Tenderness (DVD)

Klein, aber fein. So könnte man dieses Krimi-Drama von Regisseur John Polson wohl bezeichnen. Bereits anno 2006 gedreht findet „Tenderness“ nun den Weg nach Deutschland, und landet dort direkt im DVD-Regal. Was deshalb verwunderlich ist, weil Russell Crowe eine der Hauptrollen spielt, und dessen Filme gewöhnlich im Kino laufen. Mit bescheidenem Budget gedreht und basierend auf einer Romanvorlage von Robert Cormier erzählt der Film die Geschichte des 18-jährigen Mörders Eric, der in New York (nicht New York City) aus der Haft entlassen wird.

Detective Cristofuoro (Crowe mit Popelbremse) glaubt nicht daran, dass  Eric wirklich rehabilitiert ist. Er verdächtigt ihn, schon sehr bald rückfällig zu werden. Während das Publikum in Rückblenden peu-a-peu erfährt, was sich ein paar Jahre zuvor zugetragen hat macht sich Eric mit dem Auto auf den Weg nach Albany, um sich Colleges anzusehen – hat aber noch eine andere Agenda auf seiner Reise. Dabei hat er ungewollte Begleitung in Person der 15-jährigen Lori, die sich in den Kofferraum seines Volvo geschlichen hat.

Im Mittelpunkt des Films steht die Beziehung zwischen Eric und Lori, die Eric bald eröffnet dass sie ihn von früher kennt. Was genau sie sich eigentlich von Eric erwartet bleibt lange genauso rätselhaft wie dessen Reaktion auf ihre aufgezungene Gesellschaft. Es ist vor allem den Schauspielern Jon Fonster und Sophie Traub zu verdanken, dass das Geschehen interessant ist und glaubwürdig bleibt. Die Ambivalenz des Drehbuchs bezüglich den wahren Fakten und Motiven ist dabei nicht etwa störend, sondern verleiht der Geschichte Spannung und hebt sie von den unzähligen langweiligen Serienkillerfilmen ab.

Russell Crowe hat in „Tenderness“ nicht sonderlich viel zu tun, seine Rolle ist vergleichsweise simpel. Fehl am Platze ist er trotzdem nicht, und seine Präsenz und Bekanntheit werden dem Film sicher auch nicht schaden. Als illusionsloser und einsamer Polizist auf persönlichem Kreuzzug liefert er eine solide Performance ab.

In der ruhigen, souverän inszenierten Erzählung gibt es wohl durchdachte Überraschungen, die der Story nicht in den Rücken fallen und auch nicht die Intelligenz des Publikums beleidigen. Das macht „Tenderness“ nicht zu einem Meisterwerk, aber zu einem gelungenen Independent-Drama das sich lohnt und im Gedächtnis bleibt (wer den Film mochte sollte sich unbedingt den britischen Film „Boy A“ ansehen, der eine ähnliche Thematik hat, aber ganz andere Wege geht).

4/5

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Die entscheidende Frage…

..ist ja eigentlich immer „Und was passiert als nächstes?“. So auch hier beim Filmriss. Folgendes passiert als nächstes: Nächste Woche gucke ich mir den neuen „Sherlock Holmes“ an, Kritik müsste Mittwoch da sein. Außerdem habe ich „Gegen jeden Zweifel“ gesehen, der am 4.02. startet (und nichts taugt, näheres dann am 4.). Außerdem werde ich mir „Up in the Air“ ansehen, den neuen Film von „Juno“-Regisseur Jason Reitman, der ebenfalls kommenden Donnerstag anläuft.

Auch schon in der Pipeline und zum jeweiligen DVD-Start zu finden: Die Literaturverfilmung „Die Frau des Zeitreisenden“ mit Eric Bana und „The Box“, der neue Film von „Donnie Darko“-Regisseur Richard Kelly, mit Cameron Diaz in der Hauptrolle. Im Kino stehen dann im Februar definitiv noch „The Book of Eli“ und „Shutters Island“ an, hinter „New York, I love You“, „Wolfman“ und „The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans“ stehen noch kleine Fragezeichen.

