The Prestige (DVD)

Christian Bale und Hugh Jackman als rivalisierende Zauberer in London, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, unter der Regie von Christopher Nolan – das hätte richtig großes Kino werden können. Ist es aber leider nicht geworden, trotz guter Ansätze, starker Darsteller (u. a. Michael Cane, Scarlett Johansson, David Bowie) und einer ansprechenden Optik. Bei all den Tricks und der weit ausholenden Geschichte zweier Konkurrenten des Zauberhandwerks sind die richtig großen Aha-Momente dünn gesäht, und auch die große Auflösung fällt mindestens eine Nummer zu banal aus. Zumal man mindestens die Hälfte davon nach einer Stunde bereits vorhersagen kann. Richtig ärgerlich ist „The Prestige“ aber nicht, unterhaltsame und durchaus niveauvolle Unterhaltung wird geboten. Für Freunde der Magie kommt (hoffentlich) dieses Jahr auch „The Illusionist“ mit Edward Norton in die Kinos, der trotz einiger kleinerer Schwächen noch deutlich besser geworden ist als „The Prestige“.

Hannibal Rising

Es handelt sich hierbei um einen sehr schlechten Film. Jetzt ist es raus! Die „Vorgeschichte“ unseres Lieblingskannibalen Dr. Lecter ist eine von nervigen Klischees und unsagbar peinlichen Dialogen geprägte Fehlzündung. Das einzig Gute daran: angesichts der Grottigkeit des Geschehens vergisst man bald, dass es sich hier um denselben Hannibal Lecter handeln soll wie später im „Schweigen der Lämmer“. Der von Gaspard Ulliel gespielte „junge“ Hannibal ähnelt eher Grenouille aus dem „Parfum“, da ihm Intellektualität und Witz völlig abgehen. Stattdessen wird uns Lecter als Produkt seiner Umgebung verkauft, womit die Faszination des Bösen am Ende ist. Gerade in der Willkür und der Lust am Töten lag Lecters Geheimnis, hier ist er nun ein armseliger Racheengel, der von seiner japanischen Mentorin (Was für ein Quatsch ist das denn bitte!?) sein Handwerk erlernt. Bis auf unfreiwillige Komik gibt es hier nichts zu finden, also den Bereich „Hannibal Rising“ bitte weiträumig umfahren. Besser issas.

2/10

Spider Man 3

Hätte ja eigentlich der Start in eine große Blockbuster-Saison werden können, leider verkaspert sich Regisseur Sam Raimi in seinem vollgestellten Film und bringt uns massig neue Figuren, ohne mit ihnen was Nennenswertes anzufangen. Für Pixelmoster a la „Sandman“ hatte ich nie viel über, doch die gibt es leider im Übermaß. Es bleiben einige wirklich gute Lacher und das ungute Gefühl, dass die Macher hier tatsächlich vergessen konnten, ein anständiges Skript zu finden, in dem die lieb gewonnene Welt des Peter Parker ein weiteres mal zur Aufführung kommt. Durch den Film zieht sich dann auch noch – schlimmer als in Teil 2 – eine seifige Moral und ein Plot mit dermaßen eklatanten Löchern, dass es schon fast wieder komisch ist. Auf der IMDB-Skala mit gutem Willen gerade noch ne 5/10.

Es ist bitte Folgendes!

Erstmal vorbei sind die Zeiten, in denen ich Zeit und Lust hatte, auf dieser Seite Filmkritiken zu veröffentlichen. Ab dem 1. Juni gehöre ich zu den dauerhaften Frühaufstehern mit 40-Stunden-Woche, für ausführliche Rezensionen bleibt da wenig Zeit. Das bedeutet aber KEINESWEGS das Ende von dem Edzard ihm seinem Filmriss! Filme bleiben ja eine Herzensangelegenheit, und deshalb werde ich (vielleicht sogar häufiger als vorher) weiterhin meine Meinung abgeben, nur eben in kürzerer und etwas freierer Form. Über die Kommentare kann jeder gerne jedweden Senf dazugeben.

