World Trade Center (DVD)

Die Anschläge vom 11. September 2001 finden sich heute noch täglich in den Medien, in all den Berichten über die katastrophale Lage im Irak oder über die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Kein Ereignis hat dieses noch junge Jahrtausend mehr geprägt, und es es war nur eine Frage der Zeit bis die Anschläge auch im US-Kino thematisiert werden. Den Anfang machte im Frühjahr 2006 Paul Greengrass mit seinem dokumentarisch angehauchten Film über den verlorenen Flug „United 93“, nun erscheint Oliver Stones Auseinandersetzung mit den Ereignissen (Kinostart war im Herbst letzten Jahres) auf DVD. Stone ist bekannt dafür, dass die Meinungen über seine Filme auseinander gehen. Mit „JFK“ oder „Natural Born Killers“ schuf er kontrovers diskutierte Filme, nachdem er sich mit „Platoon“ und „Wall Street“ bei Kritik und Publikum einen Namen gemacht hatte. In „World Trade Center“ nimmt er sich nun der Selbstmordanschläge des 11. Septembers an, wobei er im Wesentlichen die auf Tatsachen basierende Geschichte zweier Polizisten erzählt. Die Officers Jimeno und McLoughlin (Michael Pena und Nicolas Cage) werden zur Unglücksstelle beordert, nachdem der erste Turm von einem Passagierflugzeug getroffen wurde. Es gibt keinen genauen Plan, keine vorgeschriebene Vorgehensweise bei einer solchen Situation, und auch unter den Beamten herrscht vor allem Fassungslosigkeit und Unglauben. Sie besorgen sich Sauerstoffflaschen und Rettungswerkzeuge, um Menschen im Gebäude zu evakuieren, doch bevor sie überhaupt loslegen können, stürzen die Türme über ihnen zusammen.

Von diesem Moment an teilt sich „WTC“ in zwei Teile auf. Zum einen zeigt er die schwer verletzten Verschütteten, die sich in dem finsteren Trümmerhaufen Mut zusprechen, parallel begleitet der Film die Frauen und Familien der beiden. Sie kämpfen mit der quälenden Unsicherheit über den Verbleib der Polizisten, immer am Rande der Verzweiflung, ohne dabei die Hoffnung aufzugeben.

Der Zeitrahmen des Films ist nicht umsonst sehr eng gehalten. Noch bevor erste politische Konsequenzen zum Thema werden, ist die Handlung wieder vorbei, und so enthält sich der Film (wie schon „United 93“) politischen Kommentaren oder Erklärungsversuchen. Es geht hier nicht um die Tragweite der Anschläge, sondern um ihre Wirkung im speziellen, das Leid der Opfer und die Sinnlosigkeit der Tat. Nur in der Figur des Militär-Reservisten Karnes (Michael Shannon) ist ein Hauch von zukünftigen Geschehnissen zu finden, denn der stellt gegen Ende fest: „I don’t think you guys realize this but this country is now at war.“.

Oliver Stone hat mit aller Gewalt einen Film über Heldenmut und Hoffnung gemacht, über Männer, die der Katastrophe ins Auge sahen und sich der Herausforderung trotzig stellten. So pathetisch wie dieser letzte Satz ist dementsprechend auch sein Film geworden. Immerhin ohne ein Hohelied auf die USA zu singen oder das Publikum mit Flaggen zu penetrieren widmet er sich ganz dem Heldentum unterbezahlter Polizisten. Das ist durchaus legitim, denn auch diese Seite der Anschläge, der Zusammenhalt der Bevölkerung und die große Solidarität, verdient es, Beachtung zu finden. So ist „WTC“ ein handwerklich einwandfreier Film, der dem Publikum die Ereignisse noch einmal unter streng persönlichen Gesichtspunkten vor Augen führt, ohne sie dabei unter die sprichwörtliche Nase zu reiben.

