Casino Royale

Nach vier Filmen mit Pierce Brosnan als James Bond haben die Produzenten der 007-Reihe die Zusammenarbeit beendet. Etwas verdutzt nahm die Welt zur Kenntnis, daß fortan der Engländer Daniel Craig als Superagent die Welt retten sollte. Die Vorbehalte gegen Craig waren immens. Er ist blond, sieht nach herkömmlichen Standards nicht so gut aus wie Brosnan und hat sich bislang keineswegs einen Namen als Actionheld gemacht. Auch ich war einigermaßen skeptisch, andererseits aber auch schwer enttäuscht von Brosnans letztem Film „Die Another Day“. Zuviel irrwitziger Zirkus, zu vollgestellt und – für Brosnan ungewöhnlich – zu uncool. So ist die Neubesetzung der Hauptrolle auch eine Chance für die Produzenten, ein paar Änderungen vorzunehmen, und diese Chance haben sie erstaunlich konsequent genutzt.Der „neue“ Bond, der sich in „Casino Royale“ vorstellt, ist gerade erst zum 00-Agenten befördert worden. Zum Ärger seiner Vorgesetzten M (Judi Dench) nutzt Bond seine neuerworbene Lizenz zum Töten bei seinem zweiten Einsatz eine Spur zu Publicity-wirksam ein. Trotz ihrer Mißgunst schickt sie 007 zu einem gefährlichen Einsatz nach Montenegro, wo der verschlagene Geldwäscher Le Chiffre (Mads Mikkelsen) im „Casino Royale“ eine Pokerrunde mit monströsen Einsätzen veranstaltet. Dabei an seiner Seite ist die schöne Vesper Lynd (Eva Green), die in erster Linie auf die Bond anvertrauten 10 Millionen Dollar aufpassen soll.

Verglichen mit den jüngsten Brosnan-Filmen hat sich im Universum Bond einiges geändert. Es gibt keinen Q, und somit auch nur sehr wenige Gimmicks, es gibt keine extra lange Actionsequenz vor den Credits, und es gibt – zum Glück – auch keinen aberwitzigen Bösewicht, der die Welt beherrschen will. Die Story von „Casino Royale“ legt ihren Fokus eindeutig auf die Figur des Geheimagenten, der sich in der komplizierten Welt der internationalen Spionage zurecht finden muss. Daniel Craig ist als Bond weniger glatt als sein Vorgänger, und die Arbeit geht ihm weniger leicht von der Hand. In einer der schönsten Szenen des Films kommt kurz Bonds Herkunft als Waisenjunge ins Spiel, ein wichtiger Hinweis darauf, dass diese neue Bondfigur nicht als smarter Superheld und Frauenverführer auf die Welt gekommen ist. An anderer Stelle kommt gar die Frage auf, ob er sein Dasein als Spion nicht völlig aufgeben sollte.

Eva Green macht als Bonds Love-Interest eine sehr gute Figur. Im Gegensatz zu den allermeisten Bondgirls kann man die von ihr gespielte Vesper Lynd als Figur ernst nehmen. So schick Halle Berry auch sein mochte, ihre Rolle als toughe CIA-Agentin Jinx in „Die Another Day“ war letztlich nichts weiter als ein scheeles Zugeständnis an den Massengeschmack. Judy Dench ist als M wie immer überzeugend und sorgt für ein bißchen Kontinuität, Jeffrey Wright gibt einen guten Felix Leiter, während die Abwesenheit von Q nicht sonderlich schwer wiegt. Der originale Q-Darsteller Desmond Llewelyn ist ohnehin nicht zu ersetzen, auch wenn mir scheint, dass sich die Produzenten für den nächsten Film einen Nachfolger suchen werden.

Einer großen Tradition der Reihe bleibt man gleichwohl treu. Die Handlung umfasst locker ein halbes Dutzend Schauplätze, darunter Prag, die Bahamas, Miami, Montenegro und Venedig, Bösewicht Le Chiffre verschlägt es anfangs gar in den Dschungel Ugandas. Die Action hat sich dagegen stark gewandelt. Statt gigantischer Sets und wilden Effekten gibt es nun beinahe herkömmliche Schießereien und Verfolgungsjagden, die jedoch packend und mit viel Gespür fürs Material umgesetzt wurden. Bonds erste Großtat in „Casino Royal“ ist eine wahrlich beeindruckende Verfolgungsszene per pedes quer durch eine Großbaustelle samt der dazugehörigen Kräne. Gegen Ende zeichnet er verantwortlich für den Untergang eines kompletten Altbaus, der unzweifelhaft unter Denkmalschutz stand…

