameron hat Wort gehalten. Bessere, größere Action und Effekte als in diesem Film hat es im Kino noch nicht gegeben. „Lord of the Rings“ oder „Harry Potter“, „Terminator“ oder „Transformers“, sie können alle einpacken angesichts dieser Perfektion. Und ich denke, das trifft auch noch auf die 2D-Version des Films zu (Hat die jemand gesehen, Feedback?). Hier bleiben keine Fragen offen. Bei der Story des Films sieht das jedoch ein wenig anders aus.

Rein zweckmäßig ist die Handlung genau der richtige Rahmen für die Zurschaustellung der überwältigenden Tricktechnik und 3D-Aufnahmen. Auch die Figuren sind gut gewählt, eben so wie die Schauspieler, die sie spielen. Dass die Geschichte von den bösen Menschen und den edlen Ureinwohnern/Aliens keinen Innovationspreis bekommt ist James Cameron (der auch das Drehbuch geschrieben hat) sicher klar.

Für meinen Geschmack ist der Bogen aber etwas überspannt, was nicht zuletzt am Ethno-Kitsch des Soundtracks liegt, sowie an den zuweilen doch arg vereinfachten Entwicklungen der Story im letzten Drittel. Kann man als Erbsenzählerei bezeichnen, muss aber gesagt werden. Das ständige Weltmusik-Gejodel und die naive Indianer/Krieger-Romantik machen den Film nicht kaputt, aber man hätte hier den Pegel von mir aus gerne ein Stück zurückdrehen können. Noch schlimmer ist dann der Song, der am Ende zu den Credits läuft. Mehr Pathos geht nicht mehr.

Wie dem auch sei, „Avatar“ ist in der Tat ein Erlebnis von einem Film und mit weitem Abstand der beste Blockbuster des Jahres. Wer ein IMax oder sonst ein 3D-Kino in der Nähe hat sollte die ca. 15 Euro für den Spaß investieren, WENN irgendein Film in Zeiten von Heimkino-für-alle den Gang ins Kino lohnt, dann ist es dieser hier. Auch wenn der Film ein paar kleine Schwächen hat (und von mir aus auch ein wenig kürzer sein könnte) ist er doch eine großartige Leistung aller Beteiligten. Und wer am Medium Film Interesse hat, der MUSS sich einfach ansehen, wie die Grenzen des Machbaren sich mit „Avatar“ verschoben haben.

4/5

PS: Ich bin sehr gespannt, ob er die finanziellen Erwartungen erfüllen kann, würde aber aus dem Bauch heraus sagen: mit Sicherheit. Die Tickets für die 3D-Version sind teuer, und sie werden angesichts der wenigen Säale begehrt und rar sein. Also wird „Avarar“ sicher länger als nur ein oder zwei Wochen für ausverkaufte Häuser sorgen. Ob die 2D-Version so richtig Feuer fängt ist weniger sicher, denn erstens „fehlt“ ja irgendwie was (eine Dimension, um genau zu sein), und zudem lockt der Film nicht mit großen Stars, die treue Fanscharen mitbringen.

PPS: Von wegen „Zukunft ds Kinos liegt in 3D“ muss ich folgendes sagen. Die Produktion und Finanzierung eines gigantischen Projekts wie „Avatar“ dauert Jahre, dementsprechend dürfte sich die Zahl vergleichbarer Projekte in den nächsten Jahren in Grenzen halten. Drei, vier richtig große 3D-Releases sind sicher ab 2011 zu erwarten, dazu die 3D-Versionen von komplett animierten Streifen wie „Up“ und Konsorten.