Doch wie schon für „United 93“ gilt auch für Stones Film, dass er nur für wenige hiesige Kinogänger interessant ist. Angesichts der politischen Großwetterlage erwarten viele wohl eher eine kritische Auseinandersetzung mit der Instrumentalisierung der Anschläge, ihren weitreichenden Konsequenzen, etc.. Allerdings kann man dem Amerikaner Stone und seinem US-Studio sicher nicht vorwerfen, einen so persönlichen Film darüber zu drehen, wie gerade eine so feige Bluttat das Edelste im Menschen zutage fördert. Gemessen an dem, was der Film sein will, ist er durchaus erfolgreich. Das Publikum in den USA hat ihn wohlwollend aufgenommen und für ein Kino-Einspielergebnis von 70 Mio. Dollar gesorgt, einen Nerv scheint Stone also getroffen zu haben. Aber vergessen wir nicht, dass sein Kollege Michael Moore mit seiner äußerst kritischen Dokumentation „Fahrenheit 9/11“ vor gut zwei Jahren beinahe die doppelte Summe einspielte.

6/10

Ich, Du und der Andere (DVD)

Am Ende von romantischen Komödien aus Hollywood, soviel ist bekannt, wird immer geheiratet. Insofern ist „You, Me, and Dupree“ schon etwas besonderes, denn es geht gleich mit der Hochzeit von Carl und Molly (Matt Dillon und Kate Hudson) los. Kaum beziehen sie jedoch ihr komfortables Vorort-Nest, taucht Carls alter Freund Dupree auf. Owen Wilson spielt die Nervensäge als unangepassten Tölpel mit einem Herz aus Gold. Die Ehe von Carl und Molly steht vor einer ersten Zerreissprobe, zumal Carls Schwiegervater und Chef (Michael Douglas) ihm das Leben schwer macht. Die meisten Witze des Films zünden leider überhaupt nicht, von ein paar Slapstick-Einlagen abgesehen. Immer abwechselnd werden uns die Figuren als liebenswert oder unsympathisch verkauft, wie es halt gerade so passt. Dagegen können auch die zuletzt formstarken Owen Wilson und Matt Dillon nichts ändern. Wirklich ärgerlich ist die letzten Endes unglaublich spießige und altbackene Weltsicht, die dem Geschehen zu Grunde liegt. Statt einer turbulenten Komödie gibt es einen banalen, weitgehend ereignislosen Langweiler zu sehen. Geeignet nur für gänzlich Anspruchslose, Demenzkranke und Komapatienten ohne Ambitionen aufzuwachen.

2/10

Mini's First Time

Eine Schwäche für mit moderatem Aufwand inszenierte kleine Thriller habe ich schon immer gehabt. An Filmen wie „After the Sunset“ oder „Hawaii Crime Story“ konnte ich noch nie vorbei gehen. Ein bißchen Gaunerei, ein kleiner Diebstahl und/oder Mord, mehr braucht es ja nicht für ein kurzweiliges Vergnügen. Wenn es gut läuft, ist man für gute 90 Minuten wunderbar unterhalten, ohne gleich mit einer Fortsetzung rechnen zu müssen. In diese Kategorie, so meine Hoffnung, sollte nun auch „Mini’s First Time“ fallen, immerhin prominent besetzt mit Alec Baldwin, Carrie-Ann Moss, Jeff Goldblum und Luke Wilson. Man kann sich ja mal vertun, ne?Die Geschichte beginnt mit einem Off-Kommentar von Mini (Nikki Reed), die dem Publikum erläutert, wie ihr Leben so aussieht. Ihre Mutter Diane (Moss) ist eine gescheiterte Schauspielerin, die sich wohlhabende Männer angelt und so ihren Lebensstandard hochhält. Seit einigen Jahren ist sie mit dem PR-Fritzen Martin (Baldwin) zusammen, der sich wenig um seine Stieftochter kümmert. Diane lässt sich täglich recht ungeniert volllaufen, ihrer Tochter kommt dabei die Rolle der Barfrau zu. Gelangweilt und gleichermaßen verwöhnt wie vernachlässigt macht sich Mini auf, um als Callgirl ein paar zusätzliche Moneten zu verdienen. Schon ihr zweiter Auftrag führt sie zu ihrem Stiefvater, der sich fortan mit vollem Einsatz um seine Tochter „kümmert“.

Die beiden entdecken schnell, dass sie ohne Diane viel besser dran wären. Dass Mini eigentlich noch ein Kind ist, scheint Martin nur bedingt zu stören. Die beiden machen sich daran, den ohnehin vorhandenen Macken Dianes per Pillenzufuhr noch einige hinzuzufügen. Sie blamiert sich in der Öffentlichkeit, redet wirres Zeug und ist bald nicht mehr zurechnungsfähig. Aber reicht das Mini und Martin wirklich? Fakt ist, dass bald die Polizei in Person von Detective Garson (Wilson) vor der Tür steht. Auch Nachbar und Fernsehproduzent Mike (Goldblum) spielt plötzlich eine fadenscheinige Rolle.