Smokin‘ Aces 2 – Assassin’s Ball (DVD)

Manche Fortsetzungen kommen irgendwie aus dem Nichts. So auch die von „Smokin‘ Aces„, einer wilden und amüsanten Ballerorgie von 2006, die offenbar ordentlich Geld eingespielt hat. Regisseur Joe Carnahan ist nicht mehr dabei, sondern stattdessen mit dem „A-Team“-Film beschäftigt, und auch die Stars von Teil eins (Ben Affleck, Ryan Reynolds, Andy Garcia) sucht man vergeblich. Die bekanntesten Namen in „Assassin’s Ball“ sind wohl Tom Berenger („Platoon“) und Vinnie Jones („Snatch“).

Berenger spielt den altgedienten FBI-Schreibtischhengst Walter Weed, auf den in der Unterwelt ein Kopfgeld ausgesetzt wird. 3 Mio. Dollar soll sein Kopf den Hintermännern wert sein. Einzige Bedingung: er muss punktgenau um 3 Uhr morgens umgebracht werden. Zu Weeds Schutz werden ein knappes Dutzend Beamte abgestellt, die sich mit ihm an einem vermeintlich sicheren Ort verschanzen. Zeitgleich bekommen die schlimmsten Auftragskiller des Planeten die Nachricht von dem lohnenden Geschäft, und sie alle machen sich auf, um sich die Kohle zu verdienen…

Logik oder plausible Charaktere spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Die Hauptattraktion des Films sind – wie schon beim Vorgänger – die skurrilen und schrillen Figuren, vor allem natürlich die Horde von Killern. Vinnie Jones gibt sich als „The Surgeon“ die Ehre, dazu kommen ein Verwandlungskünstler, eine charmant-giftige Killer-Nonne und eine White-Trash-Psycho-Family, die direkt aus dem „Texas Chainsaw Massacre“ stammen könnte. Nachdem alle fiesen Gestalten hinreichend vorgestellt wurden kommt es dann nach einer knappen Stunde zum Showdown, und alle dürfen zeigen, was für harte Hunde sie sind.

Als ansehnliche Ballerorgie für Fans von „Crank“ und Konsorten funktioniert „Smokin‘ Aces 2 – Assassin’s Ball“ ganz gut. Die Action ist over-the-top, die Story dünn und die große Überraschung wenig überraschend, für 90 Minuten anspruchslose Unterhaltung der gröberen Art reicht es aber aus. Die Effekte sind zum Teil (immer dann, wenn etwas explodiert) doch sehr preisgünstig produziert, ansonsten ist der Film aber solide produziert und nett anzusehen. Wirklich brauchen tut den Streifen wohl niemand, anders als Teil eins wird er auch gar nicht im Kino gestartet, sondern beehrt sofort die Videotheken – wo er auch genau richtig aufgehoben ist und sicherlich sein Publikum finden wird.

3/5

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Gut sieht er aus…

…der Trailer zu „Iron Man 2“. Ich hoffe inständig, dass der Film – mindestens auf dem Level von Teil eins – auch auf eine anständige Story setzt. Zuviel „Transformers“-mäßige CGI-Baller-Action will ich jedenfalls nicht sehen. Zumindest die Besetzung stimmt soweit, Mickey Rourke gibt den Bösewicht, mit Scarlett Johansson an seiner Seite. Außerdem (weiter) dabei sind Samuel L. Jackson, Sam Rockwell, Gwyneth Paltrow und auch Jon Favreau – als Regisseur und Darsteller. Am 6. Mai werden wir es dann genauer wissen…

A Serious Man

Die Coen-Brüder drehen bekanntlich alle Arten von Filmen, nur keine langweiligen. Nach ihrem düsteren Oscar-Gewinner „No Country for Old Men“ und dem heiter-beknackten „Burn After Reading“ kommt dieser Tage mit „A Serious Man“ ihr neuestes, erstaunlich ernsthaftes und persönliches Werk in unsere Kinos. Die Story spielt im mittleren Westen der USA Ende der 60er (als die Brüder eben dort lebten und Teenager waren). Im  Mittelpunkt steht der Mathe-Professor Larry (Michael Stuhlbarg), dessen Welt im Laufe des Films immer weiter aus den Fugen gerät…