Die Meßlatte für 3D liegt nun ein gutes Stück höher als vorher, und mit eilig zusammengeschusterten, Hauptsache-in-3D-gedrehten Filmen würde man das Publikum eher vergraulen. Bin mal gespannt, ob jemand mal probiert ein ganz „normales“ Drama ohne große Action in 3D zu drehen – und ob das Ergebnis sehenswert wäre oder nicht…

Up (Oben)

Ich kann nicht ernsthaft behaupten, dass ich „Up“ im Kino verpasst hätte. Auch wenn sie meist nett anzuschauen sind bin ich einfach kein großer Fan der Pixar-Filme, mit Ausnahme von „The Increbibles“. Und so ist es dann auch mit „Up“, ich habe sicher nicht gelitten bei diesem Film, aber Begeisterung ist auch was anderes…

Die Story geht gleich mit den besten Szenen los, in denen in Schnelldurchlauf die lange und glückliche Beziehung zwischen Carl und Ally Fredrickson gezeigt wird. Nur am Anfang, als die beiden sich als Kinder kennenlernen, sind Dialoge dabei. Der Rest ihres Lebens wird in einer Collage von alltäglichen Szenen und ihren gemeinsamen Erlebnissen geschildert, untermalt von einem pointierten Piano-Soundtrack.

Dann beginnt die eigentliche Geschichte des Films, von einem alten Griesgram (Carl), der sein Haus mit Hilfe von Heliumballons zum Flugobjekt umgebaut hat – um dann festzustellen, dass ein kleiner, dicker Pfadfinder-Junge versehentlich mit an Bord ist. Das Abenteuer der beiden spielt in einem fiktiven Teil Südamerikas und kreist um einen seltenen Laufvogel, ein Rudel sprechender Hunde und einen Wissenschaftler in seiner selbstgewählten Isolation.

Es ist nicht so, dass der Großteil des Films keinen Spaß machen würde. Die Animationen sind visuell großartig, es gibt immer was zu bestaunen und die Story geht flott voran. Doch bis auf ein paar leise Zwischentöne des herrlich grummeligen Carl ist das allermeiste eben doch für Kinder gedacht und unterscheidet sich nicht allzudeutlich von sonstigen Comics für Kids. Fans der Pixar-Schule sollte das nicht abhalten (hat es auch sicher nicht), aber für alle anderen kann das Kinojahr auch ohne „Up“ komplett gewesen sein.

3/5

In eigener Sache…und über 3-D

Die meisten Filme, die ich hier rezensiere, gucke ich mir im Kino an. In 90 Prozent aller Fälle im Cinestar am Potsdamer Platz, in 50 Prozent aller Fälle in Kino 8 – größte Leinwand, bester Sound, is klar.

Aber: einige Filme müssen auch bis zum DVD-Start warten. Oder Abbildung ähnlich, gibt ja noch andere Vertriebswege. Anyhow, meine Heimkino-Situation hat sich bisschen geändert. Der 32-Zoll-Aldi-Röhrenfernseher ist abgeraucht. Genauer gesagt hat die „Ost-West-Stufe“ ins Gras gebissen. Falls jemand Bock hat da mit nem Lötkolben beizugehen und die Reuse (vorübergehend) zu reanimieren, bitte melden!

Gut für mich, dass LCD-Fernseher billiger geworden sind. Und ich jetzt einer 42-Zoll-Glotze gegenüber sitze, mit HD und Gedöns. Einige Dinge ändern sich aber trotzdem nicht. Beschissene Filme sind immer noch beschissen, nur eben größer jetzt. Warum schreibe ich das überhaupt? Keine Ahnung, wohl weil es sonst nicht viel zu schreiben gibt. Als nächstes ist Mitte der Woche mit einem Beitrag über „Avatar“ zu rechnen. Bin mal gespannt, ob der Film

a) 14 Euro wert ist (IMax und so)
und
b) auch nur annäherend soviel für die vielzitierte „Zukunft des (3-D)-Kinos“ erreicht, wie es gemeinhin erwartet wird

Ich habe nicht allzu viel in 3-D gesehen bis jetzt, und bin da ehrlich gesagt auch eher skeptisch und beinahe konservativ. Gute Geschichten können sicher davon profitieren. Aber es fehlt schon in 2-D an allen Fronten an guten Geschichten, und die Gefahr, bei 3-D komplett auf Effekte und Null auf Story zu setzen, ist sicher nicht von der Hand zu weisen.