Die Voraussetzungen für nette kleine Verwirrungen, Katz-und-Maus-Spielchen und dergleichen sind also gegeben. Doch so richtig Fahrt nimmt der Film dabei nie auf. Einzig Alec Baldwin kann wirklich überzeugen (zumindest im Rahmen des Machbaren), Moss spielt anständig die hysterische Zicke, doch die anderen schlafwandeln mehr schlecht als recht durch den Plot. Die junge Nikki Reed bringt ihre körperlichen Reize und ihren jugendlichen Charme bestens zur Geltung, doch bietet ihre stereotype „Lolita“-Rolle wenig Möglichkeiten, sich schauspielerisch zu profilieren. Ob sie dazu dann das Zeug gehabt hätte ist eine ganz andere Frage.

Ein bißchen High-Society-Satire, ein bißchen Thriller, und sehr viel B-Movie-Bestandteile sorgen letzten Endes für einen mäßig unterhaltsamen Film, der sicher kein zweites Hinsehen wert ist. Von einer Mogelpackung zu sprechen wäre etwas ungerecht, aber angesichts der großen Namen auf der Hülle hätte man vom Inhalt schon ein wenig mehr spritzige Ideen erwarten können. Der Spaß verflacht leider sehr schnell, nur gut, dass nach 90 Minuten dann auch alles vorbei ist. Dabei endet der Film mit einer unsinnigen Szene, welche die schleichende Lustlosigkeit der Produktion sehr gut wiederspiegelt.

5/10

Ask the Dust (DVD)

Junge Schriftsteller fristen, zumindest im Film, ihr Leben zumeist in einem heruntergekommen Hotelzimmer. Matt Dillon hauste vor kurzem in „Factotum“ so, ebenso „Barton Fink“ und nun auch der von Colin Farrell dargestellte Alfredo Bandini in „Ask the Dust“. Sein kleines Zimmer verlässt er stets durch das immer geöffnete Fenster zur Straße raus. Zu Beginn der Handlung erwägt Bandini, wie er seine letzten paar Cents stilvoll unters Volk bringen kann. Der Film spielt in den frühen dreißiger Jahren in Los Angeles, Regie führte Robert Towne, der mit seinem meisterlichen Drehbuch zu „Chinatown“ bewiesen hat, die Vergangenheit dieser Stadt präzise ausleuchten zu können. Die Romanvorlage stammt von John Fante und ist in Deutschland unter dem Titel „Ich -Arturo Bandini“ zu haben.Seine dürftige Barschaft gibt Bandini in einem kleinen Cafe für eine Tasse Kaffee aus. Sein großer Traum von Ruhm und Reichtum scheint geplatzt, er bringt trotz Aufmunterung eines berühmten Publizisten keine Zeile zu Papier. Da weckt die scharfzüngige mexikanische Kellnerin Camilla (Salma Hayek) seine Neugier, die ihm jedoch ein völlig inakzeptables Getränk vorsetzt. Obwohl ihre ersten Treffen vor allem dem Austausch von Gehässigkeiten dienen, entwickelt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden einsamen Seelen. Doch so richtig scheinen sie nicht zueinander zu passen. Arturo sucht Inspiration und einen Zugang zur Außenwelt. Camilla dagegen sucht einen amerikanischen Ehemann, der ihr einen neuen, nicht-hispanischen Nachnamen, Wohlstand und Anerkennung bringen kann. Und wie Camilla früh bemerkt: „Was für ein Fortschritt wäre es von Camilla Lopez zu Camilla Bandini?“.