Seine Frau Judith erklärt dem verdutzten Larry, dass sie die Scheidung will um mit Sy Ableman, einem Freund Larrys aus der Nachbarschaft, zusammen zu sein. Seine Beförderung an der Uni gerät wegen anonymer Schmähbriefe in Gefahr. Sein Hausarzt bittet permanent um Rückruf. Sein älterer, bei ihm gestrandeter Bruder gerät dauernd in Schwierigkeiten mit dem Gesetz. Ein Student will ihn zwecks einer besseren Note erpressen. Seine Kinder haben ständig was zu meckern. Und ständig ruft im Büro jemand vom ‚Columbia Record Club‘ an, von dem Larry noch nie was gehört hat.

Anders als in vielen ihrer Filme arbeiten die Coens hier nicht mit einem bekannten Ensemble von Schauspielern, sondern mit weitestgehend unbekannten Gesichtern. Die vielen neuen Gesichter ergeben in der Summe einen dann schon wieder Coen-typischen Mikrokosmos. Wie eingangs erwähnt ist der Ton relativ ernst, aber keineswegs im Stile eines klassischen Dramas. Ein herrlich lakonischer Humor zieht sich durch den Plot und die Dialoge, übernimmt aber nie völlig das Kommando.

Hauptdarsteller Michael Stuhlbarg spielt Larry als einen netten, wohlwollenden und intelligenten Menschen, dessen gemütliches Leben förmlich implodiert. Der Humor von „A Serious Man“ steckt dabei vor allem darin, dass scheinbar niemand (vor allem nicht die Rabbis) ihn zu verstehen scheint. Verzweifelt bemüht sich Larry, seiner Lage Herr zu werden, doch das Schicksal – oder doch Gott? – hat andere Pläne mit ihm. Eine geheimnisvolle Kraft treibt da ihr Spielchen mit ihm, was der Film wunderbar akzentuiert, wenn er Larry vor den monströsen mathematischen Tafel-Schaubildern seiner Vorlesung zeigt.

Von dem Vorspann in einem osteuropäischen ‚Schtetl‘ bis zum Ende zieht „A Serious Man“ das Publikum in seinen Bann. Vorrausgesetzt, man geht nicht ins Kino und erwartet einen zweiten „Lebowski“ von den Coens. Wie fast immer haben sie großartige Figuren erschaffen (mein Favorit ist Witwer und Allesversteher Sy Abelman), denen erstaunliche und witzige Dinge widerfahren. Nach dem „Visitor“ und „Dr. Parnassus“ ist „A Serious Man“ bereits der dritte wirklich sehenswerte Film des Jahres – ich hoffe inständig, dass es so weitergehen möge!

4/5

PS: In diesem Interview mit SpiegelOnline stehen Joel und Ethan Coen Rede und Antwort zu den oft getätigten Vergleichen ihrer Hauptfigur mit dem biblischen Hiob, ihren persönlichen Bezügen zum Film und zu ihren Figuren im Allgemeinen…

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Das Schwarze Herz (DVD)

Basierend auf Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „The Tell-Tale Heart“ erzählt Michael Cuestas Film „Das Schwarze Herz“  klassisches Spannungskino. Der alleinerziehende Vater Terry (Josh Lucas, „Sweet Home Alabama“) bekommt ein neues Herz transplantiert. Die Operation verläuft ohne Komplikationen, seine an einer seltenen Krankheit leidenden Tochter Angela geht es ebenfalls gut, und Terry beginnt eine vielversprechende Beziehung mit Angelas Ärztin Elizabeth. Doch einige Zeit nach seiner Operation erleidet Terry heftige Anfälle. Er sieht Dinge, die er nicht einordnen kann, Erfahrungen, die er selbst nicht gemacht hat.

