Transformers – Revenge of the Fallen

Es war mir durchaus bewusst, dass das Experiment „Transformers 2 gucken“ misslingen könnte. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, und die ersten 80, 90 Minuten des ersten Teils haben ja durchaus Spaß gemacht. Auch beim zweiten Teil liegen die Stärken eher am Anfang des Films. Wobei „Stärken“ nicht ganz das richtige Wort ist. Immerhin, wenn man die beknackten Teenie-Jokes ignoriert, Slapstick durchaus wohlgesinnt ist und käsige Dialoge toleriert, dann bietet „Transformers – Revenge of the Fallen“ zunächst das gewünschte Programm. Ordentlich Action, viel Bewegung, Explosionen, Verfolgungsjagden.

Leider kippt das Verhältnis in der zweiten Hälfte (der Film läuft im Kino mit Pause) zugunsten von erbärmlicher Militär-Verherrlichung, endlosen Baller-Szenen und einer extrem lauen Story-Entwicklung. Ich habe sehr bald das Ende herbeigesehnt, aber 150 Minuten sind 150 Minuten, mit oder ohne Pause. Warum es eine solange Spielzeit sein musste? Vielleicht, weil „The Dark Knight“ auch (zu) lang war, und mächtig abkassiert hat. Oder weil die Szenen schon im Kasten waren, also rein in den Film damit. Womit das Prinzip „value for money“ zumindest theoretisch zum Zuge gekommen wäre…

Michael Bay und seine drei (!) Drehbuchautoren bedienen sich, unter anderem, beim „5. Element“, bei „Matrix“, „Herr der Ringe“, „Star Wars“ und „Indiana Jones“. Der einzige Unterschied sind halt die Transformers selbst. Die allerdings sind zwar für allerlei Actionszenen gut, outen sich aber sehr schnell als hochgradig albern, wenn man ihnen Sprechrollen zugesteht. Kein Wunder auch, die Dinger wurden für Kinder erfunden, die beim spielen damit „Wrrrmmmm!“, „Tätätätätätä!“ und sonstige Sounds machten. Die Story opfert vorrübergehend den Ober-Transformer der „guten“, namentlich Optimus Prime. Der verbringt den halben Film als Optimus Müllhaufen, während die fiesen Decepticons folgendes im Sinn haben: die Erde zerstören. Hooray!

Menschen sind auch dabei, in Person von Sam (Shia LaBeouf) etwa. Von allen Beteiligten ist seine Figur die interessanteste, was in diesem Fall eine schlechte Nachricht ist. Denn abgesehen von seiner speziellen Verbindung zu seinem Auto/Transformer, die einige Male zur Sprache kommt. ist er einfach nur da, um Blödsinn zu reden, der die Story voranbringt (Gelächter!), durch die Gegend zu rennen und ein paar Witze zu machen. Megan Fox ist als Mikaela, Sams sexy Freundin, wieder dabei, spielt aber keine wirkliche Rolle, sie ist einfach auch da. Der Film hat schlichtweg keine Verwendung für sie. Daneben ist John Turturro am Start, ein fieser Berater des US-Präsidenten und ein paar toughe GIs, die heldenhaft immer alles richtig machen.

Das Finale des Films spielt in Ägypten, die Pyramiden müssen als Kulisse für einen zähen Endlos-Fight herhalten, der so banal wie vorhersehbar ist. Zwischendurch rauschen Sams Eltern wieder auf, für ein paar (miese) Jokes nebenbei sorgen zwei mit schwarzem Slang redende Transformers (können nicht lesen, haben aber Goldzähne, how is that for a fucking cliché?). Sams Mitbewohner vom College darf auch mit, ist aber von vorne bis hinten weder sympathisch noch witzig.