Im schlimmsten Fall geht das Kino zurück zu den Anfängen – zur Zirkusattraktion. Im besten Fall bringen die großen Studios pro Jahr demnächst jeweils zwei oder drei große Filme in 3-D ins Kino – weit vom Mainstream wird man sich da sicher nicht entfernen, aber vielleicht ist aus der Technik ja was rauszuholen. Für wahrscheinlicher halte ich allerdings folgendes: „Herkömmliches“ Kino bleibt wie es ist, wandert aber immer weiter Richtung Heimkino, 3-D-Stoffe werden zusätzliches Geld einspielen und die Leute aus dem Haus locken.

Die Preisfrage ist: gibt es genug fähige Regisseure und Drehbuchautoren, die Stoffe EIGENS für 3-D entwickeln, oder kriegen wir nur ein paar Jahre lang allen möglichen Zirkus geboten? Ich glaube, es ist – bei allen verständlichen Bemühungen, die Entwicklung und Umrüstung der Kinos zu beschleunigen – extrem wichtig, gute Stoffe in 3-D zu produzieren. Sei es für Kids oder Teenies oder Erwachsene – wenn die ersten Blockbuster nicht viel taugen, dann geht das fröhliche DVD-gucken und PS3-Daddeln munter weiter.

Vielleicht wäre die Umrüstung auf digitale Projektion ein besserer „erster“ Schritt zur Rettung des Kinos. Das würde den Kinos eine vielseitigeres, flexibles Programm erlauben, und die Kosten für den Vertrieb im Kino würden sinken. Dann könnten Filme, die auf DVD Feuer gefangen haben, tatsächlich ein Kino-Revival feiern. Denn genau da hapert es doch im Moment. Kleine, feine Filme, die nicht sofort ein Publikum finden, verschwinden nach ein, zwei Wochen aus den Kinos. Warum sollten die nicht wieder kommen? Oder anders gefragt: wieviele von den Millionen Fans von „The Big Lebowski“ haben den Film im Kino erleben dürfen?! Zu wenige, Dude!

Trashfilme/Guilty Pleasures: Wanted

Ich fand den ja schon beim ersten mal glotzen lächerlich, aber unterhaltsam. Und auch von der Couch aus ist das der Fall. Eine Prise „Matrix“, am Anfang auch etwas „Fight Club“, dann Verschörungsgedöns und Action. Fertig ist das Gartenhäuschen! Kein Guter Film, aber einer, der das wenigstens auch weiss, und einfach genau die alberne Over-the-Top-Mischung liefert, die man sich mal eben nebenbei reinziehen kann. Während man etwa einen kurzen Blog-Beitrag schreibt…nur als Beispiel gedacht!

Was macht eigentlich…Al Pacino?

Die Antwort auf diese Frage könnte vereinfacht lauten: Er dreht Scheissfilme. Aber auch wenn der gute Al schon etwas älter ist, gar im nächsten Jahr 70 Jahre alt wird, muss man die Hoffnung ja nicht aufgeben. Pacinos Karriere begann so richtig mit „Der Pate“ und dessen Fortsetzung. Etwa seit der Jahrtausendwende allerdings ist auf Pacino kein Verlass mehr, weil einfach zuviele seiner Filme nicht im Ansatz sehenswert waren.

In den 70ern war Pacino neben dem „Paten“ auch in „Serpico“ zu sehen, und glänzte u.a. in „Dog Day Afternoon“ (dt. Titel „Hundstage“). In den 80ern machte er sich rar und drehte insgesamt nur fünf Filme. Darunter aber etwa „Scarface“, und der Film alleine hätte ihm schon für 20 Jahre Ruhm beschert. Der Riesenflop „Revolution“ von 1985 könnte ein Grund gewesen sein, warum sich Pacino dann vier Jahre Zeit ließ, ehe er mit „Sea of Love“ wieder eine Kinorolle annahm.

