Inside Man

Vor den Augen des Kinopublikums haben schon so einige Bankräuber den vermeintlich perfekten Coup durchgezogen. In Spike Lees neuem Film „Inside Man“ versucht sich nun Dalton Russell (Clive Owen) an einer Bank in Manhattan. Draußen nimmt Lieutenant Frazier (Denzel Washington) die Verhandlungen auf, denn Russell hat einige Dutzend Geiseln in seiner Gewalt. Polizisten belagern die Bank, das Fernsehen ist live dabei. Dieses Szenario könnte sehr leicht im cineastischen Mittelfeld versinken, schließlich hat man es schon zigmal gesehen. Doch zum Glück wurde die Handlung um ein zusätzliches Level angereichert.Personifiziert wird diese weitere Komponente von der ominösen Beraterin Madeliene White (Jodie Foster). Auf den dringenden Wunsch des Chefs der Bank (Christopher Plummer) wird sie in die Verhandlungen involviert. Ihr geht es jedoch nicht um die Freilassung der Geiseln, sondern um den brisanten Inhalt einer kleinen Stahlbox. Die Psycho-Spielchen können also beginnen. Während Russell mit seiner Crew in der Bank die Geiseln in Overalls steckt und ihre Gesichter verhüllt, wird übers Telefon verhandelt, wie es denn weiter gehen soll. Um die Lage zu entspannen wird sehr bald erst mal Pizza für alle bestellt.

„Inside Man“ ist ein sogenannter Heist-Film und bewegt sich dementsprechend innerhalb einiger fester Regeln. Dazu gehört, dass die ganze Wahrheit über den Coup erst am Ende herauskommt. Solange gibt es viele falsche Fährten, auf die das Publikum und auch die Polizisten gelockt werden. Will Russell wirklich die ganze Kohle eintüten und mit einem Flugzeug türmen, wie er es nach außen hin verbreitet? Ist ihm an dem Inhalt der Box persönlich gelegen? Sind die Bösewichter wirklich Albaner? Die meisten dieser Fragen werden am Ende zufriedenstellend beantwortet, einige jedoch bleiben offen und sorgen so im Nachhinein für etwas Enttäuschung.

Auf dem Weg dahin präsentiert Spike Lee jedoch einen handwerklich sehr guten Thriller mit einer erstklassigen Besetzung. Jodie Foster spielt als selbstbewusster weiblicher Spin-Doctor ganz groß auf, Denzel Washington kann sich ebenso auf sein Charisma verlassen wie sein Gegenspieler Clive Owen. In einigen Szenen wird auch die Handschrift des Gesellschaftskritikers Lee deutlich, ohne dass er mit politischen Untertönen die Handlung untergraben würde. Vielmehr findet er unterhaltsame Wege, das multikulturelle Leben New Yorks (und seine Probleme) in das Geschehen mit einzubinden. Tatsächlich ist dies sein erster Mainstream-Film, wobei er etwa im Vergleich mit Tim Burton (und seinem unseligen „Planet der Affen“) eine gute Figur macht. Was den Film auszeichnet, ist das feine Gespür für den konstruierten Plot. Durch einige „Vorblenden“ bekommt der Zuschauer einige Tipps, wie das ganze wohl zuende gegangen sein mag, die Spannung bleibt dabei jedoch erhalten, denn die Informationen sind genau dosiert.

Trotz einiger weniger Längen, hauptsächlich gegen Ende der ersten Stunde, vergeht die Zeit bei „Inside Man“ wie im Flug. So gesehen hat der Film sein Ziel eindeutig erfüllt. Darüber hinaus gibt es noch ein paar bemerkenswerte Szenen, für großes, tiefgängiges Drama ist aber kein Platz, stattdessen gibt es gelungene, witzige Dialoge. Über die Auflösung und die Hintergründe des Ganzen wird in den Message Boards von imdb.com bestimmt noch Wochen gestritten und geplauscht werden. Fakt ist, dass hier in allen wesentlichen Bereichen vieles richtig gemacht wurde. Spike Lee beweist, dass er einen großen Studio-Film drehen kann, nicht mehr und nicht weniger. Aber irgendwie, es mag ungerecht sein, hätte ich eher noch etwas mehr erwartet.

