Eine unbequeme Wahrheit

Al Gore hat im Jahr 2000 nicht irgendeine Wahl verloren, sondern die skandalträchtigste und umstrittenste Präsidentschaftswahl in der Geschichte der USA. Genau genommen hat er sie gar nicht verloren, aber dieses Fass will ich hier lieber nicht aufmachen. Fakt ist, daß Gore sich seitdem mit einem Thema beschäftigt hat, das ihm offenbar schon immer sehr wichtig war – dem Klimaschutz. In Davis Guggenheims Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ legt er seine gesammelten Ergebnisse vor. Der Film ist ein einziger Appell an gewöhnliche Menschen und Politiker gleichermaßen, dem Problem endlich ins Auge zu sehen und – viel wichtiger – zu handeln.Den Rahmen des Films bildet ein Vortrag Al Gores, der seinem Publikum via Power-Point-Präsentation ein paar gängige Fakten näherbringt. Er erklärt, wie die globale Erwärmung entsteht und wie sie sich auswirkt. Dabei dienen ihm Bilder von Gletschern rund um den Globus ebenso als Beispiele wie die gestiegene Zahl von Tornados in den USA. Gore ist ein guter Redner, er streut einige Witze ein und vermeidet allzu komplizierte Sätze. Natürlich betreibt er mit diesem Film auch Werbung in eigener Sache, insofern dass Kritik an von ihm mitgetragener Politik ebenso fehlt wie Äußerungen von sogenannten Kritikern der vorgetragenen Thesen. „An Inconvenient Truth“ (Originaltitel) ist eine große Al-Gore-Show. Der großen Argumentationskraft des Films tut das jedoch keinen Abbruch.

Ein großer Teil der Fakten und Zusammenhänge, die den Zuschauern vermittelt werden, sind eigentlich hinlänglich bekannt. So unterhaltsam mithilfe neuester Technik aufbereitet sind sie aber wohl noch nie unters Volk gebracht worden, was sicher zum Erfolg des Films und seines Anliegens beitragen dürfte. Auch einige politische Themen schneidet Gore an, etwa das Kyoto-Protokoll, welches die unterzeichnenden Staaten zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen verpflichtet (die USA ist nicht darunter), oder die wachsende Bereitschaft von Bundestaaten und Städten, auf eigene Faust strengere Gesetze zu verabschieden, weil sich die Regierung in Washington nicht rühren mag.

Man muss Al Gore nicht mögen, um seine „unbequeme Wahrheit“ zu verstehen. Bei aller Selbstdarstellung des Ex-Vizepräsidenten steht das Anliegen, die Menschen aufzuklären und zum Umdenken zu bewegen immer im Vordergrund. Die angestellten Vergleiche und auch die gezeigten, teilweise erbärmlichen Versuche von Lobbyisten, die Sache klein zu reden, verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Argumentation ist von zwingender Logik, und soweit mir bekannt ist, konnte bis heute niemand von Gore eine Gegendarstellung verlangen, oder seinen Film erfolgreich in dem Schmutz ziehen. Ein sicheres Indiz dafür, dass der immer etwas steif wirkende Politiker mit dem Image eines Strebers wirklich recht hat. Wer nicht versteht, warum das keine gute Sache ist, der hat ihm nicht richtig zugehört.