Ja, man hätte es sich denken können: „Transformers 2“ ist liebloses, hirntotes Actionkino zum Abgewöhnen. Laut, schnell, stumpf, und – cineastische Todsünde – einfach langweilig. Im Kino waren die meisten Zuschauer offenbar trotzdem zufrieden, man lachte und frohlockte (gibt es das noch, „frohlocken“?). Ich habe auch lachen müssen, aber meist an anderen Stellen als der Rest. Wie auch immer, der Film wird das Taschengeld seiner Zielgruppe magnetisch anziehen, soviel steht fest. In den USA hat man in fünf Tagen $ 200 Mio. eingespielt, der Film wird sich für die Produzenten rechnen, und auch für Michael Bay. Denn der bekommt nicht nur Gewinnbeteiligung vom Film, er kassiert jetzt auch von Hasbro, dem Hersteller der Actionfiguren, eine Umsatzbeteiligung. Na denn, Mr. Bay: TRANSFORM MY ASS!

1/5

PS: Wen es interessiert: Hier der Spiegel-Artikel zu Transformers 2 und HASBROs weiteren Kino-Aktivitäten. Muss wohl als Warnung verstanden werden…

A pros pos zu schön…

Ich habe gerade mit großem Vergnügen „The Yiddish Policemen’s Union“ von Michal Chabon gelesen. Rahmendaten der Story: Das mit der Staatsgründung Israels 1948 hat nicht geklappt, und stattdessen haben sich die Juden in einem Teil von  Alaska niedergelassen. Allerdings mit der Einschränkung, dass im Jahre 2008 alles vorbei ist… Das Buch ist eine gelungene Mischung aus „Was wäre wenn“-Spielchen, Krimi, (Polit-)Drama und einer ordentlichen Portion hintergründigem Witz. Und nun lese ich doch tatsächlich, dass die Coen-Brüder („Lebowski“, „No Country for Old Men“) offenbar dabei sind, die Story auf die Leinwand zu bringen. Oh, das würde mich freuen. Freuen würde mich das!

Das ist echt ZU schön…

Laut IMDB dreht Arnold Schwarzenegger (dessen Amtszeit als ‚Governator‘ von Kalifornien ja ausläuft) mal wieder einen Actionfilm. „The Expendables“ soll er heißen, und das ist noch nicht alles. Regie führen wird Sylvester Stallone, der auch als Schauspieler dabei sein wird. Außerdem sind Dolph Lundgren (den gibt es noch?!), Jet Li, Jason Statham, C-Film-Ikone Eric Roberts UND Mickey Rourke eingeplant. Ich trau dem Braten noch nicht recht, aber sei es drum. Hier die IMDB-Infos zum Film, der (angeblich) im April 2010 die US-Leinwände beehren wird…

Steven Spielberg und Will Smith: "Old Boy"-Remake?

Der koreanische Film „Old Boy“ von Chan-Wook Park ist ein eher unwahrscheinlicher Kandidat für ein Hollywood-Remake. Immerhin ist die Story düster, zuweilen verwirrend und gewalttätig jenseits von Blockbuster-Konventionen. Die Herren Spielberg und Smith scheint das nicht zu interessieren, sie planen laut New York Times tatsächlich ein Remake – ungeachtet der Tatsache, dass unklar ist, wem die Rechte an einem solchen eigentlich gehören. Das klingt insgesamt sehr interessant…

Crossing Over

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko hat schon häufiger in Filmen eine entscheidende Rolle gespielt. Zuletzt etwa im völlig mißratenen „Bordertown“, in „The Three Burials of Melquiades Estrada“ oder auch in „Babel“. Der Titel „Crossing Over“ läßt darauf schließen, dass es auch in diesem Film in erster Linie um die Grenze selbst geht, doch dem ist nicht so. Der Film behandelt in mehreren Episoden die Probleme von (illegalen) Einwanderern aus verschiedenen Ländern – nur eine Episode beschäftigt sich dabei mit Mexiko. Die Ähnlichkeiten mit dem Oscar-prämierten Drama „LA Crash“, was die Herangehensweise an das Thema angeht, sind nicht zu übersehen. Für einen Innovationspreis fällt der Film also schon mal aus.