7/10

V for Vendetta

Mit den Wachowski-Brüdern ist das ja so eine Sache. Die Erfinder der „Matrix“ haben ganz sicher einen Sinn für große Geschichten über Unterdrückung, Revolution und den Kampf für die gute Sache. Gleichzeitig scheinen die zwei als Regisseure und Drehbuchschreiber (mit Ausnahme ihres Debuts „Bound“) nicht eben mit einem Sinn für stimmige Dramaturgie und glaubwürdige Charaktere gesegnet zu sein. Bei „V for Vendetta“ haben sie ihrem ehemaligen Regie-Assistenten James McTague die Regie überlassen, sind aber als Produzenten an Bord geblieben.Die Handlung spielt im London des Jahres 2020. Die Welt ist gezeichnet durch einen großen Krieg, und England ist zu einem totalitären Staat a la George Orwells „1984“ geworden. An der Spitze der Regierung steht Kanzler Sutler (John Hurt), als inoffizieller Propaganda-Minister fungiert TV-Moderator Prothero, der täglich seine Verbal-Attacken gegen die Feinde des Regimes unters Volk bringt. Auftritt des mysteriösen „V“, der hinter seiner ewig grinsenden Maske das Regime zu Fall bringen möchte. Zunächst bringt er aber erst einmal ein paar fiese Polizisten zu Fall, die der hübschen Evey (Natalie Portman) ans Leder wollen.

Die Revolte geht nun ihren Gang, und ihr Mastermind stellt sich dabei recht geschickt an. Er wendet sich über die dauerpräsenten Fernsehschirme direkt ans Volk und beschwört den Geist der Freiheit. In einem Jahr soll die Revolution starten, bis dahin beschäftigt sich der Film zumeist mit der Jagd nach dem Terroristen durch die Obrigkeit und der allgemeinen Vorgeschichte seiner Figuren. Wirklich packend ist die Geschichte jedoch leider nicht, zu ungestüm wird die Handlung präsentiert, zu pathetisch wird dem Publikum dieser Krieg der Ideen verkauft. Die Kraft der schönen Bilder kommt nicht gegen die zuweilen äußerst scheelen Dialoge an, die wohl aus der Matrix rübergemacht haben. Einmal bemerkt ein Inspektor: „There are true stories, and there are false (stories)“. Gut beobachtet, aber wem hilft das weiter?

Die Schauspieler scheitern an ihren wenig plausiblen Charakteren, allen voran Natalie Portman. Im Kino werden die schillernsten Helden geboren, doch weder der Maskenmann noch Evey werden lange im Gedächnis bleiben. „V“ bleibt – trotz der Vorgeschichte um ein vereiteltes Attentat im Jahre 1605 – letztlich eine lächerliche Figur, deren affektiertes, fast immer druckreifes Gerede reiner Selbstzweck ist. Mit Evey steht ihm eine menschlichere Partnerin zur Seite, aber die merkwürdige Beziehung der beiden entwickelt keine eigene Dynamik. Die überzeichneten Bösewichter Sutler und Prothero sind guter Durchschnitt, einzig Stephen Fry als melancholischer Fernseh-Spaßvogel Deitrich hat mir wirklich gefallen.

Immerhin, nimmt man „V for Vendetta“ nicht gar so bierernst (was angesichts der Terror-Story vielleicht schwer fallen mag), kann das Ganze durchaus gefallen. Eine wunderbare Slapstick-Paradie des Kanzlers sorgt für schallendes Gelächter, einige anständig choreographierte Kämpfe für Kurzweil und die opulenten Bilder für den ein oder anderen Blickfang. Als laut tönende Trash-Oper funktioniert der Film sehr gut, und der hin und wieder durchscheinende B-Movie-Charme (etwa Eveys „Gefängnis“-Aufenthalt) steht dem ganz und gar nicht im Wege. Der Gang ins Kino lohnt sich also, als idealen Begleiter empfehle ich einen wohlwollend-ironischen Blick auf die Vendetta des ewig grinsenden Sprücheklopfers. Außerdem: Es läuft doch sowieso nichts anderes, gelle?