Ein paar Schwächen gibt es leider auch zu vermelden. So ist der Film locker eine Viertelstunde zu lang, und die Story nicht immer sonderlich schlüssig. Auch sind einige Szenen (Stichwort: Selbstwiederbelebung) etwas over-the-top geraten und lassen einen schon mal schmunzeln. Grundsätzlich aber ist dieser Neustart ein voller Erfolg geworden. Daniel Craig verleiht James Bond mit seiner ungeschliffenen, körperbetonten Art neue Facetten, ohne ihr damit zu schaden. Das Drehbuch enthält eine Vielzahl klassischer Szenen (Casino, Aston Martin, Vernaschen der Frauen von Bösewichtern), die dem Film den dringend benötigten Bond-Charakter verleihen, und darüber hinaus einige köstliche Dialoge. Regisseur Martin Campbell hat mit „Goldeneye“ schon einmal einen sehr guten Neustart der Reihe in Szene gesetzt, und ist auch in diesem Fall ganz klar die richtige Wahl. Vergessen wir also das ganze Gerede, daß Craig kein Bond sein kann – denn es ist, wie es bei Bondfilmen sein sollte: Man hat gerade einen gesehen und freut sich schon wie ein kleines Kind auf den nächsten.

9/10

Die Super-Ex

Filme über Superhelden gab es in den letzten Jahren mehr als genug. Neben Spiderman eroberten die X-Men und viele andere die Leinwand, dazu wurden Batman wie auch Superman erneut aus der Taufe gehoben. Regisseur Ivan Reitman („Ghostbusters“) bringt mit G-Girl nun seine eigene Superheldin auf die Leinwand. Der Witz an der Sache: „My Super Ex-Girlfriend“ ist eine romantische Komödie, die mit den klassischen Motiven ihrer ernstgemeinten Vorgänger völlig unverfroren Schabernack betreibt. Vor allem dank des naiv-charmanten Tones, den der Film anschlägt, geht die Rechnung dabei erstaunlich gut auf.Los gehts mit Matt Saunders (Luke Wilson), einem netten Kerl von nebenan. Der ist schon lange heimlich in seine mit einem Model liierte Kollegin Hannah (Anna Faris) verliebt, wird aber von seinem Kumpel Vaughn angestiftet, in der U-Bahn eine unbekannte Frau um ein Date zu bitten. Diese Frau ist Jenny Johnson (Uma Thurman) und macht – zumindest auf den ersten Blick – den Eindruck einer autistischen Bibliothekarin. Immerhin stimmt sie einem Date mit Matt zu, nachdem der den Diebstahl ihrer Handtasche verhindern kann. Gleich beim ersten Date redet sich Jenny um Kopf und Kragen, eine Rolle, die in den meisten Filmen den Kerlen zufällt. Die beiden werden trotzdem ein Paar, und bald eröffnet Jenny dem arglosen Matt ihre wahre Identität – sie ist G-Girl, New Yorks Superheldin Nr. 1.

Matt findet das zunächst mal große Klasse. Immerhin vögelt er eine waschechte Superheldin, wenn dabei auch mal (oder eher immer) das Bett zu Bruch geht. Leider entpuppt sich Jenny langsam aber sicher als neurotisch-eifersüchtiges Biest, und lässt Matt keine andere Wahl als die Beziehung zu beenden. An Ort und Stelle schwört G-Girl Jenny Rache, um dann buchstäblich durch die Decke zu gehen. Sie lässt in der Folge nichts unversucht, Matt für seine (angebliche) Grausamkeit zu bestrafen. Der will gleichzeitig endlich Kollegin Hannah seine Liebe gestehen. Das riecht nach Ärger. Und genau den gibt es im Stile einer gut gelaunten Nummernrevue auch zu sehen.