Sehr bald ist klar, dass diese Anfälle mit dem Spender seines Herzen und dessen Ableben zu tun haben. Als wäre er dabei gewesen kann Terry die Ereignisse, die zum Tod seines Spenders führten, sehen. Was in den Polizeiakten als brutaler Doppelmord vermerkt ist, entpuppt sich aber bald als weitaus komplizierter. Der Polizist, der in dem Fall ermittelt (Brian Cox, kaum wieder zu erkennen mit gefärbten braunen Haaren), unterstützt Terry bei seinen Bemühungen, Licht in das Dunkel zu bringen – auch noch, als der damit beginnt, auf eigene Faust tödliche Fakten zu schaffen…

Regisseur Michael Cuesta hat sich mit der Inszenierung von Fernsehserien einen Namen gemacht, passenderweise hat er u. a. in einigen Folgen von „Dexter“ Regie geführt. „Das Schwarze Herz“ ist sein dritter Spielfilm und solides, kühl erzähltes Spannungskino der klassischen Art. Von den Schauspielern über den Plot bis hin zu Schauplätzen und Spannungsboden leistet sich sein Film keine gröberen Schnitzer, ist aber gleichzeitig frei von wirklich bewegenden oder sonstwie herausragenden Momenten.

Der schauerlich-romantische Grundton dürfte der Vorlage von Gruselmeister Poe geschuldet sein, und die Umsetzung ist  durchaus sehenswert. Anstelle von schrillen, unglaubwürdigen Plot-Twists geht die Handlung einen konsequenten Gang und kann ganz am Ende sogar noch mal überraschen. Mehr als eine gelungene Variation bekannter Motive und einen nicht von der Hand zu weisenden Unterhaltungswert hat „Das Schwarze Herz“ schlussendlich trotzdem nicht zu bieten. Der Film ist kein Meisterwerk des abgründig Kinos, dafür ist er weder originell noch düster genug. Immerhin hat der von den berühmten Brüdern Ridley und Tony Scott produzierte Film genug zu bieten, um sein Publikum über die 90 Minuten Laufzeit bei Laune zu halten.

3/5

Surrogates

Die Welt in naher Zukunft. In den USA sind künstliche Menschen zur Normalität geworden. Die echten Menschen bleiben zuhause und steuern ihre künstlichen Pendants durch die echte Welt. Polizisten, Anwälte, Geschäftsleute – sie alle verlassen die eigenen Wände nur noch mit ihren künstlich optimierten „Surrogates“. Eine Reihe von Gegnern dieser neuen Realität weigert sich, auf Avatare umzusteigen. Angeführt von „The Prophet“ (Ving Rhames) haben sie ein „Menschen-Ghetto“ innerhalb von Boston errichtet und sehnen den Tag herbei, an dem der Wahnsinn ein Ende hat.

Die Story beginnt mit dem Mord an zwei „Surrogates“, in dem Tom Greer (Bruce Willis, mit geschöntem Look und 80er-Jahre-Frisur) vom FBI ermittelt. Das besondere an der Tat: nicht nur die Kunstwesen sind zerstört, auch die Menschen dahinter sind ums Leben gekommen – ein nie dagewesenes Phänomen. Die Spur führt bald zum VSI-Konzern, dem Hersteller der „Surrogates“, und zum ehemaligen Chefentwickler der Firma. Bei der Suche nach dem Killer gibt bald auch Greers eigener Surrogate den Geist auf, und er muss – zum ersten mal seit Jahren – wieder höchstpersönlich raus in die Realität..

Irgendwo zwischen „I, Robot“, „Equilibrium“ und Konsorten angesiedelt ist der Film von Jonathan Mostow („Terminator 3“) keine Meisterleistung, aber doch ein unterhaltsames Vergnügen. Das Dilemma einer Welt, in der Menschen nur noch über Maschinen kommunizieren, wird thematisiert, ohne dass der Ton jemals ins Philosophische rutschen würde. Es gibt Action, Spannung und ein allzumenschliches Drama, bis zum Ende stimmig, wenn auch zuweilen etwas plump serviert.