Die 90er waren DAS Jahrzehnt für den gebürtigen New Yorker, allein in den ersten fünf Jahren spielte er in einer ganzen Reihe von großartigen Filmen mit: „Godfather Pt. III“ (ja, ich finde die ersten beiden auch besser, aber der dritte ist nicht schlecht), „Frankie & Johnny“, „Scent of a Woman“ (Oscar für die beste Hauptrolle), „Glengarry Glen Ross“, „Carlito’s Way“ und „Heat“. Auch die Jahre 1996 bis 2000 haben noch einige richtig gute Pacinos zu bieten: „Donnie Brasco“ mit Johnny Depp, „The Devil’s Advocate“ mit Keanu Reeves, „The Insider“ mit Russell Crowe und Oliver Stones Football-Ensemblefilm „Any Given Sunday“.

Dann allerdings wird es bis auf wenige Ausnahmen (etwa Christopher Nolans „Insomnia“) bitter. „S1mOne“ ist vereinfacht gesagt einfach nur daneben und langweilig, der „Bennifer“-Streifen „Gigli“ wurde schlicht ausgelacht – gut für Pacino, dass er da nur eine Nebenrolle hatte. „The Recruit“ war ein Reißbrett-Thriller und eigentlich eher ein Star-Vehikel für Newcomer Colin Farrell, fand jedoch wenig Anklang. Den miesen Möchtegern-Thrillern „88 Minutes“ und „Righteous Kill“ stehen dann bis heute nur noch die Shakespeare-Verfilmung „The Merchant of Venice“ und ein Gastauftritt in „Ocean’s 13“ entgegen. Das Sportwetten-Drama „Two for the Money“ muss hier aussen vor bleiben, das habe ich irgendwie verpasst.

Warum also hat Pacino in so vielen miesen Filmen mitgewirkt? Es mag ja sein, dass nicht mehr allzu viele Drehbücher reinflattern bei seinem Agenten. Das sollte ja aber kein Grund sein sich für irgendwelchen Mist herzugeben. Es sei denn, die Kohle wäre alle gewesen. Doch Schlagzeilen wie sie Nic Cage zuletzt mit seinem Bankrott machte waren über Pacino nicht zu lesen. Kollege Robert De Niro hat ja mit ähnlichen Problemen zu kämpfen gehabt, konnte aber mit „Meet the Parents“ und „Analyze This“ zwei erfolgreiche Selbstparodien vorweisen.

Aktuell ist Pacino vor allem in zwei Projekten involviert. Zum einen als „King Lear“ in einer für 2010 angekündigten Shakespeare-Verfilmung von Michael Radford (der auch beim „Kaufmann von Venedig“ Regie führte). Ein Jahr später soll „Mary Mother of Christ“ herauskommen, in dem Pacino angeblich als König Herodes dabei sein soll. Im Gespräch sind außerdem ein Remake von „Rififi“, ein Film über die letzten Tage von Napoleon und ein Thriller/Drama von „Syriana“-Regisseur Stephen Gaghan.

Einige der neuen Projekte klingen zumindest interessant, mal sehen, ob ein echter Comeback-Knaller dabei ist. Ansonsten könnte Pacino auch Jack Nicholson die Rollen der schrulligen alten Männer streitig machen, oder sich in Independent-Dramen als Berufsgroßvater junger Hauptdarsteller verdingen. So oder so, irgendwas kommt noch, und angesichts dessen, was schon da ist, soll uns das mal reichen, gelle?

Whatever Works

Die Hauptfigur in Woody Allens „Whatever Works“ ist eigentlich eine der Rollen, die er meist selbst spielt. Boris Yellnikoff ist ein ehemaliger Physiker, der mal beinahe einen Nobelpreis bekommen hätte. Aber eben nur beinahe. Inzwischen im Ruhestand und geschieden vertreibt sich der immer griesgrämige Misanthrop die Zeit mit Schachunterricht (wobei seine Schüler nicht zu beneiden sind) und dem Verbreiten seiner streng atheistischen Lebensweisen unter Freunden und Bekannten. An Allens Stelle spielt der US-Comedian Larry David („Curb your Enthusiasm“, „Seinfeld“) den wenig liebenswerten Yellnikoff, und er macht seine Sache äußerst überzeugend.