A Scanner Darkly (DVD)

Irgendetwas läuft schief wenn es um die Verbreitung von Filmen des Regisseurs Richard Linklater in Deutschland geht. Sein erster erfolgreicher Indie-Film „Slacker“ ist hierzulande ebenso wenig erhältlich wie „Tape“ (immerhin mit Uma Thurman und Ethan Hawke in den Hauptrollen) oder „Waking Life“. Letzteren hat Linklater vor fünf Jahren im selben Rotoscoping-Verfahren gedreht wie jetzt „A Scanner Darkly“, der auf einem Buch des „Blade Runner“-Autors Philip K. Dick basiert. Dabei werden digital gefilmte Realbilder nachträglich übermalt. Die Gesichter der Schauspieler sind zwar noch erkennbar, sehen aber befremdlich aus, was auch für alle übrigen Gegenstände oder Hintergründe gilt.
Das Szenario ist Los Angeles anno 2013. Ein Großteil der Bevölkerung ist der psychoaktiven neuen Droge „Substance D“ verfallen, deren Herkunft der Polizei Rätsel aufgibt. Ein neuartiges Undercover-Programm soll bei der Aufklärung behilflich sein. Dazu werden Zivilisten angeheuert, die sich unter Junkies mischen und als solche ausgeben sollen. Jeder ihrer Schritte wird dabei gefilmt, anschließend werten sie selbst das Material aus. Dabei werden sie – zum Schutz ihrer Anonymität – in futuristische Anzüge gesteckt, die ihre Identität gegenüber der Polizei verbergen. Bei einer großen Zentrale laufen die Fäden dieser totalen Überwachungsgesellschaft zusammen. Zu den zivilen Undercover-Ermittlern gehört auch Bob Arctor (Keanu Reeves), in dessen Haus sich die Junkies James, Ernie und Charles (Robert Downey Jr, Woody Harrelson und Rory Cochrane) treffen. Hin und wieder ist auch Donna, gespielt von Winona Ryder, mit von der Partie. Bob gerät jedoch schnell ebenfalls in den Bann der Droge, seine Wahrnehmung der Realität verschwimmt zusehends, und er kann seiner Arbeit nicht mehr nachkommen.Die surrealen, traumhaften Bilder des Rotoscopings passen glänzend zu der von wirren Dialogen und dauerpräsenter Paranoia geprägten Story. Dabei ist es nicht immer einfach der Handlung zu folgen, denn die Fronten zwischen Polizisten, Zivilisten und Vertretern der mächtigen Drogentherapiebehörde „New Path“ klären sich erst sehr spät. Das Gefühl von schizophrener Ohnmacht, dass vor allem die Hauptfigur Bob Arctor umtreibt, springt so zum Teil auf das Publikum über. Robert Downey Jr. und Woody Harrelson spielen gut gelaunt ihrem Image als Drogenkonsumenten in die Hände und liefern sich eine Vielzahl von völlig beknackten und dabei urkomischen Wortgefechten. Reeves und Winona Ryder haben die ernsthafteren Rollen, die sie souverän ausfüllen.

Ich bin kein großer Freund von animierten Bilder oder Zeichentrickfilmen, weil es mir immer sehr schwer fällt, für Figuren Interesse und Mitgefühl aufzubringen, die nicht aus Fleisch und Blut gemacht sind. Bei „A Scaner Darkly“ ist das aber kein Problem, denn hinter den gemalten Bildern sind die „echten“ Schauspieler immer als solche zu erkennen. Ein Vorteil der Entfremdung liegt auch darin, dass die ansonsten sehr aufwändigen Effekte (wie z. B. die Darstellung der ständig die Gestalt wechselnden Anzüge) mit einem moderaten Budget realisiert werden konnten.

In den USA lief der Film im Sommer in den Kinos, allerdings auch dort nur in den Großstädten und an den Küsten. Aufgrund des experimentellen Charakters von „A Scanner Darkly“ war mit einem großen Publikumserfolg wohl nicht zu rechnen, trotzdem scheint mir das Marketing doch recht dürftig zu sein. Die DVD erscheint in Nordamerika Ende des Jahres, in Frankreich, Spanien und weiteren europäischen Ländern kam der Film diesen Herbst in die Kinos. Nur wir armen Teutonen mussten uns lange gedulden, bevor wir diesen herausragenden und innovativen Film nun doch noch auf DVD zu sehen bekommen.

9/10