7/10

Firewall (DVD)

Viel Beachtung fand dieser neueste Film mit Harrison Ford während der Kinoauswertung nicht. Ford ist nicht mehr der Kassenmagnet früherer Tage, spektakuläre Action gibt es ebensowenig wie eine neuartige Story. Und leider hapert es bei „Firewall“ auch genau an irgendwelchen Besonderheiten, die ihn interessant machen könnten. Es ist ein erträglicher Thriller, gar nicht schlecht besetzt, aber vollkommen belanglos. Und ich sage (bzw. schreibe) das als Freund des Genres. Warum sonst hätte ich mir den Streifen denn überhaupt angesehen? Ford spielt Jack Stansfield, den Security-Chef einer Bank, ein Job von dem seine Familie sehr gut leben kann. In Gestalt von Paul Bettany (Russell Crowes Schiffsarzt aus „Master & Commander“) tritt dann das perfide Verbrechen auf. Mit seinen Schergen nimmt er Jacks Frau und seine zwei Kinder als Geiseln und zwingt ihn, seinen Arbeitgeber elektronisch um mehrere Millionen Dollar zu prellen. Jack ist nicht sehr begeistert, muss aber feststellen, dass seine Gegner einen raffinierten Plan verfolgen, der ihm wenige Optionen offen lässt. Der größte Teil des Geschehens findet dabei in Jacks Haus sowie seinem Büro im Bankgebäude statt, unter ständiger Überwachung der Kidnapper.

Harrison Ford hat mit seiner Rolle keine große Mühe. Er spielt den liebevollen und zugleich schlitzohrigen Familienvater, und ist jederzeit in der Lage, seine Szenen glaubhaft zu gestalten. Mit Paul Bettany ist auch der Bösewicht gut besetzt, aber angesichts des stromlinienförmigen Skripts hilft das alles nichts. Fluchtversuche und kleinere Wendungen wechseln sich bis zum Ende harmonisch ab, ohne dass man auch nur einmal das Gefühl hätte, es ginge richtig zur Sache. Weder der Regisseur noch die Schauspieler können diesem abgegriffenen Stoff etwas abgewinnen. Wobei von Scheitern gar nicht die Rede sein muss, denn „Firewall“ ist weder allzu langweilig noch ernsthaft grottig. Wer akute Langeweile im verregneten Frühherbst zu bekämpfen hat, der kann es ruhig mit diesem Film probieren.

4/10

Basic Instinct 2

Mit „Basic Instinct 2“ geht es mir ähnlich wie mit „Gigli“, jenem grandiosen Flop mit Ben Affleck und Jennifer Lopez, als die noch gemeinsam als „Bennifer“ um die Häuser zogen. Was so herbe Schiffbruch erleidet, muss ich gesehen haben. Auch dieser Film ist ein ganz finsteres Desaster, gerade mal 3,2 Mio. Dollar spielte er am Startwochenende in den USA ein. Das ist nicht etwa nur ein mageres Ergebnis, das ist ein Witz. Allerdings keiner, über den die Produzenten laut lachen können. Dabei erklärt es sich ziemlich einfach, wenn man den Film erstmal gesehen hat und etwas mit der Vorgeschichte vertraut ist.Anno 1992 wurde „Basic Instinct“ zum Skandal- und Erfolgsfilm. Clever mit großen Stars besetzt konnte der handwerklich solide, aber keinesfalls herausragende Thriller kräftig Kasse machen, eben weil er auch für Gesprächsstoff sorgte. Das etwas lose Ende des Films war eigentlich eine Schwäche, ließ aber die Tür für eine Fortsetzung offen, von der sich Michael Douglas früh und endgültig verabschiedete. Übrig blieb Sharon Stone, die jahrelang mit den Produzenten Mario Kassar und Andrew Vajnar („Terminator 3“ und gerüchteweise gar „Terminator 4“) um mehr Gage, andere Co-Stars und ein neues Drehbuch stritt. Nicht zu Unrecht beklagte sich die Actrice, dass Frauen jenseits von 40 Jahren in Hollywood keine Hauprollen mehr spielen könnten, und wollte partout noch einmal in ihre bekannteste Rolle schlüpfen.