9/10

The Black Dahlia

Seit über einem Jahr habe ich mich auf diese Verfilmung von James Ellroys gleichnamigen Roman gefreut. Brian DePalma, Regisseur von Gangsterstreifen wie „Scarface“ und „The Untouchables“, schien keine schlechte Wahl für den Stoff, und auch die Besetzungsliste las sich von vornherein verheißungsvoll. Nun, da ich grade aus dem Kino komme, bin ich zufrieden aber nicht begeistert. „The Black Dahlia“ ist ein guter Film geworden, mit allerhand Schwächen zwar, aber doch deutlich über dem Durchschnitt. Gleichzeitig bin ich etwas enttäuscht, denn der Film offenbart an einigen Stellen, daß er mehr hätte werden können als er ist.Der Anfang ist vielversprechend. Schauplatz ist Los Angeles, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Cops und Ex-Boxer Bucky Bleichert (Josh Hartnett) und Lee Blanchard (Aaron Eckhart) sollen in einem Schaukampf Werbung für die Polizei betreiben. Die beiden werden dabei Freunde und Partner und bilden gemeinsam mit Blanchards Freundin Kay (Scarlett Johansson) bald eine verschworene Gemeinschaft. Ein von Bleichert/Hartnett mit Fatalismus in der Stimme gesprochener Off-Kommentar führt die Zuschauer weiter in die Welt der Hauptfiguren ein. Am selben Tag, an dem Lee seinem Partner bei einer Schießerei das Leben rettet, macht die Polizei einen grausamen Fund. Die zweigeteilte, grausam entstellte Leiche einer jungen Frau wird aufgefunden. Der Fall erregt viel Aufsehen, Bucky und Lee werden einem Spezialteam zugeteilt, das den oder die Mörder ausfindig machen soll.

Von nun an wird die Sache kompliziert. Dunkle Gestalten aus Lees Vergangenheit tauchen plötzlich wieder auf, während die beiden (jeder auf seine eigene Faust) verzweifelt versuchen dem Mörder auf die Spur zu kommen. Bucky sucht in der Unterwelt nach Spuren und stösst dabei auf Madeleine (Hilary Swank), eine Tochter aus reichem Hause, die dem Opfer sehr ähnlich sieht. Lee scheint geradezu besessen Akten zu wälzen und entfernt sich darüber von seiner genervten Freundin Kay.

Vom Visuellen her ist „The Black Dahlia“ ein erstklassiges Vergnügen und über jeden Zweifel erhaben. Kostüme, Ausstattung und Produktionsdesign lassen absolut nichts zu wünschen übrig, dazu kommen einige wunderbare Kamerafahrten. DePalma ist bekannt für seine hervorragend komponierten Szenen drastischer Gewalt, und er lässt sich auch diesmal nicht lange bitten. Gleichzeitig hat sein Film jedoch einige Schwächen in der Erzählung selbst und auch bei der Darstellung. Die Ursache hierfür liegt im der Vorlage begründet. Stil, Dialoge und Stimmung sind ungleich wichtiger als der Plot, der in seiner übertriebenen Grausamkeit nur ein Spiegel der verkommenen Gesellschaft darstellt, die der Roman portraitiert.

Dies gilt auch für die Leinwandversion des Stoffes, die wegen der wenig zielstrebigen, konfusen Story allerdings ungleich mehr Schaden nimmt. Es scheint hier und da der Faden verloren zu gehen. Dazu kommen einige sehr dürftig geschriebene und gespielte Szenen, in denen die Schauspieler nicht in der Lage sind, ihre Glaubwürdigkeit zu bewahren und stattdessen zu Marionetten werden. In anderen Szenen, wie etwa dem Dinner von Bucky am Tisch von Madeleines Familie, wird dagegen das Potential deutlich, welches der Film dann jedoch zu selten ausschöpft.

Ein paar kleinere Veränderungen im Vergleich zur Vorlage hat DePalma zwar vorgenommen, ihrem verruchten, zynischen Geist bleibt er jedoch weitgehend treu. Aufgrund der genannten Schwächen gelingt es ihm aber nicht, seine Charaktere (insbesondere die beiden Cops) ernsthaft zu entwickeln und so Verständnis für ihre Obsession mit dem Mord zu wecken. Die gerade wegen ihrer Abgründigkeit so schwer darzustellenden Beziehungen zwischen Lee, Madeleine, Bucky und Kay können der (immerhin sehr) stylischen Oberflächlichkeit nicht entkommen.

Viele Stimmen werden behaupten, dass Curtis Hansons „L.A. Confidential“ die bessere Ellroy-Verfilmung ist – und sie haben recht. Sein Film bezieht das Publikum auf emotionaler Ebene weitaus besser ein, wartet mit prägnanteren Figuren und einer eingängigeren Story auf. Dass der Film dabei den wichtigsten Handlungsstrang des Romans einfach weglässt ist die Kehrseite der Medaille. „LA Confidential“ ist ein besserer, weil eigenständigerer Film. Die werkgetreuere Verfilmung hat Brian DePalma mit „The Black Dahlia“ geschaffen, und mir als Fan der Bücher bleibt nur zu hoffen, dass sich zu meinen Lebzeiten jemand findet, der mit Verfilmungen von „White Jazz“ oder „The Big Nowhere“ beide Filme zu übertrumpfen vermag.

