In Ihren Augen (DVD)

Manche Filme hat man früh auf dem Zettel stehen, nur um dann um so länger zu brauchen, bis man sie sich endlich ansieht. „In Ihren Augen“, Oscar-Gewinner der Kategorie „Foreign Language Movie“ anno 2010, ist genau so ein Film. Im Kino habe ich ihn verpasst, auf DVD erstmal verschlafen, bis er dann jetzt tatsächlich auf dem Programm stand. Das selbstverschuldete Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt – der Film gehört rückblickend zu den besten seines Jahrgangs.

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127 Hours

Nach „Buried“ kommt mit „127 Hours“ erneut ein Film in die Kinos, der auf eng begrenztem Raum spielt. Doch entfaltet sich in diesem Fall keine Thriller-Handlung, sondern ein äußerst menschliches Drama. Der Film von Danny Boyle („Trainspotting“, „Slumdog Millionaire“) beruht auf einer wahren Begebenheit und lief unter anderem letzten Herbst auf dem Filmfestival von Toronto.

Bei einem Outdoor-Trip in einem Canyon irgendwo in der weiten Wüste von Utah stürzt Aron Ralston (James Franco) in eine enge Schlucht. Unten angekommen muss er feststellen, dass ein Stück Fels mit runter gestürzt ist und den unteren Teil seines rechten Arms zerquetscht hat. Noch schlimmer ist, dass er den Arm nicht frei bekommt – Aron hat nur Verpflegung für einen Tag dabei und wenig Hoffnung zeitnah von irgendwem gefunden zu werden.

Wie der Titel schon andeutet wird Aron es eine Weile in der Schlucht aushalten müssen. Doch Regisseur Danny Boyle erlaubt seinem Film – anders als der stilistisch konsequentere „Buried“ – den Ort des Geschehens auch mal zu wechseln. Man sieht Aron etwa zu Beginn erstmal dabei zu, wie er seine Sachen für den Kurztrip plant, wie er bester Laune in die Wüste fährt, und wie er zwei jungen Frauen die Freuden des Bergsteigens zeigt.

Nach dem Sturz konzentriert sich die Handlung zwar auf Arons zerfahrene Situation, aber mit den Gedanken der Hauptfigur schweift auch der Film visuell aus der Enge hinaus und erkundet die Vergangenheit, die Wünsche, Hoffnungen und Ängste des jungen Mannes. Auch der Humor bleibt nicht auf der Strecke, wenn Aron mit seinem Camcorder ein kleines Tagebuch seiner Zeit im Canyon dreht – für die Nachwelt oder für sich selbst – wenn er denn irgendwie wieder raus kommt…

James Franco, zuletzt als Allen Ginsberg in „Howl“ im Kino, wurde für seine Rolle für einen Oscar nominiert, was definitiv gerechtfertigt ist. Nicht eine Sekunde hat man das Gefühl, einen Film mit einem Schauspieler (bekannt vor allem aus den „Spiderman“-Filmen) zu sehen, der etwas nachstellt – das Geschehen wirkt rundum authentisch, was auch nicht von den Regieeinfällen (Splitscreens, Zeitraffer, etc.) beeinträchtigt wird. Vom Übermut eines überzeugten Outdoor-Fans über den Schock nach dem Unfall bis zu den verzweifelten Versuchen sich aus seiner Lage zu befreien, man nimmt ihm alles ab und fühlt instinktiv mit.

„127 Hours“ ist ein sehr gutes Drama, das den Zuschauer auf einen spannenden Trip einlädt. Intensiv gespielt und mit etwa 90 Minuten recht kurz holt er aus dem Stoff alles raus, was drin steckt. Man muss diese Geschichte nicht unbedingt sehen, „127 Hours“ hat nicht den Anspruch irgendeine Weisheit zu verkünden. Es geht allein um den Moment, die Situation und die Emotionen, was er großartig einfängt. Ob man das sehen will oder nicht (vom Ausgang der Story schreibe ich hier bewusst nichts) muss jeder für sich entscheiden.

4/5

Outguess Edzehard: Meine Oscar-Tipps 2011

[UPDATE: Ich hatte die Kategorie „Editing“ vergessen und nun ergänzt.]

Die Oscars rücken immer näher, am 27.2. wird die endlose Zeremonie stattfinden. Und weil das ganze ohne Tippspiel langweilig ist biete ich hier mal ein solches an. Mitmachen darf jeder, bitte einfach die eigenen Tipps hier als Kommentar hinterlassen. Jeder, der mehr richtig tippt als ich, bekommt (Trommelwirbel….) ein EIS! Drei Kugeln! HAMMER!

Ich bin – wie man unschwer an den Tipps erkennen kann – der Meinung, das „The King’s Speech“ mächtig abräumen wird. Nicht nur, weil er zuletzt viele andere wichtige Filmpreise gewonnen hat und historische Dramen immer gern gesehen sind bei der Academy. Sondern auch, weil der Film absolut großartig ist und einen Oscar verdient hat. Der vorher als Favorit gehandelte „The Social Network“ ist ein gut gemachter Film, aber die mega-erfolgreichen Nerds werden dem König am Rande des Weltkriegs nicht das Wasser reichen können.

Die Liste aller Nominierungen zur Info.