Harrison Ford spielt den Grenzschutz-Veteranen Max Brogan, Ray Liotta ist als korrupter Beamter mit dabei, Ashley Judd als Anwältin für Einwanderungsrecht. Die übrigen Hauptfiguren sind eine australische Schauspielerin, ein israelischer Musiker, ein auf die schief Bahn geratener junger Koreaner, eine querdenkende Schülerin und eine persische Familie, deren scheinbare Assimilation im Laufe der Story hinterfragt wird. Insgesamt schafft es der Film, sein Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln einzufangen, kann daraus aber nicht wirklich Kapital schlagen. Die komplexen Hintergründe, politisch wie sozial, werden bis auf ein paar Fingerzeige in Richtung 9/11 ignoriert. Die Figuren sind zwar weitgehend glaubwürdig entwickelt, doch bleibt keiner Figur genug Zeit das Publikum wirklich zu fesseln.

Um dem zuweilen arg tränendrüsigen Treiben einen Hoffnungsschimmer zu geben klingt an vielen Stellen die Bedeutung einer Green Card/Einbürgerung an, der große Stellenwert des amerikanischen Traumes – der nun mal amerikanischen Staatsbürgern vorbehalten ist. Eine große Einbürgerungszeremonie bildet dann auch das Finale des Films, in dem alle Handlungsstränge zu ihrem Ende geführt werden. Inszenatorisch ist das gar nicht schlecht, inhaltlich aber ist „Crossing Over“ zu dünn. Für eine fundamentale Kritik am System sind zuviele ausgleichende Töne drin, für ein packendes Drama zu viele Figuren. In die Laufzeit von 110 Minuten hat der Film immerhin genug sehenswerte Szenen hineingepackt, dass keine große Langeweile aufkommt, und er darf auch insgesamt als ernst- und gutgemeinter Versuch angesehen werden. Ein Versuch, der leider dem Mittelmaß nicht zu entkommen vermag.

3/5

Die Oscars: Mal was neues…

Ich persönlich kenne es ja nicht anders. Jedes Jahr sind bei den Academy Awards in den allermeisten Kategorien 5 Filme nominiert. Offenbar war das nicht immer so, und – viel wichtiger – es wird sich im nächsten Jahr ändern. Denn ausgerechnet in der wichtigsten und prestigeträchtigsten Kategorie „Bester Film“ wird es dann 10 Filme zur Auswahl geben. So berichtet es der Branchendienst Variety. Vielleicht keine schlechte Idee. Die Oscars können ein paar Änderungen vertragen, wobei ich da eher an eine Straffung der Preisvergabe gedacht habe. Und nicht an eine Verlängerung.

Andererseits sind die zweieinhalb Minuten, die die Vorstellung von 5 weiteren Filmen kostet, wohl zu verschmerzen. Wirklich interessant ist die Frage, ob 2010 tatsächlich eine spannendere, buntere Auswahl von Filmen nominiert wird. Oder einfach mehr oder weniger jeder Film mit 2 oder mehr Nominierungen in den restlichen Kategorien für den Hauptpreis nominiert wird. Die Academy kommt damit insgesamt natürlich den Filmproduzenten entgegen. Da dürfen künftig pro Jahr fünf weitere Filme mit dem Prädikat „Best Picture Nominee“ versehen werden, sicher nicht verkaufsschädigend.

Idee eines deutschen Produzenten: Neues Preissystem fürs Kino

Der deutsche Filmproduzent Christoph Müller stellt in der SZ eine einfache Frage. Angesichts der gewaltigen Budget-Unterschiede von Blockbustern und z. B. heimischen Produktionen, so Müller, müssten nicht die Filme an der Kinokasse auch unterschiedlich teuer sein (hier der ganze Gastbeitrag)?

Auf den ersten Blick klingt das logisch. Und Müller bietet auch ein paar solide Argumente, kann mich aber trotzdem nicht überzeugen. Denn natürlich sind teure Produktionen für die Kinos ohnehin teurer im Einkauf bzw. in der Miete. Da wird also schon ein Unterschied gemacht. Den Kinobetreibern stünde es frei, für Bond oder Star Wars mehr Eintritt zu verlangen. Sie holen ihre Extrakosten aber in aller Regel damit rein, dass mehr Zuschauer kommen, die Säale also besser ausgelastet sind. Und diese Zuschauer kaufen auch mehr Popcorn, Eis, Bier und was auch immer.