In knapp 90 Minuten erzählt „Surrogates“ eine geschickte Variation des Themas „geklonte Menschen“. Der Film kennt seine Stärken, die eindeutig in der Unterhaltung/Action liegen, macht aber auf den anderen Schlachtfeldern (Drama, Logik, Realismus) auch nicht viel falsch und kommt so recht unbeschadet ins Ziel. Bruce Willis gibt hier in bester „Die Hard“-Manier alles, muss ordentlich einstecken und ist also ganz in seinem Element. Ob man sich für die Geschichte ins Kino begibt, oder sich das bunte Treiben lieber beizeiten zuhause ansieht muss jeder mit sich selbst ausmachen. Viel falsch machen tut man mit „Surrogates“ so oder so jedenfalls nicht.

4/5

PS: Der Film basiert auf dem gleichnamigen Comic, entschuldigung, Graphic Novel, von Robert Venditi und Brett Weldele.

Wenn Liebe so einfach wäre

Meryl Streep zwischen mehreren Männern, das hat im Abba-Gedächtnismusical „Mamma Mia“ gut funktioniert. Jetzt ist die Erfolgsformel zurück, in der romantisch-dramatischen Komödie „It’s Complicated“ (Originaltitel). Streep spielt die erfolgreiche Restaurant-Unternehmerin Jane, deren erwachsene Kids allesamt bereits flügge sind. Da platzt plötztlich ihr Ex-Mann, Charmeur und Anwalt Jake (Alec Baldwin) in ihr Leben zurück und macht ihr schamlos den Hof – obwohl er längst wieder verheiratet ist.

Mann Nummer zwei ist Architekt Adam (Steve Martin), ein bescheidener Typ, ebenfalls geschieden. Auch er kommt Jane langsam näher, ahnt dabei zunächst nichts von seinem Nebenbuhler – denn der ist ja als Ex offiziell raus aus der Verlosung… Das ganze kommt mal heiter, mal dramatisch daher, mit zu wenig Höhepunkten und nicht sonderlich fesselnd. Insgesamt ist der Film zu glatt und nimmt auch nie richtig Fahrt auf. Noch schlimmer wiegt aber, dass keine einzige Nebenfigur interessant ist. Und gerade ein paar unbequeme, nicht stromlinienförmige Typen hätten „It’s Complicated“ aus dem seifigen Mittelmaß herausholen können.

2/5

PS: Vielleicht bin ich auch einfach 20 bis 30 Jahre zu jung für diesen Film…
PPS: Steve Martin und Alec Baldwin werden dieses Jahr zusammen die Oscars moderieren, und den Film dabei hoffentlich ein wenig durch den Kakao ziehen…

Funny People (DVD)

Judd Apatows Aufstieg in Hollywood kann man getrost steil nennen. Zwei erfolgreiche Komödien inszenierte er selber („Knocked Up“, „The 40 Year Old Virgin“), ein gutes Dutzend weitere hat er produziert, für ein halbes Dutzend das Drehbuch geschrieben. Für die letzte Oscar-Verleihung produzierte er eine Comedy-Einlage rund um die Figuren aus „Pineapple Express“. In seinem Schlepptau stieg Schauspieler und Drehbuchautor Seth Rogen – der in den meisten Filmen dabei war – in die Riege der bekanntesten Gesichter Hollywood auf.

Mit „Funny People“ lässt Apatow nun den Klamauk weitgehend hinter sich und verlässt sein gewohntes Terrain. Die Geschichte eines todkranken Star-Komödianten und seine Freundschaft zu einem unerfahrenen Newcomer im Comedy-Geschäft ist eher ein coming-of-age Drama denn eine klassische Komödie. Adam Sandler, bis auf wenige Ausnahmen eher für derbe Zoten a la „Big Daddy“ bekannt, spielt George Simmons, einen reichen, aber unglücklichen TV-Star. Seine Diagnose: eine seltene Form von Leukämie; die Aussichten: wenige Monate zu leben, kaum Hoffnung auf Heilung.

Eher zufällig begegnet Simmons dem angehenden Stand Up-Komiker Ira Wright (Seth Rogen), und heuert ihn als persönlichen Assistenten an. Und weil Simmons trotz aller Millionen einsam geblieben ist findet sich Ira bald in der Rolle des besten Freundes und als Mädchen für alles wieder. „Funny People“ mischt dabei eine Studie des Comedy-Geschäfts mit einem Krankheitsdrama und dem immer wiederkehrenden Motiv der Männerfreundschaft. Doch die Mischung geht nicht so recht auf, der Film wirkt unfertig, die Dramaturgie unbeholfen.