Die Hauptdarsteller tragen einen großen Anteil zum Gelingen dieses Films mit bei. Luke Wilson gibt den sympathischen Durchschnittstypen, dem die Situation verständlicherweise über den Kopf wächst. Uma Thurman gibt ohne unnötige Übertreibung die Superheldin und bringt Jennys Schwächen gleichzeitig gekonnt rüber. Auch Anna Faris und die Nebendarsteller passen wunderbar ins Bild. Man behalte dabei bitte im Auge, dass sich „Die Super-Ex“ keineswegs ernst nimmt, sondern einfach mit großer Freude durch sein gut durchdachtes Szenario tingelt. Der Film bietet einige richtig gute Lacher, ein paar flotte Actionsequenzen (die sich gar nicht erst die Mühe machen, mit den Großproduktionen in Konkurrenz zu treten) und findet ein gut zum Geschehen passendes Ende. Ganz nebenbei gibt es natürlich auch noch einen Bösewicht zu bekämpfen, der G-Girl ein für allemal ihrer übernatürlichen Kräfte berauben will.

„Die Super-Ex“ bietet gekonnte Unterhaltung, wird aber niemanden aus den Schuhen hauen. Daß er mir trotzdem gut gefallen hat, liegt vor allem am Drehbuch. Da stimmen die Proportionen zwischen Spaß und Action, es gibt keine Figur mehr als nötig und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Der Weg dahin bietet gute und vor allem witzige Dialoge, Schauspieler, die ihre Rollen verstanden haben, und ein paar treffende Seitenhiebe auf die Fledermaus- und Spinnenmänner dieser Welt. In einer der schönsten Szenen schmeißt G-Girl ihrem verhassten Ex einen lebendigen Weissen Hai ins Schlafzimmer – Strafe muss schließlich sein. Wer darüber nicht lachen kann, der sollte es mit dieser Komödie lieber gleich sein lassen.

7/10

Scoop – Der Knüller

Im zarten Alter von 70 Jahren hat Woody Allen mit seinem letzten Film „Match Point“ den Sprung über den Atlantik gewagt. Statt der New Yorker Intellektuellen-Szene nahm er die britische Upper-Class unter die Lupe, statt einer Komödie drehte der Meister einen cleveren Thriller, in dem er nicht mal selbst mitspielte. Allen ist in London geblieben, und hat mit „Scoop“ gleich noch einen Film dort gemacht, diesmal jedoch unter anderen Vorzeichen. Geblieben ist lediglich seine Hauptdarstellerin, Scarlett Johansson, nun an der Seite von Hugh Jackman und eben Woody Allen höchstpersönlich.Von den vielen Filmen des Regisseurs lässt sich „Scoop“ am ehesten mit Komödien wie „Im Bann des Jade Scorpions“ oder „Mighty Aphrodite“ vergleichen. Der Ton ist beschwingt, geradezu albern, was angesichts der Story nicht sonderlich verwundert. Allen spielt einen Zauberer namens Sidney Waterman, der in seiner Show die junge Amerikanerin Sondra (Johansson) verschwinden lässt. Die wird bei diesem Hokuspokus vom Geist eines verstorbenen Reporters heimgesucht, der aus dem Jenseits erstaunliche Neuigkeiten mitbringt. Peter Lyman (Hugh Jackman), Sproß einer reichen Adelsfamilie, soll der lange gesuchte Tarot-Karten-Killer sein. Als Journalistik-Studentin muss Sondra dieser Spur natürlich nachgehen, gegen den Rat von Magier Waterman, der sich für ihre Ermittlungen nur mäßig begeistern kann. Dummerweise verliebt sich Sondra bald in den smarten Gentleman, und die Komplikationen des Falles häufen sich.

Woody Allen hat sichtlich Freude an seiner – selbstgewählten – Rolle des alten Zauberers, der mit immergleichen Tricks sein Publikum bei Laune hält. Die Szenen zwischen ihm und der fast fünfzig Jahre jüngeren Scarlett Johansson sind eine wahre Freude, gespickt mit typisch-witzigen Dialogen. Anders als bei „Match Point“ fehlt der Story jeglicher psychologischer Ballast, an Stelle pointierter Charaktere serviert Allen ein vergnügliches Lustspiel, das niemandem weh tut und sich selbst nicht wirklich ernst nimmt. Besonders glaubwürdig ist die Handlung von „Scoop“ dementsprechend nicht, weshalb einige Szenen und Wendungen doch ziemlich gestellt wirken.