Problem Nr. 1: Sharon Stones Karriere ist seit einigen Jahren vorbei, ob das nun fair ist oder nicht. Ihre Zugkraft tendiert gegen Null, wenn es um große Zuschauerzahlen geht. Problem Nr. 2: In der männlichen Hauptrolle ist ein gänzlich unbekannter Brite zu sehen, den man als Publikumsmagneten auch vergessen kann. Problem Nr. 3: Der Film ist einfach schlecht. Man sollte ihn nur Leuten empfehlen, die man SO RICHTIG WENIG leiden kann.

Die Handlung wurde von San Francisco nach London verlegt, wo sich Catherine Tremell (Stone) bald unter Anklage befindet. Sie hatte sich am Steuer ihres Sportwagens von einem Fußball-Star mit der Hand befriedigen lassen, die Fahrt endete in der Themse. Ihr Beifahrer hat das nicht überlebt, und so setzt die Staatsanwaltschaft den Psychologen Dr. Glass auf sie an. Es beginnt ein wirrer Plot, der um Glass‘ und Tremells Vergangenheit und einen hartnäckigen Polizisten kreist. Immer neue Todesfälle weisen auf die umtriebige Schundroman-Autorin hin. Der Psychokrieg der beiden wird selbstverständlich auch im Bett geführt, aber diese Szenen sind genauso daneben wie der ganze Rest. Catherine hört sich zu gern reden und beantwortet jede Frage mit einer dämlichen Gegenfrage, Dr. Glass verhält sich so wenig wie Psychiater, dass es schon wieder lustig ist.

So ist „Basic Instinct 2“ einer der schlechtesten „Neo-Noir“-Streifen überhaupt geworden (die meiner Ansicht nach besten gibt?s hier). Vom Niveau her kann man ihn wohl mit lahmen Erotikthrillern vergleichen, die endlos auf Vox und RTL 2 wiederholt werden. Die Story ist unnötig zerfahren und ergibt wenig Sinn. Regisseur Michael Caton-Jones scheint mit seinem Material zu kämpfen, viele Szenen wirken angestrengt und setzen auf laue Effekthascherei. David Morrissey ist schlicht fehlbesetzt, er und seine Figur können es mit Sharon Stone nicht aufnehmen. Was nicht heisst, dass die sich mit Ruhm bekleckern würde. In bereits bekannten Posen zieht sie bekannte Register, und sieht dabei für ihr Alter von 48 Jahren wirklich recht knackig aus. Den selten dämlichen Dialogen hilft das aber auch nicht weiter.

Immerhin, den Film auf so vielen Ebenen scheitern zu sehen, ist recht amüsant und alles andere als langweilig. Wer aber grundsätzlich von diesem mißratenen Film Abstand zu nehmen gedenkt, der geht den Pfad der Gerechten. Wie zu befürchten war, ist „Basic Instinct 2“ eine schlechte Fortsetzung geworden, die ihr Dasein schon sehr bald in den hintersten Regalen der Videotheken fristen wird. Neben „Showgirls“, „Striptease“ und Konsorten ist hoffentlich noch Platz.

2/10

Bilderlose Kunst

Irgendwie klappt es gerade nicht, Bilder in die Seite hochzuladen. Verdammte Axt! Nun denn, es geht trotzdem weiter. Ich habe mich mal wieder in der Videothek rumgetrieben und dabei folgende drei Streifen mal ausgecheckt.

Nummer eins spielt in der typisch amerikanischen Vorstadt-Hölle, in den Hauptrollen mit Joan Allen (spielte in „Face/Off“ Travoltas Ehefrau) und Kevin Costner (spielte in „Robin Hood“ folgende Person: Robin Hood, und in „Der Bodyguard“ doch tatsächlich: den Bodyguard). Mehr gibt es unter dem folgenden Link…
An Deiner Schulter (6/10)

Für einige Oscars nominiert war das Kostümdrama „Stolz und Vorurteil“, welches ich mir zaudernden Herzens mal angesehen habe. Ob das gute Miene zum bösen Spiel war, erfahrt Ihr unter diesem Link…
Stolz und Vorurteil (7/10)

Zu guter letzt war ich auf der Suche nach meinem inneren Tauchsport-Fan. Den hab ich leider nicht gefunden, wohl aber ein paar Worte zu diesem Unterwasser-Drogen-Schatzjagd-Urlaubs-
Thriller namens….
Into the Blue (3/10)

