Kick-Ass

Mit dem Erscheinen der ersten Teile von „X-Men“ und „Spiderman“ ging eine Superhelden-Renaissance einher, die bis heute anhält. Bevor sich im Zuge jener Renaissance demnächst „Iron Man“ ein zweites Mal die Ehre gibt kommt eine Art Genre-Parodie raus, die sich des Themas auf etwas andere Art annimmt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Teenie-Loser Dave, der sich – trotz fehlender Superkräfte – als Superheld „Kick-Ass“ aufschwingt, gegen das Verbrechen in New York zu kämpfen.

Ein Mädchen will er damit natürlich auch beeindrucken, Ehrensache. Eine Schlägerei mit fiesen Gang-Mitgliedern bringt Dave aka „Kick-Ass“ ersten Ruhm bei der Internetgemeinde ein, doch bald darauf wächst ihm die Sache böse über den Kopf. Nur mit Hilfe zweier weiterer Feierabend-Superhelden (über deren Identität ich mich hier der Überraschung wegen mal ausschweige) kommt er mit dem Schrecken davon. Doch der Showdown mit dem Obergangster (sehr gut: Mark Brown, zuletzt auch Bösewicht in „Sherlock Holmes„) ist nur noch eine Frage der Zeit – und es wird schwerstes Geschütz aufgefahren…

Matthew Vaughns Film ist mächtig brutal geworden, wobei die übertriebenen Grausamkeiten wohl ironisch verstanden werden sollen. Eine Freigabe ab 16 hätte es hierzulande vor zehn Jahren sicher nicht gegeben. Die Story bedient sich munter bei allerhand bekannten Vorbildern, vor allem bei „Spiderman“, „Leon – Der Profi“, „Kill Bill“, „Superbad“ und „Matrix“ – Fans dieser Filme sind auch die Zielgruppe. Die Mixtur gelingt gar nicht schlecht und sorgt für Lacher und einen insgesamt hohen Unterhaltungswert. Mit zunehmender Spieldauer gehen dem Film dann ein wenig die – zum Teil recht grenzwertigen – Ideen aus, die Story nimmt ein allzu vorhersehbares und recht altbackenes Ende. Unter dem Strich ein sehr solides Unterhaltungspotpourri, aber kein wirklich großer Wurf.

4/5

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Back again!

Nachdem ich hier lange nichts zu aktuellen Kinofilmen geschrieben habe (weil das Programm zu scheel war) geht es in den nächsten Tag tatsächlich mal weiter. Und zwar mit „Kick-Ass“, über den ich nicht sonderlich viel gehört habe, aber mir dann doch im Kino ansehen werde. Ob sich das Unterfangen gelohnt hat wird dann in Bälde hier zu lesen sein…

Alle Jahre wieder …

… stellt irgendwer eine Formel auf, mit der sich angeblich der Erfolg von Blockbuster vorhersagen lässt. Vor ein paar Jahren schlüsselte irgendwer auf, wieviel Prozent Action/Romantik/Komödie, etc. im „Rezept“ – will sagen Drehbuch – enthalten sein müssen. Die Leistung des Regisseurs fand keine Berücksichtigung. Nun hat der Wirtschaftsprofessor Thorsten Hennig-Thurau eine Formel aufgestellt, mit der sich zumindest der Erfolg oder Mißerfolg von großen Hollywood-Filmen treffsicher berechnen lässt (WeltOnline berichtet hier).

Allerdings nur mit einer Genauigkeit von +/- 20%. Und das schaffen Branchendienste auch ohne Formel. Zumal Hennig-Thurau zugeben muss, dass etwa die Auswirkungen von 3-D oder der plötzliche Tod einess Hauptdarstellers (Heath Ledger in „The Dark Knight“) das Ergebnis noch verändern können. Und für eine Binsenweisheit wie „Der zweite Teil eines populären Films ist fast immer erfolgreicher als das Original …“ wird ihm sicher auch niemand einen Preis verleihen.