Colin Farrell und Salma Hayek schlagen sich sehr anständig durch diesen Film, wenngleich sie keine besondere Chemie entwickeln. Das könnte man aber auch durch die komplizierte Beziehung der Figuren erklären. Eigentlicher Star des Films sind die gelungene, melancholische Erzählung, die wunderbar komponierten Bilder vom Vorkriegs-Los Angeles und die beschwingte Musik, die der schwer verdaulichen Geschichte die nötige Leichtigkeit verleiht. Der latente Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft (in der Zeit bevor man ohne die Latinos in LA keine Wahl gewinnen konnte) wird dabei thematisiert und beeinflusst das Leben der Charaktere in vielen Situationen. Doch im Vordergrund steht die Geschichte zweier Individuen, deren steinigen Weg der Film verfolgt. Es gibt nur wenige nennenswerte Nebenfiguren, u. a. Arturos versoffenen Zimmernachbarn, einen ehemaligen Liebhaber von Camilla sowie eine aus dem nichts auftauchende junge Frau, die Arturo mit ihrer direkten Art sichtlich Angst macht. Und eben diese Angst Arturos vor dem Unbekannten, verbunden mit der riesigen Neugier auf die Welt macht „Ask the Dust“ dem Zuschauer auf stilsichere Art und Weise anschaulich. Das ist sicher kein Grund, nach einem Haufen Oscars zu schreien. Aber als ernsthaftes Melodram ohne unverzeihliche Schwächen geht das locker durch.

7/10

Das Parfum

Es war ein langer Weg bis Patrick Süskinds Bestseller „Das Parfum“ den Weg auf die Leinwand gefunden hat. Lange Zeit – so heißt es – weigerte sich der Autor die Rechte für eine Verfilmung zu verkaufen. Schließlich hat er es doch getan, und der deutsche Produzent Bernd Eichinger („Der Name der Rose“) griff dankbar zu. Er heuerte mit Tom Tykwer einen renommierten Regisseur an und stellte ein für europäische Verhältnisse astronomisches Budget von kolportierten 50 Mio. Euro auf die Beine. Das Ergebnis ist eine aufwändige und schön anzuschauende Literaturverfilmung. Kein Meisterwerk, aber angesichts der schwierigen Vorlage eine gelungene Umsetzung des Stoffes.Dabei ist der Beginn wenig vielversprechend. Schauplatz ist zunächst das verlotterte und stinkende Paris Mitte des 18. Jahrhunderts. Von der Geburt des Antihelden Grenouille unter der Fischtheke bis zum Verlassen des Waisenhauses ist ein Off-Kommentar (im Original gesprochen von John Hurt) bemüht, uns die Welt dieses besonderen Kindes zu verdeutlichen. Die andauernden Nahaufnahmen seiner Nase und das ständige Schnüffeln derselben verfehlen dabei leider ihre Wirkung, denn wie es das Medium Kino so will: Der Zuschauer riecht dabei nichts. Nach kurzer Zeit jedoch findet „Das Parfum“ besser in seine Geschichte. Jean-Baptiste Grenouille, nun dargestellt von Ben Wishaw, heuert beim alten Meister-Parfümeur Guiseppe Baldini (Dustin Hoffman) an. Dessen beste Tage sind lange vorbei, er ist an seinem Tiefpunkt damit beschäftigt, ein Parfum der Konkurrenz zu fälschen.

Kein Problem für Grenouille, dessen überragender Geruchssinn es ihm ermöglicht aus dem Stehgreif ein noch viel besseres Duftwasser herzustellen. Abgesehen von seiner großen Begabung ist er jedoch aufgrund seiner Herkunft ein ungebildeter, linkischer junger Mann geblieben, der vom Leben wenig versteht und einzig von seiner Nase gelenkt wird. Sein besonderes Interesse gilt dem für ihn unwiderstehlichen Duft junger Frauen, dessen er unbedingt habhaft werden muss. Seine Zeit bei Baldini ist recht schnell vorüber, und Grenouille ist auf dem Weg nach Grasses, wo es ihm gelingen soll, diesen Geruch zu konservieren. Bald hat er die nötige Technik entwickelt, und für seine Obsession geht der Außenseiter über Leichen.

Die größte Herausforderung, der sich die Macher des Films stellen mussten, liegt darin, Bilder für die von Gerüchen bestimmte Welt der Geschichte zu finden. Etwa in der Szene, in der Baldini ein von Grenouille entworfenes Parfum zum ersten Mal riecht und sich sein Labor in einen farbenfrohen Blumengarten verwandelt, gelingt das hervorragend. Immer dann, wenn nicht das Riechen selber, sondern der Effekt der Gerüche im Vordergrund steht, macht der Film seine Sache sehr gut. Das größte Problem der Geschichte ist das Innenleben seiner Hauptfigur. Was Grenouille da im Schilde führt, und vor allem, was er damit bezweckt, bleibt lange etwas unklar. Die Logik seines kranken Geistes auf die Leinwand zu bringen ist eine harte Nuss, die „Das Parfum“ nicht immer zu knacken weiß.