Brokeback Mountain

Es gibt eigentlich bloß zwei Arten von Filmen. Solche, die ich sehen will, und solche, die ich nicht sehen will. Ganz einfach. Und eben doch nicht ganz so einfach, denn „Brokeback Mountain“ bewegte sich ziemlich genau dazwischen. Einerseits ist der Film überall gefeiert worden, wurde für den Oscar nominiert, und stammt von Ang Lee, dessen „Eissturm“ und „Tiger & Dragon“ großartige Filme sind. Andererseits ist dies ein über zweistündiges Melodrama mit Anleihen beim Western und erzählt die traurige, weil unmögliche, Liebesgeschichte zweier Cowboys. Nicht unbedingt meine cineastische Präferenz. Dazu kommt, dass Ang Lees Schaffen auch den Langweiler „Ride with the Devil“ beinhaltet . Mehr… 7/10

Brokeback Mountain

Es gibt eigentlich bloß zwei Arten von Filmen. Solche, die ich sehen will, und solche, die ich nicht sehen will. Ganz einfach. Und eben doch nicht ganz so einfach, denn „Brokeback Mountain“ bewegte sich ziemlich genau dazwischen. Einerseits ist der Film überall gefeiert worden, wurde für den Oscar nominiert, und stammt von Ang Lee, dessen „Eissturm“ und „Tiger & Dragon“ großartige Filme sind. Andererseits ist dies ein über zweistündiges Melodrama mit Anleihen beim Western und erzählt die traurige, weil unmögliche, Liebesgeschichte zweier Cowboys. Nicht unbedingt meine cineastische Präferenz. Dazu kommt, dass Ang Lees Schaffen auch den Langweiler „Ride with the Devil“ beinhaltet .Na ja, offensichtlich habe ich den Film nun gesehen, sonst wäre dieser Eintrag reichlich sinnlos. Es gibt auch eine gute Nachricht, denn „Brokeback Mountain“ ist ein tatsächlich ein guter Film. Als Western kann man ihn auch gar nicht bezeichnen (nichts gegen Western an sich, sie sind nur oft so laaaangweilig), denn die Handlung beginnt im Jahre 1963, und da gab es auch in Wyoming, wo der Film die meiste Zeit spielt, schon Telefon und Fernsehen anstatt von Siedlungsgrenzen und rauhbeinigen Sheriffs. Zum Beginn des Sommers heuern Ennis Del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake Gyllenhall) bei dem Besitzer einer großen Schafherde an. Mit einigen tausend Tieren ziehen sie in die Berge, wo sie den Sommer über auf die fröhlich vor sich hin meckernden Viecher aufpassen sollen.

Oben in der Einsamkeit der Wildnis kommen der wortkarge Ellis und der lebenslustige Rodeoreiter Jack gut miteinander aus. Nach einigen Wochen sind sie sich plötzlich sehr viel näher, als sie das erwartet haben, und aus dem Sommerjob wird eine Romanze. Schon bald ist es jedoch wieder vorbei mit der Herrlichkeit, denn ein drohendes Unwetter beendet die Zeit in den Bergen vorzeitig. Man sagt sich lebewohl und trennt sich, Ennis wird immerhin von seiner Verlobten Alma (Michelle Williams) erwartet. In den folgenden Jahren können sich die beiden nur selten sehen, aber niemals käme es ihnen in den Sinn, ihre heimliche Verbindung zu lösen. So treffen sie sich zu gemeinsamen, mehrtägigen Angelausflügen, von denen sie zur Verwunderung von Ennis Frau nie einen Fang mit nach Hause bringen…