Das Programm von Cannes

Dass Ridley Scotts „Robin Hood“ das Festival in Cannes dieses Jahr eröffnen wird steht schon länger fest. Seit heute stehen aber auch die meisten Filme fest, die im regulären Wettbewerb laufen, wie EmpireOnline berichtet. Da wäre z.B. Takeshi Kitano, der zehn Jahre nach „Brother“ mal wieder einen Cop-Thriller gedreht hat. Doug Liman („Mr & Mrs Smith“, „Jumper“) versucht sich an einem Politthriller mit Sean Penn und Naomi Watts, in dem die Geheimdienst-Affäre „Plamegate“  aufgearbeitet wird.

Auch Alejandro Gonzales Inarritu („Amores Perros“, „21 Grams“) hat mit „Biutiful“ einen neuen Film im Gepäck. Nicht im Wettbewerb aber trotzdem dabei ist auch Woody Allen, der nach „Whatever Works“ wie üblich gleich weiter gedreht hat und „You Will Meet A Tall Dark Stranger“ vorstellt. Mitspielen tun unter anderem Anthony Hopkins, Josh Brolin, Naomi Watt und Antonio Banderas. Die anderen Namen sagen mir nicht allzu viel, und bis auf den Gewinner (wenn überhaupt) werden die Filme wohl eher nicht in deutschen Kinos anlaufen. Einen deutschen Wettbewerbsbeitrag gibt es nicht, Präsident der Jury ist dieses Jahr Regisseur US-Tim Burton („Alice in Wonderland“).

Der Kino-Sommer 2010, Pt. II

Wo waren wir stehen geblieben? Beim angeblich letzten Teil von „Shrek“, der Ende Juni rauskommen wird. Er beschließt den ersten Teil des Kinosommers, der auf den ersten Blick keinen so spektakulären Eindruck macht. Auf „Iron Man 2“ habe ich wirklich Bock, „Robin Hood“ wird auch mal mitgenommen, ebenso „Repo Men“. Der Rest ist mir mehr oder weniger schnurzpiepegal…

Anfang Juli geht dann – was sonst – mal wieder ein Remake an den Start, nämlich „Predators„. Das Original zählte zu Arnies besseren Filmen, mal sehen was Regisseur Nimrod Antal (zuletzt mit „Armored“ in den Kinos) und Hauptdarsteller Adrien Brody (nicht gerade Gewinner eines Arnie-Lookalike-Contests) daraus machen. Als gute Nachricht würde ich ansehen, dass Robert Rodriguez („Sin City“) als Produzent fungierte, mindestens die Action sollte also fetzen. (Trailer hier)

Am 15. Juli sind die Kinos fest in der Hand kreischender Mädels, mit „Eclipse“ läuft dann der dritte Teil der „Twilight“-Saga an. Blasse Vampir-Teenies, halbnackte Werwölfe – wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Eine Woche später stehen Cameron Diaz und Tom Cruise (zum zweiten mal nach „Vanilla Sky“) gemeinsam auf der Leinwand. „Knight & Day“ sieht nach einer Actionkomödie aus, und könnte glatt Spaß machen wenn der Film hält was der Trailer verspricht. Cruise spielt einen Super-Agenten, der Diaz in seine Mission mit hineinzieht – und dann ist alles doch ganz anders. Oder so. (Trailer hier)

Ende Juli dann der nächste Animationsfilm mit Lizenz zum Geld drucken: „Toy Story 3„. In den USA wird der bereits im Juni anlaufen, aber offenbar will das Studio in Europa nicht gegen König Fußball anstinken und bringt ihn deshalb mit sicherer Entfernung von der WM ins Kino. Ich könnte mich nicht entsinnen die ersten beiden Teile mal am Stück gesehen zu haben, deshalb gibt es hier keine weiteren Infos, aber immerhin noch den Trailer.

Auf den nächsten Film habe ich hier bereits hingewiesen, ebenso auf die Tatsache, dass er mir getrost gestohlen bleiben kann. „The A-Team“ ist zurück, und ich kann mir immer noch nicht vorstellen für den Action-Klamauk den gängigen Eintrittspreis zu bezahlen. (Trailer hier)

Ebenfalls schon auf dem Filmriss Erwähnung gefunden hat „Inception„, der neue Film von „Dark Knight“-Regisseur Christopher Nolan. Der dürfte nach seinem riesigen Erfolg mit dem Fledermaus-Mann annähernd freie Hand gehabt haben bei seinem neuen Projekt. Mit dabei sind u.a. Leo DiCaprio, Marion Cotillard, Ellen Page und Joseph Gordon Levitt, die Tagline des Films klingt immer noch recht verheißungsvoll: „A contemporary sci-fi actioner set within the architecture of the mind.“ Die Erwartungen sind hoch, auch weil sich in diesem Artikel des LA Time-Blogs zum Film einfach alles sehr, sehr gut anhört… Vom Gefühl her DER Film des Kinosommers! (Trailer hier)