7/10

Thumbsucker

Justin Cobb könnte ein ganz normaler Teenager sein. Ist er eigentlich auch, abgesehen von der Tatsache, dass er mit 17 Jahren nicht aufhören kann, an seinem Daumen zu lutschen. Seine Eltern Audrey und Mike (Tilda Swinton und Vincent D’Onofrio) betrachten dies mit Sorge und sind bemüht ihrem Sohn zu helfen. Der trägt sich darüber hinaus mit den üblichen Teenagerängsten und Problemen herum. Mädchen, Drogen, Mitschüler, mangelndes Selbstwertgefühl, die Schule ganz allgemein. Im Laufe des Films versucht Justins Kieferorthopäde Perry (Keanu Reeves) sich ebenso an der Lösung des Problems wie sein Vater und schließlich eine Schulpsychologin, die – selbstverständlich in den USA – eine Behandlung mit Pillen im Sinn hat.Ohne unnötige Übertreibungen und Effekthascherei verfolgt dieses klassische Coming-of-Age-Drama seine Hauptfigur bei seinen vielfältigen Versuchen, sich in der Welt zurecht zu finden. Neben seinen Eltern orientiert er sich dabei an weiteren „Vorbildern“ wie etwa Mr. Geary, dem Lehrer des Debattierclubs (Vince Vaughn), oder der hübschen Mitschülerin Rebecca, die sich von einer sozial gesinnten Einser-Schülerin zur dauerbekifften Hängerin wandelt. Ihrem Status als Justins Angebetete tut diese Metamorphose dabei keinen Abbruch. Genreüblich gibt es keinen zentralen Plot, der vorangetrieben werden müsste. Geschildert wird Justins Entwicklung vom unsicheren Einzelgänger zum aufgeputschten Star des Debattier-Clubs, bis er schließlich in der Nähe seines wahren Selbst ankommt.

Getragen wird der Film ohne Zweifel von seinen großartigen Darstellern. Die große Riege bekannter Mimen, die nur selten in Nebenrollen zu sehen sind, sorgt keineswegs für Ablenkung, weil sich alle auf ihre kleinen, aber feinen Rollen konzentrieren und sie unaufdringlich und glaubwürdig ausfüllen. Die andere große Stärke ist die unaufgeregte, humorvolle Inszenierung, die allen Figuren genug Raum gibt und platte Übertreibungen meidet. Nur selten von Musik unterlegt konzentriert sich „Thumbsucker“ auf die Dialoge und das weitgehend klischeefreie Spiel seiner jungen Hauptdarsteller Lou Taylor Pucci (Justin) und Kelli Garner (Rebecca).

Am besten haben mir die kleinen Details gefallen, mit denen Regisseur Mike Mills (nicht der REM-Bassist) seinen Film angereichert hat. So gewinnt Kieferorthopäde Perry jedes Jahr den Halbmarathon der Gemeinde gegen Justins Vater Mike, einen ehemaligen Footballspieler, und erkundigt sich bei Justin, ob der ihn deswegen meidet. Justins erster Auftritt in seinem Debattierclub zeigt ihn, wie er Rebecca eifrig das Wort redet, was Lehrer Mr. Geary zu den Worten veranlasst: „This is not agree club – it’s debate club, Justin.“. Dem Film gelingen überdurchschnittlich viele gute Szenen, und nur ganz am Ende schießt er ein wenig über das Ziel hinaus. Der Rest ist gekonnt ausbalanciert zwischen Komik und Ernst. Ins Kino wird diese kleine Independent-Produktion trotzdem eher wenige Zuschauer locken. Schade eigentlich.