Für viele Kinogänger (und Kritiker) wird der Film eine Enttäuschung sein, was nicht weiter verwundert. Nach einem Meisterwerk sind die Erwartungen natürlich extrem hoch. Gemessen am bisherigen Schaffen von Woody Allen ist „Scoop“ kein großer Wurf, macht dabei aber eine Menge Spaß. Zumindest für Fans ist der Gang ins Kino also definitiv zu empfehlen. Mir persönlich ist ein mittelmäßiger Woody-Allen-Film immer noch lieber als der größte Teil aller sonstigen Komödien. Wem das nicht so geht, der kann sich den Film auch problemlos sparen.

7/10

The Last Kiss

In Tony Goldwyns „The Last Kiss“ ist schnell klar worum es geht. Als Kind, so verrät uns Michael (Zach Braff) per Off-Kommentar, hat er sich immer gewünscht mit 30 Jahren einen guten Job zu haben, Zeit mit seinen Freunden von früher zu verbringen und eine wunderbare Frau an seiner Seite zu haben. Und das alles ist auch eingetreten, aber Michael fühlt sich eher erdrückt und gefangen als glücklich. Im weiteren Verlauf des Films soll sich also klären, ob er mit seiner schwangeren Freundin Jenna (Jacinda Barrett) eine Familie gründen wird, oder eben nicht.Wie schon in „Garden State“ spielt Zach Braff einen recht stillen, aber witzigen Typen, der sich mit einer neuen Situation anfreunden muss. Die ungeplante Schwangerschaft seiner Freundin zementiert quasi die Tatsache, daß Michael nun endgültig zu den Erwachsenen zählt. Mit der Konsequenz, daß z. B. die Eltern von Jenna von ihm auch entsprechendes, will sagen reifes und vernünftiges, Verhalten einfordern. Wie es der Zufall (oder besser das Drehbuch) so will, läuft ihm genau in diesem Moment die attraktive Studentin Kim (Rachel Bilson) über den Weg, die ihm auf recht direkte und sehr charmante Art zu verstehen gibt, daß sie „interessiert“ ist.

Mit seinen Problemen ist Michael aber nicht alleine. Sein Kollege Chris (Casey Affleck) ist bereits einen Schritt weiter, seine ersten Monate als Familienvater und Ehemann sind ein komplettes Desaster. Dann wäre da noch Kenny, der sich die Zeit mit One-Night-Stands vertreibt, und Izzy, der über die Trennung von seiner Freundin einfach nicht hinweg kommt. Diese Charaktere sind nicht uninteressant und werden von ihren Darstellern auch überzeugend gespielt. Leider vernachlässigt der Film sie mit zunehmender Laufzeit zu Gunsten der zentralen Story um Michael und Jenna.

Das größte Problem von „The Last Kiss“ sind weder die Schauspieler noch die Dialoge, sondern vielmehr ein ziemlich laues Drehbuch. Insgesamt ist die Story zu vorhersehbar, frei von Überraschungen oder dramatischen Wendungen. Stattdessen bietet es dem Zielpublikum der 20 bis 35-jährigen eine beinahe gefällige Geschichte ohne ernsthafte Ecken und Kanten. Für ein Drama fehlt es schlicht an Dramatik, für eine Komödie aber ist der Ton zu ernst. Gegen dieses Dilemma kann auch die gute Besetzung nicht anspielen.

Ein paar gute Ansätze sind also durchaus vorhanden, weshalb „The Last Kiss“ auch keineswegs ein schlechter Film geworden ist. Doch fehlt ihm eindeutig das gewisse Etwas. „Garden State“ etwa bot eine charmantere Geschichte mit mehr Witz und Tiefgang, „The Rules of Attraction“ konnte mit seiner zynischen Darstellung einer Generation ernsthaft provozieren. Hier aber wurde irgendwie für alles der kleinste gemeinsame Nenner gesucht und gefunden. Mit dem Ergebnis, daß der Film wohl den allermeisten Leuten ganz gut gefällt, aber niemanden wirklich begeistern kann.

6/10

Crank

„Crank“ ist ein wahres Monster von einem Film. Ein Minimum an Handlung, stereotype Charaktere, gepaart mit einer bestialischen Überdosis Action, Gewalt und Humor. Dabei ist der Film so politisch unkorrekt und brutal, dass sich eine Freigabe ab 18 Jahren von selbst versteht. Der Schlüssel zum Verständnis zu dieser cineastischen Höllengeburt des Regisseur-Duos Neveldine/Taylor liegt darin, „Crank“ nur an dem zu messen, was er sein will. Überlaute, blutige, übertriebene und keinesfalls ernst zu nehmende Unterhaltung für ein überwiegend männliches Publikum.

