Aktuell in der Videothek

Bruce Allmächtig

Fernseh-Reporter Bruce (Jim Carrey) hegt den ehrgeizigen Wunsch, zum Anchorman der Nachrichten seines Senders zu werden, doch ihm will einfach nichts gelingen. Seinem Frust lässt er durch einige heftige Verbal-Attacken gegen den lieben Gott aus. Der jedoch ist das Gezeter bald leid und überträgt Bruce kurzerhand seine Macht – auf dass er doch alles besser machen möge! Natürlich weiss Bruce so einiges zu seinen Gunsten anzustellen und bald hat er sein Ziel scheinbar erreicht. Doch seine Beziehung zu Grace (Jennifer Aniston) scheint unter seinen neuen Kräften eher zu leiden.

Jim Carrey schneidet eifrig Grimassen in dieser durchaus mit einigen guten Gags gesegneten Komödie, die ihre blasphemische Grundidee so harmlos wie eben möglich vor dem Zuschauer ausbreitet. Das zuckersüße und vorhersehbare Ende ist bei Produktionen dieser Kragenweite zwar obligatorisch, deswegen aber nicht weniger langweilig. Letzten Endes bestätigt der Film alle Erwartungen, die man an ihn haben kann – die guten und auch die schlechten.
5/10

Voll Frontal

Steven Soderbergh hat in seinem letzten Film eine Menge Stars (u.a. Julia Roberts, Catherine Keener und David Duvochny) untergebracht, die sich vor ihrer Teilnahme an dem Projekt mit gewissen Regeln einverstanden erklären mussten. Da gab es auf dem Set z.B. keine Trailer, auch für Klamotten und Make-Up war jeder selbst verantwortlich. Der Film erzählt zwei Geschichten, von denen eine sozusagen ein Film im Film ist. In einem Erzählstrang interviewt eine hübsche Reporterin einen Schauspieler, in einem anderen will eine für „Human Resources“ zuständige Frau ihren Mann verlassen. Dazu kommen noch einige weitere Handlungsfäden, unter anderem eine erstmals aufgeführte Theaterinszenierung mit dem Protagonisten Adolf Hitler.

Soderbergh gelingen einige starke Momente in seinem Film, die Stories bleiben aber überwiegend eher blass. Die Schauspieler geben sich durchweg Mühe, doch da das Drehbuch ihnen eine klassische Entwicklung ihrer Rollen zumeist versagt, wird man die meisten Charaktere schon bald wieder vergessen. Insgesamt durchaus einen Versuch wert, aber kein großes Experimentalkino.
6/10

Serving Sara

Komödie mit „Friends“-Star Matthew Perry und Liz Hurley in den Hauptrollen. Der schwarze US-Starkomiker Cedric the Entertainer spielt den Chef einer Agentur, die sich auf das Zustellen von Scheidungspapieren spezialisiert hat. Die beiden Top-Zusteller sind Joe (Perry) und Tony, die beiden können sich jedoch nicht besonders gut leiden. Als Joe den wichtigen Auftrag bekommt, Sara Moore (Hurley) die Scheidungspapiere zuzustellen gibt Kollege Tony der ahnungslosen Sara einen Tip. Doch Joe schafft es schließlich noch, erhält aber ein Angebot, das er nicht ablehnen will: 1 Million Dollar verspricht ihm die Noch-Gattin des Millionärs Moore, wenn dieser die Papiere zuerst bekommt. So würde der Scheidungsprozess nicht im konservativen Texas geführt. „Serving Sara“ enthält lediglich eine Handvoll guter Jokes, ansonsten gibts Geschmacklosigkeiten und lahme Running-Gags. Die Love-Story zwischen Joe und Sara ist wenig originell, die Story vorhersehbar und voller Logik-Fehler. Der Film steht in den Videotheken warm und trocken und dort sollte er auch bleiben.
3/10

