Krimi/Drama/Sci-Fi, 2026
Showrunner: Sam Catlin; Darsteller: Colin Farrell, Tony Dalton, Sasha Calle, Laura Donnelly
Der große Twist in der ersten Staffel von „John Sugar“ hat wohl mehr Leute enttäuscht oder verstört als begeistert. Ich habe ihn damals irgendwie so hingenommen, nicht restlos begeistert, aber irgendwie wohlwollend. Man hat sich was getraut, das ist ja schon was wert.
Wie vorzüglich dieser Twist tatsächlich in die Show passt, das wird für mich nun in der zweiten Staffel so richtig deutlich. Denn er beherrscht zwar durchaus den Ton, die Atmosphäre und natürlich die Gefühlslage der Hauptfigur. Aber zunächst fast beiläufig.
Die Serie kreist plot-technisch um einen weiteren klassischen „Missing Person“-Fall, eingebettet in die extensiven Off-Kommentare und die allgegenwärtigen Filmzitate aus (weitgehend aus der Noir-Ecke stammenden) Hollywood-Klassikern.
„Sugar“ verbindet Retro-Elemente mit Futurismus, die betont stylishen Bilder und die quasi jederzeit makellos wie aus einer Hochglanz-Werbung gekleidete Hauptfigur verbinden sich mit einer lakonischen Erzählung, in der der junge Boxer Ji seinen verschwundenen Bruder Danny sucht.
Verhandelt wird zwischen den Zeilen viel mehr als die dabei fast schon unvermeidlich zutage tretende Verschwörung korrupter Cops und Politiker. Der Blick der Show auf die Bewohner von Los Angeles und Umgebung ist ja (wer Staffel eins gesehen hat weiss das) ein ganz besonderer. Und John Sugar sucht weiterhin nicht nur Danny und seinen eigenen Platz in der Welt, sondern seine lange verschollene Schwester. Was die Staffel am Ende in souveräner Manier zu einem herrlichen Finale zusammenführt.
Die Serie bietet damit eine Mischung, die wie für mich gemacht ist. „John Sugar“ ist ernst, aber nicht humorlos, stylish und gesellschaftskritisch, auch düster und brutal, aber niemals zynisch. Voll von Anspielungen und Zitaten, eine liebevoll Hommage an den Film Noir und die Hard Boiled-Filme aus längst vergangenen Zeiten.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Zuschauern die Serie aus denselben Gründen lame findet, die mich zum Fan gemacht haben. Und ich kann das sogar ein bisschen verstehen, weil „Sugar“ ziemlich dick aufträgt. Aber so ist das eben. Für mich war es wirklich ein wahres Vergnügen.
Wo kann ich das gucken?
Bei Apple TV.
9/10