Dem Mafia-Hitman Chev Chelios (Jason Statham) wird zu Beginn ein tödliches Gift namens Beijing Cocktail injiziert. Seinen unausweichlichen Tod kann Chev durch Adrenalinschübe und die Einnahme von aufputschenden Drogen nur hinauszögern. Diese (völlig hanebüchene) Prämisse bestimmt die komplette Handlung, denn Chev wagt von nun an die halsbrecherischsten Stunts, um Adrenalin zu produzieren. Dass er dabei nicht viel Rücksicht nehmen kann, ist klar – jede Ruhepause würde seinen Tod bedeuten.

Den kompletten Film über ist Chev also in Bewegung. Mal rast er mit seinem Auto durch eine Shopping-Mall, dann klaut er einem Polizisten sein Motorrad oder legt sich mit einem Haufen übler Gangster an. Hauptsache Action, nur keinen Gang runterschalten. Um diesen irrsinnigen Kampf gegen die Zeit visuell stimmig umzusetzen, greifen die Regisseure zu Splitscreen-Aufnahmen, Handkameras, und einem rasanten Schnitttempo. Zum passenden Soundtrack gehört z. B. das grandios-lärmende „New Noise“ von The Refused.
Dieses wahnwitzige Szenario wird dem Publikum mit einer anständigen Portion Humor serviert, der Film kann gewissermaßen über sich selber lachen. Das Gelächter im Saal war jedenfalls groß, als Chev – zum Zwecke der Adrenalinproduktion versteht sich – in aller Öffentlichkeit seine Freundin (Amy Smart) vögelt, versehentlich einen Wellensittich erschießt oder einem Kontrahenten den Arm abhackt. Das alles ist sicher völlig geschmacklos, aber gerade diese anarchistische Ader macht hier den Reiz aus. Ein weiteres Beispiel: Um sein Taxi zu klauen wirft Chev den dunkelhaarigen Fahrer auf die Straße, zeigt mit dem Finger auf ihn, spricht die Worte „Al Qaida“ – und schon fallen die Passanten über ihn her.

Hauptdarsteller Jason Statham trägt den Film fast die komplette Spielzeit auf seinen Schultern. Ohne seine überzeugende Leistung würde „Crank“ implodieren, aber Statham bringt die komischen Szenen ebenso gut rüber wie die zahlreichen Stunts. Nebenbei lässt er das Publikum durch ein paar scheele Blicke wissen, dass er sich der Farce, in der er da mitspielt, voll und ganz bewusst ist. Der vergiftete Killer Chev hat über die gesamte Laufzeit nur ein Ziel, und das ist natürlich Rache. Die Schwierigkeit besteht darin, den Obergangster Ricky Verone rechtzeitig ausfindig zu machen, bevor bei Chev für immer die Lampen ausgehen. Es kommt nach wie im Flug vergangenen knapp 80 Minuten zum Showdown auf dem Sonnendach eines Wolkenkratzers, wo sich ein Riesenhaufen verfeindeter Gangster gegenüberstehen.

Schon wegen der dauerpräsenten Gewalt und seiner allgemeinen Mißachtung des guten Geschmacks ist „Crank“ sicher nicht jedermans Sache. Für seine konsequente Linie gebührt seinen Machern Respekt. Der Film steht jenseits von Gut und Böse, und wird spätestens auf DVD auch ein größeres Publikum finden.

7/10

Children of Men

Großbritannien im Jahre 2027, die Welt ist endgültig aus den Fugen geraten. Die zivilisierte Welt ist im Chaos versunken, die Menschen geteilt in „legale“ Bürger und „illegale“ Flüchtlinge. Doch es kommt noch schlimmer: seit über 18 Jahren sind keine Kinder mehr auf die Welt gekommen, aus ungeklärten Gründen sind die Menschen unfruchtbar geworden. Durch dieses düstere Szenario wandelt der ehemalige politische Aktivist Theo Faron, gespielt von Clive Owen. Er scheint sich mit dem Ende der Menschheit abgefunden zu haben, den in England dauerpräsenten Terror von Rebellen nimmt er ebenso stoisch zur Kenntnis wie die Zeitungsberichte über den tragischen Tod von „Baby Diego“, dem jüngsten Erdbewohner. Lediglich im abgelegenen Haus seines alten Freundes Jasper (Michael Caine mit Hippie-Mähne) kann Theo dem schrecklichen Alltag für einige Zeit entkommen. Mehr…
8/10