So funktionieren die großen US-Produktionen. Die ja gerne auch noch mit Merchandising (siehe „Transformers“) was dazuverdienen, und zudem meist strategisch auf einen riesigen, weltweiten Markt ausgerichtet sind. Nimmt man also die $ 180 Mio., die etwa „Terminator: Salvation“ gekostet hat und sieht sich dann an, auf welchen Märkten der Film große Chancen besitzt  relativiert sich das Risiko etwas – auch wenn die Summen natürlich gewaltig sind.

Nun ist Müller deutscher Produzent, und ich unterstelle mal, dass er mit seinem Vorschlag dem deutschen Film unter die Arme greifen möchte. Das ist sein gutes Recht. Doch gerade in den Großstädten ist sein Vorschlag wenig weiterführend. Es gibt ja bereits kleinere Kinogruppen, die sich auf deutsche Filme und Arthouse-Kino spezialisert haben. Ihre Preisgestaltung machen sie allein, und nicht selten kosten Filme weniger, wenn sie bereits eine Weile auf dem Markt sind.

Die Herren in den Chefetagen der Multiplexe sind ebenfalls nicht dafür bekannt, dass sie kein zusätzliches Geld nehmen würden. Sofern es sich denn verdiene ließe, indem „billigere“ Filme günstiger macht. De Facto gibt es aber beim Publikum wohl kein solches „Preis-Leistungs-Bewusstsein“. Wer ins Kino geht, der sucht nach eigenen Vorstellungen den Film aus. Und geht dabei von einheitlichen Preisen aus. Glaubt irgendjemand ernsthaft, ein bis zwei Euro mehr oder weniger für die verschienden Filme würde an der Entscheidungsfindung des Publikums etwas grundsätzliches ändern?

Ich jedenfalls nicht. Für mich gibt es drei Arten von Filmen:

  • die, die ich gerne und zeitnah sehen will, am liebsten im Kino
  • die, die ich sehen will, aber mir wohl zuhause angucke
  • die Filme, die ich einfach nicht sehen will

Wer mich kennt, der weiss, dass ich kein großer Fan des deutschen Films bin. „Chiko“ und „Dorfpunks“ werde ich auf DVD mitnehmen, ins Kino bin ich für 6 Euro pro Ticket nicht gegangen, und ich wäre auch nicht für drei Euro gegangen. Das Nischendasein des deutschen Kinofilms kann den Produzenten nicht gefallen, es ist richtig, dass sie sich dagegen stemmen. Aber vielleicht hat die (fehlende) Werztschätzung des Publikums auch etwas mit Machart und Qualität der Filme zu tun.

Fincher-Film über Facebook?

Wie Variety.com hier berichtet könnte David Fincher („Sieben“, „Benjamin Button“) die Regie bei einem geplanten Film über die Gründung und den Erfolg von Facebook übernehmen. Der Arbeitstitel lautet nicht ganz unpassend „The Social Network“. Irgendwie kann ich mir trotzdem nicht vorstellen, wie daraus ein Spielfilm werden soll, die Fakten sind ja hundertfach erzählt worden. Nun denn, „Facebook – The Movie“ hat ja in den 200 Mio. Nutzern eine große potentielle Zielgruppe. Mal sehen ob da wirklich noch dieses Jahr die erste Klappe fällt…

State of Play (Stand der Dinge)

Es mag daran liegen, dass ich zuletzt zuviele (Möchtegern)-Blockbuster mit beknackten Stories gesehen habe, aber ich halte „State of Play“ für einen der bisher besten Filme des Jahres. Der Film von Regisseur KevinMacDonald („Last King of Scotland“) ist ein packender, spannender und in sich schlüssiger Thriller. Er behandelt eine Vielzahl von Themen, wird den allermeisten gerecht, UND hat darüber hinaus glaubwürdige Figuren im Gepäck. Ich habe mir von dem Film nicht sonderlich viel erhofft, bin aber wirklich angenehm überrascht worden.