Donnie Darko
Es passieren seltsame Dinge im Leben des jungen Sonderlings Donnie (Jake Gyllenhaal). Sein neuer imaginärer Freund Frank ist ein merkwürdiges Etwas mit einer hässlichen Hasenfratze und eröffnet ihm, dass in wenigen Wochen das Ende der Welt gekommen ist. Dann schlägt eine Flugzeugturbine in Donnies Zimmer ein – doch zum Glück ist der Schlafwandler nicht zuhause. Und auch ansonsten ist im Oktober 1988 einiges los in der Kleinstadt. Donnies junge Lehrerin (Drew Barrymore) wird bezichtigt, unpassende Lehrstoffe zu behandeln, und seine Klasse muss das hirnrissige Therapie-Video eines Psycho-Quacksalbers (Patrick Swayze) ansehen, der auch noch persönlich zum Vortag in die Schule kommt. Thematisch bewegt sich der Film irgendwo zwischen realistischem (Teenager-)Drama und Science-Fiction, ist dabei überraschend frei von lästigen Klischees und baut in seiner dunklen Atmosphäre auch echte Spannung auf. Mit dem Budget von nur 4,5 Mio. Dollar konnten gar einige gelungene Spezial-Effekte finanziert werden. Regisseur Richard Kelly hat einen stimmigen Independent-Streifen inszeniert, gut besetzt und mit eigentümlichem Charme. Wegen der thematischen Vielschichtigkeit und mehreren Interpretationsmöglichkeiten auch ein zweites Mal zu genießen.
9/10

Das Leben des David Gale
Regisseur Alan Parker hat bereits mit „Mississippi Burning“ bewiesen, dass er starke Thriller drehen kann. Auch „Das Leben des David Gale“ funktioniert phasenweise sehr gut. Im Mittelpunkt steht eben jener Gale (Kevin Spacey), der in einem Gefängnis in Texas auf seine baldige Hinrichtung wartet. Angeklagt wegen Mordes und Vergewaltigung bietet der ehemalige College-Professor der jungen Journalistin Bitsy Bloom (Kate Winslet) ein exklusives Interview an. In Rückblenden erzählt der Film dann von Gales früherem Leben, und langsam gelangt Bitsy zu dem Entschluss, selbst noch ein paar Nachforschungen anzustellen, um den Tathergang von damals zu klären. Die handwerklich und schauspielerisch solide inszenierte Story hört sich sehr bekannt an, ist aber soweit ich weiss noch nie mit der finalen Wendung dieses Dramas versehen worden. Allerdings aus gutem Grund, denn obwohl das Ende auf eine gewisse Art Sinn ergibt hinterließ es bei mir einen äußerst faden Nachgeschmack.
6/10

3 Engel für Charlie: Volle Power
Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu bekämpfen in aufreizenden Posen einen Verbrecherring, der US-Agenten enttarnen will. Weil die Story erstens nichts hergibt und sie zweitens auch keiner sehen will hat Regisseur McG ein Actionfeuerwerk inszeniert, das sich keine Pause könnt. Mal durchaus komisch, mal ein wenig zu albern und ohne jeden Tiefsinn prügeln, schießen und becircen sich die drei Hauptdarstellerinnen durch den Film, der nebenbei Demi Moore ein Comeback als runderneuerter Ex-Engel auf Abwegen beschert. Kurzweilig, unnötig und hirnlos kommt der Streifen daher, und bevor man es gemerkt hat ist er schon wieder vorbei. Weder langweilig noch spannend bereitet „Volle Power“ all denen Vergnügen, die von den genannten Mankos nicht abzuschrecken sind und die bunten Bilder grinsend über sich ergehen lassen können. Prädikat: „Wenn alle anderen Neuheiten weg sind.“
4/10

I Spy
Reine Formsache: Der Film ist mies. Mäßige Jokes, durchschnittliche Action und eine Story, die beides zusammenhalten soll. Eddie Murphy und Owen Wilson (Hansel aus „Zoolander“) haben beide großes komödiantisches Potential, aber in diesem Mainstream-Langweiler nützt das ebensowenig wie die Präsenz von Schönheit Famke Janssen (Xena Onatopp aus „Goldeneye“). „I Spy“ ist in den Staaten und, wie ich glaube auch hier, derbe gefloppt – bleibt zu hoffen, dass nun bald Schluss ist mit bekackten „2 ungleiche Partner“-Streifen wie „Bad Company“, „National Security“ oder eben diesem.

