Kurzkritik: Paterson

Paterson FilmplakatDrama/Comedy, USA/DE/FR 2016

Regie: Jim Jarmusch; Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani

Nach dem großartigen Vampir-Drama „Only Lovers Left Alive“ geht Jim Jarmuschs neuer Film einen Schritt „back to the roots“. In gemächlichem Tempo, ohne einen wirklichen Plot und mit untrüglichem Gespür für die kleinen, großen Szenen des Alltags folgt „Paterson“ einem Busfahrer namens Paterson in der unweit von NYC gelegenen 150 000-Einwohner-Stadt namens – Paterson.

Paterson (Adam Driver) schreibt in seinen Pausen Gedichte, während er Tag für Tag einen Linienbus durch das Untere-Mittelschicht-Suburbia von New Jersey steuert. Seine Freundin Laura arbeitet derweil in ihrem kleinen gemeinsamen Haus an der Inneneinrichtung (sie hat mehr als nur ein Faible für schwarz-weisse Dinge…), perfektioniert ihre selbstgebackenen Cupcakes und entdeckt ihre Liebe zur Gitarre (und Country-Musik).

Jarmusch erzählt ihre Geschichte gewohnt lakonisch, ohne Eile, und mit großem Interesse an den Gedichten der Hauptfigur, die immer wieder per Off-Kommentar eingesprochen werden. Es bleibt lange offen wie der Film eigentlich zu seinen Hauptfiguren und deren Beziehung steht, die gleichzeitig wunderbar schräg und total normal daher kommen.

Der Humor ist mal hintersinnig und mal an der Grenze zum Slapstick, dabei aber nie platt. Patersons Alltag besteht fast ausschliesslich aus Ritualen (eine Katastrophe passiert sich nicht zufällig in einem seltenen Moment der Spontanität), vom morgendlichen Aufstehen über die Arbeit, bei der die Gespräche der Fahrgäste in den Fokus rücken, bis zur abendlichen Gassi-Runde mit dem kauzigen Hund – die immer über eine gemütliche Bar führt, in der sich Paterson ein Bierchen gönnt.

Für Fans des Regisseurs (zu denen ich mich definitiv zähle) ist „Paterson“ eine zutiefst zufrieden stellende Variation bekannter Jarmusch-Themen und -Szenarien. Man fühlt sich schnell heimisch in dem Mikrokosmos, nicht zuletzt weil die Darsteller es hervorragend verstehen, ihren Figuren eine emotionale Aufrichtigkeit zu verleihen, die selten geworden ist im Kino. Wer jedoch bei Jarmusch nur an „Ghost Dog“ oder „Broken Flowers“ denkt könnte (leicht) enttäuscht werden.

4/5

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