Zum Abschluss des Sommers Anfang September sollen hier noch zwei Filme genannt werden. Da ist der Über-Actionfilm „The Expendables„, der die Haudrauf-Talente von Sylvester Stallone, Jet Li, Jason Stathan und Dolph Lungren verbindet. Zudem haben Bruce Willis und Arnie Gastauftritte – was soll also schief gehen? Die Story kreist – welch ein Wunder – um einen Haufen Söldner, die mit korrupten Militärs ein Hühnchen zu rupfen haben, oder wenigstens Abbildung ähnlich. (Trailer hier)

Gegen diese geballte Testosteron-Power tritt am selben Wochenende eine einzige Frau an. Angelina Jolie spielt in „Salt“ eine vermeintliche Doppelagentin, die ein Attentat plant. Um das Gegenteil zu beweisen muss sie sich dem Trailer nach zu urteilen durch die halbe USA ballern, und macht dabei wie üblich eine bella figura. Ob allerdings das Skript genug Substanz hat um dem Film ein Fundament zu geben ist etwas unklar. Wie man hört wurde „Salt“ umgeschrieben, als Angelina Jolie für die Hauptrolle unterschrieb – als „Ersatz“ für Tom Cruise.

Hier gehts zum ersten Teil.

PS: Den Start des „Karate Kid“-Remakes habe ich mal unter den Tisch fallen lassen. Dazu fällt mir echt nix mehr ein…

Kinky stuff: Plant David Lynch Sequel von „Mulholland Drive“?

Laut IMDB.com ist möglicherweise eine Fortsetzung von David Lynchs Kultfilm „Mulholland Drive“ geplant. Das behauptet zumindest Schauspielerin Laura Harring, im Original als „Rita“ mit von der Partie. Ob da was dran ist kann ich nicht sagen, und irgendwie bin ich auch nicht sicher ob das eine gute Nachricht ist. Andererseits wäre es schon interessant zu sehen, was Lynch aus der Story noch machen würde. I’ll keep you posted…

Der Kino-Sommer 2010, Pt. I

Ich würde ja eigentlich lieber ins Kino gehen und neue Filme rezensieren, aber zur Zeit ist da nicht viel zu holen. Wie die deutschen Verleiher es hinbekommen ihren Terminkalender so bescheuert zu gestalten ist mir ein Rätsel. In den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres liefen eine Menge gute Filme an, aber so ungefähr seit „Crazy Heart“ und „Precious“ ging nicht mehr viel. Und ein Blick auf den Spielplan der nächsten Wochen verheisst nichts gutes. Ich jedenfalls habe nicht gerade auf den „Kautions-Cop“, „The Blind Side“, „Cop Out“ oder „Date Night“ gewartet. Und „Kampf der Titanen“ fällt auch nicht in mein Beuteschema, erst recht nicht nach dem willenlosen Trailer.

Was also gibts im Sommer? Anfang Mai startet „Iron Man 2„, über den eigentlich alles gesagt ist. Potential für einen (weiteren) guten Blockbuster ist vorhanden, mal sehen ob die Reihe weiter über dem Durchschnittsniveau bleibt und Mickey Rourke und Scarlett Johansson überzeugen können. (Trailer hier)

Bereits eine Woche später macht „Robin Hood“ dem Eisenmann Konkurrenz. Wobei mich einerseits zwar interessiert, was Regisseur Ridley Scott und Hauptdarsteller Russell Crowe aus dem Stoff rausholen, ich aber andererseits beim besten Willen keine echte Begeisterung für den Film aufbringen kann. Die Neugier wird wahrscheinlich trotzdem siegen… (Trailer hier)

Über meine fehlende Affinität zum Horrorfilm habe ich mich schon häufiger ausgelassen, der Vollständigkeit halber sei es hier erwähnt: Kurz nach dem englischen Edelmann wird die Neuauflage von „Nightmare on Elm Street“ anlaufen. Brauchen tut das wohl niemand so recht, mit Jackie Earle Haley (aka Rohrschach) wurde immerhin ein ausreichend verstörender neuer Freddy Krueger gefunden. (Trailer hier)