An Adam Sandler liegt es nicht, über weite Strecken ist sein Portrait eines zum ewigen Lustigsein verdammten Misanthropen eine seiner besten Rollen. Auch Seth Rogen (und seine Kollegen aus der Comedy-WG, Jason Schwartzman und Jonah Hill) macht nichts falsch, wenngleich eher hier zum x-ten Male einen ähnlichen Charakter spielt. Auch die Chemie zwischen den beiden Figuren ist nicht das Problem. Das Konzept als Ganzes geht nicht auf, lediglich einzelne Szenen stechen als gelungene Inseln aus den 150 Minuten Laufzeit heraus.

Die Einblicke in die Welt der Stand Up-Comedians, ihre ewige Jagd nach dem nächsten guten Witz und die Rivalität der einzelnen Künstler sind zuweilen erhellend. Und natürlich fallen dabei jede Menge Witze ab – aber ohne Überraschungseffekt, eher als Nebenprodukt der Story. Die wiederum ist insgesamt recht dünn, was nichts schlechtes heissen muss, viele Filme ohne herkömmlichen Plot machen mächig viel Spaß. Durch die Krankheit von Simmons ist hier jedoch ein klarer Rahmen vorgegeben, und die damit einhergehenden Konventionen wirken der an anderen Stellen vorherrschenden Anarchie entgegen.

Der spät einsetzende menschliche Reifungsprozeß von Simmons ist der Kern des Films, hier jedoch stimmt irgendwie das Timing nicht. Simmons wird noch einmal zum arroganten, kaltherzigen Heckenpenner, nachdem er eben jene Arroganz und Kaltherzigkeit eigentlich abgelegt hat. Die Szenen im Hause seiner Ex-Freundin sind nicht überzeugend, ebensowenig Simmons Reaktion auf Iras Verhalten in der Angelegenheit.

Trotz all dieser Schwächen ist „Funny People“ kein schlechter Film geworden. Er ist meist  unterhaltsam, er ist mal rührend und mal komisch und nie wirklich schlecht. Am Ende bleibt allerdings die Frage nach dem „Warum?“ unbefriedigend offen. Ein Film, der so offensichtlich was über das Leben und das große Ganze erzählen will, sollte ein bißchen mehr Tiefe und Scharfsinn aufweisen. Oder eben das Drama zurückfahren und den Humor für sich sprechen lassen.

3/5

Das auch noch: "Karate Kid"-Remake..

2010 wird nicht nur das Jahr, in dem uns das „A-Team“ auf der Leinwand begegnet. Auch ein Remake des 80er Jahre-Hits „Karate Kid“ wird kommen. Niemand geringeres als Jackie Chan gibt den „Mr Miyagi“, und Will Smiths Sohnemann Jayden spielt das lernwillige „Kid“. Den Trailer gibts hier, und ich nehme stark an, dass das hier die letzen Worte sind, die ich zu diesem Thema auf diesem Blog verlieren werde…

Coming soon: die Post-Apokalypse

Mit der Cormac McCarthy-Verfilmung „The Road“ (Trailer hier) und „The Book of Eli“ (Trailer hier) von den Hughes-Brüdern („Menace to Society“, „From Hell“) geben sich im ersten Halbjahr 2010 gleich zwei Filme in den hiesigen Kinos die Ehre, die in post-apokalyptischen Szenarien spielen. Ich bin auf beide sehr gespannt.

Den Anfang macht im Februar „The Book of Eli“ mit Denzel Washington und Gary Oldman. Erste Rezensionen aus den USA – wo der Film dieser Tage bereits anläuft – sind recht positiv. Und wenn man in Zeiten von riesigen LCD-TVs im eigenen Wohnzimmer noch ins Kino stiefelt, dann doch eher für große Visionen als etwa für Hugh Grants neueste Rom-Com – die auch zuhause entweder witzig und unterhaltsam ist, oder eben nicht.