8/10

Der Teufel trägt Prada

Mainstreamkino aus den USA ist in den seltensten Fällen besonders originell oder gar gewagt. Entertainment wird dagegen groß geschrieben, und genau dies trifft auch auf David Frankels „The Devil Wears Prada“ zu. Was vom Poster und vor allem vom Titel her eine Satire auf die weite Welt der Modeindustrie hätte sein können, entpuppt sich als harmloses kleines Drama ohne irgendwelchen Ecken und Kanten. Wer einen Film Marke „Pret-A-Porter“ erwartet wird bitter enttäuscht werden. Für den Rest gibt es auch nicht viel zu gewinnen, aber immerhin reduziert sich die Fallhöhe.In die glamouröse und hypergeschäftige Welt des Modemagazins „Runway“ platzt wie aus heiterem Himmel die schöne Uni-Absolventin Andrea (Anne Hathaway). Deren Ziel ist es, möglichst bald eine seriöse Journalistin zu werden, doch der Zufall will es anders. Die einzige Jobzusage bekommt sie ausgerechnet als Assistentin der Assistentin von „Runway“-Chefredakteurin Miranda Priestley. Miranda (Meryl Streep) ist ein grauhaariger, affektierter Drache, eine ungehaltene Perfektionistin, die ihre Angestellten routinemäßig schikaniert. Und so wäre Andrea beinahe ganz schnell wieder raus aus der Nummer, wenn nicht Nigel (Stanley Tucci), der sympathisch-tuntige Modedirektor des Magazins, ihr verklickern würde, wieviele Frauen auf der Welt sie um ihren Job beneiden und was für Türen ihr nach einem Jahr Assistenz bei der berühmten Modejournalistin Nr. 1 offen stehen würden.

Vorbei ist es also mit romantischen Stunden mit ihrem Freund Nate (der rein zufällig aussieht als wäre er Mitglied der hippen New Yorker Band The Strokes). Stattdessen wird gearbeitet, gearbeitet und gearbeitet. Langsam beginnt Andrea sich darüber zu verändern. Sie trägt nur noch hochmoderne, elegante Fummel statt ihrer Strickpullis, schlägt ihrer tyrannischen Chefin keinen Wunsch aus und vernachlässigt ihre Freunde von früher. Als Nate sie nach einigen Monaten kaum noch wieder erkennt hat Andrea keine Zeit die Sache zu kitten, denn sie muss zur Fashion Week nach Paris – oder sie wird gefeuert.

Hat irgend jemand noch nicht geblickt, wohin die Sache führt? Doch wohl kaum. Und eben das ist das größte Problem des Films. Wer ohne größeres Interesse für die Welt von Models, Mode und Designern ist, dem wird einfach zu wenig geboten. „Der Teufel trägt Prada“ ist selten witzig, immer vorhersehbar und nie bissig genug, um als Satire durchzugehen. Meryl Streep ist als Miranda zwar in Hochform, nur durchläuft ihre Figur – wie eigentlich alle außer Andrea – keine Entwicklung. Der imposanten Darstellung einer Karrierefrau par excellence tut das keinen Abbruch, aber dem Film hilft diese nur bedingt. Anne Hathaway, einigen vielleicht bekannt aus den mir unbekannten „Plötzlich Prinzessin“-Filmen, ist immer hübsch anzusehen und macht nicht viel falsch. Die wenigen dramatischen Momente jedoch sind keine Empfehlung fürs Charakterfach.

So bleibt unterm Strich ein durchaus kurzweiliger Film, der für genug Unterhaltung sorgt um nicht zu langweilen. Potentiell etwas heiklere Themen wie Magersucht oder Drogenkonsum werden zwar erwähnt, prallen aber an der Feel-Good-Stimmung von „Der Teufel trägt Prada“ locker ab. Die meisten Nebenfiguren sind austauschbare Stereotypen, wie z.B. der charmante Journalist mit den richtigen Verbindungen, der profitgierige Verlagschef und die ehrgeizige, zickige Kollegin. Der Film mag einige Zuschauer zufriedenstellend unterhalten, aber in seinen Bann ziehen, begeistern oder schockieren wird er sicher niemanden. Man kann ihn getrost wieder vergessen.