Regisseur Tom Tykwer erzählt in opulenten, wunderbar ausgestatteten Bildern vom Leben seiner Hauptfigur, zumeist unterlegt von einem opernhaften, angemessen pathetischen Soundtrack. Doch für ein paar Schlüsselszenen benötigt er einen Off-Kommentar, der dem reinen, unmittelbaren Erleben etwas im Wege steht. An einigen Stellen wäre er vielleicht gar nicht nötig gewesen, andererseits wäre die Handlung für alle jene, die das Buch nicht kennen, möglicherweise komplett unverständlich geworden. Wer die Vorlage kennt, hätte auch ohne sie auskommen können.

Die Besetzung dagegen ist ein großes Plus des Films. Aus praktischen Gründen hat man sich für eine englischsprachige Besetzung entschieden, obwohl das ganze in Frankreich spielt. Ben Wishaw wandelt auf schmalem Grad zwischen Wahnwitz und Irrsinn auf der einen und Unsicherheit und Empfindsamkeit auf der anderen Seite. Die erst 16-Jährige Rachel Hurd-Wood spielt Laura, die schönste aller Jungfrauen, die Grenouille für sein Parfum unbedingt benötigt. An ihrer ätherischen, durch volles, rotes Haar betonten Schönheit kann sich der Film kaum sattsehen und inszeniert sie dementsprechend beinahe over-the-top. Aber auch nur beinahe, schließlich soll ihre Schönheit das Äquivalent dieses schönsten aller Düfte sein. Sichtbar Spaß an ihren Rollen haben Dustin Hoffman und Alan Rickman, der als reicher Grundbesitzer und Lauras Vater dabei ist.

Mit knapp zweieinhalb Stunden nimmt sich „Das Parfum“ viel Zeit für seine Geschichte. Änderungen an der Vorlage sind minimal, abgesehen von Grenouilles stark verkürztem einsamen Aufenthalt in den Bergen. Höhepunkt des Films ist – wenig überraschend – die große Szene, in der Grenouille vor den Augen der Massen hingerichtet werden soll. Diesen Ausbruch des Wahnsinns verbindet der Film mit der endgültigen Selbsterkenntnis seines Antihelden, während zu seinen Füßen hunderte von Menschen, von seinem Geruch betört und wie von Sinnen, zu einer riesigen Orgie hingerissen werden. Es sind genau diese stimmungsvollen, intensiven Bilder, die dem Film einen Anflug von Größe verleihen. Produktionen dieser Größenordnung sind in Europa immer noch Ausnahmen, und es macht Freude zu sehen, daß sie trotzdem gelingen können.

8/10

Snakes on a Plane

Als in der Internet-Community in den USA bekannt wurde, dass Samuel L. Jackson in einem Film mit dem Arbeitstitel „Snakes on a Plane“ mitwirken würde, war die Begeisterung groß. Was für ein herrlich alberner B-Movie-Titel! Bei den Produzenten von New Line Cinema war man über soviel kostenlose PR-Arbeit begeistert. Auf Fanseiten wie snakesonablog.com ließen die Fans ihrer Fantasie freien Lauf, dachten sich ähnliche Titel aus („Snakes on Claire Danes“) und hatten mit der stupiden Idee eines Flugzeugs voller Schlangen so ihren Spaß.Und tatsächlich: „Snakes on a Plane“ ist ein klassisches B-Movie geworden, mit billigen Jokes, beknackten Dialogen und einer, sagen wir mal, unwahrscheinlichen Story. Los geht es auf Hawaii, mit dem jungen Surfer Sean, der zufällig den Mord an einem Staatsanwalt beobachtet. Dumm gelaufen, denn die Dinge entwickeln sich schnell wie folgt. Aus dem sprichwörtlichen Nichts taucht Agent Flynn (Jackson) auf. Er überredet Sean, in LA gegen den Obergangster Kim auszusagen. Dazu besteigen sie eine Passagiermaschine, in die Kim (nicht begeistert von der Aussicht verknackt zu werden) kurzerhand Hunderte von Schlangen schmuggeln lässt. Et voila….Schlangen im Flugzeug!