The Missing

Ron Howards „The Missing“ beginnt gleich in zweierlei Hinsicht untypisch für einen Western. Mit Cate Blanchett steht eine Frau im Mittelpunkt der Story, und die wird dazu eingangs noch auf dem S*****haus sitzend gezeigt. Blanchett spielt die robuste, selbstständige Ärztin Maggie Gilkeson, die mit ihren zwei Töchtern und ihrem Liebhaber Blake irgendwo im weiten Westen der USA lebt. Ihr Vater Samuel, gespielt von Tommy Lee Jones, verließ seine Familie, um eine Indianerin zu heiraten und mit ihr bei ihrem Stamm zu leben. So ist Maggie über sein plötzliches Auftauchen auf ihrem Farmhaus auch alles andere als erfreut.Den alten Mann treibt es schon bald weiter, aber trotzdem kehrt im Hause Gilkeson keine Normalität ein. Ein Ausflug in die nächste Stadt endet mit einer Tragödie, Indianer ermorden Brake (Aaron Eckhart) und kidnappen Lily (Evan Rachel Wood), die ältere der beiden Töchter. Verzweifelt bittet Maggie die Autoritäten um Unterstützung, doch die machen ihr nicht viel Hoffnung. Es bleibt der gottesfürchtigen Frau nichts anderes übrig als sich mit ihrem Vater zusammen zu tun. Bald machen sich Sam, Maggie und die kleine Dot auf den Weg. Sie müssen verhindern, dass die Kidnapper Mexiko erreichen, wo sie ihre menschliche Beute verhökern wollen.

Sam, der sich von Zivilisation und Glauben abgewandt und ganz zum Indianer geworden ist, führt sie bald auf die Spur von Lily. Bevor es aber zum Showdown kommen kann, gibt es für die drei viele Hindernisse zu überwinden, sie müssen mit Krankheiten, Sturzfluten und Voodoo-mäßigem Zauber kämpfen. Natürlich rückt auch die Vater/Tochter-Beziehung hin und wieder in den Vordergrund. Parallel dazu bekommt der Zuschauer auch die Bande von Indianern zu sehen, einem wilden und brutalen Haufen, der früher für die US-Armee gedient hat.

„The Missing? beginnt recht vielversprechend, führt geschickt seine Charaktere ein und entwickelt seine Story in starken Bildern und unterlegt von einem prägnanten Score. Leider geht dem ganzen ziemlich bald die Luft aus. Der Film kann die aufgebaute Spannung nicht halten, er verliert sich in vorhersehbaren kleinen Krisen und wenig originellen Szenen mit Pferd und Schießeisen. Cate Blanchett und Tommy Lee Jones sind dabei nicht das Problem, Blanchett spielt ihre Rolle überzeugend und Jones die seine angenehm zurückhaltend. Doch weder das Drama der Familie noch die Rahmenhandlung sind in der Lage, den Zuschauer zu fesseln.

So saß ich die letzte Stunde des Films doch recht teilnahmslos da, weder arg gelangweilt noch wirklich interessiert. Der große Showdown ist gar nicht verkehrt, zieht sich aber wie der Rest des Films ein wenig in die Länge. Am Ende ist „The Missing? ein sehr viel konventionellerer Western als der Anfang einen glauben machen will. Der Film ist nicht ganz verkehrt, aber empfohlen sei er nur ausgemachten Freunden des Genres.
6/10