Konkurrieren um die Aufmerksamkeit des Publikums wird dabei das Disney-Bruckheimer-Spektakel „Prince of Persia – Die Hände der Zeit„. Wobei letzterer eher auf die junge Zielgruppe schielt und große Abenteuer verspricht. Den pixel-nebeligen Trailer zu dem bunten Potpourri gibts hier…

Als nächstes, wir schreiben bereits Ende Mai, geben sich die Damen von „Sex in the City“ in ihrem zweiten Kinofilm die Ehre. Was mich wundert, ich hätte gedacht die brauchen mindestens fünf Jahre nur um die Gagen für Sarah Jessica Parker und Kolleginnen auszuhandeln. Anyways, Teil eins hat mich auf DVD nicht überzeugt (Surprise!) und deshalb werde ich auch den Nachfolger aussitzen.

Anfang Juni gibt es dann „Repo Men“ zu sehen, über den ich hier neulich schon berichtet habe. Außerdem läuft mit „Vergebung“ der dritte Teil der schwedischen Stieg-Larsson-Verfilmungen an. Ich habe die Bücher ganz gern gelesen, verspüre aber wenig Lust mir das ganze noch einmal als Film anzusehen – die Spannung, von der die Bücher leben, ist ja nun mal dahin.

Für den Rest des Junis steht – zumindest laut Filmstarts.de – noch kein größerer Film fest, mal sehen ob sich das noch ändert. Ende des Monats wird dann der letzte Teil von „Shrek“ anlaufen, der sicher mächtig abräumen wird. Persönlich bin ich nicht so sehr Fan, aber das gilt ja für Dreamworks/Pixar-Animationen generell. Den Trailer zum netten grünen Monster will ich trotzdem nicht unterschlagen: den gibt’s hier.

Was wir dann im Juli und August erwarten dürfen werde ich unter der Woche mal recherchieren und hier zum besten geben!

Auftrag: Rache

Mel Gibsons erster Film als Schauspieler seit 8 Jahren ist kein sonderlich subtiler Thriller, einen weniger billigen deutschen Titel hätte „Edge of Darkness“ (Originaltitel) aber schon verdient gehabt. Gibson spielt Detective Thomas Craven, der recht unvermittelt Besuch von seiner Tochter Emma bekommt. Wenig später wird Emma brutal über den Haufen geschossen. Craven glaubt zunächst, der Anschlag habe eigentlich ihm gegolten, landet bei seinen Nachforschungen dann aber bei ihrem letzten Arbeitgeber, dem semi-militärischen Forschungslabor „Northmoor“. Dort hält Chef Jack Bennett (Danny Huston) die Fäden in der Hand, lässt sich von Craven aber nicht in die Karten gucken.

„Auftrag: Rache“ ist eine B-Movie-artige Mischung aus Rache- und Verschwörungsthriller. Drehbuchgerecht fallen dem trauernden Detective die Indizien in den Schoß, fangen Leute an zu plaudern, betreten zwielichtige Typen die Bühne. Unter diesen ist Geheimdienstler Jedburgh (Ray Winstone), der Craven bei dessen Ermittlungen erst einmal weitgehend gewähren lässt. Das Geschehen hat seine spannenden Momente, die Atmossphäre ist angemessen düster. Mel Gibson – sichtlich älter geworden – hat das Schauspielen nicht verlernt und probiert ein paar neue Gesichtszüge aus, seine Mimik hat mit Riggs aus „Lethal Weapon“ nicht sehr viel zu tun.

Trotz der guten Ansätze und einem passenden Ende kann der Film von „Casino Royale“-Regisseur Martin Campbell sein Publikum nicht so recht fesseln. Zu schnell ist klar, was eigentlich los ist (den Zuschauern noch vor Gibsons Figur), zu nebensächlich ist es, welcher Anzugträger nun eigentlich die meiste Schuld an Emmas Tod hat. Der militärisch-industrielle Komplex gibt einmal mehr den Bösewicht, auch das ist nicht neu oder überraschend. Zumal „Edge of Darkness“ keine große politische Message mitbringt, sondern offensichtlich als Spannungskino verstanden werden will. Als Zeitvertreib für Thriller-Freunde möglich, den Gang ins Kino darf man sich aber sparen.