„The Book of Eli“ tritt mit der Tagline „Some will kill to have it. He will kill to protect it.“ an. Eine subtile Charakterstudie würde sicher anders beworben werden. Meine Neugier ist jedenfalls geweckt, auch wenn ich die unzähligen Bibel-Verweise und den selbstlosen Heldentod aus diesen Zeilen schon förmlich herau lesen kann…

Bei „The Road“ liegt der Fall etwas anders. Die Fertigstellung des Films war ursprünglich für Anfang 2009 geplant, daraus wurde aber nichts. Regisseur John Hillcoat hat mit „The Proposition“ bewiesen, dass er düstere Geschichten erzählen kann. Gut zu wissen, denn McCarthys Roman ist mal so richtig düster, außerdem bewegend und fesselnd bis zum (bitteren) Ende.

Der erste Trailer von „The Road“ sah gut aus, ging jedoch deutlich in Richtung Actionfilm – was angesichts der Vorlage wenig stimmig scheint – und, wie Hillcoat gegenüber dem britischen Empire Magazine zu Protokoll gab, auch eher ein Versehen war. Ursprünglich haben die Weinsteins für den Film wohl eine große Oscar-Kampagne angedacht, schon weil die McCarthy-Verfilmung „No Country For Old Men“ unlängst bei der Academy wichtige Preise abgesahnt hat.

Nun fliegt der Film – auch in den USA – eher unter dem Radar und wird in Deutschland erst im Mai rauskommen, wenn die Oscar-Verleihung schon Monate her ist. Gespannt sein darf man ja trotzdem, und in mitten der dann beginnenden Blockbuster-Saison könnte sich „The Road“ als einer der wenigen ernstzunehmenden und ernstgemeinten Filme des Sommer erweisen. Ob das auch Erfolg an den Kinokassen bedeutet wage ich aber mal zu bezweifeln…

Das Kabinett des Dr. Parnassus

Regisseur Terry Gilliams ist bekannt für seine überwältigende Fantasie. In seinen Filmen ist das Außergewöhnliche die Normalität, sei es etwa in dem kafkaesquen Science-Fiction-Film „Brazil“, im Drama „König der Fischer“, im Drogentrip „Fear and Loathing in Las Vegas“ oder zuletzt in „Tideland“. Sein neuer Film „The Imaginarium of Dr. Parnassus“ macht da keine Ausnahme. Auch hier ist die Welt, wie wir sie kennen, nur die halbe Wahrheit, und jenseits von „Dr. Parnassus“ magischem Spiegel liegen noch ganz andere Welten.

Der Film spielt im London der Gegenwart, doch die Hauptfiguren scheinen eher aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu stammen. Mit einer mobilen, von Pferden gezogenen Jahrmarktbude zieht der uralte Dr. Parnassus durch die Stadt. Mit dabei sind seine 15-jährige Tochter Valentina (Lily Cole), der junge Anton (Andrew Garfield, „Boy A“) und der Gnom Percy (Verne „Mini Me“ Troyer). An allen möglichen dunklen Ecken der Stadt beginnen sie ihre Show in bester Schaustellermanier mit Mummenschanz und Gauklerei.

Der alte Parnassus bekommt bald Besuch von einem alten Bekannten. Der Teufel persönlich gibt sich die Ehre, in Gestalt vom ganz in Schwarz gekleideten Tom Waits. In grauer Vorzeit hat sich der alte Doktor auf eine Wette mit ihm eingelassen, und nun ist die Zeit gekommen, seine Schuld zu begleichen. Doch ein unerwartetes Ereignis verdrängt vorübergehend die betrübte Stimmung. Anton und Valentina retten einem jungen Mann, der an einem Strick unter einer Brücke aufgehangen hat, das Leben.

Dieser Mann ist Tony (Heath Ledger), und hat keinerlei Erinnerung daran, wie er unter die Brücke geraten ist. Bald gehört Tony – trotz einiger Spannungen mit Anton wegen der schönen Valentina – mit zu dem merkwürdigen Trupp anachronistischer Gaukler. Langsam erfahren seinen neuen Kollegen etwas genauer, wer er eigentlich ist und wer er vorher mal war… Die Lage mit dem Teufel spitzt sich bald zu, und Dr. Parnassus läuft die Zeit davon, um das Blatt noch einmal zu wenden.