Überraschung Nr.1: Russel Crowe, der Last-Minute-Ersatz für Brad Pitt (siehe Interview hier), spielt groß auf. Ein Schauspieler von seinem Format könnte die Rolle eines engagierten Journalisten im Schlaf spielen. Aber Crowe hat offenbar wirklich Bock auf die Rolle gehabt, geht darin auf und verschafft seiner Figur eine echte Persönlichkeit. Davon profitiert natürlich der ganze Film und auch Crowes Kollegen, allen voran Rachel McAdams und Ben Affleck.

Überraschung Nr.2: Die Story von „State of Play“ hätte leicht in Hollywood-typisches Nonsens-Territorium abgleiten können. Doch trotz zahlreicher Twists bleibt das Geschehen plausibel. Überraschungen sind natürlich enthalten, aber der Film hat am Ende nicht vergessen, was er dem Publikum am Anfang erzählt hat. Es gibt auch keine ominöse, regierungsnahe Geheimorganisation, der man den schwarzen Peter zuschiebt. Die Story, dass muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, funktioniert. Ohne Anti-Materie und Giftmord…

Hier ist ein Polit-Krimi, der eindeutig im Hier und Jetzt spielt, aber nicht auf konkreten Tatsachen basiert. Die Themen sind breit gefächert: politische Korruption, modernes Söldnertum im Auftrag der Regierung (siehe die reale Firma Blackwater), der drohende Ruin der Printmedien, zwei scheinbar sinnlose Morde und der Kampf zweier Männer um eine Frau. Keine Einblendung will dem Publikum weissmachen, dass die Story real wäre. Der Film spricht ein Publikum an, das weiss, dass die Story realistisch ist.

Der Film beginnt mit drei Todesfällen. Nur einer davon macht zunächst Schlagzeilen, der von Sonia Baker. Baker war Assistentin des Kongressabgeordneten Collins (Affleck) und betrieb für einen Ausschuss Recherchen hinsichtlich des Geschäftsgebaren der Söldnerfirma PointCorp. Sie war außerdem Collins‘ Geliebte, was für die Presse natürlich ein gefundenes Fressen ist. Weniger begeistert ist Collins Frau (Robin Wright Penn) von der ganzen Angelegenheit. Für den fiktiven „Washington Globe“ ist Cal McAffrey (Crowe) an der Story dran, der mit Collins und dessen Frau seit College-Zeiten befreundet ist. Wem soll McAffrey jetzt Loyalität beweisen, seinem Freund oder der Auflage seiner Zeitung?

Ebenfalls mit im Boot ist Rachel McAdams als Vorzeige-Bloggerin der Zeitung und damit Verkörperung der modernen (vorgeblich auf „Meinungen“ basierenden) Web-Medien, die aus ihrer (eigentlich undankbaren) Rolle das beste rausholt. „State of Play“ thematisiert ganz bewusst den andauernden Niedergang der Printmedien und beruft sich auf journalistischen Ethos und Traditionen. Der ganz große Wurf im politischen Journalismus, so in etwa lautet die Message, ist eben doch den hartnäckigen Profis vorbehalten. Zum Glück des Films lässt er aber auch anklingen, dass es essentiell um Insiderwissen und die besten Beziehungen in alle beteiligten Kreise geht.

Von der Inszenierung her ist „State of Play“ ein Zwitterwesen. Auf große Action wird verzichtet, ein wichtiger Todesfall findet abseits der Kamera statt. Schnitt und Musik wiederum geben mächtig Gas und schlagen ein flottes Tempo ein. Ruhepausen gönnt man sich selten, und nie ohne doch wieder in Fahrt zu kommen. Und genau das macht den Film aus, weil er bei hohem Tempo doch nie ins Stolpern gerät, nie den Faden verliert und am Ende immer noch zu überraschen vermag. „State of Play“ hat durchaus seine Schwachstellen, insgesamt aber ist er ein wunderbares Beispiel dafür, dass unterhaltsames Kino nicht dumm, und anspruchsvolle Unterhaltung nicht langweilig sein muss. Hut ab!