3/5

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In Meinem Himmel (The Lovely Bones)

Peter Jackson hat sich an die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Alice Sebold gewagt. Darin wird die 14-jährige Susie ermordet und findet sich in einer Welt zwischen Erde und Himmel wieder. Von dort kann sie mitansehen, wie ihre Familie um sie trauert, aber nicht bei der Suche nach ihrem Mörder helfen. Die eigentliche Handlung kreist um die Versuche von Susies Eltern (gespielt von Mark Wahlberg und Rachel Weisz), mit dem Verlust ihrer Tochter fertig zu werden. Weil dabei aber eine der wichtigsten Handlungsstränge aus der Vorlage fehlt kommt das Drama nicht so richtig in Fahrt, auch wenn die Darsteller – unter ihnen auch Susan Sarandon als kettenrauchende Oma, sowie Stanley Tucci als fieser Nachbar – einen guten Job machen.

Jackson ist eher bei den Fantasy-Anteilen in seinem Element, findet prächtige, zuweilen auch recht kitschige Bilder für Susies Zwischenstation auf dem Weg zum Himmel. Reale Dinge und Motive aus dem Film werden dort zu riesigen Objekten, es gibt unzählige Landschaften die sich beständig wundersam wandeln. Die Ermordete selbst kommentiert das Geschehen auf der Erde, das in einem typisch amerikanischen Suburbia in den 70er Jahren spielt. Letztlich ist „The Lovely Bones“ ein sehr ansehnlicher Film geworden, der sicher viele Fantasy-Fans und auch Freunde des gepflegten Dramas zufrieden stellen wird. Echte Begeisterung dürfte er aber in keinem Lager so recht auslösen, dafür ist er wie seine Hauptfigur zu sehr gefangen zwischen den Welten.

3/5

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Durst (DVD)

Park Chan Wook hat vor ein paar Jahren mit „Old Boy“ eine Duftmarke des koreanischen Kinos gesetzt. Ich habe den Film damals gesehen und gemocht, kann mich gerade aber nur an die Stichworte „Rache“ und „krasse Gewalt“ erinnern. Parks neuer Film „Durst“ kreist um den katholischen Priester Sang, der nach der Teilnahme an einem medizinischen Experiment feststellen muss, dass er zum Vampir geworden ist. Daraus macht Park aber keine klassische Vampirstory, sondern ein realistisches Drama – in dem eben ein Vampir im Mittelpunkt steht.

Sang kämpft mit seinem Blutdurst, ist bemüht seine Menschlichkeit zu wahren. Doch seine neu erwachten Triebe erlauben das nicht wirklich. „Durst“ ist blutig geraten, bleibt dabei aber – anders als die meisten modernen Vampirschinken – meist stimmig und nimmt seine Charaktere ernst. Klassische Vampirmotive und schonungslose, zuweilen plakative Psychologisierung gehen Hand in Hand und machen den Film zu einer echten Bereicherung des Genres. Regisseur Park findet einzigartige, verstörende Bilder. Seine blutsaugende Hauptfigur durchlebt große Qualen und Gewissensbisse (Kalauer!), findet aber in Person der hübschen Tae-Ju auch eine liebende Gefährtin.

Mit Mainstream-Vampirkino a la „Twilight“ hat der Film nichts zu tun. Zwar gönnt Park sich und seinem Publikum durchaus aus mal – eher abseitigen – Humor, doch stellt er den Vampirmythos nie in den Vordergrund. Sang ist nun mal zum Vampir geworden, die zentrale Frage der Handlung ist, wie er damit umgehen kann – ohne größeren Schaden anzurichten. Auch wenn „Durst“ etwas langatmig daherkommt erzählt er seine ungewöhnliche Geschichte konsequent und mit vielen Szenen und Ideen, die man so schnell nicht vergisst. Vorraussetzung für den „Genuss“ des Films ist allerdings, das man sich auf gut zwei Stunden andersartiges, gewohnte Sehgewohnheiten in Frage stellendes Kino einlassen mag. Popcorn-Material ist „Durst“ ( ebenso wie „Old Boy) jedenfalls ganz sicher nicht…

4/5