Ohne seine großartigen Hauptdarsteller könnte „Brokeback Mountain“ nicht funktionieren. Sowohl Ledger als auch Gyllenhall schaffen es, ihre Figuren mit großer Genauigkeit und Sinn für ihre innere Zerrissenheit auf die Leinwand zu bringen. Das gilt nicht nur für die (zuweilen sehr intimen) gemeinsamen Szenen, sondern auch für beider Ehe- und Familienleben, welche zu führen keinem von ihnen besonders leicht fällt. Heutzutage ist ein schwules Paar in den Vereinigten Staaten keine Sensation, doch vor 40 Jahren sah das (vor allem im konservativen Hinterland der USA) noch etwas anders aus. Bis zum traurigen Finale tragen die Hauptdarsteller das mit aller Ruhe vorgetragene Geschehen. Die Nebenrollen sind gut besetzt, aber lediglich Ennis Frau Alma gewint nennenswertes Profil. Einige wunderbare Landschaftsaufnahmen bieten optischen Anreiz, der schwermütige Score passt glänzend dazu. Nur dass hin und wieder in Bars und Tanzlokalen gespielte, schlichtweg grausige Country-Genöhle ist schwer zu ertragen, wenn es wohl auch sein muss.

Ein paar Mängel müssen auch noch Erwähnung finden, wenn sie auch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. So umfasst der Zeitraum der Handlung knappe zwanzig Jahre, in denen Jack und Ennis jedoch äußerlich um maximal 10 Jahre „altern“. Heath Ledger soll am Ende einen Vierzigjährigen spielen, und den nimmt man ihm schlicht nicht ab. Ähnliches gilt für andere Figuren/Darsteller. Warum man die Geschichte nicht auf 10 Jahre beschränkt hat ist mir ein Rätsel, immerhin wäre das auch eine lange Zeit gewesen. „Brokeback Mountain“ ist trotzdem ein guter Film, allerdings keiner, den man unbedingt gesehen haben muss.

7/10

Ein letztes Mal: Die Oscars

Es ist vollbracht. Heute morgen gegen 6 Uhr ging die überlange Verleihung der 78. Academy Awards zuende. Wie ich finde gab es weder große Gewinner noch wirkliche Verlierer, die Preise wurden sorgfältig auf alle nominierten Filme verteilt. Schon beim ersten Preis für den besten Nebendarsteller kommentierte Gewinner George Clooney treffend „So I`m not winning best director.“ Und sollte recht behalten. Mehr…

Flightplan (DVD)

Vor kurzem habe ich hier den Film „Red Eye“ besprochen, einen kleinen, aber cleveren Thriller. Er spielt fast komplett an Bord eines Flugzeugs, genau wie der gerade auf DVD erschiene „Flightplan“. Mit Jodie Foster ist ein echter Star dabei, trotzdem scheitert der deutsche Regisseur Robert Schwendtke („Tatoo“) bei seinem Versuch, eine wenig plausible Handlung dem Publikum für bare Münze zu verkaufen. Nicht erst nach dem ersten Ansehen, sondern schon während der Film läuft fällt er jämmerlich auseinander. Immerhin, seinen Sinn für stimmungsvolle Bilder ist noch vorhanden, was „Flightplan“ vor dem Prädikat „Geht gar nicht“ gerade so bewahrt. Mehr… 4/10

Stealth – Unter dem Radar (DVD)

Normalerweise treffe ich bei all den Filmen, die ich mir ansehe und auch rezensiere, eine Vorauswahl. Niemand bezahlt gern 5 Euro für einen beschissenen Film, so dass ich vor dem Gang ins Kino schon mal nachgucke, worum es sich eigentlich handelt. Bei DVDs ist die Hemmschwelle da schon niedriger. Heute Nachmittag war sie direkt so niedrig, dass ich mir dieses Action-Vehikel reingezogen habe, ohne Rücksicht auf Verluste. An Vorwarnungen mangelte es nicht, immerhin ist der Film vom US-Militär unterstützt worden (was nur bei historischen Geschichten keine schlechte Nachricht sein muss), und der Regisseur ist mit Rob Cohen auch kein unbekannter. Mit „xXx“ und „The Fast and the Furious“ hat er in den letzten Jahren bereits bewiesen, dass ihm die Handlungen seiner Streifen nicht egaler sein könnten. Mehr… 2/10

Ein letztes Mal: Die Oscars

 