Children of Men

Großbritannien im Jahre 2027, die Welt ist endgültig aus den Fugen geraten. Die zivilisierte Welt ist im Chaos versunken, die Menschen geteilt in „legale“ Bürger und „illegale“ Flüchtlinge. Doch es kommt noch schlimmer: seit über 18 Jahren sind keine Kinder mehr auf die Welt gekommen, aus ungeklärten Gründen sind die Menschen unfruchtbar geworden. Durch dieses düstere Szenario wandelt der ehemalige politische Aktivist Theo Faron, gespielt von Clive Owen. Er scheint sich mit dem Ende der Menschheit abgefunden zu haben, den in England dauerpräsenten Terror von Rebellen nimmt er ebenso stoisch zur Kenntnis wie die Zeitungsberichte über den tragischen Tod von „Baby Diego“, dem jüngsten Erdbewohner. Lediglich im abgelegenen Haus seines alten Freundes Jasper (Michael Caine mit Hippie-Mähne) kann Theo dem schrecklichen Alltag für einige Zeit entkommen.Mit dem Alltag ist es bald vorbei. Seine Ex-Frau Julian (Julianne Moore), inzwischen Anführerin einer Gruppe von Regimegegnern, bittet Theo um einen heiklen Gefallen. Er soll Papiere besorgen, die einer unbekannten Frau eine Reise durch England ermöglichen. Ohne genau zu wissen, worauf er sich einlässt beginnt für Theo nun ein wilder Trip von London in Richtung eines ominösen Hospitalschiffes vor der Küste. Denn die „Illegale“ Kee ist hochschwanger, was die skrupellosen Behörden auf keine Fall erfahren dürfen.

Obwohl „Children of Men“ ganz sicher ein Science-Fiction-Film ist, wird die Handlung stärker durch den Road-Movie-Charakter geprägt. Ähnlich wie bei Spielbergs letztjährigem „Krieg der Welten“ reist hier eine kleine Gruppe von Menschen durch eine von Chaos, Anarchie und Terror geprägte Umwelt, immer auf der Suche nach Unterschlupf, immer in Angst vor zahlreichen Feinden von innen und außen, und immer in Bewegung. Regisseur Alfonso Cuaron („Y Tu Mama Tambien“, „Harry Potter 3“) gelingen dabei atemberaubende Actionsequenzen, die den Zuschauer in langen Einstellungen mitten in die Verfolgungsjagden und Schießereien hineinwerfen. Die bedrohliche Klangkulisse trägt dabei ebenso bei wie die meist der subjektiv arbeitende Kamera.

Das Bild von dieser nicht allzu fernen Zukunft ist geprägt von einer tristen und moströsen Architektur, sowie nur leicht abgewandelten Autos oder Zügen. Technologischer Fortschritt scheint ebenso auf der Strecke geblieben zu sein wie die Fortpflanzung der Menschheit. Über die konkreten Gründe, wie die Welt so werden konnte, erfährt man relativ wenig. Kurze Ausschnitte von Aufruhr und Gewalt in der ganzen Welt belgen nur Tatsachen liefern aber keine Erklärungen. Der Kampf der Rebellen richtet sich gegen das grausame Vorgehen der Polizei gegen die zahlreichen Flüchtlinge, die Regierung setzt offensichtlich (aber eher wirkungslos) auf Kontrolle und Unterdrückung.

Die Anleihen bei der Gegenwart sind zahlreich und nicht zu übersehen, dennoch wirkt „Children of Men“ nicht wie politisches Kino im klassischen Sinn. Es gibt keine charismatischen Rattenfänger, die das Volk tyrannisieren, nur eine große Masse namenloser Befehlsempfänger. Auch gibt sich der Film nicht (wie ein Trailer befürchten lies) hemmungslos dem pathetischen Aspekt der Erlösung durch Kees Baby hin, sondern führt seine Charaktere glaubwürdig durch sein apokalytisches Szenario. Sogar eine gesunde Portion Humor ist hier im Spiel, der für die wichtigen menschlichen Momente sorgt. Clive Owen ist eine gute Wahl für die Hauptrolle, die ihm eigene lakonische Art, verbunden mit großer Tatkraft kommen dem Film dabei besonders zugute.