Die ersten gut 50 Minuten macht der Film richtig Spaß. Eine kurze Einführung der bunten Besatzung des Nachtflugs liefert scheele Jokes, und dann kommen auch schon die Giftschlangen an die Reihe. Wohin Schlangen die armen Passagiere beissen können wird dann natürlich ganz genau vorgeführt. Die Special-Effects sind dabei meist überzeugend, nur selten sind einzelne Schlangen eindeutig am Computer entstanden. Während die Menschen vor den Schlangen flüchten machen die natürlich auch vor dem Piloten nicht halt, und so ergibt sich auch noch ein weiteres Katastrophenszenario.

Soweit, so gut. Bis hierhin habe ich einige Male richtig laut gelacht. Wenn ein Mann den kleinen Hund einer Paris-Hilton-Atrappe kommentarlos Richtung riesige Würgeschlange schmeisst oder die Tiere sich genüßlich verstecken, um dann im richtigen Moment fauchend aufzutauchen ist das Publikum prächtig unterhalten. Leider verliert das Ganze logischerweise irgendwann seinen Reiz. Dann übernimmt der Autopilot die Handlung, das Gelächter im Saal verstummt und der Film geht langsam zuende. Wer den Vogel dann sicher auf die Erde bringen soll, ob und wer die Chose überleben wird, das alles interessiert nicht mehr, denn es ging ja von vornherein nur um „Snakes on a Plane“.

Der Anfang dieses stilsicher am guten Geschmack vorbei inszenierten Streifens ist ein herrlich albernes Stück Kino, das man sich irgendwann – in der richtigen Stimmung – mal ansehen sollte. Bevor im Herbst überwiegend ernsthaftes Kino die Leinwand übernimmt kann man über diese reine Spaß-Produktion herzlich ablachen, und sich dann den Stones, Scorseses und Eastwoods dieser Welt widmen. Hierzulande haben sich nicht viele (junge) Leute ins Kino locken lassen, aber sicherlich warten viele auch einfach gespannt auf „Snakes on a DVD“…

7/10

Brick

Eine wirklich interessante Neo-Noir-Variante hat der junge US-Regisseur Rian Johnson mit „Brick“ abgeliefert. Seinen klassischen Noir-Plot um verschwundene Personen, geheimnisvolle Gangster und die Abgründe des Alltags lässt er nicht etwa in den nächtlichen Straßen einer Großstadt, sondern an einer Highschool spielen. Dabei übernimmt der Außenseiter Brendan die Rolle des Detektivs, der einfach nicht locker lassen will und dabei im Verlauf des Geschehens selbstverständlich alle Seiten gegeneinander ausspielt. Die Story führt den schweigsamen Brendan auf die Spur eines ominösen lokalen Drogenhändlers namens „The Pin“. Der scheint etwas mit dem Verschwinden seiner Ex-Freundin Emily zu tun zu haben ? was genau, das bleibt jedoch lange unklar. Irgendwie mit dem „Pin“ im Bunde ist die schöne Laura, die Brendan bei seinen Bemühungen unterstützen möchte. In bester Tradition ist die Welt von „Brick“ eine düstere, gedreht wurde meist an häßlichen Schauplätzen mitten in einer namenlosen Vorstadt-Betonwüste, wie es sie in den USA zu tausenden gibt. Unterricht scheint überhaupt nicht stattzufinden, Brendan zumindest treibt sich an seiner Schule nur auf Spurensuche herum. Verlassen kann er sich dabei auf den scheinbar allwissenden Nerd „The Brain“, der wichtige Informationen beisteuern kann.

„Brick“ ist ganz klar eine Stilübung, und darunter leidet natürlich die Glaubwürdigkeit der Story. Fast zwangsläufig wirken einige Szene aufgesetzt, immerhin mutet Johnson seinen Teenagern einige Dialoge zu, die man eher aus Humphrey Bogarts Mund gewöhnt ist. Ein Problem ist das aber nicht wirklich, vorausgesetzt, man mag die alten Vorbilder gerne und kann es genießen, sie in diesem neuen Kontext präsentiert zu bekommen. Regisseur Johnson, auch fürs Drehbuch verantwortlich, hat ein feines Gespür für seine Geschichte. Obwohl sie zunehmend komplizierter wird, verliert er selten bis nie den erzählerischen Faden, und kann die zeitweise Abwesenheit größerer Logik geschickt verdecken. Mit einem Budget von nur einer halben Million Dollar waren Actionsequenzen und Effekte natürlich nicht drin. Doch zum Glück kann man unterhaltsame Krimigeschichten auch ohne explodierende Autos drehen. Für Fans des Genres ist „Brick“ sehr zu empfehlen, als gut gemachte Hommage an die Schwarze Serie. Wer dagegen ein psychologisch stimmiges Teenager-Drama erwartet wird sicherlich enttäuscht sein.