Es ist vollbracht. Heute morgen gegen 6 Uhr ging die überlange Verleihung der 78. Academy Awards zuende. Wie ich finde gab es weder große Gewinner noch wirkliche Verlierer, die Preise wurden sorgfältig auf alle nominierten Filme verteilt. Schon beim ersten Preis für den besten Nebendarsteller kommentierte Gewinner George Clooney treffend „So I`m not winning best director.“ Und sollte recht behalten…So machte sich der Favorit „Brokeback Mountain“ mit den Preisen für die beste Regie, das beste adaptierte Drehbuch und dem besten Score aus dem Staub, „LA Crash“ wurde (etwas überraschend) bester Film, „Capote“ stellte den besten Darsteller, „Walk the Line“ die beste Darstellerin, und fast jeder weitere nominierte Film nahm irgend einen Preis mit nach Hause. „Memoirs of a Geisha“ gewann überraschend gleich drei Oscars, während „München“ (dessen Nominierung als „Bester Film“ als Überraschung gewertet wurde) und „Good Night, and Good Luck“ als einzige leer ausgingen. Aber, wie oben erwähnt, wurde „Good Night…“-Regisseur Clooney ja stellvertretend (wenn auch für einen anderen Film) mit einem Darstellerpreis geeehrt.

Moderator Jon Stewart von der „Daily Show“ machte seine Sache gut und bot einige zünftige Zoten feil, die zumeist auch beim Publikum zündeten. Wie üblich war die ganze Vorstellung gefühlte fünf Stunden lang, was aber zumindest zum Teil auch an der doch recht fortgeschrittenen Ortszeit hierzulande liegt. Erst um ein Uhr startet die 60-minütige Pre-Show, in der unfassbar gutgelaunte TV-Leute den in edles Tuch gehüllten Stars Komplimente machten und unnötige Nettigkeiten austauschten. Positiv zu vermelden ist, dass Pro 7 die gesamte Show im Original ohne nervige Übersetzung sendete. Und auch Anke Engelkes Wegbleiben darf getrost als segensreich gewertet werden. Langweilig-oberflächlichen Small-Talk macht sowie niemand besser als die Amis.

Einen weiteren Gewinner darf ich hier ganz exklusiv vermelden, nämlich den des „Outguess Edzard“-Wettbewerbs: Es handelt sich um Le Dinsch. Mit 16 zu 15 richtigen Tipps käufte er mir tatsächlich und als einziger den Schneid ab und wird zur Strafe (auf eigenen Wunsch) mit Speiseeis beworfen. In den Kategorien „Animierter Spielfilm“ und „Sound-Editing“ lag er im Gegensatz zu mir goldrichtig, den verlorenen Boden konnte ich mit meiner feinen Nase für den Sieger in der Kategorie „Bester Film“ („LA Crash“) nicht mehr gut machen. Es is a Kreiz. A Kreiz is.

Capote

Eines steht ja mal fest: wenn die Academy Philip Seymour Hoffman in der Nacht zum Sonntag einen Oscar verleihen sollte, dann geschähe das völlig zu recht. Seine Darstellung des exaltierten, sensiblen Schriftstellers Truman Capote geht wahrhaftig unter die Haut. Und auch ganz schön auf die Ohren, denn offenbar sprach Capote mit einer hohen, nasalen und weinerlichen Stimme. Bis man sich an die gewöhnt hat, ist locker eine halbe Stunde vergangen. Über die Titelfigur des Films von Bennett Miller war mir vor dem Film wenig bekannt, ein bißchen mehr Vorwissen hätte das Vergnügen sicher nicht geschmälert. Mehr… 8/10

The Weather Man

Erst vor kurzem startete mit „Lord of War“ ein Film mit Nicolas Cage in den deutschen Kinos, und was soll ich sagen? Hier kommt gleich der nächste. Zwischen den Fortsetzungsspektakeln von „Fluch der Karibik“ hat Regisseur Gore Verbinski einen kleinen, ruhigen Film über das Auf und Ab im Leben eines TV-Wetteransagers gedreht. Nicolas Cage spielt den „Weather Man“ Dave Spritz aus Chicago, der zu Beginn des Films in der Midlife-Crisis steckt. Sein Job macht ihm wenig Freude, er und seine Frau leben getrennt, die Kinder haben so ihre Probleme, und dem Vergleich mit seinem Vater, einem bekannten Schriftsteller, wagt er gar nicht anzustellen. Im Grunde fragt sich Spritz über die gesamte Länge des Films, in welche Richtung sein Leben gehen soll. Glaubt er daran, seine Ehe kitten zu können und mit einem besser dotierten Job in New York alles wieder hinzubiegen? Mehr… 7/10

