Kurzkritik: The Odyssey

Drama/Action, 2026

Regie: Christopher Nolan; Darsteller: Matt Damon, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Zendaya, Tom Holland, Samantha Morton, Elliot Page, John Leguizamo, Charlize Theron

Christopher Nolan, der vor drei Jahren aus einer Wissenschaftler-Biografie einen Blockbuster mit einem Einspielergebnis von knapp einer Milliarde Dollar gemacht hat, hat sich an einer der berühmtesten Geschichten der Menschheit versucht. Mit riesigem Budget, einem halben Dutzend großer Stars und einem massiven Erwartungsdruck.

Wie seine „Odyssee“ in Sachen Werkgetreuheit (wie man liest okay-ish) oder ‚historischer“ Genauigkeit (angeblich eher mau) abschneidet kann ich kaum beurteilen. Und so wirklich interessiert mich das auch gar nicht (Ausnahme: siehe ganz unten). Der Film hat zunächst mal genau das geschafft, was dem Regisseur (und seinem Studio) am wichtigsten sein dürfte: ich bin dafür ins Kino gegangen und nicht enttäuscht worden.

„The Odyssey“ ist ein bewusst überwältigender Film, der mit einer nie dagewesenen Lautstärke (selbst „Dune Part 2“ ist etwas „leiser“ gewesen) und grandiosen Bildern förmlich auf sein Publikum losgeht. Doch der Beginn ist arg gemächlich, für meinen Geschmack eher zu gemächlich. Doch natürlich braucht die Exposition etwas Zeit. Und Nolan ist ein echter Meister der verschachtelten Erzählung („Memento“, „Prestige“, „Inception“, Interstellar“), die (wie ich las) auch schon in der Vorlage vorkommt. Will sagen: der Regisseur nimmt die Steilvorlage dankbar und äußerst gekonnt auf.

Nach einer guten halben Stunde nimmt der Film langsam Fahrt auf, und man erkennt Stück für Stück viele der berühmten Motive, Figuren und Stationen wieder: Sirenen, einen Zyklopen, eine Horde Riesen, eine verführerische Göttin, das Trojanische Pferd natürlich, und eine verzweifelt wartende Königin. Am meisten Freude hat mir das Ende bereitet, das zwar relativ offensichtlich für den Film angepasst wurde, aber dafür über einen Zeitraum von mehr als Fünfzehn Minuten am Stück erzählt und einen großen Teil der Figuren zusammenbringt.

„The Odyssey“ ist ein stylisher Film geworden, der seine weitestgehend sehr gelungenen Effekte fast immer in den Dienst der Story stellt. Man soll wenn möglich keine am Computer generierten Bilder als solche erkennen können – was bei einer komplett künstlichen Figur wie Polyphem natürlich nicht funktionieren kann. An der Besetzung habe ich wenig auszusetzen, auch wenn Tom Holland für seine Rolle wohl eher 10 Jahre zu alt ist (weil er inzwischen eben auch nicht mehr so viel jünger aussieht als er ist, nämlich 30).

Unter dem Strich ist „The Odyssey“ für mich kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Wer jedoch Lust hat, sich mal wieder so richtig dolle im Kino vom Medium Film durchschütteln zu lassen, der wird es wohl eher nicht bereuen – vielleicht aber mit klingelnden Ohren aus dem Saal gehen…

Wo kann ich das gucken?
Im Kino (aber nur wenn man im Voraus bucht).

8/10

+++ Mini-Spoiler +++

Nolans Oddyseus hat eine Message im Gepäck, die nicht jedem gefallen wird. Held Oddyseus bereut, dass seine List mit dem Trojanischen Pferd den Code der Kriegsführung für immer geschädigt hat. Was den Film thematisch sicher nicht zufällig recht nah an seinen Vorgänger „Oppenheimer“ rückt. Das mag mit Homers Vorlage nicht viel zu tun haben, mich hat diese eher moderne Message trotzdem nicht gestört, weil sie einigermaßen glaubwürdig in die Handlung eingesetzt ist. Und die Welt der Antike wäre schließlich – bei werkgetreuer Darstellung von Handlung und Moral – kein passender Stoff mehr für einen Film, der per Definition das Kinopublikum auf der ganzen Welt begeistern will…