5/10

Glück in kleinen Dosen

Seit „American Beauty“ sind die namenlosen, wohlhabenden Vorstädte der USA zu einem der beliebtesten Schauplätze des Kinos geworden. In den letzten Wochen waren das z. B. „Brick“ und „Happy Endings“, allein in dieser Woche laufen mit „Glück in kleinen Dosen“ und „Thumbsucker“ zwei weitere Filme an. Regisseur Arie Posin hat für seinen Film eine Menge bekannter Schauspieler gewinnen können, unter ihnen Carrie-Ann Moss, Ralph Fiennes und Glenn Close. Im Mittelpunkt aber stehen die recht unbekannten Darsteller der 17-jährigen Schüler Dean, Billy, Lee und Crystal.

Eltern und Kinder, so das zentrale Thema des Films, leben im beschaulichen Hillside komplett aneinander vorbei. Das wird gleich in der ersten Szene deutlich. Der introvertierte Dean findet seinen Freund Troy, der sich in seinem Zimmer erhängt hat. Troys Mutter (Glenn Close) bekommt nicht viel davon mit, sie ist damit beschäftigt sich mit Freunden am Pool einen hinter die Binde zu kippen. Troys Tod ist Auslöser der weiteren Handlung, denn er war der größte Pillen-Dealer der Schule, und seine Ware wird dringend benötigt. Troys ehemalige „Kollegen“ Billy und Lee bauen dabei ganz auf Dean, der mit Hilfe der hübschen Crystal zum Komplizen werden soll.Es folgen mehrere Handlungsstränge, in denen ein Kidnapping, eine Hochzeit und eine Beerdigung miteinander verwoben werden. Im Kern jedoch zeichnet „The Chumscrubber“ (Originaltitel) ein desillusioniertes Gesellschaftsportrait, in dem von ihrem Job besessene, egomanische Eltern ihre Kinder lieber mit Happy-Pillen versorgen als sich ernsthaft um sie zu kümmern. In diesem sterilen Suburbia ist sich jeder selbst der Nächste. Crystals Mutter Jerri (Moss) turtelt mit deren Schulfreunden, Deans Vater verwurstet dessen Leben in seinen pseudo-psychologischen Bestsellern, und die Eltern vom kleinen Charly bekommen dessen Verschwinden (er wird von Billy als Geisel genommen) gar nicht erst mit.

Mit großer Lust an der Übertreibung inszeniert Posin die neurotische Elterngeneration, wobei die vielen vorzüglichen Darsteller für den hohen Unterhaltungswert sorgen. Dieser Satire steht ein etwas ernsthafteres Bild der Jugend gegenüber, die alle Freiheiten genießt, weil sich schlichtweg niemand um sie kümmert. Außer Drogenkonsum fällt den Kids jedoch auch nicht viel ein. Obwohl die jungen Schauspieler (unter ihnen Camille Belle aus „The Ballad of Jack & Rose“ und Lou Taylor Pucci aus „Thumbsucker“) nichts verkehrt machen sind es doch eher die älteren Semester, deren Figuren im Gedächnis bleiben. „Glück in kleinen Dosen“ funktioniert aber ohnehin weniger als ernstes Charakterdrama, sondern als bitterböses Portrait der amerikanischen Mittelklasse. In all dem materiellen Wohlstand sind die menschlichen Bindungen entweder ganz verschwunden oder zu sinnentleerten, immergleichen Ritualen verkommen. Auf einer Stufe mit „American Beauty“ steht der Film dabei zwar nicht, sehenswert ist er allemal.

7/10

PS: Der Titel „Chumscrubber“ ist sicher schwer zu übersetzen, wenngleich er sich im Film von selbst erklärt. Wörtlich übersetzt er sich mit „Kumpelbürste“. Anyways, der deutsche Titel des Films ist einfach daneben, und das wollte ich noch schnell gesagt haben.