Hier also meine Tipps, basierend auf ein paar Artikeln zum Thema und eigenen Ideen. Ich tippe hier nicht, wer meiner Meinung nach gewinnen sollte, sondern wer gewinnen wird. Nur, damit keine Mißverständnisse aufkommen…

  • Motion Picture of the Year: The King’s Speech
  • Directing: David Fincher
  • Actor in a leading role: Colin Firth
  • Actress in a leading role: Natalie Portman
  • Actor in a supporting role: Geoffrey Rush
  • Actress in a supporting role: Hailee Steinfeld
  • Original screenplay: The King’s Speech
  • Adapted screenplay: The Social Network
  • Cinematography: True Grit
  • Editing: The Social Network
  • Animated feature film: Toy Story 3
  • Foreign language film: Incendies
  • Visual effects: Inception
  • Art direction: Alice in Wonderland
  • Costume design: The King’s Speech
  • Makeup: Alice in Wonderland
  • Sound editing: Inception
  • Sound mixing: The Social Network
  • Music (Song): Toy Story 3
  • Music (Score): The King’s Speech
  • Documentary feature: Inside Job

The King’s Speech

So kann man sich täuschen. Ich hatte „The King’s Speech“ schon innerlich als konventionelles Kostüm-Kino abgeheftet, das von der Oscar-Academy traditionell so gerne mit Preisen überhäuft wird. Tatsächlich erklären sich die 12 Nominierungen des Films aber dadurch, dass er einfach großartig gemacht ist. Der Film ist sowohl ein ganz wunderbares Drama wie auch ein interessanter Historienfilm und dazu eine niveauvolle, sehr sehr witzige Komödie. Da darf und wird es dann auch gerne Preise hageln…

Wie wohl die meisten meiner Leser habe ich nie einen anderen britischen Monarchen erlebt als Königin Elizabeth II.. Die macht den Job ja nun auch schon ein paar Jahre. In „The King’s Speech“ geht es um ihren Vater, George VI., der anno 1936 den Thron bestieg, weil sein älterer Bruder lieber eine geschiedene Frau heiraten wollte – einem König war das aber untersagt.

George VI. (gespielt von Colin Firth) hat seit seinen Kindertagen einen Sprachfehler. Oder vereinfacht gesagt: er stottert. Schon als er „nur“ der Duke of York ist versucht er diesen für den Hochadel doch sehr lästigen Makel zu korrigieren. Doch alle Versuche schlagen fehl, zunächst auch der des mit unkonventionellen Methoden arbeitenden Australiers Lionel Logue (Geoffrey Rush). Als sich abzeichnet, dass George König werden wird und zudem ein Krieg mit Deutschland am Horizont aufzieht hat er dann keine Wahl mehr. Egal wie, das Stottern muss ein Ende haben, wenn sich die Briten in Kriegszeiten hinter ihren König stellen sollen.

Was nach ernsten, historisch aufgeladenem Drama klingt verpackt der Film in eine flüssige, heitere Erzählung, die immer wieder mit treffenden und lustigen Dialogen punktet. Das Geschehen gerät darüber keineswegs zur Farce. Die Leichtigkeit der Erzählung nimmt dem Film die Schwere und macht die Story wie auch die Figuren zugänglicher und menschlicher. Ohne die meisterlichen Darsteller (in erster Linie Firth und Rush, aber auch der Rest des Ensembles ist stark) würde das nicht funktionieren. Insbesondere die Szenen zwischen George und seinem „Sprachtherapeuten“ Logue sind wahrlich großes Kino, voller Witz und Spielfreude, dabei immer überzeugend.

Regisseur Tom Hooper (mir bisher völlig unbekannt) inszeniert die Story mit viel Gefühl für das richtige Timing, von der ersten bis zur letzten Szene fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Man muss auch nicht sonderlich bewandert in der jüngeren britischen Geschichte sein, die wichtigen Informationen vermittelt „The King’s Speech“ ganz nebenbei und lässt so unter anderem auch Winston Churchill auftreten. Wohl auch, weil (zumindest den Briten) das Ende der Story ohnehin bekannt ist legt der Film den Fokus eher auf die Hintergründe und Figuren. Das heisst aber nicht, dass sich die Rede am Schluss nicht auch zu den vielen großen Szenen des Films gehören würde.

5/5

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Links, Links, Links – Die Oscars, Woody Allen und der Facebook-Film

Das Filmfestival von Toronto ist zunehmend ein Schaulaufen für die Oscars geworden. Von den letzten drei Gewinnern für den „Besten Film“ liefen zwei auf dem Festival („No Country For Old Men“ und „Slumdog Millionaire“), und auch dieses Jahr werden einige Filme schon wieder hoch gehandelt. Bei IndieWire kann man nun nachlesen, was für Filme dabei sind, und welche Schauspieler sich (vielleicht) Hoffnung auf einen Oscar machen dürfen…

Den Trailer kennt man wohl schon aus dem Kino, und von der Firma, um die es geht, haben auch schon alle gehört. Die Rede ist von David Finchers Facebook-Film „The Social Network“, zu dem bei Wired.com ein interessanter Artikel zu finden ist.

Zu guter letzt hat die Los Angeles Times mit Woody Allen über seinen neuen Film „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ gesprochen, der ebenfalls in Toronto lief. Der Erkenntnisgewinn ist überschaubar, aber obwohl der Film hier erst im Dezember anläuft kann ein Blick darauf ja nicht schaden…