Filmkritik: 50/50

50/50Regisseur Jonathan Levine hat 2008 das überzeugende Coming-of-Age-Drama „The Wackness“ gedreht, ein Film, der den Ernst des Teenie-Lebens sehr gut mit einer ordentlichen Portion Humor verband. Mit „50/50“ hat er sich nun eine ungleich anspruchsvollere Aufgabe gesucht – die Mischung von Krebs-Drama und Buddy-Komödie. Joseph Gordon-Levitt („Inception“) spielt Adam, einen Produzenten bei einem Radiosender in Seattle. Adam ist noch keine 30 und leidet unter merkwürdigen Rückenschmerzen; völlig unvermittelt bekommt er nach Untersuchungen im Krankenhaus dann die Diagnose. Er leidet an einer seltenen Form von Krebs, hat einen Tumor an der Wirbelsäule. Seine Aussichten: „50/50“.

Adam steht vor den schwersten Wochen seines Lebens. Sein Alltag ist nicht mehr Radio, sondern Chemotherapie, Übelkeit, Haarsausfall und ständiges Erbrechen. Mit Freundin Rachael (Bryce Dalles Howard), seinem besten Freund Kyle (Seth Rogen) und seiner Mutter (gespielt von Anjelica Huston) hat er Menschen um sich, die sich um ihn kümmern (wollen), außerdem ist da noch die sehr junge psychologische Betreuerin Katherine (Anna Kendrick). Doch was hilft einem das alles, wenn man vielleicht schon bald nicht mehr leben wird?

Der Film erzählt nicht nur Adams Geschichte, sondern auch die seines Umfelds. Wie verhält man sich, wenn der eigene Freund/Sohn/Kumpel vielleicht bald sterben muss? Weil neben Hauptdarsteller Gordon-Levitt auch die übrigen Darsteller sehr überzeugend spielen und das Drehbuch die Story mit Herz und Witz anpackt, wird „50/50“ nicht zu einem extrem düsteren Problemfilm, sondern zu einem humorvollen Drama um eine fürchterliche Krankheit.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Film nicht auch eindringliche, äußerst traurige Szenen enthält. Die sind – ohne zuviel verraten zu wollen – angesichts des Themas auch gar nicht zu vermeiden. Die Charaktere in „50/50“ scheinen hin und wieder vergessen zu haben, welches Damokles-Schwert über Adam hängt – aber nicht länger, als es Adam selber schafft, seine Krankheit zeitweilig zu ignorieren. Die Stärke des Films liegt darin, dass Adams Verhalten, sein Umgang mit seiner Situation, realistisch wirkt – in allem, was er tut. Zwar wirken ein, zwei Entwicklungen der Handlung ein wenig eingefädelt, aber die guten Dialoge und starken Schauspieler überspielen das (fast) vollständig.

Durch die genaue Beobachtung seiner Figuren und ihrer schwierigen Beziehungen untereinander bringt „50/50“ zudem ein emotionales Fundament mit, das die Geschichte in dramatischen ebenso wie in humorvollen Szenen glaubwürdig macht. Ein großes Publikum wird er wegen seines schwierigen Themas wohl nicht erreichen. Aber wer sich auf die Geschichte einlässt, der wird es sicher nicht bereuen.

4/5

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