In Yellnikoffs Leben platzt unverhofft Melodie (Evan Rachel Wood), eine junge Frau aus einem Südstaaten-Kaff. Am liebsten würde er das unbekümmerte Mauerblümchen gleich wieder rauswerfen, aber stattdessen sind die beiden bald ein (ungewöhnliches) Paar. Mit dem unverhofften Eheglück ist es aber bald vorbei, als Melodies Mutter bei ihrer Tochter Unterkunft sucht, und wenig später auch deren Mann in New York aufkreuzt.

„Whatever Works“ ist klassisches Allen-Material, wer kein Faible für den Regisseur hat wird dem Film wenig abgewinnen können. Von den ersten Minuten an (in denen sich Yellnikoff direkt ans Publikum wendet) steht der Wortwitz im Vordergrund, wobei die meisten Jokes der Hauptfigur vergönnt sind, die gar nicht aufhören kann, Gemeinheiten zu äußern und puren Zynismus zu verbreiten. Die Story ist da eher ein Hintergrundrauschen, und dreht erst gegen Ende ein wenig auf.

Wie das immer so ist mit Woody Allens Filmen (sofern man ein Fan ist), sind selbst die weniger guten noch weit über dem restlichen Durchschnitt. „Whatever Works“ ist zu einseitig um an Allens beste New Yorker Komödien heranzukommen, aber mit genug guten Lachern gesegnet, um über gut 90 Minuten Spaß zu machen. Der nächste Film des kleinen Mannes wird übrigens wieder in London spielen und wird (hoffentlich auch in Deutschland) 2010 in die Kinos kommen. Einen Titel gibt es noch nicht, ein paar Infos lassen sich aber aus diesem Interview herauslesen…

4/5

Away We Go

Wo soll man eigentlich auf dieser Welt ein Kind aufziehen? Eine gute Frage, die sich Bart und Verona plötzlich stellen müssen. Das junge Paar, beide Anfang dreißig, erwartet ein Kind. Barts Eltern, eigentlich als Hilfe bei dem Projekt mit eingeplant, verabschieden sich für zwei Jahre nach Europa. Veronas Eltern sind lange verstorben. Ihre Jobs können beide letztendlich von überall machen. Also wo zur Hölle zieht man in Nordamerika ein Kind auf, wo lässt es sich am besten leben?

Um das herauszufinden machen Bart und Verona einen ausgiebigen Roadtrip. Zunächst haben sie die Städte im Blick, in denen Freunde oder Verwandte wohnen, u.a. sind das Phoenix, Madison, Montreal und Miami. Die Suche nach einem neuen gemeinsamen Zuhause, nach einem schönen Plätzchen in der Welt ist für das Paar auch eine Reise zu sich selbst. Was ist Ihnen eigentlich wichtig, welche Faktoren sind es, die das Wohlsein bestimmen?

Ihre Freunde von früher sind da keine große Hilfe, sie haben alle eine Menge mit sich selbst zu tun. Verona Freundin Lily entpuppt sich als neurotisches Nervenbündel, Barts „Cousine“ Ellen (Maggie Gyllenhaal) als Esoterik-Freak mit akutem Realitätsverlust. Die Charaktere in „Away We Go“ sind etwas überzeichnet, fallen der Story aber nicht in den Rücken. Komische und ernste Momente wechseln sich ab, und in bester Roadmovie-Tradition verweilt der Film nie lange an einem Ort.

Der ruhige Erzählton, die wunderbaren Bilder und der Soundtrack von Singer-Songwriter Alexi Murdoch wissen zu überzeugen. Regisseur dieses kleinen, unabhängig produzierten Films ist niemand geringeres als Sam Mendes, der zuletzt „Revolutionary Road“ gemacht hat und für „American Beauty“ einen Oscar bekommen hat. „Away We Go“ hat erwartungsgemäß im Kino nicht allzu viele Zuschauer erreicht. Die DVD wird aber bestimmt ein (überschaubarer) Publikumserfolg werden, denn die meisten Leute werden ihn mögen – das wage ich einfach mal zu behaupten…

4/5