4/5

Und sonst so?

Das derzeitige Kinoprogramm finde ich nicht so sonderlich spannend. Sam Raimis neuen Horrorfilm „Drag Me to Hell“ würde ich wohl gerne sehen, aber irgendwie hat es keine englischsprachige Kopie nach Berlin geschafft – und soo dringed ist es auch nicht. „State of Play“ werde ich vielleicht spontan in den Spielplan integrieren, aber die ganz großen Erwartungen weckt auch dieser Film eher nicht. Hier dann also alternativ mal ein paar News aus dem Filmgeschäft:

Brad Pitt wollte mit Steven Soderbergh einen Film über Baseball drehen, doch das Studio sagt 2 Tage vor Drehbeginn doch noch „njet“, wie Variety.com hier berichtet… (Meinetwegen muss es auch so schnell nicht noch einen Film über Baseball geben. Die sind meist so öde wie der Sport selbst…)

Tim Burton hat seine Version von „Alice in Wonderland“ abgedreht, die bei uns im März 2010 anlaufen wird. Mit sind dabei – wenig überraschend für Burton – Johnny Depp und Helena Bonham Carter, außerdem Anne Hathaway und Martin Sheen. Die komplette Besetzung gibt es hier zu sehen…

Nächste Woche gibt es dann „Transformers 2“. Ich befürchte das schlimmste, auch wenn Teil eins durchaus Spaß gemacht hat. Nachdem die Figuren soweit stehen wird es diesmal wahrscheinlich sehr viel mehr Action geben, es bleibt die vage Hoffnung, dass dazwischen irgendwo eine Story versteckt ist, die für nicht-Teenies etwas anderes als NUR peinlich ist.

12 Runden

Durchschnittliche Actionfilme gibt es wahrlich genug, aber „12  Rounds“ war für mich einer zuviel. Die nächsten paar Streifen mit Ex-Wrestlern als Actionhelden müssen ohne mich auskommen, da guck ich mir lieber noch ein paar mal die „Die Hard“ oder „Lethal Weapon“-Filme an. „12 Runden“ folgt einem einfachen Prinzip. Ein Cop (John Cena) stellt einen Schwerverbrecher, wobei dessen Geliebte stribt. Der Bösewicht schwört Rache, flieht aus dem Knast. Und dann klingelt beim Cop das Telefon und eine Stimme sagt: „Let’s play a game“. In dem Moment hätte ich den Film ausmachen sollen, man erinnere sich nur an die unseligen „Saw“-Filme, in denen auch immer irgendwer ein beklopptes Spiel spielen wollte. Lernt Skat, Jungs! DAS ist ein Spiel.

Nun denn, der fiese Kerl in „12 Rounds“ spielt also mit seinem Opfer Katz-und-Maus, was der Film zum Anlass nimmt quer durch New Orleans zu hetzen und dabei ein paar nette Actionszenen aufzufahren. Wie das ganze ausgehen wird ist auch klar. Viel wäre also ohnehin nicht drin gewesen bei dem Material. Die Sache wird leider nicht besser durch die Anwesenheit von John Cena, gegen den Dwayne „The Rock“ Johnson ein begnadeter Charakterdarsteller ist. Mit seinem vierkantigen Schädel,tiefer Stimme und nicht vorhandenem Mimik-Repertoire rennt, wirft und grummelt er sich durch den lauen Plot. Und es macht schlicht keinen Spaß, ihm dabei zuzusehen. So wie das etwa bei John McClane immer der Fall war. Was bleibt, sind ein paar Explosionen, Verfolgungsfahrten und Schießereien, die man auch schon besser gesehen hat, und das nicht nur einmal. Laaaangweilig.

2/5

Bond vs. Taliban

Wie die Süddeutsche Zeitung hier berichtet wird es James Bond in seinem nächsten Film mit den Taliban zu tun bekommen. Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich, denn schon in „The Living Daylights“ war Bond am Hindukusch unterwegs. Damals (vor 20 Jahren) waren die Mudschaheddin allerdings noch Verbündete im Kampf gegen internationale Waffen- und Rauschgifthändler.