7/10

Firewall (DVD)

Viel Beachtung fand dieser neueste Film mit Harrison Ford während der Kinoauswertung nicht. Ford ist nicht mehr der Kassenmagnet früherer Tage, spektakuläre Action gibt es ebensowenig wie eine neuartige Story. Und leider hapert es bei „Firewall“ auch genau an irgendwelchen Besonderheiten, die ihn interessant machen könnten. Es ist ein erträglicher Thriller, gar nicht schlecht besetzt, aber vollkommen belanglos. Und ich sage (bzw. schreibe) das als Freund des Genres. Warum sonst hätte ich mir den Streifen denn überhaupt angesehen? Mehr…
4/10

Freunde mit Geld

Nach gefühlten 234 Staffeln ihrer Fernsehserie „Friends“ tummelt sich Jennifer Aniston seit längerem vermehrt auf der großen Leinwand herum. Gefallen gefunden habe ich bisher nur an „Rumor Has It“, die Komödien „Bruce Allmächtig“ und „Along Came Polly“ waren ebenso wenig meine Sache wie der verhunzte Thriller „Entgleist – Derailed“. Noch nicht gesehen habe ich „Trennung mit Hindernissen“, der aktuell ebenso im Kino läuft wie „Freunde mit Geld“. Der Film erzählt vom Alltag dreier Ehepaare und einer Singlefrau, Aniston ist als letztere mit von der Partie. Mehr…
6/10

Freunde mit Geld

Nach gefühlten 234 Staffeln ihrer Fernsehserie „Friends“ tummelt sich Jennifer Aniston seit längerem vermehrt auf der großen Leinwand herum. Gefallen gefunden habe ich bisher nur an „Rumor Has It“, die Komödien „Bruce Allmächtig“ und „Along Came Polly“ waren ebenso wenig meine Sache wie der verhunzte Thriller „Entgleist – Derailed“. Noch nicht gesehen habe ich „Trennung mit Hindernissen“, der aktuell ebenso im Kino läuft wie „Freunde mit Geld“. Der Film erzählt vom Alltag dreier Ehepaare und einer Singlefrau, Aniston ist als letztere mit von der Partie.Zu Beginn des Films feiert dieser Freundeskreis den Geburtstag von Jane (Frances McDormand) beim Dinner in einem gepflegten Lokal. Unter anderem geht es im Gespräch um eine Spende, die Matt und Franny (Greg Germann und Joan Cusack) an die Schule ihrer Kinder planen. Dabei geht es um die vernachlässigenswerte Summe von 2 Mio. Dollar. Und damit ist das zentrale Thema des Films auch schon angesprochen. Keines der anderen Paare verfügt über soviel Geld wie die beiden, wenngleich sie alle wirtschaftlich gut aufgestellt sind. Mit Ausnahme allerdings von Olivia (Aniston), die ihren Job als Lehrerin geschmissen hat und sich als private Putzhilfe durchschlägt.

Während Olivia sich durch ihren Alltag kämpft, der von ihrem moderaten Etat bestimmt wird, geht langsam die Ehe von Christine und David (Catherine Keener und Jason Isaacs) in die Brüche. Janes Gatte Aaron (Simon McBurney) kämpft ? ohne es zu wissen ? gegen die Vermutung an, er sei heimlich schwul. Alle Charaktere haben so ihre Probleme, im Mittelpunkt steht jedoch meist Olivia, die sich neuerdings mit Frannys Fitnesstrainer trifft.