Weil Hauptdarsteller Heath Ledger im Januar 2008 während der Dreharbeiten verstarb, musste sich Terry Gilliam etwas einfallen lassen, um seinen Film noch fertig drehen zu können. Zum Glück gibt es da ja den magischen Spiegel in eine andere Welt – und in dieser Welt ist alles anders. Und so wird die Figur von Tony hinter dem Spiegel von gleich drei verschiedenen Darstellern gespielt. Als Ledgers/Tonys alter ego geben sich Johnny Depp, Jude Law und Colin Farell die Ehre. Und dieser Trick funktioniert so gut, dass man ihn wohl gar nicht bemerkt hätte, wenn die spektakuläre Neubesetzung nicht mächtig viel Schlagzeilen gemacht hätte.

Die größte Stärke des „Imaginarium of Dr. Parnassus“ sind die fantastischen Parallelwelten, in den keine irdischen Gesetze gelten. Die unterschiedlichsten Räume und Welten gehen ineinander über, visuell schwankt der Film zwischen altmodischen Kulissen, monumentalen CGI-Einstellungen und traumartigen, grotesken Verwirrspielen. Die skurillen Charaktere um den ‚tausendjährigen‘ Dr. Parnassus und den immer mal wieder mit einer Zigarette vorbei schauenden Teufel sorgen für heiteres Geschehen.

Zuweilen sind auch einige Längen drin, was unter anderem auch der kruden, nicht immer stringenten Handlung geschuldet ist. Letzten Endes jedoch ist Gilliams neuester Streich eine unterhaltsame und faszinierende Reise durch außergewöhnliche Welten. Die immer spürbare Freude am Geschichten erzählen macht diesen merkwürdigen, einzigartigen Film zu einem großen Vergnügen. Und zu einem äußerst gelungenen Start ins neue Kinojahr.

4/5

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Regisseur von Donnersmarck jetzt doch mit Hollywood-Debut

Der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck hat mit „Das Leben der Anderen“ große Erfolge gefeiert und nicht zuletzt auch einen Oscar dafür gewonnen. Seit längerem steht fest, dass er in den USA durchstarten möchte, nun meldet VarietyOnline Vollzug. Nachdem Donnersmarck das Projekt bereits wegen der guten alten ‚kreativen Differenzen‘ verlassen hatte wird er nun doch die Regie bei dem Thriller „The Tourist“ übernehmen.

Der Film ist eine Remake des unterhaltsamen französischen Thrillers „Anthony Zimmer“ mit Sophie Marceau. Die Hauptrollen sollen Johnny Depp und Angelina Jolie übernehmen, was die Erwartungen an den Film sicher in die Höhe treibt. Die Story kreist um eine Agentin, die einen unwissenden Touristen als Köder auf der Jagd nach einem Verbrecher benutzt. Wer es genauer wissen möchte, der leihe sich die DVD aus – ich erinnere mich nur noch, dass mir der Film durchaus Spaß gemacht hat…

"Spider Man 4" kommt doch nicht…

Also, ich hätte auf eine weitere Fortsetzung von „Spider Man“ ja ohnehin verzichten können. Und jetzt steht fest, dass es auch keine geben wird. Jedenfalls nicht mit Regisseur Sam Raimi und Hauptdarsteller Tobey Maguire. Wegen „kreativer Differenzen“ und anderen Schwierigkeiten hat Sony die für den Sommer 2011 geplante Fortsetzung nun abgeblasen, wie der Independent in seiner Online-Ausgabe vermeldet.

Stattdessen soll (Vorsicht: neudeutsch!) das Franchise gerebootet werden. Mit neuem Spider-Man-Darsteller und neuem Regisseur, und mit dem Fokus auf die Teenager-Jahre des Superhelden. Peter Parker wird also wieder zur Highschool gehen. Nicht ganz unwichtig dabei ist das Gerücht, dass der Neustart der Reihe in 3-D erfolgen soll. Offenbar will Sony ein (großes) Stück von dem Kuchen, den „Avatar“ vor drei Wochen extrem erfolgreich angeschnitten hat…

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