The Science of Sleep

In „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, dem vorigen Film des französischen Regisseurs Michel Gondry, spielte sich ein Großteil der Handlung in den Köpfen seiner Hauptdarsteller ab. Jim Carrey hetzte durch seine Erinnerungen, um die komplette Auslöschung seiner Ex-Freundin Kate Winslet doch noch zu verhindern. Auch in seinem neuen Werk „The Science of Sleep“ sieht Gondry wieder in die Köpfe seiner Figuren, genauer gesagt in die Träume des jungen Stephane, dargestellt von Gael Garcia Bernal. Mehr…
8/10

Crank

„Crank“ ist ein wahres Monster von einem Film. Ein Minimum an Handlung, stereotype Charaktere, gepaart mit einer bestialischen Überdosis Action, Gewalt und Humor. Dabei ist der Film so politisch unkorrekt und brutal, dass sich eine Freigabe ab 18 Jahren von selbst versteht. Der Schlüssel zum Verständnis zu dieser cineastischen Höllengeburt des Regisseur-Duos Neveldine/Taylor liegt darin, „Crank“ nur an dem zu messen, was er sein will. Überlaute, blutige, übertriebene und keinesfalls ernst zu nehmende Unterhaltung für ein überwiegend männliches Publikum. Dem Mafia-Hitman Chev Chelios (Jason Statham) wird zu Beginn ein tödliches Gift namens Beijing Cocktail injiziert. Seinen unausweichlichen Tod kann Chev durch Adrenalinschübe und die Einnahme von aufputschenden Drogen nur hinauszögern. Diese (völlig hanebüchene) Prämisse bestimmt die komplette Handlung, denn Chev wagt von nun an die halsbrecherischsten Stunts, um Adrenalin zu produzieren. Dass er dabei nicht viel Rücksicht nehmen kann, ist klar – jede Ruhepause würde seinen Tod bedeuten. Den kompletten Film über ist Chev also in Bewegung. Mal rast er mit seinem Auto durch eine Shopping-Mall, dann klaut er einem Polizisten sein Motorrad oder legt sich mit einem Haufen übler Gangster an. Hauptsache Action, nur keinen Gang runterschalten. Um diesen irrsinnigen Kampf gegen die Zeit visuell stimmig umzusetzen, greifen die Regisseure zu Splitscreen-Aufnahmen, Handkameras, und einem rasanten Schnitttempo. Zum passenden Soundtrack gehört z. B. das grandios-lärmende „New Noise“ von The Refused.

Dieses wahnwitzige Szenario wird dem Publikum mit einer anständigen Portion Humor serviert, der Film kann gewissermaßen über sich selber lachen. Das Gelächter im Saal war jedenfalls groß, als Chev – zum Zwecke der Adrenalinproduktion versteht sich – in aller Öffentlichkeit seine Freundin (Amy Smart) vögelt, versehentlich einen Wellensittich erschießt oder einem Kontrahenten den Arm abhackt. Das alles ist sicher völlig geschmacklos, aber gerade diese anarchistische Ader macht hier den Reiz aus. Ein weiteres Beispiel: Um sein Taxi zu klauen wirft Chev den dunkelhaarigen Fahrer auf die Straße, zeigt mit dem Finger auf ihn, spricht die Worte „Al Qaida“ – und schon fallen die Passanten über ihn her.

Hauptdarsteller Jason Statham trägt den Film fast die komplette Spielzeit auf seinen Schultern. Ohne seine überzeugende Leistung würde „Crank“ implodieren, aber Statham bringt die komischen Szenen ebenso gut rüber wie die zahlreichen Stunts. Nebenbei lässt er das Publikum durch ein paar scheele Blicke wissen, dass er sich der Farce, in der er da mitspielt, voll und ganz bewusst ist. Der vergiftete Killer Chev hat über die gesamte Laufzeit nur ein Ziel, und das ist natürlich Rache. Die Schwierigkeit besteht darin, den Obergangster Ricky Verone rechtzeitig ausfindig zu machen, bevor bei Chev für immer die Lampen ausgehen. Es kommt nach wie im Flug vergangenen knapp 80 Minuten zum Showdown auf dem Sonnendach eines Wolkenkratzers, wo sich ein Riesenhaufen verfeindeter Gangster gegenüberstehen.

Schon wegen der dauerpräsenten Gewalt und seiner allgemeinen Mißachtung des guten Geschmacks ist „Crank“ sicher nicht jedermans Sache. Für seine konsequente Linie gebührt seinen Machern Respekt. Der Film steht jenseits von Gut und Böse, und wird spätestens auf DVD auch ein größeres Publikum finden.