Ob der Filmreihe ein so hohes Maß an Realismus gut zu Gesicht steht ist bestenfalls unklar. Nach dem Ende des Kalten Krieges haben die Produzenten auf High-Tech-Terroristen, einen Medienmogul, einen Psychopathen und einen durchgeknallten General aus Nordkorea gesetzt, bevor in den neuen Filmen mit Daniel Craig in der Hauptrolle die Geheimorganisation Quantum eingeführt wurde. Nun sind also die Taliban an der Reihe, wenn auch sicherlich nicht in einer Story von „Rambo“-mäßiger Einfachheit.

Bösewichter hin oder her sollte der neue Bond wieder ein wenig 007-Zutaten ergänzen, die dem Vorgänger doch deutlich abgingen. Nichts gegen ernstgemeinte Actionfilme, aber seit wann muss James Bond darin mitspielen? Nach der Auferstehung der Figur, die nun weniger Playboy-mäßig elegant und selbstironisch angelegt ist, sollten sich die Produzenten gut überlegen, ob sie sich mit ihren Filmen wirklich soweit in die Realität wagen sollten. Aktuelle Kriegsfilme, dass werden sie nämlich auch mitbekommen haben, sind an der Kinokasse allesamt gefloppt. Für den nächsten Bondfilm ist das aber keine Option…

Und wieder ein Remake: "Conan" kommt wieder…

Wie Variety.com berichtet wird es ein Remake von „Conan“ geben. Regie führen wird der Deutsche Marcus Nispel, der mit „Texas Chainsaw Massacre“ und zuletzt „Freitag, der 13.“ bereits zwei Remakes verantwortet hat. Wer Arnold Schwarzenegger in der Titelrolle beerben wird ist unklar. Viele Fans der Reihe wünschen sich (durchaus verständlicherweise) Vin Diesel, aber das darf noch arg beweifelt werden. Ob der Film das Niveau (will sagen den herrlichen Stumpfsinn) von „Conan, der Barbar“ erreichen kann ist ebenfalls nicht sehr wahrscheinlich. Aber vielleicht wird man ja auch mal wieder positiv überrascht…

The Man from London (DVD)

Im Videodrom in Kreuzberg gibt es so viele Filme, da muss man sich nicht schämen, wenn man mal daneben greift. Wenn einem das Schicksal nicht wohl gesonnen ist, kann z. B. auch ein 135 Minuten langer Film dabei rauskommen, in dem GENAU GAR NIX passiert. In ellenlangen Einstellungen zeigt der Film, wie sich aus dem vermeintlichen Plot eine Meditation über ellenlange Einstellungen entwickelt. Nach dem wie, wo und warum mag man schnell gar nicht mehr fragen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir gestern die ersten drei Menschen in Deutschland waren, die den Film bis zum Ende gesehen haben. Wenn unser Leiden einen Sinn gehabt haben soll, dann bitte diesen: Dass wir die einzigen UND letzten waren, die ihre Zeit mit diesem langatmigen Haufen Büffelkotze verschwendet haben.

Falls es doch jemand nicht lassen konnte: Don’t even ask me what the f**k it was all supposed to mean. Oder anders formuliert: Manche Fragen stellt man nicht!

1/5

"The Road" – Trailer online

Da ich gerade den Roman lese werde ich noch damit warten, mir den Trailer von „The Road“ anzugucken. Bin schon sehr gespannt drauf, was „The Proposition“-Regisseur John Hillcoat aus dem Material gemacht hat – mit Viggo Mortensen, Charlize Theron, Robert Duvall  und Guy Pearce ist der Film ja recht prominent besetzt. Soweit ich das beurteilen kann (nach ca. 2/3 des Buchs) müsste es ein recht düsterer Film werden. Einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht, in den Staaten läuft „The Road“ im Oktober an. Und wenn er „zu“ gut ist, will sagen, wenn schnell von Oscars die Rede ist, müssen wir hierzulande sicher bis Februar oder gar März warten. Zum Trailer…

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