The Weather Man

Erst vor kurzem startete mit „Lord of War“ ein Film mit Nicolas Cage in den deutschen Kinos, und was soll ich sagen? Hier kommt gleich der nächste. Zwischen den Fortsetzungsspektakeln von „Fluch der Karibik“ hat Regisseur Gore Verbinski einen kleinen, ruhigen Film über das Auf und Ab im Leben eines TV-Wetteransagers gedreht. Nicolas Cage spielt den „Weather Man“ Dave Spritz aus Chicago, der zu Beginn des Films in der Midlife-Crisis steckt. Sein Job macht ihm wenig Freude, er und seine Frau leben getrennt, die Kinder haben so ihre Probleme, und dem Vergleich mit seinem Vater, einem bekannten Schriftsteller, wagt er gar nicht anzustellen. Im Grunde fragt sich Spritz über die gesamte Länge des Films, in welche Richtung sein Leben gehen soll. Glaubt er daran, seine Ehe kitten zu können und mit einem besser dotierten Job in New York alles wieder hinzubiegen?Von den großen Namen von Regisseur und Hauptdarsteller sollte man sich vor dem Gang ins Kino nicht täuschen lassen. Der Film ist keineswegs eine auf Kurzweil gebürstete Komödie mit Anleihen bei der Realität, sondern ein ernsthaftes Drama mit einigen lustigen Szenen. Im Wesentlichen behandelt er die Frage, was das Leben seiner Hauptfigur ausmacht, wie Rückschläge zu verarbeiten sind und was von der Zukunft zu erwarten ist. Die Stimmung ist durchweg gedrückt, denn es läuft wie oben erwähnt nicht viel zusammen beim Wetterfrosch. Über weite Strecken des Films ist Nic Cage in seiner teuren Limousine unterwegs durch Chicago. Er fährt seine Kinder hier und da hin, seinen Vater Robert (gespielt von Michael Caine) zum Arzt, und schließlich alle wieder nach Hause. Seine Arbeit ist dagegen nicht allzu zeitraubend, für seinen Part der Nachrichten reichen zwei Stunden täglich.

An einer Stelle bemerkt Spritz mit Blick auf das Haus seiner Frau und Kinder, dass in so einem schönen Haus glückliche Menschen leben sollten. Was ist schiefgelaufen, weshalb hängt er so sehr in der Luft? Um die unsichere Stimmung zu unterstützen, bedient sich der Film einiger Running Gags. So wird Dave (zu seinem wachsenden Unmut) andauernd mit Fast Food beworfen, wenn er auf der Straße erkannt wird. Und nie hat er genug Bargeld, wenn ihn sein kranker Vater um Kleinigkeiten wie einen Kaffee oder eine Zeitung bittet. Michael Caine spielt Robert Spritz mit Zurückhaltung, bringt aber mit seiner Klasse dessen übergroße Präsenz sehr gut zur Geltung. Seiner selbst und seiner Umwelt sicher meistert er sein Leben, gibt Ratschläge und hat sogar noch ein Ohr für die Gemeinheiten, die sich Daves Tochter Shelly in der Schule anhören muss. Dabei taucht er immer wie selbstverständlich aus dem Nichts auf, was seinen Sohn weiter verunsichert.

Zwar gibt es auch einige Lichtblicke, grundsätzlich aber ist „The Weather Man“ keine allzu leicht verdauliche Kost. Nicolas Cage bringt mit Dave Spritz einen ganz normalen Menschen auf die Leinwand, und mit ihm ganz normale Probleme. Dass man dem Superstar eine solche Rolle noch abnimmt spricht klar für ihn. Ohne jemals Over-the-Top zu gehen entwickelt sich die Handlung schlüssig und ohne sinnlose Wirrungen. Ich kann mich kaum entsinnen, zuletzt einen Film ohne Rückblenden, Falltüren und Irreführungen gesehen zu haben. Es ist vielleicht nicht sehr spaßig, dem Leben des Wettermanns für einige Wochen zu folgen, aber das gelungene Zusammengehen von Handlung und Darstellern, verbunden mit einem nur sehr moderat belehrenden Erzählton, sprechen sicher nicht dagegen.

7/10