7/10

Klick

Auf den ersten Blick scheint „Klick“ eine typisch alberne Komödie mit Adam Sandler zu sein. Sandler mimt den Architekten Michael Newman, der in der Firma unter Dauerstress und seinem verhassten Chef leidet. Doch auch im trauten Heim lauern Probleme, denn Michael verbringt zum Mißfallen seiner Frau Donna (Kate Beckinsale) immer weniger Zeit mit seinen zwei Kindern. Die Lage bessert sich erst, als er auf der Suche nach einer Universalfernbedienung fürs Wohnzimmer in die mysteriösen Räumlichkeiten des Lagerverwalters Morty (Christopher Walken) gerät. Mehr… 4/10

Klick

Auf den ersten Blick scheint „Klick“ eine typisch alberne Komödie mit Adam Sandler zu sein. Sandler mimt den Architekten Michael Newman, der in der Firma unter Dauerstress und seinem verhassten Chef leidet. Doch auch im trauten Heim lauern Probleme, denn Michael verbringt zum Mißfallen seiner Frau Donna (Kate Beckinsale) immer weniger Zeit mit seinen zwei Kindern. Die Lage bessert sich erst, als er auf der Suche nach einer Universalfernbedienung fürs Wohnzimmer in die mysteriösen Räumlichkeiten des Lagerverwalters Morty (Christopher Walken) gerät.Der dient ihm eine hochmoderne Fernbedienung an, die Michael zufrieden mit nach hause bringt. Dort muss er dann feststellen, dass das gute Stück weit mehr kann als nur den Fernseher oder das Garagentor fernzusteuern. Plötzlich kann Michael die Zeit anhalten oder gar vorspulen, den Hund leiser stellen, die zickige Freundin seiner Gattin auf lautlos und noch einiges mehr. Das wäre also der Komödienteil von „Klick“, und bis hierhin sieht es so aus als ginge der Film einen ähnlichen Weg wie „Bruce Allmächtig“. Ein paar gelungene Gags, ordentlich „toilet humor“ und eine folgende kurze Läuterung des Helden. Doch stattdessen wechselt die Handlung bald komplett von Komödie zu Tragödie. Denn die Fernbedienung hat eine Memoryfunktion, und spult nun automatisch den größten Teil vom Leben seines Besitzers vor. Alles, was der mal geskippt hat, wird wieder und wieder vorgespult – keine Streitereien mehr, kein Steckenbleiben im Verkehr, keine Krankheiten, kein Warten bis zur nächsten Beförderung. Machtlos versucht Michael das Teufelsgerät loszuwerden, was aber so einfach nicht ist.

So kann er bald nur noch alle paar Jahre in sein Leben eingreifen, das ihm inzwischen total entglitten ist. Das Problem dabei ist vor allem, dass der Film dem Publikum dabei arg viel zumutet. Wer gerade über Sandler gelacht hat, weil der seinem Chef (gespielt von niemand geringerem als David Hasselhoff) ausgiebig ins Gesicht furzt, wird überrascht sein, im nächsten Moment in Sandlers Figur eine ernstzunehmende tragische Figur sehen zu sollen. Das Konzept geht deshalb nur sehr bedingt auf. Michaels Leben in der Zukunft ist mit netten Details ausgestattet, doch die vorhersehbaren Entwicklungen wecken kaum echtes Interesse.

Gänzlich daneben ist dann das Ende, welches alle möglichen Erwartungen erfüllen möchte und sich in der Folge eines der lahmsten Kniffe des zeitgenössischen Kinos bedient. Der letzte gute Witz ist da schon eine knappe Stunde her. Für einen Mainstreamfilm mit Sonnyboy Sandler ist „Klick“ zu traurig und inkohärent. Zu einem interessanten Science-Fiction-Drama aber fehlte wohl auch der Mut, denn der Film wird in erster Linie als Komödie vermarktet. So oder so, aus der Geschichte wäre sicher mehr rauszuholen gewesen. Diese Mischung jedenfalls funktioniert nicht und muss deshalb leider als gescheitertes Experiment bezeichnet werden.

4/10