Die Story von „Chlidren of Men“ lässt einigen Spielraum zur Interpretation, auch wenn das Ende recht eindeutig ausgefallen ist. Das Besondere des Films liegt dabei vor allem in der seltenen Mischung aus intensiver Action und einer intelligenten Story, die zum Nachdenken anregen soll. So müsste er ein Arthaus-Publikum ebenso zufriedenstellen wie ein eher actionorientiertes jüngeres Publikum. Oder aber beide Zielgruppen sparen sich den Gang ins Kino und warten auf die DVD. Das wäre für alle Beteiligten schade.

8/10

Borat

Kaum ein Film hat in letzter Zeit so einen Hype kreiert wie diese Fake-Dokumentation von Sacha Baron Cohen, besser bekannt als Ali G. In seiner Fernsehshow nahm Cohen als selbst ernannter farbiger Slumbewohner (Cohen ist weiß und jüdischer Abstammung) das britische Establishment auseinander. Er stellte sich blöd, entlockte den Leuten ein paar überdeutliche Sätze und machte sich gemeinsam mit seinem Publikum gleichzeitig drüber lustig. Dieses mal ist Cohen ganz zu seiner Kunstfigur geworden. Als vermeintlicher kasachischer TV-Reporter Borat reist er in die USA, um für sein Land zu werben und die Vorzüge Amerikas kennenzulernen. Mehr…
8/10

Borat

Kaum ein Film hat in letzter Zeit so einen Hype kreiert wie diese Fake-Dokumentation von Sacha Baron Cohen, besser bekannt als Ali G. In seiner Fernsehshow nahm Cohen als selbst ernannter farbiger Slumbewohner (Cohen ist weiß und jüdischer Abstammung) das britische Establishment auseinander. Er stellte sich blöd, entlockte den Leuten ein paar überdeutliche Sätze und machte sich gemeinsam mit seinem Publikum gleichzeitig drüber lustig. Dieses mal ist Cohen ganz zu seiner Kunstfigur geworden. Als vermeintlicher kasachischer TV-Reporter Borat reist er in die USA, um für sein Land zu werben und die Vorzüge Amerikas kennenzulernen. Die Regierung Kasachstans hat gegen „Borat“ protestiert, wo immer es ging. Man sieht sich in den Dreck gezogen, und hat dabei auch noch recht. Allerdings, auch wenn das den Kasachen wohl egal ist, spielt Borats angebliche Herkunft bei seiner Reise eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass sich Borat exakt so verhält, dass man sich ihm instinktiv intellektuell und kulturell überlegen fühlt. Und genau das nutzt er dann aus, um die dunklen Geheimnisse von Menschen auszuloten, die meinen, sie könnten ganz sie selbst sein. Dieses perfide Spiel beherrscht Cohen wie kein zweiter, und das sorgt für ein paar wirklich unvergessliche Lacher.

Borat reist in einem Eiswagen von New York nach Kalifornien, wo er seine vollbusige Traumfrau CJ treffen will. Bereitwillig erteilt ihm auf dem Weg dahin ein Autoverkäufer Auskunft, mit viel km/h er mit seinem „Hummer“ in eine Gruppe Zigeuner rasen müsste, um sie sicher totzufahren. Da erklärt ihm ein Waffenhändler, welches die beste Knarre zum Erschießen von Juden ist. Am übelsten outet sich ein Rodeo-Organisator im Mittleren Westen. Als Borat ihm erzählt, dass Homosexuelle in Kasachstan von der Polizei exikutiert würden, erwidert der Hutträger, dass wünsche er sich auch für die USA. Land of the Free? Danke der Nachfrage, Borat.

Eine herrkömmliche Kritik zu diesem Film wäre komplett unangemessen. Wie lustig sind schon nacherzählte Witze? Wer mal wieder ordentlich ablachen will und kein Problem mit dem extrem hohen Fremdschämfaktor des Films hat, der sollte sich das Spektakel selbst im Kino ansehen. Ein paar gestellte Szenen und Längen sind zwar auch dabei, und ich denke niemand will Borats Nackt-Wrestlingeinlage mit seinem vollschlanken Produzenten sehen (schon aus rein ästhetischen Gründen), aber was zur Hölle? Es darf schallend gelacht werden. Wer kann da schon nein sagen.

8/10