In seiner Beschreibung des Alltags trifft der Film häufig die richtigen Töne, vermisst es jedoch an einer schlüssigen Story. Stattdessen gibts ein paar Allerweltsweisheiten und ein pseudo-versöhnliches Ende, das stark aufgesetzt daher kommt. Die Schauspieler bieten dagegen eine gute Leistung, können jedoch dem banalen Eindruck nicht viel entgegen setzen. Immerhin bleiben dem Zuschauer langweilige Klischees weitgehend erspart. Die reichen Menschen sind keine aufgeblasenen, langweiligen Arschlöcher, die ärmeren keine vom Leben enttäuschten, neidischen Versager. Dass Geld Probleme mit sich bringen kann (vor allem bei ungleicher Verteilung innerhalb einer Gruppe) ist bekannt. Einige Ansätze, sich der Schwierigkeit anzunehmen sind durchaus vorhanden, aber „Friends With Money“ (Originaltitel) bleibt allzu brav an der Oberfläche. Überspitzt ausgedrückt gibt Regisseurin und Drehbuchschreiberin Nicole Holofcener den einfachen Rat, entweder mehr Geld zu verdienen, oder sich einen Partner zu suchen, der damit ausreichend ausgestattet ist.

6/10

The Science of Sleep

In „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, dem vorigen Film des französischen Regisseurs Michel Gondry, spielte sich ein Großteil der Handlung in den Köpfen seiner Hauptdarsteller ab. Jim Carrey hetzte durch seine Erinnerungen, um die komplette Auslöschung seiner Ex-Freundin Kate Winslet doch noch zu verhindern. Auch in seinem neuen Werk „The Science of Sleep“ sieht Gondry wieder in die Köpfe seiner Figuren, genauer gesagt in die Träume des jungen Stephane, dargestellt von Gael Garcia Bernal. In der realen Welt ist Stephane gerade nach Paris zurückgekehrt, bezieht eine kleine Wohnung und beginnt einen langweiligen Job. In seinem Herzen jedoch ist er ein kreativer Erfinder, sehr phantasievoll, aber für den Alltag ungeeignet. Stephane findet bald Gefallen an Stephanie (Charlotte Gainsbourg), seiner Nachbarin von gegenüber (oder doch eher an deren Freundin?). Er versucht mit allen möglichen Mitteln ihr Herz zu gewinnen, stellt sich dabei jedoch nicht sonderlich geschickt an und steht sich oft selbst im Weg. Diese Szenen präsentiert Gondry mitfühlend und humorvoll, was seinem Film eine spielende Leichtigkeit verschafft. Dazu trägt auch das charmante Sprachchaos aus Englisch, Französisch und etwas Spanisch bei.

Im Zentrum von „The Science Of Sleep“ stehen Stephanes Träume. In ihnen kommentiert sich das Geschehen selbst, werden Stephanes Wünsche und Hoffnungen ebenso deutlich wie seine Ängste. Hier fließen Erinnerungen, Realität und Wunschdenken zusammen und schaffen eine skurille, phantastische Welt, in der alles möglich ist. Regisseur Gondry hat einen wunderschönen Bilderrausch geschaffen, der so vielfältig ist, dass man ihn sicher mehrmals ansehen sollte. Statt moderner Computergraphiken benutzt er die antiquierte Stop-Motion-Technik, was dem Film einen verspielten, altmodischen Look verleiht.

Die beiden Hauptdarsteller Bernal und Gainsbourg sind exzellent besetzt, wobei ihnen Alain Chabat als Stephanes Kollege Guy hin und wieder die Schau stiehlt. Der wahre Star des Films ist jedoch die herrlich phatasievolle Ausstattung der bizarren Traumwelten. Immer häufiger verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, was einige Verwirrung stiftet. So hat „The Science of Sleep“ durchaus ein paar narrative Schwächen, die aber von der überwältigenden Optik locker überspielt werden.

Abseits von bekannten Genres hat sich Michel Gondry mit nur zwei Filmen eine Nische geschaffen, in der Erinnerungen, Träume und das Unterbewußtsein die Herrschafft übernommen haben. Bemerkenswert ist dabei, wieviel Witz und Kurzweil seine Filme mitbringen. Man braucht kein besonderes Interesse an Arthaus-Produktionen oder alternativem Kino, um „The Science of Sleep“ genießen zu können – sofern man gewillt ist, auf eine herkömmlich dramatisierte Handlung zu verzichten. Entschädigt wird man dafür mit originellen, farbenfrohen Bildern, die eine beeindruckende Vision vom Innenleben seiner Hauptfigur entstehen lassen.

8/10